Okay. In meinem Leben ändert sich gerade einiges, also auch mein Blog. Tut mir leid, nicht zu ändern. Ich hab da jetzt ein paar Tage dran geknabbert und habe keine Lust, es momentan in der bisherigen Form fortzuführen. Ich will aber auch nicht aufhören, also muß sich das Blog mit mir gemeinsam verändern. Die Frage ist ja, wozu ist eigentlich ein Blog da? Dieses im Speziellen. Ist es ein Firmenblog – es taucht ja in meinen normalen eMails auf. Ich denke nicht. Das hier ist kein Marketingblog wie das von Jürgen Siebert. Es zeigt mich als Person, wenn man an der Person auch die Interessen des Designers immer erkennen kann. Ist es aber so richtig privat? Bisher mal so mal so. Ist es also ein Tagebuch – für mich ist es immer schon eine Art Luhmannscher Zettelkasten gewesen, ein Abbild von Interessen und Stimmungen – oder öffentlich (es wird ja gelesen)?
Kann und muß man das unterscheiden?
Wahrscheinlich nicht. Ich sehe nodesign ja sowieso nicht als Firma, sondern als Teil meines ganzen Lebens. Ich trenne da nicht. Ich will keine Kunden, sondern Freunde, mit denen man gemeinsam streitet und feiert. Die man mal kritisiert, aber für die man jederzeit durchs Feuer gehen würde. Für jeden einzelnen. Einer der besten Momente in der letzten Woche war, als Susanne Wissen vom TB mich geduzt hat. Obwohl ich am Dienstag sehr down war, war das ein toller Moment. Ich verkaufe seit eh und je keine Dienstleistung, sondern meine Seele. Meinen Enthusiasmus, meine Gefühle. nodesign ist keine Arbeit, sondern – jetzt mehr als zuvor – einfach Teil von mir, Konsequenz, konkretes greifbares Produkt von meinen Interessen und Neigungen, Abneigungen und dem gesamten Drive meiner Person. Es ging ja nie ums Geld oder um den Aufstieg, das hat sich halt so ergeben. Kunden sind vor allem eben Kumpel – oder sollen es sein und werden – und die Leute die hier arbeiten sollten es auch sein, sich auch so sehen und einbringen. Und im Idealfall klappt das ja auch. Ich denke, meine Arbeit wird nach einer kurzen Phase der Sinnlosigkeit intensiver brennen als zuvor, wir werden alle gemeinsam mehr Spaß haben und mehr Ergebnisse bringen. Ihr wart immer wichtig für mich, jetzt mehr denn je. Ich mahce mir große Sorgen, daß mir die Sache jetzt den Dortmund-Pitch verhagelt, auf den Job bin ich hungriger denn je. Mal sehen, was ich nächste Woche unter Schlafentzug produzieren kann. Momentan ist der Kopf zugegeben eher leer. Aber das ändert sich, aufgepasst.
Insofern kann ich das eh nicht unterscheiden. Hier über Gefühle zu schreiben, zugegeben, ist sicherlich unprofessionell. Aber ich BIN doch sowieso unprofessionell. Ich habe längst schon ab dem ersten Vorstellungsgespräch bei neuen Kunden eine Zeremonie daraus gemacht, gegen den Strich des Professionellen zu bürsten. Wer einen bezahlten Dienstleister, der nicht mitdenkt, sondern nur macht, der will mich doch sowieso nicht. Aber die, die mich wollen, kriegen,was sie brauchen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Läßt man sich darauf ein und weiß man das zu nutzen, kommt auch keine normale Dienstleister-Schiene an die Ergebnisse heran, auch wenn der Weg dahin manchmal anstrengender ist. Insofern paßt es schon, daß es auch keine Hülle der Professionaliät gibt, hinter der das eigene Leben verschwindet.
Die Alternative ist beim Blog ansonsten sowieso eben, auf absehbare Zeit gar nichts zu schreiben. Weil ich in dieser Hinsicht wie Didi bin… was in deinem Kopf ist, das läßt sich nicht los, du kaust darauf rum wie auf einem Knochen, buddelst es immer wieder aus, titscht mit der Zunge immer wieder selbst an die offene Stelle… da ist man thematisch als Mann dann doch etwas autistisch. Und nervt wahrscheinlich alle Freunde mit dem Selbstmitleid.
Was, und deshalb das Selbstmitleid noch öffentlich machen? Interessiert das wen?
Weiß ich nicht. Aber ich denke, als Designer ist man ausnahmslos entweder die Sorte stiller introvertierter Künstler, der sich sonst nicht ausdrücken kann, oder – wie ich – schamloser und neugieriger Exhibitionist. Der Redeschwall-Typus. Ich wil das also nicht trennen und wen es nicht interessiert, der soll halt weglesen. Ansonsten kann ich so zentral an dieser Stelle einfach auch die derzeit immer wieder fallende Frage, wie es mir heute geht (und danke an alle, die immer wieder fragen, die da sind und mitleiden, das ist unbezahlbar), für mich selbst zentral beantworten.
Ich muß da natürlich mit einer wütenden Mail von Sandra rechnen, die solche Sachen nicht gerne offen sieht, was ich gut verstehen kann, weil sie Angst hat, das ich hier Schuldzuweisung betreibe. Aber hier geht es nicht so sehr um dich. Es geht nicht um Aufrechnen, es geht nicht ums Schlechte-Gewissen-machen und all das. Vielleicht ist es ja auch spannend für dich, zu lesen, was so bei mir abgeht, würde mir umgekehrt ja auch so gehen (naja, im grunde vielleicht doch nicht so konkret im Moment… :-D) Es geht nicht mehr um dich. Naja… doch, klar, unweigerlich. Aber es geht nicht um die Schuldfrage. Wenn du mich nach 20 Jahren von einem Tag auf den anderen verläßt, gehören da drei Leute zu und ich weiß schon, wie hart zumindest die letzten beiden Jahre mit mir waren, wie mies Sylvester war, wie überarbeitet und müde und defekt ich war. Und das tut mir einfach auch leid. Das man irgendwann nicht mehr die Lust hat, einen anstrengenden monomanischen Menschen wie mich zu tolerieren oder gar zu reparieren, sondern einfach mal Neuware braucht… keine Frage, Ich hab’s nicht anders verdient. Und die Tatsache, daß die Arbeit und der Fight für den Erfolg was mit einem gemeinsamen Ziel – Haus, Kind, Zukunft – zu tun hat, ist ja ein sehr langfristiger Pay-Off, ein rationales Argument. Das hilft – Gott sei Dank eigentlich – nicht gegen die langsam verschwindende Liebe. Zumal sich solche Ziele vielleicht auch einfacher und schneller ohne mich erreichen lassen. Insofern bin ich stolz auf dich, deine Konsequenz, ein bißchen wütend (sicher), weil es vielleicht doch zu einfach war, einfach ohne Kampf, ohne Chance und Warnung aufzugeben, vielleicht ein bißchen neidisch auf den Kick der frischen Liebe. Dein Dezember wird der Hammer sein! Es gibt wenig besseres, als ganz frisch verliebt zu sein und das im Winter. Mir glaubt keiner, daß ich mich fr dich freue, aber seltsamerweise ist das authentisch der Fall. Und natürlich bin ich selbst am Boden zerstört, klar. Einer ist bei solchen Sachen der Verlierer. Beziehungen sind komplizierte Uhrwerke. Aber es geht absolut hier nichts gegen dich, es ist nicht mal – auch das kann man annehmen – eine Art Kommunikationsversuch (dafür gäbe es bessere Möglichkeiten), weil ich weiß, das die Sache final ist, das war mir Montag abend schon klar. Die Leute, die das nicht glauben, haben deine Stimme nicht gehört, deine AUgen nicht gesehen. Das Blog ist also keine Tränendrüsen-Nummer oder sowas, ganz im Gegenteil. Und auch nicht der große Waschtag. Wir hatten zwei gute Dekaden (fand ich) und die Erinnerungen und die brachliegende Zukunft à la Flix sind momentan irgendwie ziemlich erdrückend (schon der falsche Song reicht da aus, das kommt in so seltsamen Wellen, als wäre ich Witwer, ganz seltsam). Aber es geht jetzt darum, für uns beide, die nächsten zwei Dekaden anzugehen. Das ist bei dir etwas einfacher, weil sich weniger Parameter ändern, du machst eher ein Upgrade, während ich an vielen Punkten emotional und ganz pragmatisch erst mal Angstmomente habe. Unterm Strich: Ich kenne dich seitdem ich 18 bin, es ist im Grunde unmöglich für mich, wirklich wütend zu sein. Und du kennst mein Selbstbild und weiß, daß ich sowieso davon ausgehe, gegen den besseren Mann verloren zu haben, darin liegt also keine Schande.
Für meinen Freundeskreis und meine Familie kommen jetzt harte Tage, weil ich nach einer Versenkung von 19 Jahren in einer fast hermetischen Zweierbeziehung, in der neben Sandra fast nichts zählte, wieder auftauche und nach Aufmerksamkeit schreien werde, nach Aktionismus, nach Weggehen, nach Ablenkung und Verständnis… weil mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Ich darf noch nicht so richtig an Weihnachten und Sylvester denken… Einer der guten Sachen ist aber, daß Leute, die ich seit langer Zeit eher lauwarm behandelt habe – für die nie Zeit war zwischen Beziehung und Arbeit – jetzt da sind. Ich hoffe, das hält länger als die obligatorischen drei Mitleidstage, ich brauche euch jetzt wahrscheinlich mehr als mir lieb ist. Mach man sich nichts vor, ich hab schon Entzug gelitten, wenn sie mal eine Woche im Urlaub weg war… und das ist jetzt kein Urlaub. Haltet durch. Und sagt, wenn ich nerve.
Das Blog wird sich also vorübergehend verschieben, weg von den lustigen Bildern und Links und dem neuesten Handyspielzeug, hin zu etwas, wo ich selbst permanent überlege, ob man wirklich Absenden drücken soll. Zu etwas Lomographischem, zu Private- to-Public. In etwas wahrscheinlich auch Peinlicheres. Öffentliche Gefühle sind ja immer sowas von daneben und uncool. Aber ich bin die Sorte Mann, die mit 16 Gedichte geschrieben hat, und insofern sowieso eine furchtbare dramaqueen. In den nächsten Tagen geht es also um öffentliches Tagebuch, ums Heulen, um verlorene und ein paar neue Hoffnung, ums Überleben. Um this will not kill me. Ich denke, die einen werden es mögen, die anderen werden es hassen. Laßt in den Kommentaren Dampf ab. Falls einer diese langen Textwüsten überhaupt durchsteht mir liest (die häufigste Reaktion auf das Blog ist ja ohnehin, daß die Leute es NICHT lesen, insofern. Die anderen Beiträge werden fragmentarischer und kürzer, aber das hier grundlegend. Ich selbst lese das Blog ja auch als externes Gedächtnis, als Tracer, ich mag den Zeitstrahl zurück. Was war vor drei Monaten wichtig? Das ist momentan etwas strange, weil vor einer woche mein ganzes Leben 180° anders war, aber in drei Jahren werde ich die Einträge hier lieben und zugleich rot anlaufen vor Scham, denke ich.).
Aber die Alternative ist, das Ding dicht zu machen, weil mir derzeit der Nerv fehlt, über den neuesten Superman-Trailer zu berichten. Das sind Sachen,die machen einen Heidenspaß, wenn du in einer guten Beziehung steckst, die aber derzeit sehr hohl und fade wirken. Auf der Couch hocken und Lost schauen ist zu zweit spanned, alleine eher deprimierend. Auf der anderen Seite kenne ich mich gut genug, um zu wissen daß ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten jetzt mehr unternehmen werde, nach Trennungen neige ich meist zum Overdrive… zwischendurch wird es neben der Seelen-Gastroskopie also sicher Theater, Konzerte und sowas geben. Die Ersatzdroge, die freigesetzte Energie, das Ablenken, das auf jeden Fall kommenden und schon beginnende Durchstarten. Das erschreckende Suchen nach einer neuen Liebe. Ich weiß, daß ich recht schnell abschließen und neu beginnen kann. Vielleicht schreibe ich auch nur, um mir einen Sinn, einen öffentlichen Druck zu geben, jetzt nicht schwach zu werden. Weiter Kerzen anzuzünden und Blumen auf den Tisch zu stellen und all die Sachen, die keinen Sinn machen in einer leeren Wohnung. Das zu tun, was ich Didi all die Jahre gepredigt habe.
Ich prophezeie also gerade im Dezember sehr seltsame Einträge und sehe den Visitcount des Blogs schon auf 3 sacken. Obwohl ich selbst, zugegeben, gerade solchen Stuff – zum Beispiel bei Maori, dessen Blog ja auch hier und da sehr privat wird – immer am liebsten lese.
Wir finden schon raus, wohin das alles führt.
Okay. In meinem Leben ändert sich gerade einiges, also auch mein Blog. Tut mir leid, nicht zu ändern. Ich hab da jetzt ein paar Tage dran geknabbert und habe keine Lust, es momentan in der bisherigen Form fortzuführen. Ich will aber auch nicht aufhören, also muß sich das Blog mit mir gemeinsam verändern. Die Frage ist ja, wozu ist eigentlich ein Blog da? Dieses im Speziellen. Ist es ein Firmenblog – es taucht ja in meinen normalen eMails auf. Ich denke nicht. Das hier ist kein Marketingblog wie das von Jürgen Siebert. Es zeigt mich als Person, wenn man an der Person auch die Interessen des Designers immer erkennen kann. Ist es aber so richtig privat? Bisher mal so mal so. Ist es also ein Tagebuch – für mich ist es immer schon eine Art Luhmannscher Zettelkasten gewesen, ein Abbild von Interessen und Stimmungen – oder öffentlich (es wird ja gelesen)?
Kann und muß man das unterscheiden?
Wahrscheinlich nicht. Ich sehe nodesign ja sowieso nicht als Firma, sondern als Teil meines ganzen Lebens.