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SUCHTHILFE DIREKT

Wir arbeiten ja seit etwa einem halben Jahr gratis für die Suchthilfe.Direkt in Essen. Nach den ersten Flyern kommt nun die Homepage, quasi als offener Beta-Status. Konzept von mir und Stefanie, Umsetzung wie immer kongenial von Marian. Das Flash wird noch in den Details etwas optimiert, HTML ist bereits in Arbeit und ich würde gern in einem zweiten Schritt noch einmal komplett an die Texte heran, die aus Zeitgründen noch nicht von uns stammen – Textabstimmungen brauchen immer etwas mehr Zeit und die Site war brandeilig. Die Texte sollten vielleicht etwas «laienfreundlicher» sein und so konzipiert, daß man bei Begriffen wie Kiffen oder Koks auch eine zugeordnete Hilfeleistung finden kann. Aber das ist im Grunde leicht lösbar. Als nächstes kommt die Imagebroschüre, dann 2006, wenn das Budget da ist, klassische Imagemedien. Bisher ein superschöner Kontakt, eigentlich schade, daß man für solche pro bono jobs immer etwas zu wenig Zeit neben den eigentlichen Klienten hat. Ich finde es trotzdem wichtig, so bescheiden es sein mag, solche Sachen zu machen. Jede Firma, egal wie klein oder groß, sollte minimal 15% ihrer Energie auf ehrenamtliche soziale Arbeit konzentrieren. Oh… und reloaded die Site, der Hintergrund ist randomized. Das Textfeld ist per drag-and-drop zu verschieben.

31. August 2005 09:10 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

iPod-Handy

Hatte ich es nicht gesagt? Apple wird in den Handy-Bereich einsteigen müssen. Die Kooperation mit Motorola ist da nur der Anfang, denke ich. Hier

10:00 Uhr. Kategorie Technik. Eine Antwort.

WORK


Ich habe ewig lange nichts mehr aus der Arbeit gezeigt, was nicht heißt, daß es hier ruhiger zugeht, ganz im Gegenteil. Wir sind gerade im Endspurt des nächsten 850-Seiten-Kataloges von Kaupp, stricken an Abendprogrammen und CD-Medien fürs Bielefelder Theater, an der nächsten Wissen und Handeln vom ikf, an Einladungen für SchitzzJuniors Potterparty, an Imagemedien für Schmitz und Suchthilfe, an ganz frischen Kunden und und und… es geht gut rund. Aber viele Dinge laufen einfach so schnell durch, daß man sie nicht ins Blog stellt, oder sind noch nicht fertig, in verschiedenen Entwicklungsphasen. Ein Beispiel dafür, daß man vielleicht aber schon im Entwicklungszustand mal zeigen kann (und ich glaube, Tilmann Böttcher hat auch nichts dagegen), sind die Saisonplakate der Philharmoniker in Bielefeld. Nachdem wir da letzte Saison mit den Polaroid-Szenarien ja auf einen eher trashigen und bunten Ansatz gegangen sind, ist diese Saison, passend zum Heft, ganz bewußt etwas konservativ, was ich bei klassischer Musik auch immer wieder richtig finde. Ich finde es gut, hier im Wechsel mal etwas nach vorn zu gehen, um dann wieder zu zeigen, daß es auch ruhig geht. Es paßt auch zum aktuellen Zeitgeist und zu den Dingen, die mich visuell gerade selbst beschäftigen. Da kann ich mich dann zwar nicht so austoben und Bilder verbrennen, Fische auf Eis legen oder Masken basteln, aber als übergeordnete Idee mag ich dieses sinusförmige Schwingen von eher etwas provokanten und eher affirmativen Saisons… Insofern folgt 05/06 einem hochklassischen Aufbau, ruhiger sogar als in der ersten Saison, Typo ist nach der Tribute im Saisonheft hier die Garamond Premier Pro, für Plakate fand ich die Tribute (obwohl ich ein großer Fan von Frank Heine bin) etwas grobmotorisch und die Poster schließen sowieso gestalterisch nicht ans Saisonheft an, so what. Und… man wird ja alt. Ich fange an, Garamond und Helvetica zu lieben. Das Ganze ist also ein bisserl neoklassisch und da ist auch ein Schuß Saville/Joy Division (und damit eben unweigerlich wieder Tschichold), wobei ich den Bogenschlag eben auch gut finde, von Bruckner zu Ian Curtis ist es tatsächlich nur ein überraschend kleiner Sprung.

Besonders froh machen mich hier Julias Photos. Die meist mit einer alten Holga gemachten Bilder, ob s/w oder cross, haben eine sehr eigene Komposition, eine whimsicalness. Sie sind irgendwie kurios, fast beiläufig gemacht und folgen doch intuitiv einem sehr sauberen Aufbau, haben große Weißräume und fast ausnahmslos, unabhängig vom Motiv, eine sehnsüchtige Melancholie. Es sind einfach großartige Bilder und ich hoffe, Frau Kah produziert noch einige mehr, damit wir Plakate und Hefte damit füllen.

Die Plakate lassen sich über die Saison sowohl 4c als auch 2c produzieren (immer ans Kulturbudget denken) und obwohl mich etwas die Sorge plagt, daß ich so im letzten Drittel vielleicht bereue, einen derart ruhigen Aufbau gewählt zu haben, bei dem das Design unsichtbar in den Hintergrund tritt, bin ich gerade im Moment mit diesem Gegenpol zu den letztjährigen Trash-Typo-Plakaten ganz happy und auch mit der Möglichkeit, hier einfach ruhige Bilder sehr subtil Emotionen erzeugen zu lassen.

Mehr als der halbe Spaß an der Arbeit ist immer wieder das Arbeiten mit Geschäftsführer Tilmann Böttcher, der eventuelle Einwände stets solide und immer aufrichtig begründet, gemeinsame Ziele kommuniziert und schafft und tatsächlich insofern an einer konkreten Lösung arbeitet, der unglaublich in seinem emotionalen und intellektuellen Know-How klassischer Musik ist und mir Klassik-Laien trotzdem und vor allem vertraut und einfach jemand ist, der greifbar seine Sache entschlossen vorantreiben will. Der mit diesem recht kleinen (aber feinen) Orchester mehr bewegt als andere Geschäftsführer mit deutlich größeren Möglichkeiten. Mehr als diesen Willen, etwas zu tun und zu bewegen, kann man sich gar nicht wünschen! Bei jedem anderen Haus hätte ich vielleicht Angst haben müssen, daß die den reinen Aufbau betrachten und das Plakat altbacken oder konservativ finden (was es beides ja auch etwas ist, wenn da eben nicht die Photos wären), daß es pseudomodern wirken muß, daß Klassik sich anspruchslos und lockercremig wie ein Joghurt verkaufen muß. Bei Tilmann ist diese Sorge völlig unbegründet.

28. August 2005 01:04 Uhr. Kategorie Arbeit. 2 Antworten.

MODESTY BLAISE


Ich bin ein großer Fan von Serienstories. Daher auch meine Liebe zu Comics… kein anderes Medium kann die Geschichte einer Figur (wenn auch um den Preis mitunter bizarrer Effekte) über einen Zeitraum von 40 oder – im Falle von Superman – 70 Jahren erzählen. Auch im TV und als Film mag ich Geschichten, die – bei aller inhärenten Käsigkeit vieler Serien – ihren Figuren eine Weile lang folgen und ihnen eine Entwicklung erlauben. Solche Langzeitgeschichten sind oft vom Genre her Pulp, und gerade in der Literatur stehen die Serien-Bücher oft klar in der Tradition von Büchern aus den 20/30ern und den 50/60/70ern, beides Blütezeiten der Pulp-Fiction. Es ist nur ein kleiner Sprung von der Repairman-Jack-Serie zurück zu den Pulphelden von Lee Falk, zu James Bond (der in Buch wie in Film leider eher immer weit unter dem Potential des Konzeptes per se bleibt) und so weiter. Nahezu unfehlbare Wesen, ohne wirkliche Superkräfte, aber technisch und körperlich doch so hochgezüchtet, daß man schon bei Beginn des Buches weiß, daß ihnen niemals wirkliche Gefahr droht. Pulp ist insofern ein oft kitschiges Medium, bevölkert von üblen Bösewichten und strahlenden Helden, ein Nietzsche-Kosmos.

Eine Entdeckung in dieser Pulp-Welt ist Modesty Blaise, geschrieben von Peter O’Donnell. Die Protagonistin ist als Straßenkind aufgewachsen, hat ein internationales Verbrechernetzwerk mit ihrem Gefährten Willie Garvin, dieses nach Erreichen eines bestimmten Wohlstandes an ihre Untergebenen verteilt und sich mit Garvin in England zur Ruhe gesetzt. Und langweilt sich, sucht den Kick. Den bietet ihr der britische Geheimdienst und Sir Gerald Tarrant mit verschiedenen Missionen, die den normalen Agenten über den Kopf wachsen.

Einfache Ausgangssituation, die sehr an einen weiblichen James Bond denken läßt. Die auf O’Donnels erfolgreichem Zeitungsstrip basierende Buchreihe (mit inzwischen über einem Dutzend Stories) bietet aber mehr als eine Frau, die zugleich perfekte Golfspielerin und Über-Actionheldin ist. Keine Frage, Blaise ist perfekt und nicht umsonst hecheln ihr nahezu alle Männer der Serie mal mehr mal minder offen hinterher. Zugleich lebt sie ein komplexes Frauenbild vor, das chauvinistische Projektion (Sexobjekt und Heilige zugleich) und feministische Emanzipation seltsam miteinander vereint. Blaise bietet eine für ihr literarisch immer eher verkürzendes Genre seltsam vielschichtige, fast fraktale Figur. In schönster Pulp-Manier sind die Schurken wirklich finster, genialische Meisterplaner oder mongolische Ghengis-Khan-Epigonen, die Story ist international und schnellebig, aber O’Donnell überrascht mit seltsamen Dialogszenen, die fast Tarantino-artige Dimension besitzen, skurrilen Charakteren, liebevoll detaillierten Beschreibung von Szenerie und Kleidung, mit seltsamen kulturellen Einsprengseln, etwa wenn sich Blaise und Garvin über ihre Lieblingskomponisten oder moderne Kunst unterhalten. Nicht ganz auf Chandlers Niveau (der immerhin einen ganzen sozialen Kontext in seine Marlowe-Bücher einfließen ließ und O’Donnel schriftstellerisch weit überlegen war), aber für eine reine Comic-Strip-Heroine mitunter beeindruckend, gelingt es O’Donnell, Blaise mehrbödig zu machen, eindimensional und doch trugbildnerisch. Nicht umsonst sind andere Autoren, darunter Neil Gaiman (NY-Times-Bestseller Autor und ebenfalls Grenzgänger zwischen Roman und Comic), begeisterte Anhänger von Modesty Blaise.

((Das Seltsame ist übrigens, daß ich bei Büchern meist nie ein «Gesicht» sehe, die fiktionale Figur nie mit einem Schauspieler oder etwas ähnlichem assoziiere. Nicht einmal, wenn die Rolle stark von einem Actor geprägt ist… wie etwa Marlowe/Bogart/Mitchum. Bei Blaise aber sehe ich sehr eindeutig eine Schauspielerin vor mir, die in jeder Hinsicht die Idealbesetzung für Modesty ist: Angelina Jolie. Die nicht nur in genügend Filmen bewiesen hat, daß sie Action-affin ist, sondern auch in sensibleren Rollen überzeugt, die die Balance zwischen natural look und Abendkleid – und somit die Balance von Modesty – einfach gut verkörpert. Und die einfach auch irgendwie eben genau so aussieht, wie O’Donnell die Figur beschreibt. Nun ist die Film-Karriere der Blaise-Figur eher Bescheiden und die einzelnen Movies hören sich eher nach Franchise-Killern an, aber selbst in Zweiten, in denen weibliche Superhelden wie Modesty Blaise (oder ihre schwarze Nachgängerin Cleopatra Jones) eben nicht mehr die Ausnahme sind, ist an den Stories von Peter ODonnell genügend Fleisch, um sich einen soliden Film oder eine Serie à la James Bond auf der Basis von O’Donnells Heroine vorzustellen. Es ist allerdings wohl nicht wirklich anzunehmen, daß Jolie, auf dem Weg zur ernsthafteren Darstellerin und nach der Lara-Croft-Rolle, noch einmal interessiert wäre, sich als eine solche Frauen-Ikone zu vermarkten.))

27. August 2005 17:47 Uhr. Kategorie Buch. 2 Antworten.

PUPPET LOVERS




Puppen und ihre Besitzer sind eine Welt für sich, im Großen wie im Kleinen, wie diese Photos von Helena Dorfman über lebensgroße Puppen beweisen.
Die Site, auf der ihre Bilder präsentiert werden, Reportage, ist ohnehin absolut besuchenswert.

Auch via Attu.

09:07 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

IRAQ – THE UNSEEN WAR

Hier gibt es Bilder (leider nur eine kleine Auswahl) vom Irak-Krieg, die wenig vom Mythos der Surgical Strikes und des Clean War übrig lassen.

via Attu

08:39 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

LOVE IS IN THE AIR


via Henk Braam

25. August 2005 10:06 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

AMY HEMPEL: REASONS TO LIVE

Man merkt schnell, daß und auch warum Amy Hempel die meistgenannte Lieblingsautorin von Chuck Palahniuk ist (mal ganz abgesehen davon, daß TC Boyle auch keine Chance verstreichen läßt, ihr zu huldigen) – sein Stil wirkt wie eine auf Crystal Meth gepushte Version ihres Ansatzes. Hempel erinnert ihrerseits im besten Sinne an Hemingway, oder – greifbarer noch – an Raymond Carver. Ihre mikroskopischen Szenen beginnen in situ, verbinden auf kleinstem Raum unterschiedliche Zeit- und Perspektivebenen und sind so vielschichtig, fragmentarisch und nonlinear strukturiert, daß man schnell ahnt, daß die in Reasons to Live versammelte Kurzprosa aus einem von ihr gehaltenen Autorenworkshop entsprang. Jede Story ist ein Lehrstück über das Schreiben. Analog zu und doch anders als Carver interessiert sich Hempel für Abgründiges unter der Oberfläche des Alltäglichen, des Leben, Lieben und eben Sterbens. Krankheit, Tod und menschliche Unverwüstlichkeit sind zentrale Themen und es ist faszinierend, zu sehen, wie sie es schafft, inmitten zutiefst stiller und deprimierender Skizzen schlagartig wirklich witzig zu werden, wie etwa in Three Popes in a Bar. Die Stories sind Blitzlichter, so schnell vorbei, daß man sie hier und da erneut liest, um den tatsächlichen Inhalt zu dechiffieren,weil man hereingefallen ist auf ihre Erzählkunst auf der ersten Ebene, der reinen Plot-Ebene. Das abrupte Ende erst zwingt dich, doch in die Symbolik einzusteigen und unter Wasser nach den wahren 2/3 des Eisbergs zu forschen. Am Ende dauert es dann Monate, ein Set von Kurzgeschichten zu lesen, daß keinen Zentimeter dick ist. Es geht nur langsam. Das diese ja nicht ganz taufrischen schriftstellerischen Tricks nicht altbacken oder als reiner epigonaler Aufguß daherkommen, verdankt Hempel ihrer Fähigkeit, so lange an Sätzen zu meißeln, bis sie bare bones sind. Fleischlos, asketisch, mit einem straffen Bebop-Gefühl, Piano und Tenorsax. Minimale Riffs werden variiert, wiederholt, neu zusammengestellt. Harmlose Phrasen kriegen nach der zweiten, dritten Wiederholung einen neuen Kontext, Worte werden verzerrt, Juxtapositionen erzwungen – manche Dinge erinnern an Coltrane, andere an Steve Reich. Manchmal ist es im Kern fast verstörend, wieviele streng polierte und geschliffene Juwelen Hempel in so wenig Platz stemmen kann. Palahniuk sagt, ihre Stories seien wie ein Schokoladenkeks, nur eben ohne den störenden Keks… reine Schokolade. Jedes Detail, jedes Motif, jede Melodie arbeitet auf das gleiche Ziel hinaus, in so reduzierter, spartanischer Form, daß Carver dagegen wie ein Quasselonkel wirkt. In ihren Manierismen und Ticks nimmt sie die Mittel von Palahniuk vorweg, der aber im Gegensatz zu Hempel nicht den Abgrund im Alltag sucht, sondenr das Abgründige als alltäglich kommuniziert, Hempels leisen Stil aufpusht, mit Blut, Sex und Rock’n’Roll bereichert. Hempels Spaß an der Wort-Doppelbödigkeit, dem Nichtgesagten, der Pause, erinnert zudem stark an Samuel Beckett, die mitunter auftretende Identitätslosigkeit der Protagonisten etwas, das seltsame Gefühl von Geschichten jenseits von Raum und Zeit, die Ahnung, daß die Handlung stets auf einen größeren Metakontext verweist, dabei aber so vielschichtig und vage ist, daß die Lektüre in ihrer Exegese dazu zwingt, sich selbst in ihr Wiederzufinden… selbst dann, wenn die Geschichten klar verortet sind und fest hier und da im hier und heute stehen und dadurch quälender, herzzerreißender sind als Becketts intellektuell-abstrakten Experimenten. Fosse fällt einem noch ein als jemand, der eine gewissen Verwandtschaft zu Hempel hat. Als kleiner Vorgeschmack: The Harvest, eine ihrer bekanntesten Kurzgeschichten, ist online zu lesen.

09:37 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

Superman is an American

Zugegeben, ein bißchen Sorge macht man sich angesichts dieser beiden Reuters Meldungen:

A device that allows people to scale tall buildings in if not a single, then at least two bounds, has been developed for the U.S. military.

The PowerQuick personal lifting device can raise or lower a load of up to 145 kg (320 lb) at the rate of one meter (yard) per second, enabling special forces, rescue services or even construction workers to quickly ascend or escape buildings.

und

A U.S. Pentagon invention could make air combat resemble a battle scene from Star Wars, with a laser so small it can fit on a fighter jet, yet powerful enough to knock down an enemy missile in flight.

Dubbed the “HEL weapon” by its developers, a prototype capable of firing a mild one kilowatt (kW) beam has already been produced and there are plans to build a stronger 15-kW version by the end of the year.

HEL Weapon… wie in HELL Weapon? Ooookay….

08:12 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sign of the Times

Bowie, Prince und Madonna, jetzt kommen andere nach und stellen sich fröhlich pfeifend ans Grab der CD.
Zum Beispiel:
Das neue Album «Grundstück» von Einstürzende Neubauten wird es nicht im Handel geben, sondern ist nur für Subscriber ihrer Homepage erhältlich. Nur noch bis zum 10.August 2005 gibt es die Gelegenheit, sich als Mitglied (supporter) der Projekt-phase II von www.neubauten.org registrieren zu lassen.

Und von dieser Exklusiv-für-registrierte-User-CD-Sache bis hin zum einfachen Download ohne ohysikalischen Träger ists doch nur ein kleiner Schritt, gelle?

via Freibank

23. August 2005 08:25 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: MOM WITH KID 2


von Sabine

22. August 2005 07:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

KIM POERKSEN

Der Kommunikationsdesigner Kim Poerksen, mit verantwortlich für die (früher mal) recht geniale Joop-Site, und das Fox-Hotelprojekt in Kopenhagen, sagt in der aktuellen Galore 11 ein paar schöne Dinge:

Nur daß ich sie [die Industrie] nie als Feind betrachtet habe, sondern als Verbündete, deren Bewusstsein sensibilisiert werden muss. … Und plötzlich befruchten sich sonst verfeindete Branchen und Genres in einer ungewohnten Weise und treten in einen echten Dialog. …

Die [VW] haben relativ schnell … eingesehen, daß dabei die Marke ganz bewußt in den Hintergrund treten muss, um letztlich effektiver zu kommunizieren.

[Der VW Fox war als Kleinwagen]… vom Ansatz her erst mal ätzend. Aber auf einmal hast du dann eine erste Idee, und dann spinnt man los. Man kann, denke ich, im Prinzip aus jeder noch so unaufregenden Aufgabe etwas besonderes ziehen. Man muß nur danach suchen und das dann durchsetzen wollen. Es geht nur um Intensität.
Abgesehen von den Mäzentum-tatt-Sponsoring-Sachen, die ich voll unterschreibe… gerade letzteres Zitat resoniert sehr bei mir, zumal ich eine ähnliche Attitude auch bei Bill Cahan wiederfinde, den ich als Großmeister betrachtem, wenn es darum geht, eine zunächst staubig wirkende Materie redaktionell so aufzuladen, daß sie bahnbrechend wird. Es gibt keine langweiligen Jobs. Jeder Kunde, jedes Metier, jede Branche hat etwas, aus dem man etwas besonderes machen kann. Man muß es nur suchen… und man muß vor allem eben einen Klienten haben, der dann den Mut hat, gegen die Regeln seiner Konkurrenz anzuspielen, mehr Geld auszugeben, mutiger zu sein, wahrscheinlich bei einigen Kunden auch anzuecken und der keine Angst hat, sich auch mal mit einem Fehler vielleicht zu blamieren. Der, kurzum, statt Sicherheit Erfolg sucht. Wovon es einzig und allein abhängt, ist also, ob der Kunde wirklich Erfolg im klassischen kapitalistischen Sinne des Venture (und somit des Adventure, des Abenteuers) will, wirklich selbst ein Entdecker, ein Reisender, ein Innovator ist, oder nur ein Manager, ein Verwalter, ein Bewahrer, ein Controller. Insofern ist weniger der Job an sich, das Metier, wichtigf, sondern die Frage. Ist dein Klient ein Jäger oder ein Sammler. Ist da jemand, der sich mit dem Status Quo langweilt und ein bißchen Action braucht. Der unter hohem Einsatz und mit solider Risikobereitschaft persönliche Erfolgziele hat, hungrig ist. Auch eine gewisse Lust am Aufmischen hat, sich einfach freut, wenn er der – zumeist größeren – Konkurrenz eine Nasenspitze voraus zu sein beginnt, weil er quecksilbriger, flexibler agiert, mehr arbeitet, witziger und aggressiver zugleich ist. Wenn das alles da ist, und wenn dann alle hart arbeiten und die Sache gut zusammenläuft, gibt es keine langweiligen Jobs mehr. Es gibt eben nur manchmal das, was Poerksen mit Blick auf Greenpeace – unabhängig von einzelnen Menschen persönlich, auch in einem Umfeld von wirklichtotal netten Menschenkommst du manchmal einfach insgesamt nicht voran – ein «Korsett an Charta», ein institutionell bedingtes ängstliches Beharren auf dem Etablierten, nennt. Ein Korsett, das zwar nicht wirklich funktioniert, nichts mehr zusammenhält, aber sicherer und einfacherer scheint sportiv zu werden und loszujoggen. Hat man aber einen Kunden, der losrennt, kann auch eine Kampagne für Waffeleisen oder Toaster plötzlich spannend werden.

Das ist die eine Sache, die ich meinen Studenten immer in den Kopf zu schlagen versuche: egal wie langweilig eine Aufgabe wirkt, gehe hin und suche das Goldnugget. Es ist immer, absolut immer da. Es geht nur um Intensität, um den ganz persönlichen Kick, eine seltsame Idee zu haben.

Nebenbei: Gutes Interview in einer guten Zeitung, die zweckdienlich und schlicht gestaltet ist, (wenn auch die Brotschrift etwas leseunfreundlich-modisch ist), die zum Preis von 2,90 € solide Photos und Texte bietet, eine schöne Zusammenstellung von Interviewpartnern hat (wobei ich es spannend fände, wenn diese thematisch gebündelt wären) und der ich zunächst mal so gar keine Überlebenschance gab, die sich aber zu behaupten scheint. Toitoitoi.

21. August 2005 08:36 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: MOM WITH KID

20. August 2005 06:57 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: BIKE

19. August 2005 00:15 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SHAPESHIFTER

Shapeshifter von Anova ist ein schönes Interactives System aus Kamera und Display… Jesper Bentzen lässt so im Hightech-Verfahren alte Kinderbuch-Tricks aufleben, in denen man aus drei verschiedenen Figuren eine zusammenbauen konnte. Ein echter Time-Slicer.

via we make money, not art

00:05 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: PEGGED

18. August 2005 07:19 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: CARINA

17. August 2005 04:42 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Apropos SIN CITY…

Rats.

16. August 2005 22:12 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

BAD PHOTOS: CHAIR

15. August 2005 07:21 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

DOGLAND

00:55 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Charly Und Die Schokoladenfabrik

Man merkt Tim Burtons Filmen immer wieder an, daß er sich standhaft weigert, erwachsen zu werden. Filme wie Big Fish oder Ed Wood, wiewohl oberflächlich erwachsener, sind Loblieder auf das Kind im Manne, auf die unerstickbare Phantasie, mit der man albern wirkt, mit der man der Umwelt auf den Geist geht oder verlacht wird… die aber im Endeffekt bei Burton immer wahre innere Größe und Schönheit begründet. Wenn Burton über die beiden Eds (Wood und Bloom) erzählt, so berichtet er eigentlich aus der Befindlichkeit seiner eigenen Welt. Tim Burton ist dabei einer der wenigen Regisseure in Hollywood, die als Künstler fungieren, kein Zweifel. Ob Kinder- oder Erwachsenenfilm, Zeichentrick oder Realfilm, spekulativ oder eher realitätsnah, durch sein gesamtes Werk, begonnen mit Pee-wee’s Big Adventure, zieht sich ein roter Faden, narrativ wie visuell. Während die meisten anderen Regisseure eher dienstleisterisch an einen Stoff herangehen und einen Studiofilm machen, gelingt es Burton die verschiedensten Jobs so zu formen, daß sie seiner Vision gerecht werden. In den engen Parametern seiner Suche nach dem perfekten Film arbeitet Burton überraschend oft mit den gleichen Partnern vor und hinter der Kamera und generiert so – bewußt oder unbewußt – eine Serie, eine Perlenkette von Filmen, die mehr und mehr wie die Bilder in einer Schaffensphase eines Künstlers zu einem gesamten Werk verschmelzen. Das ist weniger Selbstzitat, auch nicht bloße/blasse Kopie älterer Werke, sondern spürbar eine sich zart vorwärts tastende Suche nach dem perfekten Burton-Film. Dabei werden mit den Jahren seine Einflüsse, seine Faszinationen und seine Vorlieben immer besser greifbar, immer ehrlicher. Nach dem reiferen Big Fish kehrt er scheinbar zu seinen Anfängen zurück, eben zu Pee-wee, und macht einen Kinderfilm mit Charly und die Schokoladenfabrik. Bereits Crew und Casting der Roald-Dahl-Verfilmung machen aber klar, daß dies kein Burtonscher Kompromiß-Film sein wird, wie etwa Planet of the Apes – Depp, Burtons Ehefrau Bonham-Carter, die hier absolut wunderbar ungewohnt nett wirkt, und natürlich der unverzichtbare Danny Elfmann, der Burton seit über 20 Jahren begleitet, bilden das Herz des Films. Daß Depp und Bonham-Carter auch The Corpse Bride als Voice Actors dabei waren, ist kein Zufall, sondern System der Burton-Fabrik. Auch der Oompa-Loopa-Mann Deep Roy ist bereits seit Planet of the Apes ein festes Mitglied von Burtons Crew, Christopher Lee seit Sleepy Hollow und so weiter.


Bei der Geschichte des armen Jungen, der im Schatten einer titanischen Schokoladenfabrik wohnt und mit vier anderen Kindern in Willy Wonkas Fabrik eingeladen wird, bleibt Burton nah an Roald Dahls Original, das er nur um die Backgroundgeschichte von Willy Wonka und seinem Vater ergänzt. Drehbuchautor John August ironisiert hier fast seine eigene Vater/Sohn-Geschichte aus Big Fish, und verleiht der an sich doch recht eindimensionalen Geschichte Dahls etwas mehr Konsistenz. Wobei Burton visuell aus der einfachen Geschichte ohnehin alles herausholt, was man herausholen kann. Hier vermengen sich – von der ersten Sekunde an – Burton-typische Elemente wie die irren Maschinen aus Big Adventure mit den Bauten für Batman, der riesigen Gummiente des Penguins aus Batman Returns, Einstellungen aus Edward Scissorhands und und und … mit Filmzitaten von 2001 (brillianter Lacher) und Metropolis über Esther Williams, Monthy Pythons, deutschem 20er-Jahre-Film, Björk-Videos (Human Nature) und zahllosen anderen Quellen zu einer Melange, die fast schon zuviel des guten ist… wie man das halt bei Schokolade und Süßigkeiten immer so hat. Selbst die Besetzung des Charly mit Freddie Highmore, die Inspiration für Peter Pan in Finding Neverland, wird so zum Filmzitat. Die Bauten, die digital duplizierten Oompa-Loompas, die surrealen Kostüme, die zumeist ausgezeichneten CGIs… jede Einstellung bietet einen Wow-Effekt. Die Special-Effects-Liste im Abspann ist nicht ohne Grund surreal lang. Wenn man den Burton von Scissorhands mag, den grellen Surrealisten, den energetischen bunten Bildermaler, nicht zuletzt den romantischen Comedian, ist man hier bestens bedient. In vielerlei Hinsicht kehrt Burton hier gereifter zu Themen von Scissorhands zurück. Nicht nur optisch erinnert insofern Christopher Lee an Vincent Price als The Inventor in dem Scherenhände-Film. In mancher Hinsicht ist dieser Film gegenüber Big Fish also eine Rückkehr zu «Burton Classic», nachdem Big Fish zeigte, daß auch die Fusion einer erwachseneren Erzählstruktur mit Burtons wilder Phantasie erfolgreich funktionieren kann – aber das hier ist natürlich tatsächlich ein Kinderfilm, der narrativen Strukturen wie sie in Fish verwendet werden, einfach nicht erlaubt. Das Maß, in dem die Linearität hier gebrochen wird, ist sicher schon das in diesem Kontext maximal machbare. Burton dreht die Not zur Tugend und setzt anstelle von inhaltlicher Tiefe auf visuelle Wucht – auf Film-as-Trip.


Und tatsächlich ist nahezu jede Szene ein Drogenerlebnis. Die Eichhörnchen, das Schlaraffenland, die völlig Kubricksche Szene in dem Teleportationsraum (bei der ich peinlicherweise im Kino schon anfing zu lachen, als das erstemal die Affen auf dem TV-Bildschirm erscheinen). Die wunderbaren Aufnahmen der bösen Kinder, die mit der geglätteten Haut, den grellen Farben, der Kleidung und den steifen Posen mit ihren Eltern wie wunderbar moderne Photographien wirken. Die genialen, opulenten, riesigen Sets, wie man sie in Zeiten von CGI immer seltener sieht. Jedes Detail, jede Einstellung ist so überreich an Eindrücken, daß man den Film nicht nur unbedingt im Kino sehen sollte (muß), sondern idealerweise auch gleich mehrfach. Es passiert so viel gleichzeitig an so vielen Stellen, daß man es beim ersten Sehen kaum erfassen kann. Neben burton ist nur noch sein geistiger Bruder Jean-Pierre Jeunet in der Lage, solche dichten Texturen in einen Film zu weben.


Während die meisten solcher Effekt-Filme aber eben reinen Overkill-Manierismus bieten, fängt Burton in seiner Orgie der Bilder und Zitate tatsächlich mehr ein als nur bloße Oberfläche. Wer will, darf Tangenten und Ideen finden, die sich unaufdringlich, fast beiläufig anbieten. Wenn Willy Wonka, der grünlich-blaßhäutig, dürre, mit Make-Up und digitalem Weichzeichner zum androgynen Twen mutierte Johnny Depp , die schwarze Sonnenbrille aufsetzt, umgeben von Kindern… wer denkt da nicht an Michael Jackson, bei der surreal wilden Welt der Schoko-Fabrik an Neverland? Die vollautomatisiert laufende Fabrik, in der keine Menschen arbeiten, weil Wonka Angst vor Spionen hat, während die ehemaligen Angestellten in Armut leben – werden da nicht, wenn auch platt, Thematiken der Rationalisierung aufgearbeitet? Und so zieht sich das durch – der Film liefert genügend lineares buntes Treiben, um als Kinderfilm bestens zu funktionieren und mehr als genug Zitate, Anspielungen, Boshaftigkeiten, Ambivalenzen, um für Erwachsene ein Fest zu sein. Seit der Musik von Múm habe ich einen solchen eleganten Brückenschlag nicht mehr erlebt. Das ist nicht zuletzt Depp zu verdanken, optisch zwischen Steven Tyler und Audrey Hepburn verortet, dessen surreales divaesques Minenspiel (das teilweise wie rückwärts gefilmt wirkt und vom digital nachbearbeiteten Gesicht zusätzlich unterstrichen wird) der Figur des Willy Wonka eine seltsame Multivalenz gibt, die sie bis zum (vorhersehbaren) Happy End des Films fremd und unverständlich, amoralisch entrückt, macht. Gegenüber den anderen, kunstvoll zum Klischee verkürzten Figuren, entsteht hier eine grandios schalkhafte Tiefe, die lange Zeit völlig offenläßt, was es mit dem Crazy Chocolatier nun auf sich hat.

Natürlich ist der Film zunächst und vor allem ein visuelles Erlebnis, die konsequente Entfaltung des Kinos als Bombastmedium. Und das ist – zumal in den Händen von Tim Burton – nichts schlechtes, sondern die konsequente Einlösung des Versprechens des postrealen Kinos. Hier verschmilzt wie sonst selten die irrlichternde Phantasie eines Künstlers mit dem Potential des computergenerierten Bildes. Wo andere CGI-lastige Filme bleiern und steril-langweilig wirken, weil selbst die perfektesten Bilder nur die begrenzte Phantasie von Autoren und Regisseuren widerspiegeln und lediglich multiplizieren, entfaltet das Duo Dahl und Burton mit den Chancen der neuen Technologien ein wunderbares, quirliges Pop-Musical, einen überwältigen nervösen Mix aus kulturellen Fragmenten, mentalen Sprüngen, visueller Leidenschaft. Es ist der Triumph des Bildes und der reinen Phantasiekraft über die «Geschichte» und das rationale, lineare Verstehen. Was bei anderen Filmen als Kritik zu deuten ist – post-narrativ, post-historistisch, postmodern und so weiter –, ist hier reinstes Lob, denn die schiere Irrwitzigkeit jeder einzelnen Szene wird Dahls abstrusen Einfällen ausnahmslos gerecht und macht dies zu einem der wahrsten und wahrhaft entfesselten Kinderfilme, ohne Moral, ohne Über-Ich, ohne Pädagogik: anarchisch, böse, niedlich, schrill, poppig. Candy eben. Seien wir also dankbar, daß Tim Burton sich weigert, erwachsen zu werden.

14. August 2005 12:55 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

CHRISTOPHER WALKEN FOR PRESIDENT


Das hier ist wahrscheinlich ein Web-Gag, aber Walken als President.. das wäre ziemlich Badass. PS: Es ist wahrscheinlich ein Fake.

via C-Blog

13. August 2005 12:27 Uhr. Kategorie Stuff. 3 Antworten.

SIN CITY

Ob es an der Übermüdung liegt oder den zu hohen Erwartungen: absolut überzeugt hat mich Sin City als Film nicht. Und zwar tatsächlich wegen des Dick-Tracy-Problems. Rodriguez und Miller versuchen so nahe am Comic zu bleiben, daß es mitunter in der Hyperstilisierung nah am lachhaften ist. Bei Marv hätte Mickey O’Rourkes eigene, real ja auch durch zahlreiche OPs und Prügeleien ganz ansehnlich mutilierte Visage eigentlich auch getan, all das Silikon an Kinn und Nase wirkte eher unfreiwillig komisch. Das Farblose, wie Plakafarbe wirkende Blut, der überzogene Pathos… der Film strengt sich einfach zu sehr an. Die zahlreichen digitalen Effekte und Hintergründe sind dabei mal durchaus hoch beeindruckend (wie etwa direkt am Start des Films beim Zoom über die Stadt oder in den Regen- und Schnee-Szenen, mal eher billig (wie nahezu jeder Mix aus Schwarzweiß und Farbe, ein Effekt, der mich immer an den Chic billiger 80er-Jahre-Musikvideos erinnert). Man ist am Ende des Films, in der Aufzugsequenz, fast erschrocken, wenn einfach einmal etwas in der Realität gedreht ist, weil man sich im Laufe dieses Trips in die digitale Welt an die verzerrten unnatürlichen Perspektiven und Texturen einfach bereits gewöhnt hat.

Ich frage mich zudem ernsthaft, wieviel Leute, die den Film sehen ohne die drei Sin-City-Comicserien zu kennen, auf denen er basiert, von dem Inhalt haben. Die komplex verschachtelte Zeitstruktur etwa, in denen bereits tote Charaktere wieder auftauchen, die winzigen, aber nicht unwichtigen Details , die reine Flut an Charakteren und komplexen Zusammenhängen. Einer der drei Protagonisten – Dwight – etwa hat eine ganze Vorgeschichte, erzählt im Comic A Dame to kill for, die im Film ausgespart bleibt, aber angerissen wird. Für Fans grandios, aber für den casual watcher stelle ich mir das ein wenig verwirrend vor. Miller bombardiert uns mit zehn oder zwanzig zentralen Figuren und Zusammenhängen, die sich in Printform langsam und genußvoll entfalten… aber im Film habe ich Angst, daß sich die Zusammenhänge zwischen den Roarke-Brüdern nicht entfalten, daß man Manutes Background und Motivation nicht versteht, nicht weiß, von wem The Man beauftragt ist… daß vieles einfach eben vorbeirauscht.


Das wird nicht besser durch die Tatsache, daß eines der Markenzeichen von Millers Sin City – die das Krimi-Pulp-Genre der 40er bis 60er persiflierenden massiven inneren tough-guy-Monologe à la Hammett und Chandler – im Comic einen grandiosen Kontrapunkt zu Millers epischen Bildern schaffen, filmisch aber etwas langatmig wirken. Im Film sind solche Monologe selten gesäht, dienen der Exposition oder dem spärlichen Einblick in Zusammenhänge, die die Regie anders nicht erklären kann. Hier, zumal in einem Actionfilm (und nicht in einer Irving-Verfilmung) wirken sie, vor allem in Marvs Kapitel, eher ermüdend. Sie rauschen irgendwann auch einfach an einem vorbei. Ein Film erklärt sich in Handlung, Dialogen, Bildern. Nicht in seitenlangem Text. Dazu kommt vernichtend hinzu, daß der Text sehr unter der Übersetzung leidet. Die bemüht sich zwar redlich, kriegt aber den taffen Ton von Millers Figuren nicht in den Griff. Im Comic wirkt es nie wirklich irritierend, daß ein wirklich nicht gerade als Denker erscheinender einfacher Vierschröter wie Marv die ganze Zeit grübelt. Im Film nervts. Wie es besser geht merkt man immer dann, wenn der Film dialoggetriebener wird und die Sachen einfach besser zusammenpassen.


Die im Deutschen etwas fußlahm uncoole und vor allem arg ironiefreie Übersetzung, die arg pseudo-taffen Männerstimmen… der Eindruck von Monotonie, der sich hier ergibt, wird unterstrichen durch die Tatsache, daß Sin City als Comic immer wieder im Kern eine gleiche Geschichte erzählt. Strukturell finden in den Comics immer wieder ähnliche noir-genregerechte, wenn auch absolut überzeichnete Handlungen statt, deren Pattern so fest bestimmt sind wie der Verlauf eines Spaghetti-Western. Bei Comics, die Miller mal alle ein oder zwei Jahre veröffentlicht, ist das wie der Besuch einer netten alten Tante. Man weiß schon ziemlich genau, was gesagt und passieren wird, aber man hat sich lange nicht gesehen und dann ist es irgendwie ja trotzdem nett und vertraut und familiär. Wenn im Film nun aber drei längere Stories und zwei Shorts miteinander verwoben sind, kommt halt nicht eine Tante zu Besuch, sondern fünf. Und das knirscht mitunter schon gewaltig. Die Geschichte von Marv und die von Hartigan verlaufen fast spiegelbildlich und diese Ähnlichkeit ist binnen einer Filmgestalt von zwei Stunden Länge schon spürbar.



Auf der anderen Seite ist dies die Kritik unter dem Aspekt, daß man Sin City wie einen normalen Film sieht. Aber es ist natürlich kein Film, sondern die nahezu rein digitale 1:1-Umsetzung der surrealen und überzeichneten Welt, die in Millers Comics regiert. Und als solche ist sie nahezu makellos. Das Casting ist nicht nur hochkarätig, sondern auch absolut treffsicher, jede noch so kleine Rolle ideal besetzt. Die Bauten, ob real oder digital, schaffen das unmögliche, ein rein schwarz-weißes Comic, das nur von Kontrasten und nahezu expressionistischer Formensprache zu leben, wie ein Gemälde auf die Leinwand zu übertragen. Das Gefühl, das man als Leser hat, wenn die Bilder aus dem Comic nahezu unverändert auftauchen, ist schon ein Hammer. Die Ästhetik einer Welt, in der alles überzeichnet, alles verzerrt, alles ein Trip ist, kriegt das Regieduo, den Comic wie einem Storyboard folgend, mit der Präzision einer Maschine hin. Unter diesem Aspekt legt der Film Maßstäbe, beweist ein für allemal, daß sich ein Comic eben tatsächlich originalgetreu abbilden läßt, verlustfrei. Wer den Film mag, wird die Comics lieben, wer die Comics mag, wird auch den Film mögen. Hier herrscht völlige mediale Kongruenz. Bis hin zu den Ohrringen der Prostituierten von Oldtown, bis hin zu den Fliesen im Bad, jedes Detail ist Miller pur.


Was auch nicht ganz kritikfrei stehen soll. Man hat das Gefühl, als besuche man ein perfektes Livekonzert einer Band, die technisch so perfekt ist, daß sie ihre Songs nahezu unverändert, in makelloser Studioqualität auf die Bühne bringt. Jede Geste, jeder Beat sitzt da, wo man ihn erwartet. Keine Überraschungen. Der WOW-Effekt kommt aus der Perfektion, aber nicht aus der Spontaneität, der Lebendigkeit. Miller fügt seinem eigenen Werk hier nichts hinzu, der Film hat einen musealen Charakter. Er beweist, daß die mediale Transplantation erfolgreich sein kann, aber zugleich verweigert er sich dem Medium Film als solches. Was also an Cinematographie und Kinetik bereits im Comic ist (und da ist reichlich), wird übernommen, aber ansonsten wird wenig hinzugefügt. Die Lust am statischen Bild, am gefrorenen Panel, ist oft greifbar. Das ist nicht unproblematisch, denn Scott McCloud hat natürlich recht, wenn er sagt, daß die Handlung im Comic zwischen den Panels stattfindet. Das ist medial etwa so wichtig wie die Tatsache, daß man in Sitcoms auf dem Höhepunkt einer peinlichen Situation einfach einen Cut machen kann, die Protagonisten also nicht stammeln und erklären… das wäre nämlich not funny. Im Film aber gibt es keine Panelborders, er ist ein zeitlicher, erzählerischer Strom nach vorne. Hier funktioniert die Übersetzung dann eben doch nicht, weil die narrative Struktur beider Medien so grundverschieden ist.


Unterm Strich ist Sin City ein Film, der wahrhaft anders ist. Vielleicht einzigartig. Eine grandiose Persiflage, ein zutiefst brutaler, zutiefst humorvoller Film, mit einer genuinen Liebe zu seinen schillernden Figuren und ihrer Stadt. Morbide und doch schief grinsend, schwarzweiß und doch grellbunt, ein Film der sich so grundlegend von allen anderen unterscheidet, daß er nahezu ungreifbar ist, daß man nach einer Weile in seiner seltsamen unwirklichen Optik versinkt und fast schockiert ist, wenn der Film (nach einer schönen erzählerischen Doppelklammer) beendet ist. Es ist ein Film, den man sich bedenkenlos mehrfach ansehen kann und immer mehr Details finden wird, weil er nahezu vollgestopft damit. Dazu Millers wilde Charaktere, die zur Auseinandersetzung geradezu einladen, weil sie voll ins Klischee steuern und dann immer ganz knapp vorbei, die phantastischen Kleinigkeiten im Setdesign und in den Kostümen, wie etwa Mihos Swastika-Shuriken, die Fetisch-Elemente, die halluzinatorische futuristische Retrowelt, die hier glaubhaft aus den Seiten eine Pulp-Comics entsteigt. De reine Dichte, die reine Wucht und Kraft dieses Films verlangt nahezu ein mehrfaches Ansehen und das ist selten genug heutzutage. Sin City ist ohne Ende ein Liebeswerk von Rodriguez, Miller und Tarantino… und das merkt man jeder Sekunde an. Er ist eine harte, brutale Orgie, die sich gegen alle herkömmlichen Sex&Gewalt-Kritiken sperrt, er ist eine Klasse für sich. Ob man Sin City als Simultanübersetzung eines Comics betrachtet oder als Film per se, bei allen Fehlern und allen Irritationen ist der Film auf eine seltsame Art makellos und so neu und eigenständig wie lange kein Film mehr ist, eine kompromißfreie, anarchistische Vision. Und das allein zählt vielleicht.

08:36 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

NIKE ID

Von Id zu Ego. Nike bietet mit Nike ID online individualisierbare Artikel an, vom Schuh bis zur Uhr. Nahezu alle Design lassen sich umfangreich – bei den Schuhen bis hin zur Farbe der Schnürsenkel und der Sohle – konfigurieren und via Eingabe eines Textes auch individualisieren. Interessant hieran ist, daß wir uns einen Schritt weiter an die Zielgruppe von EINS herannähern, also eine Rückkehr von der anonymisierten «Zielgruppe» hin zum Individuum. In einer phantastischen Umkehr legt der Produzent so Produktentscheidungen in die Hände des Kunden und gibt selbst nur noch flexible Megatrends vor, während die Kunden Farben und Details selbst festlegen. So wird der Kunde – online ist ja alles nachvollziehbar – selbst zum Determinanten zukünftiger Trends (welche Farben werden am häufigsten gewählt?) und zugleich in dem Gefühl belassen, er selbst «gestalte» seinen eigenen Sportschuh, seine Tasche, seinen Look. Das er hierbei nur – wie in einem PC-Spiel – Multiple-Choice-Entscheidung aus vorgefertigten Pattern treffen kann, ist dabei für die Wahrnehmung des Kunden, der sich längst an diese (und viel tiefgreifendere) Einschränkungen gewöhnt hat, zunächst egal. Vom Car Configurator zum Shoe Configurator.. die Idee der Re-Individualisierbarkeit der Massenfertigung wird Alltag. Erinnert mich ein wenig an die Wahl im September – die Entscheidungsfähigkeit in per se unwichtigen Details (Merkel/Schröder) lenkt geschickt davon ab, daß man auf die großen Dinge (System/Inhalte) kaum Einflußnahme hat. Interessant ist auch der konditionale Aspekt des Ganzen. Wir gewöhnen uns daran, daß Individualität aus dem Patchwork präfabrizierter Modularangebote entsteht. Am Fertighaus bestimmen wir die Dachfarbe, am Fertigauto die Felgen, am Fertigschuh den Schnürsenkel und so emergiert dann die (nur virtuelle) Abgrenzung des Ego von den anderen Alter, die eigentlich genau das gleiche tun. Wir gewöhnen uns daran, daß ein ICH aus solchen Modulbausteinen gebaut werden kann und soll. Das Ich wird so zur zusammengekauften Quersumme vorgefertigter Pattern, wir bauen uns unsere soziale Identität im Grunde recht ähnlich, wie wir einen Charakter bei einem Online-Spiel zusammenpatchworken. Da ist es nur so ein kleiner sozialer Schritt, auch den Nachwuchs genetisch online aus Bausteinelementen zu determinieren, oder?

12. August 2005 07:45 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PERSONAL PORTABLE PEDESTRIAN

Mizuko Ito, die Schwester von Starblogger Joi Ito, hat ein Buch über die japanische Handy-Kultur verfaßt. Das PDF-Intro liest sich spannend. Japan als eines der Gizmo-fasziniertesten Länder der Welt ist uns in der Durchdringung des Alltags durch technologische Geräte weit voraus. Julia erzählt mir etwa, daß dort einige meiner Wish-List-Sachen zum Mobile bereits Alltag sind, daß etwa Immobilienanzeigen mit kleinen Pixelcodes versehen sind, die man mit der MobileCam photographieren und auslesen lassen kann, so daß die Handyeigene Navigationssoftware einen sofort zum Kaufobjekt bringen kann. Spannend an Itos Buch ist, daß sie sich dem «Keitai» weniger als Technologieobjekt und mehr als Medium sozialer Interaktion und Mikro-Koordination nähert. Lesenswert.

07:03 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

ARTIC

Vorstellung der 10. Ausgabe des Artic-Magazins bei Slanted

05:21 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

NUMÉRO







Hier

9. August 2005 23:07 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

SATANS LAUNDROMAT

Lange nicht mehr bei Mike reingesehen:
















19:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

HUCH…


…und ich dachte, da geht nichts mehr. In einem meiner Lieblingsblogs gibts neues Futter. Hingehen und lesen. Nicht ganz The Everlasting Stoy of Nory, aber doch sehr schön.

19:34 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

CARROLL

I pass a large empty lot where a building was recently torn down and now there is only rubble left. Looking up at the surrounding buildings, I realize that for the first time in years, perhaps the first time ever, direct sunlight is pouring into windows that never knew sunlight, direct or otherwise, because it was always blocked by the now-destroyed building. What must it be like for the people living in those apartments who suddenly have new light washing the floors of their homes where there was never any light before? And new views out windows where previously there was only a depressing gray wall to see? What will it be like when a new building is inevitably built here and their view goes back to a gray wall four feet away?

Jonathan Carroll

19:18 Uhr. Kategorie Online, Stuff. Keine Antwort.

DAVID FINCHER : HEWLETT-PACKARD

Dieser Spot von HP ist von Fight-Club-Regisseur David Fincher, der gerade an Zodiac und Benjamin Button (wieder mit Pitt) arbeitet, und zeigt Finchers virtuosen Umgang mit CGI-Ideen.

via Regiecut

19:13 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WAR = PEACE

War, however, is no longer the desperate, annihilating struggle that it was in the early decades of the twentieth century. It is a warfare of limited aims between combatants who are unable to destroy one another, have no material cause for fighting and are not divided by any genuine ideological difference. This is not to say that either the conduct of war, or the prevailing attitude towards it, has become less bloodthirsty or more chivalrous. … War has in fact changed its character. … To understand the nature of the present war — for in spite of the regrouping which occurs every few years, it is always the same war — one must realize in the first place that it is impossible for it to be decisive. … Secondly, there is no longer, in a material sense, anything to fight about. With the establishment of self-contained economies, in which production and consumption are geared to one another, the scramble for markets which was a main cause of previous wars has come to an end, while the competition for raw materials is no longer a matter of life and death. … The primary aim of modern warfare is to use up the products of the machine without raising the general standard of living. Ever since the end of the nineteenth century, the problem of what to do with the surplus of consumption goods has been latent in industrial society. … From the moment when the machine first made its appearance it was clear to all thinking people that the need for human drudgery, and therefore to a great extent for human inequality, had disappeared. If the machine were used deliberately for that end, hunger, overwork, dirt, illiteracy, and disease could be eliminated within a few generations. … But it was also clear that an all-round increase in wealth threatened the destruction — indeed, in some sense was the destruction — of a hierarchical society. In a world in which everyone worked short hours, had enough to eat, lived in a house with a bathroom and a refrigerator, and possessed a motor-car or even an aeroplane, the most obvious and perhaps the most important form of inequality would already have disappeared. If it once
became general, wealth would confer no distinction. It was possible, no doubt, to imagine a society in which wealth, in the sense of personal possessions and luxuries, should be evenly distributed, while power remained in the hands of a small privileged caste. … For if leisure and security were enjoyed by all alike, the great mass of human beings who are normally stupefied by poverty would become literate and would learn to think for themselves; and when once they had done this, they would sooner or later realize that the privileged minority had no function, and they would sweep it away. In the long run, a hierarchical society was only possible on a basis of poverty and ignorance. … The problem was how to keep the wheels of industry turning without increasing the real wealth of the world. Goods must be produced, but they must not be distributed. And in practice the only way of achieving this was by continuous warfare. … War, it will be seen, accomplishes the necessary destruction, but accomplishes it in a psychologically acceptable way. … It does not matter whether the war is actually happening, and, since no decisive victory is possible, it does not matter whether the war is going well or badly. All that is needed is that a state of war should exist. … In his capacity as an administrator, it is often necessary for a member of the Inner Party to know that this or that item of war news is untruthful, and he may often be aware that the entire war is spurious and is either not happening or is being waged for purposes quite other than the declared ones: but such knowledge is easily neutralized by the technique of doublethink. Meanwhile no Inner Party member wavers for an instant in his mystical belief that the war is real, and that it is bound to end victoriously… The search for new weapons continues unceasingly, and is one of the very few remaining activities in which the inventive or speculative type of mind can find any outlet. … And even technological progress only happens when its products can in some way be used for the diminution of human liberty. In all the useful arts the world is either standing still or going backwards. … It follows that the three super-states not only cannot conquer one another, but would gain no advantage by doing so. On the contrary, so long as they remain in conflict they prop one another up, like three sheaves of corn. And, as usual, the ruling groups of all three powers are simultaneously aware and unaware of what they are doing. Their lives are dedicated to world conquest, but they also know that it is necessary that the war should continue everlastingly and without victory. … In past ages, a war, almost by definition, was something that sooner or later came to an end, usually in unmistakable victory or defeat. In the past, also, war was one of the main instruments by which human societies were kept in touch with physical reality. … But when war becomes literally continuous, it also ceases to be dangerous. When war is continuous there is no such thing as military necessity. Technical progress can cease and the most palpable facts can be denied or disregarded. As we have seen, researches that could be called scientific are still carried out for the purposes of war, but they are essentially a kind of daydreaming, and their failure to show results is not important. Efficiency, even military efficiency, is no longer needed. Nothing is efficient in Oceania except the Thought Police. … Cut off from contact with the outer world, and with the past, the citizen of Oceania is like a man in interstellar space, who has no way of knowing which direction is up and which is down. The rulers of such a state are absolute, as the Pharaohs or the Caesars could not be. … they can twist reality into whatever shape they choose. … But though it is unreal it is not meaningless. It eats up the surplus of consumable goods, and it helps to reserve the special mental atmosphere that a hierarchical society needs. War, it will be seen, is now a purely internal affair. In the past, the ruling groups of all countries, although they might recognize their common interest and therefore limit the destructiveness of war, did fight against one another, and the victor always plundered the vanquished. In our own day they are not fighting against one another at all. The war is waged by each ruling group against its own subjects, and the object of the war is not to make or prevent conquests of territory, but to keep the structure of society intact.

George Orwell, 1984

07:31 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

Der darwinistische iPod

Vor allem in den USA entbrennt seit einigen Jahren der Diskurs, ob Darwins Evolutionstheorie stimmt, die Schöpfungsgeschichte also zufällig oder vielmehr selbstbestimmt als Optimierungskette verläuft oder – wie viele Angehörige des republikanischen Flügels glauben – es ein Intelligentes Design hinter der Schöpfungsgeschichte gibt. Die Debatte, die für Europäer (mit Ausnahme des Papstes) vielleicht etwas albern anmutet, ist den Staaten, wo seit etwa zwei Dekaden eine seltsame Ehe von fundamentalistisch-evangeliker Stiftungsreligion und Kommerz entsteht – eine extrem hochpolitische Angelegenheit, bei der es unter anderem darum geht, ob Darwins Evolutionslehre überhaupt an Schulen unterrichtet werden sollte. Und da in der Debatte das Wort «Design» schon gefallen ist, überträgt Tom Vanderbilt vom Design Observer diese ganze Debatte recht clever auf die wirkliche Welt des Produkt-Designs. Und kommt zu einem klaren Ergebnis

8. August 2005 19:39 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

ULRICH BECK: WAS ZUR WAHL STEHT

Das 128 Seiten dünne, spürbar in kürzester Zeit verfaßte Manuskript von Beck, hat sich wie ein Snack in meinen Sloterdijk-hat-auch-was-zur-Globalisierung-zu-sagen-Trip gequetscht. Vielleicht liegt es am direkten Vergleich mit dem wortverliebteren Philosophen, daß der Soziologe überraschend leichtgewichtig daherkommt. Die meisten Simile in diesem Buch wirken beispielsweise doch arg plump hinkend – wenn er etwa ausgerechnet Kafkas Verwandlung plündert um die Verwandlung von einer nationalstaatlichen zur globalisierten Wirtschaft und de Hilflosigkeit der Politik zu versinnbildlichen oder wenn er sich der Metapher der toten Fische im Fluß bedient, wobei man nun flußabwärts das Problem lösen kann (indem man die Fische einfach rausangelt) oder flußaufwärts (indem man – aber hallo! – die Ursache des Problems sucht). Solche Platitüden machen zwar die Seiten voll, aber «vollgemacht» ist eben meist Scheiße. Becks Erkenntnisse an sich sind in der Regel zutreffend, wenn auch bekannt. Das die von der Politik immer noch gebetmühlenartig propagierte Vollbeschäftigung nur ein Fabelwesen ist, daß wir Lösungen für eine demokratische Gesellschaftsform mit einem hohen Prozentsatz an Nicht-Erwerbstätigen brauchen, daß man den Begriff der «Arbeit» auf der Basis einer Bürger Grundversorgung im Sinne Hannah Arendts neu kommunizieren müsse… darüber haben wir in Soziologie bereits zu meinen Uni-Zeiten gesprochen und da waren es noch gut drei Millionen Arbeitslose weniger. Auch die Einsicht, daß sich mit nationalen Lösungen das Problem der «globalisierten» Wirtschaft nicht in den Griff kriegen läßt, ist nicht wirklich neu, wenn auch hier schön erläutert. Das weder Schröder noch (die bei Beck stets zur Maggie-Thatcher-Parodie verbogene) Merkel diese beiden Einsichten in Taten umsetzen, ist ein roter Faden des Buches, jedoch verkennt Beck hierbei vielleicht, daß es Politiker neuen Typus nicht um tatsächliche soziale Lösungsansätze und Projekte geht, sondern de facto um die Sicherung von Macht, Status und persönlicher Ich-Verwirklichung qua politischen Amtes. Den visionären, aus innerer Überzeugung gegen externe Widerstände ankämpfenden Politiker, den gibt es – for better or worse – inmitten der mediakalkulierenden, McKinsey-beratenen Management-Politiker nicht mehr. Die rot-grünen Vertreter haben ihre (eventuell ja tatsächlich vorhandenen) über die eigene Karriere hinausgehenden politischen Ziele in der Koalition pragmatisch abgelegt – von keinem so dramatisch, öffentlich und auch exemplarisch vorgelebt wie von Joschka Fischer –, und die gelb-schwarzen haben einfach niemanden anzubieten, der innere Überzeugung jenseits von «Ich will diesen Job» ausstrahlt. Angela Merkel ist mir bisher stets dadurch aufgefallen, daß sie die interne Machtpolitik ihrer Partei überraschend souverän spielt und auch ihr öffentliches Image in den letzten Jahren gekonnt hat revidieren lassen… nie aber tatsächlich dadurch, daß sie eine glaubhafte eigene Zielsetzung eines politischen Projektes oder gar eine soziale Vision von Deutschland und Europa erkennen ließe. Politik ist für Merkel, Westerwelle, Schröder und Fischer längst ein abstraktes mediales Spiel, ein Theater, ein autopoietisches System. Aus de Erkenntnis, daß man als Politiker der in einer postnationalen Wlt zunehmend machtlos ist, haben sie sich auf die Inszenierung und Symbolisierung von Politik zurückgezogen anstatt zu versuchen, den Einfluß auf neuen Wegen zurückzuerkämpfen. Politiker sind heute wie Playbackstars. Und man merkt ihnen ja durchaus an, daß ihre Lieder langweilig und wenig echt und verblüffend ähnlich klingen.

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6. August 2005 17:13 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

ILONA MITRECEY

Schnischnaschnappi auf Französischmuß mir als Schnappifanatiker ja irgendwie gefallen. So herrlich dumm wie eine Klingeltonwerbung. Wofür ich es zuerst auch gehalten habe. Ach, Cracauer und seine kleinen Ladenmädchen hätten Freude an der Musik von heute, gell?

3. August 2005 22:48 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

PVP AGAIN

Ich kämpfe mich so nebenbei langsam durch das PVP-Archiv von 1998 bis heute. Und das hier, das hier… ist SO wahr.

2. August 2005 22:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MY Twinn


Fühlt sich an wie ein schlechter Scherz aus einem komischen Buch, ist aber anscheinend ernst. Puppen, die nachdem Vorbild ihrer Besitzer modelliert sind. My Twinn sind customizable Dolls, grandios. Ich glaube absolut nach wie vor, daß Klonen auch bisher nicht ausreichend angedachte kommerzielle Möglichkeiten bietet. Warum nur mit einer Puppe spielen, die wie du aussiehst, wenn du mit deinem Clone spielen kannst?

via C-Blog

22:25 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

NOKIA N91


Ich hab mich letztens mit jemanden unterhalten und dabei recht frei herumgesponnen, daß es Zeit wird für Handys mit 60 GB-Festplatten und 5-MP-Kameras. Außerdem UTMS, WLAN und natürlich GPS. Und dann adieu iPod, adieu T3, adieu lieber PDA. Immer wenn ich so ins Spinnen komme, werde ich schon etwas blöd angeguckt. Da ist es doch schön, wenn ich doch eigentlich ganz bodenständig nah an der Realität operiere, oder? Denn ganz so weit sind die noch nicht, aber das N91 ist deutlich der Schritt in die richtige Richtung. Nokia und Sony killen sich gerade gegenseitig mit schönen und verdammt leistungsstarken Geräten, muß man sagen – und das N91 hat eine 2MP Kamera, 4 GB Harddisc, 8-Band-Equilizer, UTMS und WLAN, Bluetooth, Java, USB-2-Port, Radio (was schon Quatsch ist, wenn man MP3 hat… oder?), eMail, xHTML-Browser. Da TomTom die Nokia-Handies bisher recht gut unterstützt, hoffe ich auch auf GPS. Was komplett fehlt, und hier hat der PDA immer noch die Nase vorn, sind die Officeanwendungen. Textverarbeitung, Excel, PDF, eBook, Lexika. Ob es ein eMail-Pushing à la Blackberry gibt, weiß ich nicht. Im Grunde fehlt hier der Sprung zu WinCE, wobei Microsoft dann aber auch noch extren an der Stabilität und Performance von CE arbeiten müßte.

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20:25 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

SIMTHING


Dafür, daß ich mein eigenes Handy selbst kaum benutze, fasziniert mich das Thema doch sehr. Hier findet ihr schöne Ansätze zur dreidimensional-visuellen Informationsanlyse sozialen Verhaltens anhand der in SIM-Karten von Handys gespeicherten Daten.

via Information Aesthetics

18:49 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

ARCOR

Seit heute morgen ist das Telefon von außen scheinbar andauernd besetzt, in Wirklichkeit sieht es aber stark nach einer Art Netzausfall aus. Wir können inzwischen (teilweise) wieder nach außen telefonieren, eingehende Anrufe bekommen aber eine Netz-Überlastet Meldung oder ein Besetztzeichen (das man hier eigentlich nur kriegt, wenn gerade alle Leitungen dicht sind, also eher selten). DSL läuft. Ich hoffe, die fixen das mal. Die Erreichbarkeit der technischen Hotline bei Arcor ist ein absoluter Alptraum, nochmal schlimmer als die bereits entsetzliche Telekom..
On the upside: Arcor hat endlich nachgezogen und 6000er DSL Flat mit 640er Upload im Angebot. Auch zum sehr fairen Preis. Wird nur Zeit, daß die 4/4 oder 6/6 SDSL zu einer guten preiswerten Flatrate anbieten. 400 Euro/Monat ist mir da irgendiwe noch zu viel. Naja, alles nur eine Frage der Zeit.

16:26 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.


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