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Armageddon Apple 2

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24. November 2005 20:40 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

BRATAPFEL



21. November 2005 13:21 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Absolute Watchmen

Wenn es jemals ein Comic gab, das es verdient, als übergroße Hardcover-Edition in einem Slipcase neu veröffentlicht zu werden, dann sicher Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons. Ursprünglich eine zwölfteilige Comicserie aus den 80ern, erzählt Watchmen einen eigentlich vergleichsweise straighten Plot aus der Welt der Superhelden. Die in diesem Fale nicht Superman oder Spider-Man sind, sondern auf alten, fast vergessenen Charlton-Charakteren basierende Neuinterpretationen von Moore, die in dieser Miniserie tiefer und resonierender, menschlicher und realer werden als die klassischen Superhelden in ungezählten Jahrzehnten ihrer Publikationsgeschichte. Ich habe das Paperback von Watchmen etwa zehn, zwölfmal gelesen, so alle ein zwei Jahre wieder… und entdecke immer wieder neue Details, die Moore fast manisch in die Story packt. Kleine Motive, Wiederholungen, Phrasen, Bildelemente, Hinweise, die die gesamte Story zu einem chinesischen Puzzle mutieren lassen. Im Grunde ist die gesamte Story ein unglaublich durchkonstruiertes Experiment rund um die Möglichkeiten der Verdichtung von Erzählungsstrukturen. Es wundert kaum, daß Moore im hinteren Extra-Teil des Hardcover eine einzige Seite des Comics auf fast vier Seiten Script en detail für den Zeichner Dave Gibbons beschreibt, der Moores Ideen auf ein strenges Neuner-Panel-Grid verteilen muß.
Das Moore hier mit einem Fuß im amerikanischen Spandex-Genre bleibt, mag auf den ersten Blick abschrecken, sollte aber nie davon ablenken, daß es bei Watchmen nicht wirklich um Superhelden und den Kampf des Monats geht, sondern um die Menschen hinter den Masken, ihre Träume, Ängste, Hoffnungen und ihre eigene Absurdität. Irritierend aus heutiger Sicht ist schon eher, wie sehr das Buch von der nuklearen Angst, die Mitte der Achtziger weltweit greifbar war, geprägt ist und wie verschwunden diese Angst heute zu sein scheint (ohne, daß die tatsächliche Bedrohung verschwunden wäre). Vielschichtig, clever und mit einer unglaublichen Freude am Experiment, wird nahezu jede Seite, jedes Panel des Comics auf eine ganz ruhige, nie aufdringliche Art, erzählerisch aufgeladen, sparsam, unter der Wasseroberfläche. Wer will, kann hier einen Superhelden-Whodunnit lesen, wer will, kann aber auch eine ganz andere Geschichte entdecken und sich daran erfreuen, wie die eingebettete Piratenstory nicht nur Panel um Panel den «realen» Dialog spiegelt, sondern auch die gesamte Geschichte kommentiert, wie Bild und Text miteinander spielen, wie Moore eine ganze Continuity aus dem Nichts erschafft, wie das Smiley-Motiv immer und immer wieder auftaucht, Uhren, Pyramiden, Radioaktivtäts-Warnschilder, wie die Lösung visuell schon auf der ersten Seite angedeutet wird, wie das Kapitel Fearful Symmetry eben auch tatsächlich präzise symmetrisch aufgebaut ist, wie im Watchmaker-Kapitel mit Zeit und Raum gespielt wird undundund… ein trügerisch leichtfüßiges, grandioses, dekonstruktives und zugleich konstruktives Comic, das bisher nicht einmal von Moore selbst übertroffen wurde, geschweige denn von irgend jemand sonst. Wenn es so etwas wie ein Citizen Kane des Comic Genres gibt… Watchmen ist es. Zumal es Moore gelungen ist, mit Charakteren wie Dr. Manhattan, Ozymandias und vor allem Rorschach einen der seltsamsten Antihelden-Pantheon schlechthin zu schaffen. Rorschach, der als rechtslastiger Soziopath durch das Buch geht und am Ende doch als einziger ohne Kompromisse aufrecht seinen Weg geht, dem Tod ohne Bedenken in die Augen sehen kann. Never compromise… even in the face of armageddon.

20. November 2005 16:57 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Porcupine Tree Live Köln



Samstag abend in der Live Music Hall in Köln. Sehr sehr voll, sehr gemischtes Publikum. Seltsamerweise ist es hinten etwas voller als vorne, je näher man an die Bühne kommt, desto mehr Sauerstoff hat man wieder. Die Stimmung und der Sound sind vorne natürlich auch besser, hinten ist es irgendwie zu leise. Die Band spielt sehr präzise 90 Minuten, eine Zugabe à zwei Songs, viel zu wenig, das wirkt zu routiniert, etwas kalt. Bei der Stimmung im Saal wäre eine zweite Zugabe schon nett gewesen. Das gesamte Set ist unglaublich sauber gespielt, jeder Musiker an seinem Instrument wie ein Uhrwerk, aber doch mit Spaß dabei. Für mich als Schlagzeuger ist der Drummer natürlich ein Geschenk, und es ist fast überraschend zu sehen, wie konzentriert und entspannt Gavin Harrison (der ja erst seit 2002 zum Line-up zählt) an seinem Kit eine wahre Naturgewalt entfesselt. Überhaupt – PT sind eine klare Mucker-Band, im Publikum unterhalten sich die Leute angeregt über den Instrumentalisten ihrer Wahl, ein Teil der Magie der Band ist eben, daß sie nicht nur einen von Pink Floyd ausgehenden weiterentwickelten psychedelischen Prog Rock macht, der fast schlafwandlerisch von ruhigen, fast süßlichen Passagen zu grandiosem Metal jenseits von DreamTheatre wechselt, mit komplexen Timings und Phrasen, sondern eben auch, daß jeder da oben auf der Bühne absolut sein Handwerk versteht. Die Musikstile, die Porcupine Tree vereinen, sind inzwischen so vielseitig und handwerklich derart zu einem homogenen Guß geworden, daß diese Band als langjähriger Geheimtip wohl nie einen echten Hit haben wird, sehr wohl aber Freunde aus den verschiedensten musikalischen Lagern und Altersgruppen bindet. Das musikalische Endergebnis ist geschliffen und zu jeder Sekunde perfekt, aber niemals blutarm oder emotionslos wie bei vielen anderen Musiker-spielen-für-Musiker-Kapellen. Im Gegenteil, gegenüber den Studioversionen (die ja schon unglaublich kraftvoll sind) wirken die Live-Fassungen wie feinst dosierter Sprengstoff. es gibt Passagen, wo dich die reine Wucht des Wall of Sound plattwälzt. Mit Trains endet das Konzert, viel zu kurz leider.

Das Konzert wird am 9.01. im Rockpalast (WDR) übertragen.
(Die Photos oben sind von der WDR-Site)

16:02 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

Mirrormask


Hier sind einige Trailer und Excerpts aus Mirrormask, dem ersten abendfüllenden Feature-Film von Designer/illustrator Dave McKean und Autor Neil Gaiman

18. November 2005 10:40 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

MUSIC

Sigur Rós Hlemmur
Das nach dem Konzert noch ein paar mehr Sigur Rós CDs herkommen würden, war ja abzusehen, oder? Diese EP hat Sandra auf dem Konzert versehentlich anstelle der Amina-EP gekauft. Ist aber ein guter Fehlgriff, da Hlemmur - ein Soundtrack zu einem Kurzfilm über die Obdachlosen, die an einer gleichnamigen Bushaltestelle leben – Sigur ungewohnt feingliedrig und ruhig, fast in Richtung Múm präsentiert. Erst am Ende (und dann wirklich schön) bricht die aufgestaute Tendenz zum Bombast kurz durch, ansonsten ist die Platte skizzenhaft, fragil, wehmütig und architektonisch. Ausgezeichnet.

Camille Le Sac des Filles
Das erste Album der französischen Nouvelle-Vague-Sängerin Camille ist überraschenderweise so derart anders als das zweite Album Le fil, das ich zuerst dachte, einen komplett anderen Künstler gekauft zu haben. Wo Le fil eher an eine gelungenere Variante von Björks Medulla erinnert – perlender, poppiger, weniger nervig pseudokünstlerisch, aber rein technisch ähnlich fragmentarisch aus Stimmensamples und Beatboxelemente gestückelt – ist Le Sac des Filles traditionell ausgerichtet. Die Musik ist weniger elektronisch, manches erinnert fast an eine Art französischer Fiona Apple in der Produktion. Hat mich unterm Strich spontan nicht ganz so begeistert wie Le fil, ist aber eine absolut hörbare und vielversprechende Debütleistung, die den Sprung auf dem zweiten Album erst recht nahezu stellar scheinen läßt.


Kim Hiorthoy Hei
Ich schätze Kim eigentlich als genialischen Designer, der mit skandinavischem Hang zur verschrobenen seltsam kleinteilig anmutenden Leere die Cover des exzellenten Rune Gramofon Labels gestaltet und unter anderem auch für Motorpsychos Artwork verantwortlich zeichnet. Als Musiker schließt er wunderbar konsequent an sein humorvolles, frickelig-verspieltes und doch oft einsames und melancholisches Grafik Design an. Übereinandergestapelte Samples, seltsame Drumloops, analoge Momente, komisch ineinandergeschobene, leicht atonalen Kindermelodien und das Low-Fi-Ambiente, wie wir es eben auch von Múm kennen. Nur alles (noch) sparsamer, etwas kühler, etwas schneller, etwas privater. Und wie auf seinen Artworks in einem Meer aus Rot ein schwarzer Punkt
eben präzise an der richtigen Stelle sitzt und nirgendwo anders
hinzudenken wäre, so sitzen auch hier die Instrumente perfekt auf der
fast leeren Leinwand. Die Melodien sind kaum mehr als Skizzen auf einem leeren Blatt Papier, die Drumbeats kleine Krümel von Radiergummi und Graphit. Eine nicht immer ganz eingängige Platte, in die es sich aber jederzeit einzuhören lohnt.

Various Le Pop 3
Da mir Camille so lag, habe ich mir schnell via Sampler einen Überblick über den französischen Mainstream-Pop machen wollen. Solche Sampler erinnern eben auch an ähnliche Compilations, wie es sie von deutschem Pop gibt und da muß man entsprechend vorsichtig urteilen, weil man als Außenseiter zum Teil schlecht abschätzen kann, wo Tokio Hotel aufhört und Tocotronic anfängt. Der Rundumblick zeigt eine Poplandschaft, die an die bessere Hälfte der dann eben nicht allzu radiokompatiblen deutschen Popszene zeigt, mit vielleicht einem Schlag mehr ins französische Chansongut (irgendwie logisch) und mehr Elektronik. Kaufenswert, weil unbeschwert weghörbar.

Sigur Rós Takk
Und unsere Sigur-Klammer schließt sich. Takk ist aus meiner Sicht das beste Album von Jón Thór und Co bisher. Und das heißt insofern etwas, als daß bisher jedes Album das Beste war. () war greifbar erwachsener als Agaetis Byrjun und das war für ein offizielles Debüt (Von soll ja angeblich vorher entstanden sein) ja schon eine Offenbarung. Es gibt kaum Bands, von denen man das Gefühl hat, etwas wahrhaft neues zu hören. Bei Sigur hatte man aber bei Agaetis das Gefühl, das es etwa genau so gewesen sein muß, seinerzeit zum ersten Mal Mike Oldfields Tubular Bells oder Pink Floyds Dark Side of the Moon zu hören. Bei Takk hast du dieses Gefühl freilich nicht mehr, zum einen, weil es einen solchen shock of contact nur beim ersten Mal geben kann, zum anderen weil Sigur inzwischen so viele Bands inspiriert hat (man beachte, wie fast vollständig sich der Sound von Radiohead inzwischen geändert hat), das ein neues Album der Reykjaviker per se eher eine Weiterentwicklung bietet, keine Revolution. Sigur waren für mich, als sie aufkamen, die logische Weiterentwicklung von Klangteppich-Bands, wie wir sie in den 80ern mit 4AD-Bands wie This Mortal Coil hatten: wabernd, melancholisch, inbrünstig, nur eben gekoppelt mit linearen Steigerungen, mehr Noise, mehr Schizophrenie. Waren die ersten beiden Alben der Soundtrack zum Borderline-Syndrome, so wirkt Takk nun etwas ruhiger, erinnert mich mehr an Múm (und immer wieder Múm, pro Erwähnung gibt es zwei Euro… aber wer muß bei den ersten Klängen von Glósóli nicht an Múm denken?), der Einfluss der Amina-Damen, die die Band auf Tourbegleiten, blitzt durch, es gibt mehr rhythmische Noise-Samples, mehr simple Melodien, das ganze ist sparsamer (und zugleich deutlich aufwendiger produziert und arrangiert). Mehr Glockenspiel, mehr Piano, mehr akustische Instrumente, gleichzeitig mehr Elektronik, mehr Samples, mehr Low-Fi. Gegen Ende von Sé Lest darf es auch mal humorig werden, wenn Marschkapellenrhythmik durchblitzt. Herkömmliche Songstrukturen ergeben sich fast widerwillig, das Schlagzeug wicht immer öfter kleinen rhythmischen Sampling-Strukturen à la Console. Und wenn es nicht völlig in die Irre leiten würde, könnte man vielleicht sagen, Takk ist christlicher, introvertierter, mehr Gospel, die Bandbreite zwischen High und Low aufgefächert, zwischen Demut und Erhebung angelegt, strukturell näher an der Klassik als am Rock. In die Irre leitet das nicht zuletzt deshalb, weil der Hang zum Brachialen, zu monströsen Gitarren-Soundscapes, massiv verhalltem und verzerrtem Schlagzeug und zu fast bedrohlich wirkendem epischem Widescreen-Krach ungebrochen vorhanden ist. Das hier ist also beileibe kein altersweises Album, ganz im Gegenteil. Aber man wird den Eindruck nicht los, daß die epische Wucht hier viel gezielter aus den Pausen kommt, aus der Stille, aus dem Gegensatz, aus der Sehnsucht. Diese kompromißlose Nutzung der Ruhe ist eine ausgesprochene Stärke aller nordischen Künstler, egal ob Musiker, Autoren oder Filmemacher… und Takk beweist sehr eindrucksvoll, daß Sigur Rós neben dem Feuer eben auch das Eis beherrschen

07:15 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

COLORCALM

Colorcalm by design ist eine DVD, die animierte Designs von Größen wie John Maeda und Peter Saville mit Musik von New Order und Ryuichi Sakamoto kombiniert – das ganze gedacht als Raum-Ambience, die auf Großbild-TFTs laufen kann. Welcome to Postmodernism.

11. November 2005 22:09 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Human Upgrades

Es ist natürlich so, daß das hier ein Fake ist, und ich höre die adbusters förmlich kichern… aber der Background ist nicht zu fiktiv. Nanotechnologie, transgene Modifikationen und Robotik dürften solche enhancements in nichtallzuferner Zukunft denkbar machen. Die Geschichte der Menschheit ist schließlich die der Auflehnung gegen die eigene (hoch mangelhafte) Natur. Medizin, Chemie, Technologie sind Medien dieses Widerstandes … und schon, wer sich auf der Sonnenbank bräunt, sich rasiert, die Augen lasern oder Fett absaugen läßt, ist schon auf dem Weg ins postnaturalistische Zeitalter. Nanobots unter der Haut sind nur die Corsagen der Neuzeit. Was anfangs wie Verstümmelung wirken und eher eine kleine fringe culture ansprechen wird, die schon heute bereit ist, sich Stahlkugeln subkutan einzupflanzen oder Schraubgewinde für Hörner in den Kopf zu setzen, wird als Massenbewegung (jedes fringe movement wird mittelfristig, inzwischen eigentlich fast in Echtzeit, globale Massenkultur, siehe Piercing, Tattoo und andere Außenseiter-Abgrenzungsmerkmale, die inzwischen zum Mainstream geworden sind) wahrscheinlich dafür sorgen, daß unsere Zukunft eben nicht die sterile Welt von Gattaca ist, sondern eher ein surrealer Hort voller Freaks. I’m quite looking forward to it…

via C-Blog

14:29 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

The Future Of Television

Guter Artikel bei Slate über normales Fernsehen im Zeitalter von iTunes. In der Tat merkt man z.B. an Alias, einer Serie, die in Deutschland extrem schlecht lief und deren 3. und 4. Staffel bei ProSieben anscheinend im Regal schlummert, daß es einen Markt jenseits des normalen Broadcastings gibt, derzeit ist das eben die DVD. Mittelfristig wird es PayTV via Internet sein. CD-Shops, Videotheken, TV-Sender… Dinosaurier, die das globale 1-on-1 des Webs nicht leisten können und dabei noch zu teuer sind. Wobei ich weniger denke (bzw. hoffe), daß eine zentrale Stelle wie iTunes geben wird, sondern auch große Majors, die ihre Produktionen vertreiben und natürlich kleine Independent-Labels. Im Grunde wird hier eine ähnliche Parallelwelt entstehen wie bereits bei Webcomics, wenn man sich anschaut, wieviel Zeichentrick und Fan-Movies bereits online verfügbar sind, haben wir eigentlich bereits TV-via-Internet. Man nimmt es nur nicht mehr so wahr. Mobile Videoplayer werden unser Verhalten kurzfristig dahingehend ändern, daß unsere DVD-Sammlung mobil ist und wir in einigen Jahren vom iPod wireless unsere Filme auf dem TV-Bildschirm/VR-Brillen sehen werden. Der iPod greift dabei aber zu kurz. Am Ende brauchen wir den kleinen mobilen Alleskönner, der in Verbindung mit einem online-Server, der die Datenmengen in Echtzeit bereitstellen kann, Musik, Video, Datenapplikationen auf die medialen Endgeräte funken kann, via RFID unseren Alltag co-organisiert (uns also die Einkaufsliste schon halb schribt, weil er besser als wir weiß, was noch im Kühlschrank stand) und generell als persönlicher Assistent funktioniert, vom Türenöffnen/Wagenstarten bis zum Geldverkehr, zur Identifikation. Und eben nebenbei zum Video-Telefonieren, Internetsurfen (ich frage mich nur, ob wir es in ein paar Jahren noch Internet nennen werden… bestenfalls aus Nostalgie) usw.
Mir fällt es zunehmens schwerer, zugegeben, drauf zu warten :-D.

Auf der anderen Seite kaufe ich derzeit wieder mehr CDs, lade weniger herunter (oder nur zum Soundcheck) und freue mich kindlichst am Aufreissen des Cellphans, dem Papier des Booklets, am Siebdruck auf dem CD-Spiegel… an all den kleinen Sachen, die das Designerherz höher schlagen lassen. Um gar nicht erst von Vinyl zu reden oder Hardcover-Büchern. Edlen DVD-Packs. Die Entkörperlichung von Medien ist auch ein Erlebnisverlust, es fehlt die kongeniale Möglichkeit zur Aufbereitung, Verpackung, Verschleierung, die Elevation. Mittelfristig ist das schon ein weiterer Schritt weg vom Fleisch, eine weitere Abstraktionsstufe zwischen Mensch und der ihn umgebenden Welt. Bei allem Technorati-Jubel… MP3 und Co besitzen auch den Beigeschmack von Astronautennahrung.

08:50 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Sigur Ros live Köln

Um die Wahrheit zu sagen, ich bin kein Sigur-Ros-Connaisseur. Es ist für mich schwer, eine Band wirklich zu kennen, deren Songs Worte wie Svefn-G-Englar, Vaka oder Hafsol und Heysatan verwenden, deren Mitglieder sich auf Alben anonymisieren, auf Tracklistings, Photos und das ganze übliche Marketing-Pipapo verzichten. Sigur sind, wie Joy Division und davor Pink Floyd, in vieler Hinsicht eine Band der Verweigerung. Dennoch liebt man natürlich eine Band, deren Sound – wie der von Polyphonic Spree – seinerzeit etwas zwar nicht ganz neuartiges, aber eine überraschende neue Synthese darstellt und die den Brückenschlag zwischen Kunst und Pop mit ungewohnter Lässigkeit meistert. Sigur steckt irgendwo in dem Gerüst zahlloser Bands, die sich gegenseitig beeinflußen, hat die lineare Crescendo-Methodik, die wir bei Mogwai und Explosions in the Sky auch finden, den nöhlenden Gesang und die texturartigen Musikschichten der (neuen) Radiohead, die eindeutig von Sigur beeinflußt sind, und natürlich Múms Hang zu dieser Mischung aus naiven, kindlichen Melodie-Sequenzen, die gegeneinander aufgestapelt werden und auch deren Liebe zur seltsam maschinellen Samplerhythmen, die immer klingen, als wäre ein Kühlschrank kaputt. Im Baßbereich jede Menge bewährte Harmonielogik von U2 und Coldplay, die das ganze zusammenhält.

Es ist selten, daß ich ein Konzert nicht sehe, sondern höre, weil man eigentlich zwangsläufig nur mit geschlossenen Augen dasteht und sich konzentriert (es gibt auch nicht allzuviel zu sehen, eine handvoll studentisch wirkender dürrer Jungs, wenig Licht, etwas Backdrop-Projektion). Die Musik funktioniert besser, wenn du nicht hinschaust. Nicht weißt, wie sie gemacht wird. Es stellt sich beim konzentrierten Hören wieder heraus, daß Sigur Ros eigentlich eine Form spiritueller Musik machen, jeder Song in dem seltsamen elfischen Falsett von Jón Thór Birgisson wirkt wie ein Gebet, inbrünstig und leidend. Die Harmonien, der Einsatz von grandios durch den Leslie gedrückter Orgel und Streicherflächen, der stete Wechsel zwischen fast lautloser Andacht (live etwas nervend, weil die Geräte natürlich brummen) und furiosem wütenden Lärm (live etwas nervend, weil das letzte Quentchen Baß und Power im Sound fehlten)… da ist keine Frage das die Musik direkt an dein Herz will. Entsprechend stehen im Publikum Leute, überraschend oft die Augen geschlossen, leicht wippend, entweder ein entrücktes Lächeln auf dem Gesicht oder einen konzentrierten, fast mitleidenden Ausdruck.

Das Set irrlichtert grandios zwischen «Hits» und unbekanntem, neuem Material vom Takk-Album, die Band hat hier und da Timingprobleme, der Baßmann den wohl langweiligsten Job der Welt, der Schlagzeuger ist hier und da eher schlecht, der Sound nicht differenziert, aber letzteres soll wohl auch so sein. Wall of Sound.

7. November 2005 06:34 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

SOME MUSIC

Anna Maria Jopek Secret > Die erste englischsprachige CD und sehr sehr sehr kommerziell. Immer noch gut, aber man riecht den Wunsch nach Erfolg, bei Alben wie Barefoot oder Farat war sie entspannter.

Arvo Pärt Lamentate > Großartig. Nichts unerwartetes von Pärt, aber wunderbar.

Broken Social Scene > Hat Kirsten mir schon vor ewig aus Kanada empfohlen, aber höre ich mal auf sie? Aber jetzt. Exzellentes Album.

Camille Le Fil > Großartiger, grandioser Irrsinn. Exzellent.

Kate Bush Aerial > Kate Bush lebt noch? Okay. Klingt weitgehend nicht nach dem, was man nach so einer langen Pause erwartet, gerade bei einem Doppelalbum, was immer nach Konzept und megaambitioniert klingt. Insgesamt nett, altersweise, klingt halt wie Peter Gabriel mit anderen Vocals. Sehr leicht.

6. November 2005 08:26 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

DIGITALL

Camila Amorim macht mehr aus alten Telefonen

Are there interactions that exist in normal spoken conversation that could be expanded upon within a disembodied communicative context? Is there a more meaningful way to «call» people than dialling numbers on the phone? Can we anticipate a «good» moment to call someone even before calling? We developed an «always on» home telephone that attempts to enrich voice based communications and enhance the experience of calling based on visual feedback. We repurpose the home telephone as set of individual transmitters, each of them connected to a house or a person, which can be plugged and unplugged to the system along time according to which people the user wants to be connected with. Each of these panels is customizable and can be shared as a gift/visiting card between friends

via wemakemoneynotart

5. November 2005 21:30 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.


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