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RÖNTGENBLUMEN





Irgendwo zwischen Blossfeldt und Nick Knight haben diese (leider online sehr kleinen) X-Rays von Blumen schon ihre eigene Magie. Ich überlege gerade, ob diese Art Bild, die so leicht zwischen Kitsch und Transzendenz schwebt, nicht ideal für die Plakate der nächsten Saison der Philharmoniker wäre. Alles in 2 Farben, ganz ruhig. Muß nur sehen ob Peter Kuhn und Tilmann die Idee mögen, ob ich jemanden finde, der die Bilder gratis oder hochpreiswert (Kulturbudget) zur Verfügung stellt oder ob ich sogar eine Chance habe, selbst mit einem Radiologen Bilder zu machen, was vielleicht sogarnoch lustiger wäre, wahrscheinlich aber nicht realistisch klappen wird.
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GLAUBEN

Naja, immerhin das Glauben-Cover ist abgesegnet. War auch eine schwierige Geburt, weniger wegen dem Kunden als vielmehr wegen des Themas, bei dem man überall in religiöses Gestrüpp gerät oder zu kopflastig arbeitet. Ich glaube, so viel Brainstorm hatten wir bei noch keinem Cover dieser Serie. Erscheint Ende des Monats. Das Cover ist hier nicht richtig wiederzugeben, da mit blauem Metallic-Ink (PMS 8201) gedruckt und mit (wenn das Budget reicht) partiellem UV-Glanzlack auf der Erde. Die schöne simple Zeichnung und die Headline-Typo sind von René, der Untertitel ist von Stefanie.

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Shoptalk

Momentan gibt es fast wieder ein Rückfall in alte Photoshop-Zeiten bei mir. Ich finde Photoshop-Basteleien von Kopf her immer etwas in Richtung digitalen Kitsch gehend, aber das reine Bauen macht dann doch kindlichen Spaß. Fürs Saisonheft des Theater Bielefeld, für ein Plakat der Philharmoniker und für den WAZ-Zeitungskino-Pitch gab es nach einiger Zeit mal wieder Montagen zu machen. Die Saisonheft-Bilder, ausgehend von den wunderbaren Photos von Philipp Ottendörfer, sind kaum modifiziert, nur künstlich gecrosst und mit jeweils ein oder zwei Zusatzelementen leicht surrealisiert, die beiden anderen Motive langen schon etwas mehr zu…

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Human Nature


Das ist schons seltsam, einen Film zu gucken, bei dem man das Gefühl nicht loswird, er fühle sich an, als habe Charlie Kaufmann die Finger mit drin (abgesehen davon, daß er vage an Peter Hoegs Die Frau und der Affe erinnert, allerdings ohne dabei eben unfreiwillig komisch zu sein, was bei Hoegs Buch leider komplett der Fall ist). Ein abstrus-absurdes kleines Moralstück über das, was Menschen ausmacht und antreibt. Da wird eine Frau zum Tier und wieder zur Frau und wieder zum Tier und wieder zur Frau, ein Affenmensch (oder vielmehr sein Sohnemann) macht mehr oder minder spiegelbildlich das gleiche durch, und ganz nebenbei spielen eigentlich überall die Hormone und Egos verrückt. Das dabei von Anfang an klar ist, daß Dr. Bronfman (Tim Robbins) tot ist und Charaktere schon erzählen, bevor sie überhaupt eingeführt sind, gehört dabei nur zu den Details des Kaufmannschen Wahns. Gedreht hat den Film dann von Videoclip-Meister Michel Gondry, der kürzlich auch Kaufmanns Skript zu Eternal Sunshine of the Spotless Mind verarbeitete, der allerdings hier auf jegliche Effektmätzchen verzichtet und einen visuell weitgehend normalen Film abdreht. Human Nature ist nicht Being John Malkovich und erst recht nicht Adaption, aber gut genug, um nicht übersehen zu werden… und da der deutsche Verleih den Film anscheinend als platte Komödie verpackt, IST er leicht zu übersehen. Schon fast bezeichnend, daß der Verleih einen Film, der sich jeder Kategorisierung so leichtfüßig entzieht, einfach mirnixdirnix ins Komödienfach steckt. Aber da stand in der Videothek auch letztens schon The Rules of Attraction (ultralose basiert auf dem Brett Easton Ellis Buch)… und das sagt dann auch alles.
Unter den relativ braven und meist hoch vorhersehbaren Filmen, die ich in letzter Zeit so gesehen habe (der müde Bad Santa, der von Plotlöchern gequälte Gothika und der eigentlich ebenfalls sehr sehenswerte Shaun of the Dead, der nur im letzten Drittel etwas durchhängt), ragt Human Nature jedenfalls als ein unberechenbares kleines Juwel heraus. Kaufmann ist der beste Drehbuchautor, den die USA derzeit haben

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ÖFFENTLICHER DIENST

Auf der Suche nach dem neuen Look des Nationaltheater Mannheim, in das die Bielefelder-Ex-Intendantin Regula Gerber wechselt, habe ich einen einige Jahre alten Text über die Arbeit für öffentliche Einrichtungen gefunden, an dem u.a. Andreas Homann (der gemeinsam mit Brody das Schauspielhaus Hamburg gemacht hat und das X für den «alten» Mannheim-Look entwickelte, ein kaum zu toppendes Visual) und Johannes Erler (von factor design, die ja das Thalia machen) beteiligt. Vieles davon läßt sich bestätigen, wie etwa das etwas traurige Herumgespare am Außenauftritt bei den Theatern, wo zugleich irrsinnige Summen an anderen Stellen verbraten werden; auch das Konsensmodell stimmt, in Bochum haben wir teilweise sehr befriedigende Sachen gemacht, teilweise kompletten Kompromiß-Müll produzieren müssen, aber alles in allem ist meine Erfahrung nicht so negativ.

Die meisten Dramaturgen, die ihr Geld wert sind, wissen, daß es am besten ist, uns machen zu lassen und eher als Inspirationsquelle und Ideen-Partner zu wirken, vom Bühnenbild hat sich bisher noch niemand eingemischt, obwohl ich mir vorstellen kann, daß mich die Ideen einen K.E. Herrmann eher ordentlich begeistern würden.

Problematisch an der Arbeit für öffentliche Einrichtungen wie Theater und Sozialinstitutionen finde ich derzeit eher die Orientierung am ökonomischen Primat. Theater wollen Karten verkaufen, Suchtzentren Therapieplätze. Das ist sicherlich zunächst sinnvoll und ich bin der erste, der gegen eine Arbeit im Elfenbeinturm ist. Design muß auch funktionieren dürfen. Oft ist das Ergebnis dann aber brav und anbiedernd, ängstlich-vorsichtig und allzu industriell-mittelständisch und geht damit an der Essenz der eigentlichen Bedeutung solcher Einrichtungen vorbei. Theater ist eben mehr als ein Freibad, mehr als nur ein Entertainment- und Bildungsauftrag. Theater ist Kultur. Und muß insofern auch mal ordentlich wehtun dürfen. Theater ist Kunst, und die muß irritieren können. Die Aufgabe öffentlicher Subvention ist ja gerade, diesen Freiraum zu gewährleisten. Ansonsten sind die meisten Stadttheater ganz schnell auf Stella-Musical-Niveau oder spielen Schenkelklopfer-Boulevard. hauptsache, daß Haus ist voll. Je härter die Zeiten, je höher der Druck, umso bösartiger muß meines Erachtens nach eigentlich das Design werden. Insofern ist für mich derzeit in der Arbeit mit Theatern oft der Wunsch nach einem konservativen Auftritt, das Denken in (in der realen Wirtschaft fast veralteten) Corporate-Design-Strukturen manchmal etwas, von dem ich glaube, es führt die Theater in die falsche Richtung.

So ist zum Beispiel in Bielefeld unsere Strategie, den Wunsch nach Bürgerlichkeit zu respektieren (es ist nicht mein Job, Abonnenten zu vergraulen), aber dennoch peu a peu das Design in eine Richtung zu lenken, die eben in kommerziellen Imagebroschüren nicht mehr gehen würde, weil man ja immer etwas verkaufen will. Theater-Design wird immer dann gut, wenn man sich freigeschwommen hat und aufhören kann, etwas an den Mann bringen zu müssen. Das hat in Bochum (auch getragen von Hartmanns kommerziellen Erfolg, gepaart mit Oberenders Wunsch nach mehr Tiefe im Inhalt) ausgezeichnet funktioniert, ganz am Schluß unserer Zeit dort sind teilweise relativ seltsame Dinge publiziert worden, mit denen ich bis heute zufrieden bin. Theater sind Kunst-Plattformen und sollten, wie Museen und andere Einrichtungen, auch so auftreten. In Bielefeld möchten wir einen deutlichen Sprung von Gerber zu Michael Heicks machen, aber im Grunde weiß ich, daß der wirkliche Auftritt erst emergieren wird, wenn die Intendanz uns zwei drei Jahre Zeit gibt, nach der Pflicht die Kür zu liefern. Ich bin der festen Überzeugung, daß eben auch auf Regionalebene ein Auftritt wie in Berlin oder Wien machbar sein sollte und machbar sein muß, daß eigentlich sogar etwas mehr Provokation dazugehören kann, die auch machbar ist, wenn sie Ironie und Charme hat und dem Publikum klarmacht, daß es gemocht wird und eingeladen ist. So etwas geht und genau das müssen öffentliche Einrichtungen verstehen. Sie haben nicht das Budget, um mit der industriellen Werbung mitzuhalten. Die einzige Lösung hier ist immer und ausnahmslos, sportiver zu denken und der Industrie nicht hinterherzuhecheln (oder gar große Agenturen zu beschäftigen), sondern schneller, kleiner und aggressiver zu werben.

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WAR OF THE SCIENTOLOGISTS

Bei Defamer gibt es einen Vergleich zwischen dem offiziellen War-of-the-Worlds-Plakat, dem Remake von Steven Spielberg und dem Hauptdarsteller, Scientology-Mitglied und Co-Produzenten des Films Tom Cruise und einem Buchcover des Scientology-Begründers Ron L. Hubbard. Nun habe ich zunächst mal gar nix gegen Cruise oder Scientology (wiewohl ich Hubbard als SF-Autor wirklich schlecht fand), und schon gar nichts gegen Cruises Einsatz für etwas, an das er persönlich glaube… aber diese Sache kommt mir doch etwas plump gemacht vor.

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SENSACELL







Sensacell
ist ein Interface-System für «smart architecture», aber auch für mutlimediale Anwendungen. Der Mix aus Sensorsystem und LED-Licht macht es mölich., interaktive Displays nahtlos in (innen)architektonische Ideen einzubinden, beispielsweise in Event- oder Messebereichen, bei Ausstellungen usw. Einen Video gibt es hier
via Futurefeeder

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BATMAN BEGINS > 10 MINUTEN

Ich weiß nicht, wie lange der Link funktioniert, aber via The Beat sind hier zehn Minuten aus Batman Begins. Obwohl der FIlm sicherlich besser sein wird als die Schumacher-Batman-Filme und eigentlich auch Burton übertreffen sollte, bin ich etwas unglücklich. Ich lese gerade Frank Millers Year One… und eigentlich müßte man diesen Vierteiler aus den 80ern nur 1:1 nachfilmen und vielleicht etwas ergänzen, auf Gimmicks wie Panzerautos und Gummikostüme und andere Pseudo-James-Bond-Einlagen komplett verzichten und Batman wieder auf den Punkt bringen: aus einem traumatisierten Kind wird ein hyperfokussierter, bis an den Rande der Vernunft getriebener Mann, der sich ein seltsames Trikot anzieht und gegen Verbrechen und Korruption antritt. Ende. Alles, aber auch alles an Year One ist absolut filmtauglich, braucht keinerlei Vorwissen, ist komplett unpeinlich und hat den klassischen Spannungbogen, den ein Film einfach braucht. Abfilmen und fertig. Wie bei Sin City. Es ist eine Story zwischen Gordon und Wayne, über ihre Ankunft in Gotham City,über ihre Anfänge, über eine seltsame Männerfreundschaft… es braucht keinen Ras al Ghul, keinen Scarecrow. Und ein Batman im steifen Gummianzug, dabei bleibt’s für mich, ist niemals Batman. Teil der Idee ist doch, daß Wayne nicht wie ein Ritter herumstakst, sondern Akrobat ist. Kein james Bond, sondern ein Detektiv und ein Fighter. Ein Akrobat braucht eher so etwas wie ein Spider-Man-Kostüm. Nur einmal möchte ich erleben, daß Hollywood die Sache richtig hinkriegt :-(.

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Mateusz Herczka






Mateusz Herczka arbeitet als hochvielseitiger Künstler, aber mehr als seiner Performances, Konzerte und Schauspielarbeiten faszinieren mich seine Arbeiten an der Grenze multimedialer Kunst, die Video, artifizielle Intelligenz und eine gehörige Prise ironische Electronica verbinden. Es ist nicht nur so, daß der Background stimmig ist, die Ideen sinnvoll und die Software von der Idee her oft neuartig, sondern daß es am Ende auch einfach gut aussieht.
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FRISCH AUS DEM LAUNDROMAT







Ich glaube, was mir an den Bildern von Satan’s Laundromat immer und immer wieder so gut gefällt, ist, daß da jemand für mich durch New York wandert und Inspirationen sammelt, die so selbst gern finden würde. Es ist wie ein virtueller Trip durch die Stadt, nur eben sans Jet Lag. Immer wieder einen Besuch wert.

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Beausage

Bei metacool bin ich über den Begriff Beausage gestolpert. Diego Rodriguez bezieht sich hier auf eine Worschöpfung von Grant Petersen, der damit die Ästhetik bezeichnet, die die Stufen eines Amphitheater durch die Abnutzung von tausenden von Füßen gewonnen haben, die die Motorhaube eines Ferrari 250 durch den Steinschlag gewinnt oder ein Fahrradsattel, der sich durch die Abnutzung an seinen Benutzer anpaßt. Anders als Patina oder Nostalgie, obwohl mit beiden sicher verwandt, geht Beausage ein Stück weiter und macht die Abnutzung zum integralen Bestandteil der Schönheit eines Objektes, es wird schöner durch die Benutzung. In William Gibsons großartig vielschichtigen Roman Pattern Recognition gibt es ein analoges Motiv in der reproduzierten Buzz Rickson MA1-Jacke der Coolhunterin Cayce Pollard (in der diese Beausage-Eigenschaften künstlich eingearbeitet sind, wie etwa die unsauberen Nähte). Das Buch war so erfolgreich, daß Rickson sogar eine spezielle Pattern-Recognition-Version in schwarz herausbrachte (Gibson schreibt im Buch, daß Pollards Jacke schwarz ist… es gab aber nie eine schwarze Version. Nach dem Buch war die Anfrage jedoch so groß, daß die Firma kurzerhand eine schwarze Version nachlieferte. Form follows Fiction.
Das Truetalk-Blog verknüft diesen Begriff mit dem japanischen Konzept von wasi-basi, einer Zen-Ästhetik-Vorstellung, die mit der Mangelhaftigkeit, der Inperfektion von Gegenständen zu tun hat. Die Bescheidenheit und Erdverbundenheit nicht-perfekter Gegenstände verleiht ihnen ihre Transzendenz. Wir alle kennen solche Gegenstände. Werkzeuge, die unsere Großeltern bereits benutzt haben. Der Unterschied zwischen einer sterilen fabrikneuen S-Klasse und einem liebevoll erhaltenen, aber eben doch unweigerlich benutzten 300b. Beausage hat etwas mit dem Wissen zu tun, daß solche Gegenstände nicht anonym gefertigt sind, nicht Teil eines gänzlich effizienten Produktionsprozesses, sondern Ergebnis einer liebevollen Planung und Durchführung. Beausage hat dabei auch etwas mit Materialien zu tun – Grant Petersen, der den Begriff prägte, hält fest, daß klassische, echte Materialen Beausage entwickeln, während modernes künstliches Material eher «Junk» wird (was schön zu Rem Koolhaas Analyse moderner kommerzieller Architektur als der Schaffung von Junk Space paßt), Leder altert, Polyester vermüllt. Beausage hat etwas mit dieser seltsamen Balance zwischen Benutzung und Pflege zu tun, letzten Endes mit dem Fetisch von Alltagsobjekten, mit Dingen, die uns am Herzen liegen. Nicht zuletzt auch mit einer Ehrlichkeit, die einigen Materialien einfach inhärent ist, anderen eben nicht. Ein Cellulose-Füller ist etwas anderes als ein Plastik-Füller. Genähte Ledersohlen unterscheiden sich von geklebtem Gummigemisch. Ein Backsteingebäude wird immer schöner altern als ein Betonbau.

Bei Jonathan Carroll sind es oft Uhren und Füller, die als solche Kulturfetische dienen, in Outside the Dog Museum sind es Türen und Leitern die zugleich als weitere Symbole dienen, aber auf einer Ebene als Symbol der handwerklichen Liebe dienen, die Morton Palm in diese Alltagsobjekten steckt). Bei mir ist’s mein altes Leder-Notizbuch, ein Hochzeits-Memorabilia. Nahezu jeder Mensch hat solche Herzens-Gegenstände. Und sie alle sind abgenutzt und haben Patina, haben Geschichte. Sind Fetisch-Objekte. Denen man die Liebe, die in ihrer Produktion und ihrer täglichen Benutzung steckt, ansieht.

Allein dies ist bereits fürs Produkt-Design entscheidend bei der Frage um die emotionale Aufladung von Gebrauchsgegenständen… aber Beausage geht noch einen Schritt weiter. Abnutzung erklärt schließlich auch Funktion. Der Trampelpfad im Feld zeigt den besten, sichersten Weg nach Hause. Der abgewetzte Siebdruck auf den Tasten eines Cassettenrecorders zeigt dir, weilche Tasten du drückst, um aufzunehmen oder abzuspielen. Hier bekommt Beausage eine funktionale Dimension. Die Dinge sehen nicht nur besser aus, je länger man sie benutzt, ihre Benutzung wird auch zur materielle emergierenden «Bedienungsanleitung».

Im digitalen Zeitalter, in der Patina immer öfter nur ein Fake ist (wie das Chromfinish an meinem Cooper gegenüber dem echten Chrom an meinem alten Amazon), wird Beausage zum Gegenpol einer durchindustrialisierten, oberflächlich gewordenen globalisierten Produktion, aus der die Controller Jahr um Jahr das Herzblut gepresst haben. Manufactum lebt gut von diesem Gegenpol, von der Vorstellung, daß es noch «gute Dinge» gibt, die ehrlich hergestellt sind und dementsprechend ehrlich altern werden, die Charakter entfalten können und allein durch ihre Materialität und die Liebe zum Detail unser Leben bereichern, meditative wasi-sabi-Objekte werden.

Hier sehe ich eine Überlebensnische für zumindest viele Luxusartikel. Porsche muß niemals wie Toyota agieren, weil die Autos mit Liebe gebaut werden. Die Verbreiterung der Produktpalette ist da fast eher ein langfristiges Problem. Ein SUV und ein Family-Van verwässern die Identität, die Magie, die Tradition des Produktes. Und das wird sich bitterst rächen. Denn diese ephemeren Qualitäten, die kaum ein Manager wirklich versteht, werden in einer Welt von mehr und mehr streamlined products immer wichtiger werden. Das Unangepasste, das Rauhe… das eben, was gut altert, schön verwittert. Ein echter Dodge Pickup sieht erst gut aus mit ein paar Beulen, beim X3 heult der Junior-Bankangestellte beim ersten Kratzer. DAS ist der Unterschied. Das Authentische, das sich eben nicht in einer Fabrik in Taiwan faken läßt. Das auf Benutzung ausgelegt ist. Das für Benutzung gebaut ist. In Zeiten, wo Produkte nach der Garantiefrist einfach auseinanderfallen und Ersatzteile fast so teuer sind wie ein Neugerät, klingt das wie ein Sakrileg. Oder wie eine Lösung.

Zugleich ist zu überlegen, wie sich Beausage in die Welt von Print und Screendesign einbringen läßt. Beim Buch gibt es Beausage natürlich, Bücher werden schöner, je abgelesener sie sind. Ich liebe mein Obey The Giant umso mehr, je öfter ich hineinkritzele und notiere. Das Buch ist ein Museum von Gedanken, die Poynor auf mehreren Flügen bei mir ausgelöst hat und wird insofern mit jedem Lesen schöner. Bei Imagebroschüren und Visitenkarten ist das sehr viel schwerer zu sagen… meist sind diese Sachen druckfrisch am schönsten. Man sollte überlegen, wie man den Alterungsprozeß, die Abnutzung aktiv in das Design einbinden kann, und sei es nur als kleines Experiment, indem etwa Schrift erst nach einiger Zeit sichtbar wird oder Man Seiten herausreißen muß, um bestimmte Inhalte lesen zu können..

Screen ist noch viel kritischer, schließlich können Websites kaum altern,w erden sie doch alle zwei bis fünf Jahre komplett überarbeitet. Hier finde ich aber die Idee, das die Benutzung aktiv die Site beeinflußt, interessant. Die Trampelpfad-Analogie. Bei der Rütgers Stiftung, (eine Site, die inzwischen nicht mehr lebt, sehr schade, eine völlig einzigartige FLash-Site ist zugunsten eines mageren Template-Designs aus der Kiste ersetzt worden. ) haben wir dies bereits ansatzweise umgesetzt… die Menüstruktur ergibt sich aus den zuletzt geklickten Items des Besuchers. Auch Farbe und Menüform sind modifizierbar und werden per Cookie gespeichert, die Site verformt sich also durch Gebrauch. Bei Kais Power Tools (Prä-Corel) gab es eine analoge Idee. Erst als fleißiger User kam man an bestimmte Programm-Features heran, quasi als Belohnung. Das Programm wurde also durch regelmäßige Nutzung tatsächlich besser.

Die Idee wäre weiterzuspinnen… wie wäre es mit einer Site, die komplett nicht durch einen Nutzer, sondern ganz «demokratisch» durch die Bewegungen und Vorlieben ALLER Besucher verändert wird? In der tatsächlich Trampelpfade entstehen? Stelle ich mir spannend vor. Beausage als Interface-Konzept; der Trampelpfad, das Abgewetzte als User-Metapher für ein materieloses Genre… das klingt zunächst einen Versuch wert.

Dieser Blog-Eintrag ist übrigens auch Beausage. Beim Eingeben habe ich einmal, heute morgen, das Fenster versehens geschlossen, ohne abzusenden. Vorhin ist mir der Artikel einmal abgestürzt. Jetzt ist er das dritte Mal aus dem Kopf geschrieben und dabei etwa viermal so lang geworden wie der Eintrag von heute früh. Schlecht für euch Armen, die ihr das hier eventuell tatsächlich lest, aber gut für meinen Kopf.

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DEJA VU…

Robot ist nicht nur der Name eines Buches von Isaac Asimov, der mit seinem umfassenden Kanon von Roboter-Geschichten seit den 40er Jahren die Idee einer Zukunftsgesellschaft, in der Menschen und Robots mal mehr mal weniger gut zusammenleben, etablierte und dabei den Begriff der Robotik prägt, sondern auch eine US-Firma, die Robotoer für den Hausgebrauch und für das Militär fertigt. Gründerin und Vorstandsvorsitzende ist Helen Greiner, wie bei Asimov, eine Frau – in Asimovs Fall Dr. Susan Calvin, die Vordenkerin von U.S. Robotics. Asimovs (für seine Zeit) wunderbare psychologische Moralgeschichten gehören wie viele der klassischen SF-Shortstories (Bradbury, Dick, Ellison usw.) zu meinen Favoriten und es ist seltsam, seltsam, seltsam, mitzuerleben, wie die Geschichten anscheinend wahr werden.

iRobot via JoiIto

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QUOTE OF THE DAY

Drüben bei Speak up gibt es im Commentbereich von God is in the Big Idea eine kleine Zitatensammlung rund ums Designen. Ein paar Sachen sind falsch zugeordnet (You cannot not communicate ist von Paul Watzlawick, nicht von Paul Rand. Erbsenzählerei beiseite, ist der Thread sehr lesenswert.

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SURFACE

Auch wahrlich kein Geheimtipp mehr, aber immer einen Link wert ist die Frankfurt-Berliner Crew von Surface






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NON FORMAT




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