



Irgendwo zwischen Blossfeldt und Nick Knight haben diese (leider online sehr kleinen) X-Rays von Blumen schon ihre eigene Magie. Ich überlege gerade, ob diese Art Bild, die so leicht zwischen Kitsch und Transzendenz schwebt, nicht ideal für die Plakate der nächsten Saison der Philharmoniker wäre. Alles in 2 Farben, ganz ruhig. Muß nur sehen ob Peter Kuhn und Tilmann die Idee mögen, ob ich jemanden finde, der die Bilder gratis oder hochpreiswert (Kulturbudget) zur Verfügung stellt oder ob ich sogar eine Chance habe, selbst mit einem Radiologen Bilder zu machen, was vielleicht sogarnoch lustiger wäre, wahrscheinlich aber nicht realistisch klappen wird.
Mehr…
Und noch mehr…
31. Mai 2005 12:17 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Naja, immerhin das Glauben-Cover ist abgesegnet. War auch eine schwierige Geburt, weniger wegen dem Kunden als vielmehr wegen des Themas, bei dem man überall in religiöses Gestrüpp gerät oder zu kopflastig arbeitet. Ich glaube, so viel Brainstorm hatten wir bei noch keinem Cover dieser Serie. Erscheint Ende des Monats. Das Cover ist hier nicht richtig wiederzugeben, da mit blauem Metallic-Ink (PMS 8201) gedruckt und mit (wenn das Budget reicht) partiellem UV-Glanzlack auf der Erde. Die schöne simple Zeichnung und die Headline-Typo sind von René, der Untertitel ist von Stefanie.

30. Mai 2005 21:26 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Momentan gibt es fast wieder ein Rückfall in alte Photoshop-Zeiten bei mir. Ich finde Photoshop-Basteleien von Kopf her immer etwas in Richtung digitalen Kitsch gehend, aber das reine Bauen macht dann doch kindlichen Spaß. Fürs Saisonheft des Theater Bielefeld, für ein Plakat der Philharmoniker und für den WAZ-Zeitungskino-Pitch gab es nach einiger Zeit mal wieder Montagen zu machen. Die Saisonheft-Bilder, ausgehend von den wunderbaren Photos von Philipp Ottendörfer, sind kaum modifiziert, nur künstlich gecrosst und mit jeweils ein oder zwei Zusatzelementen leicht surrealisiert, die beiden anderen Motive langen schon etwas mehr zu…
18:26 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Das ist schons seltsam, einen Film zu gucken, bei dem man das Gefühl nicht loswird, er fühle sich an, als habe Charlie Kaufmann die Finger mit drin (abgesehen davon, daß er vage an Peter Hoegs Die Frau und der Affe erinnert, allerdings ohne dabei eben unfreiwillig komisch zu sein, was bei Hoegs Buch leider komplett der Fall ist). Ein abstrus-absurdes kleines Moralstück über das, was Menschen ausmacht und antreibt. Da wird eine Frau zum Tier und wieder zur Frau und wieder zum Tier und wieder zur Frau, ein Affenmensch (oder vielmehr sein Sohnemann) macht mehr oder minder spiegelbildlich das gleiche durch, und ganz nebenbei spielen eigentlich überall die Hormone und Egos verrückt. Das dabei von Anfang an klar ist, daß Dr. Bronfman (Tim Robbins) tot ist und Charaktere schon erzählen, bevor sie überhaupt eingeführt sind, gehört dabei nur zu den Details des Kaufmannschen Wahns. Gedreht hat den Film dann von Videoclip-Meister Michel Gondry, der kürzlich auch Kaufmanns Skript zu Eternal Sunshine of the Spotless Mind verarbeitete, der allerdings hier auf jegliche Effektmätzchen verzichtet und einen visuell weitgehend normalen Film abdreht. Human Nature ist nicht Being John Malkovich und erst recht nicht Adaption, aber gut genug, um nicht übersehen zu werden… und da der deutsche Verleih den Film anscheinend als platte Komödie verpackt, IST er leicht zu übersehen. Schon fast bezeichnend, daß der Verleih einen Film, der sich jeder Kategorisierung so leichtfüßig entzieht, einfach mirnixdirnix ins Komödienfach steckt. Aber da stand in der Videothek auch letztens schon The Rules of Attraction (ultralose basiert auf dem Brett Easton Ellis Buch)… und das sagt dann auch alles.
Unter den relativ braven und meist hoch vorhersehbaren Filmen, die ich in letzter Zeit so gesehen habe (der müde Bad Santa, der von Plotlöchern gequälte Gothika und der eigentlich ebenfalls sehr sehenswerte Shaun of the Dead, der nur im letzten Drittel etwas durchhängt), ragt Human Nature jedenfalls als ein unberechenbares kleines Juwel heraus. Kaufmann ist der beste Drehbuchautor, den die USA derzeit haben
29. Mai 2005 22:11 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Auf der Suche nach dem neuen Look des Nationaltheater Mannheim, in das die Bielefelder-Ex-Intendantin Regula Gerber wechselt, habe ich einen einige Jahre alten Text über die Arbeit für öffentliche Einrichtungen gefunden, an dem u.a. Andreas Homann (der gemeinsam mit Brody das Schauspielhaus Hamburg gemacht hat und das X für den «alten» Mannheim-Look entwickelte, ein kaum zu toppendes Visual) und Johannes Erler (von factor design, die ja das Thalia machen) beteiligt. Vieles davon läßt sich bestätigen, wie etwa das etwas traurige Herumgespare am Außenauftritt bei den Theatern, wo zugleich irrsinnige Summen an anderen Stellen verbraten werden; auch das Konsensmodell stimmt, in Bochum haben wir teilweise sehr befriedigende Sachen gemacht, teilweise kompletten Kompromiß-Müll produzieren müssen, aber alles in allem ist meine Erfahrung nicht so negativ.
Die meisten Dramaturgen, die ihr Geld wert sind, wissen, daß es am besten ist, uns machen zu lassen und eher als Inspirationsquelle und Ideen-Partner zu wirken, vom Bühnenbild hat sich bisher noch niemand eingemischt, obwohl ich mir vorstellen kann, daß mich die Ideen einen K.E. Herrmann eher ordentlich begeistern würden.
Problematisch an der Arbeit für öffentliche Einrichtungen wie Theater und Sozialinstitutionen finde ich derzeit eher die Orientierung am ökonomischen Primat. Theater wollen Karten verkaufen, Suchtzentren Therapieplätze. Das ist sicherlich zunächst sinnvoll und ich bin der erste, der gegen eine Arbeit im Elfenbeinturm ist. Design muß auch funktionieren dürfen. Oft ist das Ergebnis dann aber brav und anbiedernd, ängstlich-vorsichtig und allzu industriell-mittelständisch und geht damit an der Essenz der eigentlichen Bedeutung solcher Einrichtungen vorbei. Theater ist eben mehr als ein Freibad, mehr als nur ein Entertainment- und Bildungsauftrag. Theater ist Kultur. Und muß insofern auch mal ordentlich wehtun dürfen. Theater ist Kunst, und die muß irritieren können. Die Aufgabe öffentlicher Subvention ist ja gerade, diesen Freiraum zu gewährleisten. Ansonsten sind die meisten Stadttheater ganz schnell auf Stella-Musical-Niveau oder spielen Schenkelklopfer-Boulevard. hauptsache, daß Haus ist voll. Je härter die Zeiten, je höher der Druck, umso bösartiger muß meines Erachtens nach eigentlich das Design werden. Insofern ist für mich derzeit in der Arbeit mit Theatern oft der Wunsch nach einem konservativen Auftritt, das Denken in (in der realen Wirtschaft fast veralteten) Corporate-Design-Strukturen manchmal etwas, von dem ich glaube, es führt die Theater in die falsche Richtung.
So ist zum Beispiel in Bielefeld unsere Strategie, den Wunsch nach Bürgerlichkeit zu respektieren (es ist nicht mein Job, Abonnenten zu vergraulen), aber dennoch peu a peu das Design in eine Richtung zu lenken, die eben in kommerziellen Imagebroschüren nicht mehr gehen würde, weil man ja immer etwas verkaufen will. Theater-Design wird immer dann gut, wenn man sich freigeschwommen hat und aufhören kann, etwas an den Mann bringen zu müssen. Das hat in Bochum (auch getragen von Hartmanns kommerziellen Erfolg, gepaart mit Oberenders Wunsch nach mehr Tiefe im Inhalt) ausgezeichnet funktioniert, ganz am Schluß unserer Zeit dort sind teilweise relativ seltsame Dinge publiziert worden, mit denen ich bis heute zufrieden bin. Theater sind Kunst-Plattformen und sollten, wie Museen und andere Einrichtungen, auch so auftreten. In Bielefeld möchten wir einen deutlichen Sprung von Gerber zu Michael Heicks machen, aber im Grunde weiß ich, daß der wirkliche Auftritt erst emergieren wird, wenn die Intendanz uns zwei drei Jahre Zeit gibt, nach der Pflicht die Kür zu liefern. Ich bin der festen Überzeugung, daß eben auch auf Regionalebene ein Auftritt wie in Berlin oder Wien machbar sein sollte und machbar sein muß, daß eigentlich sogar etwas mehr Provokation dazugehören kann, die auch machbar ist, wenn sie Ironie und Charme hat und dem Publikum klarmacht, daß es gemocht wird und eingeladen ist. So etwas geht und genau das müssen öffentliche Einrichtungen verstehen. Sie haben nicht das Budget, um mit der industriellen Werbung mitzuhalten. Die einzige Lösung hier ist immer und ausnahmslos, sportiver zu denken und der Industrie nicht hinterherzuhecheln (oder gar große Agenturen zu beschäftigen), sondern schneller, kleiner und aggressiver zu werben.
15:43 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Bei Defamer gibt es einen Vergleich zwischen dem offiziellen War-of-the-Worlds-Plakat, dem Remake von Steven Spielberg und dem Hauptdarsteller, Scientology-Mitglied und Co-Produzenten des Films Tom Cruise und einem Buchcover des Scientology-Begründers Ron L. Hubbard. Nun habe ich zunächst mal gar nix gegen Cruise oder Scientology (wiewohl ich Hubbard als SF-Autor wirklich schlecht fand), und schon gar nichts gegen Cruises Einsatz für etwas, an das er persönlich glaube… aber diese Sache kommt mir doch etwas plump gemacht vor.

10:45 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.





Sensacell ist ein Interface-System für «smart architecture», aber auch für mutlimediale Anwendungen. Der Mix aus Sensorsystem und LED-Licht macht es mölich., interaktive Displays nahtlos in (innen)architektonische Ideen einzubinden, beispielsweise in Event- oder Messebereichen, bei Ausstellungen usw. Einen Video gibt es hier
via Futurefeeder
10:33 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Ich weiß nicht, wie lange der Link funktioniert, aber via The Beat sind hier zehn Minuten aus Batman Begins. Obwohl der FIlm sicherlich besser sein wird als die Schumacher-Batman-Filme und eigentlich auch Burton übertreffen sollte, bin ich etwas unglücklich. Ich lese gerade Frank Millers Year One… und eigentlich müßte man diesen Vierteiler aus den 80ern nur 1:1 nachfilmen und vielleicht etwas ergänzen, auf Gimmicks wie Panzerautos und Gummikostüme und andere Pseudo-James-Bond-Einlagen komplett verzichten und Batman wieder auf den Punkt bringen: aus einem traumatisierten Kind wird ein hyperfokussierter, bis an den Rande der Vernunft getriebener Mann, der sich ein seltsames Trikot anzieht und gegen Verbrechen und Korruption antritt. Ende. Alles, aber auch alles an Year One ist absolut filmtauglich, braucht keinerlei Vorwissen, ist komplett unpeinlich und hat den klassischen Spannungbogen, den ein Film einfach braucht. Abfilmen und fertig. Wie bei Sin City. Es ist eine Story zwischen Gordon und Wayne, über ihre Ankunft in Gotham City,über ihre Anfänge, über eine seltsame Männerfreundschaft… es braucht keinen Ras al Ghul, keinen Scarecrow. Und ein Batman im steifen Gummianzug, dabei bleibt’s für mich, ist niemals Batman. Teil der Idee ist doch, daß Wayne nicht wie ein Ritter herumstakst, sondern Akrobat ist. Kein james Bond, sondern ein Detektiv und ein Fighter. Ein Akrobat braucht eher so etwas wie ein Spider-Man-Kostüm. Nur einmal möchte ich erleben, daß Hollywood die Sache richtig hinkriegt :-(.
10:18 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.










Mateusz Herczka arbeitet als hochvielseitiger Künstler, aber mehr als seiner Performances, Konzerte und Schauspielarbeiten faszinieren mich seine Arbeiten an der Grenze multimedialer Kunst, die Video, artifizielle Intelligenz und eine gehörige Prise ironische Electronica verbinden. Es ist nicht nur so, daß der Background stimmig ist, die Ideen sinnvoll und die Software von der Idee her oft neuartig, sondern daß es am Ende auch einfach gut aussieht.
Mehr…
07:58 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.







Ich glaube, was mir an den Bildern von Satan’s Laundromat immer und immer wieder so gut gefällt, ist, daß da jemand für mich durch New York wandert und Inspirationen sammelt, die so selbst gern finden würde. Es ist wie ein virtueller Trip durch die Stadt, nur eben sans Jet Lag. Immer wieder einen Besuch wert.
07:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Bei metacool bin ich über den Begriff Beausage gestolpert. Diego Rodriguez bezieht sich hier auf eine Worschöpfung von Grant Petersen, der damit die Ästhetik bezeichnet, die die Stufen eines Amphitheater durch die Abnutzung von tausenden von Füßen gewonnen haben, die die Motorhaube eines Ferrari 250 durch den Steinschlag gewinnt oder ein Fahrradsattel, der sich durch die Abnutzung an seinen Benutzer anpaßt. Anders als Patina oder Nostalgie, obwohl mit beiden sicher verwandt, geht Beausage ein Stück weiter und macht die Abnutzung zum integralen Bestandteil der Schönheit eines Objektes, es wird schöner durch die Benutzung. In William Gibsons großartig vielschichtigen Roman Pattern Recognition gibt es ein analoges Motiv in der reproduzierten Buzz Rickson MA1-Jacke der Coolhunterin Cayce Pollard (in der diese Beausage-Eigenschaften künstlich eingearbeitet sind, wie etwa die unsauberen Nähte). Das Buch war so erfolgreich, daß Rickson sogar eine spezielle Pattern-Recognition-Version in schwarz herausbrachte (Gibson schreibt im Buch, daß Pollards Jacke schwarz ist… es gab aber nie eine schwarze Version. Nach dem Buch war die Anfrage jedoch so groß, daß die Firma kurzerhand eine schwarze Version nachlieferte. Form follows Fiction.
Das Truetalk-Blog verknüft diesen Begriff mit dem japanischen Konzept von wasi-basi, einer Zen-Ästhetik-Vorstellung, die mit der Mangelhaftigkeit, der Inperfektion von Gegenständen zu tun hat. Die Bescheidenheit und Erdverbundenheit nicht-perfekter Gegenstände verleiht ihnen ihre Transzendenz. Wir alle kennen solche Gegenstände. Werkzeuge, die unsere Großeltern bereits benutzt haben. Der Unterschied zwischen einer sterilen fabrikneuen S-Klasse und einem liebevoll erhaltenen, aber eben doch unweigerlich benutzten 300b. Beausage hat etwas mit dem Wissen zu tun, daß solche Gegenstände nicht anonym gefertigt sind, nicht Teil eines gänzlich effizienten Produktionsprozesses, sondern Ergebnis einer liebevollen Planung und Durchführung. Beausage hat dabei auch etwas mit Materialien zu tun – Grant Petersen, der den Begriff prägte, hält fest, daß klassische, echte Materialen Beausage entwickeln, während modernes künstliches Material eher «Junk» wird (was schön zu Rem Koolhaas Analyse moderner kommerzieller Architektur als der Schaffung von Junk Space paßt), Leder altert, Polyester vermüllt. Beausage hat etwas mit dieser seltsamen Balance zwischen Benutzung und Pflege zu tun, letzten Endes mit dem Fetisch von Alltagsobjekten, mit Dingen, die uns am Herzen liegen. Nicht zuletzt auch mit einer Ehrlichkeit, die einigen Materialien einfach inhärent ist, anderen eben nicht. Ein Cellulose-Füller ist etwas anderes als ein Plastik-Füller. Genähte Ledersohlen unterscheiden sich von geklebtem Gummigemisch. Ein Backsteingebäude wird immer schöner altern als ein Betonbau.
Bei Jonathan Carroll sind es oft Uhren und Füller, die als solche Kulturfetische dienen, in Outside the Dog Museum sind es Türen und Leitern die zugleich als weitere Symbole dienen, aber auf einer Ebene als Symbol der handwerklichen Liebe dienen, die Morton Palm in diese Alltagsobjekten steckt). Bei mir ist’s mein altes Leder-Notizbuch, ein Hochzeits-Memorabilia. Nahezu jeder Mensch hat solche Herzens-Gegenstände. Und sie alle sind abgenutzt und haben Patina, haben Geschichte. Sind Fetisch-Objekte. Denen man die Liebe, die in ihrer Produktion und ihrer täglichen Benutzung steckt, ansieht.
Allein dies ist bereits fürs Produkt-Design entscheidend bei der Frage um die emotionale Aufladung von Gebrauchsgegenständen… aber Beausage geht noch einen Schritt weiter. Abnutzung erklärt schließlich auch Funktion. Der Trampelpfad im Feld zeigt den besten, sichersten Weg nach Hause. Der abgewetzte Siebdruck auf den Tasten eines Cassettenrecorders zeigt dir, weilche Tasten du drückst, um aufzunehmen oder abzuspielen. Hier bekommt Beausage eine funktionale Dimension. Die Dinge sehen nicht nur besser aus, je länger man sie benutzt, ihre Benutzung wird auch zur materielle emergierenden «Bedienungsanleitung».
Im digitalen Zeitalter, in der Patina immer öfter nur ein Fake ist (wie das Chromfinish an meinem Cooper gegenüber dem echten Chrom an meinem alten Amazon), wird Beausage zum Gegenpol einer durchindustrialisierten, oberflächlich gewordenen globalisierten Produktion, aus der die Controller Jahr um Jahr das Herzblut gepresst haben. Manufactum lebt gut von diesem Gegenpol, von der Vorstellung, daß es noch «gute Dinge» gibt, die ehrlich hergestellt sind und dementsprechend ehrlich altern werden, die Charakter entfalten können und allein durch ihre Materialität und die Liebe zum Detail unser Leben bereichern, meditative wasi-sabi-Objekte werden.
Hier sehe ich eine Überlebensnische für zumindest viele Luxusartikel. Porsche muß niemals wie Toyota agieren, weil die Autos mit Liebe gebaut werden. Die Verbreiterung der Produktpalette ist da fast eher ein langfristiges Problem. Ein SUV und ein Family-Van verwässern die Identität, die Magie, die Tradition des Produktes. Und das wird sich bitterst rächen. Denn diese ephemeren Qualitäten, die kaum ein Manager wirklich versteht, werden in einer Welt von mehr und mehr streamlined products immer wichtiger werden. Das Unangepasste, das Rauhe… das eben, was gut altert, schön verwittert. Ein echter Dodge Pickup sieht erst gut aus mit ein paar Beulen, beim X3 heult der Junior-Bankangestellte beim ersten Kratzer. DAS ist der Unterschied. Das Authentische, das sich eben nicht in einer Fabrik in Taiwan faken läßt. Das auf Benutzung ausgelegt ist. Das für Benutzung gebaut ist. In Zeiten, wo Produkte nach der Garantiefrist einfach auseinanderfallen und Ersatzteile fast so teuer sind wie ein Neugerät, klingt das wie ein Sakrileg. Oder wie eine Lösung.
Zugleich ist zu überlegen, wie sich Beausage in die Welt von Print und Screendesign einbringen läßt. Beim Buch gibt es Beausage natürlich, Bücher werden schöner, je abgelesener sie sind. Ich liebe mein Obey The Giant umso mehr, je öfter ich hineinkritzele und notiere. Das Buch ist ein Museum von Gedanken, die Poynor auf mehreren Flügen bei mir ausgelöst hat und wird insofern mit jedem Lesen schöner. Bei Imagebroschüren und Visitenkarten ist das sehr viel schwerer zu sagen… meist sind diese Sachen druckfrisch am schönsten. Man sollte überlegen, wie man den Alterungsprozeß, die Abnutzung aktiv in das Design einbinden kann, und sei es nur als kleines Experiment, indem etwa Schrift erst nach einiger Zeit sichtbar wird oder Man Seiten herausreißen muß, um bestimmte Inhalte lesen zu können..
Screen ist noch viel kritischer, schließlich können Websites kaum altern,w erden sie doch alle zwei bis fünf Jahre komplett überarbeitet. Hier finde ich aber die Idee, das die Benutzung aktiv die Site beeinflußt, interessant. Die Trampelpfad-Analogie. Bei der Rütgers Stiftung, (eine Site, die inzwischen nicht mehr lebt, sehr schade, eine völlig einzigartige FLash-Site ist zugunsten eines mageren Template-Designs aus der Kiste ersetzt worden. ) haben wir dies bereits ansatzweise umgesetzt… die Menüstruktur ergibt sich aus den zuletzt geklickten Items des Besuchers. Auch Farbe und Menüform sind modifizierbar und werden per Cookie gespeichert, die Site verformt sich also durch Gebrauch. Bei Kais Power Tools (Prä-Corel) gab es eine analoge Idee. Erst als fleißiger User kam man an bestimmte Programm-Features heran, quasi als Belohnung. Das Programm wurde also durch regelmäßige Nutzung tatsächlich besser.
Die Idee wäre weiterzuspinnen… wie wäre es mit einer Site, die komplett nicht durch einen Nutzer, sondern ganz «demokratisch» durch die Bewegungen und Vorlieben ALLER Besucher verändert wird? In der tatsächlich Trampelpfade entstehen? Stelle ich mir spannend vor. Beausage als Interface-Konzept; der Trampelpfad, das Abgewetzte als User-Metapher für ein materieloses Genre… das klingt zunächst einen Versuch wert.
Dieser Blog-Eintrag ist übrigens auch Beausage. Beim Eingeben habe ich einmal, heute morgen, das Fenster versehens geschlossen, ohne abzusenden. Vorhin ist mir der Artikel einmal abgestürzt. Jetzt ist er das dritte Mal aus dem Kopf geschrieben und dabei etwa viermal so lang geworden wie der Eintrag von heute früh. Schlecht für euch Armen, die ihr das hier eventuell tatsächlich lest, aber gut für meinen Kopf.
28. Mai 2005 19:27 Uhr. Kategorie Leben. Tag Belletristik, Vernacular. 3 Antworten.
Robot ist nicht nur der Name eines Buches von Isaac Asimov, der mit seinem umfassenden Kanon von Roboter-Geschichten seit den 40er Jahren die Idee einer Zukunftsgesellschaft, in der Menschen und Robots mal mehr mal weniger gut zusammenleben, etablierte und dabei den Begriff der Robotik prägt, sondern auch eine US-Firma, die Robotoer für den Hausgebrauch und für das Militär fertigt. Gründerin und Vorstandsvorsitzende ist Helen Greiner, wie bei Asimov, eine Frau – in Asimovs Fall Dr. Susan Calvin, die Vordenkerin von U.S. Robotics. Asimovs (für seine Zeit) wunderbare psychologische Moralgeschichten gehören wie viele der klassischen SF-Shortstories (Bradbury, Dick, Ellison usw.) zu meinen Favoriten und es ist seltsam, seltsam, seltsam, mitzuerleben, wie die Geschichten anscheinend wahr werden.
iRobot via JoiIto
11:37 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Drüben bei Speak up gibt es im Commentbereich von God is in the Big Idea eine kleine Zitatensammlung rund ums Designen. Ein paar Sachen sind falsch zugeordnet (You cannot not communicate ist von Paul Watzlawick, nicht von Paul Rand. Erbsenzählerei beiseite, ist der Thread sehr lesenswert.
11:19 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Auch wahrlich kein Geheimtipp mehr, aber immer einen Link wert ist die Frankfurt-Berliner Crew von Surface







27. Mai 2005 09:20 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Irgendwie, ganz wertfrei, ist Kunst nicht mehr, was sie einmal war. Wo einst die Kunst ein fast abstraktes, reines Schönheitsideal suchte, ist sie heute – sicher auch nach der Erfahrung von zwei Weltkriegen – zumindest partiell eher daran interessiert, zu irritieren, aufzurütteln, zu verstören, gesellschaftliche und individuelle Wunden bloßzulegen. Nur konsequent, vielleicht auch reine Verzweifelungstat, da die ehemalige Aufgabe der Kunst – das Ästhetische – längst von der Werbung shanghait wurde. Schönheit ist allgegenwärtiges Ziel ganzer Industrieketten, die reine Abbildung des Makellosen längst an das Gewerbe derMode- und Architekturphotographen abgetreten, die sich imPhotoshop die Realität zurechtpixeln. Es ist also fast Notwehr, wenn gerade die Installationskunst immer absurdere Blüten treibt, wohl auch, um in der zunehmend abgestumpften Wirklichkeit überhaupt noch aufzufallen.
Der Aktionskünstler Emilio Mogilner hat mit dieser Aktion vor der Hapoalim-Bank in Tel Aviv gegen deren Finanzierung der Trans-Israel-Autobahn protestiert. Das Fleisch der Leichen ist aus Supermarkt-Geflügelfleisch, was der Installation eine schöne Doppelbödigkeit verleiht, wie ich finde.



Dem Hund jedenfalls scheint es zu gefallen.
09:29 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Trotz vieler absolut exzellenter Independant-Schriftfoundries wie OurType, TEFF, Luc(as)Fonts usw. ist FontShop International für mich nach wie vor das Unternehmen, das die mitunter besten typographischen Schriften zum soliden Preis anbietet. Historisch haben Erik & Co eine kleine digitale Revolution (mit)angezettelt, Meta und Thesis haben das Schriftdenken ebenso verändert wie Blur und Trixie, und aktuell sind die Schriften des Hauses zwar zunehmend weniger experimentell, aber definitiv immer Oberliga. Einziges Manko war lange Zeit, das FSI nicht auf OpenType umgestiegen ist… aber jetzt ist es endlich soweit, die ersten Fontshop-Schriften sind als OTF erhältlich. Gute Sache.
Hier…
25. Mai 2005 16:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.


Gerade in der Mail:
27-21780 nrw liest 2.1 print media: Image
27-21781 Spielzeit 2004_5 Bielefelder Philharmoniker 2.1 print media: Image
Sehr geehrter Herr Schellnack, Sie sind einer der Preisträger unseres iF communication design award 2005. Herzlichen Glückwunsch – wir freuen uns mit Ihnen! Ihr Beitrag, sind von der diesjährigen international hochkarätig besetzten 15 köpfigen Jury mit dem begehrten iF award für exzellentes Design ausgezeichnet worden. In diesem Jahr bewarben sich 1.211 Beiträge aus 31 Ländern.
Bin baff. Gleich zwei Awards. Für zwei Jobs, die ich wirklich gern gemacht habe. Nicht schlecht. Wahrscheinlich war jemand in der Jury, der zufällig mit mir verwandt ist oder sowas. Wie dem auch sei: heute abend gibts Alkohol…
15:54 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
CG Jung hat recht, das leben ist von seltsamen Synchronizitäten geprägt. Kaum kommen bei uns aus Salzburg von Nina Hubingers lieber Tante zig Kitschartikel von Mozart für das Saisonheft 5/6 der Bielefelder Philharmoniker an (wobei die Mäuse im Keller prompt die Mozart-Taler angeknabbert haben), was an sich schon witzig ist, weil das Auktionshaus Kaupp ja in Sulzburg sitzt, was bei mir permanente Versprecher in Sachen Salzburg produziert hat in den letzten Tagen, da lese ich gerade jetzt auch noch, daß Thomas Oberender ab 2007 das Schauspiel der Festpieltage in Salzburg leiten wird.
Das ist kein so grandioser Coup wie die Intendanz des Deutschen Theaters, aber zusammen mit Jürgen Flimm sicher ein grandioses Stück Kultur und hoffentlich ein Schritt zur Intendanz an einem großen deutschsprachigen Haus, vorzugsweise in Berlin. Den Dreisprung Bochum–Zürich–Salzburg stelle ich mir persönlich familiär zwar mehr als anstrengend vor, aber ich hoffe, die Sache ist es wert. Herzlichen Glückwunsch…
23. Mai 2005 21:58 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Ganz kurz zwei drei Filme, die mir hängengeblieben sind in den letzten Tagen:
Bad Bad Things – Verbrechen kann so sexy sein, eine idiotische deutsche Übersetzung für einen französischen Film namens Mon idol. Der Titel bringt gleich zwei gruselige Trends der letzten Jahre auf den Punkt: zum einen macht er aus einem französischen Titel einen Englischen (so wie es ja auch beliebt ist, einen englischen titel durch einen anderen englischen Titel «einzudeutschen»), was schon ziemlich absurd ist und zum anderen bringt er die stets beliebte Gedankenstrich-Technik, bei der nach dem Gedankenstrich der eine Art zweiter Titel folgt, der meist an Debilität dann kaum zu toppen ist. Mein Favorit in der Rubrik Gedankenstrich-plus-Titel-Verbrechen ist derzeit übrigens Tru Calling – Schicksal reloaded. Man kann gar nicht so viel trinken, wie man dabei weinen möchte. Zumal die Serie so gar nichts mit Matrix zu tun hat.
Wie dem auch sei, der Film an sich überzeugt, weil er in seiner Eskalation einfach Spaß macht, nahtlos zwischen schwarzer Komödie und Gesellschaftssatire irrlichtert und weil er, wie so viele gute Franko-Filme, völlig unberechenbar bleibt, wo die meisten deutschen und US-Produktionen im gewässer des stets schon gesehenen bleiben. Das Ende ist grandios unerwartet.
Durchaus ein US-Film., aber ebenfalls voller hier und da unerwarteter Wendungen (zumindest zu Beginn) ist The Manchurian Candidate von Jonathan Demme (Das Schweigen der Lämmer… aus einer Zeit, in der Filmtitel noch eingedeutscht wurden ;-)). Mag sein, daß es daran liegt, das ich komplett unvorbereitet, ohne auch nur den geringsten Schimmer vom Buch, dem Sinatra-Orginalfilm, oder gar Trailern oder Vorschauen oder selbst DVD-Box-Text zu haben, in diesen Film startete… aber der surreale Schwenk von dem, was ein Thriller oder ein Kriegsfilm hätte sein können zu einer surrealen SF/Verschwörungs/Mystery-Thematik und wieder zurück zu machen, ist nicht ohne. So unvorbereitet einen Film zu sehen ist eine sehr frishce Erfahrung, weil es so mehrere Momente in diesem FIlm gab wo man einen echten «What the fuck?»-Moment hat. Ist das einmal durch und verdaut, läuft der Film zwar im höchsten Maße nach dem ja doch berechenbaren Uhrwerk der meisten Thriller ab (abgesehen von dieser kleinen Inzest-Andeutung zwischen Meryl Streep und Liev Schreiber), überzeugt aber handwerklich trotz des ein oder anderen Plotlochs als spannender und in allen Details darstellerisch durchweg sauber besetzter Film, der mich – obwohl sicher Hollywood-Standardware – sehr positiv überrascht hat.
SAW hingegen, der im Trailer vielversprechend war, enttäuscht bodenlos. Flach, bei Finchers Sieben schlecht abgekupfert und zwar nicht wirkliuch vorhersehbar aber eben so dermaßen albern aufgelöst, daß man sich nur noch ärgert, überhaupt mitgegrübelt zu haben. Sorry, ich denke mir für den Film lieber mein eigenes Ende aus, das macht ihn erträglicher. In meinem Alternative Ending ist der Doktor der Täter und alles paßt dann auch deutlich besser zusammen.
Und ja, ähnlich flachgelegt wie die Filme sind bei mir derzeit auch die Bücher… ich lese derzeit eher Pageturner (haha, so heißt jetzt ja auch im wilden Wortspielangfall ein Bertelsmann-Verlag: Page & Turner. Ach, wie lustig.), reine Krimis und solche Sachen, Dortmunder-Bücher von Donald Westlake, Kellermanns Alex-Delaware-Schmonzetten. Wenn viel Stress ist, ist so etwas besser zu verdauen als wirkliche «echte» Lektüre. Spannend, kurzweilig und zero Belastung im Gehirn, muß auch sein dürfen. Meine starke Neigung zum Trash schlägt dann auch einfach in diesem Segment zu. Ich mag billige TV-Serien, schundige Filme und immer wieder einfach auch mal Bücher, die einfach diesen seltsamen Bahnhofsbuchhandlung-Serien-Pulp-Charakter haben. Bei Kellermann reißt es die gut geschriebene nonverbale Kommunikation wieder etwas heraus, bei Westlake der trockene Humor.
Zeitgleich aber zwei etwas empfehlenswertere Sachen:
David Bohm On Creativity. Ich fange zwar erst damit an, es verspricht aber ein ausgezeichnetes Buch zu sein. Bohm ist eigentlich Wissenschaftler und wie er über verschiedene Ebenen hinweg die Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft schlägt und nach der Wurzel kreativen Denkens forscht, das hat was. Das Vorwort allein ist den Eintritt wert. Damn, das COVER allein schon.
Rick Poynor: Design without Boundaries. Poynor ist ein unglaublich guter Schreiber in Sachen Design, vielleicht der beste, den ich derzeit kenne, kritisch und zugleich enthusiastisch, und sein Fokus liegt hier auf der Design-Revolution in den 80er und 90er Jahren. Hochlesenswert.
00:23 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

FutureFeeder ist ein Blog, das Bruce Sterling völlig zu recht als fast surreal – wie aus einem Paralleluniversum sendend – beschreibt. Weit, weit vorn.
20. Mai 2005 20:21 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.
Geboren Thielsch. Weiß da jemand zufällig, wo ich Material herbekomme, eine Homepage oder sowas. Walter war mit Holger Hiller und Konsorten bei Palais Schaumburg, hat eine Zeit mit Dirk Rudolph gewerkelt und ist heute als Grafikdesigner (u.a.für Keimzeit) und Regisseur (u.a. für Fury in the Slaughterhouse) von Hamburg aus dabei… aber ich find keine Arbeiten von ihm. Schade.
15. Mai 2005 19:32 Uhr. Kategorie Online. 2 Antworten.

Ein Thread bei Typophile brachte mich auf Newlyns Site. Unter anderem hat er das aus meiner Sicht eigentlich unsagbare ish-Logo entworfen, das nach seiner Erklärung gleich viel mehr Spaß macht… Außerdem diverse andere Logos und Schriftarten für einen recht prominenten Kundenstamm, wobei die Designs oft aus einer überraschend skulpturalen Denkweise kommen, die ich überraschend und hochangenehm fand.
10:13 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Alle News rund um Typographie in einem Flow… hier.
14. Mai 2005 20:20 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Kitsch, das ist das, was bleibt. Von einer Epoche. Von einer Person. Von einer Idee, wenn sie nur lang genug gefiltert und auf den niedrigsten Nenner verdaut wurde. Einstein und seine Zunge, Lady Di und der Tod im Tunnel, James Dean und Pomadefrisuren, JFK und Marilyn, Marilyn und der U-Bahn-Schacht, Bruce Lee und der gelbschwarze Anzug, der dicke Elvis und das Glitzerkostüm, Mozart und die Perücke, der Barock und das Schwülstige.
Kitsch, das ist, was bleibt. In unserer Erinnerung. Was einfach genug ist, am Teflon des Gedächtnisses nicht abzugleiten. Prägnant genug. Es ist der Nippes unseres Gehirnes, die Reduktion komplexer Realität auf ein bewältigbares Simulacra. Und weil Simulation Bilder braucht, drucken wir sie auf Teller, auf Tassen, auf Poster und Zahnbürsten, machen sie im wahrsten Wortsinne konsumierbar. Wir rekreieren das Reale durch mythologische Modelle, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben müssen oder gar sollen. Die mit zahnpastaweißen Bonds und Silikonkissen von Plakaten herablächelnde Ikone Marilyn soll eben ablenken von der tatsächlich existenten Figur Norma Jean, nicht verweisen darauf. Das Modell, das Poster, das TV-Feature, die miniaturisierte Version, die konzeptionelle Abbildung, die Reduktion wird so zu unserem Wegweiser für die Wahrnehmung von Realität. Kommt das Modell mit der echten Realität in Kontakt, kommt es meist zu implosionsartigen Effekten. Niemand interessiert doch, wer wirklich hinter dem Mythos steht. Einstein war ein lustiges Genie und hat Reportern die Zunge rausgestreckt… das ist einfach als die allgemeine Reativitätstheorie zu behandeln.
Sicher, das hat mit Eindimensionalität zu tun. Kitsch kollabiert die grundsätzlich ja vorhandene Fähigkeit von Kunst und Medialität, ein multidimensionales und vielschichtiges Ganzes zu (re)produzieren auf eine einfache, eben verdaubare Ebene. Schon aus diesem Grunde ist Kitsch auch immer politisch, ideologisch, demagogisch, blendet Zwiebelschichten von Realität aus, versteckt, betont, verführt. Nicht umsonst wirkt die Propaganda totalitärer Staaten oft zu grell, zu bunt, zu kitschig.
Dies ist durchaus eine sinnvolle Funktion von Kitsch – Selektion. Anders als die von Jorge Luis Borges in «Of exactitude in science» zitierte Landkarte, die final so komplex ist, daß sie 1:1 so groß ist wie das von ihr abzubildende Empire, kann die mediale Abbildung einer Person niemals so umfangreich sein – egal wieviel tatsächlich geschrieben und photographiert wird – wie die tatsächliche Psyche und Biographie erlaubt. «Do I Contradict myself? Very well then I contradict myself, I am large, I contain multitudes» wußte schon Walt Whitman. Und Widersprüchlichkeiten passen nicht ins Klischee. Elvis, der fettleibige Redneck-Junkie und Kommunistenhasser paßt nicht zum hüftenschwingenden Elvis, der das konservative Amerika entsetzte.
Kitsch also macht Geschichte begreiflich, wenn er sich auch komplett als bunten Reigen lügenhafter Bilder und Klischees aneinanderreiht. Kitsch ist somit nicht zuletzt die reine Emotionalisierung, der Übergang ins Fiktionale, ins Religiöse. Aus gutem Grund ähneln Kitschgegenstände Ikonen-Bildern oder religiösen Items. Die von Lady Di nach wie vor zum Verkauf stehenden Tassen, Teller, Schneekugeln, Briefmarken und Eierbecher sind religiöser Natur, goldlastig und pseudo-edel aufgemacht. Die Ballhornisierung historischer oder prominenter Persönlichkeiten zu Quasi-Heiligen schafft so ein Pantheon moderner Legenden und Götzen, in die sich flugs Johannes Paul II einfügen wird, als wahrscheinlich der einzig wirklich Heiliggesprochene in diesem Zirkel. Kitsch, so ist das eben, macht Geschichte (an)faßbar, sammelbar, erlebbar. Ludwig II wird zum Musical. Mozart zum Film. Und unsere Kommunikationsindustrie ist mehr als froh, einen Mythos nach den anderen flachdrechseln zu dürfen, verdaubar zu machen, zu reduzieren auf ein paar Soundbytes und ein Poster-Photo.
Es sei dies nicht als Kritik verstanden, denn wir alle umgeben uns mit Kitsch. Ob wir Hummelfiguren sammeln oder uns in Filmdarsteller verlieben, der Wunsch nach Eskapismus aus der Komplexität ist allgegenwärtig. Wie oft hört man, daß jemand sich einen Schriftsteller, einen Schauspieler, einen Musiker ganz anders vorstellte und dann enttäuscht war, wie das Idol in Wirklichkeit war (vielleicht, weil es einen schlechten Tag hatte und ganz menschlich mies gelaunt war)? Von den Kitsch-Bildern, von der simulierten Phantasiewelt, können wir uns alle nicht wirklich freisprechen. Es wäre insofern falsch, auf die Hummelfiguren-Sammler hinabzuschauen und selbst zu glauben, daß MTV weniger kitschig und weniger Simulation sei. Speiseeis kann nach Erdbeere und nach Schokolade schmecken, bleibt aber doch schlicht und ergreifend Eis. Die rückwärtsgewandte Architektur des Adlon ist insofern ebenso Kitsch wie die nur scheinbar mutige Architektur eines Frank Gehry, die längst zu einer zitierbaren, berechenbaren und soliden Kitschform per se geworden ist, wie das MARTa in Herfords zeigt.
Versucht man, den Wunsch nach Kitsch zu verstehen, so zeigt sich also, daß er im Grunde einer Art seelischem Cocooning dient, Balsam gegen die Realität ist, eine Form von Verdrängung. Hierbei wird stufenweise die Abbildung von Realität ersetzt durch die Maskierung der Realität (bzw. die Verschleierung der Tatsache, daß es keine Realität mehr gibt, sondern nur noch die Maske bleibt), bis schließlich ein Zustand erreicht ist, in dem die Simulation nichts mehr mit der eigentlichen tatsächlichen Realität zu tun hat. Die pausbäckigen Kindlein auf Kinderschokolade- und Zwiebackpackungen sind keine Repräsentation echter Kinder, sondern Simulationen. Aber sind sie nicht niedlich? Die langbeinigen photogeshoppten Models der Vogue-Bildstrecken sind keine Repräsentation, sondern Simulation des Weiblichen. Aber sind sie nicht sexy?
In The Matrix macht einer der Rebellen, Cypher, einen Deal mit den Agenten der Maschinenwelt und verrät seine Mitstreiter, weil er es in der trostlosen «echten» Welt (von der wir erst am Ende des dritten Matrix-Teils lernen, daß auch diese Realität nur eine Simulation war), nicht mehr leben mag. Er will zurück in den Cocoon, den warmen Schoß, der Matrix. Wen schert’s, ob Fleisch echt oder Illusion ist, solange es echt schmeckt? Am ende der Matrix-Trilogie lernen wir dann entsprechend, daß es keine wirkliche Flucht aus der Kitsch-Welt der Matrix mehr gibt nicht geben kann. In Stanislaws Lems «Der futurologische Kongreß» lernt Ion Tichy, das die «Psyvilisation», die er im Jahre 2039 besucht, in Wirklichkeit komplett auf Halluzinogenen basiert, weil die Menschheit die triste Wirklichkeit nicht ertragen kann.
Keine Angst also vorm Kitsch, er ist allgegenwärtig. Ohne Kitsch keine Aufklärung, die sich verzweifelt an der Verkleisterung der Welt abarbeiten kann, ohne Kitsch nicht die wunderbare Wellenbewegung im Design, die stets fröhlich (und inzwischen postmodern fraktal überlagert) zwischen funktionaler Reduktion und ornamentaler Emotionalität pendelt und irrlichtert, in stets zielloser aber interessanter Kreisbewegung.
Keine Angst vor Wackelelvis und Lady-Di-Seifenspender. Keine Angst vor Mozart, dem Kindergenie und Frauenheld. Keine Angst vor Einsteins Zunge und van Goghs Ohr. Keine Angst vor Dalis Bart und Helmut Kohls Birnenkopf. Keine Angst vor Pamela Andersons Silikon. Das alles ist nicht die wirkliche Welt, sondern Teil unserer Reise AUS der Wirklichkeit hinaus, ins postreale. Kitsch, das ist was bleibt. Das, was formbar ist, vermarktbar ist, die konsumierbare Erinnerung an die Welt. Kitsch ist der Vorklang einer postrealen Welt, in der alles formbar, alles designbar ist und insofern dem Massengeschmack unterworfen ist.
Dieser Weg ins Simulacra-Nirvana, den muß man nicht mögen. Denn sicher klebt der Kitsch, macht blind, ist im Kern faschistoid, anti-aufklärerisch. Aber er ist unausweichlich. Je komplexer die Realität wird, um so größer der Bedarf, der Wunsch nach Kitsch. Ne waren Heimatfilme populärer als zum Ende des 2. Weltkrieges. Und in Zeiten von Hartz IV macht das Fernsehen die größte Quote mit Volksmusik.
Der Kitsch wird bleiben. Lernen wir also, ihn zu feiern.
14:24 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.


In schönster spießiger Vielfalt sprießen in Amerika Fake-Bäume, die eigentlich nur als Mobiltelephon-Sendemäste dienen. So schön, sie wären eigentlich ein Buchprojekt wert. Inspiration ist überall, wo die Welt bizarr wird.
via Bruce Sterling
13. Mai 2005 20:26 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Weils so schön zu meinem alten Post über die Remixer-Kultur passt: Ein, wenn auch etwas kleines, Wer-klaut-wo der Samplinggeschichte.
Hier.
via relicious
20:05 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.


Wie beliebt oder unbeliebt ein Magestar ist, kann man rasch seinen öffentlichen Plakaten ansehen. Hier gibts ein paar Photos von HBO-Fernsehkonzert-Plakaten von Britney Spears, die Fans und Nicht-so-sehr-Fans in der U-Bahn malträtiert haben. So wird aus Werbefläche wieder ein Stück öffentlicher Kommunikation. Wir brauchen viel mehr verschandelte Werbeplakate.
via Tom Peyer
08:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Das ich – wie übrigens überraschend viele Designer – von Kind auf ein Comic-Fan bin, ist ja kein Geheimnis. Einer der größten US-Verlage, DC (das DC steht für Detective Comics, der Verlag ist eine Tochter von Warner Brothers und publiziert unter anderem Superman, Batman und Wonder Woman) hat sich ein neues Logo verpaßt.
Das alte Logo, aus den Siebzigern, entwickelt von Milton Glaser

Die neue Version

Und auch einmal die gesamte historische Entwicklung

Der neue DC-Spin hat Online, unter anderem bei Newsarama und Millarworld, für einigen Wirbel gesorgt. Und nicht nur positives Echo erhalten.
Und tatsächlich ähnelt das Logo verdächtig anderen Designverbrechen:


Es vereint einfach die meisten Scheußlichkeiten der 90er. Farbverläufe, Pseudo 3D und den allgegenwärtigen, von Nike inspirierten Swoosh. Ich kann absolut verstehen, daß DC sich von einem rund 30 Jahre alten Logo verabschieden will und … ja, Glasers Version ist «flat», wie DC Creative Director Richard Bruning es formuliert, ist zweidimensional und sicher nicht ideal geeignet für Animation in TV, Film, Web und Videogames. Obwohl ja gerade der Nike-Swoosh zeigt, wie schön gerade diese platte Zweidimensionalität auch multimedial Ruhe ausstrahlen kann.
Aber das man sich so drastisch re-branded, jeglichen Bezug zur Vergangenheit abstreift und sich dann ausgerechnet eines der ödesten, generischsten, ausgelutschtesten Designs verleiht, das überhaupt denkbar ist… enttäuschend. Anstatt mit dem Relaunch in die Zukunft zu blicken, wird hier die Stagnation in den 90ern visuell unterstrichen. Es ist schon schlimm genug, daß DC in Sachen Story, Artwork und Coverdesign etwas 10 years ago wirkt, aber es auch noch sozusagen via Bildmarke zum Credo zu erheben? Fast so enttäuschend wie die 2 im aktuellen ZDF-Logo (wo man die Loser-Position des zweiten Platzes gleich zum visuellen Hook erkoren hat). Fast so amateurhaft gemacht wie der Relaunch von UPS, wo auch ein Klassiker (in dem Fall das UPS-«Paket» von Paul Rand) durch ein austauschbares Logo-Placebo substituiert wurde.
Ich denke, dieses Logo ist zu zeitgeistig und dabei zu sehr einer Formsprache von vor zehn Jahren verhaftet, ist nicht eindeutig und simpel genug, nicht symbolisch und klar, zugleich aber auch nicht syntaktisch verspielt genug, um alt zu werden. Wer das Alte rauswirft, wird auch schnell des Neuen überdrüssig. Und das deckt sich ja mit dem historischen Verlauf bei DC. Jeder neue Sprung in der Markenentwicklung sorgt für Unruhe, bevor es für einen längeren Zeitraum von etwa 30 Jahren beim Etablierten bleibt. Rein historisch würde es also Sinn machen, wenn nun im Jahrestakt an dem DC Spin herumgefrickelt wird.
Im Grunde ist es egal, bei Comics zählt nicht das Logo, sondern der Inhalt. Und ich begrüße schon, daß DC selbstbewußter auftreten will (auch wenn die hier zelebrierte Abkehr vom Comic per se und Hinwendung zu anderen Medien etwas beunruhigend ist für einen Comic-Fan). Aber aus professioneller Sicht ist’s schon schade, daß diese Chance so derart vertan wurde.
Andererseits… furchtbare Vorstellung, ein Logo zu entwickeln und dann online so offensiv in Stücke gerissen zu werden. Ist ja fast wie in Deutschland beim FIFA-Logo ;-D.
PS: Comic-Autor und -Kolumnist Steve Grant verweist auf den Zusammenhang zwischen der möglichen wirtschaftliuchen Krise bei DC (die, wie alle Verlage, vom Zusammenbruch der reinen Comicbranche betroffen sind) und dem neuen Logo:
It’s arguably worth remembering that the last change to the DC logo roughly corresponded with the virtual collapse of their comics business, in the mid-’70s, when historical titles like ADVENTURE COMICS and WORLD’S FINEST COMICS were cancelled and even the then poorly selling flagships SUPERMAN and BATMAN were considered for the scrap heap (saved, according to legend, by the intercession of Paul Levitz himself, who valiantly argued they were the company’s identity and dropping them, as well as the company’s namesake title DETECTIVE COMICS, would be tantamount to throwing the company away). There’s probably no cause-and-effect between the logo and the sales – the slide had begun several years before the new logo was even considered – but it does mean that as symbols of upheaval and uncertain times, new logos have a history.
12. Mai 2005 23:15 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Ich bin immer wieder erstaunt, wie majestätisch ich diese riesigen Windpropeller finde. Man will sofort eine Imagebroschüre für NRW machen. Die Staus im Ruhrgebiet, die Currywurstdaddelbudenmultikultiinnenstädte, die Plastiktüten, die gelben Landschaften, die Raststätten am Autobahnrand, die Windräder, der Sonnenuntergang.
11. Mai 2005 21:51 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.
Der Illustrator Ashley Wood hat seine Site komplett überarbeitet. Auf den ersten Blick finde ich leider nur weniger Arbeiten als vorher auf der alten Site…? Interessant ist, daß Ashley nahezu keine der sehr Dave McKean-inspirierten älteren Artworks mehr zeigt.
Interessanter als Wood selbst ist vielleicht die Site seines Designers Tom Muller.
via Millarworld
Update: Woods Site ist anscheinend schon wieder offline.
6. Mai 2005 14:22 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.
Jubel!. Gestern sind die beiden Bilder von Irene Rotterdam-Raab fürs Büro gekommen. Es sind zwei klassische Lichtenstein-PopArt-Bilder, die Irene in Handarbeit nachgebaut hat. Es ist sehr witzig zu sehen, wie die Siebdruck-Technik hier sozusagen umgekehrt und per Hand emuliert wird, das Ergebnis ist – vor allem wenn man direkt vor den jeweils immerhin 195 × 160 großen Bildern steht, ziemlich phantastisch.



12:52 Uhr. Kategorie Design. Eine Antwort.
Typophile, das vielleicht größte internationale Forum rund um Schrift und Design, ist nach längerer Pause wieder online.
12:26 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Neville Brodys FUSE-Font-Wettbewerb. Schöne Sache, um eine totgeglaubte Idee nocheinmal auffläackern zu lassen. Die Ergebnisse gibts bei der Typo 2005 in Berlin. Interessant finde ich nach wie vor, daß es in der PDF-Version des Ganzen von typographischen Fehlern nur so wimmelt: anführungszeichen, Apostrophe, Streckenstriche, falsche Auslassungspunkte, falsche Gedankenstriche, etwas zu wenig Durchschuß,seltsames kaufmännisches & (wobei das Absicht sein kann).
5. Mai 2005 15:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Auch wenn die US-Presse oft zu sehr innenpolitische Nabelschau betreibt, die Washington Post hat herausragende Bildjournalisten in der ganzen Welt. Einige ihrere besten Bilder von 2004 sind… Hier.
14:58 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.


Afrika-Photographie ist (ähnlich wie Kriegs-Photographie) immer ein etwas ausgelutschtes Thema, die Motive in ihrer Fremdheits stets etwas zu bekannt zu vertraut, zu pittoresk. Die Photographen verfallen der Exotik des Ortes, der allzu einfachen Dokumentation von Elend oder Fremdheit. Schwarze Menschen vor bunt angemalten Husern, die seltsame Schönheit von Elend, die schwarzweißen Bilder ausgemergelter Gestalten, die Fremdheit der Wüstenlandschaft… all sowas. Kein Photograph, der seine eigene Heimatstadt dokumentiert, würde es bei oft so einfacher Blickweise belassen, würde tiefer graben, hinter die seit 40 Jahren etablierten Klischees blicken. Abgesehen von solcher Generalkritik eröffnet eine Photographie, die – wenn auch selten – über das Klischeebild des schwarzen Kontinents hinausgeht wie kein zweites Medium den Blick auf die Zustände in Afrika. Olympus hat ein mit Camedia E20 Digitalkameras realisiertes Projekt gesponsort, bei dem ein Tag in Afrika in verschiedenen Zeitstufen von insgesamt über 100 Photographen präsentiert wird. Viele der Bilder sind eben eher oberflächlich, so etwa das Plakatmotiv, bei dem ich eher an Misereor-Weihnachtsspenden-Bildsprache als an moderne Photographie denke, aber manche gehen einen Schritt weiter, zeigen vor allem eben in der Synkope die alle vorgefaßten Bilder sprengende Gegensätzlichkeit, die einen solchen Kontinent einfach unweigerlich auszeichnen muß und machen so das Projekt als ganzes lohnenswert.14:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.
Daniela Börners Site hat jede Menge Links zu Photographen und Designern.
06:01 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.



Ob ichs wirklich schaffe, jeden Tag was über die RA zu schreiben? Das wird ja langweilig.4. Mai 2005 19:54 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Das Shostakovich-Plakat ist heute in den Druck gegangen. Das musik//politik-Buch ist in der Korrektur, die Suchthilfe.Direkt-Sachen gehen endlich etwas schneller voran (allein meine Schuld, ich hab da bisher noch keinen Weg zu gefunden, aber jetzt ist es hoffentlich banal genug für meine Vorstellung, daß man die Suchthilfe ganz pathosfrei hinkriegen muß, fast hingerotzt wirkend). Was die Suchthilfe Fleckenbühl gerade macht, geht nämlich gar nicht. Es ist nicht gut, wenn solche Einrichtungen ZU sehr so tun, als wären Sie die Welthungerhilfe, das sind sie nicht), wir sitzen an viel Kleinkram für Schmitz und Göbel und Kaupp, die Photos fürs ikf° sind fast fertig «postproduced», ich entwerfe zig Logos für Michael Heicks und sehe selbst bald keine Unterschiede mehr dazwischen, und die beiden Saisonhefte für Bielefeld beginnen, sich am Horizont abzuzeichnen. Für die WAZ sollen wir Ideen für die Bochum Total Bühne entwickeln und außerdem einen Auftritt fürs Zeitungskino in Essen, was ich z.T. hoffentlich als Projekt mit den RA-Studenten angehen kann, das muß auch Anfang Juni stehen. Und Mitte Juni muß auch das Glauben-Buch mit ein paar hundert Seiten in trockenen Tüchern sein und ich hab noch keine echte Idee fürs Cover. Naja, und ich hab immer noch keine Eintrittskarte für die Typo05, vielleicht muß ich mir also auch gar keine Gedanken machen, wie ich die Jobs Ende Mai und den Trip nach Berlin miteinander versöhne. Der Mai wird so oder so recht spannend.
00:07 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

Bei T-Mobile, O2 und Vodaphone kündigt sich die vierte Generation der PDA-Telefone MDA/XDA/VDA an. Mir gefielen schon die IIIer-Geräte mit der herausfahrbaren Tastaturschublade nicht wirklich, zu klobig, zu groß, irgendwie unpraktisch als Telefone und irgendwie eben auch unpraktisch als Mini-Rechner. Mit der MDA IV-Generation kommt jetzt allerding der endgültige Abschied vom mobilen Begleiter in der bisherigen Form und der Schwenk auf das Nokia-Communicator System. Was sicher mehr Leistung bringt und den MXVDA auf das Niveau eine Miniatur-Laptops befördern dürfte, aber so gar nicht meiner persönlichen Vorstellung eines mobilen Begleiters entspricht. Groß, klobig und auch noch aufklappen müssen, um zu arbeiten…. das will ich nicht. Was ich möchte ist ein Smartphone, das möglichst klein und leicht ist, auf Windows-Basis läuft (und insofern nahtlos in das für mich nach wie vor [leider] recht unersetzliche Outlook passt), und das als MP3-Player, Kamera, Textverarbeitung, Navigationssystem usw in möglichst handlicher Form solide und zuverlässig immer dabei sein kann. Das M/X/VDA II war dem am nächsten, wenn auch noch lange nicht klein genug und nicht ausgereift (die permanenten Abstürze sind einfach nervig). Die Compact-Variante ist zu schwachbrüstig (und auch nicht wirklich sehr compact), der III und IV sind zwar technisch spannender als die 2. Generation (immerhin WLAN and all that… obwohl auch im X/M/VDA IV die Kameras VIEL zu schlecht sind), aber viel zu klobig. Klein und phantastisch designed hätte ich das Ganze eben einfach gerne.
Wenn da so weitergeht muß ich wohl irgendwann auf Sony umsteigen. Nur läuft darauf leider meine Navigationssoftware nicht und die Outlook-Einbindung ist keineswegs so nahtlos, wie ich es gern hätte. Außerdem sind die Sonys eben eher Telefone und erst in zweiter Linie PDAs. Umgekehrt wäre bei mir sinnvoller.
Wie man, nebenbei, mit dem M/X/VDA IV noch vernünftig ohne Bluetooth-Kit telefonieren soll, ist mir ohnehin schleierhaft.
Das ist echt kein Fortschritt so.
3. Mai 2005 19:47 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.
Man surft zu wenig. Ich hab dieses Fontblog erst jetzt entdeckt. Links zu Freewarefonts und wöchentliche Diskussion plus Tipps und Tricks rund ums Fi-Fa-Fonten
2. Mai 2005 07:31 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

Was bin ich vor dem Film gewarnt worden, wo doch eigentlich jeder weiß, wie sehr ich Trash mag. Und dann war’s halb so wild. Im Gegenteil, gemessen an The Stepford Wives, einem absoluten Verbrechen an Ira Levins Buch und dem Originalfilm… einem Remake, das so grundschlecht ist, daß man ja gar nicht weiß, wo man anfangen soll sich zu beschweren…, ist Catwoman sogar ein recht guter Film geworden.
Pitof, der mit Vidoq immerhin eine sehr individuelle Handschrift bewiesen hat, bleibt sich treu und bringt einen fast durch und durch virtuellen Film auf die Leinwand, der wirkt, als sei er zu 99% durch den Computer gewandelt. Alles ist überstrahlt, überbetont, surreal. Vielleicht war das aber auch nur nötig, um Sharon Stone ein paar Jahre jünger wirken zu lassen. Die Kamerafahrten sind atemberaubend, die Kampfszenen sauber choreographiert, die Trickeffekte (auch wenn Catwoman sich eher wie Spider-Man denn wie eine Katze bewegt), überzeugen fast mehr als eben beim vergleichsweise teureren Spider-Man-Film … naja, und der Plot ist zwar recht hanebüchen, damit aber 1:1 in der Tradition so ziemlich jeden Superheldenfilms. Eine Hautcreme, die abhängig macht und tödlich wirkt, ist nicht weniger albern als ein Superman, der auf seine Superkräfte verzichten muß, nur um mal mit Lois Lane ins Bett zu steigen. Und böse ist, wer dabei permanent an Uschi Glas denken muß.
Halle Berry schwankt zwischen nur eher uninspiriert wirkenden und schon richtig peinlichen Darstellungsleistungen, füllt das Catwoman-Kostüm aber solide aus, das muß vielleicht schon reichen. Mir fällt auf Anhieb kein comic-inspirierter Film ein, der phantastische Hauptdarsteller hätte. Pitof verzichtet auf die Selina-Kyle-Figur aus den Comics und erfindet derart deftig neu, daß man sich schon fragt, wofür die Produktion eigentlich die Lizenzgebühren für den Namen Catwoman bezahlt hat, wenn man dann doch einen Film über eine komplett neue Figur macht. Der Film hat nichts mit der Comicvorlage zu tun, außer eben dem Namen. Ich werde Hollywood nie verstehen.
Davon abgesehen gibt es medienselbstreflektive Remineszenzen an Superman (Riesenradszene = Eifelturmszene), an Batman Returns (Rettung von Priscilla/Selina durch die Katzen, «Miauuuuu», Gesichtablecken…), an die Batman-TV-Serie aus den 60ern (purrrfect… und die Fingernägel des Kostüms, überhaupt ist das Kostüm einfach nur die MTV-Generation-taugliche Evolution des TV-Kostüms. Außerdem wird fleißig an Alien, Die Hard und andere Actionfilme angelehnt. Daß mit Halle Berry die Catwoman von einer afroamerikanischen Darstellerin gespielt wird (während die Selina-Kyle-Figur eine Weiße ist), scheint vor dem Eartha-Kitt-Background gar nicht so wichtig, immerhin haben sehr sicher mehr Amerikaner die TV-Serie gesehen als das Comic gelesen.)
Alles in allem beileibe kein guter Film, aber solider als vieles andere in dem Genre und wie Daredevil immerhin stilistisch ein mutiger Versuch. Ein deutlich besseres Drehbuch (das sich etwas über das Niveau einer TV-Pilotfolge erhoben hätte) und mehr Budget hätten sicher nicht geschadet… und Berry wird die Rolle nach der nicht ganz unverdienten Goldenen Zitrone sicherlich kein zweites Mal geben. Aber Pitof ist an sich schon der richtige Mann für dieses Genre…, auch wenn er sich geradezu unverschämt bei dem frühen Jeunet bedient in den unglaublichen Kamerafahrten und dem Hang zur digitalen Überhöhung. Die Dramatik, das Surreale, das Atemberaubende des Spandex-Genres hat er drauf und auch ein Gespür für die Balance zwischen Dramatik und Lächerlichkeit. Aus diesem Drehbuch hätte ein geringerer Regisseur wohl einen kompletten Humbug gemacht. Hier ist das platte Konstrukt wenigstens durch eine liebevolle Bildästhetik und ein Feeling für den richtigen Groove gemindert. Das rettet den Film keineswegs, macht ihn aber deutlich erträglicher. Einen gut geschriebenen Batman-Film von Pitof könnte ich mir insofern als recht exzellent vorstellen.
01:01 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

Achtung, dies wird eine ziemlich lange Bilderflut werden. Da wir aber keinen der drei in Bielefeld gezeigten Entwürfe so nehmen, wie ursprünglich im Wettbewerb vorgestellt, ist es vielleicht ganz interessant, die Sache einmal so zu zeigen, wie sie prototypisch aussah. Als Screenshots kommt das alles nicht ganz so gut und ohne die Erklärung auch nochmal etwas weniger lustig und es ist sowieso alles sehr hektisch entstanden (der Pitch hatte zwar drei Wochen Zeit, wir haben aber real nur fünf Tage Zeit gehabt, wirklich zu produzieren), aber ein Blog ist auch ein Tagebuch und da gehört auch sowas irgendwie rein.
00:27 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.
Bei der exzellenten Typefoundry Stormtype gibts zwei OpenType-Fonts gratis, Lido und LidoCondensed.

1. Mai 2005 17:31 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Als wir gestern nach Hause kamen, waren die Muster des take off Flyers vom ikf° in der Post. Leider hat der Postbote wie stets den A4-Umschlag zusammengequetscht und gerollt in die kleine Postkiste gezwängt, so daß die Flyer absolut vermatscht waren. Vielen Dank, liebe Post. Trotzdem schnell ein paar (ziemlich verwackelte) Schnappschüsse. Die Einladung ist Silber, Pantone 812 (2x) und Schwarz gedruckt und von offen A3 auf DinLang runtergefalzt.
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08:57 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.