
Sandra hat mir ja zum Geburtstag unter anderem (neben vielen Büchern, von denen ich eins bei Gelegenheit bei Slanted vorstelle, Konzerttickets, Theatergutscheinen, Vasen und Besteck und anderen tollen Dingen fürs Büro und das Leben) auch eine Mitgliedschaft in
The Album Club geschenkt. An und für sich eine grandios yuppie-esque Idee:
Haste keinen Musikgeschmack, kauf dir welchen. Beim Album Club suchen nach deinen Kriterien die Leute von Rough Trade, einem der legendärsten Alternative-Plattenläden (und Labels) die CDs für dich aus. In meinem Fall fünf pro Monat. Sassa hat die Vorlieben so wild und weitgestreut wie überhaupt möglich angegeben, right-on für mich. Ich mag die Idee vom Album Club. Er ist überteuert und dekadent und eigentlich suche ich mir meine Musik auch ganz gerne selbst aus, kaufe blind nach Cover oder lasse mir Sachen von Freunden empfehlen… aber Gott, die Idee, einfach
komplett blind einmal im Monat fünf völlig wirr gemischte Scheiben zu bekommen… wer kann da denn nein sagen? Ich jedenfalls nicht.
Was ist alles im Start-Paket, das man bekommt? Ein CD-Kalender, in dem die Liefertage (in Deutschland etwas verzögert) markiert sind. Ihr seht, die erste Lieferung kam schon vor meinem Birthday am 26.

Lustige Aufkleber, die keiner braucht.

Noch mehr lustige Aufkleber, die auch keiner braucht, die aber Markenbewußtsein ausstrahlen (sollen).

Ein Anschreiben, das mich als Musikliebhaber adelt. Whoa… was man sich für ein paar Pfund heute alles an Liebe kaufen kann, eh? Welcome to our little club ist aber eben doch sehr charmant und nett, vor allem, wenn ich Mitglied 1600-irgendwas bin.
Mit dabei ist auch ein Rough Trade Best of 2004-Sampler, der nicht nur hier und da ein paar Bekannte aufweist (Coil, Le Tigre, Bloc Party, Throbbing), sondern auch ziemlich abgefahrene neue Bands. Mehr als empfehlenswert. Selten, daß ich bei Compilations alle Tracks überraschend und gut und frisch finde. Die SPEX ist da immer recht nahe dran. Und eben immer weit vorn. Wem die Richtung also gefällt, der mag auch diesen Sampler.


Einmal im Monat kommt dann das Album-Club-Paket (das ist schon so cool,vor allem, weil man nicht weiß, was kommt. Perfekte Marketing-Idee). Es ist einfach die genaiel gegenrichtung zu MP3. Hier wird die CD zum Geschenk. zum Kultobjekt, zur Überraschung. Du legst sechs sieben Stunden Musik ein und weißt, bei dieser extremen Auswahl, nahezu nie, was da auf dich zukommt. Das bringt ein ungeheures Stück Wertigkeit des Mediums zurück, das für mich mit MP3 verloren gegangen ist.

Mit dabei sind King Creosote (Singer/Songwriter, sehr ruhig, angenehm, einen Hauch nichtssagend zuerst, aber nice), Betty LaVette (R&B-Jazz, female vocal, Tarantino-Sound, exzellent), The Sounds of Monsterism Island (so schräg wie der Titel vermuten läßt, eine Compilation von / für den Londoner Starillustrator Pete Fowler mit absolut psychedelischen Songs, very different), Boards of Canada (Electronica, Warp-Label, das glaub ich eine Rough-Trade-Tochter ist oder war, so verkauft man dann natürlich auch die eigenen Alben gleich mit, mui praktisch. Ist aber sehr hörenswert) und Ladytron, die vielleicht bekannteste Combo dabei, von denen hab ich eh zwei Alben und diese neue Scheibe klingt zwar etwas härter, erwachsener als die alten Sachen, behält aber diesen leicht französischen St-Etienne-on-very-very-very-bad-acid-Charme der Liverpooler Band. Ich mag Ladytron und dieses Album ist so gut, wenn nicht sogar besser als die alten Sachen, rockiger und zugleich spaciger. Retrofuturism at its best.

Jeder CD liegt eine kleine Beschreibung (Who und What) bei und eine Erklärung (Why). Außerdem Extras wie signietres Material, Bonus-Maxis, Promozeug. Unterm Strich: Fünf Platten, fünf grundsätzlich unterschiedliche Stile, fünf Treffer. Ist auch schwer, Musik zu machen, die mir nicht gefällt. Wenn das so weitergeht, bleibt es auf jeden Fall spannend. Der 2004er Sampler läßt da hoffen, da er durchgehend krank und unkommerziell, aber ebenso klasse war. Den Sinn, den Album Club für mich als Idee ad hoc hatte – diese Mischung aus musikalischem Überraschungsei und Trüffelschwein – sehe ich bestätigt. Merci an meine wunderbare Frau. Du bist und bleibst das beste Geburtstagsgeschenk.

