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MARK BRANDIS

Meine Liebe für Science Fiction kommt nicht von ungefähr, sondern von Büchern wie Rolf Ulricis Giganto und Monitor oder John Cristophers The Tripods und eben dieser doch sehr 70er-deutsche-SF-typischen-Buchserie rund um Mark Brandis, geschrieben von Nikolai von Michalewsky, die ich als Kind wie süchtig aus der Stadtbibliothek entliehen und Band um Band gelesen habe. Wie Perry Rhodan als Pulp-Serie angelegt, schnell hintereinander weggeschrieben (und -lesbar) und irgendwie diffus pseudo-amerikanisch, wobei ein Titel wie Vorstoß zum Uranus auf einem englischen Kinderbuch wohl nie zu finden sein wird…
Ich weiß beim besten Willen nicht mehr, ob die Bücher wirklich was taugen, aber spannend waren Sie als Kinderlektüre damals allemal. Schnell, politisch, pointiert auf die Cliffhanger zugeschrieben. Bei eBay noch zu haben ;-).

29. März 2005 01:43 Uhr. Kategorie Buch. 11 Antworten.

DEADWING

In der gleichen Art, in der ich Jonathan Carroll für einen phantastischen Schriftsteller halte, mag ich auch Porcupine Tree. Es ist alles vielleicht etwas zu selbst-bewußt, zu gekonnt, vielleicht zu gestelzt, zu handwerklich. So wie Carroll zu oft nach seinen Vorbildern schmeckt, blitzt bei Porcupine eben auch immer mal wieder Pink Floyd oder in letzter Zeit Dream Theatre durch, oder andere ProgRock-Größen. Aber aus Steve Wilsons kleinem Homerecording-Projekt ist durch Richard Barbieri (ex-Japan) und die hervorragende Rythmussektion ein grandioses Uhrwerk geworden, das mit dem letzten Album In Absentia den Gang ins allzu Seichte doch ziemlich konsequent vermieden hat und auf Metanoia beispielsweise im Grunde eine einzige lange fast fusionjazzige Studiosession veröffentlicht hat. Jetzt ist das neue Album da.

01:06 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

CLOCKWORKS

The goal of this group is to post a clock face for every minute around the clock, in chronological order. When run in slideshow mode at 1 second intervals, this should give us a working 12 minute clock!

Hier

via Liquidgeneration

28. März 2005 23:42 Uhr. Kategorie Online, Stuff. Keine Antwort.

STRASSENPOSTER

Diese und weitere schöne Street Poster bei UbuWeb.

via Tom Peyer

20:08 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BLINDWINO MANIFEST

Your life is passing in front of you, you are getting old. You are going to die, and you’re never going to be on television.
Ich bin ein schwacher Mensch, muß wohl so sein. Ich liebe nämlich Manifeste. Egal ob von Marx, Bruce Mau oder dieses von Mark Driver. 13b ist besonders schön im Hinblick auf 13a. 13c ist wichtig.

via Coolios

19:51 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DESIGNADDICT

Schöne und schön umfassende Übersicht über Produktdesign von den 20ern bis heute

15:22 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Whatever Happened To The Future IV


27. März 2005 21:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

FUNDSTÜCK

09:05 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SCHON WIEDER STERLING…

… aber diesmal nur ein via. Sterling hat ein Link zu einer Site über den brillanten italienischen Designer Achille Castiglioni gepostet, der gemeinsam mit seinem Bruder ab den 50ern viele Artiekel entwarf, die heute noch zeitlos oder bahnbrechend wirken. Hier.

21. März 2005 19:57 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

SHAPING THINGS TO COME…

Bruce Sterling: Shaping Things To Come. Vortrag über Blobjects, Spimes, Gizmos und all die wunderbaren Objekte unserer Zukunft in der Uni München als Streaming Video.

Having conquered the world made of bits, you need to reform the
world made of atoms. Not the simulated image on the screen, but
corporeal, physical reality. Not meshes and splines, but big hefty
skull-crackingly solid things that you can pick up and throw. That’s
the world that needs conquering. Because that world can’t manage on its
own. It is not sustainable, it has no future, and it needs one.

Sterling argumentiert,daß die Möglichkeiten, Gegenstände am Rechner zu gestalten und mit Rapid Prototyping zu erforschen, sie mit GPS und ID-Chips auszustatten (also «intelligent» zu machen) und von ihrer Materialität her der Kurzlebigkeit von Moden anzupassen, also den Tod eines Objektes ökologisch direkt mit einzuplanen, zu einer Art «Internet der Gegenstände» führen wird.

Was Sterling hier spannend findet – und was spannend sein wird, keine Frage – fügt sich nur leider allzu passend zu Rem Kolhaas’ Warnung vor den Junk Spaces. Architektur, wie etwa die von Gehry oder Libeskind, ist längst selbst zum Blobject geworden, wird defunktionalisiert, dekontextualisiert, am Rechner gestaltet, primär kopfgesteuert, weg vom handwerklichen,weg vom Sinnvollen. Abstrakt, austauschbar, leer. Viele Autos und gestaltete Alltagsgegenstände «fühlen» sich bereits auch so an. Das 40. Metermaßband, das keiner braucht, aber schaut euch an, wie lustig die Farben und Formen sind. Der 100. Taschenrechner aus gebürsteten Alu, aber diesmal hat er einen Sprachspeicherchip und kann als Notizblock dienen. Keine neuen Ideen, aber neue Formen für das Vakuum. Mag sein, daß hinter der Welle von neuartigen Objekten am Ende nur die alte Ennui in neuer Gestalt steckt, daß, was an sich spannender Wandel in der Repräsentation unserer Umwelt sein könnte, in den Händen der Massenproduktion doch nur wieder bunter dumpfer Bullshit sein wird…

Noch ein Sterling-Quicktime (im Gespräch mit Alex Steffen) gibt es hier.

via Worldchanging

08:21 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Copy Kills Music…

Das stets lesenswerte Spreeblick-Blog bringts auf den Punkt:


The more things change, the more they stay the same.
Über 15 Jahre sind seitdem vergangen und die Musik spielt immer noch. Danach kamen dann Kampagnen gegen raubkopierte CDs (vor etwa fünf Jahren… es gibt immer noch Musik) und jetzt gegen MP3 (und seltsam seltsam, es gibt mehr Musik denn je.). Copy killt nicht die Musik, sondern die Majors. Das ist für die und deren Angestellte irgendwie dumm, zugegeben, aber ansonsten für niemanden. Kleine Bands haben bessere Distributionschancen denn je, große können die Mittelsmänner ausschalten und sich selbst vermarkten. Und selbst mit einer gewissen Raubkopier-Quote, die es immer gab und immer geben wird, wird es weiter Musik geben. Weil es immer Leute geben wird, die bereit sind, für ein Produkt, das sie wollen zu bezahlen, selbst wenn sie es gratis haben könnten. Ladendiebstahl und Schwarzfahrerei verhindern schließlich nicht die Kameras und Kontrolleure, sondern im Endeffekt eine inhärente Moralvorstellung der meisten Menschen. Und hier wäre, wenn überhaupt noch, anzusetzen. Das Internet wird den gesamten Markt verändern, da gibt es keine Frage mehr. Filesharing, MP3-Direktverkauf auf der bandeigenen Homepage auf der einen Seite, iTunes und andere DRM-Ritter auf der anderen.

Die Wahl der Musikszene insgesamt wird die sein zwischen abgeschotteter Festung oder einer Art Open-Source-System, in dem es für gute Produkte auch gutes Geld gibt. Die Musikbranche ist so im kleinen ein Spiegelbild des modernen globalisierten Kapitalismus: Sie wird teilen lernen müssen oder langfristig untergehen

20. März 2005 10:38 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

NICHOLSON BAKER CHECKPOINT

Es muß schwer sein, derzeit ein Intellektueller in den Vereinigten Staaten zu sein. Frustrierend. Es passieren Dinge seit 9/11, die einen ja schon als nicht-intellektuellen Europäer nur noch die Wahl zwischen Zynismus oder Verzweiflung lassen, aber direkt vor Ort zu sein und eine öffentliche Stimme zu haben… die dann doch nicht gehört wird, das muß wirklich anstrengend sein. Entsprechend frustriert klingt Nicholson Baker (oder besser: seine Protagonisten Ben und Jay) in Checkpoint, einem für Baker insofern ungewöhnlichem Buch, als daß es zwar (wie fast jedes Buch von Baker) auf vertraute Strukturen zurückgreift (die dialogische, aufgezeichnete Struktur von Vox in diesem Fall), ansonsten aber ungewohnt greifbar ist. Wo Baker sich sonst in seinen meist grandiosen mikroskopischen Betrachtungen verliert (am besten nach wie vor in The Mezzanine und The Everlasting Story of Nory), kommt diese Storyrecht druckvoll zur Sache, bekommt nur einmal – bei den Betrachtungen zur Arbeit mit einer alten Mittelformatkamera – einen Anflug von Bakers üblichem Sound. Ansonsten geht es knapp und druckvoll und wütend zur Sache mit einem schönen Auftakt, in dem Jay erklärt, daß er den Präsidenten der Vereinigten Staaten erschießen wird. Jay wird zur Stimme des frustrierten Autors, der einen sinnlosen Krieg sieht, in dem es nur um Geld geht, um gewinne für Haliburton und Lockheed (und ich wußte beispielsweise noch nicht, daß Dick Cheneys Frau Linda bis zur Wahl von Cheney zum Vizepräsidenten im Vorstand von Lockheed Martin saß…), darum, daß die USA selbst nichts mehr fertigen, sondern nur noch verkaufen, und um eine Vielzahl anderer up-to-date-Mißstände in den USA. Jay will handeln, ein Symbol setzen, irgend etwas tun, um seiner Wut ein Ventil zu bieten. Ben, die andere Stimme Bakers, ist etwas resignierter, abwartender, symbolisiert den Rückzug ins Private, ins Meditative, den Trend zum Cocooning. Die Frage im Buch ist also die zwischen Resignation und (selbstzerstörerischer) Aktion. Die Falle hierbei ist, daß man in dem Akt der gewalttätigen tat ja auf das Niveau derer sinkt, die man eigentlich bekämpfen will.
Baker schwirrt dabei schnell und leichtfüßig zwischen den Themen einher, vielleicht eher irrlichternd als zielgerichtet, streift dieses und jenes und bleibt, unterm Strich, in seiner Argumentation nicht so überzeugend wie der sehr viel ironischere Michael Moore, selbst wenn Moore Baker schriftstellerisch nicht das Wasser reichen kann. Zumal das Ende wirklich verplätschert und nichtssagend, fast albern ist, dem Aufbau des Stückes nicht gerecht wird. Es gibt keine Steigerung, keinen Spannungsbogen, keine Dramatik. Am Ende geht es nur darum, aufzuzählen, was derzeit alles falsch ist an und in Amerika. Das ist vielleicht ausreichend für einen Essay, aber eben nicht gut genug für ein Buch, nicht gut genug für die Struktur eines Kammerspielstückes à la LaBute, die hier embryonal ja gegeben wäre. Etwas enttäuschend für Baker, der mit Mezzanine und Fermate wirklich relativ einzigartige Bücher geschrieben hat und dessen verschachtelter Stil der Behandlung des amerikanischen Alptraums vielleicht sogar hätte dienlich sein können.
So sind es wenige großbedruckte Seiten Resignation, Wut und Frustration ohne Katharsis. Vielleicht ist das Absicht. vielleicht soll man sich als Leser am Ende ebenso frustriert und desorientiert fühlen wie Baker sich fühlt. Wer weiß…

10:24 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

LICHT

08:49 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

Shiina Ringo

Was Björk für Island war, wird Shiina für Japan sein – der erste crossnationale große Popstar ihres Landes. Man kann lange über Globalisierung und die Verwelschung der Kulturen reden (und viel Japan-Pop ist ohnehin nahtlos der US- und Britpop-Ecke entlehnt), die sich an dem Eklektizismus ihrer Musik sicher festmachen läßt… oder sich aber ganz einfach auf eine Platte stürzen, die mit viel Verve alle nur erdenkbaren globalen Musikansätzen vermengt – zu einem gigantischen eigenen Stil, der irgendwo zwischen Tori Amos, Kate Bush, Björk verläuft und dabei doch ganz eigen bleibt. Shiina (die auch unter Shéna und Sheena zu googlen ist) ist dabei längst ein Post-Avantgarde-Pop-Phänomen und alles andere als ein Geheimtipp. Hier
Ich stelle nur gerade fest, daß es leider recht teuer ist, in Deutschland an ihre Alben zu kommen…

19. März 2005 09:16 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

PVP


Comic. Online. Lesen.

18. März 2005 22:54 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

LAUREN SLATER OPENING SKINNER’S BOX

Lauren Slaters Buch beschreibt die berühmt-berüchtigsten Experimente der Psychologie, von Skinners behavioristischer Taubenzüchterei bis zur Lobotomie. Obwohl ich vieles schon aus der Studienzeit kannte, ist Slaters ganz persönlicher Zugang zu den Arbeiten herausragend und intensiv. Die Experimente werden für sie Wegmarkierungen einer persönlichen Entdeckungsreise, ein Ansatz, der das Buch aus der wissenschaftlicuhen Diskussionsecke herausbringt und essayistisch werden läßt, so daß Slater eher Fragen stellt als Antworten geben zu können… das Ergebnis ist ein im höchsten Maße individuelles und ergreifendes Werk über den Menschen als soziales Wesen, über Geisteskrankheit, über den Wert des Individuums und die Funktion des Gehirns, das ich nur empfehlen kann.

20:35 Uhr. Kategorie Buch. Keine Antwort.

GROESSER SCHNELLER WEITER KLEINER

Da wir uns gerade für die Philharmoniker mit einem Plakat beschäftigen, das eine Modelleisenbahnlandschaft im Bochumer Zugmuseum zur Grundlage hat, hier ein nahezu größenwahnsinniges Projekt zum Thema Modellbau, das der ein oder andere vielleicht auch schon aus dem TV kennt. Stefan und Henrik Göddeke haben aus Standard-Modelleisenbahn-Material nahezu die gesamte Berliner City samt allen Highlights nachgebaut, detailversessen und mit Charme nicht gegeizt. Ich weiß beileibe nicht, ob sich ein solches Projekt als Dauerausstellung rentiert… aber ich hoffe es doch sehr.




16. März 2005 18:35 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SATAN´S LAUNDROMAT

Gott, ich liebe dieses Photoblog.


00:54 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

KALKA

Wenn ein Stück nahezu fünf Minuten im Dunkeln beginnt, so ist dies allemal ein guter Anfang. Kalka, Kerstin Hensels neues Bühnenstück, das am Freitag im Bielefelder Theater am Markt Premiere hatte, beginnt im Dunkeln, mit dem Betrachten von Lichtpunkten, die sich bewegen oder eben nicht bewegen – und genauso wird es auch enden, mit Lichtpunkten, mit Sternen. Die Punkte bewegen sich natürlich nicht, es sind nur unsere Augen, die unruhig flirrenden, die uns die Bewegung vorgaukeln.
Die virtuelle Bewegung im Stillstand steht nicht umsonst am Anfang des Stücks, steht für innere Unruhe, für den Drang, vorwärtszukommen, ob es nun Sinn macht oder nicht, glücklicher macht oder nicht. Zugleich definiert der Anfang den Protagonisten Franz Kalka als den im Ansatz freien Menschen, mit unschuldigem Potential, der aber doch schwach ist, schwach sein möchte, sich dem Gruppendruck nicht nur beugt, sondern verzweifelt beugen will, um eins mit ihnen zu sein, um besser zu sein als er ist.

Zwischen diesen Lichtpunkten am Anfang und am Ende beschert und Hensel einen seltsamen Blick in die Seelen dreier Protospießer, die die Glückträume der Konsumwelt träumen, die immer mehr wollen, die ihre miefige Kleinstadtrealität mit den Stereotypen und den Steroiden der Werbewelt und der Psychogurus aufpumpen wollen. Da ist Schmer, Chef der Sparkasse von «Niebel», da ist Franz Kalka, der «beste Mann» von Schmer, ein Möchtegernemporkömmling, der an seiner eigenen Menschlichkeit scheitert, zu der er als Karrierist doch nicht stehen kann, die aber noch nicht abgetötet genug ist, ihm eine Karriere zu ermöglichen, und Puschel, von Schmer als Putze und Fotze eingekauft, auf Kalka angesetzt, in Kalka verliebt, das eigentliche Epizentrum der Handlung, die Gastarbeiterin als letztes Spurenelement der Menschlichkeit. Mittendrin, drumherum der Chor der Kleinsparer, der Kneipenbesucher, der Kaffeefahrer, der Psychotrainer.

Es ist mutig, ausgerechnet in der stets von Selbstzweifeln geplagten Kleinstadt Bielefeld, ausgerechnet in einem von der Sparkasse geförderten Theater ein solches Stück über die Mittelmäßigkeit anzusetzen, über die Lilliputs des Kapitalismus, die Sparkassen-Direktoren und ihre Träume von der Weltbank. Es ist mutig, einem etwas störrisch-ostwestfälischem und durchaus graumeliertem Publikum ein Stück zu bringen, in dem es verdächtig grauhaarige und miesepetrige Chorcharaktere gibt. Das hat dabei kaum etwas mit Bielefeld an sich zu tun, den gleichen Mut würde es erfordern, das Stück in Essen oder in Krefeld, in Herne oder in Bad Salzuflen zu zeigen. Nichtsdestoweniger wird hier Theater als Spiegel der Gesellschaft funktional – das Bürgertum geht schließlich ins Theater, um die Problematik des Bürgertums zu konsumieren – aber in einer Art und Weise, die trotz des komödiantischen, boulevardesken Grundtons von Kalka immer wieder eigentlich wehtun muß. Man findet sich selbst und seine eigenen Träume vom Größer-Schneller-Weiter wieder, wieder in der albernen Zappelei von Kalka. Man sieht die eigene absurde Ambition, die eigenen Träume als von vorneherein gescheitert präsentiert. Kalka, der auf der zunehmend absurden Jagd nach dem Großen Glück das reale, kleine verschenkt – das ist schon Projektionsfläche.

Es ist dieser Mut, der das Stück über manche Durchhänger des Textes und der Inszenierung trägt. Wie Hensels fataler (und völlig unnötiger) Hang zum Wortspiel, der auch in den Gedichten im Programmheft durchblitzt (Komm-Herz-Bank). Niebel, Schmer, Kalka, Puschel… das ist fast unerträglich flach und erschließt auch nichts, ist zu nahe am Kalauer und doch nicht witzig und schmälert die Wucht, die Hensel sonst ja durchaus hat, etwa wenn die Chor-Stimmungsmacher des Kapitalismus gegen Ende des Stücks absolut nahtlos in Goebbels Sportpalast-Rhetorik verfallen. Neue Autoren flüchten mehr und mehr vor der Verantwortung, ihren Figuren tatsächlich Namen geben zu müssen. Solche albernen Verballhornungen sind keine Lösung, zumal Kalka nicht Kafka ist, auch wenn die Namensgleichheit zugegeben zumindest der Szene, in der eine riesige Kakerlake auf die Bühne kommt, zusätzlichen Witz verleiht. Aber ansonsten ist es einfach flach, vielleicht auch vermessen, zu einfach allemal. Da sind auch die die ab dem ersten Moment penetranten Rückfälle von Kalka in seine dialektbehaftete Kindersprache («Franz nit hauen»), der Freudsche Rückgriff inszenatorisch und dramaturgisch hätte man das weglassen können, wir brauchen keine geschlagene Kindheit, um Karrieristen zu werden, um gescheiterte fraktale Menschen zu sein. Dieser psychologische Kunstgriff schwächt die Figur und ihre Funktion ungemein, er versucht zu erklären, wo es keine Erklärung braucht. Dazu paßt leider das mehr als gelegentliche und anstrengende Overacting (gutgutgut, das ist eine ganz persönliche Sache bei mir, ich WEISS ja, das Theatralische gehört ja irgendwie zum Theater, aber es macht mich wahnsinnig, dieses Bühnengeile, dieses Laute) von Mathias Reiter, der in seinen ruhigeren Momenten allerdings absolut famos war und den textimmanenten Bruch zwischen Over-the-Top und Realität sauber parat hatte. Überhaupt ist die Besetzung eine Freude. Schmer, eine Figur, die das Übertriebene viel besser verträgt, ist grandios überzeichnet und mit von Max Grashof einer wunderbaren Spielfreude gebracht. Puschel ist wie Kalka eine Figur, die im Fortissimo eher enttäuscht, die von Christina Huckle aber schöne Zwischentöne kriegt und als einziger wahrer Mensch des Stückes erkennbar bleibt. Es ist vielleicht auch nicht einfach, in etwas zu eitlen, wenn auch schönen, Kostümen zu spielen, die zu sehr gegen die Alltäglichkeit des Stoffes anspielen, die zu sehr Hamburger Schauspielhaus sein wollen. Das schafft Distanz, die das Stück eigentlich nicht gebraucht hätte.

Vielleicht ist solcher Mut die Stärke der kleinen Stadttheater, die nicht ein Berliner oder Hamburger Publikum bedienen (aber mit dieser Inszenierung durchaus bedienen könnten), sondern wirklich realiter für das Bürgertum (im schlimmsten und im besten Sinne) spielen. Das kleine der Stadt, das kleine auch der Bühne, die Nähe zum Publikum im wörtlichen und übertragenen Sinne, das macht Theater effizienter, wirkungsvoller. Näher am Druckpunkt. Schließlich läßt sich aus der kleinen Kammerspielsituation mit Ironie und trashigen Einfällen eine Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit den Zuschauern gegenüber erreichen, die mehr wert ist als die bloße Perfektion. (Denn ja natürlich, hier gibt es die eine oder andere Peinlichkeit, die das kleine Budget einfach mit sich bringt… wie die billigst ferngesteuerte Kakerlake, wie verhaspelte Sätze, wie der oft mehr als asynchrone Chor, wie die unfreiwillig komische Todesszene von Puschel). Aber die Liebe bei alldem, der Spaß auf der Bühne und bei den Zuschauern, die Wärme und Freundlichkeit, auch der ganz offensichtliche Spaß an den eigenen Fehlern, verleiht dieser Aufführung eine Emotionalität, die erlebenswert ist. Ich habe vor einiger Zeit Photos in der Gelsenkirchener Schalke-Arena gemacht. Der große Profi-Kasten aus Glas und Stahl hat aber auf den Photos nicht wirklich funktioniert, hat nie «Fußball» bedeutet. Da war nur Hybris, unsympathischer Größenwahn, keine Nähe, nicht die Schwiemeligkeit, die das Kicken braucht. Hier will Schalke Bayern München sein. Ein paar Meter weiter, im alten Parkstadion, da hab ich dann gefunden, was wir suchten. Fußball. Die Flutlichter, die verzuppten Tribünen. HIER war Fußball. Das ist die Chance der Theater, die nicht in Hamburg oder Berlin spielen. Parkstadion sein. Ehrlichkeit. Die kleine Bühne, in der Zwischentöne hörbar sind, in der man nicht laut spielen muß, sondern emotionaler, leiser, melancholischer, näher sein kann. Der gerade in letzter Zeit allzu oft bemühte Begriff der Authentizität, das ist die Chance von Theatern gegenüber Kino und TV. Aura, Leibhaftigkeit, Reaktion, Interaktion. Nicht nur ein Stück spielen, sondern MIT dem Stück spielen. Auf die Stadt, auf das Publikum, auf die Situation eingehen. Nähe. Distanz vermeiden. Manchmal, meist sogar, gelingt das bei Kalka und das ist gut so.

Die Botschaft, die Hensel und Regisseurin Olga Wildgruber hier kommunizieren, und daß das Theater Bielefeld sie vor allem seinen Zuschauern bringt, das alles paßt in Bielefeld viel eher als in Berlin. Hier spielst du nicht vor postmodernen Poseuren, die den Schock zittrig erwarten, den Oberflächeneffekt wollen, deren Bühnenbild minimalistisch oder bombastisch sein muß, die eher lächeln würden, wenn im Programmheft nun ausgerechnet der abgegriffene Michel Houellebecq zitiert wird, sondern eben vor echten Menschen. Die man erreichen kann. Die man noch schockieren, aufregen kann.

Das ist eine ganz andere Verantwortung, und vor allem eine ganz andere Chance.

Und dann ist es gut, wenn ein Theater mutig genug ist, ein Stück nahezu fünf Minuten im Dunkeln beginnen zu lassen

13. März 2005 13:56 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

GLAS3

12. März 2005 18:33 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

TORN

Hier.

via Coolios

10. März 2005 22:45 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

WORLD WIND 1.3

Die globale 3D-Darstellungsengine der Welt von der NASA ist in einer neuen Version online.

22:40 Uhr. Kategorie Online, Technik. Keine Antwort.

WIEN

08:24 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

HIPGNOSIS

Unter Designern, die heute CD-Cover oder Deisgn im Musik-Bereich gibt, herrscht meist schnell Einigkeiten über die Ikonen der Branche. Neben Saville und Vaughan (und dem ECM-Label) fällt meist schnell der Name Storm Thorgerson, der heute immer noch aktiv ist und immer noch geniale Arbeit abliefert, wie etwa für Audioslave oder das aktuelle Cover von The Mars Volta Frances The Mute.

Storms Arbeiten bleiben surreal, hyperperfektionistisch, verwirrend. Er ist heute längst am Status eines reinen Künstlers angekommen, dessen Werke zufällig Musik ummanteln. Eine Übersicht seiner wunderbaren, wegweisenden Cover findet man hier und hier. Und natürlich alle alle wichtigen Anekdoten und endlos vielen Informationen des Studios auf der absolut grandiosen eigenen Site hier.

9. März 2005 19:04 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

RINZEN

Ich selbst bin etwas gelangweilt von den neonbunten Vektorzeichnungen, die Halbwertszeit all dieser Trends wird kürzer und kürzer und kürzer… aber Rinzen, schwer von diesem Designers-Republic-Strom geprägt, ist trotzdem nett anzusehen.

8. März 2005 08:35 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

GLAS 2

07:41 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

BILDBLOG

Notizen über eine große deutsche Boulevardzeitung. Nicht so spannend/lustig wie dereinst Herr Wallraff, aber immerhin regt sich überhaut noh wer ernsthaft über die Springer-Presse auf. Wo man dann kaum weiß, ob man das an sich nun wieder humorig finden soll – nimmt denn wirklich noch jemand die Bild ironiefrei wahr? – oder schön. Hier

07:09 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

KRÄNE 2

7. März 2005 08:23 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

WALLACE AND GROMIT

Trailer

6. März 2005 08:57 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

DER SHOPBLOGGER

Einsichten in die absurden Seiten des Einzelhandels. Geschichten von wechselnden Aufbewahrungstemperaturen, zerfrorenen Orangen und Kunden, die ihr Geld in Küchenpapier einwickeln, um mehr Küchenpapier zu kaufen. Und Bilder wie diese:

Schöne Sache. Der Shopblogger.

08:10 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

PLAKATE


Deutsche Filmplakate von den 20ern bis in die 70er…

cia c-blog

4. März 2005 19:02 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

LICHT

08:11 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

WIE FUNKTIONIERT DAS AUGE?



Hier…

3. März 2005 21:17 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

EXPLODING DOG

17:54 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BIGGER GUNS

But the point in which the Americans singularly distanced the Europeans was in the science of gunnery. Not, indeed, that their weapons retained a higher degree of perfection than theirs, but that they exhibited unheard-of dimensions, and consequently attained hitherto unheard-of ranges. In point of grazing, plunging, oblique, or enfilading, or point-blank firing, the English, French, and Prussians have nothing to learn; but their cannon, howitzers, and mortars are mere pocket-pistols compared with the formidable engines of the American artillery.
This fact need surprise no one. The Yankees, the first mechanicians in the world, are engineers– just as the Italians are musicians and the Germans metaphysicians– by right of birth. Nothing is more natural, therefore, than to perceive them applying their audacious ingenuity to the science of gunnery.
Jules Verne: From the Earth to the Moon
1) The Gun Club

07:59 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

BE HAPPY

It is good thus to try in our imagination to give any form some advantage over another. Probably in no single instance should we know what to do, so as to succeed. It will convince us of our ignorance on the mutual relations of all organic beings; a conviction as necessary, as it seems to be difficult to acquire. All that we can do, is to keep steadily in mind that each organic being is striving to increase at a geometrical ratio; that each at some period of its life, during some season of the year, during each generation or at intervals, has to struggle for life, and to suffer great destruction. When we reflect on this struggle, we may console ourselves with the full belief, that the war of nature is not incessant, that no fear is felt, that death is generally prompt, and that the vigorous, the healthy, and the happy survive and multiply.
Charles Darwin: The Origin of Species
3) Struggle for Existence

07:56 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WABEN

07:52 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

CARROLL

The peculiar tilt of the head many blind people take on when they are being led by those who can see. I’ve also noticed blind people tend to smile more no matter if they are with someone or alone. Why is that?

While we were talking I noticed something shimmery on her forehead. Looking closely, I saw that it was glitter. Reaching across the table, I touched it gently with my thumb, trying to brush it off. It was stubborn and didn’t want to move so it took longer than I expected. She held very still, like a little girl having her shoes tied by her father.

I pass the blind woman on the street and think if she lives alone, how does she know it’s snowing outside?
Does she always put her hand out the window to feel the weather before she leaves her apartment?

Be the person your dog thinks you are.

I like black and white films more than color because they’re more artificial. You have to work harder to overcome your disbelief. It’s sort of like prayer.

If you had to choose, what would you rather drop– something liquid, or something solid?
Explain your choice.

Jonathan Carroll ist einer meiner Lieblingsautoren. Obwohl er nach wie vor darauf besteht, eine Art Thinking Man’s Stephen King zu sein, und sich in die Fantasy-Ecke hat drängen lassen… und dementsprechend das leider immer und immer wieder Hypernatürliches in seine Bücher einbringt (nicht immer zum Besten der Story), ist seine wahre Stärke das normale Leben. Carroll schreibt Menschen, die man unbedingt kennen lernen will. Seine Love Moments sind imer so, daß du deine Frau tagelang noch mehr lieben willst als ohnehin schon. Die meisten seiner Bücher haben wieder aufgegriffene Charaktere, so daß sein Gesamtwerk wie ein Teppich ist, ein großes, fast durchgehendes Netz. Keiner schreibt so wie er Zeilen, die sich tief in deinen Schädel bohren, Zeilen wie «Never pet a burning dog», die du niemals vergißt. Land of Laughs, A Child Across the Sky und vor allem Outside the dog museum sind großartig. Seine letzten Bücher sind etwas lauwarm, aber dennoch lesenswert. Glass Soup, sein nächstes Buch, kommt dieses Jahr auf den Markt.

Hier ist seine Homepage, inklusive dem grandiosen Weblog.

20:01 Uhr. Kategorie Buch, Online. Keine Antwort.

EduManga


Anne Frank and her family lived in hiding from the Nazis in a secret
annex. During this time of fear and oppression, one young girl kept a
record of her life. In the midst of the tragedies of war, Anne kept her
hopes for peace alive and her indomitable spirit lives on in the words
of her diary. Astro Boy and his friends take you to the world of Anne Frank as she experienced it; through her eyes.

EduMangas.

19:35 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

POST OPTIMAL ELECTRONICS

Der Weg von Form Follows Function (it never ever actually did, Dieter) zum Emocore-Design heutiger Tage. Electronica als Erlebniswelt. Die These: In Zeite technisch ausgereifter, insofern optimaler Produkte brauchen wir post-optimale Produktwelten, die ein sensorisches, ein spielerisches Mehr-Erleben bieten. Im Kern genauso falsch, und dabei zugleich genauso so richtig wie die lustfeindliche Nüchternheit der 50er. Niemand braucht Telefone, die taktile Qualitäten haben, sich aber kaum verwenden lassen. Durst ist nichts. Image ist alles. Niemand braucht aber langweilige Telefone, die in ihrer reinen Zweckerfüllung erstarrt sind, das ist Stillstand. Das ist Wartburg und Trabant. Die These, daß Design längst neben Qualität und Preis/Leistung längst entscheidender intrinsischer Warenwert ist, ist insofern natürlich nicht zu verneinen. Dabei pendeln wir Gesellschaftlich stets stets zwischen ornamentalem Kitsch (und ja, auch oberflächlicher visueller Minimalismus kann Ornament sein, wie Phillipe Starcks Zitronenpresse belegt oder der aktuelle Apple iPod) und nüchternem Funktionalismus. Nicht das schlechteste Spielfeld.
Präsentation von Nick Sharwood-Smith hier.

19:19 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

DER STAMMBAUM DER COMPUTERSPRACHE

Ich bin nicht wirklich so ein Computerfreak, aber das Bild ist schon schön

17:46 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

UBU


Exzellente Ausstellungen zu moderner Malerei und Photographie.
Ausstellungskataloge, Bilder, Texte… hier.

(weiterlesen …)

09:29 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

MICHAEL KENNA

Der Brite Michael Kenna operiert als erfolgreicher Werbe- und Landschaftsfotograph an der Grenze zum visuellen Kitsch, in dem hyperstilisiertem Natur-als-Stilleben-Sinne, wie wir ihn teilweise auch von Ansel Adams oder von Feininger kennen, wenn auch mit anderen Motiven. Zeitlose Photos, die der klassischen Photographie huldigen, die einfrieren, die kontemplativ sind, die keine Menschen brauchen und keine Menschen wollen. Photos, die sich jedermann als Kalender in die Küche hängen würden, die nicht anecken, die nur selten verstören, die auf jeder zweiten ECM-Platte als Cover funktionieren würden. «Große» und «schöne» Photographie, die aber (ebenso wie bei Adams, Andreas Feininger et al) natürlich wenig dafür kann, daß sie so gefällig ist, die ein hehres Ziel verfolgt und bei der Kenna durch die oft unglaublich ruhige, fast fernöstliche Komposition seiner Bilder ein Niveau erreicht, daß an Malerei grenzt, daß de Grenze der Natur-Abbildung überschreitet und im so bei aller Perfektion doch wiederum im höchsten Maße emotional wirkt, nicht kalt lässt.

(weiterlesen …)

09:16 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

ILLUSION


Gleich dutzendweise brillante optische Täuschungen gibt es hier

1. März 2005 23:41 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

THE ART OF WAR


Auch eine Form totalitärer Kunst: Die technischen Zeichnungen aus dem zweiten Weltkrieg

via C-Blog

23:09 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

UNGEEIGNET

21:59 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

UNZENSIERTE IRAK-PHOTOS

Online-Ausstellung der Arbeiten von sieben unabhängigen Photographen, die im Irak gearbeitet haben. Darunter eine Vielzahl starker, emotionaler Bilder, die weit über das hinausgehen, was man im Fernsehen im Rahmen des US-Krieges so gesehen hat…
via Blogywood

19:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

GRÜN

19:11 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

A SCANNER DARKLY

Eins seiner späteren Bücher, 1977, als Dick selbst einige Drogenabenteuer hinter sich hatte (die er mal gesteht und mal abstreitet), sich von der CIA verfolgt fühlte und sich zunehmend abkapselte. Diese Paranoia überstrahlt A Scanner Darkly spürbar. Dicks Werk läßt sich deutlich in mehrere Phasen teilen, aber bereits von Anfang an, schon in den frühen, noch genretreuen SF-Kurzgeschichten, wird klar, daß Dick das Science-Fiction-Genre so sieht, wie Raymond Chandler den Krimi, sprich als Mittel zum Zweck. Chandler konnte menschliche Dramen an der kriminellen Ausnahmesituation und Speakeasy-Milieu pointierter abarbeiten, Dick kann in seinem Genre leichter an ein oder zwei entscheidenden sozialen oder technischen Parametern drehen und hiervon ausgehend ein konsequent zu Ende gedachtes What If… konstruieren. Und das mit einer fast hypnotischen Kraft, die kein anderer Autor jemals so wieder erreicht hat. Dicks Stärke war immer, daß man als Leser mehr als gewillt ist, ihm auf seiner abstrusen Reise zu folgen. Aus der Frage Was wäre, wenn Menschen präkognitiv wären und ein Jahr in die Zukunft sehen könnten, wird bei Dick schon in der Frühphase eine griechische Tragödie, immerhin weiß der Protagonist ja bereits ein Jahr vor seinem Tod, daß und wie er sterben wird. Beim Thema Abtreibung verschiebt Dick die fiktive Grenze von drei Monaten, die das Kind nach der Zeugung abgetrieben werden darf, bis ins Teenageralter und bringt so die Willkürlichkeit einer sozial akzeptierten Idee auf den Punkt. In A Scanner Darkly ist Dick, wie in den meisten späten Büchern, nur noch der Form halber in der Zukunft, der SF-Aspekt minimal, die Welt eindeutig als die der Siebziger zu erkennen. Futuristisch ist lediglich die Scramble Suit, eine Art Tarnanzug, die die Agenten der Drogenfahndung tragen, wenn sie nicht undercover sind (also wenn sie offiziell als Polizisten arbeiten), um nicht erkannt zu werden. Dieser in zahlreichen Dramen ja beliebte und insofern nicht SF-immanente «magische Umhang» ist ein Kunstgriff, mit dem Dick die Paranoia der Undercover-Arbeit überspitzen kann. Nicht einmal die Polizisten selbst, nicht die Kollegen und nicht die Vorgesetzten, wissen, daß Agent Fred undercover als «Bob Arctor» arbeitet. Und setzen ihn so final auf sich selbst an, da Fred als Bob immer größere Drogenmengen kauft (was schließlich sein Job als Fahnder ist, um an Großdealer heranzukommen). Dick webt aus dieser simplen Idee eine für ihn fast ungewöhnlich geradlinige Geschichte um Freundschaft, Liebe, Betrug und – wie stets – die Frage nach der eigenen Identität. Denn unter dem Einfluß der Droge Substance Death (= dem Tod der Substanz), verselbständigen sich in Fred/Bobs Gehirn die beiden Identitäten, so daß daß Fred tatsächlich selbst vergißt, daß er Bob ist. Diese Psychose sorgt für Szenen voller schwarzem Humor, für absurde Momente (etwa wenn Fred sich nachts Überwachungsbänder von Situatonen ansieht, die er tagsüber als Bob durchlebt hat)… und wenn gegen Ende des Buches klar wird, daß in Freds unumkehrbarer Geisteskrankheit eine tiefere systemische Absicht steckt, auch ein für Dick fast ungewöhnlicher Hauch sozialer Kritik.
Während das Buch fast leichtfertig perlend beginnt, quasi behascht ziellos vor sich hin mäandert, wird es am Ende (wenn Bob/Fred unter dem neuen Namen Bruce in New-Path, einer Art Entziehungskommune, lebt) deprimierend, seltsam dumpf, sparsam geschrieben. Es berührt, zu lesen, wie der vormals so lebendige Bob Arctor als Bruce degeneriert, kindsartig wird, nur noch instiktiv agiert, Freude am den simpelsten Dingen, wie etwa dem Duft von Kaffee hat, vertiert und immer langsamer, langsamer wird, und später nur noch als Arbeitszombie einfache Sätze wiederholen kann. Das Buch endet im tiefsten Dunkel und nur die letzte Zeile bringt – trotz des besiegelten Schicksals von Bruce – ein kleines Licht, eine Bittersweetness.
Dicks Bücher, wiewohl intellektuell oft brillant, sind emotional nur selten berührend. Dieses ist die erste Ausnahme. Vielschichtig, anregend, klug, intensiv und persönlich. Es ist fast verwirrend, Dick zu erleben, wie er eine mehr oder minder normale Geschichte einfach durcherzählt, wenn auch fraktal auf mehreren Realitätsebenen agierend, wenn man an Ubik oder The Three Stigmata… gewohnt ist.

08:35 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.


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