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DIENSTAG//MITTWOCH

Gestern lief Arbeit am Schneiderbuch-Projekt. Volker Scheller hat ordentlich Drive und gute Ideen, liefert schnell und verlangt schnelle Arbeit. Zu Recht. Macht Spaß. Außerdem werden zwei wirklich schöne und sehr verschiedene Abendprogramme für Bielefeld fertig. Steffi sitzt am Januar-Lepo, Alex macht Buttons, Julia wuppt Schneider-Material. Work is hard, but playful. Der Druck ist da, aber schaffbar. Didi kommt vorbei. Weil er jetzt selbst in einer Beziehung steckt, hat er zu wenig Zeit, und die Weihnachtsparty scheint nicht mehr so sicher. Das wär aber mal shit, Meister. Marian sitzt an der nodesign-Site und produziert ein ausgefuchtes CMS mit eingebauter Bildskalierung, Beschneidungstools usw, das die Thumbnail-Erstellung schön easy macht. Exzellent.

Abends mit Steffi und Nina im Medienhafen, Mongos und Cocktails, aber – ich habs dank Polizeikontrolle offiziell – kein überhöhter Alkoholkonsum. Wollte ewig ins Mongos, das Warten hat sich gelohnt. Trotz des Service-Gastronomie-Ansatzes und der etwas deftigen Preise einfach eine saugute Idee, wundere mich, warum die noch keiner nachahmt. Danach so bis um kurz vor 5:00, Wahrheit oder Pflicht spielen. Wenn man schon wieder 18 ist, dann auch mit Verve. Very nice, auch wenn zum Spielen mehr als drei Leute schon (noch) lustiger gewesen wären. Spielt man es nur lange genug, wird das Spiel sogar irgendwie sinnvoll. Anytime again! Time very well-killed.
Um 8 aus dem Bett, baden, spazierengehen (Endorphine tanken), Shopping, Blumen für Julia, weil ich ja genau weiß, daß das das ALLERLETZTE ist, was wie erwartet und will. Jule hat heute ihren letzten Tag, schadeschade!!! Einen richtig klassischen Strauß natürlich für sie, nichts modernes. Ich kaufe einer Frau, die sich mit ihrem Mann nicht einigen kann, welche Blumen sie kaufen soll, die Alternativauswahl (einen hochkitschigen Weihnachtsmann mit Weihnachtsstern. Evi kommt noch vorbei und wir frühstücken alle zusammen, reden über ihr Mars-Diplom und über jede Menge Schwachsinn sonst. Dann weiter der Schneider/Brezina-Job, jede Menge Dummy-Bastelei für den «Photoshoot» morgen. Heute abend mit Björn in DD, etwas quasseln.

30. November 2005 17:56 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Katzenplatzen

Aus der gleichen Hirnecke, die auch Ideen wie das Fluppenwuppen, das Forellenschellen, das grandiose Glockenblocken und nicht zuletzt auch die Aalattacke hervorgebracht hat kommt ein neues phantastisches TV-Spiel-Konzept: Ab welcher Höhe fallen Katzen eigentlich nicht mehr auf die Füße? Live vom Kölner Dom (wo ja bereits das Glockenblocken lief) und aus dem Heißluftballon über Lengerich. Das ganze unter dem Titel:

17:06 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

EAT MAN DRINK WOMAN

Langweilig ist das Wort, daß ich in letzter Zeit oft sage. Nicht nur, weil so eine Trennung durch bestimmte Stufen läuft, die du ja theoretisch kennst und durch die du eben doch peu à peu durchmußt, wie durch einen dicken Eisberg, ohne Shortcut. Aber auch, weil ich die ganze Geschichte inzwischen so oft erzählt habe, daß ich merke, wie ich schon in bestimmte Floskelschubladen greife. Bestimmte Formulierungen, die immer und immer wieder kommen (weil sie auch gut sind :-D). Abwechslung bringt, daß ich streite mich mit meiner Mum, weil ich ausgerechnet Sandra in Schutz nehme, gegen neues Verliebtsein kann sie ja auch nichts machen und so. Und wenn du gerade denkst, du hast den Kopf über Wasser kommen dann von ihr pragmatisch-kühle Mails über Sachenabholen und so, die dir die Lust am Verteidigen irgendwie nehmen. Der Ton ist reduziert und knapp, effizient, und dein Kopf weiß ja, daß das gut und fair ist, daß man das gemeinsam auf diese Art eben auch sauber hinkriegt, aber Gott, dein Bauchgefühl geht voll in den Keller. Jede Mail sagt eigentlich ja: Das ist alles real. Das passiert echt. Paola und Kurt kommen immer noch nicht hinterm Vorhang hervor. Du wünscht dir dabei nur, vorspulen zu können, den ganzen Prozeß zu beschleunigen, einfach schon Oktober 2006 zu haben und zu sehen, ob du das alles intakt überstanden hast. Ich will das Aufteilen von in 20 Jahren gemeinsam gekauften Erinnerungsstücken, das seltsame finale Autotürschließen, das Mitleid, die Vorwürfe und die Selbstzweifel nicht haben. Aber keine andere Wahl, als sich mit einem kleinen Teelöffel durch den dicken Eisberg zu buddeln und zu hoffen, daß am anderen Ende alles wieder gut ist. Daß Sandra geht, hat ja auch etwas karmisches, reflektiert auch meine eigenen Attitudes des letzten Jahres wider, den eigenen Streß, die Fehler (aber macht euch nichts vor, mich so kalt und kalkulierend abzuservieren ist ja nun auch keine Steilvorlage für ihr Karma. Ich hoffe insofern aufrichtig, daß die Sache glücklich für sie endet.). Das letzte Jahr war eine Aufopferung, für das gemeinsame Projekt, die Arbeit, das Geld, das Haus. All die Sachen, die immer unwichtig waren und dann zu wichtig wurden. Zu viele Jobs jongliert, zu viel Rechnungen, die bezahlt werden mußten, zu tief im Hamsterrad, zu wenig Leben gehabt, zu wenig Kreativität. Die Stresssymptome. Übergewicht, Rückenschmerzen, immer müde, immer am Limit. Der Spaß an der Arbeit und eben auch an der Beziehung, um die es im Kern bei der ganzen Arbeit ja immer ging, kamen unter die Räder. Ich war im Büro gestresst, den Kunden gegenüber dünnhäutig, in der Ehe oft nicht liebevoll genug. Ob das ein Grund ist, ohne jede Diskussion binnen von drei Tagen zum neuen Lover zu ziehen, sei mal dahingestellt. Zumal ja ein Ende in Sicht war.

Wie dem auch sei, das gemeinsame Projekt – Haus/Kind/Happyness – ist weg und damit auch der Sinn des Sich-Kaputtmachens. Im Moment ist ein Faden durchgeschnitten, eine Lebensplanung seit dem
18. Lebensjahr bis ins hohe Alter, vom Abitur bis zum Alter am Strand
in Spanien. Ohne dieses Projekt – wenn ich nicht in Depression stürzen will – muß der Spaß wieder her. In die Arbeit, ins Leben. Im Idealfall ist in ein zwei Jahren mein Leben bunter, intensiver als in den letzten zwanzig Jahren. Im Idealfall verdiene ich dreimal soviel und hab achtmal soviel Spaß dabei. Da muß (und wird) es jetzt hingehen. Everything must be beautiful. Über die Alternative denken wir einfach mal gar nicht nach, ja? Ich will nicht wie mein Vater enden, bitter und einsam. Und mache man sich nichts vor, bei all diesem ganzen seltsamen Schmerz (der immer noch wie ein seltsamer Elefant mitten im Raum steht, zu groß, um ihn ganz zu fassen; du kannst immer nur einen Rüssel, einen Fuß, ein Ohr betasten) ist das ja jetzt schon so. Kein TV-auf-der-Couch-gucken seit über einer Woche, mehr Freunde gesehen, mehr erlebt als lange zuvor. (Und leider auch kaum geschlafen.) Sicher nicht so happyhappyhappy wie Sandra, die sicher auch intensiver lebt, aber dazu randvoll mit komplett frischer Liebe aufgetankt ist… aber immerhin. So eine Trennung schockt dich auch ins Leben zurück.

Vorgestern und heute also Essen und Cocktails bis nachts um 3:00, tolle und lange ICQ-Gespräche und Telefonate, die mich immer wieder aufpeppeln. Kaum Schlaf, aber hellwach, mit reiner blinder Willenskraft gegen das Loch angehen, Optimismus durch Autosuggestion. Lange frühstücken mit dem Team, schöne Sachen für Bielefeld und Schneider machen. Jeden Morgen das Mantra: This will not kill me.

Und 1000 Dank an B.S. für wunderbares, seltenes Verständnis und eine Terminverschiebung. Mein Highlight des Tages, erhofft aber bestimmt nicht erwartet. Arbeiten wir je zusammen, bin ich dein Samurai.

29. November 2005 05:00 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

THIS BOBBY EWING FEELING

Sonntag ist – wie erwartet – kein so besonders guter Tag für den frisch gebackenen Single, nicht nur, weil ich immer noch eingeschneit bin. Nachdem Freitag und Samstag eigentlich super waren… aber selbst wenn Sassa heute sowieso arbeiten müßte, ist es doch so, daß die Wohnung greifbar zu ruhig ist. Ein Teil von dir erwartet, daß in zwei drei Stunden ein Schlüssel an der Tür geht und sie heimkommt und einfach alles so wie immer ist. Pam wird wach und Bobby ist nicht tot, sondern steht einfach unter der Dusche. An den anderen Tagen sprichst du mit Leuten oder machst etwas, aber zu arbeiten und so eine Art Alltäglichkeit zu haben, nährt dieses bescheuerte Deus-Ex-Machina-Feeling. Also zum einen in die Arbeit stürzen – ist ja genug zu tun, obwohl man eigentlich schon sehr unmotiviert ist –, außerdem Sachen umstellen, Kühlschrank entrümpeln, Wäsche waschen, Schubladen entleeren, ein paar graue Müllsäcke vollmachen, Ordnung durch Ordnung. In Ruhe frühstücken, Essen vorbereiten. Mal sehen, gleich noch was raus in den Schnee gehen. Auch genießen, daß es nach der schlaflosen letzten Woche und dem Weggehen von Freitag und Samstag einfach mal einen Downday gibt. Meine Erkältung auskurieren. Immer noch schön, wie viele Leute unerwartet zu mir halten.

27. November 2005 19:11 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

EINGESCHNEIT


Wie geil. Da der Reifenwechseltermin erst am nächsten Donnerstag möglich war, stecke ich derart im Schnee mit meinen breiten Sommerreifen, daß gar nichts mehr geht hier, ich komme nicht mal aus der Parklücke, die Räder drehen direkt durch. Wird also ein unfreiwillig ruhigeres Weekend.

26. November 2005 14:10 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

Freitag II

Um 6:45 raus, Schnee schaufeln, dann eine Stunde spazieren, zu laute Musik hörend. Die Straßen leer stumm weiß und du je nach Song Trauer oder Aufbruch im Kopf.

Tagsüber läßt die Arbeit keine Luft zum Denken. Du produzierst einfach. Sitzt an drei Abendprogrammen, Postkarten, Schneiderbuch hat die Ideen für die Brezina-Imagekampagne nicht nur genommen, sondern die Auflage von 3000 auf 20.000 erhöht, wir müssen zig Medien produzieren und das in halsbrecherisch kurzer Zeit. Einzig zu Dortmund komme ich kaum; die kreative Energie, die innere RUhe und Fokussierung, einen schlüssigen neuen Auftritt zu schaffen, fehlt. Aber die Deadlines sind da und die Uhr tickt ziemlich gnadenlos. Angst, in Folge der Situation den Pitch zu verlieren. Du verlierst die Frau wegen der Arbeit und die Arbeit wegen der Frau.

Zwischendurch Ordnung schaffen. Simplify your life. Herauszufinden, was Singles motiviert, den Tag zu überleben. Ich bin niemals wirklich richtig allein gewesen und muß das erst lernen, praktisch wie psychologisch. Du ziehst also deine Bilanzen, triffst Entscheidungen für die nächsten Monate und Jahre. Wartest vor allem – nachdem der emotionale Lebensinhalt übernacht verschwunden ist –, ob du zumindest ökonomisch überleben wirst und nicht auf beiden Ebenen untergehst. Du versuchst nicht daran zu denken, wie du dich an Sonntagen oder an Weihnachten fühlen wirst. Nicht zu denken ist im Arbeitsstreß einfacher, aber an den ruhigen Tagen…

Zwischendurch Anrufe und eMails von Freunden. Darunter Didi, der sich freut, daß unsere Situationen nun 180° sind und der mir mit meinen eigenen Weisheiten auf die Sprünge helfen wird, mich lange genug kennt und die genau richtigen Dinge sagt, und meinen zweiten Weihnachtstag rettet; man plant Sylvester mit ein paar Leuten. Horst, der vorbeikommt um zu sehen, ob ich schon auf dem Fenstersims stehe und springen will. Wobei mir im Moment überraschend gar nicht nach Suizid und Suff ist, mehr nach Neustart und Mineralwasser. Leute, die du endlos ignoriert hast, um mit deiner Frau zu cocoonen, weil eine Folge von Lost wichtiger schien als deine Freund – und die ungefragt und überraschend da sind. Die ich auch brauche. Sandra wechselt ja sozusagen nur das Pferd, geht von einer Zweierbeziehung in die nächste/frischere/ bessere aber strukturell ähnlkiche Sache, beruflich und privat ändern sich da wichtige Details, aber nicht die Grundkonstruktion, nicht die existentielle Architektur. Bei mir ist Abriß. Da brauchst du Ablenkung, Freunde, soziales Netzwerk, das dich fängt. Bin gespannt, wieviel davon nach der obligatorischen Mitleidsphase bleibt, aber das hängt auch von mir selbst ab. Neue Fundamente gießen.

Abends weggehen mit Steffi und Kirsten. Vorweg ein perfekt entertainender Taxifahrer, der aus Sommerreifen und Schnee ein Kunststück macht. Ich war ewig nicht mehr in dePrins – etwa seit den Forbidden Colours –, aber viel geändert hat sich nicht. Pommes Spezial, Jenever und Grolsch und Talk. Vielleicht funktioiniert das so – man erzählt den verschiedenen Leuten so oft die gleiche Geschichte, bis man sie selbst nicht mehr hören kann, man schwitzt sie mit jedem Wort aus sich heraus. Healing by Talking. Therapie durch Freundeskreis. Jedesmal, wenn du es neu erzählst, schließt du für dich selbst etwas mehr damit ab.

Zwischendurch noch schnell in eine schreckliche Cocktailbar, die schrecklich aussieht, schreckliche Gäste hat, schreckliche Nachos bietet und schreckliche Cocktails mixt (der von Stefanie sah aus wie Glasrein und schmeckte wohl auch so), das Click hat schon zu, es ist kalt also huschhusch wieder zurück zum Holländer. Kirsten friert im Schnee, ich mag ihn. Alles ist weiß und still und leise und neu. So um drei Uhr schlafe ich im Prins im Stimmengewirr halb ein, losgelöst zufrieden, wir sind alle drei so herrlich todmüde, sind die letzten, die gehen (vielen Dank für das letzte Bier, Prins’ler). Noch einen Kaffee bei Steffi und der Fußmarsch nach Hause, die Skyline von Essen im Schnee. Unterwegs die Feuerwehr, die einen umgefallenen Baum zersägt, der ein oder zwei Autos zermanscht hat. Wie surreal der Schnee im blauroten Stroboskoplicht aussieht. Stück um Stück sägen vermummte Feuerwehrleute im dichten weißen Schneetreiben geduldig mit ihren kleinen Kreissägen den toten Baum in tragbare Stücke, um die Fahrzeuge freizulegen, die zerdrückten Autos abschleppen zu lassen, die Straße wieder freizumachen für neuen Verkehr.

Ich erfinde das nicht. Das Leben schickt dir die Metaphern, die du brauchst.

Um sieben Uhr morgens, nach 24 Stunden, sirrend vor Kaffee und Alkohol und Gesprächen und Gefühlen, weißt du, daß heute ein guter Tag war, aufgeladen und stark, intensiver durch blank liegende Nerven. Draußen stürmt weiter der Schnee und das Haus knarzt und ächzt und wiegt mich.

Und endlich Schlaf.

12:21 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

PROUST

Abgesehen von Thomas Schmitz (auch wenn ich ja nun leider nicht mehr für ihn arbeite, bin ich da natürlich nicht neutral, liebe Leute :-D) ist Proust mal ganz definitiv die netteste Buchhandlung in Essen. Nicht nur in Sortiment oder Beratung, sondern weil sie uns mal ganz fix, herrlich unproblematisch und total lieb aus der Bredouille helfen und sich als Photohintergrund zur Verfügung stellen. 1000 Dank! Am 8.12. liest dort übrigens der als Arno-Schmidt-Mäzen legendäre Jan Philipp Reemtsma, wenn auch leider mit dem Thema Christoph Martin Wieland zu einem eher im Verhältnis zum Autor für mich auf den ersten Blick eher trocken anmutenden Stoff. Kann aber sicher trotzdem spannend sein.

Außerdem dank an Nina für Hilfe beim Knöpfebasteln und an Thomas Schmitz, der trotz allem sofort mit Hilfe zur Hand ist. Sei gedrückt, Mann.

25. November 2005 16:07 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

FREITAG

Okay. In meinem Leben ändert sich gerade einiges, also auch mein Blog. Tut mir leid, nicht zu ändern. Ich hab da jetzt ein paar Tage dran geknabbert und habe keine Lust, es momentan in der bisherigen Form fortzuführen. Ich will aber auch nicht aufhören, also muß sich das Blog mit mir gemeinsam verändern. Die Frage ist ja, wozu ist eigentlich ein Blog da? Dieses im Speziellen. Ist es ein Firmenblog – es taucht ja in meinen normalen eMails auf. Ich denke nicht. Das hier ist kein Marketingblog wie das von Jürgen Siebert. Es zeigt mich als Person, wenn man an der Person auch die Interessen des Designers immer erkennen kann. Ist es aber so richtig privat? Bisher mal so mal so. Ist es also ein Tagebuch – für mich ist es immer schon eine Art Luhmannscher Zettelkasten gewesen, ein Abbild von Interessen und Stimmungen – oder öffentlich (es wird ja gelesen)?
Kann und muß man das unterscheiden?

Wahrscheinlich nicht. Ich sehe nodesign ja sowieso nicht als Firma, sondern als Teil meines ganzen Lebens. Ich trenne da nicht. Ich will keine Kunden, sondern Freunde, mit denen man gemeinsam streitet und feiert. Die man mal kritisiert, aber für die man jederzeit durchs Feuer gehen würde. Für jeden einzelnen. Einer der besten Momente in der letzten Woche war, als Susanne Wissen vom TB mich geduzt hat. Obwohl ich am Dienstag sehr down war, war das ein toller Moment. Ich verkaufe seit eh und je keine Dienstleistung, sondern meine Seele. Meinen Enthusiasmus, meine Gefühle. nodesign ist keine Arbeit, sondern – jetzt mehr als zuvor – einfach Teil von mir, Konsequenz, konkretes greifbares Produkt von meinen Interessen und Neigungen, Abneigungen und dem gesamten Drive meiner Person. Es ging ja nie ums Geld oder um den Aufstieg, das hat sich halt so ergeben. Kunden sind vor allem eben Kumpel – oder sollen es sein und werden – und die Leute die hier arbeiten sollten es auch sein, sich auch so sehen und einbringen. Und im Idealfall klappt das ja auch. Ich denke, meine Arbeit wird nach einer kurzen Phase der Sinnlosigkeit intensiver brennen als zuvor, wir werden alle gemeinsam mehr Spaß haben und mehr Ergebnisse bringen. Ihr wart immer wichtig für mich, jetzt mehr denn je. Ich mahce mir große Sorgen, daß mir die Sache jetzt den Dortmund-Pitch verhagelt, auf den Job bin ich hungriger denn je. Mal sehen, was ich nächste Woche unter Schlafentzug produzieren kann. Momentan ist der Kopf zugegeben eher leer. Aber das ändert sich, aufgepasst.

Insofern kann ich das eh nicht unterscheiden. Hier über Gefühle zu schreiben, zugegeben, ist sicherlich unprofessionell. Aber ich BIN doch sowieso unprofessionell. Ich habe längst schon ab dem ersten Vorstellungsgespräch bei neuen Kunden eine Zeremonie daraus gemacht, gegen den Strich des Professionellen zu bürsten. Wer einen bezahlten Dienstleister, der nicht mitdenkt, sondern nur macht, der will mich doch sowieso nicht. Aber die, die mich wollen, kriegen,was sie brauchen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Läßt man sich darauf ein und weiß man das zu nutzen, kommt auch keine normale Dienstleister-Schiene an die Ergebnisse heran, auch wenn der Weg dahin manchmal anstrengender ist. Insofern paßt es schon, daß es auch keine Hülle der Professionaliät gibt, hinter der das eigene Leben verschwindet.

Die Alternative ist beim Blog ansonsten sowieso eben, auf absehbare Zeit gar nichts zu schreiben. Weil ich in dieser Hinsicht wie Didi bin… was in deinem Kopf ist, das läßt sich nicht los, du kaust darauf rum wie auf einem Knochen, buddelst es immer wieder aus, titscht mit der Zunge immer wieder selbst an die offene Stelle… da ist man thematisch als Mann dann doch etwas autistisch. Und nervt wahrscheinlich alle Freunde mit dem Selbstmitleid.
Was, und deshalb das Selbstmitleid noch öffentlich machen? Interessiert das wen?

Weiß ich nicht. Aber ich denke, als Designer ist man ausnahmslos entweder die Sorte stiller introvertierter Künstler, der sich sonst nicht ausdrücken kann, oder – wie ich – schamloser und neugieriger Exhibitionist. Der Redeschwall-Typus. Ich wil das also nicht trennen und wen es nicht interessiert, der soll halt weglesen. Ansonsten kann ich so zentral an dieser Stelle einfach auch die derzeit immer wieder fallende Frage, wie es mir heute geht (und danke an alle, die immer wieder fragen, die da sind und mitleiden, das ist unbezahlbar), für mich selbst zentral beantworten.

Ich muß da natürlich mit einer wütenden Mail von Sandra rechnen, die solche Sachen nicht gerne offen sieht, was ich gut verstehen kann, weil sie Angst hat, das ich hier Schuldzuweisung betreibe. Aber hier geht es nicht so sehr um dich. Es geht nicht um Aufrechnen, es geht nicht ums Schlechte-Gewissen-machen und all das. Vielleicht ist es ja auch spannend für dich, zu lesen, was so bei mir abgeht, würde mir umgekehrt ja auch so gehen (naja, im grunde vielleicht doch nicht so konkret im Moment… :-D) Es geht nicht mehr um dich. Naja… doch, klar, unweigerlich. Aber es geht nicht um die Schuldfrage. Wenn du mich nach 20 Jahren von einem Tag auf den anderen verläßt, gehören da drei Leute zu und ich weiß schon, wie hart zumindest die letzten beiden Jahre mit mir waren, wie mies Sylvester war, wie überarbeitet und müde und defekt ich war. Und das tut mir einfach auch leid. Das man irgendwann nicht mehr die Lust hat, einen anstrengenden monomanischen Menschen wie mich zu tolerieren oder gar zu reparieren, sondern einfach mal Neuware braucht… keine Frage, Ich hab’s nicht anders verdient. Und die Tatsache, daß die Arbeit und der Fight für den Erfolg was mit einem gemeinsamen Ziel – Haus, Kind, Zukunft – zu tun hat, ist ja ein sehr langfristiger Pay-Off, ein rationales Argument. Das hilft – Gott sei Dank eigentlich – nicht gegen die langsam verschwindende Liebe. Zumal sich solche Ziele vielleicht auch einfacher und schneller ohne mich erreichen lassen. Insofern bin ich stolz auf dich, deine Konsequenz, ein bißchen wütend (sicher), weil es vielleicht doch zu einfach war, einfach ohne Kampf, ohne Chance und Warnung aufzugeben, vielleicht ein bißchen neidisch auf den Kick der frischen Liebe. Dein Dezember wird der Hammer sein! Es gibt wenig besseres, als ganz frisch verliebt zu sein und das im Winter. Mir glaubt keiner, daß ich mich fr dich freue, aber seltsamerweise ist das authentisch der Fall. Und natürlich bin ich selbst am Boden zerstört, klar. Einer ist bei solchen Sachen der Verlierer. Beziehungen sind komplizierte Uhrwerke. Aber es geht absolut hier nichts gegen dich, es ist nicht mal – auch das kann man annehmen – eine Art Kommunikationsversuch (dafür gäbe es bessere Möglichkeiten), weil ich weiß, das die Sache final ist, das war mir Montag abend schon klar. Die Leute, die das nicht glauben, haben deine Stimme nicht gehört, deine AUgen nicht gesehen. Das Blog ist also keine Tränendrüsen-Nummer oder sowas, ganz im Gegenteil. Und auch nicht der große Waschtag. Wir hatten zwei gute Dekaden (fand ich) und die Erinnerungen und die brachliegende Zukunft à la Flix sind momentan irgendwie ziemlich erdrückend (schon der falsche Song reicht da aus, das kommt in so seltsamen Wellen, als wäre ich Witwer, ganz seltsam). Aber es geht jetzt darum, für uns beide, die nächsten zwei Dekaden anzugehen. Das ist bei dir etwas einfacher, weil sich weniger Parameter ändern, du machst eher ein Upgrade, während ich an vielen Punkten emotional und ganz pragmatisch erst mal Angstmomente habe. Unterm Strich: Ich kenne dich seitdem ich 18 bin, es ist im Grunde unmöglich für mich, wirklich wütend zu sein. Und du kennst mein Selbstbild und weiß, daß ich sowieso davon ausgehe, gegen den besseren Mann verloren zu haben, darin liegt also keine Schande.

Für meinen Freundeskreis und meine Familie kommen jetzt harte Tage, weil ich nach einer Versenkung von 19 Jahren in einer fast hermetischen Zweierbeziehung, in der neben Sandra fast nichts zählte, wieder auftauche und nach Aufmerksamkeit schreien werde, nach Aktionismus, nach Weggehen, nach Ablenkung und Verständnis… weil mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Ich darf noch nicht so richtig an Weihnachten und Sylvester denken… Einer der guten Sachen ist aber, daß Leute, die ich seit langer Zeit eher lauwarm behandelt habe – für die nie Zeit war zwischen Beziehung und Arbeit – jetzt da sind. Ich hoffe, das hält länger als die obligatorischen drei Mitleidstage, ich brauche euch jetzt wahrscheinlich mehr als mir lieb ist. Mach man sich nichts vor, ich hab schon Entzug gelitten, wenn sie mal eine Woche im Urlaub weg war… und das ist jetzt kein Urlaub. Haltet durch. Und sagt, wenn ich nerve.

Das Blog wird sich also vorübergehend verschieben, weg von den lustigen Bildern und Links und dem neuesten Handyspielzeug, hin zu etwas, wo ich selbst permanent überlege, ob man wirklich Absenden drücken soll. Zu etwas Lomographischem, zu Private- to-Public. In etwas wahrscheinlich auch Peinlicheres. Öffentliche Gefühle sind ja immer sowas von daneben und uncool. Aber ich bin die Sorte Mann, die mit 16 Gedichte geschrieben hat, und insofern sowieso eine furchtbare dramaqueen. In den nächsten Tagen geht es also um öffentliches Tagebuch, ums Heulen, um verlorene und ein paar neue Hoffnung, ums Überleben. Um this will not kill me. Ich denke, die einen werden es mögen, die anderen werden es hassen. Laßt in den Kommentaren Dampf ab. Falls einer diese langen Textwüsten überhaupt durchsteht mir liest (die häufigste Reaktion auf das Blog ist ja ohnehin, daß die Leute es NICHT lesen, insofern. Die anderen Beiträge werden fragmentarischer und kürzer, aber das hier grundlegend. Ich selbst lese das Blog ja auch als externes Gedächtnis, als Tracer, ich mag den Zeitstrahl zurück. Was war vor drei Monaten wichtig? Das ist momentan etwas strange, weil vor einer woche mein ganzes Leben 180° anders war, aber in drei Jahren werde ich die Einträge hier lieben und zugleich rot anlaufen vor Scham, denke ich.).

Aber die Alternative ist, das Ding dicht zu machen, weil mir derzeit der Nerv fehlt, über den neuesten Superman-Trailer zu berichten. Das sind Sachen,die machen einen Heidenspaß, wenn du in einer guten Beziehung steckst, die aber derzeit sehr hohl und fade wirken. Auf der Couch hocken und Lost schauen ist zu zweit spanned, alleine eher deprimierend. Auf der anderen Seite kenne ich mich gut genug, um zu wissen daß ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten jetzt mehr unternehmen werde, nach Trennungen neige ich meist zum Overdrive… zwischendurch wird es neben der Seelen-Gastroskopie also sicher Theater, Konzerte und sowas geben. Die Ersatzdroge, die freigesetzte Energie, das Ablenken, das auf jeden Fall kommenden und schon beginnende Durchstarten. Das erschreckende Suchen nach einer neuen Liebe. Ich weiß, daß ich recht schnell abschließen und neu beginnen kann. Vielleicht schreibe ich auch nur, um mir einen Sinn, einen öffentlichen Druck zu geben, jetzt nicht schwach zu werden. Weiter Kerzen anzuzünden und Blumen auf den Tisch zu stellen und all die Sachen, die keinen Sinn machen in einer leeren Wohnung. Das zu tun, was ich Didi all die Jahre gepredigt habe.

Ich prophezeie also gerade im Dezember sehr seltsame Einträge und sehe den Visitcount des Blogs schon auf 3 sacken. Obwohl ich selbst, zugegeben, gerade solchen Stuff – zum Beispiel bei Maori, dessen Blog ja auch hier und da sehr privat wird – immer am liebsten lese.

Wir finden schon raus, wohin das alles führt.

09:54 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

ARMAGEDDON APPLE 2


Es schneit. Wie romantisch. Weil es so schön dazu paßt: Voila, jede Menge brennende Äpfel…

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24. November 2005 20:40 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

Hin Zur Spannung Dem Knistern Dem Surrenden Ton

Nicht viel Lust, zu bloggen. Gibt Sachen, klar. Neue CDs. Bücher, die man gelesen hat. Die Photos vom Bratapfel. Nur keine Motivation. Wird auch wieder anders. Auch wenn es sich auflöst, das Leben muß ja weitergehen. Aber jetzt ist mehr die Zeit, schamlos pathetisch zu sein, und das auch noch öffentlich. Mea culpa.

Das Zitat eigentlich eher wegen dem akuten Bzzzzz hier im Blog-Äther. Aber trotz des kitschigen Refrains, der so sehr deutscher Schlager ist und so tränendrüsig, daß man den Mut zum Kitsch schon fast wieder mögen muß, steckt dahinter ein alter Text von Nils Frevert, der irgendwie immer – und eben auch jetzt – paßt. Baden wir also drei Minuten im Selbstmitleid…. Hey, seid froh, daß ich nicht mit Morrissey-Texten ankomme.

feuerwasser fernweh. ein ums andere mal. das leben verläuft gerade eindimensional. es gibt dinge die kommen nie zusammen. langes warten zwei gleise und autobahnen. das leben verläuft manchmal eindimensional. wir kennen das gut und die einsamkeit. wir wissen über uns bescheid. es gibt dinge die kommen nie zusammen. autokino und achterbahn. und einen der als letzter merkt es regnet tränen in mein herz. pause unterhaltung. drehungen im kreis. nur nicht stehenbleiben. unterwegs sein. hin zur spannung dem knistern dem surrenden ton. dem einzigen geräusch im aquarium. wir kennen das gut und die einsamkeit. wir wissen über uns bescheid. eine mischung wohl aus spass und ernst. es regnet tränen in mein herz. es gibt dinge die kommen nie zusammen. autokino und achterbahn. und einen der als letzter merkt es regnet tränen in mein herz

01:58 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

21

21-11-05. 21:30 Uhr.
Wie unscheinbar solche Momente daherkommen.

22. November 2005 01:26 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

SAISONHEFTWATCHING

Einen haben wir noch, nämlich das «neue» Schauspielhaus Hamburg. Zu allererst muß man Friedrich Schirmer zu seinen gewaltigen big balls gratulieren, aus Schauspielhaus Hamburg nur noch Das Schauspielhaus zu machen. Als gäbe es kein anderes nennenswertes Theater mehr in Deutschland. Das ist die Sorte Attitude, die zwar nicht politisch, aber sehr korrekt ist.

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21. November 2005 21:29 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BRATAPFEL

Am Freitag gabs hier geheimnisvolle Vorbereitungen…



… und wir haben gelernt, daß Stacheldraht verdammt hartnäckig ist und Brennpaste bei Tageslicht eine fast unsichtbare Flamme erzeugt.

13:21 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

SUPERMAN RETURNS TRAILER

Immer noch skeptisch… aber schöner Teaser-Trailer. Musik aus dem Original-Film, Voice-Over ist Marlon Brando aus dem Originalfilm. Singer läßt wenig Zweifel daran, daß er den wahren Superman III drehen will, um nahtlos an die Filme aus den 70ern anzuschließen.

20. November 2005 19:27 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

ABSOLUTE WATCHMEN

Wenn es jemals ein Comic gab, das es verdient, als übergroße Hardcover-Edition in einem Slipcase neu veröffentlicht zu werden, dann Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons. Ursprünglich eine zwölfteilige Comicserie aus den 80ern, erzählt Watchmen einen eigentlich vergleichsweise straighten Plot aus der Welt der Superhelden. Die in diesem Fale nicht Superman oder Spider-Man sind, sondern auf alten, fast vergessenen Charlton-Charakteren basierende Neuinterpretationen von Moore, die in dieser Miniserie tiefer und resonierender, menschlicher und realer werden als die klassischen Superhelden in ungezählten Jahrzehnten ihrer Publikationsgeschichte. Ich habe das Paperback von Watchmen etwa zehn, zwölfmal gelesen, so alle ein zwei Jahre wieder… und entdecke immer wieder neue Details, die Moore fast manisch in die Story packt. Kleine Motive, Wiederholungen, Phrasen, Bildelemente, Hinweise, die die gesamte Story zu einem chinesischen Puzzle mutieren lassen. Im Grunde ist die gesamte Story ein unglaublich durchkonstruiertes Experiment rund um die Möglichkeiten der Verdichtung von Erzählungsstrukturen. Es wundert kaum, daß Moore im hinteren Extra-Teil des Hardcover eine einzige Seite des Comics auf fast vier Seiten Script en detail für den Zeichner Dave Gibbons beschreibt, der Moores Ideen auf ein strenges Neuner-Panel-Grid verteilen muß.
Das Moore hier mit einem Fuß im amerikanischen Spandex-Genre bleibt, mag auf den ersten Blick abschrecken, sollte aber nie davon ablenken, daß es bei Watchmen nicht wirklich um Superhelden und den Kampf des Monats geht, sondern um die Menschen hinter den Masken, ihre Träume, Ängste, Hoffnungen und ihre eigene Absurdität. Irritierend aus heutiger Sicht ist schon eher, wie sehr das Buch von der nuklearen Angst, die Mitte der Achtziger weltweit greifbar war, geprägt ist und wie verschwunden diese Angst heute zu sein scheint (ohne, daß die tatsächliche Bedrohung verschwunden wäre). Vielschichtig, clever und mit einer unglaublichen Freude am Experiment, wird nahezu jede Seite, jedes Panel des Comics auf eine ganz ruhige, nie aufdringliche Art, erzählerisch aufgeladen, sparsam, unter der Wasseroberfläche. Wer will, kann hier einen Superhelden-Whodunnit lesen, wer will, kann aber auch eine ganz andere Geschichte entdecken und sich daran erfreuen, wie die eingebettete Piratenstory nicht nur Panel um Panel den «realen» Dialog spiegelt, sondern auch die gesamte Geschichte kommentiert, wie Bild und Text miteinander spielen, wie Moore eine ganze Continuity aus dem Nichts erschafft, wie das Smiley-Motiv immer und immer wieder auftaucht, Uhren, Pyramiden, Radioaktivtäts-Warnschilder, wie die Lösung visuell schon auf der ersten Seite angedeutet wird, wie das Kapitel Fearful Symmetry eben auch tatsächlich präzise symmetrisch aufgebaut ist, wie im Watchmaker-Kapitel mit Zeit und Raum gespielt wird undundund… ein trügerisch leichtfüßiges, grandioses, dekonstruktives und zugleich konstruktives Comic, das bisher nicht einmal von Moore selbst übertroffen wurde, geschweige denn von irgend jemand sonst. Wenn es so etwas wie ein Citizen Kane des Comic Genres gibt… Watchmen ist’s. Zumal es Moore gelungen ist, mit Charakteren wie Dr. Manhattan, Ozymandias und vor allem Rorschach einen der seltsamsten Antihelden-Pantheon schlechthin zu schaffen. Rorschach, der als rechtslastiger Soziopath durch das Buch geht und am Ende doch als einziger ohne Kompromisse aufrecht seinen Weg geht, dem Tod ohne Bedenken in die AUgen sehen kann. Never compromise… even in the face of armageddon.

16:57 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

PORCUPINE TREE LIVE



Samstag abend in der Live Music Hall in Köln. Sehr sehr voll, sehr gemischtes Publikum. Seltsamerweise ist es hinten etwas voller als vorne, je näher man an die Bühne kommt, desto mehr Sauerstoff hat man wieder. Die Stimmung und der Sound sind vorne natürlich auch besser, hinten ist es irgendwie zu leise. Die Band spielt sehr präzise 90 Minuten, eine Zugabe à zwei Songs, viel zu wenig, das wirkt zu routiniert, etwas kalt. Bei der Stimmung im Saal wäre eine zweite Zugabe schon nett gewesen. Das gesamte Set ist unglaublich sauber gespielt, jeder Musiker an seinem Instrument wie ein Uhrwerk, aber doch mit Spaß dabei. Für mich als Schlagzeuger ist der Drummer natürlich ein Geschenk, und es ist fast überraschend zu sehen, wie konzentriert und entspannt Gavin Harrison (der ja erst seit 2002 zum Line-up zählt) an seinem Kit eine wahre Naturgewalt entfesselt. Überhaupt – PT sind eine klare Mucker-Band, im Publikum unterhalten sich die Leute angeregt über den Instrumentalisten ihrer Wahl, ein Teil der Magie der Band ist eben, daß sie nicht nur einen von Pink Floyd ausgehenden weiterentwickelten psychedelischen Prog Rock macht, der fast schlafwandlerisch von ruhigen, fast süßlichen Passagen zu grandiosem Metal jenseits von DreamTheatre wechselt, mit komplexen Timings und Phrasen, sondern eben auch, daß jeder da oben auf der Bühne absolut sein Handwerk versteht. Die Musikstile, die Porcupine Tree vereinen, sind inzwischen so vielseitig und handwerklich derart zu einem homogenen Guß geworden, daß diese Band als langjähriger Geheimtip wohl nie einen echten Hit haben wird, sehr wohl aber Freunde aus den verschiedensten musikalischen Lagern und Altersgruppen bindet. Das musikalische Endergebnis ist geschliffen und zu jeder Sekunde perfekt, aber niemals blutarm oder emotionslos wie bei vielen anderen Musiker-spielen-für-Musiker-Kapellen. Im Gegenteil, gegenüber den Studioversionen (die ja schon unglaublich kraftvoll sind) wirken die Live-Fassungen wie feinst dosierter Sprengstoff. es gibt Passagen, wo dich die reine Wucht des Wall of Sound plattwälzt. Mit Trains endet das Konzert, viel zu kurz leider. Ein paar Songs mehr, wie Even Less oder Lightbulb Sun… damt hätte man schon gut leben können :-D

Das Konzert wird am 9.01. im Rockpalast (WDR) übertragen.
(Die Photos oben sind von der WDR-Site)

16:02 Uhr. Kategorie Live. Eine Antwort.

BLOGFUCKUP

Da wir alle Server rebooten mußten, um einen Fehler auf der ikf-Site zu beheben, war das Blog nicht nur den halben Tag offline, sondern stimmt jetzt auch vorn und hinten nicht mehr. Shit happens. Außerdem komme ich derzeit nicht an die Server und kann keine Bilder hochladen. Wird also wohl ein ruhiges Wochenende.

18. November 2005 23:28 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MIRRORMASK EXCERPTS


Hier sind einige Trailer und Excerpts aus Mirrormask, dem ersten abendfüllenden Feature-Film von Designer/illustrator Dave McKean und Autor Neil Gaiman

10:40 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

MUSIC

Sigur Rós Hlemmur
Das nach dem Konzert noch ein paar mehr Sigur Rós CDs herkommen würden, war ja abzusehen, oder? Diese EP hat Sandra auf dem Konzert versehentlich anstelle der Amina-EP gekauft. Ist aber ein guter Fehlgriff, da Hlemmur - ein Soundtrack zu einem Kurzfilm über die Obdachlosen, die an einer gleichnamigen Bushaltestelle leben – Sigur ungewohnt feingliedrig und ruhig, fast in Richtung Múm präsentiert. Erst am Ende (und dann wirklich schön) bricht die aufgestaute Tendenz zum Bombast kurz durch, ansonsten ist die Platte skizzenhaft, fragil, wehmütig und architektonisch. Ausgezeichnet.

Camille Le Sac des Filles
Das erste Album der französischen Nouvelle-Vague-Sängerin Camille ist überraschenderweise so derart anders als das zweite Album Le fil, das ich zuerst dachte, einen komplett anderen Künstler gekauft zu haben. Wo Le fil eher an eine gelungenere Variante von Björks Medulla erinnert – perlender, poppiger, weniger nervig pseudokünstlerisch, aber rein technisch ähnlich fragmentarisch aus Stimmensamples und Beatboxelemente gestückelt – ist Le Sac des Filles traditionell ausgerichtet. Die Musik ist weniger elektronisch, manches erinnert fast an eine Art französischer Fiona Apple in der Produktion. Hat mich unterm Strich spontan nicht ganz so begeistert wie Le fil, ist aber eine absolut hörbare und vielversprechende Debütleistung, die den Sprung auf dem zweiten Album erst recht nahezu stellar scheinen läßt.


Kim Hiorthoy Hei
Ich schätze Kim eigentlich als genialischen Designer, der mit skandinavischem Hang zur verschrobenen seltsam kleinteilig anmutenden Leere die Cover des exzellenten Rune Gramofon Labels gestaltet und unter anderem auch für Motorpsychos Artwork verantwortlich zeichnet. Als Musiker schließt er wunderbar konsequent an sein humorvolles, frickelig-verspieltes und doch oft einsames und melancholisches Grafik Design an. Übereinandergestapelte Samples, seltsame Drumloops, analoge Momente, komisch ineinandergeschobene, leicht atonalen Kindermelodien und das Low-Fi-Ambiente, wie wir es eben auch von Múm kennen. Nur alles (noch) sparsamer, etwas kühler, etwas schneller, etwas privater. Und wie auf seinen Artworks in einem Meer aus Rot ein schwarzer Punkt
eben präzise an der richtigen Stelle sitzt und nirgendwo anders
hinzudenken wäre, so sitzen auch hier die Instrumente perfekt auf der
fast leeren Leinwand. Die Melodien sind kaum mehr als Skizzen auf einem leeren Blatt Papier, die Drumbeats kleine Krümel von Radiergummi und Graphit. Eine nicht immer ganz eingängige Platte, in die es sich aber jederzeit einzuhören lohnt.

Various Le Pop 3
Da mir Camille so lag, habe ich mir schnell via Sampler einen Überblick über den französischen Mainstream-Pop machen wollen. Solche Sampler erinnern eben auch an ähnliche Compilations, wie es sie von deutschem Pop gibt und da muß man entsprechend vorsichtig urteilen, weil man als Außenseiter zum Teil schlecht abschätzen kann, wo Tokio Hotel aufhört und Tocotronic anfängt. Der Rundumblick zeigt eine Poplandschaft, die an die bessere Hälfte der dann eben nicht allzu radiokompatiblen deutschen Popszene zeigt, mit vielleicht einem Schlag mehr ins französische Chansongut (irgendwie logisch) und mehr Elektronik. Kaufenswert, weil unbeschwert weghörbar.

Sigur Rós Takk
Und unsere Sigur-Klammer schließt sich. Takk ist aus meiner Sicht das beste Album von Jón Thór und Co bisher. Und das heißt insofern etwas, als daß bisher jedes Album das Beste war. () war greifbar erwachsener als Agaetis Byrjun und das war für ein offizielles Debüt (Von soll ja angeblich vorher entstanden sein) ja schon eine Offenbarung. Es gibt kaum Bands, von denen man das Gefühl hat, etwas wahrhaft neues zu hören. Bei Sigur hatte man aber bei Agaetis das Gefühl, das es etwa genau so gewesen sein muß, seinerzeit zum ersten Mal Mike Oldfields Tubular Bells oder Pink Floyds Dark Side of the Moon zu hören. Bei Takk hast du dieses Gefühl freilich nicht mehr, zum einen, weil es einen solchen shock of contact nur beim ersten Mal geben kann, zum anderen weil Sigur inzwischen so viele Bands inspiriert hat (man beachte, wie fast vollständig sich der Sound von Radiohead inzwischen geändert hat), das ein neues Album der Reykjaviker per se eher eine Weiterentwicklung bietet, keine Revolution. Sigur waren für mich, als sie aufkamen, die logische Weiterentwicklung von Klangteppich-Bands, wie wir sie in den 80ern mit 4AD-Bands wie This Mortal Coil hatten: wabernd, melancholisch, inbrünstig, nur eben gekoppelt mit linearen Steigerungen, mehr Noise, mehr Schizophrenie. Waren die ersten beiden Alben der Soundtrack zum Borderline-Syndrome, so wirkt Takk nun etwas ruhiger, erinnert mich mehr an Múm (und immer wieder Múm, pro Erwähnung gibt es zwei Euro… aber wer muß bei den ersten Klängen von Glósóli nicht an Múm denken?), der Einfluss der Amina-Damen, die die Band auf Tourbegleiten, blitzt durch, es gibt mehr rhythmische Noise-Samples, mehr simple Melodien, das ganze ist sparsamer (und zugleich deutlich aufwendiger produziert und arrangiert). Mehr Glockenspiel, mehr Piano, mehr akustische Instrumente, gleichzeitig mehr Elektronik, mehr Samples, mehr Low-Fi. Gegen Ende von Sé Lest darf es auch mal humorig werden, wenn Marschkapellenrhythmik durchblitzt. Herkömmliche Songstrukturen ergeben sich fast widerwillig, das Schlagzeug wicht immer öfter kleinen rhythmischen Sampling-Strukturen à la Console. Und wenn es nicht völlig in die Irre leiten würde, könnte man vielleicht sagen, Takk ist christlicher, introvertierter, mehr Gospel, die Bandbreite zwischen High und Low aufgefächert, zwischen Demut und Erhebung angelegt, strukturell näher an der Klassik als am Rock. In die Irre leitet das nicht zuletzt deshalb, weil der Hang zum Brachialen, zu monströsen Gitarren-Soundscapes, massiv verhalltem und verzerrtem Schlagzeug und zu fast bedrohlich wirkendem epischem Widescreen-Krach ungebrochen vorhanden ist. Das hier ist also beileibe kein altersweises Album, ganz im Gegenteil. Aber man wird den Eindruck nicht los, daß die epische Wucht hier viel gezielter aus den Pausen kommt, aus der Stille, aus dem Gegensatz, aus der Sehnsucht. Diese kompromißlose Nutzung der Ruhe ist eine ausgesprochene Stärke aller nordischen Künstler, egal ob Musiker, Autoren oder Filmemacher… und Takk beweist sehr eindrucksvoll, daß Sigur Rós neben dem Feuer eben auch das Eis beherrschen

07:15 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

STAU

Autofahren macht so keinen Spaß. Wenn man um kurz vor Eins das Haus verläßt, um um 15 Uhr in Bielefeld zu sein und dann die A2 so derbst gesperrt ist, daß man nicht nur fast 90 Minuten im Stau steht, sondern dann auch noch komplett von der A2 verbannt ist und so gegen 17:50 in Bielefeld ankommen würde, um dann den Termin zu canceln und wieder nach Hause zu zuckeln… ebenfalls durch Stau auf der A40 und in Dortmund natürlich, dann fragt man sich echt, warum man sich die vier Stunden, die man völlig sinnfrei on the Road war, nicht im Bett verbracht hat. Außer, aß ich im Stau eine Zeitschrift von der Tankstelle gelesen hab und ein paar CDs durchhören konnte, war der Tag heute denkbar unproduktiv. Wenn nur der ÖPNV nicht noch viel schrecklicher wäre…

17. November 2005 19:51 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

IPOD

Damn, mein Auto-iPod hat heute einen Headcrash gehabt. Nach 11 Monaten find ich das etwas heftig, ehrlich gesagt. Erst spinnt mein GPS, jetzt das? It’s that time of the year again. Also keine Musik im Auto, bis Apple mir einen Ersatz schickt. Zwei Worte: Ent und Zug.

16. November 2005 20:04 Uhr. Kategorie Leben, Technik. Keine Antwort.

Nokia N92


Sprachen wir nicht eben noch über die Zukunft des Fernsehens? Und die Bedeutung des iPod-Video? Nokia ist schon in anderer Richtung weiter unterwegs und macht DVB-H mobil. Keine schlechte Idee so kurz vor der WM. Addiert man beide Geräte, hat man den mobilen Tivo. Ganz abgesehen von Videoplayer, Veideotelephonie uswpp. Würde Nokia anfangen, die Geräte der N-Serie zu fusionieren, hätte man ein Killerhandy. Die Trennung nach Zielgruppen hat – vermute ich – noch mit Endpreisen und mit der Größe des Handys zu tun, weil die Konvergenz der verschiedenen Technologien das Gerät zu «bulky» machen würde. Aber: Kommt Zeit, kommt Gadget.

07:15 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Let’s Bush again…

Laut Spiegel Online wirft President George W. Bush seinen «Gegnern», also dem Untersuchungsausschuß zur Klärung der Frage, ob es überhaupt jemals einen Kriegsgrund gegen den Irak gab, Geschichtsfälschung vor.

Grundlose Attacken senden das falsche Signal an unsere Truppen und den Feind, der unseren Durchhaltewillen in Frage stellt.

Ich kann mir nicht helfen, immer wenn es um Bush und seine Ausrichtung der US-Politik geht, komme ich mir vor wie in einem billigen Film oder wie in einem Brecht-Stück. Das ist nun einfach so ein derart klassisches Zitat – wie man es als Autor dem Schmierlappen-Diktator in den Mund legen würde –, daß die Wahrheit den (ja eher selbstgeschaffenen) Feind stärken würde… daß man schon leicht an seinem Realitätssinn zweifeln möchte. Andererseits kenne ich dutzendweise Amerikaner, die die Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki als humanitär betrachten und jede andere Ansicht auch als «europäische Geschichtsfälschung» abtun. Die Sache scheint also zu funktionieren. In zehn, zwanzig Jahren gab es im Irak WMDs und Hussein war ein böser Diktator, der mit Al Queda kooperierte und George Bush made the world a better place. Laßt uns jetzt schon Flughäfen nach ihm benennen, bitte.

12. November 2005 08:20 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

COLORCALM

Colorcalm by design ist eine DVD, die animierte Designs von Größen wie John Maeda und Peter Saville mit Musik von New Order und Ryuichi Sakamoto kombiniert – das ganze gedacht als Raum-Ambience, die auf Großbild-TFTs laufen kann. Welcome to Postmodernism.

11. November 2005 22:09 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

SUPERMAN RETURNS

Die Homepage zum nächsten Spandex-Film von Bryan Singer nach X-Men ist online. Zugegeben, ich sehne dem Film nicht unbedingt entgegen. Selbst der unglaublich gehypte Batman Begins war eher eine Enttäuschung und die Tatsache, daß Singer offenbar recht nahtlos an die aus meiner Sicht etwas verkorkste Fleischer/Donner-Kino-Version Superman I und II aus den 70ern anknüpft, ist eher besorgniserregend – einfach eine vergebene Chance wegzukommen vom verschnarchten Clark Kent, dem grundfalschen Krystall-Krypton und einem zu albernen Luthor. Aber Singer ist ein im Kern guter Regisseur, wie Ususal Suspects und Apt Pupil zeigen… also abwarten. Wahrscheinlich wird der siebenjährige Fanboy in mir am Ende doch siegen und mich ins Kino zerren. Immerhin war Superman I einer der ersten Filme, die ich im Kino bewußt gesehen habe – und von dem ich (bei aller, selbst damals, vorhandenen Abneigung gegen die willkürlichen und dummen Eingriffe in die Comic-Mythologie) doch schwer beeindruckt war, vor allem vom Filmbeginn in Smallville. Ich kann die Titelmusik heute noch.

21:59 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

ANTS

Rain, Julia und Steffi haben mir zum Geburtstag ein Antquarium gekauft und dazu eine Handvoll Ameisen vom AntStore in Dortmund, eine Queen mit Eiern und ein paar Arbeiter. Nun mag ich Ameisen gar nicht, aber die hier wachsen uns anscheinend echt ans Herz. Sie sind langsam, machen den ganzen Tag nicht und wir haben schon etwa zwanzigmal gedacht, daß sie tot seien. Sind sie bisher aber nicht. Auch wenn sie immer noch auf der Oberfläche der blauen Gel-Masse, die als Nähr- und Sauerstoff dient, rumlungern und sich um die Eier kümmern, und ansonsten nicht viel passiert (auch wenn wir ihnen Brezelstücke oder Zucker, andere Ameisen oder sonstwas in ihren Container werfen).

Aber beim langen PDF-Schreiben während der Katalogproduktion macht es schon Spaß, anderen bei der Arbeit zusehen zu können. Irgendwie so muß sich Gott fühlen.

19:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

HUMAN UPGRADES

Es ist natürlich so, daß das hier ein Fake ist, und ich höre die adbusters förmlich kichern… aber der Background ist nicht zu fiktiv. Nanotechnologie, transgene Modifikationen und Robotik dürften solche enhancements in nichtallzuferner Zukunft denkbar machen. Die Geschichte der Menschheit ist schließlich die der Auflehnung gegen die eigene (hoch mangelhafte) Natur. Medizin, Chemie, Technologie sind Medien dieses Widerstandes … und schon, wer sich auf der Sonnenbank bräunt, sich rasiert, die Augen lasern oder Fett absaugen läßt, ist schon auf dem Weg ins postnaturalistische Zeitalter. Nanobots unter der Haut sind nur die Corsagen der Neuzeit. Was anfangs wie Verstümmelung wirken und eher eine kleine fringe culture ansprechen wird, die schon heute bereit ist, sich Stahlkugeln subkutan einzupflanzen oder Schraubgewinde für Hörner in den Kopf zu setzen, wird als Massenbewegung (jedes fringe movement wird mittelfristig, inzwischen eigentlich fast in Echtzeit, globale Massenkultur, siehe Piercing, Tattoo und andere Außenseiter-Abgrenzungsmerkmale, die inzwischen zum Mainstream geworden sind) wahrscheinlich dafür sorgen, daß unsere Zukunft eben nicht die sterile Welt von Gattaca ist, sondern eher ein surrealer Hort voller Freaks. I’m quite looking forward to it…

via C-Blog

14:29 Uhr. Kategorie Online. Eine Antwort.

THE FUTURE OF TELEVISION

Guter Artikel bei Slate über normales Fernsehen im Zeitalter von iTunes. In der Tat merkt man z.B. an Alias, einer Serie, die in Deutschland extrem schlecht lief und deren 3. und 4. Staffel bei ProSieben anscheinend im Regal schlummert, daß es einen Markt jenseits des normalen Broadcastings gibt, derzeit ist das eben die DVD. Mittelfristig wird es PayTV via Internet sein. CD-Shops, Videotheken, TV-Sender… Dinosaurier, die das globale 1-on-1 des Webs nicht leisten können und dabei noch zu teuer sind. Wobei ich weniger denke (bzw. hoffe), daß eine zentrale Stelle wie iTunes geben wird, sondern auch große Majors, die ihre Produktionen vertreiben und natürlich kleine Independent-Labels. Im Grunde wird hier eine ähnliche Parallelwelt entstehen wie bereits bei Webcomics, wenn man sich anschaut, wieviel Zeichentrick und Fan-Movies bereits online verfügbar sind, haben wir eigentlich bereits TV-via-Internet. Man nimmt es nur nicht mehr so wahr. Mobile Videoplayer werden unser Verhalten kurzfristig dahingehend ändern, daß unsere DVD-Sammlung mobil ist und wir in einigen Jahren vom iPod wireless unsere Filme auf dem TV-Bildschirm/VR-Brillen sehen werden. Der iPod greift dabei aber zu kurz. Am Ende brauchen wir den kleinen mobilen Alleskönner, der in Verbindung mit einem online-Server, der die Datenmengen in Echtzeit bereitstellen kann, Musik, Video, Datenapplikationen auf die medialen Endgeräte funken kann, via RFID unseren Alltag co-organisiert (uns also die Einkaufsliste schon halb schribt, weil er besser als wir weiß, was noch im Kühlschrank stand) und generell als persönlicher Assistent funktioniert, vom Türenöffnen/Wagenstarten bis zum Geldverkehr, zur Identifikation. Und eben nebenbei zum Video-Telefonieren, Internetsurfen (ich frage mich nur, ob wir es in ein paar Jahren noch Internet nennen werden… bestenfalls aus Nostalgie) usw.
Mir fällt es zunehmens schwerer, zugegeben, drauf zu warten :-D.

Auf der anderen Seite kaufe ich derzeit wieder mehr CDs, lade weniger herunter (oder nur zum Soundcheck) und freue mich kindlichst am Aufreissen des Cellphans, dem Papier des Booklets, am Siebdruck auf dem CD-Spiegel… an all den kleinen Sachen, die das Designerherz höher schlagen lassen. Um gar nicht erst von Vinyl zu reden oder Hardcover-Büchern. Edlen DVD-Packs. Die Entkörperlichung von Medien ist auch ein Erlebnisverlust, es fehlt die kongeniale Möglichkeit zur Aufbereitung, Verpackung, Verschleierung, die Elevation. Mittelfristig ist das schon ein weiterer Schritt weg vom Fleisch, eine weitere Abstraktionsstufe zwischen Mensch und der ihn umgebenden Welt. Bei allem Technorati-Jubel… MP3 und Co besitzen auch den Beigeschmack von Astronautennahrung.

08:50 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

ABER MAL IM ERNST…

wer zählt eigentlich in Paris die ganzen brennenden Autos?

9. November 2005 09:07 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SIGUR ROS

Um die Wahrheit zu sagen, ich bin kein Sigur-Ros-Connaisseur. Es ist für mich schwer, eine Band zu kennen, deren Songs Worte wie Svefn-G-Englar, Vaka oder Hafsol und Heysatan verwenden, deren Mitglieder sich auf Alben anonymisieren, auf Tracklistings, Photos und das ganze übliche Marketing-Pipapo verzichten. Sigur sind, wie Joy Division und davor Pink Floyd, in vieler Hinsicht eine Band der Verweigerung. Dennoch liebt man natürlich eine Band, deren Sound – wie der von Polyphonic Spree – seinerzeit etwas zwar nicht ganz neuartiges, aber eine überraschende neue Synthese darstellt und die den Brückenschlag zwischen Kunst und Pop mit ungewohnter Lässigkeit meistert. Sigur steckt irgendwo in dem Gerüst zahlloser Bands, die sich gegenseitig beeinflußen, hat die lineare Crescendo-Methodik, die wir bei Mogwai und Explosions in the Sky auch finden, den nöhlenden Gesang und die texturartigen Musikschichten der (neuen) Radiohead, die eindeutig von Sigur beeinflußt sind, und natürlich Múms Hang zu dieser Mischung aus naiven, kindlichen Melodie-Sequenzen, die gegeneinander aufgestapelt werden und auch deren Liebe zur seltsam maschinellen Samplerhythmen, die immer klingen, als wäre ein Kühlschrank kaputt. Im Baßbereich jede Menge bewährte Harmonielogik von U2 und Coldplay, die das ganze zusammenhält.

Es ist selten, daß ich ein Konzert nicht sehe, sondern höre, weil man eigentlich zwangsläufig nur mit geschlossenen Augen dasteht und sich konzentriert (es gibt auch nicht allzuviel zu sehen, eine handvoll studentisch wirkender dürrer Jungs, wenig Licht, etwas Backdrop-Projektion). Die Musik funktioniert besser, wenn du nicht hinschaust. Nicht weißt, wie sie gemacht wird. Es stellt sich beim konzentrierten Hören wieder heraus, daß Sigur Ros eigentlich eine Form spiritueller Musik machen, jeder Song in dem seltsamen elfischen Falsett von Jón Thór Birgisson wirkt wie ein Gebet, inbrünstig und leidend. Die Harmonien, der Einsatz von grandios durch den Leslie gedrückter Orgel und Streicherflächen, der stete Wechsel zwischen fast lautloser Andacht (live etwas nervend, weil die Geräte natürlich brummen) und furiosem wütenden Lärm (live etwas nervend, weil das letzte Quentchen Baß und Power im Sound fehlten)… da ist keine Frage das die Musik direkt an dein Herz will. Entsprechend stehen im Publikum Leute, überraschend oft die Augen geschlossen, leicht wippend, entweder ein entrücktes Lächeln auf dem Gesicht oder einen konzentrierten, fast mitleidenden Ausdruck.

Das Set irrlichtert grandios zwischen «Hits» und unbekanntem, neuem Material vom Takk-Album, die Band hat hier und da Timingprobleme, der Baßmann den wohl langweiligsten Job der Welt, der Schlagzeuger ist hier und da eher schlecht, der Sound nicht differenziert, aber letzteres soll wohl auch so sein. Wall of Sound olé.

Weniger schön ist, daß mich bei der Zugabe mein Kreislauf im Stich läßt, mir speiübel wird und ich an die frische Luft muß. Nicht die beste Art, einen Abend zu beenden. Ich sitze draußen vor dem Palladium auf den Treppen, während sich Sigur Ros durch ein manisches Crescendo im letzten Song kämpft. Jedesmal, wenn Jón den immer wieder gleichen Ton anstimmt, bekommt einer der Security-Leute einen Lachanfall.

7. November 2005 06:34 Uhr. Kategorie Live. Eine Antwort.

SOME MUSIC

Anna Maria Jopek Secret > Die erste englischsprachige CD und sehr sehr sehr kommerziell. Immer noch gut, aber man riecht den Wunsch nach Erfolg, bei Alben wie Barefoot oder Farat war sie entspannter.

Arvo Pärt Lamentate > Großartig. Nichts unerwartetes von Pärt, aber wunderbar.

Broken Social Scene > Hat Kirsten mir schon vor ewig aus Kanada empfohlen, aber höre ich mal auf sie? Aber jetzt. Exzellentes Album.

Camille Le Fil > Großartiger, grandioser Irrsinn. Exzellent.

Kate Bush Aerial > Kate Bush lebt noch? Okay. Klingt weitgehend nicht nach dem, was man nach so einer langen Pause erwartet, gerade bei einem Doppelalbum, was immer nach Konzept und megaambitioniert klingt. Insgesamt nett, altersweise, klingt halt wie Peter Gabriel mit anderen Vocals. Sehr leicht.

6. November 2005 08:26 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Google Print

Langsam macht mit Google irgendwie Angst…

06:38 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

PARIS IS STILL BURNING….

…wie es in dem Song von Trust so schön heißt. In jedem Krankheitsverlauf gibt es vor der Phase von Abfindung und stumpfer Apathie, dem Warten auf dem Tod, die Phase der Aggression. Der Wut gegen einen diffusen, unangreifbaren, körperlosen Gegner, die sich nicht zielgerichtet ausdrücken kann und so oft dazu führt, daß die Todgeweihten sich selbst oder ihre Freunde und Familie verbal oder handgreiflich attackieren. Nichts anderes ist der seit den Siebzigern eskalierende Terror in der Dritten Welt, nichts anderes war die RAF, die Unruhen in LA und kürzlich in New Orleans, nichts anderes sind auch die brennenden Straßen in den Trabantensiedlungen vor Paris. Das gute alte Macht kaputt, was euch kaputt macht. Es ist nicht politisch, nicht zielgerichtet, nicht intelligent und deshalb kein Guerillakrieg, der zum Erfolg führen wird. Auch wenn es natürliche muslimische Untertöne gibt – die islamischen Expansionisten wären dumm, diese Chance nicht zu nutzen, zumal die muslimischen Schulen in der Pariser Suburbia fest als Machtin der Parallelwelt etabliert sind – ist das hier eben nicht die französische Intifada. Es ist nur entweichender Druck, der langfristig dazu führt, daß die Konservativen in Frankreich weiter am Polizeistaat arbeiten können, neben den ausländischen Terroristen jetzt auch einen inländischen Buhmann haben, um die Überwachungsnetze repressiver zu spannen, mittelfristig ist das System jedem Unruhestifter dankbar, weil er eine Theodizee des starken Staates liefert. DNA-Analysen, RFID-Implantate, Surveillance… wenn nur nicht Flugzeuge in unsere Häuser fliegen oder Immigrantenkinder ihre Autos in den Banlieues abfackeln. Man schaue sich nur an, was nach dem Mord an Theo van Gogh an Rollback in der niederländischen Immigrationspolitik stattfand.

Das die Politik diese dumpfe Form von Protest als Ungeziefer abtut, daß es mit dem Hochdruckreiniger zu entfernen gilt, ist so wenig überraschend wie falsch wie von den üblichen Eigeninteressen ökonomischer Politik geleitet. Die Opfer des kapitalistischen Systems wählen dessen politische Kaste ohnehin nicht mehr – aus Abneigung oder weil sie gar nicht mehr wählen gehen, resigniert sind –, insofern agiert man hier gegenüber der eigenen Klientel als durchgreifender Staatsmann bei minimalen Stimmenverlust-Risiko. George Bush zeigt nachhaltig, wie hochgradig erfolgsstiftend diese Form der medialen Selbst-Inszenierung sein kann, wenn man nicht zu viele Patzer en bloc macht. Es hat auch mit dem Realitätsverlust aller Politiker zu tun, in politischen Gegnern Systemabweichler zu sehen. Ich erinnere mich an eine Wahlkampf-Veranstaltungen von Helmut Kohl, bei der er ein paar Demonstranten mit Trillerpfeifen als «linken Abschaum» bezeichnete – und nicht einer der Pfeifkonzertler sah tatsächlich bei näherer Betrachtung so aus, hier manifestiert sich vielmehr die Entrückung von Machtpolitikern aus der Wirklichkeit. Clements Umgang mit dem Scheitern von Hartz IV, Schröders Verhältnis zur deutschen Presse… Sarkozys «Racaille» ist da auf der gleichen Linie. Sarkozy ist klug genug, zu wissen, daß er damit gezielt den Konflikt weiter schürt, das ist Strategie… so wie Bushs Wort von den Crusades, den Kreuzzügen bei seinem Ultimatum an Al Quaeda. Die Wortwahl an sich garantiert, daß eine friedliche Lösung ausgeschlossen bleibt. Die Jugendlichen in den Cités leben schließlich in einem strikten Kastensystem von Respektbekundungen, von Gesten und Kommunikations-Symbolismen. Nicolas Sarkozy will die Eskalation, braucht sie.

Allein, die kleinen Krawalle in Clichy-sous-Bois werden die Politik nicht zurück an den Tisch der Vernunft holen, die Sache ist ein paar Tagen vorbei (obwohl die Franzosen einen Geschmack für Revolutionen haben, wer weiß, wer weiß, vielleicht halten die Kids in Essone und Toulouse ja eine Weile länger durch. Am Ende aber, da weiß die IRA ein Lied von zu singen, muß man sehr lange sehr hart kämpfen, um dann doch nur lauwarme Kompromisse durchzusetzen. Die Bank gewinnt immer. Der Kranke zerkratzt sich nur die eigene Haut. Am Ende wird es kosmetische Projekte geben, Photo-Ops, Soundbites, den ganzen Bullshit, den wir von Bush in New Orleans gesehen haben… aber keine wirkliche Hilfe für die sozialen Brennpunkte. Am Ende wird es mehr Polizei geben, der Krieg zwischen Underdogs und Staat wird weiter schwelen. Die gleichen Zustände herrschen in den USA, in England und noch deutlich abgeschwächt – abgefedert durch ein zwar fehlerhaftes, aber zumindest kalmierendes soziales Ausgleichssystem – auch in Deutschland. Wären die Protestler cleverer, organisierter… sie hätten eine Chance. So sind sie Kanonenfutter, das von Sarkozy und de Villepin medial für den anstehenden Machtkonflikt um die Präsidentschaft mißbraucht wird.

06:26 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DIGITALL

Camila Amorim macht mehr aus alten Telefonen

Are there interactions that exist in normal spoken conversation that could be expanded upon within a disembodied communicative context? Is there a more meaningful way to «call» people than dialling numbers on the phone? Can we anticipate a «good» moment to call someone even before calling? We developed an «always on» home telephone that attempts to enrich voice based communications and enhance the experience of calling based on visual feedback. We repurpose the home telephone as set of individual transmitters, each of them connected to a house or a person, which can be plugged and unplugged to the system along time according to which people the user wants to be connected with. Each of these panels is customizable and can be shared as a gift/visiting card between friends

via wemakemoneynotart

5. November 2005 21:30 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

SMALL PORTFOLIO

Julia hat für den Pitch gestern eigentlich noch Photos gemacht (die wir aus Zeitgründen nicht mehr zeigen konnten). Und da es immer noch keine richtige Homepage gibt und man nichts verkommen lassen soll, poste ich die Sachen einstweilen hier, unkommentiert und als endlosen Bilderstrom. Es ist eine absolut nicht komplette Übersicht. Es fehlen nicht nur viele Sachen bei den jeweiligen Kunden (bei nahezu jedem gibt es ein vielfaches der hier gezeigten Arbeiten), sondern es fehlen auch einfach komplette Klienten. Zum einen, weil ich die Sachen teilweise gar nicht mehr habe oder zum anderen weil sie zu dem Anlaß gestern falsch gewesen wären.

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10:25 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

TOUGH DAY

Der Grund, warum ihr mir alle am Freitag die Daumen drücken solltet, war natürlich ein Pitch, ein Wettbewerb. Einer von den zwei großen möglichen Sachen, die mir derzeit sehr am Herzen liegen und die 2006 zu einem unglaublichen, anstrengenden, großartigen, intensiven Jahr machen würden. Ich bin mir nicht sicher, ob das Daumendrücken viel geholfen hat. Da gab es sicher externe Gründe, die Crew, vor der ich präsentiert habe, war nach den vorherigen Präsentationen greifbar müde und auch unter extremen Zeitdruck, eine Mischung, die eben nicht ideal ist, ich selbst war auch übermüdet, nach dem nächtlichen Durcharbeiten auch ziemlich unkonzentriert und der Killer war, daß statt der erwarteten sieben bis zehn Leute nur drei da waren. Eigentlich ein Bonus, intimere Runde, aber ich war eben auf eine große Zahl vorbereitet. Da machen bestimmte dramaturgische Sachen eben Sinn, Beamer, eine zweite Person, die Dinge verteilt, eine bestimmte Menge an Materialien, die man mitbringt. Mit drei Leuten hätte ich besser den Beamer wieder abschalten sollen, mir einen Kaffee holen und man hätte die Zeit für ein Gespräch nutzen sollen. Vor drei Leuten wirkt eine Beamer-Präsentation, die bei neun Leuten einfach der einzig richtige Weg ist, irgendwie aufgesetzt, vielleicht auch arrogant und vor allem deplaciert. Das spürst du natürlich auch, wenn du vorne sprichst… wie es an den Zuschauern abperlt, weil ja vom medialen Ansatz her zu hoch aufgehängt, too much show, und dann kommst du in diesen Abwärtsstrudel – du merkst, die Sache läuft falsch, kannst aber auch schlecht mittendrin abbrechen, also überspringst du, ergänzt andere Sachen, der Beat stimmt einfach nicht mehr. Glasklar mein Fehler, ich hätte die breiten Schultern haben müssen, die gesamte vorbereitete Konzeption zu verlassen und bin auch eigentlich der Typ dafür, dann wirklich auf die eigentliche Präsentation zu verzichten und direkt ins Gespräch zu gehen. Ich mag das. Ich bin sonst ja gut darin, unprofessionell zu sei. Bei dem anschließenden Gespräch war dann zu wenig Zeit, sich kennenzulernen, sich ineinander zu verlieben, zu überzeugen, Bedenken auszuräumen. Zu wenig von uns erzählt, zu wenig von den anderen erfahren. Zu wenig Zeit, Arbeiten auch zu erklären. Ich bin eben schlecht im Pitch, weil ich wie viele andere Designer, die ich kenne, zutiefst an der eigenen getanen Arbeit zweifele, immer eher Suchender, kein Verkäufer bin. Prozessual denke, keine Ready-made-Lösung habe. Wenn du dann sozusagen noch medial fehlkonzipiert bist und dich auf großes Round-Table-Publikum vorbereitest und (verdientermaßen) übermüdet bist… bad.
Sehr schade, zumal ich mich bei beiden Vorgesprächen sehr sehr wohl gefühlt habe und eigentlich am liebsten sofort losgelegt hätte ;-D. Es gibt Aufträge, da weißt du, daß deine seltsame Art, über Design zu denken, hier greifen kann und funktionieren wird und etwas Neues entstehen kann. Das hier wäre so ein Fall gewesen.

Vielen Dank an alle, die mir die Daumen gedrückt haben, als Merci gibt es nach dem «Weiterlesen» einige Bilder aus der Präsentation, die allerdings ohne meinen schwurbeligen Text dazu noch rätselhafter sind. Ich schreibe etwas dazu, aber das ist natürlich verkürzt. Ich muß es auch vage oder mehrdeutiger halten und einige Bilder entfernen, um die Identität des Kunden zu anonymisieren.


Und los…

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08:14 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

SAUERSTOFF

Wenn man inmitten mehrerer schwerer Jobs steckt, ist es, als wäre man unter Wasser. Die Arbeit beginnt sehr früh morgens, meist stehst du um fünf oder sechs auf und hast schon einen halben regulären Arbeitstag hinter dir, wenn die ersten Leute im Büro eintrudeln, meist endet er irgendwo zwischen 23:00 und 3:00 Uhr, vier bis acht Stunden nach Büroschluß. Da bleibt in den ganz harten Phasen (zu) wenig Zeit für Presse, der Spiegel und die Zeit bleiben ausnahmsweise ungelesen, Bücher werden nur stockend weiter gelesen, TV und Radio werden wegignoriert, man bloggt nicht, liest weniger online. Man ist unter Wasser, in der ja auch wunderbaren Zielstrebigkeit eines Jobs, der deine volle Konzentration braucht, in der Verantwortung für mehrere simultan laufende Projekte. Wenn man dann kurz an die Wasseroberfläche kommt, um Sauerstoff zu tanken, blickt man in die Nachrichten, in eine Zeitung, Online-News und entdeckt, daß die Welt anders wirkt, wenn man kurz aus ihr heraus war. Es ist wie mit Leuten, die man lange nicht gesehen hat, die sich nicht graduell Tag um Tag verändern, sondern die man nur einmal im Jahr trifft und dann deutlicher Veränderungen wahrnimmt… das klassische «Du bist aber groß geworden»-Syndrom. In diesem Fall brennen in Paris die Vorstädte (die Zukunft des Ruhrgebiets), in Mar de Plata toben die Demonstrationen gegen den spätkapitalistischen Kurs der USA, die zeitgleich überlegen, daß Folter doch eigentlich eine denkbare Sache ist; die Politik in Berlin ist in der Kernschmelze. Alles also wie immer, wie auch New Orleans einfach nur passiert ist, wird würden heute ja auch achselzuckend und spendenquittungschreibend wegstecken, wenn in Indien ein zweites Chenobyl passieren würde. Unvermittelt aus dem Wasser kommend, ist das aber alles ordentlich absurd, zu grell und direkt, eine Welt wie aus einem schlechten Buch, Cabaret Bizarre. Die Vororte von Paris, wie stets, zeigen die Zukunft. Die Sequel der Rassenunruhen von LA, in einem Land, daß sich seiner multikulturellen Politik stets offiziell rühmt, zeigen ein grandioses politisches Scheitern.. und die einzige Antwort des Staates auf die sich Weg bahnende Frustration ist Gegengewalt. Law-and-Order, Druck, Kontrolle, Angst und irgendwann eben doch RFID für alle. Sarkozey und Villepin setzen auf die Methoden der Ungeziefervernichtung, und machen wir uns nichts vor, würde sich in Deutschland sozialer Druck so energetisch ausdrücken wie in Frankreich (wo es in diesen Dingen ja seit eh und je etwas schwungvoller zur Sache geht), die deutsche Politik würde nicht anders reagieren. Paris ist die Zukunft von Dortmund und Gelsenkirchen. Und so kommt alles zusammen: Die Unruhen in Paris, der Politik-Sepukku der Berliner Republik, die die gleichen Züge von Hilflosigkeit offenbart wie die Grande Nation, der Ex-Grüne Otto Schily, der Chips in Ausweise und Sammellager in Nordafrika befürwortet, Cheneys Wunsch nach mehr Foltermöglichkeiten für Systemabweichler (und wie groß ist der Unterschied zwischen randalierenden Jugendlichen, die Autos in Brand stecken und Jugendlichen, die sich mit Suizid-Bomben in die Luft jagen? Es ist nur eine Frage des Bodycounts und der politischen Windlage), die Abgrenzung der USA gegen jede Kritik von außen, egal wie berechtigt sie sein mag. Wenn du aus dem Wasser nach oben kommst, ist das für einen kurzen Moment eben nicht insulär, sondern eine Momentaufnahme.
Und dann wieder ins Wasser, in die Ruhe, für eine Woche noch

06:25 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

TOUGH WEEK

Mein Lieber, fast eine Woche nicht gebloggt. Einfach zu viel zu tun. Kaupp, Schneider Bielefeld, diverse andere Sachen. Good Times, aber auch wenig Schlaf. Hoffe, daß ich es am Samstag zu Sigor Ros schaffe. Trotz Blogentzug: Kollektiv morgen so um 17:30 die Daumen drücken, Amigos. Fragt nicht, macht einfach mal. Danke.
Ende nächster Woche wird es wieder normaler…

3. November 2005 23:01 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.


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