Den Film, den Peter unten meint, ist Soylent Green, einer der absoluten SciFi-Klassiker. Mit einem grandiosen Edward G. Robinson in seiner letzten Rolle. Großartiger Film, sehr inspiriert von der damaligen Club-of-Rome-Prognose der Weltüpberbevölkerung. Soylent Green hat seine Durchhänger und natürlich die üblichen 70s-Mängel der damaligen SciFi-Movies, wie Westworld oder Logans Run ja auch, ist aber einer der letzten Social Science Fiction Filme, bevor Star Wars dem echten Science Fiction Genre zumindest im Kino den Garaus gemacht hat. Hat mich als Kind neben PhaseIV stets sehr beeindruckt, dieser Film. Richard Fleischers düsteres SF-Szenario zählte lange zu meinen Lieblingsfilmen des Genres, einen Platz, den heute recht fest Terry Gilliams furiose 1984-Farce Brazil hält.
Würde man mich morgen zum Intendanten eines Theaters machen, nebenbei, wäre das eines der ersten Stücke, die ich auf die Bühne bringen würde. Es ist immer ein bißchen schade, daß die Theater keinen Mut zur Science Fiction haben. Ich glaube, der Erfolg von Solaris als Bühnenadaption zeigt, was hier machbar wäre. Gute Stoffe gibt es genug. Ich würde zum Beispiel wirklich gern Williams Gibsons Red Star, Winter Orbit über die letzten Stunden an Bord einer zum Absturz verdammten russischen Raumkapsel als Bühnenfassung sehen wollen
31. Oktober 2005 21:28 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.
Ich hege ein großes Mißtrauen gegen alles, was übermäßig okkult und homöopathisch oder überpsychologisiert ist, mit vielleicht einer Ausnahme, dem I Ging . Ich habe 1999 damit angefangen, im Krankenhaus, aus Langeweile, zumal ich passenderweise stark unter Morphium war, da paßten Castaneda, Reich, Jung, Einstein, Wilson und eben chinesische Orakel irgendwie. Die von Richard Wilhelm übersetzte Fassung habe ich mir inzwischen, nachdem ich das Paperback durchgewetzt habe, in Leder binden lassen. In Streßphasen vergesse ich das Buch manchmal, aber normalerweise gehört es zum Tagesablauf, morgens einmal die Hölzer zu werfen, vielleicht nur, weil ich den Klang davon so mag. Ich mag auch die rationale Seite dieses Orakels, die hochmathematische Technologie (eigentlich die erste binäre Computerlogik), den Zusammenhang zu Jungs Synchronizität, die ich für plausibel halte, die Entspanntheit des Tao, den Zusammenhang zwsichen chance occurrences im Mikrokosmos, die mit ähnlichen Zufallsfaktoren im Makrokosmos übereinstimmen könnten, letztlich die Vorwegnahme der Quantenidee, die Vorstellung, daß wenig eindeutig ist, daß bestimmte Ergebnisse zu dem einen ODER dem anderen Hegagramm führen können, je nachdem, welchen Quantenzustand ein Strich einnehmen würde. Das hier ist eben nicht das mythologisch aufgeblasene Tarot (obwohl viele Tarot-Anhänger auf die bestehenden Zusammenhänge zwischen I Ging und Tarot verweisen könnten). Obwohl das Orankel eine kulturabhängige Affinität zu Bescheidenheit und Demut hat (beides Hinweise, die bei jemandem wie mir nahezu täglich sinnvoll sind), und eigentlich eher für das chinesische Denken geschrieben ist, scheint mir oft überraschend, wie die vagen Sprüche und Wilhelms findige Auslegungen sich als Spiegel innerer Prozesse anbieten, weniger Rat und Antwort bieten als vielmehr Meditations- und Reflexionsmöglichkeit.
30 Li So haftet die doppelte Klarheit des berufenen Mannes am Rechten und vermag dadurch die Welt zu gestalten. Indem der Mensch, der bedingt und nicht unabhängig dasteht in der Welt, diese Bedingtheit anerkennt, sich abhängig macht von den harmonischen und guten Kräften des Weltzusammenhangs, hat er Gelingen. … Indem der Mensch diese Fügsamkeit und freiwillige Abhängigkeit in sich pflegt, erlangt er Klarheit ohne Schärfe und findet seinen Platz in der Welt.
56 Lü Als Wanderer und Fremdling darf man nicht schroff sein und hoch hinauswollen. Man hat keinen großen Bekanntenkreis, darum darf man sich nicht brüsten. Man muß vorsichtig und zurückhaltend sein… die Straße ist seine Heimat. Darum muß er dafür sorgen, daß er innerlich recht und fest ist, daß er nur an guten Orten verweilt und nur mit guten Menschen verkehrt. Dann hat er Heil und kann unangefochten seine Straße ziehen.
30. Oktober 2005 08:43 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Ich sags ja… die Frage, ob Apple überlebt oder nicht, hängt davon ab, ob Jobs & Co es schaffen, binnen kurzer zeit ein Killer-handy auf den Markt zu werfen, daß die Brand-Eigenschaften und den besonderen Sense of Design von Apple auf ein portables Smartphone überträgt. Das Nokia 91 zeigt, wie die Uhr da für Apple tickt und wie schwach sie in diesem Markt noch aufgestellt sind, zeigt das Motorola ROKR… eine Kooperation, die Apple auch eher peinlich zu sein scheint. Ich denke, da wird fließig hinter der Kulisse gearbeitet. Piers Fawkes sieht das ganz ähnlich. Und hat auch eine Meinung zu iTunes, die ich teile: …consider iTunes as an early version of Windows – it’s an inflexible monopolistic proprietary system just waiting to be cracked and reworked over by some Linux dudes. Soon, if not already, a Web 2.0 version of iTunes will be available where you can download from the iTunes library AND any other library you choose from. The monopoly ends. True democratization of music to be listened to on the device of your choosing. And remember: you only want one ‘device’ to squeeze into that pocket. Hier lesen.
29. Oktober 2005 23:11 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.



Aus meiner Arbeit für Architekten weiß ich, daß Modelphotographie eine Kunst ist. Das small scale model glaubhaft zum Leben zu erwecken, ist keine leichte Übung. Das sich hier aber auch ungeahnte poetische Möglichkeiten entdecken, ist eine Überraschung. Lori Nix photographiert im Großformat en miniature eine präzise nachgebaute Realität, die in ihrer seltsam ausgeleuchteten Starre eine seltsame Unwirklichkeit, eine überkonstruierte Süßlichkeit, gewinnt. Genau so sieht Gott die Welt. Gefroren, klein, unwirklich. Jedes dieser Diorama erzählt oder vielmehr suggeriert eine komplette Geschichte, deutet einen Ausschnitt aus einer Realität an, die wir zuende denken und die doch immer nur als Simulation entstanden ist.
via Influx
23:11 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
I/O Brush is a new drawing tool to explore colors, textures, and movements found in everyday materials by «picking up» and drawing with them. I/O Brush looks like a regular physical paintbrush but has a small video camera with lights and touch sensors embedded inside. Outside of the drawing canvas, the brush can pick up color, texture, and movement of a brushed surface. On the canvas, artists can draw with the special “ink” they just picked up from their immediate environment.
Hier. Und da gibt es auch einiges anderes an spannenden Interface-Ideen.
via Bruce Sterling
22:13 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Dieser unveröffentlichte Video
von Granddaddy wurde mit Apple gemacht. Und zwar mit Applesoft II von 1979, einem Derivat von Microsofts Basic.Programmed entirely in Applesoft BASIC on a 1979 Apple ][+ with 48K of RAM–a computer so old it only types in capitals and has no up or down arrow keys, let alone a mouse. Jeff Bernier worked a miracle packaging the video in one night.via PSFK
18:14 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Noch beileibe nicht ganz fertig – Impressum, Kontakt und andere Details fehlen noch und wir müssen sicher noch an einigen Textdetails feilen –, aber schon so weit, daß man sie mal testfahren (und uns Bugs melden) kann:Die Mini-Site für die architektengruppe. Eine kleines Düsseldorfer Büro um Erhard Syffus, Hans Knaack und Hans Hofmann, für die wir via Björn Syffus bereits ein Büchlein gemacht haben und jetzt – darauf aufbauend – eine ganz winzig kleine Flash-Site ohne große Spielereien.
15:16 Uhr. Kategorie Arbeit. 3 Antworten.

Der Nebel um die Gerüchte um das neue O2-Smartphone lichtet sich etwas und endlich sieht es so aus, als gäbe es wieder ein vernünftigeres Smartphone auf dem Markt. Während im X/V/MDA-Bereich bisher die leistungsstärkeren Geräte ja zunehmend bulky und unhandlich werden bzw. die handygroßen Mini-Phones keinen Touchscreen und keine Power haben, bereitet O2 mit dem Atom ein Smartphone/PDA vor, das sich vernünftiger anhört. 2 MP-Kamera, Wifi, Bluetooth, MP3, Video, handlich mit 150 g und 58 x 102 x 18.5mm. Das es nur Mini-SD-Karten gibt, der Kopfhörer immer noch anscheinend auf 2,5″ läuft (argh) und das Wifi nicht 54 sondern nur 11 ist, scheint etwas wenig zukunftskompatibel (da ist das N91 von Nokia schon weiter). Und als Vodaphone-Kunde darf ich ohnehin wieder wartenwartenwarten. In Sachen Innovation hängt Vodaphone T-Mobile und vor allem O2 fast unerträglich hinterher.
Aber immerhin wieder ein Schritt in die richtige Richtung, weg von Semi-Laptops, hin zu kleinen aber leistungsstarken PDA/Smartphones.
Recht sexy ist übrigens auch der Pidion…Aber ob der jemals in Deutschland angeboten wird, sei mal dahingestellt. Rein vom Design her bisher mein Lieblings-PDA. Wenn Apple in Richtung Smartphone denkt, brauchen Sie nicht mehr lange zu suchen…
07:27 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Der von mir absolut geliebte Rick Poynor ist seit langem an der Definition des Designers als Autor (nicht Auteur) interessiert. Und es ist tatsächlich die beste Definition der Arbeit. Ich glaube nicht an den Designer als freien Künstler. Wiewohl Kunst mit den Mitteln des Designs machbar ist, ist Design per se die Erstellung eines Gebrauchsgegenstandes, der seinen eigenen Zweck hat und dem du die entsprechenden Mittel zu geben hast. Selbst beim abgefahrensten CD-Artwork geht es noch um einen Konsumartikel. Du löst nicht deine eigenen Probleme, sondern die von anderen. Zugleich glaube ich – was beim letzten Satz zu naheliegt – nicht an den Designer als Dienstleister. Ein Designer ist kein Pizzabäcker. Design ist keine kausale Einbahnstraße mit Problem > Lösung. Im Grunde löst Design auch gar keine Probleme. Das ist ein viel zu lineares Denken, ein Marketingdenken, und nichts ist Design im Herzen ferner als klassisches Marketing. Marketing setzt Design als Verpackungs-Werkzeug strategisch am Ende einer davon losgelösten Entstehungkette ein, während es idealerweise am Anfang mit eingeklinkt wird.
Als Designer bist du Autor. Nicht nur im übertragenen Sinne, den Poynor meint, sondern auch viel greifbarer: Du «schreibst» verschiedene Texte, mal Belletristik, mal journalistisch, mal Essay. Mal Shortstoy, mal Wälzer. Was man eben gut kann. Wie ein echter Autor bist du oft der eigenen Arbeit hilflos gegenüber, verlangen Stoffe und Charaktere Dinge von dir, die du anfangs so gar nicht geplant hast. Ein Cover oder ein Plakat läßt sich nicht alles vom Designer gefallen, es muß eben «in
character» bleiben, es sagt dir schon sehr klar, was du machen sollst und besser läßt. Wie ein Autor bist du geplagt von der Unzufriedenheit mit den eigenen Mitteln und Möglichkeiten. Es gibt auch zahlreiche Regeln für gutes und für eher schlechtes Schreiben, von den simplen Rechtschreibregeln bis hin zu den feinen Details in Sachen Metaphorik und Stil. Wie ein Autor ist man sensibel und schnell persönlich berührt, wenn deine Protagonisten oder dein Plot angegriffen werden. Ein kleines Detail ändern zu müssen, kann die ganze Story ruinieren, weil für dich als Autor die Welt, die du schreibst eben aus lauter solchen Details besteht. Das ist manchmal unmöglich schwer zu komminzieren, wie ein solcher Kleinstbaustein das große Ganze ruinieren kann, aber man stelle sich nur mal vor, James Bond trüge pinke Socken. William Goldman («Which Lie did I tell») kann ein Lied davon singen, wie ein schlüssiges Drehbuch von solchen Petitessen zerschossen werden kann.
Was Poynor meint, ist, daß man als Designer, wie ein Autor oder ein Künstler, eine Schöpfungshöhe hat. Man kreiiert etwas – und ist dafür verantwortlich, sich selbst und der Welt gegenüber. Authorship ist eben nicht eine Dienstleistung, sondern ein Prozess. Der läuft ideal mit anderen Co-Autoren oder Lektoren, wenn man sich die Bälle zuwirft und fast nicht mehr erkennbar ist, wer wo welches Kapitel beigesteuert hat. Und… wenn du deinen Lektor respektieren kannst (weil er dich reziprok respektiert und versteht) und weißt, daß er dir vertraut und du ihm vertrauen kannst, redet man auch auf Augenhöhe über Änderungen und Modifikationen, hört gern auf kompetente Verbesserungsvorschläge, arbeitet an einer besseren Lösung. Kein Autor ist sich seiner Arbeit so sicher, daß er nicht auf Ratschläge und Input hört. Aber jeder Designer, der sein Geld wer ist, will wahrscheinlich sofort einen Job hinschmeissen, wenn der Kunde mit dem «Wer zahlt hat Recht»-Argument kommt. Nur, weil du ein Buch bezahlst, hast du ja auch noch lange keinen Einfluß auf die Geschichte, oder? Du kannst es lesen oder weglegen, aber nicht umschreiben. Wenn du es könntest, wärst du selbst Schriftsteller.
Jobs, die mich als Autor glücklich machen sind die, wo die Co-Autorenschaft zwischen Designer und Klienten möglichst früh beginnt. Wo man gemeinsam an einem Thema arbeitet, zu verschiedenen Ideen kommt und die besten Ergebnisse herausfiltert. Solche Kooperationen gab es immer wieder mit den verschiedensten Leuten, mal langfristig, mal wie ein schnelles Abenteuer, aber wenn es klappt, ist es immer eine Bereicherung. Kunden, die uns als Zweckerfüller sehen und Vorschriften machen, werden bei uns nicht glücklich. Dafür sind wir zu widerborstig, zu sehr am Austausch interessiert, am besseren Argument, an der gemeinsamen Story. Da gibt es andere, die können das besser als wir, die wollen nur ein Diktat aufnehmen und kassieren, denen ist die Geschichte per se egal. Uns eben nicht. Uns geht es darum, gemeinsam Stärken zu finden und eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, die ehrlich ist, kein hohler Hype ist. Marketing, vielleicht auch die klassische Agentur-Werbung, ist die Kunst der feinen Lüge. Design ist Ehrlichkeit im besten Licht. Wenn Studenten mir mit Sprüchen kommen wie: «Hauptsache der Kunde ist zufrieden (oder auch nur der Dozent)», möchte ich sie durchschütteln. Es geht nicht um den Kunden, es geht nicht um den Dozenten, es geht nicht um die Verkaufe.
Die Hauptsache ist, daß die Geschichte gut wird.
21:17 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Sandra hat mir ja zum Geburtstag unter anderem (neben vielen Büchern, von denen ich eins bei Gelegenheit bei Slanted vorstelle, Konzerttickets, Theatergutscheinen, Vasen und Besteck und anderen tollen Dingen fürs Büro und das Leben) auch eine Mitgliedschaft in The Album Club geschenkt. An und für sich eine grandios yuppie-esque Idee: Haste keinen Musikgeschmack, kauf dir welchen. Beim Album Club suchen nach deinen Kriterien die Leute von Rough Trade, einem der legendärsten Alternative-Plattenläden (und Labels) die CDs für dich aus. In meinem Fall fünf pro Monat. Sassa hat die Vorlieben so wild und weitgestreut wie überhaupt möglich angegeben, right-on für mich. Ich mag die Idee vom Album Club. Er ist überteuert und dekadent und eigentlich suche ich mir meine Musik auch ganz gerne selbst aus, kaufe blind nach Cover oder lasse mir Sachen von Freunden empfehlen… aber Gott, die Idee, einfach komplett blind einmal im Monat fünf völlig wirr gemischte Scheiben zu bekommen… wer kann da denn nein sagen? Ich jedenfalls nicht.
Was ist alles im Start-Paket, das man bekommt? Ein CD-Kalender, in dem die Liefertage (in Deutschland etwas verzögert) markiert sind. Ihr seht, die erste Lieferung kam schon vor meinem Birthday am 26.

Lustige Aufkleber, die keiner braucht.

Noch mehr lustige Aufkleber, die auch keiner braucht, die aber Markenbewußtsein ausstrahlen (sollen).

Ein Anschreiben, das mich als Musikliebhaber adelt. Whoa… was man sich für ein paar Pfund heute alles an Liebe kaufen kann, eh? Welcome to our little club ist aber eben doch sehr charmant und nett, vor allem, wenn ich Mitglied 1600-irgendwas bin.
Mit dabei ist auch ein Rough Trade Best of 2004-Sampler, der nicht nur hier und da ein paar Bekannte aufweist (Coil, Le Tigre, Bloc Party, Throbbing), sondern auch ziemlich abgefahrene neue Bands. Mehr als empfehlenswert. Selten, daß ich bei Compilations alle Tracks überraschend und gut und frisch finde. Die SPEX ist da immer recht nahe dran. Und eben immer weit vorn. Wem die Richtung also gefällt, der mag auch diesen Sampler.


Einmal im Monat kommt dann das Album-Club-Paket (das ist schon so cool,vor allem, weil man nicht weiß, was kommt. Perfekte Marketing-Idee). Es ist einfach die genaiel gegenrichtung zu MP3. Hier wird die CD zum Geschenk. zum Kultobjekt, zur Überraschung. Du legst sechs sieben Stunden Musik ein und weißt, bei dieser extremen Auswahl, nahezu nie, was da auf dich zukommt. Das bringt ein ungeheures Stück Wertigkeit des Mediums zurück, das für mich mit MP3 verloren gegangen ist.

Mit dabei sind King Creosote (Singer/Songwriter, sehr ruhig, angenehm, einen Hauch nichtssagend zuerst, aber nice), Betty LaVette (R&B-Jazz, female vocal, Tarantino-Sound, exzellent), The Sounds of Monsterism Island (so schräg wie der Titel vermuten läßt, eine Compilation von / für den Londoner Starillustrator Pete Fowler mit absolut psychedelischen Songs, very different), Boards of Canada (Electronica, Warp-Label, das glaub ich eine Rough-Trade-Tochter ist oder war, so verkauft man dann natürlich auch die eigenen Alben gleich mit, mui praktisch. Ist aber sehr hörenswert) und Ladytron, die vielleicht bekannteste Combo dabei, von denen hab ich eh zwei Alben und diese neue Scheibe klingt zwar etwas härter, erwachsener als die alten Sachen, behält aber diesen leicht französischen St-Etienne-on-very-very-very-bad-acid-Charme der Liverpooler Band. Ich mag Ladytron und dieses Album ist so gut, wenn nicht sogar besser als die alten Sachen, rockiger und zugleich spaciger. Retrofuturism at its best.

Jeder CD liegt eine kleine Beschreibung (Who und What) bei und eine Erklärung (Why). Außerdem Extras wie signietres Material, Bonus-Maxis, Promozeug. Unterm Strich: Fünf Platten, fünf grundsätzlich unterschiedliche Stile, fünf Treffer. Ist auch schwer, Musik zu machen, die mir nicht gefällt. Wenn das so weitergeht, bleibt es auf jeden Fall spannend. Der 2004er Sampler läßt da hoffen, da er durchgehend krank und unkommerziell, aber ebenso klasse war. Den Sinn, den Album Club für mich als Idee ad hoc hatte – diese Mischung aus musikalischem Überraschungsei und Trüffelschwein – sehe ich bestätigt. Merci an meine wunderbare Frau. Du bist und bleibst das beste Geburtstagsgeschenk.


27. Oktober 2005 23:39 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.
Schon klar, Tomte ist eine Band, die wahrscheinlich inzwischen bei EinsLive hört, in der Zeit usw besprochen wird, die neuen Tocotronic und die so klar im Fahrwasser von ihren Busenfreunden Kettcar (und insofern der brillanten Nationalgalerie) paddeln, daß man sie wahrscheinlich nicht ganz blamagefrei hören darf.
Trotzdem habe ich auf dem ganzen Weg nach Hause von der Ruhrakademie heute nur ein Lied gehört (knapp 1 Stunde 20 Minuten lang also), nämlich Endlich einmal vom aktuellen Album, daß schon seit einiger zeit bei mir schlummert aber etwas in meinem Kopf versackt ist. Der Text von Thees kommt ohne die Musik, ohne diesen schönen Basslauf nicht identisch rüber… das ist nicht das gleiche, diese wunderbare Pause in der Mitte, die so verschleppt daherkommt. Aber selbst gedruckt hat das Ding doch noch einen Wert, der den Kettcar-Texten nicht nachsteht, an Nils grandiose leuchtende Texte fast (aber wirklich ganz) herankommt. Schöne Herbstmusik. Wenkg gesagt und alles gesagt, schöne von hinten kommende Traurigkeit. Und trotzdem elegisch, mit ganz weit ausgestreckten Armen. Nach dem wirklich sehr sehr guten Tag heute die Musik, die paßt. Die glücklich macht, gerade auf der Autobahn. Und ich liebe diese Line: In dieser Welt die für uns aus 3 Sachen besteht: Eine Hand auf dem Bauch//eine Stunde an der Luft//eine Jagd auf den Geruch der Lust verspricht. Besser gehts nun wirklich kaum noch.
Ich und mein Hund, wir mögen zusammen gehn
Da vorne könnte etwas passiern
Wir bleiben stehn, ich ziehe deine Anwesenheit
Den meisten Menschen vor
Du trägst immer eine Leine und das nur wegen mir
Denn ich würde töten wenn du stirbst
Und das sage ich nur dir
In dieser Welt die für uns aus 3 Sachen besteht
Eine Hand auf dem Bauch, eine Stunde an der Luft,
eine Jagd auf den Geruch der Lust verspricht
Endlich einmal
Etwas das länger als vier Jahre hält
Endlich einmal
Etwas das länger als vier Jahre hält
Du jagst die Kronkorken die ich schmeiße
Du hast viel zu tun
In dieser Zeit
Du wirst unruhig wenn du die Elbe riechst
Du weisst ich war nervös während dieser Monat verstrich
Das ist kein Urlaub, das ist eine Reise
Das ist alles andere als
die gute Seite,
Sie erreichen ihre Ziele
Für uns ist es unsagbar weit
Endlich einmal
Etwas das länger als vier Jahre hält …
Aber wir gehn unsagbar weit …
25. Oktober 2005 22:14 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Jan Chipchase schlägt zum Datamining von Konsumgewohnheiten ein einfaches und schönes Experiment vor, bei dem die Projektteilnehmer einfach ab dem Aufstehen zumindest einen halben Tag lang alles photographieren, was sie anfassen oder womit sie interagieren. So entsteht ein wunderbares Diorama der Alltagsgegenstände, die underen Tagesablauf mit bestimmen. Das Ganze eigent sich auch hervorragend als Vorstufe zur Implementation von emergierenden RFID-Technologien (die unsere Interaktion mit Technologie auf ein ganz anderes Level katalputieren wird). Über diesen praktischen Aspekt hinaus ergibt sich natürlich ein sozio-ethnographisches Gesamtbild verschiedener Kulturen und sicher spannende Ergebnisse über die Gadet-isierung bestimmter Länder. Interessanterweise ein Projekt, bei dem Jürgen Siebert auftaucht ;-).
vias MIT laboratory for branding culture
24. Oktober 2005 19:16 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Apropos Kindheit und Konsum. Proctor & Gamble haben eine Tochtercompany namens Tremor, die Kinder als virale Marketingimnstrumente gebraucht. etwa so, wie von William Gibson in Pattern Recognition beschrieben, bekommen die Kids exklusive Produkte, für die sie dan im Klassenraum und bei Freunden aktiv Werbung machen. Direkter geht Direktwerbung nicht. Ugh.
via MIT laboratory for branding cultures
19:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.














Ein paar Spielzeuge aus meiner Kindheit… mehr hier. Irgendwie durchaus persönliche damalige Fetischobjekte dabei, wie etwa der Viewmaster, den ich innig geliebt habe. Slime war auch toll. Interessant, wie sehr einen solche Eindrücke auch später prägen, vielleicht, weil man in unserer Gesellschaft auch den Luxus hat, nie ganz erwachsen werden zu müssen. Natürlich fehlt hier einiges, mein Phantom-Ring, diverse Yps-Gimmicks, der James-Bond-Aston, jede Menge Superhelden-Spielzeuge und meine beiden wichtigsten Toys: eine Schreibmaschine (erst mechanisch, Geschenk meiner Tanten, späte eine wunderbare IBM-Kugelkopf von meiner Mum) und ein Schlagzeug (viel später, da war ich 15, aber ich glaube, als kleines Kind schenkte mir die Haushälterin eines Onkels schon eine Kindertrommel. Sie ist also schuld, wenn ich heute noch permanent auf dem Tisch herumklopfe.).
Deine ersten Filme, Songs, die du mit 14 gesungen hast, Bücher, die du mit 12 gelesen hast, Spielzeug, das du mit sieben in den Händen hattest – diese Sachen bleiben. Diese frühen Formen in den Matritzen deines Gehirns verbinden Pathways, Neuronen, Netze, anhand derer man sich bis ins hohe Alter entlanghangelt, die später als Erwachsener dein Leben gestalten. Die Interessen, die ich als Kind und als Teen hatte, ziehen sich bis heute greifbar durch, da ist für mich ein langes, klares Band erkennbar. Ich glaube, in dem Alter zwischen 7 und 16 entscheiden sich im Alltag grundlegende Dinge für den späteren Menschen – ein Umstand, den man auch ganz bewußt (als Eltern oder Staat) instrumentalisieren könnte und vielleicht sogar sollte. Momentan, interessanterweise, hat diese Erkenntnis eher de Industrie für sich gemacht, die seit knapp einer Dekade die immer jünger werdenden Markenkonsumenten etabliert und auf der hungrigen Suche nach neuen Zielgruppen und noch unsaturierten Märkten tiefer und tiefer in die Kindheit einsteigt. Per se muß das nichts negatives sein, wenn es mit Fingerspitzengefühl und nicht nur zur reinen Konsumankurbelung stattfindet, sondern auch bestimmte Werte kommunziert werden. Das «Design» der Kindheit wird insofern immer wichtiger für die Zukunft der Gesellschaft.
In Antwerpen gibt es, nebenbei, einen phantastischen Spielzeugladen mit Toys aus den 70s. Go and visit it.
09:22 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Willcom hat es geschaft, die gesamte Technologie einer Mobile-Phone-Karte auf SD-Größe zu schrumpfen. Statt wie bisher also eine relativ große PCMCIA-Karte, ist die gesamte Hardware für mobilen Datentransfer, samt Hardware und Antenne auf ein knapp daumennagelgroßes Format geschrumpft und insofern in nahezu jedes Gerät implementierbar. Damit dürften nicht nur PDAs, sondern nahezu jedes Gerät künftig auf Mobilfunk umstellbar sein. Obwohl ich ja nach wie vor damit rechne, daß sich ein modifiziertes flächendeckendes WLAN als Mobilfunkkiller durchsetzen könnte.
via Engadget
00:04 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
23. Oktober 2005 23:43 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Eigentlich mag ich kein Podcasting. Jaja, I know, its the hip thing, aber irgendwas berührt mich daran nicht richtig. Aber Warren Ellis, Comic-Autor par excellence und Technorati, bietet seine Podcasts auch zum direkten Download als MP3 an und hat nur unbekannte Bands dabei, die ihm ihre Sachen zugeschickt haben. Was die Sache wieder irgendwie spannend und zu einer schönen Art Mixtape macht.
19:06 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.
John Maeda, Prediger der Simplicity, über die Chance offener Systeme für Unternehmen (die leider derzeit mehr und mehr auf hermetische Konzepte setzen). Was als normaler Artikel über das Armaturenbrett von Volvo beginnt, greift viel tiefer und rührt an die Philosophie des Kapitalismus und die Frage ob Produktentwicklung und Markenarchitektur nicht in Zukunft viel mehr den zukünftigen User bereits als Bestandteil eines offenen, transparenten, gleichgerechten Partner-Systems berücksichtigen sollten, um so wieder langfristige (weil faire) Kundenbindungen zu ermöglichen.
Eine Sache, die auch viel mit unserem Job und Designmanagement zu tun hat.
17:34 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Das Leben ist schon spannend. Wir sind zu einem Pitch eingeladen worden, der, schlicht gesagt, wunderbar ist… die Sorte Klient im Kulturbereich, der wie für mich und für uns gebaut ist und wo du weißt, wenn du den Job kriegst, brennt der Asphalt. Wir sind alle sehr aufgeregt, wir sind alle sehr heiß auf den Job, weil wir wissen… wenn das abgeht, ändern sich unser Status und der Status des Klienten gravierend. Da wird man wirklich gemeinsam einen Sprung nach oben machen.
Aber ich werde nichts zeigen.
Ich habe gerade die Mail abgeschickt, nach zwei drei wirklich guten Gesprächen mit den möglichen Kunden, daß wir gerne kommen und erklären, in welche Richtung wir denken, ohne dabei aber Konkretes zu zeigen. Was uns inspiriert, was sein könnte, welche Stimmung man gemeinsam sucht… gerne. Aber kein Plakat, kein Logo, nichts.
Zum einen, weil ich glaube, daß ein Pitch in nahezu jeder Situation für beide Seiten eine ineffiziente Angelegenheit ist, von der nur große Agenturen mit Überkapazitäten und Schubladen voller B-Entwürfe profitieren. Beim Pitch (und schon das Wort ist schrecklich, oder?) entsteht nie etwas wirklich Neues oder aufregendes. Aber dennoch gibt es Kunden, da kann man schon einen Entwurf machen, vorstellen und in Wettbewerbe gehen, weil die Sache an sich klar umrissen ist und man die Idee der Marke schnell ergreifen kann. Im Industrie- und Dienstleistungssektor, aber auch bei einigen Kultureinrichtungen ist das eigentlich kein Problem. Was ein Symphonieorchester macht, ist schnell begriffen.
Zum anderen in diesem Falle aber, weil eben genau das hier nicht geht. So einfach ist die Sache hier eben nicht, ganz im Gegenteil. Auf der Kundenseite sitzt eine ganze Gruppe hochgebildeter und kreativer Leute, deren Beruf im Kern ist, Kunst zu produzieren. Die sind einzeln mindestens so kreativ wie ich, wenn nicht einen Schritt weiter. Da wäre es doch dumm (und vermessen), als Designer ganz normal einen Wettbewerb durchzuziehen. Denen erklärst du eben nicht in 20 Minuten die Welt und ihre Position darin. Idealerweise, läuft es andersherum: Sie erklären dir ihre Position. Denn wie ein Plakat aussieht oder eine Visitenkarte ist doch erst einmal ganz egal, wichtig ist, welchen Inhalt gibt es eigentlich, wofür will man stehen. Wo schlägt das Herz des Kunden? Hat man das einigermaßen festgeklopft, kann man schön und schön schnell gemeinsam die Visualisierung angehen. Die fällt dann nahezu automatisch in die richtige Richtung. Form follows Emotion. So ist Design nicht Verpackung, sondern integraler Bestandteil des Gesamtentstehungsprozesses, begleitend, kommentierend. Connected, embedded. Part of the process. Ich glaube, daß Bruce Mau recht hat, daß ein Endergebnis davon profitiert, wenn Designer und Auftraggeber zu Co-Autoren werden, de gleichen oder ähnlichen Prozesse des explorativen Wanderns und Findens durchlaufen und zusammentragen. Der Designer kommt dann nicht in den letzten 10% eines Projektes ins Spiel und darf als Hired Hand retten, was zu retten ist, sondern ist schon so früh wie möglich in einen Feedback-Prozeß eingebunden, in dem sich Form und Inhalt gegenseitig befruchten und ergänzen. Die FORM per se wird dabei für den Designer unwichtig im Verhältnis zum gemeinschaftlichen Lernprozeß. Am Ende entsteht dann aus diesem gemeinschaftlichem Spiel ein Objekt, das klar und doch komplex, vielschichtig und doch kraftvoll ist, das für beide Seiten etwas neues darstellt hat. Je früher und enger man zusammenarbeitet und gemeinsame Ziele erfindet, umso stärker die Endergebnisse. Alles andere – der Designer als Dienstleister – ist, sorry, auch einfach sehr langweilig. Für beide Seiten.
Ein Wettbewerb fängt insofern am völlig falschen Ende an. Da findet die Form statt, bevor wir wissen, was die Emotion, die Aussage, das Feeling ist. Da wird auch eine Unterwürfigkeit des Designs gegenüber dem Kunden unterstellt, die dem Prozeß als Ganzes eher hinderlich ist. Das merke ich gerade ganz positiv in Bielefeld. Was da mit den Dramaturgen und dem Marketing gerade entsteht und in die für Bielefeld hoffentlich richtige Richtung wandert, hat nichts mehr mit dem Wettbewerb zu tun, sondern mit den realen Gefühlen und Bedingungen jetzt. Da muß man sich immer wieder mal treffen, immer wieder abklopfen: Seid ihr das? Ist das der Weg? Solange man sich aber miteinander menschlich wohl fühlt und sich vertraut (was von meiner Seite aus der Fall ist, ich arbeite nur für unden, denen ich vertrauen kann), auch in hitziger Debatte, habe ich keine Angst, daß das Endergebnis die Reise immer wert ist. Schade ist nur, daß Bielefeld recht weit weg ist, man nicht öfter bei Premieren ist, wo man dann gemeinsam plaudern kann, das muß ich für mich noch ändern, um das Haus besser kennenzulernen. Aber ich schweife ab :-D.
Viele Designer produzieren in einer solchen Wettbewerbs-Situation dann gerne Logos, die irgendwie hohl und leer scheinen, etwa wenn man sich von der Hausfassade eines Kulturtempels inspirieren läßt. Dabei geht es in Wirklichkeit – au contraire – genau nicht um die FASSADE, sondern um die INHALTE. Man kann doch kein Design aus einem anderen Design einfach ableiten, das ist zu simpel. Man muß zurück zu den Inspirationen und Ideen des Designs. Und die muß man erfragen, erkämpfen, weiterentwickeln. Darauf haben die meisten Designer vielleicht keine Lust mehr. Hauptsache, es sieht flashy aus, die meisten Kunden sind damit ja auch zufrieden. Das Ergebnis sind Entwürfe, die mir irgendwie zu eindimensional, zu austauschbar scheinen. (Wobei ich mich ohnehin frage. Braucht alles und jeder ein Logo? Muß jetzt jedes Museum/Theater/Orchester ein Logo haben? Läuft der Versuch, die wahnsinnige, lebendige und fluide Komplexität einer Kultureinrichtung auf eine simple Ikonographie zu verengen, nicht unweigerlich ins Leere?) Mich würde da mehr die Verweigerung des Logo-Kultes interessieren, oder eben die Emergenz von Identitätssystemen, die diese Fluidität aufgreifen und die ergo selbst polymorph sind.
Unreflektiertes 08/15-Design aus der Schublade möchte ich dem Kunden eigentlich nicht antun müssen, nur um einen Etat zu bekommen. Aus meiner ganz eigenen seltsamen Don-Quixote-Haltung heraus scheint mir das unanständig.
Was ich da gerade tue, kommt mir also durchaus sinnvoll vor. Trotzdem macht mich der Gedanken etwas Bange, hier nahezu freiwillig eventuell einen wichtigen Etat nicht zu bekommen, weil ich mich nicht an miese, aber leider inzwischen scheinbar etablierte Spielregeln halte. Denn jetzt hängt alles vom Mut und vom Vertrauen der anderen Seite ab, die mich kaum kennt und mit Fug und Recht für einen Spinner halten darf.
Das Leben bleibt also spannend.
11:39 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
… ist ja immer etwas erschreckend, wenn du feststellst, daß dein Blog, welches du mehr als eine Art Tagebuch-Schuhkarton benutzt und vollschaufelst, auch tatsächlich gelesen wird. Was denken die Leute bloß von mir? Martin Kretschmer, seines Zeichens Online-Zenmeister bei Dirk Uhlenbrocks signalgrau, liest anscheinend. Und leidet an meinen Textlängen. Kleiner Trost: meine Mutter auch. Und meine Frau auch, die übrigens mal testamentiert hat, daß man Eintäge von mir in Foren und auf Sites wie slanted ohne zu lesen allein anhand der Zeilenlänge erkennt. Rrrrrrichtig.
Martins Blog ist nicht ganz so kinderfreundlich –andererseits können viele Kinder einfach auch kein Latein und halten Cunnilingus wirklich für ein Pokémon, insofern lieg ich da vielleicht falsch – aber voller netter Links (rechts) und sieht viel besser aus als meins :-D. Außerdem hat er noch Zeit für ein eigenes Plattenlabel, was ich wiederum beneide. Und er hat in Sachen Comics eindeutig den besseren Geschmack, muß ich mal sagen ;-). So, genug Man-Love für einen Tag, oder?
09:33 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
It’s a small world. You do not have to live in it particularly long to learn that for yourself. There is a theory that, in the whole world, there are only five hundred real people (the cast, as it were. All the rest of the people in the world, the theory suggests, are extras), and what is more, they all know each other. And it’s true, or true as far as it goes. In reality the world is made of thousands upon thousands of groups of about five hundred people, all of whom will spend their lives bumping into each other, trying to avoid each other, and discovering each other in the same unlikely teashop in Vancouver.
Neil Gaiman: Anansi Boys.
09:12 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
In seiner wunderbar selbstverräterischen Harmlosigkeit sehr schönes Interview mit der Züricher Schönheitschirurgin Eva Neuenschwander in der Weltwoche über Tennisballbusen, Scheidenstraffungen und das etwas abstruse Fazit, daß Cher so natürlich aussieht.
Hier.
22. Oktober 2005 20:30 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Michael Bowers
hat eine neue Lichtquelle erfunden, die die Glühbirne ersetzen könnte: Quantum Dots.Until 1993 LEDs could only produce red, green and yellow light. But then Nichia Chemical of Japan figured out how to produce blue LEDs. By combining blue LEDs with red and green LEDs – or adding a yellow phosphor to blue LEDs – manufacturers were able create white light, which opened up a number of new applications. However, these LEDs tend to produce white light with a cool, bluish tinge.The white-light quantum dots, by contrast, produce a smoother distribution of wavelengths in the visible spectrum with a slightly warmer, slightly more yellow tint, reports Michael Bowers, the graduate student who made the quantum dots and discovered their unusual property. As a result, the light produced by the quantum dots looks more nearly like the “full spectrum�? reading lights now on the market which produce a light spectrum closer to that of sunlight than normal fluorescent tubes or light bulbs. Of course, quantum dots, like white LEDs, have the advantage of not giving off large amounts of invisible infrared radiation unlike the light bulb. This invisible radiation produces large amounts of heat and largely accounts for the light bulb’s low energy efficiency … LEDs produce twice as much light as a regular 60 watt bulb and burn for over 50,000 hours. The Department of Energy estimates LED lighting could reduce U.S. energy consumption for lighting by 29 percent by 2025. LEDs don’t emit heat, so they’re also more energy efficient. And they’re much harder to break.
20:17 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Bodies in Space…
Ann Liv Young’s Michael, which opened at Dance Theater Workshop on Wednesday night, comes with a warning that it is for «mature» audiences. That usually means a little nudity. Ms. Young’s work, however, offers male masturbation, pornographic-movie tableaus, a scene of cocaine consumption and naked women dancing wildly to loud rock music. But the piece is not really about sex (or drugs, or rock ‘n’ roll), nor is it particularly erotic. Indeed, most of the shock value of the nudity lies not in any sexual innuendo but in the oddness of seeing real bodies, with hair, bruises and floppy breasts, in their uninhibited, unairbrushed imperfection.
19:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Shirley Horn ist mit 71 Jahren verstorben. Die Großmeisterin des Zeitlupengesangs, des lasziven langsamen Zerreibens von Vokalen. Großartige Sängerin, mutige Frau. Will be missed.
19:36 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.
Einstürzende Neubauten: Youme and Meyou.
Blixas Englisch ist so übel wie das von Boa, der Text ist hölzern und der Titel dezent albern (obwohl die Beobachtung schön ist), but still… great music. Anklänge von den Beatles, vielleicht mehr noch von den Legendary Pink Dots (deren Englisch ja auch immer so herrlich off war). Eine kleine, ruhige Miniatur, die zeigt, wie weit die Neubauten sich entwickelt und von ihren Wurzeln weg-entwickelt haben.
They build a ship each wintertime for launch to sea before the storm
They don’t just go from A to B
they go around and come around again
’cause out there’s always a construction site
a Starbucks and
yet another Gugenheim
Youme knows what Meyou wants
Meyou knows what Youme wants
and it’s granted
No more tassels on the hotel key
a phone line, a laptop
and a box of tangerines
They turn houses into homes
where earthquakes live with car alarms
mature mild-mannered catastrophes
They gift each other a thousand names
and take them off, take them off again
like excessive jewelry
Youme knows what Meyou wants
Meyou knows what Youme wants
and it’s granted
They defend each other against the past
if the future isn’t bright at least it’s colorful
so burn the ship come spring
They fail, fail and try again
fall off a cliff, succeed, and fall, fall again
They have proven quite effectively
that bumblebees indeed can fly
against the field’s authority
They invent each other ever anew
still they won’t have a different view
of everyone or anything
Defend themselves against the whims of fate
question the statistics, accelerate
the status quo, deny the rules of gravity
But they don’t use the word
once dropped it might break
They do not say that they have loved
for who can say
We were killed yesterday
Youme knows what Meyou wants
Meyou knows what Youme wants
and it’s granted
18:28 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.
Robert Rauschenberg wird 80. Einer der Erfinder von mixed material-«combines», ist Rauschenberg maßgebliche Inspirationskraft hinter zahlreichen Installationskünstlern, aber auch ein sichtbarer Einfluß von Grafikern wie etwa Dave McKean. Ich habe im MOCA LA ein paar seiner Arbeiten gesehen und finde, daß ihn bis heute kaum jemand wirklich überholt hat in Sachen Intuition, Gespür für Materialität und Formensprache und nicht zuletzt Humor.

© Robert Rauschenberg / Licensed by VAGA, New York, NY Reproduction of this image, including downloading, is prohibited
without written authorization from VAGA, 350 Fifth Avenue, Suite 2820,
New York, NY 10118. Tel: 212-736-6666; Fax: 212-736-6767; e-mail:
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18:16 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.


Muslims pray five times a day. The only product they need to perform their prayers is a prayer rug. And there is one thing they need to be careful about: the holy city of Mecca – the direction towards which they should perform their prayers. As one of the main aims of ‘Sajjadah 1426′ was to emphasize the values of the patterns on the prayer rug, lighting those patterns up was considered as the main approach from the very first stages of the concept. There were several technology alternatives to achieve this effect: mini LEDs, fibre optics, EL wire embroidery and EL panel. After the experiments done, the most appropriate one turned out to be the Electro Luminescent Phosphore Printing technology. EL wire embroidery has also been explored during the research part and ‘mini glow wire’ was ordered from the UK-based company Surelight Ltd. ‘Sajjadah 1426′ indicates the direction via the data coming from a compass module embedded inside it. The closer to the direction of Mecca it is turned, the brighter the patterns illuminate.
12:44 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Heute bei Spiegel Online:

Man beachte die nackten Füße von Sumo-«Paul».
Das grandiose Original:

Auch nett:

11:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.



Bill Barminski ist als Künstler sein Interesse für Cartoon und Werbung, die Faszination für das Amerika der 50er bis späten 60er anzusehen. Ein Acid-Trip-Mix aus Warhol, Lichtenstein und dekonstruktivem Umgang mit Vernacular Typography à la David Carson prägt seine Bilder, der multimediale Mix ironisch gewendeten Alltags offenbart die Suche nach dem soft underbelly dieser augenscheinlichen Glanzzeit der USA. Die Juxtaposition verschiedener Elemente verleiht dem Gesamtkonzept eine ästhetisch trotz der immer noch deutlichen werberisch-ästhetischen Note eine surreale Durchgeknalltheit, die zugleich aber in ihrer Kritik am Way of Life der Vereinigten Staaten berechenbar und durchschaubar ist. Die Fifties/Sixties als Zenith der Bigotterie zwischen Heiler Welt und Kaltem Krieg, Vietnam und White Picket Fences, Rassismus und Rock’n’Roll darzustellen, ist ja nicht gerade tiefschürfend, ist als Standpunkt der Kritik selbst fast zu einem Stereotyp, ergo zu Pop geworden. Insofern ist Barminski mitunter vielleicht zzu aufdringlich. Wo Lichtenstein eher diffus bleibt, den Betrachter weniger führt, die Aussage durch eine eine reine Rahmenverschiebung von Contents erreicht, versucht Barminski in seiner Montage erklären und schwächt so seine Arbeiten durch Zeigefingerismen. Bei seinen Gasmasken-Installationen ist dieser Effekt, der Clash von Popkultur und Krieg, besonders greifbar. Gemildert wird dieser Effekt aber durch Selbstironie, Humor und eine alle Arbeiten durchdringende Lässigkeit, die spürbar macht, daß Barminski sich selbst nicht allzu schrecklich ernst nimmt, sondern vor allem erst einmal Spaß an seiner Arbeit hat. Schön anzuschauen ist es allemal…
11:05 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Die Sache mit den von der American Society of Magazine Editors ausgewählten 40 wichtigsten Magazin-Titeln der letzten 40 Jahre macht seit ein paar Tagen die Runde, klar, aber hier sind sie noch einmal in schöner großer Qualität…via Relicious
10:36 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Nouvel hat als Architekt eine recht mainstreamige, aber dabei doch hochelegante Handschrift (wie zum Beispiel der wunderbare Umgang mit der Saint-Marie-de-Sarlat-Kirche zeigte oder das innen glutrote Opernhaus in Lyons), deren Umgang mit Glas und Stahl einen neoimperialistischen Hang zur Größe und Präsenz mit unwahrscheinlicher Leichtigkeit verbindet. Im Fahrwasser seiner Arbeit stehen so viele Architekten, daß es heute ein Leichtes ist, Nouvel als Konventionalist abzutun, wo er eigentlich Trendsetter war. Viele seiner Arbeiten, besonders im Inneren von Gebäuden, verraten seine Ausbildung als Bühnenbildner, den immantenten Drang zur Inszenierung, zum Mythischen, zur Schaffung von Erlebnissen. Ich finde Nouvels Arbeiten rückblickend zum Teil sicher langweilig und berechenbar, diffundiert auch, aber in den Details, der Suche nach neuen Technologien und Lösungskonzepten, ist er als nach wie vor als einer der frühen Postmodernismen (der Mann ist eben Franose) oft stilbildend für und zugleich inspiriert von anderen großen Architekten der 70er bis 90er (wer etwa die Galliers Lafayette in Berlin und den Reichstag von Foster mal kurz mental gegenüberstellen möchte… danke), gegenüber denen sich Jean Nouvel aus meiner Sicht aber nicht selten mit einer größeren kulturellen Neugier und mehr Respekt vor der Einbettung seiner Bauten auszeichnet. Lafayette scheint, Kathedralen aus Nichts bauen zu wollen, man merkt seinen Gebäuden fast an, wie frustriert sie sind, in realen Städten, mit realen Bausubstanzen manifestiert zu sein, anstatt ein richtiges gewichtsloses Leben als 3D-Rendering in in einem perfekten kontrollierten Umfeld haben zu dürfen.
Seine Site ist für einen namhaften Architekten, die ja meist doch eher ängstliche Homepages fordern, sicherlich nicht 100% perfekt, aber doch bemerkenswert in der Mischung aus Strenge und Verspieltheit. Erinnert mich in einigen wenigen Details an unseren – allerdings eher grau/weißen – Ingenhoven-Entwurf von 2001, allerdings ohne die Extra-Funktionalitäten wie die nahtlose Videoeinbindung und die interkativen Kontrollfunktionen. Aber wenn aus dem fast leeren Bildschirm je nach Menüpunkt ein ganzes bedienungssystem erwächst, weiß man, wie gern man damals genau diesen Ansatz selbst weiterverfolgt und ausgebaut hätte…
10:07 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Neuer Kunde bei uns ist der Schneider-Verlag, der zu VGS/Egmont gehört. Da ich als Kind selbst begeisterter Schneiderbuch-Leser war (Nein, nicht Hanni und Nanni, aber Schloß Schreckenstein, außerdem die Proto-SF-Bücher Giganto und Monitor) freut es besonders, wenn man die Chance hat, so einem Verlag ein kleines bichen zurückzugeben. Ich glaube, Schneider schließt als transientes Medium eine effektive Lücke im Lesealter zwischen Comic und Buch und kann sicher – auch durch die serialisierte Form der Stories, die eine stärkere Bindung erzeugt, aber auch durch Ansätze zu aktivierenden, interagierenden Add-ons und Inhalten – tatsächlich als eine Art Sprungbrett für Leseanfänger gesehen werden, einen soliden Einstieg ins Lesen. Bei mir hats funktioniert. Alle Versuche meines Großvaters, mich von den Comics wegzulocken, fruchteten nichts (auch unwahrscheinlich mit dicken Ben-Hur und Karl-May-Büchern), aber Ulricis Bücher, die recht stellvertretend für die etwas Enid-Blyton-artige Serienkonzeption von Schneider ist, haben den Sprung niedrigschwellig möglich gemacht. Nach Ulrici folgten über ein paar Zwischenstufen die Klassiker der SF, Belletristik, soziopsychologische Sachbücher (zu denen kommst du via SF der 70er fast automatisch). Der Mix zwischen Batman und Baudrillard, Superman und Schopenhauer, ist insofern bis heute Alltag für mich. (Kein Scheiß, ich lese gerade simultan die wunderbar naiven Superman-Stories von 1950/60 und Richard Sennets grandioses Flesh&Stone, mehr Simultaneität von U und E gibts kaum). Zwischen den Williams- und Ehepacomics der 70er und Friedel Nietzsche war bei mir also Schloß Schreckenstein (neben u.a. auch Butler Parker und Jerry Cotton :-D) ein wichtiger Sozialisationsfaktor.
Ungewöhnlich ist der Job für uns weniger wegen dem Kinder- /Jugendsetting, da sind wir mit SchmitzJunior ja ganz erfolgreich unterwegs,, sondern vielmehr, weil wir hierbei seit längerer Zeit erstmal wieder kein generelles Change Management fahren (da Firmenlogo und Buchcover usw. natürlich vorgegeben sind) sondern nur eine modulare Werbemaßnahme in einem größeren präfabrizierten Markenkonzept fahren. Aus dieser Position heraus wird es ungewohnt (und insofern sehr spannend) sein, inwieweit man bestimmte Ideen stimmig durch- und umsetzen kann und ob man aus dieser kleinen Position heraus vielleicht katalysatorisch ein paar lustige Sachen in Gang gesetzt bekommt. Obwohl wir eine sehr konkrete Werbeaktion für zwei Buchreihen machen, hoffe ich nach dem exzellenten Vorgespräch, daß man hier auch genereller vielleicht so etwas wie ein neues Selbstvertrauen von Schneider etablieren kann. Die Tatsache, daß Schneider-Bücher eben keine pädagoisch wertvolle «hohe» Literatur zu sein versuchen, sondern als Serial Fiction die Tweens da abholen, wo sie tatsächlich sind und ihnen auf Augenhöhe begegnen, daß die Bücher also eher Spielzeug als Belletristik, Eskapismus statt Zeigefinger bieten, halte ich dabei nicht für einen Nachtteil, sondern für einen unserer besten Pfeile im Köcher. Weil die Bücher eben funktionieren.
17. Oktober 2005 23:42 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Bret Easton Ellis habe ich auf etwas seltsame Art und Weise kennengelernt, nämlich mit einer Kurzgeschichte in einem trashigen Zombie-Paperback, in dem er einen auszug von Less than Zero unter Pseudonym veröffentlichte. Und tatsächlich ist Ellis’ Geschichte der postmodern gelangweilten Studenten eine der besten, treffendsten Zombie-Stories schlechthin und vor allem erscheint das ziellose übersexuelle Drug-Drifting der Jugendlichen durch den Rahmenwechsel wirklich wie eine Zombiegeschichte, was vice versa Less than zero zu einer Zombiegeschichte über eine ganze Generation definiert. Ellis gehörte bereits mit Less than Zero und The Rules of Attraction zu einer neuen Generation herausragender Amerikanischer Novellisten, der mit einer kalten, neutralen, beschreibenden, fast wortlosen Sprache eben diesen Zustand seiner Altersgenossen zu Papier brachte, die Verlorenheit, die Sinnlosigkeit und das Alleinsein, die Frustration und die ewige Suche nach dem nächsten Kick. Keiner beschrieb seinerzeit besser als er das nebeneinander von Dekadenz und Abgrund.
Und genau diese Thematik setze er in American Psycho fort. Es mag Leute geben, für die American Psycho in erster Linie ein Serienkiller-Buch ist, aber abgesehen davon, daß die stupide Aneinanderreihung von Pornographie, extremer Gewalt, Markennamen, dem stupiden Alltag von Bateman und einigen dazwischengestreuten Band-Reviews nun eigentlich jeden Slasher-Fan zu Tode langweilen sollten, ist doch relativ offensichtlich, daß die wahre Aussage des Buches auf einer Metaebene stattfindet, nicht einmal so sehr zwischen den Zeilen – wie noch bei Hemingway oder Carver – sondern ÜBER den Zeilen, ein ganzes Stockwerk höher sozusagen. Egal ob man Bateman tatsächlich als Killer zuläßt, wir im Grunde also einen modernisierten Werwolf-Roman vor uns haben, oder ob man der Theorie folgt (die Ellis in Lunar Park bestätigt), daß Bateman nur eskapistischen Gewaltphantasien nachhängt…die wahre Aussage des Buches liegt in der Oberflächlichkeit, dem Statusgeprotze und der sozialen Regelenge der 80er Jahre. Ellis nähert sich einem zutiefst hedonistischem Jahrzehnt der Kälte und der Mißgunst, der Drogenexzesse und der AIDS-Angst, der Eitelkeiten und der Angst, ohne jeden direkten Kommentar, ohne jedes eigene Urteil. Wie Amy Hempel und zahlreiche andere Autoren beschreibt er nur, die Exegese bleibt dem Leser überlassen, der in den Text hineininterpretieren mag, was er will. Während solche Ansätze bei anderen Autoren, wie etwa Ellis Mitstudentin Donna Tart oder inzwischen auch bei Ellis kraftloserem französischen Kontrapunkt, Houellebecq, schnell in grobmotorische transgressive Moraldramen à la Dostojewsky abrutschen, bleibt Ellis auf diesem dünnen Eis traumwandlerisch sicher. Die ihm oft vorgeworfenen Schwächen, keine dreidimensionalen Protagonisten zu entwickeln geschweige denn eine fortschreitende Handlung, greifen ins Leere. Die Tatsache, daß keiner seiner Charaktere das ZEUG zum Protagonisten hat und das Geschichte nicht mehr stattfindet, die Bücher also in der Posthistoire gefangen bleiben, sind bereits Teil der Metaaussage. Eben die Tatsache, daß im Grunde nichts mehr passiert, niemand sympathisch oder gar «menschlich» ist, macht American Psycho so wuchtig.
Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, daß es auch bei Lunar Park weniger um die Handlung im Erdgeschoß des Buches geht. Um hieran jeden Zweifel auszuräumen, greift Ellis zu einem vexierspielartigen Kunstgriff und baut sich selbst als fiktionales Ich des Buches ein, beginnt mit einem vernichtenden Rückblick auf seine bisherigen Werke und seine Drogenexzesse. Was sich hier liest wie ein fast absurd komisches Benjamin-Stuckrad-Barre-Deja-vu ist in Wirklichkeit größtenteils erfunden, schon beginnend mit den Auflagen seiner Bücher. Der Protagonist Ellis basiert nur vage auf dem Autor Ellis. Die Story an sich ist schnell erzählt: Ellis wohnt mit seiner Frau, einer berühmten Schauspielerin, und zwei Kindern (davon nur eins von ihm) in Suburbia, schlägt sich durch die Alltagsqualen des Vatertums und wird heimgesucht vom Geist seines Vaters und von einem Dämon, während sein Sohn einem Kult verschwindender Jugendlicher beitritt. So platt wie der Plot ist auch der stilistische Kunstgriff, daß Buch nach dem einleitenden pseudo-autobiographischem Kapitel stilistisch als Hommage an Stephen Kings Schreibstil zu verwirklichen. King hat zahllose junge Autoren unserer Generation (mit)geprägt, und nicht umsonst finden sich bei vielen modernen Grenzgängern Anspielungen auf Kings frühe Werke (bei Palahniuk beispielsweise deutlich in Lullaby, bei Carroll in den Kleinstadtszenarios usw.), niemals zuvor aber so deutlich wie hier. Lunar Park ist eine Melange aus mehreren King-Klassikern, Shining und Stark blitzen deutlich auf, Elemente aus Carrie, zahlreiche Motive aus den 70er-Jahre-Kurzgeschichten, am Ende deutlich sogar Cujo. Bis ins Detail imitiert Ellis Kings Stil, die kursiv gesetzte «innere Stimme», die langatmige Herstellung von «Alltag» in den dann das Unbekannte einbrechen kann, die Einbindung von Kindern als Unschuldssymbole und das «Monsterspielzeug» (der Terby). Anders gesagt: Es ist erbärmlich. King per se ist schon wirklich schrecklich, ein blasses Imitat unerträglich. Sich Seite um Seite durch einen anämischen Geisterplot blättern zu müssen wird auf der ersten narrativen Ebene wirklich nur durch den phantastischen Anfang und das atemlose monologische Ende wieder ausgeglichen. Die Verwandlung des Hundes und der Kampf gegen das Terby-Monster sind aber so bodenlos schlecht, daß man Kraft braucht, um an diesen Stellen nicht einfach aufzugeben. Es ist plot-getriebener als American Psycho oder Glamorama, eigentlich Ellis erster Versuch, eine «echte» Story zu erzählen, mit Spannungsbogen, Handlung, normalen Dialogen usw. In diesem Sinne ist es ihm passabel gelungen, etwas dezidiert untypisches abzuliefern. (Daß Ellis sich hierbei selbst perfekt selbst persifliert, etwa wenn der fiktionale Ellis an seinem nächsten Buch arbeitet, macht diesen Wunsch nach einem neuem Stil nur deutlicher.) Bliebe man also rein im ersten Stockwerk, ist es unterm Strich dennoch eins seiner schlechtesten Bücher.
Aber natürlich spielt sich auch hier das wahre Buch ein Stockwerk höher ab, schließlich schreibt Ellis mit all seinen Büchern lediglich eine Ausrede, um im Metatext die Auseinandersetzung mit seinem Leben und dem akuten Zeitgeist zu betreiben. Und hier, auf dieser Ebene, geht es nicht nur um das Vater-Sein (ein Motif, das im Buch mit dem Holzhammer kommuniziert wird), sondern um die Fortsetzung von Less than Zero und American Psycho mit anderen Mitteln, an anderer Lebensstelle. War Less ein Buch über das Studentensein und Psycho eines über das professionelle High Life in New York, so dreht sich Lunar Park um den Vorstadt-Alptraum, um das Haus, den SUV, die Kinder, die Privatschule, die Shopping Mall. Um die amerikanische Idylle. Der Horror ist nicht die Geistergeschichte, sondern der Alltag DAVOR. Und wie er in Psycho den amerikanischen Traum der Wallstreet zerlegt, demontiert Ellis hier die Fassade des Familienlebens. Dahinter kommen überforderte Kinder auf surreal überpsychologisierten Eliteschulen zum Vorschein, Kinder, die mit Psychopharmaka ruhiggestellt und mit Konsumartikeln überfüttert sind, und die sich zugleich nach einer Flucht aus dieser Scheinwelt sehnen, nach einem härteren, echteren Leben. Dahinter entdecken wir hilflose, überforderte Eltern mit Bindungsproblemen, die von ihren eigenen Ängsten und Trieben derart hin- und hergezerrt sind, daß sie handlungsunfähig scheinen, deren Leben das Ziel, das Zentrum abhanden gekommen ist. Für die bestenfalls die Kinder noch ein «Projekt» sind, weil ansonsten bereits alles getan, gedacht, erledigt wurde. Von ihnen selbst, von den Generationen vor ihnen. Ellis beschreibt eine Welt in Bernstein, in der die Langeweile, die bereits seine anderen Bücher prägt, sich nahtlos fortsetzt und vom Vater auf den Sohn überträgt. Wobei Robby, Ellis fiktionaler Sohn, diesem Teufelskreis nur dadurch entkommt, daß er aus der Welt verschwindet, selbst zum «Geist» wird. Dieses eskapistische Grundbild taucht immer wieder auf, von der ersten Mummenschanz-Party bis zum völligen Zusammenbruch der Welt des fiktionalen Ellis (dem der echte Autor nebenbei noch einen in das Buch eingebauten fiktionalen Autor zur Seite stellt, um die Verwirrung endgültig zu machen, so daß wir final drei BEEs haben, den fiktionalen Charakter, den fiktionalen Autoren und den realen Autoren). Irrlichternd, aber sicheren Fußes, bewegt sich Ellis in den Untiefen der Welt der Desperate Housewives, den Barbecues, den Schultreffen, dem sinnlosen Dozentenjob, der Schreibblockade, der Enge und der Frustration. Als die Dämonen und Geister dann das Leben des fiktionalen BEE aufmischen, ist es fast, als würde er selbst ausbrechen, als würden nur noch solche supernaturale Horrorwesen überhaupt eine Chance bieten, aus der suburbanen Falle auszubrechen. Ist bei King der Einbruch des Horrors in den Alltag eine Bedrohung, so wirkt er hier vielmehr befreiend. Der Einbruch des ID in die Normhaftigkeit des Superegos wirkt wie ein Katalysator, der nur den inneren, längst vollzogenen Zusammenbruch, nach außen sichtbar macht.
Auf der Metaebene ist es also am Ende ein Buch über Einsamkeit, die Unfähigkeit des modernen Menschen, wirklich zu kommunizieren, der man auch im Scheinidyll jenseits der Großstadt eben nicht entkommen kann, über die klassische Suche des Midlife-Crisis-Helden nach Liebe (woher auch immer), über die Erkenntnis, nicht besser zu sein als die eigenen Eltern, stehengeblieben, stagniert zu haben. BEE flechtet hier nicht umsonst am Ende ein langes, wehmütiges Band angesichts der cinematographisch wegwehenden Asche seines Vaters, rückwärts in die Zeit. Themore things change, the more they stay the same. Der Protagonist Ellis ist der gealterte Patrick Bateman, der ja seinerseits der gealterte Clay war (nicht ohne Grund tauchen Charaktere aus älteren Büchern auch gerne namentlich in den jeweils neueren auf, in diesem Buch tatsächlich ausdrücklich Bateman und Clay, die Ellis das Leben schwermachen, gerade so, wie würden diese Bücher dem realen Ellis in jedem Interview wieder unter die Nase gerieben werden). Der Nihilismus, der frühere Bücher noch fröhlich durchtränkte, ist hier für die Charaktere selbst schal geworden, der Drogenkonsum nicht mehr berauschend, nur noch be- und vernebelnd, die Orientierungs- und Hilflosigkeit von Ellis nur noch verstärkend. Was real ist und was Fiktion, kann der BEE in Lunar Park schon längst nicht mehr unterscheiden. Während Clay die Leere unter dem Glitz von LA nur ahnt, zu überdecken versucht, während Bateman noch dagegen blutig zu rebellieren versucht, hat sich der Ellis-Charakter in Lunar Park bereits melancholisch in sein Schicksal gefügt, hofft – wie jeder Vater – nur noch, daß sein Sohn es einmal besser haben wird. Lunar Park ist bei weitem nicht so morallos, kraftvoll und wütend wie andere Bücher von Ellis, die Trennung der Stockwerke nahezu hermetisch, man liest die Metageschichte fast der eigentlichen Plot-Story zum Trotz – es zeigt einen gereiften Autoren am Scheideweg der Unzufriedenheit mit seinen eigenen limitierten schriftstellerischen Mitteln, auf der Suche nach einer neuen Botschaft, der dennoch nahtlos an seinen Erstling anknüpft und die Zombies an den Pools von LA hier und heute durch die Zombies in den Gärten jeder nur denkbaren Vorstadt, jeder nur denkbaren Gated Community ersetzt. Am Ende geht es also immer noch um die hirntoten Monster in uns allen.
15. Oktober 2005 12:20 Uhr. Kategorie Buch. Tag Belletristik. Keine Antwort.

WEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEE!!!!
14. Oktober 2005 22:06 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Gestern kam die PDF zur Freigabe der Buchseite (in diesem Jahr nur eine, keine Doppelseite) im Red Dot 2005. Nun ist der Macher des Buches, Prof. Christof Gassner, absolut einer der Spitzenleute in unserem Metier. Umso verblüffender ist, daß die Seite eigentlich aussieht, als wäre sie einfach nur… völlig ungestaltet. Liegt’s an dem Material, das wir abgegeben haben – eine Auswahl an PDF-Seiten, aber auch einige Detailphotos des Gewinnerbeitrages? So wie es jetzt ist, sieht das ganze aus, als hätten wir mit einer Briefmarkenkollektion gewonnen. Irgendwie schon etwas schade. Weniger für uns, im Grunde bin ich da uneitel, aber um das Buch als ganzes, oder? Vor allem, wenn man bedenkt, wie streng die Vorgaben für die Bilder waren – keine Hände zeigen, die die Bildseiten umblättern, wie es noch 2003 einige Büros ganz schön gelöst hatten – da erwartet man natürlich ein tolles Konzept. Nicht ein weißes Blatt mit Schlagschatten und Rasterbausteinchen (auch wenn die auswahl der Doppelseiten sehr schön ist). Vielleicht macht es mehr Sinn, wenn man es als ganzes sieht. Aber ich selbst hätte vielleicht besser mit einer großen Seite gelebt. Mit dem Red Dot Buch habe ich ja irgendwie nie so richtig Glück, schon 2003 konnten unsere Abbildungen (nur zwei Photos) nicht so gemacht werden, wie von uns gewünscht (nämlich seitenfüllend) und wurden im Satzspiegel, also eher klein und damit kraftlos abgebildet. Naja, maybe next time… sofern ich da nochmal was gewinne in diesem Leben.
08:05 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Mit Terry Pratchett ist es so eine Sache. Ich mag weder die Filme noch die Hörbücher, nicht die Kalender, Comics, Spiele und die ganzen anderen Spin-Off-Artikel, die das Discworld-Phänomen umgeben. Und das, obwohl ich die Bücher liebe. Der Grund ist einfach, daß ich die ganzen Zwerge, Trolle, Werwölfe, Hexen, Zauberer, Golems und anderen Fabelwesen, die seine flache Welt bevölkern, nicht sehen will. Über sie zu lesen ist eine Sache, sie wahrhaftig zu sehen bedeutet aber, daß Pratchetts Bücher eindeutig zu Fantasy werden. Was sie für mich nicht sind. Ich kenne einige Leute, die Pratchett in eine Reihe mit Tolkien und anderen Fantasy-Autoren und Schöpfern künstlicher Weltensysteme stellen, aber für mich selbst ist er mehr neben Swift und Orwell, sicher auch neben Douglas Adams und den Pythons einzuordnen. Pratchett ist ein Satiriker, der das Fantasy-Setting nur mißbraucht, wie Orwell die Tierfabel, um ungestörter ein paar simple Wahrheiten sagen zu können, die ohne den Gazevorhang der Discworld deutlich zu moralinsauer wirken würden. Die Discworld an sich ist dafür im Laufe der Bücher, die Pratchett Jahr um Jahr wie eine Manufaktur produziert, ein ideales Setting geworden. Mit einer Vielzahl von etablierten Figuren und Situationen, einer ganzen Timeline von Geschehnissen und einem (wenn auch mitunter vagem) politischen Weltensystem kann Pratchett in jedem Buch alte Bekannte, wie Granny Weatherwax, Rincewind und die chaotischen Zauberer der Unseen University, Lord Vimes Polizei von Ankh Morpork, und viele mehr besuchen und ihre Geschichte weiterspinnen oder – wie in Monstrous Regiment oder in Going Postal – neue Figuren etablieren. Für einen Autor also ein ideales Tool, jedes nur denkbare Thema anzugehen. In Going Postal gibt Lord Vetinari, der gar nicht mal so tyrannische Tyrann der Großstadt Ankh Morpork, dem Trickbetrüger Moist von Lipwig, der kürzlich erst am Galgen erhängt wurde, den Job, die marode staatliche Post der Stadt aufzumöbeln. Unter der Aufsicht eines Golem macht sich Moist an den Job, gegen die übermächtigen Clacktower, mit denen Nachrichten über ein (Disc)world-Wide-Web in sekundenschnelle übertragbar sind, anzukämpfen.
Pratchett verknüpft hier zugleich geschickt die Kritik an der britischen Privatisierungswelle, während der die meisten einstigen Staatsbetriebe kaputtsaniert wurden, und dem Dotcom-Boom mit einer Beschreibung der Otaku-Webjunkie-Kultur und nicht zuletzt einer Verneigung vor Isaac Asimovs Robotergeschichten, die in der Golem-Kultur aufblitzen. Das alles eingebettet in eine mühelos liquide vorwärtsfließende Geschichte, die einen simplen aber nicht zu durchschaubaren Plot, britischen Humor und eine massive Liebe am Wortspiel verbindet, die – wie das literarische Fast Food, das sie als serial fiction nun einmal ist – nicht wirklich belastet, aber auch nicht beleidigt. Die ideale Relax-Lektüre. In diesem Sinne ist Pratchett, wie viele anderen Serienautoren – Elmore Leonard zum Beispiel –, wie ein netter Onkel, der einmal im Jahr vorbeischaut und mehr oder minder immer eine Variation per se schon bekannter Geschichten erzählt. Und das trotz ungezählter Besuche so voller Verve, das Pratchetts Bücher immer wieder zu den ersten gehören, die ich lesen muß, wenn sie ankommen…
13. Oktober 2005 19:47 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.


Während mir Silver-Age-Comicartist Jack Kirby mit seiner Arbeit an den Fantastic Four stets als Großmeister des Surrealen, des Wagneresken im Gedächtnis ist, lag Curt Swans Stärke kontrapunktisch darin, der unwirklichen Welt von Superman eine Textur zu verleihen, die die suspension of disbelief überhaupt erst ermöglichte. Was umso erstaunlicher ist, als daß Swan den Großteil seiner Karriere nicht wie Kirby mit Storys und Figuren arbeitete, die – wie bei Marvel – menschliche Makel hatten oder eine individuelle Charakterentwicklung zuließen, da DCs Figuren meist eher stereotyp angelegt waren, gegenüber den diffizileren, gebrocheneren Marvel-Figuren. Swan, in diesem Sinne sicherlich ein Vorläufer von Neal Adams oder auch Jim Aparo, schuf nach dem Rock-Hudson-on-stereoids-Superman, den Al Plastino und Wayne Boring in den 50er und 60er Jahre etabliert hatten, einen schlankeren, detaillierteren Man of Steel, der gar nicht mehr so stählern oder besser gesagt hölzern wirkte. Der in den Zwanzigern geborene Swan produzierte in seiner Laufbahn wahrscheinlich abertausende von Seiten, zahllose Cover, Artwork für Legion of Superheros, Superboy, Superman, Action Comics, Flash undundund… zu viele, um sie zu zählen. Umso verblüffender, daß er nicht nur über Dekaden ein workaholic war in einem Genre, das Penciller oft recht schnell verzehrt, sondern sich dabei auch kontinuierlich als Künstler weiterentwickelt hat. Swan verkörpert, vielleicht mehr als jeder andere Zeichner, den amerikanischen Arbeitsethos, den ihm sein Arbeitgeber DC leider nicht lohnte: Nach dem Reboot von Superman in den 80ern fand Swan kaum noch Arbeit bei DC und starb, so sagt man, verarmt und frustriert. Was vor allem bleibt, ist eine der Hochphasen von Superman in den späten Sechzigern und Anfang der Siebziger, die Arbeit mit dem kongenialen Murphy Anderson als Inker und mit Denny O’Neil und Elliot S! Maggin als Autoren, der Übergang von einem gottgleichem Superman, der in immer ähnlichen, aber eskalierend surrealen What-if-Szenarios gefangen war, zu einem auf menschliches Maß reduziertem Charakter. Diese Phase, 1971 um Superman breaks loose, wegweisend war für die nur allzu kontinuierlichen Reboots von Superman seitdem, ist für mich Swans Apex, fast schwer zu sagen bei einem Zeichner, der durchweg außerordentliche Qualität produziert hat und dessen Klarheit meist eher unter seinen mitunter schlechten Inkern leidete als unter eigenen Mängeln. Aber hier wird Supermans stets pappmaché-artige Welt erstmals dreidimensionaler, texturierter, die Anzüge sind nicht mehr stur blau (wiewohl dieses Merkmal von Clark Kent allzubald bald wiederkommen sollte) und Swan hat die Möglichkeit, spürbar mehr Realität abzubilden. Immer noch das workhorse, der verlässliche Alleskönner, ist Swan hier spürbar befreit und beflügelt, und erst eine Dekade später, als Superman wieder braver und mainstreamiger wurde, läßt dieser Schwung spürbar nach. Die Mimik und Körpersprache von Swans Superman ist der damaligen Zeit weit voraus. Denkt man heute spontan an Lois Lane oder Jimmy Olsen, denkt man meist an Swans Entwürfe der Figuren, schließlich hat er rein qua Output diese Welt visuell definiert. Der Job des Comiczeichners als world builder, als Designer, der sich unter hohem Zeitdruck Städte, Kleidung, Raumschiffe, extraterrestre Wesen und den ein oder anderen Gott ausdenken muß, erfüllt Swan mit präziser naturalistischer Gelassenheit. Ob Zeitungsverkäufer oder Außerirdischer, Helicopter oder Raumschiff, die perfekte Mischung aus Detailliebe und Abstraktion macht es bei Swan möglich, daß ein Cowboy auf einem geflügeltem Pferd nie wirklich out of place in einer dem modernen New York nachempfundenen Stadt anmutet, ebenso wie er einem in einen rotblauen Strampelanzug gewandeten Muskelprotz Tiefe und Charakter verleihen konnte wie kein Zeichner zuvor. Der eine Welt geschaffen hat, die absolut real und dreidimensional wirkte, in der aber zugleich glaubhaft ein Wesen existierte, das seinen Dress in der Sonne reinigt.
Während bei Jack Kirby also nahezu jeder Charakter ein Gott war, wurden bei Swan die Götter zu Menschen.
12. Oktober 2005 08:23 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

Nach den ersten 90 Tagen gibt es inzwischen bveim Theater Bielefeld auch erste Arbeiten, die man mal zweigen kann. Viel ist noch in Entstehung, aber bei Abendprogrammen und Monatsleporellos sind schon erste Ergebnisse da eine gewisse Linie erkennen lassen. Ich glaube, Intendanz, Dramaturgie und Marketing haben inzwischen auch greifbar Spaß daran, daß man einiges ganz anders aufzieht als vorher , kriegen – wenn ich das richtig verstanden habe – gutes Feedback aus der Stadt und so beginnt ein langsamer Prozeß hin zu etwas Neuem. Unser vages Metaziel, in der ersten Saison von den eher farblosen alten Heftlein wegzukommen zu einem lustvollen bunten Ansatz, der näher am Puls von Hamburg oder Berlin ist, und damit die optische Sprache dem sehr modernen programmatischen Vokabular anzugleichen, ist streckenweise sogar schneller gelungen, als wir zunächst gedacht hätten. Es gibt Baustellen, klar, da bin ich noch unzufrieden, aber es gibt auch Sachen, da machts einfach nur Spaß. Das tolle an einem Dreispartenhaus ist das enorme Tempo der Produktionen, dieser atemlose Beat, in dem ständig etwas Neues und Hektisches passiert… das ist wie Heroin. Man überkonzeptioniert die Dinge nicht, man reagiert gemeinsam, man jammt. Ohne istockphoto und andere Bildquellen wären wir da zwar hier und da noch aufgeschmissen, trotz der tollen Photos von Philipp Ottendörfer, Matthias Stutte und Matthias Zöllig, weil wir aufgrund des Probenplans keine wirklichen Endprobenphotos haben und man dann sehr schnell sehr preiswert bestimmte Motive braucht, aber aus eben diesem eigentlichen Minus ist durch die Dramaturgen ein seltsames, buntes Ding mutiert. daß zu Abendprogrammen führt, die unerwartet konzeptionell und lebendig werden, oft fast schrill… eine Idee, die ich eigentlich erst für die zweite Saison hatte, weil ich dachte, in der Aufbauphase von 05/06 kriegt man es nicht gestemmt, da hätte ich vielleicht sogar noch bodenständiger, konservativer auf Probenphotos und Texte gesetzt. So wie es jetzt ist, bewegen wir uns darauf zu, daß Dramaturgie und Design gemeinsam kreative Mini-Booklets machen, die eine recht klare gestalterische Klammer haben, die in der Bildsprache aber recht mobil bleiben. Schöne Entwicklung. Auf der Bühne,und so eben auch in den Abendprogrammen und hoffentlich zunehmend auch in anderen Medien, passieren dadurch einfach sehr unerwartete Dinge, die das Publikum hoffentlich gemeinsam auf eine positive (aber eben nicht affirmativ-anbiedernde), irgendwie immer leicht provozierende, überraschende, nie ganz langweilige Reise mitnehmen. Das alles geht auch, weil die Dramaturgen oft in der Lage sind, uns ihre Ideen anzuvertrauen und dann auch loszulassen, so daß man sehr oft gemeinsam und kongenial ins Ziel kommt. So entstehen sehr schnell Hefte, denen man nicht so sehr ansieht, daß sie z.T. binnen weniger Stunden und oft auch aus einer spontan zu lösenden Problemlage heraus entstehen.
Genug geredet: her mit den Photos….
8. Oktober 2005 16:53 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.


Zwei seriös gute neue Comics von Warren Ellis. Beide im üblichen Stil des Autors, aber im Ansatz frisch. Desoation Jones verbindet Chandler mit eine rmodernen Sleazy Attitude und bringt den seltsamen modifizierten Desolation Jones als Detektiv in ein surreales Los Angeles, wo er nach Hitlers Pornofilmen sucht. Fell bringt 16 Seiten ultrakompakte Geschichte, jede in sich abgeschlossen, hard boiled, etwas surreal, schnell und böse.
Good stuff.
7. Oktober 2005 20:41 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.
Hier gibt es wunderbare QT-Videos von technoiden Pflanzen, Robotern und anderen seltsamen Kreaturen. Most beautiful.
19:29 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Die phantastische Brigitte Schiller-Fechner hat uns ein Riesenpaket geschickt, mit allen Materialien aus der letzten Saison der Bielefelder Philharmoniker. Sachen, die wir hier teilweise bisher noch gar nicht realiter in den Händen halten konnten. Die Abendprogramme für die BP sind sind eigentlich ein eher kleiner Job, aber machen immer wieder Spaß, vor allem, wenn ich bedenke, wie lieblos andere Orchester ihre Abendprogramme gestalten. In der letzten Saison war das Metathema ja Polaroid-Bilder und jedes Abendprogramm hatte als Basismaterial Polaroid-Bilder, die ein Orchestermusiker zum Thema des Konzertes passend schoß. Diese Bilder haben wir dann wiederum als Rohmaterial genommen und auf jeweils passenden Backgrounds genutzt… aber seht selbst.
6. Oktober 2005 21:00 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Ich komme nicht nach. Auf der Halde fürs Blog liegen drei Bücher, ein paar Pix von Abendprogrammen und vager stuff, den ich wahrscheinlich schon wieder vergessen habe, bevor ich zum Schreiben komme.
Als Trostpflaster: Bilder von Julia für Plakat und Abendprogramm «The French Connection».

5. Oktober 2005 21:29 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Eine Antwort.
Bevor wir uns den nächsten Kaupp-Katalog stürzen, gehen wir noch einmal Cocktails schlürfen, Wer Lust hat, kommt einfach:
Menehune Cocktailbar, Samstag 08-10-05, 20:30, Essen-Rüttenscheid, Wehmenkamp 3
Ich hab absolut keine Ahnung, was der Laden taugt, aber am Stamstag im Daktari einen Tisch zu kriegen ist nicht realistisch anzunehmen, und wenn es hier auch zu voll ist, können wir da vielleicht wenigstens noch im Casablanca eine Tür weiter bzw. woanders in Rüttenscheid unser Glück versuchen.
17:12 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.
Mir fehlen immer wieder die Worte, zu sagen, wie spooky ich diesen Hund finde. Aibo is the future.
Der neue Aibo mit Mind3 ist nicht nur Spielzeughundi, sondern auch drahtloser MP3-Player, RSS-Newsreader, Digitalkamera, Blog, Pattern-Erkenner, Baby- und Haus-Sitter. Und das alles für 2000 Euro.
AIBO is capable of six feelings – happiness, sadness, fear, dislike, surprise,and anger. Its unique personality is developed with a combination of these unique instincts and feelings.
AIBO’s always had a personality, but now each robotic pet will ship with one of four personality types. One of them, the “Independent thinker” (Sony reps referred to it jokingly as the “Smart-Aleck”), will, Sony says, cause it to lose patience if, for example, you say the same thing a few times. So “How are you” said four times could result in an “I heard you the first time,” response. Additional personalities include Independent instinctive, Dependent thinker and Dependent instinctive. These personality bents also mean that the dog will develop in a certain way, though Sony officials caution that it won’t stay that way forever and can adjust to different personalities.
Spooky, Baby, Spooky.
3. Oktober 2005 23:24 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.
Anläßlich der Potter-Party von SchmitzJunior ging mir durch den Kopf, das Thomas und Sandra hier etwas machen, was eigentlich für Geschäftsleute heute oft unüblich geworden ist: Sie denken nicht ans Geldverdienen. Während es in mehr und mehr Branchen nur noch um den Hard Sell geht, um Verkaufen um jeden Preis, war es bei dieser Party faktisch unmöglich, mit einem Gewinn nach Hause zu gehen. So viele Potter-Bücher konnten gar nicht verkauft werden um die Generatoren, Zelte, Schauspieler und Musiker, Gratis-Getränke und Süßigkeiten, Kostüme und Effekte und nicht zuletzt eine historische Dampflok wiedereinzuspielen. Zumal Thomas – anders als anscheinend andere Buchhändler – keinen Eintritt nahm, sondern sogar noch obendrein Preise verloste und Geschenke verteilte. Was Sandra und Thomas hier also tun, ist nicht ans Geschäft zu denken (anders als Amazon oder Weltbild), nicht strategisch zu operieren, sondern den eigenen Spaß am Spaß der Gäste in den Vordergrund zu stellen.
Das ist selten geworden. Das bringt dir kein BWL-Buch als Sinn einer Firma bei. Wann habe ich das letzte Mal den Vorstandsvorsitzenden einer großen Firma im Sinne des eigenen Spaßes handeln sehen? Im Gegenteil, die Spaßverweigerung, die calvinistische Pose der Pseudo-Askese, die Lust am Leiden, am eigenen Tun-Müssen, der Sachzwang, all das ist ja geradezu ein Merkmal modernen Managements geworden.
Das liegt nicht zuletzt daran, daß mit der Managerial Revolution, die die Gründer mit realem Bezug zum eigenen Unternehmen durch eine hochbezahlte Angestellte ersetzte, ein Focus Shift in den Zielsetzungen stattfand: Weg von der Firma und der ich-nahen Selbstverwirklichung, hin zum Shareholder Value. Hin zur Gewinnsteigerung als Selbstzweck. Was in etwa so ist, als würde man auf die Frage nach dem Sinn des Lebens antworten: «Atmen».
Gewinn zu machen und Produkte zu verkaufen bzw. Aktienkurse zu steigern ist aber nicht der Zweck einer Unternehmen, sondern das Mittel. So einfach das ist, so vergessen ist es auch. Der Zweck ist ein ganz anderer, eine Art Metaziel, das mit dem eigentlichen Tätigkeitsfeld oft nicht viel zu tun haben muß. Solche Metaziele können sehr unterschiedlich sein. Ein ganz simples und primäres ist oft, den Menschen in der Firma einen sicheren (und möglichst angenehmen) Arbeitsplatz zu geben, möglichst faire Gehälter zu zahlen, möglichst gutes Betriebsklima zu erzeugen usw. Gerade in kleinen Betrieben ist dieses Ziel neben oder sogar über dem Umsatzziel da, weil man nur ungern Leute entlassen würde, mit denen man Tag für Tag persönlich seit langer Zeit arbeitet und die man mag. In großen Unternehmen, wo mehr Anonymisierung der Arbeitskraft vorherrscht, mehr Distanz, ist dieses Ziel gegenüber der Gewinnmaximierung nahezu nonexistent geworden, der Abbau von Arbeitsplätzen sogar zum kurzfristigen Kostensenken längst das operative Standardtool geworden. Andere kleine Unternehmer sind Kunstmäzenen oder wollen sich einfach selbst in ihrer Arbeit künstlerisch integer wiederfinden… oder wollen – auch so ein einfaches Ziel – möglichst zufriedene und glückliche Kunden. Und so weiter. Vieles davon ist bewußt oder unbewußt oft auch durchmengt und parallel nebeneinanderlaufend.
Kern dieser Metaziele ist: Glücklich sein. In den meisten mittelständischen Betrieben, die selbstgegründet ist, gibt es ein starkes Bedürfnis nach Entfaltung, nach individuellem Glück im eigenen Laden. Da die Arbeit einen Hauptteil an Lebenszeit wegfrisst, liegt diese Zielsetzung auch nahe. Das ist ein im positivsten Sinne unprofessionelles Ziel, ein eben nicht-berufliches, ein zudem auch auf den ersten Blick nicht zielkonformes in Hinsicht auf normative Managementziele. Diffuse Begriffe wie «Glücklichkeit» und «Zufriedenheit» bringen ja keinen materiell meßbaren Mehrwert, sind per se auch nicht meßbar, entziehen sich also dem Controlling durch ihre ureigene Natur. Welcher Aktionär ist zufrieden, wenn er liest, daß in diesem Geschäftsjahr ein Zuwachs an Zufriedenheit mit dem eigenen Tun erreicht wurde? Glück liegt hier auch nicht in Sekundärzielen vieler Manager, im Streben nach Erfolg, nach höheren Gehalt, Ruhm vielleicht, sondern in kleinen, absolut unquantifizierbaren Parametern. Diese eben möglichst engen Fugen zwischen ICH und Arbeit sind es, die ein Ding wie die Potter-Party rechtfertigen. Und diese Kongruenz, diese Nachbarschaftlichkeit von Privatleben und Rollenfunktion im Beruf, macht dann auch den ERFOLG aus.
Denn wenn ein Unternehmen das tut, was es möglichst kollektiv «glücklich macht», überträgt sich das auf Produkte, auf Marketing, auf Design und Planungsstrategien. Zufriedenheit wird als ungreifbarer Faktor im Endprodukt manifest. Du siehst, ob ein Designer glücklich mit seinem Produkt ist, ob ein Händler seine Ware mit Herz verkauft, ob eine Werbung mit Herz gemacht ist. Man kann Begeisterung greifen. Man merkt, ob ein Theaterstück nur ein Haus voll machen soll, etwa als boulevardeske Komödie, oder ob Dramaturgen, Regie, Intendanz und Darsteller hier wirklich alles geben, absolut aufgehen, Spaß haben und auf die Konsequenzen pfeifen. Und man merkt eben, ob eine Potter-Party nur Bücher verkaufen soll oder ob es ein echtes Fest ist.
Verborgen hierin steckt eine Erfolgsstrategie, die sich auch auf Aktiengesellschaften und Konzerne übertragen läßt, aber ein grundsätzliches Umdenken im Verständnis von Verkaufen und Management, Zielsetzung und Existenzberechtigung einer Unternehmung bedingt. Dauerhaft wird der am erfolgreichsten verkaufen, der am wenigsten darüber nachdenkt, der nicht verkrampft, sondern der – so albern/kitschig das klingt – dem eigenen Herzen folgt. Das bedeutet zum einen, daß wir Manager mit Herz und Ideen brauchen, die über das nächste Quartal hinausdenken, die im wirklichen Wortsinne leben, atmen, Entrepreneure sind, keine BWL-Zombies. Das bedeutet, weg vom Controlling und weg von der Marktplanung, hin zum Bauchgefühl. Das ist keine Zukunftsstrategie, sondern vielmehr eine Rückkehr zu einem Denken, daß in den Anfängen der kapitalistischen Revolution gang und gäbe wahr. Die Gründer zahlreicher großer Unternehmen haben genau einfach nur daß getan, was für sie völlig logisch und einleuchtend und herzensrichtig war. Howard Hughes ging es nie ums Geld… Geld war Mittel, nicht Zweck. Krupp. Virgin, Vitra. Die Liste der Beispiele ist schier endlos. Und es ist durchaus auch eine Zukunftsstrategie: Als Mercedes noch nicht daran dachte, möglichst viele Autos an den Mann zu bringen, sondern einfach die besten Autos schlechthin zu bauen, ging es Daimler noch bestens. Seitdem es Apple wieder darum geht, nicht ein paar Rechner mehr oder weniger zu verkaufen, sondern Teil einer hedonistischen Technorati-Kultur zu sein, ist der zeitweise fast greifbare Untergang der Marke abgewendet. Stimmt das Metaziel, ist also das Unternehmen wirklich eine UNTERNEHMUNG, eine Expedition, eine Exploration, bei der die Fuge zwischen Sein und Wollen möglichst klein und perfekt dicht gearbeitet ist – dann stellt sich der Erfolg (ceteris paribus) sicherlich eher ein als im umgekehrten Fall. Sagt ein Manager: «Ich würde ja gern, aber ich kann ja nicht.», so hat er er ein Problem und damit auch seine Unternehmung. Radikale Selbstverwirklichung, das Shanghaien durchaus auch großer Unternehmen als Medium einer Reise ins eigene Glück ist also eher erfolgsversprechend als die permanente Selbstverneinung und Subsumierung unter imaginäre Sachzwänge. Diese Art der Vorsicht schafft zwar sicher einen gewissen Schutz vor Mißerfolgen, schafft aber auch nie wirklichen Erfolg, der aus Lust am Abenteuer und lateralem Denken erwächst, nicht aus Vorsicht. Ganz abgesehen davon, daß im Top-Management mit diesem Ansatz eventuell auch das mitunter extreme Maß an psychosozialen Stress, die Entfremdung von Familie und Freunden, die Fixierung auf einen undankbaren und am Ende isolierenden Job, zurückgehen würde.
Das eigene Glück suchen. Die eigenen Kunden glücklicher machen wollen. Die eigene Crew glücklicher machen wollen. Das Richtige tun.
Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie unterschiedlich unsere Wirtschaft, und im Glaspalast der kapitalistischen Vernetzung somit eigentlich unsere gesamte Welt aussähe, wenn die Entscheider in der Wirtschaft dieser ganz simplen Maxime folgen würden. Das wird nicht von heute auf morgen, vielleicht auch nie kommen. Die Controller, diese grauen Herren, haben das Heft zu fest in der Hand, die Lustfeindlichkeit sitzt zu tief, der Wunsch nach Komfort. Aber die Hoffnung, daß eines Tages die wirklichen Unternehmer wiederkommen, die Macher, die Seefahrer… die sollte man nicht aufgeben. Denn dort, wo sie in der Wirtschaft antreten, haben sie meist Erfolg. Und das könnte irgendwann ja doch Schule machen…
1. Oktober 2005 19:44 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.