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The Battle for the Bulge

Die Frage, ob Apple erfolgreich bleibt oder nicht, hängt davon ab, ob Jobs & Co es schaffen, binnen kurzer Zeit ein Killerhandy auf den Markt zu werfen, daß die Brand-Eigenschaften und den besonderen Sense of Design von Apple auf ein portables Smartphone überträgt. Das Nokia 91 zeigt, wie die Uhr da für Apple tickt und wie schwach sie in diesem Markt noch aufgestellt sind, zeigt das Motorola ROKR… eine Kooperation, die Apple auch eher peinlich zu sein scheint. Ich denke, da wird fließig hinter der Kulisse gearbeitet. Piers Fawkes sieht das ganz ähnlich. Und hat auch eine Meinung zu iTunes, die ich teile: …consider iTunes as an early version of Windows – it’s an inflexible monopolistic proprietary system just waiting to be cracked and reworked over by some Linux dudes. Soon, if not already, a Web 2.0 version of iTunes will be available where you can download from the iTunes library AND any other library you choose from. The monopoly ends. True democratization of music to be listened to on the device of your choosing. And remember: you only want one ‘device’ to squeeze into that pocket. Hier lesen.

29. Oktober 2005 23:11 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

LORI NIX



Aus meiner Arbeit für Architekten weiß ich, daß Modelphotographie eine Kunst ist. Das small scale model glaubhaft zum Leben zu erwecken, ist keine leichte Übung. Das sich hier aber auch ungeahnte poetische Möglichkeiten entdecken, ist eine Überraschung. Lori Nix photographiert im Großformat en miniature eine präzise nachgebaute Realität, die in ihrer seltsam ausgeleuchteten Starre eine seltsame Unwirklichkeit, eine überkonstruierte Süßlichkeit, gewinnt. Genau so sieht Gott die Welt. Gefroren, klein, unwirklich. Jedes dieser Diorama erzählt oder vielmehr suggeriert eine komplette Geschichte, deutet einen Ausschnitt aus einer Realität an, die wir zuende denken und die doch immer nur als Simulation entstanden ist.

via Influx

23:11 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

I/O BRUSH

I/O Brush is a new drawing tool to explore colors, textures, and movements found in everyday materials by «picking up» and drawing with them. I/O Brush looks like a regular physical paintbrush but has a small video camera with lights and touch sensors embedded inside. Outside of the drawing canvas, the brush can pick up color, texture, and movement of a brushed surface. On the canvas, artists can draw with the special “ink” they just picked up from their immediate environment.

Hier. Und da gibt es auch einiges anderes an spannenden Interface-Ideen.

via Bruce Sterling

22:13 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

JED’s OTHER POEM

Dieser unveröffentlichte Video von Granddaddy wurde mit Apple gemacht. Und zwar mit Applesoft II von 1979, einem Derivat von Microsofts Basic.Programmed entirely in Applesoft BASIC on a 1979 Apple ][+ with 48K of RAM–a computer so old it only types in capitals and has no up or down arrow keys, let alone a mouse. Jeff Bernier worked a miracle packaging the video in one night.

via PSFK

18:14 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

ATOM


Der Nebel um die Gerüchte um das neue O2-Smartphone lichtet sich etwas und endlich sieht es so aus, als gäbe es wieder ein vernünftigeres Smartphone auf dem Markt. Während im X/V/MDA-Bereich bisher die leistungsstärkeren Geräte ja zunehmend bulky und unhandlich werden bzw. die handygroßen Mini-Phones keinen Touchscreen und keine Power haben, bereitet O2 mit dem Atom ein Smartphone/PDA vor, das sich vernünftiger anhört. 2 MP-Kamera, Wifi, Bluetooth, MP3, Video, handlich mit 150 g und 58 x 102 x 18.5mm. Das es nur Mini-SD-Karten gibt, der Kopfhörer immer noch anscheinend auf 2,5″ läuft (argh) und das Wifi nicht 54 sondern nur 11 ist, scheint etwas wenig zukunftskompatibel (da ist das N91 von Nokia schon weiter). Und als Vodaphone-Kunde darf ich ohnehin wieder wartenwartenwarten. In Sachen Innovation hängt Vodaphone T-Mobile und vor allem O2 fast unerträglich hinterher.
Aber immerhin wieder ein Schritt in die richtige Richtung, weg von Semi-Laptops, hin zu kleinen aber leistungsstarken PDA/Smartphones.
Recht sexy ist übrigens auch der Pidion…Aber ob der jemals in Deutschland angeboten wird, sei mal dahingestellt. Rein vom Design her bisher mein Lieblings-PDA. Wenn Apple in Richtung Smartphone denkt, brauchen Sie nicht mehr lange zu suchen…

07:27 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

CHIP KIDD


Bei Slanted

28. Oktober 2005 21:48 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

DER DESIGNER ALS AUTOR

Der von mir absolut geliebte Rick Poynor ist seit langem an der Definition des Designers als Autor (nicht Auteur) interessiert. Und es ist tatsächlich die beste Definition der Arbeit. Ich glaube nicht an den Designer als freien Künstler. Wiewohl Kunst mit den Mitteln des Designs machbar ist, ist Design per se die Erstellung eines Gebrauchsgegenstandes, der seinen eigenen Zweck hat und dem du die entsprechenden Mittel zu geben hast. Selbst beim abgefahrensten CD-Artwork geht es noch um einen Konsumartikel. Du löst nicht deine eigenen Probleme, sondern die von anderen. Zugleich glaube ich – was beim letzten Satz zu naheliegt – nicht an den Designer als Dienstleister. Ein Designer ist kein Pizzabäcker. Design ist keine kausale Einbahnstraße mit Problem > Lösung. Im Grunde löst Design auch gar keine Probleme. Das ist ein viel zu lineares Denken, ein Marketingdenken, und nichts ist Design im Herzen ferner als klassisches Marketing. Marketing setzt Design als Verpackungs-Werkzeug strategisch am Ende einer davon losgelösten Entstehungkette ein, während es idealerweise am Anfang mit eingeklinkt wird.

Als Designer bist du Autor. Nicht nur im übertragenen Sinne, den Poynor meint, sondern auch viel greifbarer: Du «schreibst» verschiedene Texte, mal Belletristik, mal journalistisch, mal Essay. Mal Shortstoy, mal Wälzer. Was man eben gut kann. Wie ein echter Autor bist du oft der eigenen Arbeit hilflos gegenüber, verlangen Stoffe und Charaktere Dinge von dir, die du anfangs so gar nicht geplant hast. Ein Cover oder ein Plakat läßt sich nicht alles vom Designer gefallen, es muß eben «in
character» bleiben, es sagt dir schon sehr klar, was du machen sollst und besser läßt. Wie ein Autor bist du geplagt von der Unzufriedenheit mit den eigenen Mitteln und Möglichkeiten. Es gibt auch zahlreiche Regeln für gutes und für eher schlechtes Schreiben, von den simplen Rechtschreibregeln bis hin zu den feinen Details in Sachen Metaphorik und Stil. Wie ein Autor ist man sensibel und schnell persönlich berührt, wenn deine Protagonisten oder dein Plot angegriffen werden. Ein kleines Detail ändern zu müssen, kann die ganze Story ruinieren, weil für dich als Autor die Welt, die du schreibst eben aus lauter solchen Details besteht. Das ist manchmal unmöglich schwer zu komminzieren, wie ein solcher Kleinstbaustein das große Ganze ruinieren kann, aber man stelle sich nur mal vor, James Bond trüge pinke Socken. William Goldman («Which Lie did I tell») kann ein Lied davon singen, wie ein schlüssiges Drehbuch von solchen Petitessen zerschossen werden kann.

Was Poynor meint, ist, daß man als Designer, wie ein Autor oder ein Künstler, eine Schöpfungshöhe hat. Man kreiiert etwas – und ist dafür verantwortlich, sich selbst und der Welt gegenüber. Authorship ist eben nicht eine Dienstleistung, sondern ein Prozess. Der läuft ideal mit anderen Co-Autoren oder Lektoren, wenn man sich die Bälle zuwirft und fast nicht mehr erkennbar ist, wer wo welches Kapitel beigesteuert hat. Und… wenn du deinen Lektor respektieren kannst (weil er dich reziprok respektiert und versteht) und weißt, daß er dir vertraut und du ihm vertrauen kannst, redet man auch auf Augenhöhe über Änderungen und Modifikationen, hört gern auf kompetente Verbesserungsvorschläge, arbeitet an einer besseren Lösung. Kein Autor ist sich seiner Arbeit so sicher, daß er nicht auf Ratschläge und Input hört. Aber jeder Designer, der sein Geld wer ist, will wahrscheinlich sofort einen Job hinschmeissen, wenn der Kunde mit dem «Wer zahlt hat Recht»-Argument kommt. Nur, weil du ein Buch bezahlst, hast du ja auch noch lange keinen Einfluß auf die Geschichte, oder? Du kannst es lesen oder weglegen, aber nicht umschreiben. Wenn du es könntest, wärst du selbst Schriftsteller.

Jobs, die mich als Autor glücklich machen sind die, wo die Co-Autorenschaft zwischen Designer und Klienten möglichst früh beginnt. Wo man gemeinsam an einem Thema arbeitet, zu verschiedenen Ideen kommt und die besten Ergebnisse herausfiltert. Solche Kooperationen gab es immer wieder mit den verschiedensten Leuten, mal langfristig, mal wie ein schnelles Abenteuer, aber wenn es klappt, ist es immer eine Bereicherung. Kunden, die uns als Zweckerfüller sehen und Vorschriften machen, werden bei uns nicht glücklich. Dafür sind wir zu widerborstig, zu sehr am Austausch interessiert, am besseren Argument, an der gemeinsamen Story. Da gibt es andere, die können das besser als wir, die wollen nur ein Diktat aufnehmen und kassieren, denen ist die Geschichte per se egal. Uns eben nicht. Uns geht es darum, gemeinsam Stärken zu finden und eine Erfolgsgeschichte zu schreiben, die ehrlich ist, kein hohler Hype ist. Marketing, vielleicht auch die klassische Agentur-Werbung, ist die Kunst der feinen Lüge. Design ist Ehrlichkeit im besten Licht. Wenn Studenten mir mit Sprüchen kommen wie: «Hauptsache der Kunde ist zufrieden (oder auch nur der Dozent)», möchte ich sie durchschütteln. Es geht nicht um den Kunden, es geht nicht um den Dozenten, es geht nicht um die Verkaufe.

Die Hauptsache ist, daß die Geschichte gut wird.

21:17 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

EVERYTHING I TOUCH

Jan Chipchase schlägt zum Datamining von Konsumgewohnheiten ein einfaches und schönes Experiment vor, bei dem die Projektteilnehmer einfach ab dem Aufstehen zumindest einen halben Tag lang alles photographieren, was sie anfassen oder womit sie interagieren. So entsteht ein wunderbares Diorama der Alltagsgegenstände, die underen Tagesablauf mit bestimmen. Das Ganze eigent sich auch hervorragend als Vorstufe zur Implementation von emergierenden RFID-Technologien (die unsere Interaktion mit Technologie auf ein ganz anderes Level katalputieren wird). Über diesen praktischen Aspekt hinaus ergibt sich natürlich ein sozio-ethnographisches Gesamtbild verschiedener Kulturen und sicher spannende Ergebnisse über die Gadet-isierung bestimmter Länder. Interessanterweise ein Projekt, bei dem Jürgen Siebert auftaucht ;-).

vias MIT laboratory for branding culture

24. Oktober 2005 19:16 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Vermarkte Deine Kindheit

Proctor & Gamble haben eine Tochtercompany namens Tremor, die Kinder als virale Marketingimnstrumente gebraucht. etwa so, wie von William Gibson in Pattern Recognition beschrieben, bekommen die Kids exklusive Produkte, für die sie dan im Klassenraum und bei Freunden aktiv Werbung machen. Direkter geht Direktwerbung nicht.

via MIT laboratory for branding cultures

19:00 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

OPEN SYSTEMS

John Maeda, Prediger der Simplicity, über die Chance offener Systeme für Unternehmen (die leider derzeit mehr und mehr auf hermetische Konzepte setzen). Was als normaler Artikel über das Armaturenbrett von Volvo beginnt, greift viel tiefer und rührt an die Philosophie des Kapitalismus und die Frage ob Produktentwicklung und Markenarchitektur nicht in Zukunft viel mehr den zukünftigen User bereits als Bestandteil eines offenen, transparenten, gleichgerechten Partner-Systems berücksichtigen sollten, um so wieder langfristige (weil faire) Kundenbindungen zu ermöglichen.

Eine Sache, die auch viel mit unserem Job und Designmanagement zu tun hat.

23. Oktober 2005 17:34 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

It’s A Small World

It’s a small world. You do not have to live in it particularly long to learn that for yourself. There is a theory that, in the whole world, there are only five hundred real people (the cast, as it were. All the rest of the people in the world, the theory suggests, are extras), and what is more, they all know each other. And it’s true, or true as far as it goes. In reality the world is made of thousands upon thousands of groups of about five hundred people, all of whom will spend their lives bumping into each other, trying to avoid each other, and discovering each other in the same unlikely teashop in Vancouver.
Neil Gaiman: Anansi Boys.

09:12 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Auf dem Weg ins Posthumane

In wunderbar verräterischer Harmlosigkeit sehr schönes Interview mit der Züricher Schönheitschirurgin Eva Neuenschwander in der Weltwoche über Tennisballbusen, Scheidenstraffungen und das etwas wundersame Fazit, daß Cher so natürlich aussieht.
Hier.

22. Oktober 2005 20:30 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Quantenlicht


Michael Bowers hat eine neue Lichtquelle erfunden, die die Glühbirne ersetzen könnte: Quantum Dots.Until 1993 LEDs could only produce red, green and yellow light. But then Nichia Chemical of Japan figured out how to produce blue LEDs. By combining blue LEDs with red and green LEDs – or adding a yellow phosphor to blue LEDs – manufacturers were able create white light, which opened up a number of new applications. However, these LEDs tend to produce white light with a cool, bluish tinge.

The white-light quantum dots, by contrast, produce a smoother distribution of wavelengths in the visible spectrum with a slightly warmer, slightly more yellow tint, reports Michael Bowers, the graduate student who made the quantum dots and discovered their unusual property. As a result, the light produced by the quantum dots looks more nearly like the “full spectrum�? reading lights now on the market which produce a light spectrum closer to that of sunlight than normal fluorescent tubes or light bulbs. Of course, quantum dots, like white LEDs, have the advantage of not giving off large amounts of invisible infrared radiation unlike the light bulb. This invisible radiation produces large amounts of heat and largely accounts for the light bulb’s low energy efficiency … LEDs produce twice as much light as a regular 60 watt bulb and burn for over 50,000 hours. The Department of Energy estimates LED lighting could reduce U.S. energy consumption for lighting by 29 percent by 2025. LEDs don’t emit heat, so they’re also more energy efficient. And they’re much harder to break.

20:17 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

RIP SHIRLEY HORN

Shirley Horn ist mit 71 Jahren verstorben. Die Großmeisterin des Zeitlupengesangs, des lasziven langsamen Zerreibens von Vokalen. Großartige Sängerin, mutige Frau. Will be missed.

19:36 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Rauschenberg

Einer der Erfinder von mixed material-«combines», ist Rauschenberg maßgebliche Inspirationskraft hinter zahlreichen Installationskünstlern, aber auch ein sichtbarer Einfluß von Grafikern wie etwa Dave McKean. Ich habe im MOCA LA ein paar seiner Arbeiten gesehen und finde, daß ihn bis heute kaum jemand wirklich überholt hat in Sachen Intuition, Gespür für Materialität und Formensprache und nicht zuletzt Humor.

18:16 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

COVER





14:11 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DIGITALER GEBETSTEPPICH


Brilliant!

Muslims pray five times a day. The only product they need to perform their prayers is a prayer rug. And there is one thing they need to be careful about: the holy city of Mecca – the direction towards which they should perform their prayers. As one of the main aims of ‘Sajjadah 1426′ was to emphasize the values of the patterns on the prayer rug, lighting those patterns up was considered as the main approach from the very first stages of the concept. There were several technology alternatives to achieve this effect: mini LEDs, fibre optics, EL wire embroidery and EL panel. After the experiments done, the most appropriate one turned out to be the Electro Luminescent Phosphore Printing technology. EL wire embroidery has also been explored during the research part and ‘mini glow wire’ was ordered from the UK-based company Surelight Ltd. ‘Sajjadah 1426′ indicates the direction via the data coming from a compass module embedded inside it. The closer to the direction of Mecca it is turned, the brighter the patterns illuminate.

12:44 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

STREIFENBILDUNG

Heute bei Spiegel Online:


Man beachte die nackten Füße von Sumo-«Paul».

Das grandiose Original:

Auch nett:

11:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BILL BARMINSKI




Bill Barminski ist als Künstler sein Interesse für Cartoon und Werbung, die Faszination für das Amerika der 50er bis späten 60er anzusehen. Ein Acid-Trip-Mix aus Warhol, Lichtenstein und dekonstruktivem Umgang mit Vernacular Typography à la David Carson prägt seine Bilder, der multimediale Mix ironisch gewendeten Alltags offenbart die Suche nach dem soft underbelly dieser augenscheinlichen Glanzzeit der USA. Die Juxtaposition verschiedener Elemente verleiht dem Gesamtkonzept eine ästhetisch trotz der immer noch deutlichen werberisch-ästhetischen Note eine surreale Durchgeknalltheit, die zugleich aber in ihrer Kritik am Way of Life der Vereinigten Staaten berechenbar und durchschaubar ist. Die Fifties/Sixties als Zenith der Bigotterie zwischen Heiler Welt und Kaltem Krieg, Vietnam und White Picket Fences, Rassismus und Rock’n’Roll darzustellen, ist ja nicht gerade tiefschürfend, ist als Standpunkt der Kritik selbst fast zu einem Stereotyp, ergo zu Pop geworden. Insofern ist Barminski mitunter vielleicht zzu aufdringlich. Wo Lichtenstein eher diffus bleibt, den Betrachter weniger führt, die Aussage durch eine eine reine Rahmenverschiebung von Contents erreicht, versucht Barminski in seiner Montage erklären und schwächt so seine Arbeiten durch Zeigefingerismen. Bei seinen Gasmasken-Installationen ist dieser Effekt, der Clash von Popkultur und Krieg, besonders greifbar. Gemildert wird dieser Effekt aber durch Selbstironie, Humor und eine alle Arbeiten durchdringende Lässigkeit, die spürbar macht, daß Barminski sich selbst nicht allzu schrecklich ernst nimmt, sondern vor allem erst einmal Spaß an seiner Arbeit hat. Schön anzuschauen ist es allemal…

11:05 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

40×40

Die Sache mit den von der American Society of Magazine Editors ausgewählten 40 wichtigsten Magazin-Titeln der letzten 40 Jahre macht seit ein paar Tagen die Runde, klar, aber hier sind sie noch einmal in schöner großer Qualität…‎via Relicious

10:36 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Jean Nouvel

Nouvel hat als Architekt eine recht mainstreamige, aber dabei doch hochelegante Handschrift (wie zum Beispiel der wunderbare Umgang mit der Saint-Marie-de-Sarlat-Kirche zeigte oder das innen glutrote Opernhaus in Lyons), deren Umgang mit Glas und Stahl einen neoimperialistischen Hang zur Größe und Präsenz mit unwahrscheinlicher Leichtigkeit verbindet. Im Fahrwasser seiner Arbeit stehen so viele Architekten, daß es heute ein Leichtes ist, Nouvel als Konventionalist abzutun, wo er eigentlich Trendsetter war. Viele seiner Arbeiten, besonders im Inneren von Gebäuden, verraten seine Ausbildung als Bühnenbildner, den immantenten Drang zur Inszenierung, zum Mythischen, zur Schaffung von Erlebnissen. Ich finde Nouvels Arbeiten rückblickend zum Teil sicher langweilig und berechenbar, diffundiert auch, aber in den Details, der Suche nach neuen Technologien und Lösungskonzepten, ist er als nach wie vor als einer der frühen Postmodernismen (der Mann ist eben Franose) oft stilbildend für und zugleich inspiriert von anderen großen Architekten der 70er bis 90er (wer etwa die Galliers Lafayette in Berlin und den Reichstag von Foster mal kurz mental gegenüberstellen möchte… danke), gegenüber denen sich Jean Nouvel aus meiner Sicht aber nicht selten mit einer größeren kulturellen Neugier und mehr Respekt vor der Einbettung seiner Bauten auszeichnet. Lafayette scheint, Kathedralen aus Nichts bauen zu wollen, man merkt seinen Gebäuden fast an, wie frustriert sie sind, in realen Städten, mit realen Bausubstanzen manifestiert zu sein, anstatt ein richtiges gewichtsloses Leben als 3D-Rendering in in einem perfekten kontrollierten Umfeld haben zu dürfen.
Seine Site ist für einen namhaften Architekte bemerkenswert in der Mischung aus Strenge und Verspieltheit.

10:07 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Bret Easton Ellis: Lunar Park

Bret Easton Ellis habe ich auf etwas seltsame Art und Weise kennengelernt, nämlich mit einer Kurzgeschichte in einem trashigen Zombie-Paperback, in dem er einen auszug von Less than Zero unter Pseudonym veröffentlichte. Und tatsächlich ist Ellis’ Geschichte der postmodern gelangweilten Studenten eine der besten, treffendsten Zombie-Stories schlechthin und vor allem erscheint das ziellose übersexuelle Drug-Drifting der Jugendlichen durch den Rahmenwechsel wirklich wie eine Zombiegeschichte, was vice versa Less than zero zu einer Zombiegeschichte über eine ganze Generation definiert. Ellis gehörte bereits mit Less than Zero und The Rules of Attraction zu einer neuen Generation herausragender Amerikanischer Novellisten, der mit einer kalten, neutralen, beschreibenden, fast wortlosen Sprache eben diesen Zustand seiner Altersgenossen zu Papier brachte, die Verlorenheit, die Sinnlosigkeit und das Alleinsein, die Frustration und die ewige Suche nach dem nächsten Kick. Keiner beschrieb seinerzeit besser als er das nebeneinander von Dekadenz und Abgrund.

Und genau diese Thematik setze er in American Psycho fort. Es mag Leute geben, für die American Psycho in erster Linie ein Serienkiller-Buch ist, aber abgesehen davon, daß die stupide Aneinanderreihung von Pornographie, extremer Gewalt, Markennamen, dem stupiden Alltag von Bateman und einigen dazwischengestreuten Band-Reviews nun eigentlich jeden Slasher-Fan zu Tode langweilen sollten, ist doch relativ offensichtlich, daß die wahre Aussage des Buches auf einer Metaebene stattfindet, nicht einmal so sehr zwischen den Zeilen – wie noch bei Hemingway oder Carver – sondern ÜBER den Zeilen, ein ganzes Stockwerk höher sozusagen. Egal ob man Bateman tatsächlich als Killer zuläßt, wir im Grunde also einen modernisierten Werwolf-Roman vor uns haben, oder ob man der Theorie folgt (die Ellis in Lunar Park bestätigt), daß Bateman nur eskapistischen Gewaltphantasien nachhängt…die wahre Aussage des Buches liegt in der Oberflächlichkeit, dem Statusgeprotze und der sozialen Regelenge der 80er Jahre. Ellis nähert sich einem zutiefst hedonistischem Jahrzehnt der Kälte und der Mißgunst, der Drogenexzesse und der AIDS-Angst, der Eitelkeiten und der Angst, ohne jeden direkten Kommentar, ohne jedes eigene Urteil. Wie Amy Hempel und zahlreiche andere Autoren beschreibt er nur, die Exegese bleibt dem Leser überlassen, der in den Text hineininterpretieren mag, was er will. Während solche Ansätze bei anderen Autoren, wie etwa Ellis Mitstudentin Donna Tart oder inzwischen auch bei Ellis kraftloserem französischen Kontrapunkt, Houellebecq, schnell in grobmotorische transgressive Moraldramen à la Dostojewsky abrutschen, bleibt Ellis auf diesem dünnen Eis traumwandlerisch sicher. Die ihm oft vorgeworfenen Schwächen, keine dreidimensionalen Protagonisten zu entwickeln geschweige denn eine fortschreitende Handlung, greifen ins Leere. Die Tatsache, daß keiner seiner Charaktere das ZEUG zum Protagonisten hat und das Geschichte nicht mehr stattfindet, die Bücher also in der Posthistoire gefangen bleiben, sind bereits Teil der Metaaussage. Eben die Tatsache, daß im Grunde nichts mehr passiert, niemand sympathisch oder gar «menschlich» ist, macht American Psycho so wuchtig.

Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, daß es auch bei Lunar Park weniger um die Handlung im Erdgeschoß des Buches geht. Um hieran jeden Zweifel auszuräumen, greift Ellis zu einem vexierspielartigen Kunstgriff und baut sich selbst als fiktionales Ich des Buches ein, beginnt mit einem vernichtenden Rückblick auf seine bisherigen Werke und seine Drogenexzesse. Was sich hier liest wie ein fast absurd komisches Benjamin-Stuckrad-Barre-Deja-vu ist in Wirklichkeit größtenteils erfunden, schon beginnend mit den Auflagen seiner Bücher. Der Protagonist Ellis basiert nur vage auf dem Autor Ellis. Die Story an sich ist schnell erzählt: Ellis wohnt mit seiner Frau, einer berühmten Schauspielerin, und zwei Kindern (davon nur eins von ihm) in Suburbia, schlägt sich durch die Alltagsqualen des Vatertums und wird heimgesucht vom Geist seines Vaters und von einem Dämon, während sein Sohn einem Kult verschwindender Jugendlicher beitritt. So platt wie der Plot ist auch der stilistische Kunstgriff, daß Buch nach dem einleitenden pseudo-autobiographischem Kapitel stilistisch als Hommage an Stephen Kings Schreibstil zu verwirklichen. King hat zahllose junge Autoren unserer Generation (mit)geprägt, und nicht umsonst finden sich bei vielen modernen Grenzgängern Anspielungen auf Kings frühe Werke (bei Palahniuk beispielsweise deutlich in Lullaby, bei Carroll in den Kleinstadtszenarios usw.), niemals zuvor aber so deutlich wie hier. Lunar Park ist eine Melange aus mehreren King-Klassikern, Shining und Stark blitzen deutlich auf, Elemente aus Carrie, zahlreiche Motive aus den 70er-Jahre-Kurzgeschichten, am Ende deutlich sogar Cujo. Bis ins Detail imitiert Ellis Kings Stil, die kursiv gesetzte «innere Stimme», die langatmige Herstellung von «Alltag» in den dann das Unbekannte einbrechen kann, die Einbindung von Kindern als Unschuldssymbole und das «Monsterspielzeug» (der Terby). Anders gesagt: Es ist erbärmlich. King per se ist schon wirklich schrecklich, ein blasses Imitat unerträglich. Sich Seite um Seite durch einen anämischen Geisterplot blättern zu müssen wird auf der ersten narrativen Ebene wirklich nur durch den phantastischen Anfang und das atemlose monologische Ende wieder ausgeglichen. Die Verwandlung des Hundes und der Kampf gegen das Terby-Monster sind aber so bodenlos schlecht, daß man Kraft braucht, um an diesen Stellen nicht einfach aufzugeben. Es ist plot-getriebener als American Psycho oder Glamorama, eigentlich Ellis erster Versuch, eine «echte» Story zu erzählen, mit Spannungsbogen, Handlung, normalen Dialogen usw. In diesem Sinne ist es ihm passabel gelungen, etwas dezidiert untypisches abzuliefern. (Daß Ellis sich hierbei selbst perfekt selbst persifliert, etwa wenn der fiktionale Ellis an seinem nächsten Buch arbeitet, macht diesen Wunsch nach einem neuem Stil nur deutlicher.) Bliebe man also rein im ersten Stockwerk, ist es unterm Strich dennoch eins seiner schlechtesten Bücher.

Aber natürlich spielt sich auch hier das wahre Buch ein Stockwerk höher ab, schließlich schreibt Ellis mit all seinen Büchern lediglich eine Ausrede, um im Metatext die Auseinandersetzung mit seinem Leben und dem akuten Zeitgeist zu betreiben. Und hier, auf dieser Ebene, geht es nicht nur um das Vater-Sein (ein Motif, das im Buch mit dem Holzhammer kommuniziert wird), sondern um die Fortsetzung von Less than Zero und American Psycho mit anderen Mitteln, an anderer Lebensstelle. War Less ein Buch über das Studentensein und Psycho eines über das professionelle High Life in New York, so dreht sich Lunar Park um den Vorstadt-Alptraum, um das Haus, den SUV, die Kinder, die Privatschule, die Shopping Mall. Um die amerikanische Idylle. Der Horror ist nicht die Geistergeschichte, sondern der Alltag DAVOR. Und wie er in Psycho den amerikanischen Traum der Wallstreet zerlegt, demontiert Ellis hier die Fassade des Familienlebens. Dahinter kommen überforderte Kinder auf surreal überpsychologisierten Eliteschulen zum Vorschein, Kinder, die mit Psychopharmaka ruhiggestellt und mit Konsumartikeln überfüttert sind, und die sich zugleich nach einer Flucht aus dieser Scheinwelt sehnen, nach einem härteren, echteren Leben. Dahinter entdecken wir hilflose, überforderte Eltern mit Bindungsproblemen, die von ihren eigenen Ängsten und Trieben derart hin- und hergezerrt sind, daß sie handlungsunfähig scheinen, deren Leben das Ziel, das Zentrum abhanden gekommen ist. Für die bestenfalls die Kinder noch ein «Projekt» sind, weil ansonsten bereits alles getan, gedacht, erledigt wurde. Von ihnen selbst, von den Generationen vor ihnen. Ellis beschreibt eine Welt in Bernstein, in der die Langeweile, die bereits seine anderen Bücher prägt, sich nahtlos fortsetzt und vom Vater auf den Sohn überträgt. Wobei Robby, Ellis fiktionaler Sohn, diesem Teufelskreis nur dadurch entkommt, daß er aus der Welt verschwindet, selbst zum «Geist» wird. Dieses eskapistische Grundbild taucht immer wieder auf, von der ersten Mummenschanz-Party bis zum völligen Zusammenbruch der Welt des fiktionalen Ellis (dem der echte Autor nebenbei noch einen in das Buch eingebauten fiktionalen Autor zur Seite stellt, um die Verwirrung endgültig zu machen, so daß wir final drei BEEs haben, den fiktionalen Charakter, den fiktionalen Autoren und den realen Autoren). Irrlichternd, aber sicheren Fußes, bewegt sich Ellis in den Untiefen der Welt der Desperate Housewives, den Barbecues, den Schultreffen, dem sinnlosen Dozentenjob, der Schreibblockade, der Enge und der Frustration. Als die Dämonen und Geister dann das Leben des fiktionalen BEE aufmischen, ist es fast, als würde er selbst ausbrechen, als würden nur noch solche supernaturale Horrorwesen überhaupt eine Chance bieten, aus der suburbanen Falle auszubrechen. Ist bei King der Einbruch des Horrors in den Alltag eine Bedrohung, so wirkt er hier vielmehr befreiend. Der Einbruch des ID in die Normhaftigkeit des Superegos wirkt wie ein Katalysator, der nur den inneren, längst vollzogenen Zusammenbruch, nach außen sichtbar macht.

Auf der Metaebene ist es also am Ende ein Buch über Einsamkeit, die Unfähigkeit des modernen Menschen, wirklich zu kommunizieren, der man auch im Scheinidyll jenseits der Großstadt eben nicht entkommen kann, über die klassische Suche des Midlife-Crisis-Helden nach Liebe (woher auch immer), über die Erkenntnis, nicht besser zu sein als die eigenen Eltern, stehengeblieben, stagniert zu haben. BEE flechtet hier nicht umsonst am Ende ein langes, wehmütiges Band angesichts der cinematographisch wegwehenden Asche seines Vaters, rückwärts in die Zeit. Themore things change, the more they stay the same. Der Protagonist Ellis ist der gealterte Patrick Bateman, der ja seinerseits der gealterte Clay war (nicht ohne Grund tauchen Charaktere aus älteren Büchern auch gerne namentlich in den jeweils neueren auf, in diesem Buch tatsächlich ausdrücklich Bateman und Clay, die Ellis das Leben schwermachen, gerade so, wie würden diese Bücher dem realen Ellis in jedem Interview wieder unter die Nase gerieben werden). Der Nihilismus, der frühere Bücher noch fröhlich durchtränkte, ist hier für die Charaktere selbst schal geworden, der Drogenkonsum nicht mehr berauschend, nur noch be- und vernebelnd, die Orientierungs- und Hilflosigkeit von Ellis nur noch verstärkend. Was real ist und was Fiktion, kann der BEE in Lunar Park schon längst nicht mehr unterscheiden. Während Clay die Leere unter dem Glitz von LA nur ahnt, zu überdecken versucht, während Bateman noch dagegen blutig zu rebellieren versucht, hat sich der Ellis-Charakter in Lunar Park bereits melancholisch in sein Schicksal gefügt, hofft – wie jeder Vater – nur noch, daß sein Sohn es einmal besser haben wird. Lunar Park ist bei weitem nicht so morallos, kraftvoll und wütend wie andere Bücher von Ellis, die Trennung der Stockwerke nahezu hermetisch, man liest die Metageschichte fast der eigentlichen Plot-Story zum Trotz – es zeigt einen gereiften Autoren am Scheideweg der Unzufriedenheit mit seinen eigenen limitierten schriftstellerischen Mitteln, auf der Suche nach einer neuen Botschaft, der dennoch nahtlos an seinen Erstling anknüpft und die Zombies an den Pools von LA hier und heute durch die Zombies in den Gärten jeder nur denkbaren Vorstadt, jeder nur denkbaren Gated Community ersetzt. Am Ende geht es also immer noch um die hirntoten Monster in uns allen.

15. Oktober 2005 12:20 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

TERRY PRATCHETT: GOING POSTAL

Mit Terry Pratchett ist es so eine Sache. Ich mag weder die Filme noch die Hörbücher, nicht die Kalender, Comics, Spiele und die ganzen anderen Spin-Off-Artikel, die das Discworld-Phänomen umgeben. Und das, obwohl ich die Bücher liebe. Der Grund ist einfach, daß ich die ganzen Zwerge, Trolle, Werwölfe, Hexen, Zauberer, Golems und anderen Fabelwesen, die seine flache Welt bevölkern, nicht sehen will. Über sie zu lesen ist eine Sache, sie wahrhaftig zu sehen bedeutet aber, daß Pratchetts Bücher eindeutig zu Fantasy werden. Was sie für mich nicht sind. Ich kenne einige Leute, die Pratchett in eine Reihe mit Tolkien und anderen Fantasy-Autoren und Schöpfern künstlicher Weltensysteme stellen, aber für mich selbst ist er mehr neben Swift und Orwell, sicher auch neben Douglas Adams und den Pythons einzuordnen. Pratchett ist ein Satiriker, der das Fantasy-Setting nur mißbraucht, wie Orwell die Tierfabel, um ungestörter ein paar simple Wahrheiten sagen zu können, die ohne den Gazevorhang der Discworld deutlich zu moralinsauer wirken würden. Die Discworld an sich ist dafür im Laufe der Bücher, die Pratchett Jahr um Jahr wie eine Manufaktur produziert, ein ideales Setting geworden. Mit einer Vielzahl von etablierten Figuren und Situationen, einer ganzen Timeline von Geschehnissen und einem (wenn auch mitunter vagem) politischen Weltensystem kann Pratchett in jedem Buch alte Bekannte, wie Granny Weatherwax, Rincewind und die chaotischen Zauberer der Unseen University, Lord Vimes Polizei von Ankh Morpork, und viele mehr besuchen und ihre Geschichte weiterspinnen oder – wie in Monstrous Regiment oder in Going Postal – neue Figuren etablieren. Für einen Autor also ein ideales Tool, jedes nur denkbare Thema anzugehen. In Going Postal gibt Lord Vetinari, der gar nicht mal so tyrannische Tyrann der Großstadt Ankh Morpork, dem Trickbetrüger Moist von Lipwig, der kürzlich erst am Galgen erhängt wurde, den Job, die marode staatliche Post der Stadt aufzumöbeln. Unter der Aufsicht eines Golem macht sich Moist an den Job, gegen die übermächtigen Clacktower, mit denen Nachrichten über ein (Disc)world-Wide-Web in sekundenschnelle übertragbar sind, anzukämpfen.
Pratchett verknüpft hier zugleich geschickt die Kritik an der britischen Privatisierungswelle, während der die meisten einstigen Staatsbetriebe kaputtsaniert wurden, und dem Dotcom-Boom mit einer Beschreibung der Otaku-Webjunkie-Kultur und nicht zuletzt einer Verneigung vor Isaac Asimovs Robotergeschichten, die in der Golem-Kultur aufblitzen. Das alles eingebettet in eine mühelos liquide vorwärtsfließende Geschichte, die einen simplen aber nicht zu durchschaubaren Plot, britischen Humor und eine massive Liebe am Wortspiel verbindet, die – wie das literarische Fast Food, das sie als serial fiction nun einmal ist – nicht wirklich belastet, aber auch nicht beleidigt. Die ideale Relax-Lektüre. In diesem Sinne ist Pratchett, wie viele anderen Serienautoren – Elmore Leonard zum Beispiel –, wie ein netter Onkel, der einmal im Jahr vorbeischaut und mehr oder minder immer eine Variation per se schon bekannter Geschichten erzählt. Und das trotz ungezählter Besuche so voller Verve, das Pratchetts Bücher immer wieder zu den ersten gehören, die ich lesen muß, wenn sie ankommen…

13. Oktober 2005 19:47 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

CURT SWAN



Während mir Silver-Age-Comicartist Jack Kirby mit seiner Arbeit an den Fantastic Four stets als Großmeister des Surrealen, des Wagneresken im Gedächtnis ist, lag Curt Swans Stärke kontrapunktisch darin, der unwirklichen Welt von Superman eine Textur zu verleihen, die die suspension of disbelief überhaupt erst ermöglichte. Was umso erstaunlicher ist, als daß Swan den Großteil seiner Karriere nicht wie Kirby mit Storys und Figuren arbeitete, die – wie bei Marvel – menschliche Makel hatten oder eine individuelle Charakterentwicklung zuließen, da DCs Figuren meist eher stereotyp angelegt waren, gegenüber den diffizileren, gebrocheneren Marvel-Figuren. Swan, in diesem Sinne sicherlich ein Vorläufer von Neal Adams oder auch Jim Aparo, schuf nach dem Rock-Hudson-on-stereoids-Superman, den Al Plastino und Wayne Boring in den 50er und 60er Jahre etabliert hatten, einen schlankeren, detaillierteren Man of Steel, der gar nicht mehr so stählern oder besser gesagt hölzern wirkte. Der in den Zwanzigern geborene Swan produzierte in seiner Laufbahn wahrscheinlich abertausende von Seiten, zahllose Cover, Artwork für Legion of Superheros, Superboy, Superman, Action Comics, Flash undundund… zu viele, um sie zu zählen. Umso verblüffender, daß er nicht nur über Dekaden ein workaholic war in einem Genre, das Penciller oft recht schnell verzehrt, sondern sich dabei auch kontinuierlich als Künstler weiterentwickelt hat. Swan verkörpert, vielleicht mehr als jeder andere Zeichner, den amerikanischen Arbeitsethos, den ihm sein Arbeitgeber DC leider nicht lohnte: Nach dem Reboot von Superman in den 80ern fand Swan kaum noch Arbeit bei DC und starb, so sagt man, verarmt und frustriert. Was vor allem bleibt, ist eine der Hochphasen von Superman in den späten Sechzigern und Anfang der Siebziger, die Arbeit mit dem kongenialen Murphy Anderson als Inker und mit Denny O’Neil und Elliot S! Maggin als Autoren, der Übergang von einem gottgleichem Superman, der in immer ähnlichen, aber eskalierend surrealen What-if-Szenarios gefangen war, zu einem auf menschliches Maß reduziertem Charakter. Diese Phase, 1971 um Superman breaks loose, wegweisend war für die nur allzu kontinuierlichen Reboots von Superman seitdem, ist für mich Swans Apex, fast schwer zu sagen bei einem Zeichner, der durchweg außerordentliche Qualität produziert hat und dessen Klarheit meist eher unter seinen mitunter schlechten Inkern leidete als unter eigenen Mängeln. Aber hier wird Supermans stets pappmaché-artige Welt erstmals dreidimensionaler, texturierter, die Anzüge sind nicht mehr stur blau (wiewohl dieses Merkmal von Clark Kent allzubald bald wiederkommen sollte) und Swan hat die Möglichkeit, spürbar mehr Realität abzubilden. Immer noch das workhorse, der verlässliche Alleskönner, ist Swan hier spürbar befreit und beflügelt, und erst eine Dekade später, als Superman wieder braver und mainstreamiger wurde, läßt dieser Schwung spürbar nach. Die Mimik und Körpersprache von Swans Superman ist der damaligen Zeit weit voraus. Denkt man heute spontan an Lois Lane oder Jimmy Olsen, denkt man meist an Swans Entwürfe der Figuren, schließlich hat er rein qua Output diese Welt visuell definiert. Der Job des Comiczeichners als world builder, als Designer, der sich unter hohem Zeitdruck Städte, Kleidung, Raumschiffe, extraterrestre Wesen und den ein oder anderen Gott ausdenken muß, erfüllt Swan mit präziser naturalistischer Gelassenheit. Ob Zeitungsverkäufer oder Außerirdischer, Helicopter oder Raumschiff, die perfekte Mischung aus Detailliebe und Abstraktion macht es bei Swan möglich, daß ein Cowboy auf einem geflügeltem Pferd nie wirklich out of place in einer dem modernen New York nachempfundenen Stadt anmutet, ebenso wie er einem in einen rotblauen Strampelanzug gewandeten Muskelprotz Tiefe und Charakter verleihen konnte wie kein Zeichner zuvor. Der eine Welt geschaffen hat, die absolut real und dreidimensional wirkte, in der aber zugleich glaubhaft ein Wesen existierte, das seinen Dress in der Sonne reinigt.

Während bei Jack Kirby also nahezu jeder Charakter ein Gott war, wurden bei Swan die Götter zu Menschen.

12. Oktober 2005 08:23 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

SIXES LAST

Hier gibt es wunderbare QT-Videos von technoiden Pflanzen, Robotern und anderen seltsamen Kreaturen. Most beautiful.

7. Oktober 2005 19:29 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

French Connection

(weiterlesen …)

5. Oktober 2005 21:29 Uhr. Kategorie Arbeit, Design. Keine Antwort.

AIBO

AIBO is capable of six feelings – happiness, sadness, fear, dislike, surprise,and anger. Its unique personality is developed with a combination of these unique instincts and feelings.

AIBO’s always had a personality, but now each robotic pet will ship with one of four personality types. One of them, the “Independent thinker” (Sony reps referred to it jokingly as the “Smart-Aleck”), will, Sony says, cause it to lose patience if, for example, you say the same thing a few times. So “How are you” said four times could result in an “I heard you the first time,” response. Additional personalities include Independent instinctive, Dependent thinker and Dependent instinctive. These personality bents also mean that the dog will develop in a certain way, though Sony officials caution that it won’t stay that way forever and can adjust to different personalities.

3. Oktober 2005 23:24 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.


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