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PLAYER VS PLAYER




Beileibe nicht neu, in den Staaten sind bereits drei komplette Paperbacks der Serie bei Image erschienen, aber immer wieder einen Link wert ist PVP, Scott Kurtz’ Stories um die Nerds Cole, Brent, Francis und Kosorten, die einen leider nicht allzuweit von der Wahrheit entfernten Blick auf Comic- und Film-Fans weltweit freigeben. Dabei geht es nicht immer so derbe zu wie hier beim Thema Podcasting, aber der Humor ist fast durchgehend eng an ein zumindest leichtes Insiderwissen der US-Popkultur angelehnt. Ohne StarWars und Batman zu kennen geht hier also nicht viel. Wenn man als Geek aber (noch) über sich selbst lachen kann… perfekt.

30. Juli 2005 20:34 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

PIETER HUGO

Bei der Suche bin ich bei BoingBoing aber auf Pieter Hugo gestoßen und seine Bilder von Hyänen-Männern. Im Interview zum Background des Photoshootings erklärt Hugo, daß er das Bild eines dieser Männer online gesehen habe und daraufhin in Nigeria selbst nach diesen Jugendlichen suchte.

“They were smoking lots of marijuana, drinking malt, making muti and just relaxing,�? he says. “They reminded me of trance ravers.�? … “It all starts with a hyena and its handler walking into a township,�? he says of the routine performance enacted in each town they travelled to. The animals have been trained to mock-attack them which, of course, immediately draws a crowd. The handler will fight the hyena and win. Afterwards the monkeys will arrive, doing flick-flacks. They’re dressed as popular soccer stars and walk around collecting donations�?

29. Juli 2005 07:14 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

STANLEY KUBRICK ARCHIVE


Der versprochene Stanley-Kubrick-Archive-Eintrag bei Slanted

28. Juli 2005 20:23 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

BRAVE NEW BOOKS

Hauptsächlich Typo-Stuff aus der strengen Oldschool, die ich derzeit immer noch am schönsten, am reinsten finde. Als Gimmick noch der Richter dazu. Das eigentliche Bonbon, das Taschen-Stanley-Kubrick-Monstrum, werde ich auf Slanted vorstellen.
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13:15 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.

PLACES AND SPACES


Der Online-Teil dieser Ausstellung zur Geschichte der Kartographie stellt einige Karten aus der Historie bis zur Neuzeit vor und erklärt ihre Entstehung. Interessanter Überblick über die Selbst-Verortung der Menschheit von der empirischen Erfassung der Welt bis hin zum heutigen Versuch, unsere neuen virtuellen Lebenssphären abzubilden.

via Future-Feeder

08:00 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

DAS UNABOMBER-MANIFEST

Theodore Kaczynski, Mathegenie, Einsiedler, Irrer, Terrorist, Autor, Bombenleger, zwingt 1995 die Washington Post dazu, ein achtseitiges Manifest abzudrucken.

The system does not and cannot exist to satisfy human needs. Instead, it is human behavior that has to be modified to fit the needs of the system. This has nothing to do with the political or social ideology that may pretend to guide the technological system. It is the fault of technology, because the system is guided not by ideology but by technical necessity.
Hier

via C-Blog

26. Juli 2005 19:52 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DR CALIGARI

Der Kult-Original des Films von 1919, Robert Wienes Das Kabinett des Dr. Caligari, einer der ersten expressionistischen deutschen Filme, ist gratis und legal zum Download im Web.
Hier

via Warren Ellis

19:41 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

HAUTSACHE BREIT.

Hier gibt es eine grandiose Auswahl von hochauflösenden Panoramabildern, größtenteils historisch, zum Download.

via C-Blog

19:28 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

DIE ZEIT

Ich vergesse immer, daß die Zeit ihren fast kompletten Inhalt ja auch online stellt. Hier und hier sind sehr gute Artikel, die zwar per se nichts Neues konstatieren, aber die Bewegung des HighMarketing in den letzten sieben Jahren schön zusammenfassen.
Hier ist außerdem ein grandioser Beitrag aus der jederzeit gnenießenswerten Reihe enjoy capitalism aus der Zeit. Die These, daß der Kaptalismus seit einiger Zeit die innere und äußere Form einer Religion annimmt, ist seit Walter Benjamin ja nicht wirklich neu und stets mit Vorsicht zu genießen, aber die trockene und solide Herleitung des Wirtschaftssystemes, das zum totalitären Glaubensmuster degeneriert in Jens Jessens Beitrag ist einfach schön.

10:30 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Das soziale Exoskelett

Das Reality Mining Project von Nathan Eagle hat sich neun Monate lang mit 350.000 Stunden Handy-Nutzung beschäftigt und eine umfassende Analyse der Verwendung von Mobiles geschaffen. Anhand der Daten konnte Eagles Team soziale Vernetzungen und Cliquenbildung feststellen, und aufgrund der Daten läßt sich durchaus auch zukünftiges Gruppenverhalten prophezeien. Ein Data-Mining der Handyinformationen (also Telefonate plus Rolodex plus Termindaten) bilden ein umfassendes Abbild des Lebens der Experimentteilnehmer.

Hier zeichnet sich etwas ab, was ich bereits bei Paris Hiltons Blackberry-Verlust anriß: Das Handy als Lebenspartner. Mobiles sind ja längst keine Telefone mehr, sondern rennen den PDAs als handlichere Alternative den Rang ab, wenn es darum geht, das eigene Leben zu choreographieren und dokumentieren. Sie mutieren zu einer Mischung aus digitalem Gedächtnis, im planerischen Sinne (was mache ich morgen) wie im dokumentarischen Sinne (was habe ich gestern gemacht). Das dies keineswegs (nur) so im Management ist, wie man vielleicht vermuten mag, sondern im höchsten Maße auch bei Teenagern und Studenten, denen man ein derart ver-terminiertes Leben gar nicht wünschen möchte, zeigt auf, daß zum einen hier bereits kapitalistische Zeitstrategien im jüngsten Alter aus den Medien erlernt und assimiliert werden, zum anderen aber der horror vacuii vor der freien, also schwerelosen, Zeit, zunimmt. Das Leben hat organisiert, geplant zu sein, wobei private Sphäre und Worksphere zunehmend verschmelzen oder doch zumindest mit den gleichen Tools organisiert werden. Omas Geburtstag und das Meeting in Frankfurt stehen friedlich im gleichen Outlook-Sheet.

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10:13 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

LIGHTBULB MOMENTS

In both movies and books we often see portrayed those moments of enlightenment when suddenly, miraculously, everything becomes clear to a character. They abruptly stop walking on a crowded street and standing there, stare off into the distance while people pass by. Or they lift their head from a book in the library as their jaw drops open in surprise. NOW they know what to do. I call them lightbulb moments because if the scene were portrayed in a cartoon, we would see a lightbulb suddenly click on above the character’s head, their eyes would widen, and they’d rush out of the picture to solve the problem that had been challenging them. Sort of like the inevitable scene in a Popeye cartoon right after our hero eats a can of spinach.But what about the lightbulb moments that are 100% wrong? All the inventors who had out of the blue epiphanies where everything became clear and they rushed off to invent something no one either wanted or bought? The left handed backscratcher. The dog self-walker. Or the moment in a famous battle where an important general thought “Now I understand! We’ve got to change strategy and attack this way.” Wrong. Everybody died. Throughout life, all of us have moments where the solution to a problem that’s been dogging us suddenly reveals itself in a flash. The lightbulb clicks on brightly above our heads. “Oh my God, that’s it! That’s exactly the way to resolve this.” Nope. “It” happens to be the very wrongest way to handle this and by following that new inspired line, we get into much more trouble. How about the many many many times in human history when peoples’ lightbulb moments have been entirely wrong.

Jonathan Carroll

08:54 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

MEDIA

Spongebob. . Grandioser wunderbarer Schwachsinn. Anarchisch, schnell, alogisch und in jeder Sekunde perfekt, läßt Spongebob erahnen, wie schön die Welt wäre, wenn es nur endlich einen Ren & Stimpy-Film gäbe.

Birth. Eine Stimmung wie in einem Polanski-Film, wie in Rosemarys Baby. Zeitlos, zeitlupig, unwirklich. Weniger die eher banal verlaufende tatsächliche Handlung als vielmehr das Ungesagte, das Ungesagtbleibende. Die kammerspielhaften surrealen Szenen in der Familie, mit Kidmans angehendem Ehemann, Danny Huston. Das pädophile Element des Films, das für einiges an Kontroversen sorgte, finde ich eher nebensächlich, unwichtig – weniger die überaus gekonnte trockene Behandlung im Film selbst, sondern eher die öffentliche Reaktion darauf. Das hier Cameron Bright als 10-jähriger in die Badewanne zu Kidman steigt und sie ihn später auf den Mund küsst… oh come ON, people. Viel interessanter ist, wie Kidman souverän Underplaying abliefert und uns nur ahnen läßt, wie groß die Sehnsucht in ihr sein seit zehn Jahren aufgestaut muß; die hervorbricht, wenn ein Zehnjähriger plötzlich deine Wohnung betritt und behauptet, dein verstorbener Ehemann zu sein – und du glaubst es ihm. Die Auflösung dieser Problematik bleibt allerdings etwas unbefriedigend. Im Film gibt es zahlreiche Hinweise auf eine Inkarnationsstory und die finale, nur allzu zufällige Lösung des Rätsels wirkt dagegen unlogisch und läßt auch viel zu viele Fragen offen und komplett ungeklärt. Die Inkarnationsfabel wäre glaubhafter gewesen als das reale Denouement. So aber bleibt ein bitteres stilles Ende mit der Surrealität eines Gemäldes. Das der Film zudem von Jonathan Glazer kommt, der mit Sexy Beast zuvor einen 180° anderen Film hingelegt hat, ist grandios. Die Musik, die vage an Reich und Glass erinnert und nahezu jedes Detail, das den Film zeitlos macht, an die nouvelle vague anknüpft, an Jean Seberg und Mia Farrow, selbst an The Astronauts Wife. Das Ende verweigert jedes Happy End, nicht einmal ein bittersüßes, die vom Publikum erwartete Katharsis dreht sich rückwirkend in eine Vergiftung einer hoffnungslosen Liebe, die nie gestorbene Sehnsucht erweist sich als traurige einseitige Illusion… und man mag darüber streiten, ob die neue Ehe, die am Ende geschlossen wird, unter besseren Vorzeichen stehen mag… Glazer läßt hier nahezu wortlos Raum für Spekulation. Ein seltsamer Film, ein Film-Film, der von Atmophäre, Musik, Besetzung, Optik in jeder Sekunde mit dem modernen Effektcinema bricht und eine klare Sehnsucht nach dem Erzählkino der Sechziger besitzt. Bacall und Kidman, hier nach Dogville wieder zusammen, dominieren diesen Film, die Kamera klebt nahezu verliebt an Kidmans Gesicht. Und zu Recht. Ich weiß nicht warum Nicole Kidman Mist wie Stepford Wifes dreht, aber Filme wie dieser beweisen, daß sie das Zeug zur Ikone à la Ingrid Bergman besitzt. Vielleicht sogar zu gut. Ihr Versuch, die Pausen und Lücken des dialogarmen Films zu füllen, kippt hier und da unfreiwillig, wirkt angestrengt. Einige ihrer längeren Dialog/monolog-Passagen wirken repetitiv, wie ein schwaches Echo der redundanten Satzfragmente eines Jon Fosse. Die Menagerie der Charaktere, die surreale Familie von Anna, ihr entfremdeter Freundeskreis… all das wird von Glazer nur angerissen, bleibt schemenhaft, unvollendet. Was als Bunuel-artiges Märchen beginnt, als eine Story, deren unwirklicher Grundton, wenn auch absolut nicht die eher blutarmen Charaktere, von Jonathan Carroll stammen könnten, verliert sich am Ende leider etwas. Die Auflösung bricht mit der Ikonographie des Films am Anfang und das scheint mir furchtbar zu sein, enttäuschend. Séan, der als rettender Prinz in Annas klaustrophobe Welt kommt, ist ein Versprechen, das der Film am Ende nicht mutig genug ist zu halten. Was vielleicht sogar gut ist, das Hollywood-Versprechen eines (wenn auch unwirklichen) Happy-Ends zu brechen. Mag sein. Am Ende bleibt, wie bei Magnolia, das Gefühl, das hier ein stärkerer, kraftvollerer Film möglich gewesen wäre, wenn sich die Story nicht am Ende einfach spurlos verflüchtigen würde, zufällig und beliebig würde. It doesn’t have to make more sense than life, aber nach fast zwei Stunden Film würde man sich das schon wünschen. Von dieser Ambivalenz abgesehen ist der Film in Atmosphäre, Inszenierung und nahezu jedem Detail zwischen Polanski, Hitchcock und Truffaut so grandios inszeniert, daß er eine unglaubliche luftige leichte brütende dumpfe Schwere besitzt.

24. Juli 2005 23:41 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

THE THOUGHT PROJECT

Keine an sich neue Site, die ich auch schon mal auf dem Forum vorgestellt hatte, wenn ich mich recht erinnere, aber immer wieder einen Klicky wert. Simon Hoegsberg hat sich hier 3 Monate lang absolut Fremde vor die Linse geholt, photographier und gefragt, was sie genau in dem Moment dachten, bevor er sie ansprach – und so ein Puzzle aus Gesichtern und Gedankenfetzen gemacht, ein Miniaturpatchwork dreier Städte.

23. Juli 2005 20:50 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

DIANE ARBUS

Grant Morrison hat einmal von sich gesagt, er würde sein Leben so gestalten, daß es sich nach seinem Tod gut als Biographie lesen ließe. Das Gleiche scheint sich Diane Arbus gedacht zu haben, die ab 1957 ihr Leben geradezu frenetisch für die Nachwelt festhielt und, wie die aktuelle Retrospektive im Folkwang Museum Essen zeigt, sich dabei auch sehr gezielt als manisch-depressive Künstlerin zu inszenieren verstand. Notizbücher, gefüllt mit fast unleserlichen aber genialischen Vermerken, Zitaten, Telefonnummern; Ausrisse aus Magazinen; Briefe und Postkarten zeichnen das Bild einer Frau, die kaum weniger zerrissen, getrieben und vielleicht auch labil zu sein scheint als viele ihrer Photo-Subjekte. Zugleich sind diese Texte, die das Folkwang partiell im Original zeigt, neben der Nikon, Rolleiflex und einer Zweiaugen-Mamiya von Arbus, der wahre Schatz der Ausstellung, deren Bilder man aus ungezählten Werksammlungen zum Teil kennt wie den Rücken der eigenen Hand (ungeachtet der Tatsache, daß es ein Geschenk ist, diese Bilder als Original-Prints studieren zu dürfen, ohne Druckraster, ohne Kompromisse in der Wiedergabequalität, wenn auch leider in etwas dusteren Räumen und hinter nicht spiegelfreiem Glas).

Ihre Photos an sich sind längst Teil des kollektiven Unterbewußtseins, so tief in unsere Art, Photographie zu denken, hineingefräßt (und so ungefiltert von den Generationen von Photographen nach ihr übernommen), daß der ursprüngliche primitive Schock dieser Bilder heute durch die Arbus-Epigonen fast verdrängt ist. Die Kraft ist immer noch da, aber die Flut der Bilder von Photokünstlern auf den ästhetischen Spuren von Arbus hat uns immunisiert. Es ist heute immer noch de rigeur für viele Photographen, die Conditio Humana bloßstellen zu wollen, Schwäche und Nacktheit in der Pose zu suchen, dem klassischen Glamour die zugleich erschreckende und doch mitleidserweckende Portraitierung von Menschen entgegenzusetzen. Was also stärker, frischer wirkt als die Bilder: Der Einblick in die Technik, die Schwierigkeit beim Umstieg von 35 mm auf 6×6, die Bedeutung des zusätzlichen Blitzgerätes für ihre Arbeit; der Einblick in die Faszination für alles Bizarre, die sich von Anfang bis Ende durch ihr Werk zieht; ihre Bücher. Arbus hat stets das Monster im Menschen gesucht – oder den Menschen im Monster –, hat sich immer mit offensichtlicher Empathie einerseits, kaltem analytischen Blick andererseits an ihre Arbeit begeben.

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21. Juli 2005 20:30 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Muxmäuschenstill

Ich schaue sehr sehr wenig deutsche Filme, weil die meisten sich im bekannten Fahrwasser des SAT-1-Komödienstadl-Niveaus bewegen, dramaturgisch wie darstellerisch. Muxmäuschenstill zeigt, daß es auch anders geht. Zeigt, daß man auch mit kleinen Mitteln einen soliden Film machen kann, der seine mediale Kraft gerade aus den trashigen Produktionsbedingungen zieht, die hier qua VideoCam sogar in den Mittelpunkt des Geschehens rücken, wenn Mux und seine rechte Hand Gerd ihre Vigilante-Aktionen selbst mit der Heimvideokamera aufzeichnen.

Der von Jan Henrik Stahlberg gespielte Mux verzweifelt an einer Gesellschaft, die ihre Ideale verloren hat, die sich dem alltäglichen Gemeinsinn nicht mehr verschrieben fühlt. Aus dieser Frustration heraus wird er zu einer Art Spießer-Batman, der Kleindelikte drastisch rächt, indem er Temposünder ihre Lenkräder demontieren und Hundescheißnichtwegmacher ihre Gesichter in den Kot ihrer Tiere drücken läßt, dafür eine Bearbeitungsgebühr kassiert und das ganze auf Videoband dokumentiert. Sein Manifest für eine bessere Gesellschaft hingegen wird er im gesamten Verlauf des Filmes nicht fertigstellen.

Der Erfolg des Filmes liegt darin, daß er unkommentiert, recht dokumentarisch draufhält, egal, ob wir uns am Rande der Satire oder am Rande der Tragödie bewegen, und zwischen diesen Momenten irrlichtert der Film drastisch. Wenn Mux etwa, enttäuscht davon, daß seine reine Liebe Kira nicht ganz so rein ist wie von ihm gedacht, ihr kurzerhand eine Kugel durch den Kopf jagt. Wenn sein Assistent Gerd sich auf die Dokumentarvideos einen herunterholt. Wenn andererseits aus dem irrwitzigen Projekt eine Firma wird, mit Internetauftritt und Werbetrailer. Absurdes, Böses, Witziges und durchaus berechtigte Wut auf eine fraktalisierte Gesellschaft ohne inneren Kern, mit ihren falschen Helden und flachgelegten Medieninhalten vermengen sich in der grobkörnigen Ästhetik des Films zu einem homogenen Gemisch, in dem der Betrachter mit seinen Entscheidungen oft und richtigerweise alleine bleibt. Stahlberg legt viele Saatkörner zur Erschließung von Mux Charakter, manche positiv, manche negativ, aber die Aufrechnung, wenn überhaupt eine nötig ist, überläßt er dem Betrachter.

Das verdankt der Film nicht nur der exzellenten neutralen aber immer atmosphärisch dichten Kameraarbeit, sondern auch der Stoik von Ex-Berliner-Ensembledarsteller Fritz Roth, der den Gerd schweigend dumpf anlegt und damit Raum für das Unausgesprochene an Mux/Stahlberg läßt, der nahtlos zwischen inspiriertem Leadership seiner kleinen expandierenden moralischen Ich-AG und voyeuristischer Freude an der Demütigung anderer wechselt (und der nicht zuletzt das Drehbuch geschrieben hat). In dem Bernhardiner-Gesicht von Gerd spiegelt sich kein Urteil, kein Ansatz zur Deutung von Mux und so bleibt uns nur unsere eigenen moralischen Parameter, um Mux zu verorten.

Marcus Mittermeier zeigt seine wahre Stärke aber beim kalten Abfilmen der Laiendarsteller in diesem Film. Die Sequenz, in der Mux in einer Kneipe ein Curt-Jürgens-Cover zur Heimorgel singt und kurz darauf (in einem absurden David-Lynch-Bruch) am Totenbett einer der alten Kneipen-Frauen sitzt, gehört, neben dem Volksfest mit Kira, zu den beeindruckendsten Momenten des Films, weil hier wortlos draufgehalten wird, weil die Kamera hier ohne jede Mühe Lebensgeschichten entblättert, die mehr Tiefgang haben als der gesamte inszenierte Film zu bieten hat. Von den Unterschicht-Kids auf dem Rummel zu der narkotisiert an ihrem Bier nuckelnden alten Frau, die sich bewegt wie ein sterbender Schmetterling… diese Botschaften graben vielleicht noch etwas tiefer als die Story des Visionärs ohne Vision, der zwischen DDR-Solidargesellschaft und NSDAP-Ordnungsfimmel wankt… vielleicht, weil man als Darsteller immer verloren hat, wenn echte Menschen vor der Kamera stehen.

19. Juli 2005 09:07 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

THE MACHINIST

In keinem seiner bisherigen Filme hat sich mir Christian Bale als bemerkenswerter Darsteller eingeprägt. Nicht in dem unglaublich schlechtem American Psycho, nicht in dem arg lauwarmen Batman Begins und nicht in Equilibrium, der sich insgesamt anfühlte als hätte ein schlechter TV-Regisseur Terry Gilliams Brazil nicht ganz verarbeitet.

In The Machinist aber hat sich Bale von 180 Pfund auf 120 abgespeckt, um kurz darauf für Batman wieder zuzunehmen. Nun ist Gewichtsmodulation allein keine Schauspielkunst, auch wenn dies seit Raging Bull so zu sein scheint (Ugly Stars = Oscars), aber die physisch drastische Geste unterstreicht Bales gekonntes Underacting in einer Rolle, in der zahlreiche andere Darsteller uns wohl einen Woyzeck-für-Arme geliefert hätten. Obwohl das Ende des Filmes deutlich absehbar ist, verleiht Bale der Rolle eine Ernsthaftigkeit und sparsame Verzweiflung, die zu den kalten ausgebleichten Farben des Films paßt. Brad Anderson inszeniert die am Ende so kleine und private Moralgeschichte von Trevor Reznik irgendwo zwischen David Lynch (Bar, Hure, Surrealismus, Liebe zu überstarkem Symbolismus) und Alfred Hitchcock (Musik, unschuldig Verfolgter, Frauenrollen, Paranoia) in einem minimalistischem Kammerspiel, das auf alles Überflüssige verzichtet und in vielen Details doch wunderbar diffus bleibt, der eigenen Exegese Raum läßt. Diese Vieldeutigkeit und das (man darfs ja kaum sagen) Kafkaesk-Paranoide ermöglichem es dem Zuschauer überhaupt erst, sich mit Reznik zu identifizieren. Die Auflösung des Rätsels und die finale Enthüllung, da darf man sich nichts vormachen, enttäuschen, sind zu absehbar – und hier versagt der Film vielleicht, weil die Story einfach durchhängt (ähnlich übrigens wie Memento), aber das machen eine phantastische, liebevoll ins Licht gesetzte Inszenierung voller ungezählter visueller Punchlines wieder wett. Ja, man weiß schnell, wo die Reise hingeht, und man kennt den Zielort irgendwie doch nur zu gut, aber die Details am Wegrand machen den Trip trotzdem spannend.

17. Juli 2005 23:43 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

SIMULACRA

Künstliche Welten faszinieren mich seit jeher. Seit Erlers Blauem Palais oder Fassbinders Welt am Draht, die in den 70ern im TV die Virtual-Reality-Ideen des Cyberpunks und später von The Matrix vorwegnahmen. Solche Simulacra sind aber längst kein SF-Konstrukt mehr, sondern Alltag, wenn auch in einem etwas anderen Sinne. Wir leben längst in virtuellen Welten, in künstlich geschaffenen urbanen Umwelten, die in jeder Hinsicht naturfern sind. Und dieser Prozeß bezieht sich nicht nur auf unser gewöhnliches Stadtleben, in dem Vegetation nur in den von den Stadtplanern vorgesehenen Flächen vorkommen darf, sondern er ist forschreitend. Wir verwandeln echten Lebensraum in das, was Rem Koolhaas treffend als JUNK SPACE bezeichnet, das, was übrig bleibt, wenn die Modernisierung ihren Lauf genommen hat, überreif und unterernährend, nahtloses Flickwerk der Zusammenhangslosigkeit. Flugplätze, Einkaufszentren, Innenstädte… Koolhaas konstatiert einen Wildwuchs dieser simulierten Ordnung dieses ästhetischen Vakuums, in dem das Design zum Wiederkäuen mutiert, aus Gestaltung Manipulation wird, wo nur Stil-Recycling betrieben wird, um Substanz zu simulieren, bis wir post-existentiell sind, bis es keine Rolle mehr spielt, WER man ist und vor allem, WO man ist. Alle Shopping Malls, alle Airports, alle Fußballstadien… sie sind eine breiige Masse der Globalisierung. Auf Kyushu Island bauen sich so die Japaner die Westküste der Vereinigten Staaten nach, in Bottrop entstehen Skipisten, im Oberhausener Centro entsteht eine künstliche Wasserwelt.

Mag sein, daß dieser Trend zum Junk Space unaufhaltsam ist, schmerzhaft und nervig bleibt er allemal. Vor allem dann, wenn man den direkten Vorher/Nachher-Vergleich so deutlich sieht wie in ZOOM, dem neuen Erlebniszoo in Gelsenkirchen. Nun werde ich bei Worten, die mit Erlebnis oder Event beginnen, ohnehin kribbelig, aber selbst wenn man unbefangen an die Sache herangeht, wird schnell klar, wie falsch dieser Ansatz ist.

Nun bin ich der letzte, der Tiere in alten, klassischen, zu engen Zoos sehen mag. Die Affenkäfige im alten Teil des Zoos, der brav-bräsig Ruhr-Zoo hieß, bevor ein Gremium sicherlich unglaublich kreativer Menschen das viel modernere, sportivere ZOOM daraus machte, macht deutlich, daß die herkömmliche Art von Tierhaltung auch nicht immer das Wahre ist:

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23:09 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

JACK KIRBY

Ich bin kein großer Fan von Jack Kirby, John Romita war immer mehr, neben Curt Swan, Jim Aparo und Neal Adams, der Zeichengott meiner Kindheit, aber während all diese Herren einen eher der Realität verpflichteten – und insofern auch heute noch modern anmutenden – Stil fuhren, fällt mir erst heute rückblickend auf, wie ungeheuer kraftvoll und visionär Kirby eigentlich war.

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16. Juli 2005 00:24 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Chuck Palahniuk: Haunted

9 Möchtegern-Autoren verschwinden in einem «Writers’ Retreat», lassen sich einsperren, um frei von der Umwelt «ihre» definitive Geschichte zu schreiben. Alle sind in mehrere Hinsicht auf der Flucht, sie geben sich seltsame Pseudonyme – Saint Gut-Free, Miss America, The Earl of Slander – und im weiteren Verlauf der Geschichte werden sie sich verstümmeln und gegenseitig umbringen, um die Geschichte ihrer Entführung durch Mr. Whittier, dem Minderjährigen im Körper eines alten Mannes, telegener, kommerziell ausschlachtbarer zu machen. Sie hacken sich die Finger, Zehen und Geschlechtsteile ab, demontieren ihr an sich erträgliches Domizil (ein altes Kino), bis es bitterkalt ist, bis die Fertignahrung verdorben ist, bis sie frierende und abgemagerte, eben telegene, «Opfer» geworden sind.

Um dieses Grundgerüst herum entstehen 23 Kurzgeschichten der verschiedenen Figuren, die nicht freistehend sind (obwohl sie stand-alone funktionieren würden), sondern das Buch als Ganzes vorantreiben, die Charaktere definieren, die Handlung determinieren. Die Grenze zwischen Rahmenhandlung und Short Prose fällt auf mehrfach verschachtelte Art und Weise, in einer seltsamen Moebius-Umarmung der verschiedenen Ebenen von Rahmenhandlung, Gedichten und Short Stories. Und was für Kurzgeschichten das sind…

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15. Juli 2005 13:34 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

SPIELZEIT-SPOTTING




Ich habe mir, mehr aus Langeweile, mal ein paar Saisonhefte zukommen lassen. Die meisten sind eher eines Kommentares nicht wert, kommen überraschend lustllos daher, ein paar sind mir aber hängengeblieben und eines Kommentares wert. Das Düsseldorfer Schauspielhaus zum Beispiel verwundert mich in der letzten Spielzeit mit einem Heft, das die Intendantin eher mit einem leisen Wind als mit einem Urknall verabschiedet. Mag sein, daß das Geld gespart wurde für ein Abschlußbuch, aber schade ist es allemal, ein so dünnes, bildarmes, zweifarbiges und zudem recht bleiwüstig runtergestaltetes Heft für die letzte Spielzeit zu benutzen, anstatt noch einmal richtig in Feuer und Flamme und Leidenschaft aufzugehen. In der letzten Intendanzspielzeit, so finde ich, sollte man immer noch einmal alles geben und dem Nachfolger das Leben so schwer wie möglich machen. Und: Ein Heft, daß eine Uraufführung von Martin Baltscheit vorstellt, müßte viel viel schöner sein dürfen, zur Feier des Anlaßes :-D.



Okay, die Philharmonie Essen. Schönes, von Tims Leuten bei Manx erarbeitetes Logo, das mir selbst vielleicht ein bißchen zu derbe klassisch daherkommt, aber gestalterisch schon wirklich schön ist. Das Saisonheft, obschon dick, finde ich aber eine Enttäuschung. Überfüllt mit Informationen, die ich nicht lesen will, und die etwas unappetitlich, wie das Bordbuch der Deutschen Bahn, gestaltet sind. Ich liege meinen Kunden immer in den Ohren, weniger Info und Text in die Spielzeithefte zu packen und dafür mehr Bilder, Eindrücke, Ideen, Anregungen. Hier aber wimmelt es von Doppelungen, routiniert-bllutleeren Texten, von Reihen und Programmen und Angeboten, durch die man sich wie ein Dschungelkämpfer mit der Machete durchschlagen muß. Von einer Gliederung von Information, von einem narrativen Ansatz ist hier keine pur, hier herrscht deutsche Bürokratie. Da kann das Design per se nichts für, aber man merkt dem Heft diese bleierne Schwere eben an. Dazu die üblichen Solisten-Pressebilder, was vielleicht rein finanziell und technisch stets nicht anders geht, wo ich aber immer glaube, daß man dann entweder auf diese arg heterogenen Photos verzichten sollte oder aber daran arbeiten, daß die Solisten alle ähnliche Bilder abliefern. So etwas geht durchaus. Statt dessen präsentiert die Philharmonie Essen uns nun Bilder von… New York? Das wird zar lose mit einigen Gastspielen herbeigeleitet, ist aber dennoch, höflich formuliert, unglücklich. Würden uns die Symphoniker und Philharmoniker in Wien, Amsterdam, Paris, Hamburg Bilder von New York zeigen? Nein. Weil es nicht ihre Stadt wäre, niemals würde man in Paris Photos von NY zeigen. Wenn, dann Paris. What else? Und hier zeigt sich der psychologische Knackpunkt des Ganzen: Was Kaufmann hier betreibt, ist Realitätsflucht. Das mag zur klassischen Musik, wie sie sich mancher als eskapistische leichte Muse vorstellt, ja vielleicht passen (und schließlich betreibt Steven Sloane mit den Bochumer Symphonikern ja auch eine Art visuellen Eskapismus, indem er sich via Kunst um die Auseinandersetzung mit der eigenen Verortung aufs allerdings dann wahrhaft oft Schönste herumdrückt, ein Ansatz, den ich völlig legitim finde)… aber im Falle der Essener Philharmonie ist nicht einmal dieser Gesamteindruck schön, wird nicht einmal ein Versuch wie bei Sloane unternommen, die eigene Programmatik von Designern kreativ in Bilder umzusetzen, einen roten Faden für die Saison zu erfinden. Und das ist verdammt schade. Ein Konzerthaus mitten im Ruhrgebiet hat schließlich die nicht zu unterschätzende Chance, mit dieser Position, mit dieser Verortung zu spielen. Was bedeutet das denn, Kultur mitten in dieser Region? Wie reflektiert man das, wie rechtfertigt man die eigene Existenz. Damit kann man arbeiten, damit hat man Spielzeug auf ganze Saisons… und schafft so ein eigenes Bild, ohne die neobourgeouise und irgendwie auch kitschige Taschen-Kalender-Ästethik von nun aaaaausgerechnet Andreas Feininger herbeizitieren zu müssen. Einem Photographen, der phantastisch ist, den man aber dann doch eher als 18-jähriger mal als billiges Print-Poster an der Wand hängen hatte. Oh, wie gern wären wir in NY, nur wegwegweg von hier. Offensichtlicher kann man sich ja kaum für seine Lage schämen und sich via Postkarten-Motivik den Geruch der großen weiten Welt herbeiträumen. Wirklich eine vertane Chance für einen per se programmatisch fleißigen und guten Intendanten. Schade drum, mehr Mut zum eigenen Standort und zum eigenen Look täte der Essener Phil mehr als gut. Vielleicht hätte man Manx auch das Heft gestalten lassen sollen.




Anselm Weber und sein Chefdramaturg Thomas Laue treten im Grillo an, um Elmar Goerden in Bochum das Fürchten zu lehren. Der Ansatz, Bochum als DAS Theater im Ruhrgebiet zu beerben, ist mutig und unweigerlich richtig. Das Zeug dazu haben sie, die Vorschau auf die nächste Spielzeit liest sich – neben all den Supermarkt-Mischung-Elementen, die inzwischen jedes Urbantheater irgendwie anbietet – in den Details, den Reihen und Programmen wie ein Versprechen, den Boden in Essen mit Napalm zu überschütten und anzuzünden. Man merkt Weber zudem an, daß er mal Photodesigner war, da ist eine klare Handschrift, die die unhandlichen Namen der Spielorte auf griffige Essentials vereinfacht, diese wunderbar bebildert, die als Logo einen knienden Junge schafft, ein phantastisches Antilogo für das Haus. Atemberaubend und makellos, wenn ich auch befürchte, daß es in der Praxis vielleicht einen Tick unpraktisch werden kann. Von Markus Rindermann, einem der Ex-Jetzt-Macher auf den Punkt gebracht, wenn man auch über diesen 90er-Vektor-Din-Männchen-Stil etwas streiten darf, ist das mit Sicherheit einer der provokantesten und spielerischsten Ansätze seit langem, die Möglichkeiten schier endlos. Sehr offen, sehr modern, sehr gut. Weniger gelungen finde ich die Financial-Times-rosarote Grillo-Zeitung. Ich habe ein Problem mit reinen Theaterzeitungen. Obwohl in diesem Fall die Qualität der Texte, vor allem bei Laues Interviews mit Weber und den ResidentDirectors wirklich lesenswert ist, beschleicht mich bei solchen Eigenpublikationen im Berliner Format immer das Gefühl, hier machen Dramaturgen Feuilleton für sich selbst. Für Dramaturgen ist das deutschsprache Feuilleton immerhin die große Kirche, da betet man jede Woche, da lebt und atmet man. Wie naheliegend also, selbst so etwas zu produzieren. Nur… wie viele Menschen lesen es eigentlich wirklich, wenn man es selbst schreibt? Man liest ja die ZEIT oder die FAZ und deren Kulturteil gerade, weil es independent ist, und eingebettet in mal mehr oder weniger kluge andere Teile. Weil diese Blätter sich nicht selbst feiern, sondern sezieren, analysieren und somit eben auch Trends, Tendenzen formulieren. Unabhängig, nur geleitet von den Interessen und subjektiven Vorlieben der Schreiber. Das kann eine Theaterzeitung nicht wirklich leisten, die soll am Ende doch Werbung fürs Haus machen. Selbst wenn die Texte mal irrlichtern, am Ende spiegelt doch alles wieder auf die Arbeit des Theaters zurück,soll Tickets verkaufen, soll Abos schmackhaft machen, ist Werbung, nicht Zeitung. Man tut, als wäre man Kulturteil, ist aber Werbekampagne. Diese Mogelpackung, die zudem zu dicht bepackt, zu wenig attraktiv gestaltet ist, zu sehr WAZ und zu wenig ZEIT oder (die leider verstorbene) Woche…. das macht für mich persönlich viel von dem grandiosen Start wieder kaputt. Eine Theaterzeitung, das würde Sinn machen, wenn man auf das Theater verzichtet und das Medium mißbraucht, um die Neugierde auf die Stadt und das Leben hier zu kommunizieren, wenn man fast gar nicht mehr über sich selbst schreibt, sondern über Essen. So aber mimt die Grillo-Zeitung schon im Format eine unhandliche Intellektualität, wo das Logo diese doch zuvor so schön dekonstruiert und entstaubt und negiert hat zugunsten einer Leichtigkeit, eines spielerischen Ansatzes. Kurzum: Insgesamt grandios, aber ich hätte mir ein dickes, fettes, buntes, irrlichterndes Saisonheft gewünscht. Ich setze viel Hoffnung auf Weber und Laue für Essen und ihre Absicht, den Boden hier etwas aufzurollen… macht jetzt also keinen Mist, Jungens.





Das Thalia ist ein Klassiker guten Theaterdesigns. Von Factor Design routiniert entwickelt, mit der üblichen Liebe zu etwas Retromoderner Typo und solidem Papier, diese leichte Balance zwischen den Schwestern Trashy und Classy, das ist schon wunderbar. Das Logo ist reine Magie, der gesamte Auftritt nicht ohne Grund mehrfach preisgekrönt. Ein guter Auftritt für eines der besten deutschen Theater. Das einzige, was stört, ist, daß ich mich nun allmählich damit langweile. Ist das zynisch, brauche ich den monatlichen Kick, bin ich zu hyperaktiv? Mag sein. Ich denke aber auch immer, die Chance eines Theaters ist, ein Chameleon zu sein und sich – innerhalb ganz weniger Eckdaten – mit jeder Saison weiterzuentwickeln, zu mutieren, sich neu zu definieren und peu à peu die Grenzen von eigener Arbeit und auch die des Publikums immer weiter zu redefinieren und zu verschieben, zu dehnen, zu wachsen, Wachstum zu instigieren. Mit den Bielefelder Philharmonikern hab ich es versucht, jede Saison ein neuer Look und so langweilt man sich selbst weniger, fährt jede Saison mit neuer Aufregung in ein neues Wasser… und für die Besucher bleibt jede Saison so ja auch eine neue Überraschung. Ich hoffe, im Theater dort eine ähnliche Strategie fahren zu können, die nächsten vier Jahre habe ich im Kopf grob als Fahrplan fertig, hier weniger jede Saison komplett neu als vielmehr im Sinne einer kontinuierlichen Mutation, de mit jedem Saisonheft dann einen Sprung macht, der rückblickend aber Elemente aufnimmt, die wir in der vorherigen Saison langsam und schleichend bereits eingeführt hatten. Die Chance, lange mit einem Theater zusammenzuarbeiten, ist eben, kein herkömmliches CI zu fahren oder fahren zu müssen, sondern den Printauftritt als eine Art visuelle Extra-Spielbühne zu begreifen, Dramaturgie und Intendanz davon zu überzeugen, auf dem Papier genauso zu agieren wie auf der Bühne, genauso zu inszenieren; Abendprogramme und Saisonhefte wie Stücke, Bühnenbilder, Kostüme zu betrachten und zu nutzen. Nicht als Werbemedium, sondern als Plattform für kreative Arbeit. In Bochum ist es uns gelungen, die Abendprogramme inhaltlich und von der Atmosphäre her mehr und mehr den Stücken anzupassen, zu reagieren, den Dramaturgen die Möglichkeit zu geben, mit uns ein weiteres Element eines Gesamtambientes für ein Stück zu schaffen, nicht ein bloßes Infoblättchen. Wobei du als Designer dann eine Art Bühnenbilder oder doch eher Regisseur bist und im Idealfall symbiotisch mit Dramaturgen, und bei Saisonheften Marketing und Intendanz zusammenarbeitest. Da streitet man sich sicher sehr viel öfter als beim routinemäßigen Abarbeiten, denn es geht um viel mehr als nur darum, Tickets zu verkaufen, es geht ums Ganze, aber das Ergebnis liegt mittel- und langfristig auf einer ganz anderen Frequenz als die reine Werbung. Und warum auch werben Ist Theater Schokolade? Kann man sich nicht besser verkaufen, indem man das tut, was man am bestenkann – inszenieren – anstatt die Techniken einer budgetseitig deutlich besser ausgestatteten Konsumindustrie, die man als Theater ja oft kritisch hinterfragt, einfach zu übernehmen? Hier kann sich Theaterdesign völlig von allen anderen Sachen lösen, kann indirekt und klug verkaufen. Das funktioniert. Theater ist kein Waschmittel und die Zielgruppe reagiert nicht auf plumpe Werbeansprache, sehr wohl aber auf integere und glaubhafte Gesamtkonzepte, die Spaß machen. Insofern, bei aller Bewunderung, finde ich es beim Thalia vielleicht schade, daß es «nur» solide Werbung ist und niemals mehr zu sein versucht, daß das Thalia sich am Ende nur selbst an den Mann bringen will… und nicht die Printmedien dezent shanghait, um eine Meta-Message loszuwerden. Was aber im Grunde inzwischen fast alle deutschen Theater machen. Wovon man aber vielleicht wegkommen sollte, mehr in Richtung…

… von Thomas Oberender, der in Zürich eben genau das tut…








Oberender ist ein Suchender, soviel ist klar. Schon seit 2001, als ich noch in Bochum mit ihm arbeiten durfte, hat er bestimmte Themen, bestimmte Künstler und Ideen als seltsam lateral auskragende Sprungbretter eigener Ideen im Kopf gehabt. Duane Hanson, Neo Rauch, Botho Strauß, diese Namen prägen seine Arbeit am Winter-Heft und am Kalt-und-Klar-Buch, und eben auch im Schauspielhaus Zürich das Spielzeitheft zur ersten Saison. Von formal meisterhaft in Szene gesetzt, geht Thomas hier einen Schritt weiter und inszeniert nicht mehr (nur) Schauspieler, sondern die Züricher Bevölkerung, kehrt in kluger Naivität seine natürlichen Neugierde auf das für ihn neue Publikum und holt sich die Menschen von der Straße unter das Brennglas der Kamera. Losgelöst vom urbanen Kontext, in einer mobilen Whitebox inszeniert, wird der Mensch ungeachtet seiner Herkunft in seiner Tiefe und Eigenart, seiner Flachheit und Austauschbarkeit, zum Gesamtkunstwerk. Oberender macht seine eigenen Hansons, nur aus Fleisch und Blut, nicht aus Metall und Plastik. Das (potentielle) Publikum, die für ihn fremden Züricher, werden so für den Ostdeutschen Oberender zum Schlüssel der ersten Saison. Wie er sich schon in Bochum an den Kern der Mentalität des Ruhrgebiets hervorarbeitete wie kein Zweiter im Schauspielhaus, literarisch wie persönlich, so spürt man auch hier mit jeder Faser, daß Oberender auch als Chefdramaturg immer zuallererst ein Autor bleibt. Das Schauspielhaus ist seine Schreibmaschine, das Saisonheft sein Papier. Das eine beschreibbare Schiefertafel, Inbegriff des Lehrerhaften, Inbegriff des Schreibens, ein zentrales Element von Heft und Architektur des Hauses wird, paßt da wie die Faust aufs Auge. Ob in seinen Texten, ob als Dramaturg in der Exegese und Inszenierung, ob hier spürbar federführend als spiritus rector des Saisonheftes, jede Arbeit von Thomas ist durchtränkt von der Suche nach dem Menschen in all seiner grandiosen Banalität.
Gestalterisch ist das Heft zurückgefahren, schwarzweiß, aber ungeheuer liebevoll gearbeitet. Die rückseitig verklebte Fadenbindung, die das Motiv der Schiefertafel aufgreifenden simplen Buchpappen, die schweizerisch-dezente Typo (vielleicht etwas zu linetoesque), der großzügige Raum, der sogar ironisch-sinnlos-leere Doppelseiten zuläßt, die perforierten Seiten, die das ganze zum reinen Bilderbuch machen, bis man die Texte herausschält (eine archäologische Anstrengung, die sich durchaus lohnt… allein Oberenders eMail an die Designer von formal ist ein Schmuckstück). Das Heft ist ein einziges Geschenk. Man merkt hier und da ein gewisses Produktionstempo, ein Made-in-Eile, aber im groben und ganzen ist es makellos, liebevoll und stolz gemacht. Einziges Detail, das mich stört, sind die Bilder der Schauspieler selbst, die sich eben abheben von denen der Züricher, die mir zu sehr Riefenstahl sind. Hier zitieren die Macher einen anderen Look, eine normierte Photographie, die es immer mal wieder gab, die die Menschen «nackt» und unverfälscht, in stets gleichen Bildern zu deuten versucht. Ganz persönlich mag ich diese Bilder nicht, sie sind ein Bruch, sie schaffen eine Barriere zwischen den etwas verloren wirkenden Zürichern und den fast übermenschlich wirkenden Darstellern des Hauses. Da wäre vielleicht weniger noch einmal mehr gewesen. Aber das ist so eine dünne, karge Kritik an diesem Goliath von einem Heft. Hier ist nichts zu diskutieren, die Grafik ist ruhig, introvertiert, läßt den Inhalten den nötigen Raum. Und Oberender tut das, was jeder Kunsttreibende tun sollte, er shanghait die Werbemedien, um mit ihnen Kunst in den öffentlichen Raum zu bringen, er entert das Saisonheft und macht es zum Ausstellungskatalog, zur Preziose. Das die Texte, die die Stücke anzupreisen haben, sich fast verschämt verstecken paßt nahtlos, hier will jemand bewußt nichts mehr anbiedern, anpreisen, verkaufen müssen. Und inmitten des alltäglichen Sturms von Werbung, von Krach, von kraftmeiernder aber potenzloser Selbstbeweihräucherung, ist dies eben der perfekte Weg zu wirklicher Kundenbindung. Thomas sowie Christian und Louise Riis Ruggaber von formal kommunizieren hier einen hohen, klugen Standard. Einen, der nicht unterbudgetiert atemlos der Industriewerbung hinterherhechelt, sondern seinen eigenen Weg findet, die Nische als Chance nutzt, die Kultur als Auftrag begreift, die eigenen Interessen und Sichtweisen fokussiert und nutzt. Und dieser Weg wird sein Publikum finden und binden. Es gibt immer mal wieder Arbeiten, die resonieren stark mit mir, weil man sich einfach wünscht, daß sie so oder ähnlich vielleicht auch von einem selbst kommen würden, wenn die Sterne richtig stehen und man einen guten Tag hat. Entrepreneur-Projekte. Hefte, die in der Hand liegen und zu denen man sagt: Damn, dich hätte ich verdammt gerne auch gemacht. Dies hier ist eins von diesen Dingern

12. Juli 2005 22:17 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

MILTON GLASER





Milton Glaser ist, wie Paul Rand und vielleicht sogar im moderneren Sinne auch Tibor Kalman, eine dieser amerikanischen Old-School-Institutionen, mit denen man sich visuell vielleicht nicht mehr immer anfreunden kann, deren Handwerk, deren Liebe zum Beruf und deren Witz und Charme, der jede Arbeit durchdringt, umwerfend ist. Wo Tibor für mich stets mehr Denker, mehr Editor, als Designer war, hat Glaser mich immer eher als Illustrator mit starken Wurzeln in den 60er und 70er Jahren beeindruckt. Mit einem starken, wenn auch sehr vielseitig ausgeprägtem Hang, zur modernen, psychedelischen Kunst. Sein I LOVE NY ist eine Ikone der Pop-Art und (ähnlich wie das davon ja eindeutig inspirierte aber sehr viel schwächere, weil zeitgeistigere «Ein Herz für Kinder» in Deutschland), eine dieser Sachen, die eine ast surreale Resonanz haben. So simpel, daß es sofort in den Schatz urbaner Mythen eindringt, wie die lila Kuh, aber so brilliant, daß eben keiner vorher drauf kam.

Mehr hier und hier

11. Juli 2005 20:13 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

RICK POYNOR: DESIGN WITHOUT BOUNDARIES

Rick Poynor gehört für mich zu einem der besten Beobachter der Designszene, oder zumindest zu dem Kritiker, der mich am meisten inspiriert und dessen Ansätze mich am meisten faszinieren. Seine Essaysammlung Obey the Giant ist neben Aichers welt als entwurf das am meisten zerlesene Buch von mir, nahezu jede Seite von verschiedenen Schichten markierter Stellen, Bleistift, Füller, Textmarker, und zahllosen Notizen übersäht. Poynor bietet, was ich in einem Buch dieser Art (ob über Design oder nicht) suche – einen starken eigenen Standpunkt, kritische Interviews, eine Nase für Trends und einen Schreibstil, der dich permanent zwingt, die eigene Arbeit zu hinterfragen,  besser und kreativer und inspirierter sein zu wollen. Design without Boundaires ist im Vergleich mit Obey the Giant weniger eklektizistisch, wirkt vielleicht auch aufgrund der eher älteren Texte aus den 80er und 90er Jahren etwas gedämpfter, bietet aber dennoch eine Übersicht über die wichtigsten Macher dieser Jahre, es fehlt faktisch kein wirklich großer Name der beiden Dekaden. Ein seltsamer Mix aus Interviews, Magazin-Reviews und Portraits verschiedener Designergruppen und Illustratoren, wirkt DWB etwas zusammengewürfelt, etwas ziellos, wenn auch durchaus durch den roten Faden des Themas «Design zwischen Handwerk und Kunst» recht gut zusammengehalten. Kennt man sich einigermaßen aus, bietet Poynor nicht wirklich all zuviel Neues, die meisten Statements von Peter Saville etwa kennt man schon aus dem Design by Buch, wenn das Interview hier auch etwas pointierter ist, die meisten Sachen zu Vaughan Oliver aus der von Poynor mitverfaßten Monographie und so weiter. Die Übersicht und die sich daraus ergebende Vielfalt von Positionen zum Design und die Reflektion der eigenen Arbeit etwa von tomato und Neville Brody, Cartlidge Levene und Jon Barnbrock, ist einfach fesselnd. Neben Jon Wozencroft ist kaum ein anderer in der Lage, das simple Machen von Plakaten, Albumcovern, Visitenkarten und Magazinen so erfolgreich in einen grundlegenden und mitreißenden Strom sozialer und künstlerischer Impulse einzubetten. Beide sind schaffen es, dem grafischen Gewerbe eine Tiefe aufzudeuten, die ihm vielleicht per se eigentlich mangelt, den Handwerksberuf zur Kunst zu stilisieren. Ohne dabei die Sublimität gleich verzweifelt herbeizureden, sondern einfach in der Art, wie er die Kreativen zu Wort kommen läßt, wie er Zusammenhänge schafft, wie er Themen arrangiert, wie zugleich eine ganz eigene Suche nach bestimmte Inhalten, eine individuelle Vorliebe für bestimmte Dinge (wie etwa für Brian Eno) zum Vorschein kommt. Poynor schreibt mit Herzblut, und bestärkt dich jedesmal in dem Wunsch, den Job mit genau der gleichen ehrlichen Liebe zu machen.

10. Juli 2005 16:09 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.

INGENIOUS

Wunderbar inspirierende Site.
Hier

via FutureFeeder

9. Juli 2005 19:14 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

iPod Flea

Very funny. Hier

3. Juli 2005 21:27 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.


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