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MEDIA

Die fetten Jahre sind vorbei. Schrecklicher Film. Platte Botschaft, ödes Drehbuch, schlechte Kamera und Darsteller, die sich unmotiviert und teilweise talentfrei durch die bleiernen Sätze, Pseudo-Authentizität und unwirkliche Vorhersehbarkeit des ganzen beschissenen Filmes stottern. Nichts an diesem FIlm ist verzeihbar, nichts ansatzweise richtig. Die Kapitalismus-Kritik, die uns hier serviert werden soll, ist so absurd platt, unfrisch, langweilig und unreflektiert-dumm, daß man spontan nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, aber schon aus reiner Anti-Reaktion sofort zum FAZ-Abonnement greifen möchte. Das der Plot albern, die Texte flach, die Handlung uninspiriert ist, all das ist eine Sache.. aber daß sich keine der Figuren authentisch anfühlt, daß sich selbst das Entführungsopfer Hardenberg, von dem wirklich guten Burghart Klaussner gespielt, als flache Joschka-Fischer-Persiflage entpuppt und Klaußner an manchen Sätzen spürbar leidet… DAS macht den Film so schrecklich. Vor allem wenn man bedenkt, daß hier per se ausgezeichnete Darsteller versammelt sind. Als Vordiplomfilm einer schlechten Filmstudentenklasse gerade noch eine 4,0, aber im echten Leben kann ein Film kaum schlechter sein. Das Ganze fühlt sich an, als hätte eine Regie- und Darsteller-Crew von Gute Zeiten Schlechte Zeiten mit 20 Euro ein Nebenprojekt gestartet. Und dabei so schlecht, daß es nicht einmal mehr unfreiwillige Komik abgibt. Angriff der Killertomaten ist dagegen Citizen Kane.

Football Factory. Und so gehen Filme. Auch wenn Nick Love sich hier dankbar bei der Ästhetik von Trainspotting und Guy Ritchie bedient (und auch wenn die Übersetzung sicherlich einiges kaputt macht, obwohl ich schon sehr dankbar bin, mich nicht durch sieben Schichten Cockney-Akzent kämpfen zu müssen), belegt dieser Film, daß die Briten es einfach können. Authentisch, böse, witzig, schnell. Niemand erklärt dir in langen Monologen die Welt, du darfst einfach selbst durchblicken. Statt einer langgezogenen moionokausalen Story zu folgen, werden hier clever die Schicksale von drei Generationen verwoben, angedeutet, als Streiflicht erhellt. Gute, unverbogene Darsteller, schnelle Schnitte, perfekter Soundtrack, der richtige Mix zwischen StreetCredibility und moderner Kinoästhetik und vor allem vor allem der Verzicht auf jede Art von Moralkeule. Wenn sich Tommy Johnson am Ende fragt, ob es das alles wert war, ein toter Junge, zig Verletzte, er selbst im Krankenhaus, sein Vater fast gestorben, sein bester Freund wieder solo und jede Menge fucked up lifes… kann die Antwort da einfach nur sein: «Aber sicher». Der auf John Kings gleichnamigem Roman basierende Film umarmt den Laddism der männlichen Proleten im UK und den desillusionierten Macho-Lifestyle der (britischen) Hools, die furzige Spießigkeit des modernen London, den latenten Faschsmus der multikulturellen Metropole. Jede Sekunde von diesem Film ist perfekt, jede Zeile Text wichtig, jede Millisekunde zu lange auf dem Gesicht von Toms Vater (der hier perfekte TV- und Theatermime Dudley Sutton) ein Geschenk. Stilistisch und von der narrativen und cinematographischen Herangehensweise sicherlich keine Innovation, aber insgesamt bis hin zur Abspannmusik – Going Underground von The Jam (ein Song, dessen erste Zeilen die Message des Films noch einmal schön ummanteln: Some people might say my life is in a rut, But I’m quite happy with what I got. People might say that I should strive for more, But I’m so happy I can’t see the point) – und zur letzten Textzeile (Bollocks) nahezu makellos ist.

Vielleicht finde ich ihn aber auch nur deshalb so gelungen, weil ich vorher diesen schrecklichen deutschen Bockmist gesehen habe ;-).

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PLAYER VS PLAYER




Beileibe nicht neu, in den Staaten sind bereits drei komplette Paperbacks der Serie bei Image erschienen, aber immer wieder einen Link wert ist PVP, Scott Kurtz’ Stories um die Nerds Cole, Brent, Francis und Kosorten, die einen leider nicht allzuweit von der Wahrheit entfernten Blick auf Comic- und Film-Fans weltweit freigeben. Dabei geht es nicht immer so derbe zu wie hier beim Thema Podcasting, aber der Humor ist fast durchgehend eng an ein zumindest leichtes Insiderwissen der US-Popkultur angelehnt. Ohne StarWars und Batman zu kennen geht hier also nicht viel. Wenn man als Geek aber (noch) über sich selbst lachen kann… perfekt.

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PIETER HUGO

Bei der Suche nach einem Motivvorschlag für das Dogland-Cover bin ich bald verzweifelt. Ich suchte ein Bild von einem Mann, der im Ghetto einen Mastiff oder anderen Kampfhund an der Leine hält. Ihr kennt das: Man hat das Bild en detail vor Augen, bis hin zu der Art, wie die Kette mehrfach um seine Hand gewickelt ist, die Unterarmmuseln durch den Zug der Leine angespannt, der Hintergrund, das Licht, die Straßenszene im Nicht-Wirklich-Ghetto deutscher Städte.

Bei der Suche bin ich bei BoingBoing aber auf Pieter Hugo gestoßen und seine Bilder von Hyänen-Männern. Im Interview zum Background des Photoshootings erklärt Hugo, daß er das Bild eines dieser Männer online gesehen habe und daraufhin in Nigeria selbst nach diesen Jugendlichen suchte.

“They were smoking lots of marijuana, drinking malt, making muti and just relaxing,�? he says. “They reminded me of trance ravers.�? … “It all starts with a hyena and its handler walking into a township,�? he says of the routine performance enacted in each town they travelled to. The animals have been trained to mock-attack them which, of course, immediately draws a crowd. The handler will fight the hyena and win. Afterwards the monkeys will arrive, doing flick-flacks. They’re dressed as popular soccer stars and walk around collecting donations�?

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PIX FÜR IF UND RED-DOT

Für die Buchpublikationen zu den drei Preisen hatte Julia ein paar Photos gemacht, die aber zumindest im IF nicht genommen werden, die haben sich – auch nicht schlecht so – für die reinen PDFs der Doppelseiten entschieden. Es wäre aber trotzdem schade, Julias Bilder einfach so verkommen zu lassen, aaaaaalso:

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STANLEY KUBRICK ARCHIVE


Der versprochene Stanley-Kubrick-Archive-Eintrag bei Slanted

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BRAVE NEW BOOKS

Hauptsächlich Typo-Stuff aus der strengen Oldschool, die ich derzeit immer noch am schönsten, am reinsten finde. Als Gimmick noch der Richter dazu. Das eigentliche Bonbon, das Taschen-Stanley-Kubrick-Monstrum, werde ich auf Slanted vorstellen.
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PLACES AND SPACES


Der Online-Teil dieser Ausstellung zur Geschichte der Kartographie stellt einige Karten aus der Historie bis zur Neuzeit vor und erklärt ihre Entstehung. Interessanter Überblick über die Selbst-Verortung der Menschheit von der empirischen Erfassung der Welt bis hin zum heutigen Versuch, unsere neuen virtuellen Lebenssphären abzubilden.

via Future-Feeder

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SAISONHEFTE

Seit letzter Woche sind zwei Muster der Saisonhefte von Theater und Philharmonie Bielefeld hier. 144 und 128 Seiten stark, beide zeitgleich gemacht. Aufgrund des knappen Budgets im Kulturbereich sind beide Hefte vom Papier und auch vom Druck her Kompromisse, trotz aller Anstrengungen und der zum Teil phantastischen Leistungen aller Beteiligten. So wie es ist, haben wir mit einem sehr begrenzten Geldeinsatz zwei Spielzeithefte geschaffen, die im Kern deutlich teurer wirken als sie sind. Ich hätte mir sicher gern dickeres Papier, Broschurumschläge, eine Veredelung am Cover und so weiter gewünscht, aber bereits so haben wir gemeinsam mit Buschdruck und dem Verhandlungsgeschick von Susanne Wissen, die der Dreh- und Angelpunkt zwischen der Stadt, mir und den Druckern war, in einigen Punkten deutliche Schritte nach vorn gemacht. Die Werbe-Anzeigen, die Saisonhefte visuell ja immer etwas auf Stadtanzeiger-Niveau herabziehen, sind im Innenteil weitestgehend heraus, auch wenn U2 bis U4 für Hauptpartner verwendet wurden. Die Sponsorenlogos sind dezenter, so daß die Partner weniger störend, integrierter wirken. Wir zeigen, nachdem die an sich tollen Photos von Wolfgang Zurborn in den letzten Jahren eher künstlerisch-poetisch waren, aber eben einfach weit weg vom Theater als lebendes, pulsierendes Ganzes, einfach einmal das Ensemble als solches, als Stars des hauses und somit Heftes, in den wunderbaren Photos von Philipp Ottendörfer. Ich bin sonst immer eher für thematisch gebundene Hefte, aber hier kam einfach die historische Einzigartigkeit der gigantischen Baustelle zusammen mit der Tatsache, daß ein tolles Ensemble jahrlang fast unsichtbar in den Heften war. Und da ich immer gern das Gegenteil von dem mache, was vorher passiert ist…. :-D. Das Heft ist ansonsten fast unbunt, auch hier nach all den recht cyanorangegrünrot farbig unterlegten Heften der Vorjahre ein Detail, das einfach etwas mehr Ruhe schafft, den Blick auf die Bilder lenkt, nicht auf sich selbst verweist. Mein erstes Ziel ist hier, mit der neuen Intendanz einen soliden, ruhigen Auftritt zu etablieren, der weniger werberisch wirkt und eher auf Bilder setzt, in dem wir selbst als Designer fast unsichtbar sind. Das Heft ist mit einigen Ausnahmen im Grunde recht neokonservativ gehalten und somit Trendsetter für meine Phase 1 in Bielefeld, nämlich einen ruhigen, etwas britischen Look zu etablieren, um dann in späteren Phasen nach und nach den Takt zu ändern und etwas tougher zu werden… die zweite Saison stelle ich mir zum Beispiel bereits deutlich opulenter im Look vor, passend zum Wiedereinzug ins wunderschöne Stadttheater.

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PIX

Kurz zum Schluß für heute zwei Bilder, die Julia für Postkarten der Monatsaktionen von Schmitz gemacht hat. Bei diesen Auktionen gibt es einen einzelnen ganzen Raum in der Buchhandlung, der einen Monat lang Bücher , Hörbücher und andere Artikel komplett nur rund um ein Thema bietet. Kochen, Meditation, Hörbuch, Urlaub und so weiter. Werbung wird mit Anzeigen und jeweils 1000 Postkarten gemacht, eine kleinere Menge Plakate würd ich gern noch dazu machen, mal sehen.

Fremdkochen – Thema: Küche aus exotischen Ländern
und

Klostergarten – Thema: Tatsächlich Klostergärten und Meditation, Zen, Entspannung.

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DAS UNABOMBER-MANIFEST

Theodore Kaczynski, Mathegenie, Einsiedler, Irrer, Terrorist, Autor, Bombenleger, zwingt 1995 die Washington Post dazu, ein achtseitiges Manifest abzudrucken. Heutezutage würde er es vielleicht bloggen, aber trotzdem ist es interessant, in den Text hineinzublicken. Manches ist verschwurbelt, manches eher platt, manches absolut richtig.

The system does not and cannot exist to satisfy human needs. Instead, it is human behavior that has to be modified to fit the needs of the system. This has nothing to do with the political or social ideology that may pretend to guide the technological system. It is the fault of technology, because the system is guided not by ideology but by technical necessity.
Hier

via C-Blog

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DR CALIGARI

Der Kult-Original des Films von 1919, Robert Wienes Das Kabinett des Dr. Caligari, einer der ersten expressionistischen deutschen Filme, ist gratis und legal zum Download im Web.
Hier

via Warren Ellis

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HAUTSACHE BREIT.

Hier gibt es eine grandiose Auswahl von hochauflösenden Panoramabildern, größtenteils historisch, zum Download. Jesus, die Library of Congress ist ein Geschenk. Ich will sowas auch in Deutschland.

via C-Blog

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STREETLIFE

Wenn meine Studenten an einem Projekt arbeiten, mache ich meist die gleichen Sachen auch, in diesem Falle insbesondere, weil die Teilnahme freiwillig ist und das Ergebnis zuverlässig im August stehen muß und ich zu dem Zeitpunkt keine Zeit mehr habe, last minute etwas zu machen. Ich bin sicher, am Ende nehmen wir eine Studentenarbeit, hier also für die Halle der Erinnerungen das Rough für das Streetlife-Plakat. Streetlife ist ein internationales Projekt, das Straßen-Tanz, Video, Photographie, Schauspiel und andere Performancearts miteinander verknüpft. Ich wollte einerseits schon in einem für die Szene etablierten Look arbeiten (daher das Wappen und leichte Anklänge an Sprayer-Art), andererseits nicht zu pauschal in Hiphop-Klischees herumfuhrwerken, weil die Gruppe sich darauf auch nicht beschränkt. Die Megaphone stehen ebenfalls noch ein wenig für Rap als Kommunikationstool des Ghetto, aber eben auch für die vielseitigen Ausdrucksformen des Projekts. Es gibt einige aufgebohrtere Varianten, aber am Ende hab ich mich doch für die «cleane» Version entschieden.

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DIE ZEIT

Ich vergesse immer, daß die Zeit ihren fast kompletten Inhalt ja auch online stellt. Hier und hier sind sehr gute Artikel, die zwar per se nichts Neues konstatieren, aber die Bewegung des HighMarketing in den letzten sieben Jahren schön zusammenfassen.
Hier ist außerdem ein grandioser Beitrag aus der jederzeit gnenießenswerten Reihe enjoy capitalism aus der Zeit. Die These, daß der Kaptalismus seit einiger Zeit die innere und äußere Form einer Religion annimmt, ist seit Walter Benjamin ja nicht wirklich neu und stets mit Vorsicht zu genießen, aber die trockene und solide Herleitung des Wirtschaftssystemes, das zum totalitären Glaubensmuster degeneriert in Jens Jessens Beitrag ist einfach schön.

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Das soziale Exoskelett

Das Reality Mining Project von Nathan Eagle hat sich neun Monate lang mit 350.000 Stunden Handy-Nutzung beschäftigt und eine umfassende Analyse der Verwendung von Mobiles geschaffen. Anhand der Daten konnte Eagles Team soziale Vernetzungen und Cliquenbildung feststellen, und aufgrund der Daten läßt sich durchaus auch zukünftiges Gruppenverhalten prophezeien. Ein Data-Mining der Handyinformationen (also Telefonate plus Rolodex plus Termindaten) bilden ein umfassendes Abbild des Lebens der Experimentteilnehmer.

Hier zeichnet sich etwas ab, was ich bereits bei Paris Hiltons Blackberry-Verlust anriß: Das Handy als Lebenspartner. Mobiles sind ja längst keine Telefone mehr, sondern rennen den PDAs als handlichere Alternative den Rang ab, wenn es darum geht, das eigene Leben zu choreographieren und dokumentieren. Sie mutieren zu einer Mischung aus digitalem Gedächtnis, im planerischen Sinne (was mache ich morgen) wie im dokumentarischen Sinne (was habe ich gestern gemacht). Das dies keineswegs (nur) so im Management ist, wie man vielleicht vermuten mag, sondern im höchsten Maße auch bei Teenagern und Studenten, denen man ein derart ver-terminiertes Leben gar nicht wünschen möchte, zeigt auf, daß zum einen hier bereits kapitalistische Zeitstrategien im jüngsten Alter aus den Medien erlernt und assimiliert werden, zum anderen aber der horror vacuii vor der freien, also schwerelosen, Zeit, zunimmt. Das Leben hat organisiert, geplant zu sein, wobei private Sphäre und Worksphere zunehmend verschmelzen oder doch zumindest mit den gleichen Tools organisiert werden. Omas Geburtstag und das Meeting in Frankfurt stehen friedlich im gleichen Outlook-Sheet.

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