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DIENSTAG//MITTWOCH

Gestern lief Arbeit am Schneiderbuch-Projekt. Volker Scheller hat ordentlich Drive und gute Ideen, liefert schnell und verlangt schnelle Arbeit. Zu Recht. Macht Spaß. Außerdem werden zwei wirklich schöne und sehr verschiedene Abendprogramme für Bielefeld fertig. Steffi sitzt am Januar-Lepo, Alex macht Buttons, Julia wuppt Schneider-Material. Work is hard, but playful. Der Druck ist da, aber schaffbar. Didi kommt vorbei. Weil er jetzt selbst in einer Beziehung steckt, hat er zu wenig Zeit, und die Weihnachtsparty scheint nicht mehr so sicher. Das wär aber mal shit, Meister. Marian sitzt an der nodesign-Site und produziert ein ausgefuchtes CMS mit eingebauter Bildskalierung, Beschneidungstools usw, das die Thumbnail-Erstellung schön easy macht. Exzellent.

Abends mit Steffi und Nina im Medienhafen, Mongos und Cocktails, aber – ich habs dank Polizeikontrolle offiziell – kein überhöhter Alkoholkonsum. Wollte ewig ins Mongos, das Warten hat sich gelohnt. Trotz des Service-Gastronomie-Ansatzes und der etwas deftigen Preise einfach eine saugute Idee, wundere mich, warum die noch keiner nachahmt. Danach so bis um kurz vor 5:00, Wahrheit oder Pflicht spielen. Wenn man schon wieder 18 ist, dann auch mit Verve. Very nice, auch wenn zum Spielen mehr als drei Leute schon (noch) lustiger gewesen wären. Spielt man es nur lange genug, wird das Spiel sogar irgendwie sinnvoll. Anytime again! Time very well-killed.
Um 8 aus dem Bett, baden, spazierengehen (Endorphine tanken), Shopping, Blumen für Julia, weil ich ja genau weiß, daß das das ALLERLETZTE ist, was wie erwartet und will. Jule hat heute ihren letzten Tag, schadeschade!!! Einen richtig klassischen Strauß natürlich für sie, nichts modernes. Ich kaufe einer Frau, die sich mit ihrem Mann nicht einigen kann, welche Blumen sie kaufen soll, die Alternativauswahl (einen hochkitschigen Weihnachtsmann mit Weihnachtsstern. Evi kommt noch vorbei und wir frühstücken alle zusammen, reden über ihr Mars-Diplom und über jede Menge Schwachsinn sonst. Dann weiter der Schneider/Brezina-Job, jede Menge Dummy-Bastelei für den «Photoshoot» morgen. Heute abend mit Björn in DD, etwas quasseln.

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Katzenplatzen

Aus der gleichen Hirnecke, die auch Ideen wie das Fluppenwuppen, das Forellenschellen, das grandiose Glockenblocken und nicht zuletzt auch die Aalattacke hervorgebracht hat kommt ein neues phantastisches TV-Spiel-Konzept: Ab welcher Höhe fallen Katzen eigentlich nicht mehr auf die Füße? Live vom Kölner Dom (wo ja bereits das Glockenblocken lief) und aus dem Heißluftballon über Lengerich. Das ganze unter dem Titel:

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EAT MAN DRINK WOMAN

Langweilig ist das Wort, daß ich in letzter Zeit oft sage. Nicht nur, weil so eine Trennung durch bestimmte Stufen läuft, die du ja theoretisch kennst und durch die du eben doch peu à peu durchmußt, wie durch einen dicken Eisberg, ohne Shortcut. Aber auch, weil ich die ganze Geschichte inzwischen so oft erzählt habe, daß ich merke, wie ich schon in bestimmte Floskelschubladen greife. Bestimmte Formulierungen, die immer und immer wieder kommen (weil sie auch gut sind :-D). Abwechslung bringt, daß ich streite mich mit meiner Mum, weil ich ausgerechnet Sandra in Schutz nehme, gegen neues Verliebtsein kann sie ja auch nichts machen und so. Und wenn du gerade denkst, du hast den Kopf über Wasser kommen dann von ihr pragmatisch-kühle Mails über Sachenabholen und so, die dir die Lust am Verteidigen irgendwie nehmen. Der Ton ist reduziert und knapp, effizient, und dein Kopf weiß ja, daß das gut und fair ist, daß man das gemeinsam auf diese Art eben auch sauber hinkriegt, aber Gott, dein Bauchgefühl geht voll in den Keller. Jede Mail sagt eigentlich ja: Das ist alles real. Das passiert echt. Paola und Kurt kommen immer noch nicht hinterm Vorhang hervor. Du wünscht dir dabei nur, vorspulen zu können, den ganzen Prozeß zu beschleunigen, einfach schon Oktober 2006 zu haben und zu sehen, ob du das alles intakt überstanden hast. Ich will das Aufteilen von in 20 Jahren gemeinsam gekauften Erinnerungsstücken, das seltsame finale Autotürschließen, das Mitleid, die Vorwürfe und die Selbstzweifel nicht haben. Aber keine andere Wahl, als sich mit einem kleinen Teelöffel durch den dicken Eisberg zu buddeln und zu hoffen, daß am anderen Ende alles wieder gut ist. Daß Sandra geht, hat ja auch etwas karmisches, reflektiert auch meine eigenen Attitudes des letzten Jahres wider, den eigenen Streß, die Fehler (aber macht euch nichts vor, mich so kalt und kalkulierend abzuservieren ist ja nun auch keine Steilvorlage für ihr Karma. Ich hoffe insofern aufrichtig, daß die Sache glücklich für sie endet.). Das letzte Jahr war eine Aufopferung, für das gemeinsame Projekt, die Arbeit, das Geld, das Haus. All die Sachen, die immer unwichtig waren und dann zu wichtig wurden. Zu viele Jobs jongliert, zu viel Rechnungen, die bezahlt werden mußten, zu tief im Hamsterrad, zu wenig Leben gehabt, zu wenig Kreativität. Die Stresssymptome. Übergewicht, Rückenschmerzen, immer müde, immer am Limit. Der Spaß an der Arbeit und eben auch an der Beziehung, um die es im Kern bei der ganzen Arbeit ja immer ging, kamen unter die Räder. Ich war im Büro gestresst, den Kunden gegenüber dünnhäutig, in der Ehe oft nicht liebevoll genug. Ob das ein Grund ist, ohne jede Diskussion binnen von drei Tagen zum neuen Lover zu ziehen, sei mal dahingestellt. Zumal ja ein Ende in Sicht war.

Wie dem auch sei, das gemeinsame Projekt – Haus/Kind/Happyness – ist weg und damit auch der Sinn des Sich-Kaputtmachens. Im Moment ist ein Faden durchgeschnitten, eine Lebensplanung seit dem
18. Lebensjahr bis ins hohe Alter, vom Abitur bis zum Alter am Strand
in Spanien. Ohne dieses Projekt – wenn ich nicht in Depression stürzen will – muß der Spaß wieder her. In die Arbeit, ins Leben. Im Idealfall ist in ein zwei Jahren mein Leben bunter, intensiver als in den letzten zwanzig Jahren. Im Idealfall verdiene ich dreimal soviel und hab achtmal soviel Spaß dabei. Da muß (und wird) es jetzt hingehen. Everything must be beautiful. Über die Alternative denken wir einfach mal gar nicht nach, ja? Ich will nicht wie mein Vater enden, bitter und einsam. Und mache man sich nichts vor, bei all diesem ganzen seltsamen Schmerz (der immer noch wie ein seltsamer Elefant mitten im Raum steht, zu groß, um ihn ganz zu fassen; du kannst immer nur einen Rüssel, einen Fuß, ein Ohr betasten) ist das ja jetzt schon so. Kein TV-auf-der-Couch-gucken seit über einer Woche, mehr Freunde gesehen, mehr erlebt als lange zuvor. (Und leider auch kaum geschlafen.) Sicher nicht so happyhappyhappy wie Sandra, die sicher auch intensiver lebt, aber dazu randvoll mit komplett frischer Liebe aufgetankt ist… aber immerhin. So eine Trennung schockt dich auch ins Leben zurück.

Vorgestern und heute also Essen und Cocktails bis nachts um 3:00, tolle und lange ICQ-Gespräche und Telefonate, die mich immer wieder aufpeppeln. Kaum Schlaf, aber hellwach, mit reiner blinder Willenskraft gegen das Loch angehen, Optimismus durch Autosuggestion. Lange frühstücken mit dem Team, schöne Sachen für Bielefeld und Schneider machen. Jeden Morgen das Mantra: This will not kill me.

Und 1000 Dank an B.S. für wunderbares, seltenes Verständnis und eine Terminverschiebung. Mein Highlight des Tages, erhofft aber bestimmt nicht erwartet. Arbeiten wir je zusammen, bin ich dein Samurai.

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THIS BOBBY EWING FEELING

Sonntag ist – wie erwartet – kein so besonders guter Tag für den frisch gebackenen Single, nicht nur, weil ich immer noch eingeschneit bin. Nachdem Freitag und Samstag eigentlich super waren… aber selbst wenn Sassa heute sowieso arbeiten müßte, ist es doch so, daß die Wohnung greifbar zu ruhig ist. Ein Teil von dir erwartet, daß in zwei drei Stunden ein Schlüssel an der Tür geht und sie heimkommt und einfach alles so wie immer ist. Pam wird wach und Bobby ist nicht tot, sondern steht einfach unter der Dusche. An den anderen Tagen sprichst du mit Leuten oder machst etwas, aber zu arbeiten und so eine Art Alltäglichkeit zu haben, nährt dieses bescheuerte Deus-Ex-Machina-Feeling. Also zum einen in die Arbeit stürzen – ist ja genug zu tun, obwohl man eigentlich schon sehr unmotiviert ist –, außerdem Sachen umstellen, Kühlschrank entrümpeln, Wäsche waschen, Schubladen entleeren, ein paar graue Müllsäcke vollmachen, Ordnung durch Ordnung. In Ruhe frühstücken, Essen vorbereiten. Mal sehen, gleich noch was raus in den Schnee gehen. Auch genießen, daß es nach der schlaflosen letzten Woche und dem Weggehen von Freitag und Samstag einfach mal einen Downday gibt. Meine Erkältung auskurieren. Immer noch schön, wie viele Leute unerwartet zu mir halten.

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EINGESCHNEIT


Wie geil. Da der Reifenwechseltermin erst am nächsten Donnerstag möglich war, stecke ich derart im Schnee mit meinen breiten Sommerreifen, daß gar nichts mehr geht hier, ich komme nicht mal aus der Parklücke, die Räder drehen direkt durch. Wird also ein unfreiwillig ruhigeres Weekend.

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Freitag II

Um 6:45 raus, Schnee schaufeln, dann eine Stunde spazieren, zu laute Musik hörend. Die Straßen leer stumm weiß und du je nach Song Trauer oder Aufbruch im Kopf.

Tagsüber läßt die Arbeit keine Luft zum Denken. Du produzierst einfach. Sitzt an drei Abendprogrammen, Postkarten, Schneiderbuch hat die Ideen für die Brezina-Imagekampagne nicht nur genommen, sondern die Auflage von 3000 auf 20.000 erhöht, wir müssen zig Medien produzieren und das in halsbrecherisch kurzer Zeit. Einzig zu Dortmund komme ich kaum; die kreative Energie, die innere RUhe und Fokussierung, einen schlüssigen neuen Auftritt zu schaffen, fehlt. Aber die Deadlines sind da und die Uhr tickt ziemlich gnadenlos. Angst, in Folge der Situation den Pitch zu verlieren. Du verlierst die Frau wegen der Arbeit und die Arbeit wegen der Frau.

Zwischendurch Ordnung schaffen. Simplify your life. Herauszufinden, was Singles motiviert, den Tag zu überleben. Ich bin niemals wirklich richtig allein gewesen und muß das erst lernen, praktisch wie psychologisch. Du ziehst also deine Bilanzen, triffst Entscheidungen für die nächsten Monate und Jahre. Wartest vor allem – nachdem der emotionale Lebensinhalt übernacht verschwunden ist –, ob du zumindest ökonomisch überleben wirst und nicht auf beiden Ebenen untergehst. Du versuchst nicht daran zu denken, wie du dich an Sonntagen oder an Weihnachten fühlen wirst. Nicht zu denken ist im Arbeitsstreß einfacher, aber an den ruhigen Tagen…

Zwischendurch Anrufe und eMails von Freunden. Darunter Didi, der sich freut, daß unsere Situationen nun 180° sind und der mir mit meinen eigenen Weisheiten auf die Sprünge helfen wird, mich lange genug kennt und die genau richtigen Dinge sagt, und meinen zweiten Weihnachtstag rettet; man plant Sylvester mit ein paar Leuten. Horst, der vorbeikommt um zu sehen, ob ich schon auf dem Fenstersims stehe und springen will. Wobei mir im Moment überraschend gar nicht nach Suizid und Suff ist, mehr nach Neustart und Mineralwasser. Leute, die du endlos ignoriert hast, um mit deiner Frau zu cocoonen, weil eine Folge von Lost wichtiger schien als deine Freund – und die ungefragt und überraschend da sind. Die ich auch brauche. Sandra wechselt ja sozusagen nur das Pferd, geht von einer Zweierbeziehung in die nächste/frischere/ bessere aber strukturell ähnlkiche Sache, beruflich und privat ändern sich da wichtige Details, aber nicht die Grundkonstruktion, nicht die existentielle Architektur. Bei mir ist Abriß. Da brauchst du Ablenkung, Freunde, soziales Netzwerk, das dich fängt. Bin gespannt, wieviel davon nach der obligatorischen Mitleidsphase bleibt, aber das hängt auch von mir selbst ab. Neue Fundamente gießen.

Abends weggehen mit Steffi und Kirsten. Vorweg ein perfekt entertainender Taxifahrer, der aus Sommerreifen und Schnee ein Kunststück macht. Ich war ewig nicht mehr in dePrins – etwa seit den Forbidden Colours –, aber viel geändert hat sich nicht. Pommes Spezial, Jenever und Grolsch und Talk. Vielleicht funktioiniert das so – man erzählt den verschiedenen Leuten so oft die gleiche Geschichte, bis man sie selbst nicht mehr hören kann, man schwitzt sie mit jedem Wort aus sich heraus. Healing by Talking. Therapie durch Freundeskreis. Jedesmal, wenn du es neu erzählst, schließt du für dich selbst etwas mehr damit ab.

Zwischendurch noch schnell in eine schreckliche Cocktailbar, die schrecklich aussieht, schreckliche Gäste hat, schreckliche Nachos bietet und schreckliche Cocktails mixt (der von Stefanie sah aus wie Glasrein und schmeckte wohl auch so), das Click hat schon zu, es ist kalt also huschhusch wieder zurück zum Holländer. Kirsten friert im Schnee, ich mag ihn. Alles ist weiß und still und leise und neu. So um drei Uhr schlafe ich im Prins im Stimmengewirr halb ein, losgelöst zufrieden, wir sind alle drei so herrlich todmüde, sind die letzten, die gehen (vielen Dank für das letzte Bier, Prins’ler). Noch einen Kaffee bei Steffi und der Fußmarsch nach Hause, die Skyline von Essen im Schnee. Unterwegs die Feuerwehr, die einen umgefallenen Baum zersägt, der ein oder zwei Autos zermanscht hat. Wie surreal der Schnee im blauroten Stroboskoplicht aussieht. Stück um Stück sägen vermummte Feuerwehrleute im dichten weißen Schneetreiben geduldig mit ihren kleinen Kreissägen den toten Baum in tragbare Stücke, um die Fahrzeuge freizulegen, die zerdrückten Autos abschleppen zu lassen, die Straße wieder freizumachen für neuen Verkehr.

Ich erfinde das nicht. Das Leben schickt dir die Metaphern, die du brauchst.

Um sieben Uhr morgens, nach 24 Stunden, sirrend vor Kaffee und Alkohol und Gesprächen und Gefühlen, weißt du, daß heute ein guter Tag war, aufgeladen und stark, intensiver durch blank liegende Nerven. Draußen stürmt weiter der Schnee und das Haus knarzt und ächzt und wiegt mich.

Und endlich Schlaf.

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PROUST

Abgesehen von Thomas Schmitz (auch wenn ich ja nun leider nicht mehr für ihn arbeite, bin ich da natürlich nicht neutral, liebe Leute :-D) ist Proust mal ganz definitiv die netteste Buchhandlung in Essen. Nicht nur in Sortiment oder Beratung, sondern weil sie uns mal ganz fix, herrlich unproblematisch und total lieb aus der Bredouille helfen und sich als Photohintergrund zur Verfügung stellen. 1000 Dank! Am 8.12. liest dort übrigens der als Arno-Schmidt-Mäzen legendäre Jan Philipp Reemtsma, wenn auch leider mit dem Thema Christoph Martin Wieland zu einem eher im Verhältnis zum Autor für mich auf den ersten Blick eher trocken anmutenden Stoff. Kann aber sicher trotzdem spannend sein.

Außerdem dank an Nina für Hilfe beim Knöpfebasteln und an Thomas Schmitz, der trotz allem sofort mit Hilfe zur Hand ist. Sei gedrückt, Mann.

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FREITAG

Okay. In meinem Leben ändert sich gerade einiges, also auch mein Blog. Tut mir leid, nicht zu ändern. Ich hab da jetzt ein paar Tage dran geknabbert und habe keine Lust, es momentan in der bisherigen Form fortzuführen. Ich will aber auch nicht aufhören, also muß sich das Blog mit mir gemeinsam verändern. Die Frage ist ja, wozu ist eigentlich ein Blog da? Dieses im Speziellen. Ist es ein Firmenblog – es taucht ja in meinen normalen eMails auf. Ich denke nicht. Das hier ist kein Marketingblog wie das von Jürgen Siebert. Es zeigt mich als Person, wenn man an der Person auch die Interessen des Designers immer erkennen kann. Ist es aber so richtig privat? Bisher mal so mal so. Ist es also ein Tagebuch – für mich ist es immer schon eine Art Luhmannscher Zettelkasten gewesen, ein Abbild von Interessen und Stimmungen – oder öffentlich (es wird ja gelesen)?
Kann und muß man das unterscheiden?

Wahrscheinlich nicht. Ich sehe nodesign ja sowieso nicht als Firma, sondern als Teil meines ganzen Lebens. Ich trenne da nicht. Ich will keine Kunden, sondern Freunde, mit denen man gemeinsam streitet und feiert. Die man mal kritisiert, aber für die man jederzeit durchs Feuer gehen würde. Für jeden einzelnen. Einer der besten Momente in der letzten Woche war, als Susanne Wissen vom TB mich geduzt hat. Obwohl ich am Dienstag sehr down war, war das ein toller Moment. Ich verkaufe seit eh und je keine Dienstleistung, sondern meine Seele. Meinen Enthusiasmus, meine Gefühle. nodesign ist keine Arbeit, sondern – jetzt mehr als zuvor – einfach Teil von mir, Konsequenz, konkretes greifbares Produkt von meinen Interessen und Neigungen, Abneigungen und dem gesamten Drive meiner Person. Es ging ja nie ums Geld oder um den Aufstieg, das hat sich halt so ergeben. Kunden sind vor allem eben Kumpel – oder sollen es sein und werden – und die Leute die hier arbeiten sollten es auch sein, sich auch so sehen und einbringen. Und im Idealfall klappt das ja auch. Ich denke, meine Arbeit wird nach einer kurzen Phase der Sinnlosigkeit intensiver brennen als zuvor, wir werden alle gemeinsam mehr Spaß haben und mehr Ergebnisse bringen. Ihr wart immer wichtig für mich, jetzt mehr denn je. Ich mahce mir große Sorgen, daß mir die Sache jetzt den Dortmund-Pitch verhagelt, auf den Job bin ich hungriger denn je. Mal sehen, was ich nächste Woche unter Schlafentzug produzieren kann. Momentan ist der Kopf zugegeben eher leer. Aber das ändert sich, aufgepasst.

Insofern kann ich das eh nicht unterscheiden. Hier über Gefühle zu schreiben, zugegeben, ist sicherlich unprofessionell. Aber ich BIN doch sowieso unprofessionell. Ich habe längst schon ab dem ersten Vorstellungsgespräch bei neuen Kunden eine Zeremonie daraus gemacht, gegen den Strich des Professionellen zu bürsten. Wer einen bezahlten Dienstleister, der nicht mitdenkt, sondern nur macht, der will mich doch sowieso nicht. Aber die, die mich wollen, kriegen,was sie brauchen. Mit allen Vor- und Nachteilen. Läßt man sich darauf ein und weiß man das zu nutzen, kommt auch keine normale Dienstleister-Schiene an die Ergebnisse heran, auch wenn der Weg dahin manchmal anstrengender ist. Insofern paßt es schon, daß es auch keine Hülle der Professionaliät gibt, hinter der das eigene Leben verschwindet.

Die Alternative ist beim Blog ansonsten sowieso eben, auf absehbare Zeit gar nichts zu schreiben. Weil ich in dieser Hinsicht wie Didi bin… was in deinem Kopf ist, das läßt sich nicht los, du kaust darauf rum wie auf einem Knochen, buddelst es immer wieder aus, titscht mit der Zunge immer wieder selbst an die offene Stelle… da ist man thematisch als Mann dann doch etwas autistisch. Und nervt wahrscheinlich alle Freunde mit dem Selbstmitleid.
Was, und deshalb das Selbstmitleid noch öffentlich machen? Interessiert das wen?

Weiß ich nicht. Aber ich denke, als Designer ist man ausnahmslos entweder die Sorte stiller introvertierter Künstler, der sich sonst nicht ausdrücken kann, oder – wie ich – schamloser und neugieriger Exhibitionist. Der Redeschwall-Typus. Ich wil das also nicht trennen und wen es nicht interessiert, der soll halt weglesen. Ansonsten kann ich so zentral an dieser Stelle einfach auch die derzeit immer wieder fallende Frage, wie es mir heute geht (und danke an alle, die immer wieder fragen, die da sind und mitleiden, das ist unbezahlbar), für mich selbst zentral beantworten.

Ich muß da natürlich mit einer wütenden Mail von Sandra rechnen, die solche Sachen nicht gerne offen sieht, was ich gut verstehen kann, weil sie Angst hat, das ich hier Schuldzuweisung betreibe. Aber hier geht es nicht so sehr um dich. Es geht nicht um Aufrechnen, es geht nicht ums Schlechte-Gewissen-machen und all das. Vielleicht ist es ja auch spannend für dich, zu lesen, was so bei mir abgeht, würde mir umgekehrt ja auch so gehen (naja, im grunde vielleicht doch nicht so konkret im Moment… :-D) Es geht nicht mehr um dich. Naja… doch, klar, unweigerlich. Aber es geht nicht um die Schuldfrage. Wenn du mich nach 20 Jahren von einem Tag auf den anderen verläßt, gehören da drei Leute zu und ich weiß schon, wie hart zumindest die letzten beiden Jahre mit mir waren, wie mies Sylvester war, wie überarbeitet und müde und defekt ich war. Und das tut mir einfach auch leid. Das man irgendwann nicht mehr die Lust hat, einen anstrengenden monomanischen Menschen wie mich zu tolerieren oder gar zu reparieren, sondern einfach mal Neuware braucht… keine Frage, Ich hab’s nicht anders verdient. Und die Tatsache, daß die Arbeit und der Fight für den Erfolg was mit einem gemeinsamen Ziel – Haus, Kind, Zukunft – zu tun hat, ist ja ein sehr langfristiger Pay-Off, ein rationales Argument. Das hilft – Gott sei Dank eigentlich – nicht gegen die langsam verschwindende Liebe. Zumal sich solche Ziele vielleicht auch einfacher und schneller ohne mich erreichen lassen. Insofern bin ich stolz auf dich, deine Konsequenz, ein bißchen wütend (sicher), weil es vielleicht doch zu einfach war, einfach ohne Kampf, ohne Chance und Warnung aufzugeben, vielleicht ein bißchen neidisch auf den Kick der frischen Liebe. Dein Dezember wird der Hammer sein! Es gibt wenig besseres, als ganz frisch verliebt zu sein und das im Winter. Mir glaubt keiner, daß ich mich fr dich freue, aber seltsamerweise ist das authentisch der Fall. Und natürlich bin ich selbst am Boden zerstört, klar. Einer ist bei solchen Sachen der Verlierer. Beziehungen sind komplizierte Uhrwerke. Aber es geht absolut hier nichts gegen dich, es ist nicht mal – auch das kann man annehmen – eine Art Kommunikationsversuch (dafür gäbe es bessere Möglichkeiten), weil ich weiß, das die Sache final ist, das war mir Montag abend schon klar. Die Leute, die das nicht glauben, haben deine Stimme nicht gehört, deine AUgen nicht gesehen. Das Blog ist also keine Tränendrüsen-Nummer oder sowas, ganz im Gegenteil. Und auch nicht der große Waschtag. Wir hatten zwei gute Dekaden (fand ich) und die Erinnerungen und die brachliegende Zukunft à la Flix sind momentan irgendwie ziemlich erdrückend (schon der falsche Song reicht da aus, das kommt in so seltsamen Wellen, als wäre ich Witwer, ganz seltsam). Aber es geht jetzt darum, für uns beide, die nächsten zwei Dekaden anzugehen. Das ist bei dir etwas einfacher, weil sich weniger Parameter ändern, du machst eher ein Upgrade, während ich an vielen Punkten emotional und ganz pragmatisch erst mal Angstmomente habe. Unterm Strich: Ich kenne dich seitdem ich 18 bin, es ist im Grunde unmöglich für mich, wirklich wütend zu sein. Und du kennst mein Selbstbild und weiß, daß ich sowieso davon ausgehe, gegen den besseren Mann verloren zu haben, darin liegt also keine Schande.

Für meinen Freundeskreis und meine Familie kommen jetzt harte Tage, weil ich nach einer Versenkung von 19 Jahren in einer fast hermetischen Zweierbeziehung, in der neben Sandra fast nichts zählte, wieder auftauche und nach Aufmerksamkeit schreien werde, nach Aktionismus, nach Weggehen, nach Ablenkung und Verständnis… weil mir sonst die Decke auf den Kopf fällt. Ich darf noch nicht so richtig an Weihnachten und Sylvester denken… Einer der guten Sachen ist aber, daß Leute, die ich seit langer Zeit eher lauwarm behandelt habe – für die nie Zeit war zwischen Beziehung und Arbeit – jetzt da sind. Ich hoffe, das hält länger als die obligatorischen drei Mitleidstage, ich brauche euch jetzt wahrscheinlich mehr als mir lieb ist. Mach man sich nichts vor, ich hab schon Entzug gelitten, wenn sie mal eine Woche im Urlaub weg war… und das ist jetzt kein Urlaub. Haltet durch. Und sagt, wenn ich nerve.

Das Blog wird sich also vorübergehend verschieben, weg von den lustigen Bildern und Links und dem neuesten Handyspielzeug, hin zu etwas, wo ich selbst permanent überlege, ob man wirklich Absenden drücken soll. Zu etwas Lomographischem, zu Private- to-Public. In etwas wahrscheinlich auch Peinlicheres. Öffentliche Gefühle sind ja immer sowas von daneben und uncool. Aber ich bin die Sorte Mann, die mit 16 Gedichte geschrieben hat, und insofern sowieso eine furchtbare dramaqueen. In den nächsten Tagen geht es also um öffentliches Tagebuch, ums Heulen, um verlorene und ein paar neue Hoffnung, ums Überleben. Um this will not kill me. Ich denke, die einen werden es mögen, die anderen werden es hassen. Laßt in den Kommentaren Dampf ab. Falls einer diese langen Textwüsten überhaupt durchsteht mir liest (die häufigste Reaktion auf das Blog ist ja ohnehin, daß die Leute es NICHT lesen, insofern. Die anderen Beiträge werden fragmentarischer und kürzer, aber das hier grundlegend. Ich selbst lese das Blog ja auch als externes Gedächtnis, als Tracer, ich mag den Zeitstrahl zurück. Was war vor drei Monaten wichtig? Das ist momentan etwas strange, weil vor einer woche mein ganzes Leben 180° anders war, aber in drei Jahren werde ich die Einträge hier lieben und zugleich rot anlaufen vor Scham, denke ich.).

Aber die Alternative ist, das Ding dicht zu machen, weil mir derzeit der Nerv fehlt, über den neuesten Superman-Trailer zu berichten. Das sind Sachen,die machen einen Heidenspaß, wenn du in einer guten Beziehung steckst, die aber derzeit sehr hohl und fade wirken. Auf der Couch hocken und Lost schauen ist zu zweit spanned, alleine eher deprimierend. Auf der anderen Seite kenne ich mich gut genug, um zu wissen daß ich im Rahmen meiner zeitlichen Möglichkeiten jetzt mehr unternehmen werde, nach Trennungen neige ich meist zum Overdrive… zwischendurch wird es neben der Seelen-Gastroskopie also sicher Theater, Konzerte und sowas geben. Die Ersatzdroge, die freigesetzte Energie, das Ablenken, das auf jeden Fall kommenden und schon beginnende Durchstarten. Das erschreckende Suchen nach einer neuen Liebe. Ich weiß, daß ich recht schnell abschließen und neu beginnen kann. Vielleicht schreibe ich auch nur, um mir einen Sinn, einen öffentlichen Druck zu geben, jetzt nicht schwach zu werden. Weiter Kerzen anzuzünden und Blumen auf den Tisch zu stellen und all die Sachen, die keinen Sinn machen in einer leeren Wohnung. Das zu tun, was ich Didi all die Jahre gepredigt habe.

Ich prophezeie also gerade im Dezember sehr seltsame Einträge und sehe den Visitcount des Blogs schon auf 3 sacken. Obwohl ich selbst, zugegeben, gerade solchen Stuff – zum Beispiel bei Maori, dessen Blog ja auch hier und da sehr privat wird – immer am liebsten lese.

Wir finden schon raus, wohin das alles führt.

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ARMAGEDDON APPLE 2


Es schneit. Wie romantisch. Weil es so schön dazu paßt: Voila, jede Menge brennende Äpfel…

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Ein Kommentar

Hin Zur Spannung Dem Knistern Dem Surrenden Ton

Nicht viel Lust, zu bloggen. Gibt Sachen, klar. Neue CDs. Bücher, die man gelesen hat. Die Photos vom Bratapfel. Nur keine Motivation. Wird auch wieder anders. Auch wenn es sich auflöst, das Leben muß ja weitergehen. Aber jetzt ist mehr die Zeit, schamlos pathetisch zu sein, und das auch noch öffentlich. Mea culpa.

Das Zitat eigentlich eher wegen dem akuten Bzzzzz hier im Blog-Äther. Aber trotz des kitschigen Refrains, der so sehr deutscher Schlager ist und so tränendrüsig, daß man den Mut zum Kitsch schon fast wieder mögen muß, steckt dahinter ein alter Text von Nils Frevert, der irgendwie immer – und eben auch jetzt – paßt. Baden wir also drei Minuten im Selbstmitleid…. Hey, seid froh, daß ich nicht mit Morrissey-Texten ankomme.

feuerwasser fernweh. ein ums andere mal. das leben verläuft gerade eindimensional. es gibt dinge die kommen nie zusammen. langes warten zwei gleise und autobahnen. das leben verläuft manchmal eindimensional. wir kennen das gut und die einsamkeit. wir wissen über uns bescheid. es gibt dinge die kommen nie zusammen. autokino und achterbahn. und einen der als letzter merkt es regnet tränen in mein herz. pause unterhaltung. drehungen im kreis. nur nicht stehenbleiben. unterwegs sein. hin zur spannung dem knistern dem surrenden ton. dem einzigen geräusch im aquarium. wir kennen das gut und die einsamkeit. wir wissen über uns bescheid. eine mischung wohl aus spass und ernst. es regnet tränen in mein herz. es gibt dinge die kommen nie zusammen. autokino und achterbahn. und einen der als letzter merkt es regnet tränen in mein herz

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21

21-11-05. 21:30 Uhr.
Wie unscheinbar solche Momente daherkommen.

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SAISONHEFTWATCHING

Einen haben wir noch, nämlich das «neue» Schauspielhaus Hamburg. Zu allererst muß man Friedrich Schirmer zu seinen gewaltigen big balls gratulieren, aus Schauspielhaus Hamburg nur noch Das Schauspielhaus zu machen. Als gäbe es kein anderes nennenswertes Theater mehr in Deutschland. Das ist die Sorte Attitude, die zwar nicht politisch, aber sehr korrekt ist.

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BRATAPFEL

Am Freitag gabs hier geheimnisvolle Vorbereitungen…



… und wir haben gelernt, daß Stacheldraht verdammt hartnäckig ist und Brennpaste bei Tageslicht eine fast unsichtbare Flamme erzeugt.

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SUPERMAN RETURNS TRAILER

Immer noch skeptisch… aber schöner Teaser-Trailer. Musik aus dem Original-Film, Voice-Over ist Marlon Brando aus dem Originalfilm. Singer läßt wenig Zweifel daran, daß er den wahren Superman III drehen will, um nahtlos an die Filme aus den 70ern anzuschließen.

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ABSOLUTE WATCHMEN

Wenn es jemals ein Comic gab, das es verdient, als übergroße Hardcover-Edition in einem Slipcase neu veröffentlicht zu werden, dann Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons. Ursprünglich eine zwölfteilige Comicserie aus den 80ern, erzählt Watchmen einen eigentlich vergleichsweise straighten Plot aus der Welt der Superhelden. Die in diesem Fale nicht Superman oder Spider-Man sind, sondern auf alten, fast vergessenen Charlton-Charakteren basierende Neuinterpretationen von Moore, die in dieser Miniserie tiefer und resonierender, menschlicher und realer werden als die klassischen Superhelden in ungezählten Jahrzehnten ihrer Publikationsgeschichte. Ich habe das Paperback von Watchmen etwa zehn, zwölfmal gelesen, so alle ein zwei Jahre wieder… und entdecke immer wieder neue Details, die Moore fast manisch in die Story packt. Kleine Motive, Wiederholungen, Phrasen, Bildelemente, Hinweise, die die gesamte Story zu einem chinesischen Puzzle mutieren lassen. Im Grunde ist die gesamte Story ein unglaublich durchkonstruiertes Experiment rund um die Möglichkeiten der Verdichtung von Erzählungsstrukturen. Es wundert kaum, daß Moore im hinteren Extra-Teil des Hardcover eine einzige Seite des Comics auf fast vier Seiten Script en detail für den Zeichner Dave Gibbons beschreibt, der Moores Ideen auf ein strenges Neuner-Panel-Grid verteilen muß.
Das Moore hier mit einem Fuß im amerikanischen Spandex-Genre bleibt, mag auf den ersten Blick abschrecken, sollte aber nie davon ablenken, daß es bei Watchmen nicht wirklich um Superhelden und den Kampf des Monats geht, sondern um die Menschen hinter den Masken, ihre Träume, Ängste, Hoffnungen und ihre eigene Absurdität. Irritierend aus heutiger Sicht ist schon eher, wie sehr das Buch von der nuklearen Angst, die Mitte der Achtziger weltweit greifbar war, geprägt ist und wie verschwunden diese Angst heute zu sein scheint (ohne, daß die tatsächliche Bedrohung verschwunden wäre). Vielschichtig, clever und mit einer unglaublichen Freude am Experiment, wird nahezu jede Seite, jedes Panel des Comics auf eine ganz ruhige, nie aufdringliche Art, erzählerisch aufgeladen, sparsam, unter der Wasseroberfläche. Wer will, kann hier einen Superhelden-Whodunnit lesen, wer will, kann aber auch eine ganz andere Geschichte entdecken und sich daran erfreuen, wie die eingebettete Piratenstory nicht nur Panel um Panel den «realen» Dialog spiegelt, sondern auch die gesamte Geschichte kommentiert, wie Bild und Text miteinander spielen, wie Moore eine ganze Continuity aus dem Nichts erschafft, wie das Smiley-Motiv immer und immer wieder auftaucht, Uhren, Pyramiden, Radioaktivtäts-Warnschilder, wie die Lösung visuell schon auf der ersten Seite angedeutet wird, wie das Kapitel Fearful Symmetry eben auch tatsächlich präzise symmetrisch aufgebaut ist, wie im Watchmaker-Kapitel mit Zeit und Raum gespielt wird undundund… ein trügerisch leichtfüßiges, grandioses, dekonstruktives und zugleich konstruktives Comic, das bisher nicht einmal von Moore selbst übertroffen wurde, geschweige denn von irgend jemand sonst. Wenn es so etwas wie ein Citizen Kane des Comic Genres gibt… Watchmen ist’s. Zumal es Moore gelungen ist, mit Charakteren wie Dr. Manhattan, Ozymandias und vor allem Rorschach einen der seltsamsten Antihelden-Pantheon schlechthin zu schaffen. Rorschach, der als rechtslastiger Soziopath durch das Buch geht und am Ende doch als einziger ohne Kompromisse aufrecht seinen Weg geht, dem Tod ohne Bedenken in die AUgen sehen kann. Never compromise… even in the face of armageddon.

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