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RÖNTGENBLUMEN





Irgendwo zwischen Blossfeldt und Nick Knight haben diese (leider online sehr kleinen) X-Rays von Blumen schon ihre eigene Magie. Ich überlege gerade, ob diese Art Bild, die so leicht zwischen Kitsch und Transzendenz schwebt, nicht ideal für die Plakate der nächsten Saison der Philharmoniker wäre. Alles in 2 Farben, ganz ruhig. Muß nur sehen ob Peter Kuhn und Tilmann die Idee mögen, ob ich jemanden finde, der die Bilder gratis oder hochpreiswert (Kulturbudget) zur Verfügung stellt oder ob ich sogar eine Chance habe, selbst mit einem Radiologen Bilder zu machen, was vielleicht sogarnoch lustiger wäre, wahrscheinlich aber nicht realistisch klappen wird.
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Und noch mehr

31. Mai 2005 12:17 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Human Nature


Das ist schons seltsam, einen Film zu gucken, bei dem man das Gefühl nicht loswird, er fühle sich an, als habe Charlie Kaufmann die Finger mit drin (abgesehen davon, daß er vage an Peter Hoegs Die Frau und der Affe erinnert, allerdings ohne dabei eben unfreiwillig komisch zu sein, was bei Hoegs Buch leider komplett der Fall ist). Ein abstrus-absurdes kleines Moralstück über das, was Menschen ausmacht und antreibt. Da wird eine Frau zum Tier und wieder zur Frau und wieder zum Tier und wieder zur Frau, ein Affenmensch (oder vielmehr sein Sohnemann) macht mehr oder minder spiegelbildlich das gleiche durch, und ganz nebenbei spielen eigentlich überall die Hormone und Egos verrückt. Das dabei von Anfang an klar ist, daß Dr. Bronfman (Tim Robbins) tot ist und Charaktere schon erzählen, bevor sie überhaupt eingeführt sind, gehört dabei nur zu den Details des Kaufmannschen Wahns. Gedreht hat den Film dann von Videoclip-Meister Michel Gondry, der kürzlich auch Kaufmanns Skript zu Eternal Sunshine of the Spotless Mind verarbeitete, der allerdings hier auf jegliche Effektmätzchen verzichtet und einen visuell weitgehend normalen Film abdreht. Human Nature ist nicht Being John Malkovich und erst recht nicht Adaption, aber gut genug, um nicht übersehen zu werden… und da der deutsche Verleih den Film anscheinend als platte Komödie verpackt, IST er leicht zu übersehen. Schon fast bezeichnend, daß der Verleih einen Film, der sich jeder Kategorisierung so leichtfüßig entzieht, einfach mirnixdirnix ins Komödienfach steckt. Aber da stand in der Videothek auch letztens schon The Rules of Attraction (ultralose basiert auf dem Brett Easton Ellis Buch)… und das sagt dann auch alles.
Unter den relativ braven und meist hoch vorhersehbaren Filmen, die ich in letzter Zeit so gesehen habe (der müde Bad Santa, der von Plotlöchern gequälte Gothika und der eigentlich ebenfalls sehr sehenswerte Shaun of the Dead, der nur im letzten Drittel etwas durchhängt), ragt Human Nature jedenfalls als ein unberechenbares kleines Juwel heraus. Kaufmann ist der beste Drehbuchautor, den die USA derzeit haben

29. Mai 2005 22:11 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

SENSACELL







Sensacell
ist ein Interface-System für «smart architecture», aber auch für mutlimediale Anwendungen. Der Mix aus Sensorsystem und LED-Licht macht es mölich., interaktive Displays nahtlos in (innen)architektonische Ideen einzubinden, beispielsweise in Event- oder Messebereichen, bei Ausstellungen usw. Einen Video gibt es hier
via Futurefeeder

10:33 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

Mateusz Herczka






Mateusz Herczka arbeitet als hochvielseitiger Künstler, aber mehr als seiner Performances, Konzerte und Schauspielarbeiten faszinieren mich seine Arbeiten an der Grenze multimedialer Kunst, die Video, artifizielle Intelligenz und eine gehörige Prise ironische Electronica verbinden. Es ist nicht nur so, daß der Background stimmig ist, die Ideen sinnvoll und die Software von der Idee her oft neuartig, sondern daß es am Ende auch einfach gut aussieht.
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07:58 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

FRISCH AUS DEM LAUNDROMAT







Ich glaube, was mir an den Bildern von Satan’s Laundromat immer und immer wieder so gut gefällt, ist, daß da jemand für mich durch New York wandert und Inspirationen sammelt, die so selbst gern finden würde. Es ist wie ein virtueller Trip durch die Stadt, nur eben sans Jet Lag. Immer wieder einen Besuch wert.

07:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Beausage

Bei metacool bin ich über den Begriff Beausage gestolpert. Diego Rodriguez bezieht sich hier auf eine Worschöpfung von Grant Petersen, der damit die Ästhetik bezeichnet, die die Stufen eines Amphitheater durch die Abnutzung von tausenden von Füßen gewonnen haben, die die Motorhaube eines Ferrari 250 durch den Steinschlag gewinnt oder ein Fahrradsattel, der sich durch die Abnutzung an seinen Benutzer anpaßt. Anders als Patina oder Nostalgie, obwohl mit beiden sicher verwandt, geht Beausage ein Stück weiter und macht die Abnutzung zum integralen Bestandteil der Schönheit eines Objektes, es wird schöner durch die Benutzung. In William Gibsons großartig vielschichtigen Roman Pattern Recognition gibt es ein analoges Motiv in der reproduzierten Buzz Rickson MA1-Jacke der Coolhunterin Cayce Pollard (in der diese Beausage-Eigenschaften künstlich eingearbeitet sind, wie etwa die unsauberen Nähte). Das Buch war so erfolgreich, daß Rickson sogar eine spezielle Pattern-Recognition-Version in schwarz herausbrachte (Gibson schreibt im Buch, daß Pollards Jacke schwarz ist… es gab aber nie eine schwarze Version. Nach dem Buch war die Anfrage jedoch so groß, daß die Firma kurzerhand eine schwarze Version nachlieferte. Form follows Fiction.
Das Truetalk-Blog verknüft diesen Begriff mit dem japanischen Konzept von wasi-basi, einer Zen-Ästhetik-Vorstellung, die mit der Mangelhaftigkeit, der Inperfektion von Gegenständen zu tun hat. Die Bescheidenheit und Erdverbundenheit nicht-perfekter Gegenstände verleiht ihnen ihre Transzendenz. Wir alle kennen solche Gegenstände. Werkzeuge, die unsere Großeltern bereits benutzt haben. Der Unterschied zwischen einer sterilen fabrikneuen S-Klasse und einem liebevoll erhaltenen, aber eben doch unweigerlich benutzten 300b. Beausage hat etwas mit dem Wissen zu tun, daß solche Gegenstände nicht anonym gefertigt sind, nicht Teil eines gänzlich effizienten Produktionsprozesses, sondern Ergebnis einer liebevollen Planung und Durchführung. Beausage hat dabei auch etwas mit Materialien zu tun – Grant Petersen, der den Begriff prägte, hält fest, daß klassische, echte Materialen Beausage entwickeln, während modernes künstliches Material eher «Junk» wird (was schön zu Rem Koolhaas Analyse moderner kommerzieller Architektur als der Schaffung von Junk Space paßt), Leder altert, Polyester vermüllt. Beausage hat etwas mit dieser seltsamen Balance zwischen Benutzung und Pflege zu tun, letzten Endes mit dem Fetisch von Alltagsobjekten, mit Dingen, die uns am Herzen liegen. Nicht zuletzt auch mit einer Ehrlichkeit, die einigen Materialien einfach inhärent ist, anderen eben nicht. Ein Cellulose-Füller ist etwas anderes als ein Plastik-Füller. Genähte Ledersohlen unterscheiden sich von geklebtem Gummigemisch. Ein Backsteingebäude wird immer schöner altern als ein Betonbau.

Bei Jonathan Carroll sind es oft Uhren und Füller, die als solche Kulturfetische dienen, in Outside the Dog Museum sind es Türen und Leitern die zugleich als weitere Symbole dienen, aber auf einer Ebene als Symbol der handwerklichen Liebe dienen, die Morton Palm in diese Alltagsobjekten steckt). Bei mir ist’s mein altes Leder-Notizbuch, ein Hochzeits-Memorabilia. Nahezu jeder Mensch hat solche Herzens-Gegenstände. Und sie alle sind abgenutzt und haben Patina, haben Geschichte. Sind Fetisch-Objekte. Denen man die Liebe, die in ihrer Produktion und ihrer täglichen Benutzung steckt, ansieht.

Allein dies ist bereits fürs Produkt-Design entscheidend bei der Frage um die emotionale Aufladung von Gebrauchsgegenständen… aber Beausage geht noch einen Schritt weiter. Abnutzung erklärt schließlich auch Funktion. Der Trampelpfad im Feld zeigt den besten, sichersten Weg nach Hause. Der abgewetzte Siebdruck auf den Tasten eines Cassettenrecorders zeigt dir, weilche Tasten du drückst, um aufzunehmen oder abzuspielen. Hier bekommt Beausage eine funktionale Dimension. Die Dinge sehen nicht nur besser aus, je länger man sie benutzt, ihre Benutzung wird auch zur materielle emergierenden «Bedienungsanleitung».

Im digitalen Zeitalter, in der Patina immer öfter nur ein Fake ist (wie das Chromfinish an meinem Cooper gegenüber dem echten Chrom an meinem alten Amazon), wird Beausage zum Gegenpol einer durchindustrialisierten, oberflächlich gewordenen globalisierten Produktion, aus der die Controller Jahr um Jahr das Herzblut gepresst haben. Manufactum lebt gut von diesem Gegenpol, von der Vorstellung, daß es noch «gute Dinge» gibt, die ehrlich hergestellt sind und dementsprechend ehrlich altern werden, die Charakter entfalten können und allein durch ihre Materialität und die Liebe zum Detail unser Leben bereichern, meditative wasi-sabi-Objekte werden.

Hier sehe ich eine Überlebensnische für zumindest viele Luxusartikel. Porsche muß niemals wie Toyota agieren, weil die Autos mit Liebe gebaut werden. Die Verbreiterung der Produktpalette ist da fast eher ein langfristiges Problem. Ein SUV und ein Family-Van verwässern die Identität, die Magie, die Tradition des Produktes. Und das wird sich bitterst rächen. Denn diese ephemeren Qualitäten, die kaum ein Manager wirklich versteht, werden in einer Welt von mehr und mehr streamlined products immer wichtiger werden. Das Unangepasste, das Rauhe… das eben, was gut altert, schön verwittert. Ein echter Dodge Pickup sieht erst gut aus mit ein paar Beulen, beim X3 heult der Junior-Bankangestellte beim ersten Kratzer. DAS ist der Unterschied. Das Authentische, das sich eben nicht in einer Fabrik in Taiwan faken läßt. Das auf Benutzung ausgelegt ist. Das für Benutzung gebaut ist. In Zeiten, wo Produkte nach der Garantiefrist einfach auseinanderfallen und Ersatzteile fast so teuer sind wie ein Neugerät, klingt das wie ein Sakrileg. Oder wie eine Lösung.

Zugleich ist zu überlegen, wie sich Beausage in die Welt von Print und Screendesign einbringen läßt. Beim Buch gibt es Beausage natürlich, Bücher werden schöner, je abgelesener sie sind. Ich liebe mein Obey The Giant umso mehr, je öfter ich hineinkritzele und notiere. Das Buch ist ein Museum von Gedanken, die Poynor auf mehreren Flügen bei mir ausgelöst hat und wird insofern mit jedem Lesen schöner. Bei Imagebroschüren und Visitenkarten ist das sehr viel schwerer zu sagen… meist sind diese Sachen druckfrisch am schönsten. Man sollte überlegen, wie man den Alterungsprozeß, die Abnutzung aktiv in das Design einbinden kann, und sei es nur als kleines Experiment, indem etwa Schrift erst nach einiger Zeit sichtbar wird oder Man Seiten herausreißen muß, um bestimmte Inhalte lesen zu können..

Screen ist noch viel kritischer, schließlich können Websites kaum altern,w erden sie doch alle zwei bis fünf Jahre komplett überarbeitet. Hier finde ich aber die Idee, das die Benutzung aktiv die Site beeinflußt, interessant. Die Trampelpfad-Analogie. Bei der Rütgers Stiftung, (eine Site, die inzwischen nicht mehr lebt, sehr schade, eine völlig einzigartige FLash-Site ist zugunsten eines mageren Template-Designs aus der Kiste ersetzt worden. ) haben wir dies bereits ansatzweise umgesetzt… die Menüstruktur ergibt sich aus den zuletzt geklickten Items des Besuchers. Auch Farbe und Menüform sind modifizierbar und werden per Cookie gespeichert, die Site verformt sich also durch Gebrauch. Bei Kais Power Tools (Prä-Corel) gab es eine analoge Idee. Erst als fleißiger User kam man an bestimmte Programm-Features heran, quasi als Belohnung. Das Programm wurde also durch regelmäßige Nutzung tatsächlich besser.

Die Idee wäre weiterzuspinnen… wie wäre es mit einer Site, die komplett nicht durch einen Nutzer, sondern ganz «demokratisch» durch die Bewegungen und Vorlieben ALLER Besucher verändert wird? In der tatsächlich Trampelpfade entstehen? Stelle ich mir spannend vor. Beausage als Interface-Konzept; der Trampelpfad, das Abgewetzte als User-Metapher für ein materieloses Genre… das klingt zunächst einen Versuch wert.

Dieser Blog-Eintrag ist übrigens auch Beausage. Beim Eingeben habe ich einmal, heute morgen, das Fenster versehens geschlossen, ohne abzusenden. Vorhin ist mir der Artikel einmal abgestürzt. Jetzt ist er das dritte Mal aus dem Kopf geschrieben und dabei etwa viermal so lang geworden wie der Eintrag von heute früh. Schlecht für euch Armen, die ihr das hier eventuell tatsächlich lest, aber gut für meinen Kopf.

28. Mai 2005 19:27 Uhr. Kategorie Leben. Tag , . 2 Antworten.

DEJA VU…

Robot ist nicht nur der Name eines Buches von Isaac Asimov, der mit seinem umfassenden Kanon von Roboter-Geschichten seit den 40er Jahren die Idee einer Zukunftsgesellschaft, in der Menschen und Robots mal mehr mal weniger gut zusammenleben, etablierte und dabei den Begriff der Robotik prägt, sondern auch eine US-Firma, die Robotoer für den Hausgebrauch und für das Militär fertigt. Gründerin und Vorstandsvorsitzende ist Helen Greiner, wie bei Asimov, eine Frau – in Asimovs Fall Dr. Susan Calvin, die Vordenkerin von U.S. Robotics. Asimovs (für seine Zeit) wunderbare psychologische Moralgeschichten gehören wie viele der klassischen SF-Shortstories (Bradbury, Dick, Ellison usw.) zu meinen Favoriten und es ist seltsam, seltsam, seltsam, mitzuerleben, wie die Geschichten anscheinend wahr werden.

iRobot via JoiIto

11:37 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

QUOTE OF THE DAY

Drüben bei Speak up gibt es im Commentbereich von God is in the Big Idea eine kleine Zitatensammlung rund ums Designen. Ein paar Sachen sind falsch zugeordnet (You cannot not communicate ist von Paul Watzlawick, nicht von Paul Rand. Erbsenzählerei beiseite, ist der Thread sehr lesenswert.

11:19 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WRECKED CARS

Irgendwie, ganz wertfrei, ist Kunst nicht mehr, was sie einmal war. Wo einst die Kunst ein fast abstraktes, reines Schönheitsideal suchte, ist sie heute – sicher auch nach der Erfahrung von zwei Weltkriegen – zumindest partiell eher daran interessiert, zu irritieren, aufzurütteln, zu verstören, gesellschaftliche und individuelle Wunden bloßzulegen. Nur konsequent, vielleicht auch reine Verzweifelungstat, da die ehemalige Aufgabe der Kunst – das Ästhetische – längst von der Werbung shanghait wurde. Schönheit ist allgegenwärtiges Ziel ganzer Industrieketten, die reine Abbildung des Makellosen längst an das Gewerbe derMode- und Architekturphotographen abgetreten, die sich imPhotoshop die Realität zurechtpixeln. Es ist also fast Notwehr, wenn gerade die Installationskunst immer absurdere Blüten treibt, wohl auch, um in der zunehmend abgestumpften Wirklichkeit überhaupt noch aufzufallen.

Der Aktionskünstler Emilio Mogilner hat mit dieser Aktion vor der Hapoalim-Bank in Tel Aviv gegen deren Finanzierung der Trans-Israel-Autobahn protestiert. Das Fleisch der Leichen ist aus Supermarkt-Geflügelfleisch, was der Installation eine schöne Doppelbödigkeit verleiht, wie ich finde.


Dem Hund jedenfalls scheint es zu gefallen.

via Superfrankenstein

26. Mai 2005 09:29 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BLOG ZWEI


FutureFeeder
ist ein Blog, das Bruce Sterling völlig zu recht als fast surreal – wie aus einem Paralleluniversum sendend – beschreibt. Weit, weit vorn.

20. Mai 2005 20:21 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

BLOG

Schönes Typo-Blog hier.

19:56 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

MARK RYDEN


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via Coolios

19. Mai 2005 19:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

MIKE NEWLYN


Ein Thread bei Typophile brachte mich auf Newlyns Site. Unter anderem hat er das aus meiner Sicht eigentlich unsagbare ish-Logo entworfen, das nach seiner Erklärung gleich viel mehr Spaß macht… Außerdem diverse andere Logos und Schriftarten für einen recht prominenten Kundenstamm, wobei die Designs oft aus einer überraschend skulpturalen Denkweise kommen, die ich überraschend und hochangenehm fand.

15. Mai 2005 10:13 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

KITSCH

Kitsch, das ist das, was bleibt. Von einer Epoche. Von einer Person. Von einer Idee, wenn sie nur lang genug gefiltert und auf den niedrigsten Nenner verdaut wurde. Einstein und seine Zunge, Lady Di und der Tod im Tunnel, James Dean und Pomadefrisuren, JFK und Marilyn, Marilyn und der U-Bahn-Schacht, Bruce Lee und der gelbschwarze Anzug, der dicke Elvis und das Glitzerkostüm, Mozart und die Perücke, der Barock und das Schwülstige.

Kitsch, das ist, was bleibt. In unserer Erinnerung. Was einfach genug ist, am Teflon des Gedächtnisses nicht abzugleiten. Prägnant genug. Es ist der Nippes unseres Gehirnes, die Reduktion komplexer Realität auf ein bewältigbares Simulacra. Und weil Simulation Bilder braucht, drucken wir sie auf Teller, auf Tassen, auf Poster und Zahnbürsten, machen sie im wahrsten Wortsinne konsumierbar. Wir rekreieren das Reale durch mythologische Modelle, die mit der Realität nichts mehr zu tun haben müssen oder gar sollen. Die mit zahnpastaweißen Bonds und Silikonkissen von Plakaten herablächelnde Ikone Marilyn soll eben ablenken von der tatsächlich existenten Figur Norma Jean, nicht verweisen darauf. Das Modell, das Poster, das TV-Feature, die miniaturisierte Version, die konzeptionelle Abbildung, die Reduktion wird so zu unserem Wegweiser für die Wahrnehmung von Realität. Kommt das Modell mit der echten Realität in Kontakt, kommt es meist zu implosionsartigen Effekten. Niemand interessiert doch, wer wirklich hinter dem Mythos steht. Einstein war ein lustiges Genie und hat Reportern die Zunge rausgestreckt… das ist einfach als die allgemeine Reativitätstheorie zu behandeln.

Sicher, das hat mit Eindimensionalität zu tun. Kitsch kollabiert die grundsätzlich ja vorhandene Fähigkeit von Kunst und Medialität, ein multidimensionales und vielschichtiges Ganzes zu (re)produzieren auf eine einfache, eben verdaubare Ebene. Schon aus diesem Grunde ist Kitsch auch immer politisch, ideologisch, demagogisch, blendet Zwiebelschichten von Realität aus, versteckt, betont, verführt. Nicht umsonst wirkt die Propaganda totalitärer Staaten oft zu grell, zu bunt, zu kitschig.

Dies ist durchaus eine sinnvolle Funktion von Kitsch – Selektion. Anders als die von Jorge Luis Borges in «Of exactitude in science» zitierte Landkarte, die final so komplex ist, daß sie 1:1 so groß ist wie das von ihr abzubildende Empire, kann die mediale Abbildung einer Person niemals so umfangreich sein – egal wieviel tatsächlich geschrieben und photographiert wird – wie die tatsächliche Psyche und Biographie erlaubt. «Do I Contradict myself? Very well then I contradict myself, I am large, I contain multitudes» wußte schon Walt Whitman. Und Widersprüchlichkeiten passen nicht ins Klischee. Elvis, der fettleibige Redneck-Junkie und Kommunistenhasser paßt nicht zum hüftenschwingenden Elvis, der das konservative Amerika entsetzte.

Kitsch also macht Geschichte begreiflich, wenn er sich auch komplett als bunten Reigen lügenhafter Bilder und Klischees aneinanderreiht. Kitsch ist somit nicht zuletzt die reine Emotionalisierung, der Übergang ins Fiktionale, ins Religiöse. Aus gutem Grund ähneln Kitschgegenstände Ikonen-Bildern oder religiösen Items. Die von Lady Di nach wie vor zum Verkauf stehenden Tassen, Teller, Schneekugeln, Briefmarken und Eierbecher sind religiöser Natur, goldlastig und pseudo-edel aufgemacht. Die Ballhornisierung historischer oder prominenter Persönlichkeiten zu Quasi-Heiligen schafft so ein Pantheon moderner Legenden und Götzen, in die sich flugs Johannes Paul II einfügen wird, als wahrscheinlich der einzig wirklich Heiliggesprochene in diesem Zirkel. Kitsch, so ist das eben, macht Geschichte (an)faßbar, sammelbar, erlebbar. Ludwig II wird zum Musical. Mozart zum Film. Und unsere Kommunikationsindustrie ist mehr als froh, einen Mythos nach den anderen flachdrechseln zu dürfen, verdaubar zu machen, zu reduzieren auf ein paar Soundbytes und ein Poster-Photo.

Es sei dies nicht als Kritik verstanden, denn wir alle umgeben uns mit Kitsch. Ob wir Hummelfiguren sammeln oder uns in Filmdarsteller verlieben, der Wunsch nach Eskapismus aus der Komplexität ist allgegenwärtig. Wie oft hört man, daß jemand sich einen Schriftsteller, einen Schauspieler, einen Musiker ganz anders vorstellte und dann enttäuscht war, wie das Idol in Wirklichkeit war (vielleicht, weil es einen schlechten Tag hatte und ganz menschlich mies gelaunt war)? Von den Kitsch-Bildern, von der simulierten Phantasiewelt, können wir uns alle nicht wirklich freisprechen. Es wäre insofern falsch, auf die Hummelfiguren-Sammler hinabzuschauen und selbst zu glauben, daß MTV weniger kitschig und weniger Simulation sei. Speiseeis kann nach Erdbeere und nach Schokolade schmecken, bleibt aber doch schlicht und ergreifend Eis. Die rückwärtsgewandte Architektur des Adlon ist insofern ebenso Kitsch wie die nur scheinbar mutige Architektur eines Frank Gehry, die längst zu einer zitierbaren, berechenbaren und soliden Kitschform per se geworden ist, wie das MARTa in Herfords zeigt.

Versucht man, den Wunsch nach Kitsch zu verstehen, so zeigt sich also, daß er im Grunde einer Art seelischem Cocooning dient, Balsam gegen die Realität ist, eine Form von Verdrängung. Hierbei wird stufenweise die Abbildung von Realität ersetzt durch die Maskierung der Realität (bzw. die Verschleierung der Tatsache, daß es keine Realität mehr gibt, sondern nur noch die Maske bleibt), bis schließlich ein Zustand erreicht ist, in dem die Simulation nichts mehr mit der eigentlichen tatsächlichen Realität zu tun hat. Die pausbäckigen Kindlein auf Kinderschokolade- und Zwiebackpackungen sind keine Repräsentation echter Kinder, sondern Simulationen. Aber sind sie nicht niedlich? Die langbeinigen photogeshoppten Models der Vogue-Bildstrecken sind keine Repräsentation, sondern Simulation des Weiblichen. Aber sind sie nicht sexy?

In The Matrix macht einer der Rebellen, Cypher, einen Deal mit den Agenten der Maschinenwelt und verrät seine Mitstreiter, weil er es in der trostlosen «echten» Welt (von der wir erst am Ende des dritten Matrix-Teils lernen, daß auch diese Realität nur eine Simulation war), nicht mehr leben mag. Er will zurück in den Cocoon, den warmen Schoß, der Matrix. Wen schert’s, ob Fleisch echt oder Illusion ist, solange es echt schmeckt? Am ende der Matrix-Trilogie lernen wir dann entsprechend, daß es keine wirkliche Flucht aus der Kitsch-Welt der Matrix mehr gibt nicht geben kann. In Stanislaws Lems «Der futurologische Kongreß» lernt Ion Tichy, das die «Psyvilisation», die er im Jahre 2039 besucht, in Wirklichkeit komplett auf Halluzinogenen basiert, weil die Menschheit die triste Wirklichkeit nicht ertragen kann.

Keine Angst also vorm Kitsch, er ist allgegenwärtig. Ohne Kitsch keine Aufklärung, die sich verzweifelt an der Verkleisterung der Welt abarbeiten kann, ohne Kitsch nicht die wunderbare Wellenbewegung im Design, die stets fröhlich (und inzwischen postmodern fraktal überlagert) zwischen funktionaler Reduktion und ornamentaler Emotionalität pendelt und irrlichtert, in stets zielloser aber interessanter Kreisbewegung.

Keine Angst vor Wackelelvis und Lady-Di-Seifenspender. Keine Angst vor Mozart, dem Kindergenie und Frauenheld. Keine Angst vor Einsteins Zunge und van Goghs Ohr. Keine Angst vor Dalis Bart und Helmut Kohls Birnenkopf. Keine Angst vor Pamela Andersons Silikon. Das alles ist nicht die wirkliche Welt, sondern Teil unserer Reise AUS der Wirklichkeit hinaus, ins postreale. Kitsch, das ist was bleibt. Das, was formbar ist, vermarktbar ist, die konsumierbare Erinnerung an die Welt. Kitsch ist der Vorklang einer postrealen Welt, in der alles formbar, alles designbar ist und insofern dem Massengeschmack unterworfen ist.

Dieser Weg ins Simulacra-Nirvana, den muß man nicht mögen. Denn sicher klebt der Kitsch, macht blind, ist im Kern faschistoid, anti-aufklärerisch. Aber er ist unausweichlich. Je komplexer die Realität wird, um so größer der Bedarf, der Wunsch nach Kitsch. Ne waren Heimatfilme populärer als zum Ende des 2. Weltkrieges. Und in Zeiten von Hartz IV macht das Fernsehen die größte Quote mit Volksmusik.

Der Kitsch wird bleiben. Lernen wir also, ihn zu feiern.

14. Mai 2005 14:24 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

HANDYBÄUME


In schönster spießiger Vielfalt sprießen in Amerika Fake-Bäume, die eigentlich nur als Mobiltelephon-Sendemäste dienen. So schön, sie wären eigentlich ein Buchprojekt wert. Inspiration ist überall, wo die Welt bizarr wird.

via Bruce Sterling

13. Mai 2005 20:26 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

THE HISTORY OF SAMPLING


Weils so schön zu meinem alten Post über die Remixer-Kultur passt: Ein, wenn auch etwas kleines, Wer-klaut-wo der Samplinggeschichte.
Hier.

via relicious

20:05 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

POSTERTERROR


Wie beliebt oder unbeliebt ein Magestar ist, kann man rasch seinen öffentlichen Plakaten ansehen. Hier gibts ein paar Photos von HBO-Fernsehkonzert-Plakaten von Britney Spears, die Fans und Nicht-so-sehr-Fans in der U-Bahn malträtiert haben. So wird aus Werbefläche wieder ein Stück öffentlicher Kommunikation. Wir brauchen viel mehr verschandelte Werbeplakate.

via Tom Peyer

08:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

KAISERS NEUE KLEIDER

Das ich – wie übrigens überraschend viele Designer – von Kind auf ein Comic-Fan bin, ist ja kein Geheimnis. Einer der größten US-Verlage, DC (das DC steht für Detective Comics, der Verlag ist eine Tochter von Warner Brothers und publiziert unter anderem Superman, Batman und Wonder Woman) hat sich ein neues Logo verpaßt.

Das alte Logo, aus den Siebzigern, entwickelt von Milton Glaser

Die neue Version

Und auch einmal die gesamte historische Entwicklung

Der neue DC-Spin hat Online, unter anderem bei Newsarama und Millarworld, für einigen Wirbel gesorgt. Und nicht nur positives Echo erhalten.

Und tatsächlich ähnelt das Logo verdächtig anderen Designverbrechen:

Es vereint einfach die meisten Scheußlichkeiten der 90er. Farbverläufe, Pseudo 3D und den allgegenwärtigen, von Nike inspirierten Swoosh. Ich kann absolut verstehen, daß DC sich von einem rund 30 Jahre alten Logo verabschieden will und … ja, Glasers Version ist «flat», wie DC Creative Director Richard Bruning es formuliert, ist zweidimensional und sicher nicht ideal geeignet für Animation in TV, Film, Web und Videogames. Obwohl ja gerade der Nike-Swoosh zeigt, wie schön gerade diese platte Zweidimensionalität auch multimedial Ruhe ausstrahlen kann.

Aber das man sich so drastisch re-branded, jeglichen Bezug zur Vergangenheit abstreift und sich dann ausgerechnet eines der ödesten, generischsten, ausgelutschtesten Designs verleiht, das überhaupt denkbar ist… enttäuschend. Anstatt mit dem Relaunch in die Zukunft zu blicken, wird hier die Stagnation in den 90ern visuell unterstrichen. Es ist schon schlimm genug, daß DC in Sachen Story, Artwork und Coverdesign etwas 10 years ago wirkt, aber es auch noch sozusagen via Bildmarke zum Credo zu erheben? Fast so enttäuschend wie die 2 im aktuellen ZDF-Logo (wo man die Loser-Position des zweiten Platzes gleich zum visuellen Hook erkoren hat). Fast so amateurhaft gemacht wie der Relaunch von UPS, wo auch ein Klassiker (in dem Fall das UPS-«Paket» von Paul Rand) durch ein austauschbares Logo-Placebo substituiert wurde.

Ich denke, dieses Logo ist zu zeitgeistig und dabei zu sehr einer Formsprache von vor zehn Jahren verhaftet, ist nicht eindeutig und simpel genug, nicht symbolisch und klar, zugleich aber auch nicht syntaktisch verspielt genug, um alt zu werden. Wer das Alte rauswirft, wird auch schnell des Neuen überdrüssig. Und das deckt sich ja mit dem historischen Verlauf bei DC. Jeder neue Sprung in der Markenentwicklung sorgt für Unruhe, bevor es für einen längeren Zeitraum von etwa 30 Jahren beim Etablierten bleibt. Rein historisch würde es also Sinn machen, wenn nun im Jahrestakt an dem DC Spin herumgefrickelt wird.

Im Grunde ist es egal, bei Comics zählt nicht das Logo, sondern der Inhalt. Und ich begrüße schon, daß DC selbstbewußter auftreten will (auch wenn die hier zelebrierte Abkehr vom Comic per se und Hinwendung zu anderen Medien etwas beunruhigend ist für einen Comic-Fan). Aber aus professioneller Sicht ist’s schon schade, daß diese Chance so derart vertan wurde.

Andererseits… furchtbare Vorstellung, ein Logo zu entwickeln und dann online so offensiv in Stücke gerissen zu werden. Ist ja fast wie in Deutschland beim FIFA-Logo ;-D.

PS: Comic-Autor und -Kolumnist Steve Grant verweist auf den Zusammenhang zwischen der möglichen wirtschaftliuchen Krise bei DC (die, wie alle Verlage, vom Zusammenbruch der reinen Comicbranche betroffen sind) und dem neuen Logo:

It’s arguably worth remembering that the last change to the DC logo roughly corresponded with the virtual collapse of their comics business, in the mid-’70s, when historical titles like ADVENTURE COMICS and WORLD’S FINEST COMICS were cancelled and even the then poorly selling flagships SUPERMAN and BATMAN were considered for the scrap heap (saved, according to legend, by the intercession of Paul Levitz himself, who valiantly argued they were the company’s identity and dropping them, as well as the company’s namesake title DETECTIVE COMICS, would be tantamount to throwing the company away). There’s probably no cause-and-effect between the logo and the sales – the slide had begun several years before the new logo was even considered – but it does mean that as symbols of upheaval and uncertain times, new logos have a history.

12. Mai 2005 23:15 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BEST WASHINGTON POST PICTURES 2004

Auch wenn die US-Presse oft zu sehr innenpolitische Nabelschau betreibt, die Washington Post hat herausragende Bildjournalisten in der ganzen Welt. Einige ihrere besten Bilder von 2004 sind… Hier.

5. Mai 2005 14:58 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

ONE DAY IN THE LIFE OF AFRICA

Afrika-Photographie ist (ähnlich wie Kriegs-Photographie) immer ein etwas abgegriffenes Thema, die Motive in ihrer Fremdheits stets etwas zu bekannt zu vertraut, zu pittoresk. Die Photographen verfallen der Exotik des Ortes, der allzu einfachen Dokumentation von Elend oder Fremdheit. Schwarze Menschen vor bunt angemalten Husern, die seltsame Schönheit von Elend, die schwarzweißen Bilder ausgemergelter Gestalten, die Fremdheit der Wüstenlandschaft… all sowas. Kein Photograph, der seine eigene Heimatstadt dokumentiert, würde es bei oft so einfacher Blickweise belassen, würde tiefer graben, hinter die seit 40 Jahren etablierten Klischees blicken. Abgesehen von solcher Generalkritik eröffnet eine Photographie, die – wenn auch selten – über das Klischeebild des schwarzen Kontinents hinausgeht wie kein zweites Medium den Blick auf die Zustände in Afrika. Olympus hat ein mit Camedia E20 Digitalkameras realisiertes Projekt gesponsort, bei dem ein Tag in Afrika in verschiedenen Zeitstufen von insgesamt über 100 Photographen präsentiert wird. Viele der Bilder sind mitunter etwas oberflächlich, so etwa das Plakatmotiv, aber manche gehen einen Schritt weiter, zeigen vor allem eben in der Synkope die alle vorgefaßten Bilder sprengende Gegensätzlichkeit, die einen solchen Kontinent einfach unweigerlich auszeichnen muß und machen so das Projekt als ganzes lohnenswert.

14:51 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PIXELGRAPHY

Daniela Börners Site hat jede Menge Links zu Photographen und Designern.

06:01 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

FONTLEECH

Man surft zu wenig. Ich hab dieses Fontblog erst jetzt entdeckt. Links zu Freewarefonts und wöchentliche Diskussion plus Tipps und Tricks rund ums Fi-Fa-Fonten

2. Mai 2005 07:31 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

CATWOMAN

Was bin ich vor dem Film gewarnt worden, wo doch eigentlich jeder weiß, wie sehr ich Trash mag. Und dann war’s halb so wild. Im Gegenteil, gemessen an The Stepford Wives, einem absoluten Verbrechen an Ira Levins Buch und dem Originalfilm… einem Remake, das so grundschlecht ist, daß man ja gar nicht weiß, wo man anfangen soll sich zu beschweren…, ist Catwoman sogar ein recht guter Film geworden.

Pitof, der mit Vidoq immerhin eine sehr individuelle Handschrift bewiesen hat, bleibt sich treu und bringt einen fast durch und durch virtuellen Film auf die Leinwand, der wirkt, als sei er zu 99% durch den Computer gewandelt. Alles ist überstrahlt, überbetont, surreal. Vielleicht war das aber auch nur nötig, um Sharon Stone ein paar Jahre jünger wirken zu lassen. Die Kamerafahrten sind atemberaubend, die Kampfszenen sauber choreographiert, die Trickeffekte (auch wenn Catwoman sich eher wie Spider-Man denn wie eine Katze bewegt), überzeugen fast mehr als eben beim vergleichsweise teureren Spider-Man-Film … naja, und der Plot ist zwar recht hanebüchen, damit aber 1:1 in der Tradition so ziemlich jeden Superheldenfilms. Eine Hautcreme, die abhängig macht und tödlich wirkt, ist nicht weniger albern als ein Superman, der auf seine Superkräfte verzichten muß, nur um mal mit Lois Lane ins Bett zu steigen. Und böse ist, wer dabei permanent an Uschi Glas denken muß.

Halle Berry schwankt zwischen nur eher uninspiriert wirkenden und schon richtig peinlichen Darstellungsleistungen, füllt das Catwoman-Kostüm aber solide aus, das muß vielleicht schon reichen. Mir fällt auf Anhieb kein comic-inspirierter Film ein, der phantastische Hauptdarsteller hätte. Pitof verzichtet auf die Selina-Kyle-Figur aus den Comics und erfindet derart deftig neu, daß man sich schon fragt, wofür die Produktion eigentlich die Lizenzgebühren für den Namen Catwoman bezahlt hat, wenn man dann doch einen Film über eine komplett neue Figur macht. Der Film hat nichts mit der Comicvorlage zu tun, außer eben dem Namen. Ich werde Hollywood nie verstehen.

Davon abgesehen gibt es medienselbstreflektive Remineszenzen an Superman (Riesenradszene = Eifelturmszene), an Batman Returns (Rettung von Priscilla/Selina durch die Katzen, «Miauuuuu», Gesichtablecken…), an die Batman-TV-Serie aus den 60ern (purrrfect… und die Fingernägel des Kostüms, überhaupt ist das Kostüm einfach nur die MTV-Generation-taugliche Evolution des TV-Kostüms. Außerdem wird fleißig an Alien, Die Hard und andere Actionfilme angelehnt. Daß mit Halle Berry die Catwoman von einer afroamerikanischen Darstellerin gespielt wird (während die Selina-Kyle-Figur eine Weiße ist), scheint vor dem Eartha-Kitt-Background gar nicht so wichtig, immerhin haben sehr sicher mehr Amerikaner die TV-Serie gesehen als das Comic gelesen.)

Alles in allem beileibe kein guter Film, aber solider als vieles andere in dem Genre und wie Daredevil immerhin stilistisch ein mutiger Versuch. Ein deutlich besseres Drehbuch (das sich etwas über das Niveau einer TV-Pilotfolge erhoben hätte) und mehr Budget hätten sicher nicht geschadet… und Berry wird die Rolle nach der nicht ganz unverdienten Goldenen Zitrone sicherlich kein zweites Mal geben. Aber Pitof ist an sich schon der richtige Mann für dieses Genre…, auch wenn er sich geradezu unverschämt bei dem frühen Jeunet bedient in den unglaublichen Kamerafahrten und dem Hang zur digitalen Überhöhung. Die Dramatik, das Surreale, das Atemberaubende des Spandex-Genres hat er drauf und auch ein Gespür für die Balance zwischen Dramatik und Lächerlichkeit. Aus diesem Drehbuch hätte ein geringerer Regisseur wohl einen kompletten Humbug gemacht. Hier ist das platte Konstrukt wenigstens durch eine liebevolle Bildästhetik und ein Feeling für den richtigen Groove gemindert. Das rettet den Film keineswegs, macht ihn aber deutlich erträglicher. Einen gut geschriebenen Batman-Film von Pitof könnte ich mir insofern als recht exzellent vorstellen.

01:01 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

THEATER BIELEFELD PITCH

Achtung, dies wird eine ziemlich lange Bilderflut werden. Da wir aber keinen der drei in Bielefeld gezeigten Entwürfe so nehmen, wie ursprünglich im Wettbewerb vorgestellt, ist es vielleicht ganz interessant, die Sache einmal so zu zeigen, wie sie prototypisch aussah. Als Screenshots kommt das alles nicht ganz so gut und ohne die Erklärung auch nochmal etwas weniger lustig und es ist sowieso alles sehr hektisch entstanden (der Pitch hatte zwar drei Wochen Zeit, wir haben aber real nur fünf Tage Zeit gehabt, wirklich zu produzieren), aber ein Blog ist auch ein Tagebuch und da gehört auch sowas irgendwie rein.

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00:27 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.


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