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GRÜN

27. Februar 2005 15:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

ROT 2

25. Februar 2005 08:32 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

PETER FUNCH

Grandiose Photos. Exzellente Site. Hier.

24. Februar 2005 22:35 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

COMPUTERGENERIERTE KUNST












Absolut grandiose Digitalkunst von Jared Tarbell, das untere Bild, Moonlight Soyuz, ein Rendering der Mondscheinsonate von Beethoven, ist in Flash MX generiert. Ich würde sofort Drucke bestellen, aber die sind mir zu klein, solche Sachen müßten gigantisch groß an die Wand.
Viel viel mehr hier

via Goldenfiddle

08:35 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

GLAS

08:18 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PARIS HILTON, OF COURSE

Die vergleichsweise harmlose Sache mit Paris Hilton hat einen durchaus ernsteren Background… nämlich, daß mobile Geräte wie PDA oder Handy zunehmend unser Privatleben organisieren. Bilder, Kontakte von Freunden, «Briefe»… alles in einer winzigen kleinen Kiste vereint. Und während bei Hilton ja tatsächlich alles zentral gespeichert war, sind bei den meisten Cellphones und PDAs die Daten eben oft nur lokal gesichert. Handy weg, Kontakte weg. Die Hälfte aller Befragten in einer Umfrage der BBC gab an, daß Sie kein anderes Addressbuch hätten als das in ihrem Handy. Über 50% sagten, daß Ihnen Ihr Mobiltelephon bereits mindestens einmal gestohlen wurde. Das Beziehungsmanagement mit Hilfe solcher Gadgets geht dabei oft so weit, daß es keine analogen Aufzeichnungen mehr gibt, daß somit der Informationsverlust bei Diebstahl größer ist als der tatsächlich gestohlene Sachwert.
The mobile phone plays such a key role in modern relationships; take the phone away and the way we manage these relationships falls apart.
Interessant…

23. Februar 2005 21:47 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

BLINK AND YOU’LL MISS IT

Ein leicht manisches Blog übers Blinzeln im Fernsehen





Example


09:50 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

FILMPLAKATE

Eine fast surreal große Auswahl französischer Filmplakate von A bis Z.

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via Coolios

08:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

HERBST

08:32 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SHOOTING THE GATES

Es ist seit drei vier Jahren so ein Hintergedanke bei mir, mal ein Projekt mit Photos zu machen, bei denen man Menschen photographiert, die wiederum etwas oder jemanden photographieren, etwa als Touristen. Die Gesichtsausdrücke sind meist phantastisch, diese Konzentration, das Mise-en-scene bzw. das Dirigieren des photographischen Subjekts im Sucher. Digitalkameras haben dies umso spannender gemacht, da die neue Technik eine ganz neue Ergonomie des Photographierens bedingt, eine neue Körperhaltung des Photographen, der die Kamera auf Armeslänge Abstand hält, anstatt durch den Sucher die Welt zu erschließen. Das ist derzeit natürlich akuter denn je, da via HandyCam nahezu überall und immer mehr, immer privater photographiert wird. Zum Beispiel The Gates in New York. Und Mike von Satanslaundromat hatte anscheinend die gleiche Idee…

(weiterlesen …)

22. Februar 2005 20:13 Uhr. Kategorie Stuff, Technik. Keine Antwort.

HOLZ

00:40 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

RIP HUNTER

Hunter S. Thompson, grandioser Journalist und Autor von Fear & Loathing in Las Vegas, einer der härstesten Motherfucker auf dem Planeten, hat sich selbst in der Nacht zum Sonntag mit einem Kopfschuß das Leben genommen. Traurig und irgendwie trotzdem sehr à propos.

21. Februar 2005 10:30 Uhr. Kategorie Leben, Stuff. Keine Antwort.

MAUER

08:19 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

WONDER FICTION AND DESIGN

Bruce Sterling schreibt:
Why do I—a science fiction writer—spend more and more time with designers? What does science fiction have in common with industrial design? As it turns out, quite a lot.
In the science fiction genre, we have a signature product that we call the “sense of wonder.�? This is what we are supposed to supply eager consumers: works of wonderment. Amazing stories, fantastic stories, mind-blowing stories.
[...]
     I spend a lot of time thinking about imaginary industrial products, cyber products and post-industrial products. Design thinking has become a powerful means to my end.
[...]
     One of the things I like best about designers is that, unlike scientific historians or techno-sociologists, they tend to be user-centric.They’re not creating fine-art objects for their own sake, they are actually designing some thing for somebody—or at least for some demographic.
Design has regional or national character: There’s Italian design, German design, Japanese design.
But the roots are shifting. The world is globalizing— perhaps not culturally, but definitely technologically. There are 6.35 billion people in the world right now. Barring some plausible catastrophes such as sudden climate change or global plagues, we’re going to top out in about 2050 at roughly 9.1 billion people. Ninety-eight percent of the population boom will take place in the so-called developing world, especially Pakistan, India, Nigeria, Bangladesh and Indonesia.
That is the future design consensus. You’re designing for the demographic? That’s tomorrow’s market.
The trend is getting legs now. China is experiencing a construction boom of such colossal proportions that they are searching for scrap iron from all over the planet. People in the Ukraine are stealing entire trains to sell to the Chinese scrap iron market; people in Shanghai and Milwaukee and England are stealing manhole covers to meet the Chinese demand for steel.
I’m interested in this Asian population surge from a design perspective. I wonder what Chinese and Indian designers might want to make—what they would talk about at the IDSC or the IDSI. in what they want to buy. The consumer of the future isn’t some cornball Chinese stereotype in a bamboo hat or an Indian villager in a Gandhi loincloth. This guy is the mid-twenty-first century’s everyday native citizen. He’s not unlikely or strange or transgressive in 2050. He’s the average, the norm. So, who is this guy? That’s what I wonder—what I need to wonder—as a science fiction writer.

20. Februar 2005 15:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

SUBWAYS


Mehr hier

10:24 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SKINNER



Education is what survives when what has been learned has been forgotten.
B. F. Skinner

Ich lese gerade Lauren Slaters Openening Skinners Box und bewundere diesen Maniac nach wie vor, war schon im Studium entsetzt und begeistert vom Behaviourism. Burham Skinner, mit seinen kruden Kisten, seiner Cold-War-Tierquälerei, seinem wunderbar mechanistischem Menschenbild, Skinner, dessen Antlitz so schön das von Big Brother in Orwells 1984 hätte sein können, so viel väterlicher und wärmer als Stalin, der tatsächlich gemeint war; Skinner, der das Zerr- und Spiegelbild zu Wilhelm Reich war, am poltisch anderem Ende der Telefonleitung sprach, aber kaum weniger ideologisch, kaum weniger durchgeknallt. Der ein Buch ohne schlechtes Gewissen Beyond Freedom and Dignity nennen konnte, um eine seltsame Vision einer besseren Gesellschaft zu entwickeln. Ein Mann , der sich selbst unwürdig fand, nie an Bestrafung glaubte, ein Mechanist, ein Humanist, ein Determinist, der trotzdem an den die Menschen glaubt… Ein Relikt aus einer Zeit, in der Psychologie zwar schon experimentell war und nicht mehr so gefühlig wie Jung, Adler und Freud, aber in der es noich nicht darum ging, zu messen, welche Synapsen sich wie erwärmen, wenn man eine nackte Frau sieht, in der die experimentelle Forschung noch nicht im mikroskopischen und damit auch recht unspektakulären angekommen war. Gegen die neurologischen Experimente von heute wirkt Skinner fast futorologisch, mit seinen seltsamen Hebeln und Schaltern, mit Pavlov im Kopf und Tauben für das US-Militär, wie ein Template fürall die Weird Scientists, die wir aus ungezählten SF-Filmen der fünfziger und sechziger Jahre kennen. Ein warmherziger kalter Krieger, ein Mad Scientist, der uns in jeder Tierdressur im Zoo ins Antlitz blickt, im Schulunterricht, im Straßenverkehr, auf dem Börsenparkett… Ein Prometheus, ein Visionär, ein kleiner verklemmter Mann, der die Tpopgraphie menschlichen Verhaltens erforschte, unbekannte Landschaften, in denen zynische und böse Regeln herrschten, die in Skinner den Wunsch nach einem totalitären, von wohlmeinenden technokraten regierten System weckten. Skinner, umgeben von Mythen und Legeden, gehasst und bewundert.
Gott, hätten wir heute noch solche Forscher…

Hier und hier und hier und natürlich hier und hier.

10:21 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ZEBRAS

09:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WELCOME TO THE FUTURE

Warren Ellis schreibt:
Welcome to the future. It’s the world you’re living in.
People are disappointed with the future they’re living in. Since 2001, the refrain has gone up, louder year by year: “This is the future. Where’s my flying car? Where’s my fucking jet pack?�? Pre-millennium, we were living in an unprecedented density of imagined futures, and we assumed it was all waiting for us around the corner. And here we are, around the corner, and none of it is standing here.
All that means, of course, is that 98% of our predictions have failed us. Which shouldn’t have come as much surprise. We treat science fiction as predictive fiction, which it isn’t and should never have been. William Gibson’s NEUROMANCER loses none of its fictive power for failing, as Gibson himself recently said, to predict mobile phones. Mobile telephony has proved a technology of massive change – not least of which has been in the field of fiction itself. Possession of a tri-band handset makes about a hundred years’ worth of thriller plotting irrelevant. My own GLOBAL FREQUENCY graphic novel has fallen foul of the future. It’s currently being adapted for American television, and we’ve run into an unexpected problem. When I developed the mobile phones that the members of the Global Frequency extreme rescue service carry, I was working at the hard edge of available technology – two years ago. Today, a Treo 600 smartphone from Palmspring does pretty much everything the GF Phone does. So I’m having to consult with a futurist at Nokia to ensure the TV version of the phone does more than something you can pick up at the supermarket.
It’s not the future we expected, being able to shoot video with a telephone and wirelessly beam it into someone’s hand on the other side of the world. I don’t know that anyone predicted that people could be driven to orgasm by images of a girl’s spinning eyes. Evan Bataille would have looked twice at the Ass Milkshake. Somewhere, there’s a mouse with a human ear growing out of its back, and a rat that produces monkey sperm. Mars is being explored by two motorised skateboards. Wernher Von Braun, who designed a Mars expedition for a crew of two hundred using available technology in the 1950s, would have shat blood in anger. Space, in his conception, was a heaven to be reached with power and glory. He would have sneered at the rocket sticks the rovers were launched on – where were his mighty chariots, to shake the ground in their passing? – and blanched to discover that his great machines and two hundred heroes had been dropped to make way for a couple of glorified rollerskates. He would have concluded that something evil had happened, and that this was not his future.
No nuclear space arks, no jetpacks. Robot skateboards and butterflies that glow green.
We all forgot that the future is yet to be written. No-one knows how it’s going to turn out. The best we can do is track the future as it happens, and use our fiction as a tool with which to understand where we are.
By the time you read this, everything in it will be history.
The future’s a moving target.

19. Februar 2005 21:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

CRACKS IN THE WALL

It’s about the struggle between individuals with jagged passion in their work and today’s faceless corporate committees, which claim to understand the needs of the mass audience, and are removing the idiosyncrasies, polishing the jags, creating a thought-free, passion-free cultural mush that will not be hated or loved by anyone. By now, virtually all media, architecture, product and graphic design have been freed from ideas, individual passion, and have been relegated to a role of corporate servitude, carrying out corporate strategies and increasing stock prices. Creative people are now working for the bottom line.

Magazine editors have lost their editorial independence, and work for committees of publishers (who work for committees of advertisers), TV scripts are vetted by producers, advertisers, lawyers, research specialists, layers and layers of paid executives who determine whether the scripts are dumb enough to amuse what they call the ‹lowest common denominator.› Film studios put films in front of focus groups to determine whether an ending will please target audiences. All cars look the same. Architectual decisions are made by accountants. Ads are stupid. Theater is dead.

Corporations have become the sole arbiters of cultural ideas and taste in America. Our culture is corporate Culture.

Culture used to e the opposite of commerce, not a fast track to ‹content›-derived riches. Not so long ago captains of industry (no angels in the way they acquiered wealth) thought that part of their responsibility was to use their millions to support culture. Carnegie built libraries, Rockefeller built art museums, Ford created his global foundation. What do we now get from our billionairs? Gates? Or Eisner? Or Redstone? Sales pitches. Junk mail. Meanwhile, creative people have their work reduced to ‹content› or ‹intellectual property›. Magazines and films become ‹delivery systems› for product messages.

But to be fair, the above is only 99 percent true.

I offer a modest solution: Find the cracks in the wall. There are a very few lunatic entrepreneurs who will understand that culture and design are not about fatter wallets, but about creating a future. They will understand that wealth is a means, not an end. Under other circumstances they may have turned out to be like you, creative lunatics. Believe me, they’re there and you find them, treat them well and use their money to change the world.

Tibor Kalman
New York June 1998

09:23 Uhr. Kategorie Design, Stuff. Keine Antwort.

WERBUNG

08:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WAS IHR WOLLT

Die erste Lektion des gestrigen Abends im Schauspielhaus Bochum, wo Shakespeares Was ihr wollt in der Version des schauspielhannover gegeben wurde: Niemals wieder eine Karte für 15 Euro. Ich saß mitten in einer Reihe von Schülern – und während ich sofort und absolut für jede Art von Disrespekt in einer Kulturstätte zu haben bin, war mir das dann streckenweise doch zu viel. Irgendwie schon lustig und eigentlich die richtige Reaktion von Teens auf Theater, aber auf Dauer lenkt’s vom Stück ab und bringt deutlich auf den Punkt, was 20 Jahre Privatfernsehen in Deutschland angerichtet haben ;^).
Die zweite Lehre: Thomas Laue, Dramaturg des Stückes, dürfte als Chefdramaturg für Essen eine sehr spannende Wahl sein. Die dramaturgische Aufladung des Stückes und die Textwahl im Programmheft lassen hoffen. Nun weiß man bei einem Stück nicht immer, wer in einem Duo von Regie und Dramaturgie für die guten Sachen und wer für die schlechten verantwortlich sind, vielleicht stets beide ein bißchen, denn Was ihr wollt liefert von beiden… und in drei Stunden ist das vielleicht unvermeidbar. Ich bin recht unentschieden, was sich von dem Stück halten soll und vermute mehr und mehr, daß dies daran liegt, daß das Stück SELBST unentschieden ist.

Denn einerseits versucht die Bühnenversion von Laue und seinem Regisseur Sebastian Nübling, die Komödie Shakespeares in modernes Gewand zu bringen, Umgangssprache, derber Slapstick, elektronische Musik, aktuell-minimalistisches Bühnenbild… das alles ist der Versuch, einen Klassiker zu entstauben und up to date neu zu erfinden, leichterhand mit Reihenfolge und Textauthentizität umzugehen, O-Ton und Gossensprache zu mixen. Und das zumeist durchaus gelungen, dabei aber andererseits nah genug am Text des Originals, um nicht gleich von Dekonstruktion oder Demontage sprechen zu müssen.

Insofern irrlichtert das Stück etwas unentschieden, zwischen Respekt und Frechheit, ohne beides wirklich zu leisten. Es ist für Newcomer, wie ich an den Schülern vor mir eben merken konnte, nahezu unverständlich, die Geschichte an sich erschließt sich kaum, von einer hermeneutischen Auseinandersetzung der Elemente, die die Inszenierung anbietet, ganz zu schweigen, allein die Oberflächeneffekte kommen durch und bleiben haften, wie die Erotik persiflierende Olivia, wie der lesbische Kuß, wie die Slapstickeinlagen. Aber genau jene Effektmechanismen wirken nicht nur hier und da etwas deplaciert, sondern vor allem und schrecklicherweise zu brav. Wenn schon böse an den Stoff ran, dann sollte man dem Publikum auch die schreienden Eingeweide von Shakespeare präsentieren wollen. Und genau hier bleibt das Stück oberflächlich, die Frechheit ist reine Pose, der Respekt vor Stück und Autor bleibt spürbar, man macht nur Modernismen, weil man das halt heute so tut im Stadttheater. Dadurch entsteht wenig neues auf der Bühne, weder eine Art Schlingensiefscher Taumel, diese kindliche Lust, Scheiße an Wände zu schmieren und Pipikacka zu rufen, noch eine ernsthafte ruhige Auseinandersetzung mit dem Stück, die in der Dramaturgie ja angelegt ist und immer wieder schön durchblitzt. Entweder hätte man vielleicht mehr Effekttheater betreiben sollen oder eben weniger. So bleibt ein Gefühl von Wasch mich, aber mach mich nicht naß.

Das ist keine harsche Kritik, das ist einfach der Stand der Dinge auf den Bühnen. Reflektives Theater, das sich langweilt, Stücke einfach so zu zeigen, wie sie mal gedacht sind, aber nicht mehr wirklich bösartig und irre genug ist, den alten Meistern kraftvoll und mit Genuß in die Eier zu treten. Theater zwischen Feuilletonkritikern und einem doch eher bürgerlichen Publikum, das man in Zeiten knapper Kassen nicht mehr so schocken kann wie man es früher einmal konnte. Dieses Zwittertheater paßt zur Zeit und man findet genau das gleiche auch im Film, in der Musik, in der kommerziellen Werbung… peppig gemacht, wenig Entschlossenheit in der Sache. Vielleicht darf man das schon nicht mehr kritisieren, vielleicht sind die Zeiten einfach so. Ich selbst wäre sicherlich glücklicher gewesen, den totalen Hirnfick auf der Bühne zu sehen oder aber eine etwas stücknähere Auseinandersetzung mit 12th Night. Es wäre einfach so oder so mehr drin gewesen.

Was bleibt ist trotzdem gut. Ein handwerklich einwandfreier Stilmix aus Boulevardelementen, eine saubere Übersetzung der Shakespeareschen Derbheit von Sir Tony Belch und Konsorten in die Neuzeit, Muriel Gerstners schönes Bühnenbild in dem die Akteure fast hypnotisch herumklettern, Lars Wittershagens ähnlich suggestive triphopige Musik und jede Mengeschöne Details, wie die nur allzu echten Schloß-mit-Herz-Liebesgeschichten, die Malvolio liest, stets gefolgt von der frustrierten Erkenntnis aller Unglücklichen: ‹Das ist nur Glück. Alles Glück.› Der Narr, etwas zu nervig angelegt aber dafür um so überraschender, wenn er seine wunderbare Gesangsstimme enthüllt (überhaupt ist die erste Gesangseinlage ein traumhafter irritierender magischer Moment im Stück, der kurz die Zeit anhält) oder am Ende seinen Schlußsatz sagt und mehr Tiefe zeigt als alle anderen Figuren im Stück zusammen. Gute Lacher, eine Prise Bühnenerotik, eine mitunter bei aller Reduktion der Ausstattung gut durchschaubare Entschlüsselung der Irrungen und Wirrungen der Komödie. Tolle Darsteller, Katharina Lorenz, Wolfgang Michalek und Wolf Bachofner vorweg. Jede Kritik, die man hier bringen will, ist auf so hohem Niveau, daß sie vielleicht schon unfair ist. Hier nicht zu applaudieren, wäre eben einfach unfair. Es ist wohl eher mein Problem, daß ich Kultur derzeit zu nett und zu harmlos finde, zu affirmativ… oder aber gleich zu verquast und abgehoben und studiert. Ein bißchen wie die Deutsche Literatur, wie die deutsche Musik. Da können Laue und Nübling nun echt nichts für, man wird sogar die Vermutung nicht ganz los, daß sie’s ähnlich sehen würden, zu oft flackert die gleiche Sehnsucht nach diesem diffusen mehr in der Dramaturgie durch.

Insgesamt ist ‹Was ihr wollt› hier ein Remix, eine dreistündige mit modernen Samples und Cuts aufgepeppte Version eines alten Motown-Klassikers, die Snare und die Bassdrum aufpoliert, die Hook neu phrasiert und mit anderen Harmonien gekontert und mit viel Liebe zu den kleinen Details im Original, die vielleicht auf Vinyl ungehört blieben. Das kann man schon gut in den modernen Clubs spielen und die Alten mögen es trozdem, weil sie hier und da ein nostalgisches Sample wiedererkennen aus ihrer Jugendzeit. So funktionieren die Charts heute. Das der Song hier dennoch eigene Kraft, massiven Charme, Gefühl uns nicht zuletzt bei allem Boulevard auch Tiefe besitzt, ist umso mehr der Verdienst von den DJs Laue und Nübling und ihrem Team.

Bedenklich nur, daß die Teens in der Reihe vor mir den Dance-Club nach der Pause geschlossen verlassen haben, oder?

08:45 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

SCHMETTERLINGE

18. Februar 2005 19:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

KRÄNE

17. Februar 2005 18:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Sealife

15. Februar 2005 20:31 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

The SHAPE OF THINGS TO COME: MARIA SCHNEIDER GEWINNT GRAMMY

Jazz composer Maria Schneider took home a Grammy on Sunday for her album “Concert in the Garden,” without selling a single copy in a record store. Schneider, 44, financed her Grammy-winning album through a Internet-based music delivery service called ArtistShare that opens the financing of production to dedicated fans. [...] “This record cost $87,000 to make. I already made my money back,” she said. “I’m not splitting the profits with the distributor, the record store and the record company. It’s working so well for me”
Mehr…

Niemand, aber niemand braucht mehr Plattenfirmen. Die C60-Revolution findet online ihre wahre Form. Mixtapes, Demos, komplette Produktionen… brauchen keinen Mittelsmann mehr. Oder zumindest nur noch Entrepreneurs, die wirklich mit Herzblut und Engagement und Glaubhaftigkeit dabeisind. Das ist nicht mehr Underground, das ist nicht mehr eine digitale Revolution, sondern mit Maria Schneiders Grammy anerkannte und preistragende Alltagskultur. Bowie braucht keine Plattenfirma, ebensowenig wie eine Garagenband aus Minnesota oder München oder Indien. Länder spielen keine Rolle mehr, Vertriebswege spielen keine Rolle mehr… das einzige was zählt ist der Online-Hype. Die Industrie wird einen Festungskrieg dagegen führen, hat ihn aber weitestgehend schon verloren. Peinliche Werbung (wann kommt Papi wieder), peinliche Ideen (Billig-CD ohne Cover), peinliche Produkte. Die glaubhaftere Bewegung ist derzeit (noch) die Music-Szene im Internet… bleibt abzuwarten, ob die Industrie es schafft (und nicht nur die Musikindustrie, sondern auch Film und andere große Oligpolstrukturen), das System mit HIlfe des Gesetzgebersund anderer Methoden zu kontrollieren oder ob sich das Web als so unsteuerbar und unberechenbar erweist, wie es das bisher fast immer getan hat.

Jesus, ich werde die CDs vermissen. Kein Cover-Artwork mehr. Kein Suchen in Stapeln mehr. Ich liebe MP3, aber man wird schon fast so nostalgisch für die CD wie einst fürs Vinyl.

14. Februar 2005 09:55 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

FENSTER

01:33 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Wenn Träume fliegen lernen

Jesus, was ist dieser Film mit Vorschußlorbeeren überschüttet worden. Marc Forsters Film über Peter-Pan-Schöpfer James Barrie mit Kate Winslett und Johnny Depp in den Hauptrollen reiht sich nahtlos in den seltsamen Reigen ein von Filmen, die biographische oder fiktional-biographische Stücke haben. Hollywood sucht anscheinend Helden, Menschen mit Format, mit Werten, mit kreativer Schöpfungskraft, mit Visionen. Ob unbewußte Reaktion auf die eigene oft unkreative Arbeit der letzten Jahre, auf den gegenwärtigen Präsidenten, dessen Visionen mitunter eher an Orwell erinnern oder ob es einfach nur ein Me-too-Trend ist, wer weiß? Hier ist noch eine Bio auf Celluloid und sie ist schlecht. Schlecht, schlecht, schlecht. Gut genug für eine DVD und einen erregneten antriebarmen Sonntag, zu schlecht fürs Kino. Schlecht. Sentimental, kitschig, vorhersehbar. Schlecht gefilmt, schlecht gespielt, schlecht gedacht. Hatte ich das Wort schlecht im Zusammenhang mit diesem Film bereits erwähnt? Altkluge Kinder, verschnarchte Plotentwicklungen, Cookie Cutter Charaktere, und ein Johnny Depp, der nahezu im Halbschlaf durch diesen Film wankt und dabei fast seinen ganz eigenen Tiefpunkt aus Piraten der Karibik toppt, weil er hier obendrein auch noch völlig frei von jeder Ironie ans Werk geht. Die Botschaft: Nur wer ein Kind bleibt, ist in einer rigiden Gesellschaft wirklich frei, die Phantasie verleiht Flügel. Nicht Red Bull. Strenge Menschen sind blöde, weinen aber auchvor Rührung, wenn Sie wieder lernen mit den Augen von Kindern zu sehen. Kreative Genies sind kindisch und dafür muß man ihnen verzeihen und sie trotzdem ganz doll lieb haben. Wichtige Plot-Themen, wie Kindersex, Ehebruch usw werden en passant im Nebensatz abgehandelt, alles versinkt in Liebenswürdigkeiten, selbst die bösen Menschen sind hinterher doch iiiirgendwie ganz okay. Selbst Sterben ist am Ende iiiiiiiirgendwie ganz okay. Alles ist nett, schau, wie pastellig wir die Farben art directed haben. Iiiiirgendwie doch ganz okay, oder?Abgesehen von ein zwei Szenen, die gezielt auf einen ‹Club-der-toten-Dichter›-Moment getrimmt sind und in Pathos fast ertrinken, aber dennoch passabel funktionieren (wie die Kinder im Theater oder die Aufführung bei der armen kranken Kate… Tränendrüse olé), schleppt sich der Film lieblos und müde dahin und man fängt halt an, die Ehefrau im Kino mit Popcorn zu berieseln (‹Schau, es schneit›), weil das ja auch soooo dolle kreativ ist und so kindisch-schön wie eben Johnny Depp als Indianer-Piratenkapitän,nur, daß man dabei weniger Kajalstift um die Augen hat. Rührselig und schmalzig versucht sich der Film an Shakespeare in Love und anderen Zeitkolorit-Vorlagen, das alte Klischee bedienend, daß die viktorianisch geprägte Jahrhundertwende-Gesellschaft in den U.K. rigide und öde war, um uns vor dieser Folie dann den modernen (d.h. der heutigen liberalen Denke näherstehende, insofern für uns eher als Identifikationscharakter geeigneten) Menschen als ‹freien› Geist anzudienen, (und wie schön, daß man dabei permanent Depps Ohrring-Löcher sieht, Barrie ist seiner Zeit also um glatte 70 Jahre voraus, alle Achtung). Das hat Alan Moore in From Hell (dem Comic, bitte, nicht dem entsetzlich schlechten Film) aber bereits besser exemplifiziert, indem er ausgerechnet Jack the Ripper als wahren Freigeist inmitten der viktorianischen stiff upper lip-Gesellschaft präsentiert, als Geist des 20. Jahrhunderts, als metaphorischen Blutsturm eines neuen Zeitalters. So weit muß man nicht gehen, Schillers Don Carlos reicht ja schon. So, wie es aber hier ist, schläfert die Haus-am-Eaton-Place-Atmosphäre, die zuchtmeisterlich und steril wirken soll, eher ein und Depps Charakter ist nicht frei, sondern einfach nur langweilig. So aufgesetzt wie die schlechte deutsche Übersetzung des Originaltitels Finding Neverland.

Schade um einen Stoff, der einen besseren Film sicher hätte tragen können. Beeindruckend bleibt so allein der Hund, der Schauspieler im Hundekostüm, das Theatermeer und der bärtige, mieslaunige Dustin Hoffmann, der altersweise und lässig seinen Part gibt und toll aussieht, was ja schon genügen mag – außerdem mag man vermuten, daß es ein Insidergag ist, daß ausgerechnet Captain Hook hier eine Gastrolle bekommen hat. Entsetzlich bleiben die vier Kinder, jedes einzelne eine Zumutung.

Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie dieser Film ausgesehen haben könnte, wenn er von Tim Burton gekommen wäre. Das wahre Verbrechen von Wenn Träume fliegen lernen ist, daß hier ein Film die Phantasie feiert, der an sich und in sich phantasielos ist und niemals vorgefertigte Filmklischees verläßt.

01:24 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

Todesvariationen II


Photo: Wolfgang Silveri

Es ist selten, daß Theater mich berührt. Was eigentlich verwundert, schließlich ist die Aura authentisch für ein Publikum gespielter Gefühle live auf der Bühne viel größer als im Film, wo die Darsteller schließlich für die Kamera und den Schneideraum, also abstrakter, unehrlicher agieren. Es liegt vielleicht daran, daß Filme unsere Emotionen mit Musik, Schnitt und anderen Effekten intensiver führen können, leichter manipulieren und insofern auch abstumpfen. Theater dagegen wirkt oft hölzern und zu brav, allein schon, weil die Darsteller oft nicht für sich, nicht intim spielen, sondern in der Akustik der Häuser oratorisch arbeiten müssen, mit einer Überemphase, die bei den meisten feineren Zwischentönen einfach destruktiv sein kann. Die wenigsten Darsteller können im Theater ‹underacten›, schon, weil es technisch schwierig ist, schon weil auch in der Entfernung zum Publik um Mimik und dezente Gestik anders funktionieren müssen, da reißt man schnell die Latte zur nonverbalen Parodie.

Jon Fosses Todesvariationen nun ist ein Stück, bei dem man sich sorgt, daß eben solche Theaterprobleme es fast uninszenierbar machen, daß die Intimität und der Kammerton, den er trifft, das fast Erstickte, gar nicht realisierbar ist, daß man als Regisseur an diesem Stück scheitern muß, zwangsläufig. Zumal Fosse endlos Raum läßt in seinem Stück und doch atmosphärisch, nahezu klaustrophobisch arbeitet, ergo wiederum also eigentlich keinen (Frei)Raum für Interpretationen bietet. Fosse ist der Wagner der Pausen, der hier zeitlose und vertraute Themen, die man bereits größer, epischer, lauter abgehandelt kennt, auf kleinsten Raum kondensiert, auf die Andeutung, den Hauch, die Assoziation. Will man ihm gerecht werden, muß man das Sombre, das Minimalistische, das Karge akzeptieren, darf nichts liefern, was die fast unahnbaren, nie ganz als real/eingebildet verortbaren Andeutungen (un)greifbarer machen könnte.

Matthias Hartmanns Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus läßt sich minimalistischer kaum denken. Die Bühne ein weißer Kasten, mit nur einem Schemel als Requisit, die Kostüme von Grit Groß nahezu monochrom und zeitlos, mit einem wunderbar passenden Hauch vom Abgewetztem, vom Getragenen, keine Musik, und nur ein einziger Lichtgag am Schluß, der wirklich Hartmanns Handschrift als begnadeten Effektmechaniker trägt. Ansonsten nur ein Schweinwerfer, der sich langsam und grell von links nach rechts schleppt, der wie ein müder Autor langsam Worte in eine Schreibmaschine tippt, langsam, langsam, um dann schnell eine neue Zeile zu bringen, zurück nach links zu huschen, während im Zeilenumbruch das Stück gefriert und erst weitergeht, wenn der fiktive Autor wieder schreiben kann. Weniger kann man auf einer Bühne kaum machen, das ist die Sorte Bühnenbild, die durch Minimalismus hindurch geht und auf der anderen Seite wieder heraus kommt. Eine in der Reduktion fast bombastische visuelle Stille.

Das fordert natürlich um so mehr die Darsteller, die keine Farbe rettet, kein hektisches Bühnengewusel, kein Effekt, kein Türauftürzu, kein Sound. Die Rollen sind nackter kaum denkbar, der Text ist so reduziert, so trügerisch simpel, daß er wahrscheinlich um so schwerer präzise erlernbar und reproduzierbar ist. Figuren, die so opak sind, daß es schwer sein muß, sie so plan und blank zu spielen, so undurchschaubar, der Verlockung zu widerstehen, ihnen eine Note zu geben. Zum größten Teil wird de Besetzung, die Hartmanns immenses Talent, hochkarätige Darsteller richtig zu «casten» unterstreicht, dem gerecht. Heyn, Seifert und Haupt überspielen gelegentlich, bringen zu viel Gefühl ein, werden laut, lenken ab… und gerade am Ende hätte man sich von Cathérine Seifert etwas weniger Emotion gewünscht, etwas mehr Stumpfheit, etwas weniger Theater… obwohl sie insgesamt eine beachtenswerte Leistung hinlegt, die Wandlung vom Teenager zur Frau ist glaubhaft. Johannes Zirner als der geheimnisvolle verlockende Freund ist großartig und Hans-Michael Rehberg und Barbara Nüsse sind outstanding, abgeklärter, teilweise so hart an der Kälte, daß man fröstelt. Beide haben – vielleicht Premierenfieber– Momente, in denen Sie es übertreiben, in denen sie spürbar «spielen», aber für den größten Teil des Stückes gelingt eine Non-Performance, ein pures Sein, das berührt. Gerade Rehberg ist hier streckenweise unwirklich gut.

Der Autor Axel von Ernst, der an diesem Abend gerade eine 48-stündige Marathonanwesenheit im Schauspielhaus für das Abschlußbuch der Hartmann-Ära hinter sich hatte, erzählte mir nach dem Stück von Proben, bei denen Hartman die Schauspieler positioniert und dabei mit den Händen gestikuliert wie ein Marionettenspieler. So perfekt, so choreographiert, so inszeniert kommt einem das Stück in jeder Geste, in jeder Konstellation der Figuren tatsächlich oft vor. Als Nicht-Eingeweihter sieht man die Fehler nicht und verfällt dem Glauben einer makellosen, fast automatisch laufenden Aneinanderreihung von Figuren und Bildern, von Schatten, Perspektiven und minutiösen Sequenzen, makellos wie ein Ballett. So wie Fosse die Sprache der Figuren in seiner üblichen Art entzeitlicht, fraktioniert (und eben so zu fast universellen Samples alltägloicher Sprachlosigkeit in Beziehungen wandelt), haben Hartmann und Oberende ihre Akteure zu körpersprachlichen Wracks gemacht, insbesondere Rehberg/Nüsse brillieren aufs Schlechteste in der Wiedergabe verstümmelter Menschen, die das Leben durchgekaut hat. Lasziv einzig der Tod, der wie ein Skorpion über die Bühne schleicht und eben wie ein Skorpion bei aller Liebe nicht an sich selbst vorbeikommen kann.

Das Stück selbst ist in aller Simplizität, bei aller einfachen Sprache ein großer Wurf, in der Leere der Texte bleibt – wie bei Beckett – Raum für die eigene Projektion von Ideen. Im Schattenspiel an der Höhlenwand sehe ich in der Todessehnsucht der Tochter, im Anthropomorphismus des Todes, in dem Wunsch nach Alleinsein, nach Ruhe, nach »Schlaf» natürlich Shakespeare und Chandler, aber da ist auch die Idee eines Everything-is-Now, eines Zusammenfalls von Zeit, einer Nichtexistenz der Entropie von Erinnerung. Alles passiert im Hier und jetzt, Gegenwart und Vergangenheit fließen als Kontinuum ineinander, bedingen einander zwangsweise. Ursache und Wirkung sind aufgehoben. Zugleich schließt das Stück thematisch an Winter an, finden wir in der Figur von Heyn/Rehberg ein Mosaik des Mannes, der in Winter seine Frau verläßt, weil er sich neu verliebt… in Todesvariationen sieht man, möchte man meinen, die Konsequenzen dieser Entscheidung, die Sache weitergedacht. Den Preis, schließlich, den er zahlt. Am Ende scheitern hier alle Beziehungen, sind immer schon vergiftet, von Anfang an, verkrüppelt durch die emotionale Hemmung der Charaktere, durch das Ungesagte, im Kern sind sie autodestruktiv. Selbst die eine Beziehung, der man wünscht, sie möge halten (Die Tochter und der Tod/Freund) wird am Ende bereut.

Wie gesagt, es ist selten, daß Theater mich berührt. Vielleicht ist es generell selten, daß Theater noch emotional ist, daß man zwar lacht im Theater aber nur noch selten Wut oder Trauer fühlen kann, obwohl solche Emotionen ja grundsätzlich ab und an (vielleicht auch zu selten) in den Stücken immanent sind. Dies ist eine der seltenen Ausnahmen, wo man nach dem Stück noch unfähig ist, zu sprechen, weil es einen tatsächlich mitgenommen hat und dir das Ganze die Kehle zugedrückt hat. Solche emotionale Wirkung ist dem bürgerlichen, immer etwas reflektiv-intellektuellen deutschen Theater, in dem alles besprochen sein muß, abhanden gekommen. Um so schöner die Ausnahmen.

13. Februar 2005 14:32 Uhr. Kategorie Leben, Live. Tag . Keine Antwort.

MÄDCHEN

08:29 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SAVILLE






Mehr… und hier (auch mit Fonts) und hier und hier und natürlich hier. Das Buch dazu hier.

12. Februar 2005 14:33 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PASSION FOR PROCESS

“OVER + OVER: PASSION FOR PROCESS,�? on view Jan. 29 through April 3, includes works by 13 artists from throughout the United States who share a compulsion for the time- and labor-intensive, craft-inspired processes required to re-envision mundane, everyday items as remarkably inventive and often provocative objects of art. [...] “These are artists who are all part of the digital age – who are of that generation,�? Harleman said. “What they’ve chosen to do in the midst of this hypertech era is to do time-consuming activities, in terms of their artmaking. Their work is almost dialectic.�? Harleman noted that artists aligned with the Arts and Crafts movement of the late 19th century responded similarly to the rapid rise of industrialization by producing well-crafted, handmade decorative and functional objects from natural materials. However, she said, the artists exhibiting in the Krannert show are perhaps more closely connected to practitioners of “Process Art,�? an approach emphasizing organic, tactile materials and themes, which emerged in the 1960s as a response to Minimalism’s austere, mass-produced aesthetic. The curators of “OVER + OVER�? refer to this new creative approach as HyperProcess Art.

Mehr…

via http://blog.wired.com/sterling/

11. Februar 2005 18:53 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Reading

Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und Adolf Loos’ Ornament und Verbrechen. Während Benjamin vor allem im Haupttext des Suhrkamp-Büchleins so scharf und brillant ist, wie ich ihn aus Studienzeiten in Erinnerung habe, neben Cracauer eine lebende Erinnerung, wieviel brennender Essays in den 20ern oft waren, wieviel lebendiger technische Entwicklung als Ausdruck und Ergebnis sozialer Aktion verstanden wurde; ist Loos eher eine Enttäuschung. Ungeachtet des legendären Satzes, daß ein Architekt ein Maurer sei, der Lateinisch gelernt habe, wirkt das Buch wie eine Frühform von Blogging… etwas sinnfrei, kleinteilig, zergliedert, oft an Themen interessiert, die so zeitnah und lokal sind, daß man sie durch den Zeitkorridor nicht mehr wirklich spannend finden mag, wiewohl seine grundlegende Aussage wenig an Kraft verloren hat. Benjamin wirkt visionärer, druckvoller, weniger polemisch… und seine Analyse des Verlustes bzw. der Wandlung der Aura durch technischen Fortschritt bleibt zeitlos und akut zugleich. Philipp K. Dicks A Scanner Darkly, das (wenn ich mich nicht irre) vorletzte Buch, dann habe ich Dicks Gesamtwerk durchgearbeitet. Eine Reise, die ich nur empfehlen kann, weil kaum ein Autor sich so sprunghaft und halluzinatorisch weiterentwickelt hat wie Dick, der von seinen schon visionären, aber noch recht der normalen SF verhaftetet Kurzgeschichten mitreißt, am Ende seiner Karriere aber das Genre der spekulativen Literatur verläßt wie kein anderer Autor vor ihm (danach aber durchaus einige, John Brunner und Roger Zelazny, auch einiges von Harlan Ellison käme in Frage, aber selbst die wirken mild und berechenbar gegen Dicks Papier gewordene Psychosen) und so nah an William Burroughs herankommt, wie es nur eben gerade menschenmöglich ist.

01:12 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

THE MANY FACES OF CHE

Revolution and Commerce – Ausstellung 29. Januar bis 28. Mai.

Che ist Branding. Iconography in so reiner Form, daß man an die katholische Kirche erinnert wird, an einen postmodernen, ballaststoffärmeren Jesus, in einer Hipness kontextfrei gefiltert, von der die Kirche heute nur noch, nach über 2000 Jahren Kunsthistorie, nur noch träumen kann. Guevara, das kopierte Gesicht, der Sohn Gottes re-imagined als Revolutionär. In Kordas Photo aus den sechzigern, das die Grundlage der endlosen Che-Ikonen ist, wird das Kreuz zum Pentagram, der Rosenkranz zur Baskenmütze, die Kreuzigung dementsprechend später ein Schuß in einem dreckigen Schulhaus irgendwann in 1967, die Leiche unbekannt beerdigt, ein moderner Mythos wie JFK und die Monroe, Elvis und Son of Sam. Eine Ikone für unsere Zeit, in der Streetstyle und Camouflage-Outfit nahtlos verschmelzen, Hipness und Krieg eine ganz neue Ehe eingehen, nicht zuletzt dank der beneidenswert gut funktionierenden PR-Maschine der US-Army. Branding ist das Gesicht eines Marxisten destilliert zu einem Stil, der Turnschuhe verkaufen kann. Schockgefrosteteter Moment der Revolution, in Bernstein gegossen und somt konsumierbar, Charisma ohne Konsequenz, Märtyrer ohne Message… ein Gegenentwurf, den man nur zitieren muß, nicht leben. Passend zum HipHop, in dem Streetcredibility auch noch funktionierne muß, wenn man längst in einer Villa wohnt und für jeden Tag ein anderes Auto hat, blingbling. Passend zum Rock, der Revolution predigt im Namen des Plattenkonsums.
In einer Zeit des leider inzwischen fast ironiefrei, fast unzynisch betriebenen Selbstzitats, in dem inzwischen fast zwei Dekaden nur noch mit dem zyklischen Recycling kultureller Restwerte beschäftigt sind, taugt Che zur modernen Ikone, zum Modestatement, zum Look. Passenderweise in den gleichen Rot-Schwarz-Weiß-Farben wie Coke. Vergessen wir Ballast wie die Tatsache, daß der Mann für eine politische Überzeugung ins Grab gegangen ist. Laßt uns RAF-T-Shirts machen, laßt uns Ghandi-Frühstücksteller und Lebensratgeber entwerfen. Milk your idols. Fill the emptyness, fill the emptyness.

10. Februar 2005 21:11 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Shotaro Shimomura XXI





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21:02 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Ron Slattery






Photos von: Ron Slattery – P.O.Box 09139 Chicago Illinois 60609

20:53 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

IS YOUR CAT PRETTY ENOUGH?

The mayor of West Hollywood — a liberal, pet-embracing city adjacent to Los Angeles that two years ago brought America a ban on the declawing of cats — has proposed a new ordinance making “tail-docking” and “ear-cropping” illegal. The new law, which was scheduled for debate before the West Hollywood City Council on Monday, would also ban other nontherapeutic or cosmetic surgeries on animals.
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9. Februar 2005 23:55 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

TYPOLEX

Man kann sich über den Sinn und vor allem den Unsinn der DIN-Klassifikationen von Schrift streiten, soviel man will, nie wurden sie so schön (wenn auch nicht wirklich tiefgreifend ;^))erklärt wie hier

20:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

DER BLINDE MALER…

…The painter is Esref Armagan. And he is here in Boston to see if a peek inside his brain can explain how a man who has never seen can paint pictures that the sighted easily recognise – and even admire. He paints houses and mountains and lakes and faces and butterflies, but he’s never seen any of these things. He depicts colour, shadow and perspective, but it is not clear how he could have witnessed these things either. How does he do it?
Because if Armagan can represent images in the same way a sighted person can, it raises big questions not only about how our brains construct mental images, but also about the role those images play in seeing. Do we build up mental images using just our eyes or do other senses contribute too? How much can congenitally blind people really understand about space and the layout of objects within it? How much “seeing” does a blind person actually do?
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via Caterina.net

8. Februar 2005 19:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

AM ENDE DER DARWIN-GALAXIE

 …after some three billion years, the Darwinian era is over. The epoch of species competition came to an end about 10 thousand years ago when a single species, Homo sapiens, began to dominate and reorganize the biosphere. Since that time, cultural evolution has replaced biological evolution as the driving force of change. Cultural evolution is not Darwinian. Cultures spread by horizontal transfer of ideas more than by genetic inheritance. Cultural evolution is running a thousand times faster than Darwinian evolution, taking us into a new era of cultural interdependence that we call globalization.
   In the post-Darwinian era, biotechnology will be domesticated. There will be do-it-yourself kits for gardeners, who will use gene transfer to breed new varieties of roses and orchids. Also, biotech games for children, played with real eggs and seeds rather than with images on a screen. Genetic engineering, once it gets into the hands of the general public, will give us an explosion of biodiversity. Designing genomes will be a new art form, as creative as painting or sculpture. Few of the new creations will be masterpieces, but all will bring joy to their creators and diversity to our fauna and flora.

Mehr….
via Bruce Sterling

19:52 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Zoomcollective

http://zoomcollective.com

18:50 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

What happened…

Warren Ellis schreibt:
Nothing happened. The world didn’t end when we moved into the 21st Century, all the millennium tension went away, 2001 went from science fiction to historical artifact, and the majority of people looked around and saw that things were pretty much the same on this side of the line as they were on the other side. And that was that.

Today, I read an interview with Marilyn Manson where he explains his evocation of CABARET in his recent work as a reaction to present times, Thirties vaudeville as a haven from politics. Notably, however, Manson describes himself as broadly apolitical, which makes you wonder exactly who said haven was devised for. To me, it’s an interesting mess. CABARET’s paean to decadence only gains its enduring power from context – the knowledge that the Third Reich awaits it upstream, which lends it the authentic final doom of all true legends, Ragnarok and Robin Hood’s final arrow shot to mark his grave. Wearing the clothes of the period doesn’t reiterate the lessons of the time or the film – that you can’t hide from evil, that the machinery of conservative societies will always find a way to crush the Too Much Fun Club – but it does produce other, perhaps graver signifiers.

Popular artists generate two forms of address. They produce a sense of collusion with those who already agree with them – through this CD, this book, this graphic novel, I’m telling you that it’s you and me against the world, I am your friend/ally/leader in this, I understand you – and they also, unavoidably, tell the receptive mind what to think and what to identify with. Through this work, I am telling you that this is an apolitical time, that voting doesn’t matter, and we may as well go to the Kitty Kat Keller while we can.

Post-millennium relaxation. Nothing’s happened, nothing’s changed, and you and me, we can’t change anything.

Now, I have a lot of time for Marilyn Manson these days. Much of his music doesn’t do a lot for me, but I enjoy his persona, himself as art. He’s a clever man, and I suspect his apolitics are not all artifice. He’s thirty-four years old now, an experienced artist and an experienced media operator, and he must know his audience. And America, and Britain, currently exist in a political dead zone. George W Bush does not have credible opposition, and whoever’s put up against him in 2004 will likely be crippled by the nomination process in any case. In Britain, the same holds – the leader of the opposition, Michael Howard, is a leering, unelectable monster with criminal tendencies who was until recently shunned and vilified by his own party as a moral mutant.

In the face of all that, it’s an understandable message to broadcast: find a place away from politics, because this is a time in which voting genuinely doesn’t matter. We’re all fucked. Apathy is nothing to be ashamed of. Anger is pointless.

And certainly we’re in a time where anger in art has largely gone away. This isn’t the cool detachment of post-modernism, so much as just a turning inward. The kind of stuttery lurching rise of emo over the last couple of years is a case in point: a total defanging of pretty much any working definition of punk in service of whining about how you’ve got no fucking girlfriend. “Emotional punk�? = Crying Ugly Kid Music. There should be a sign in guitar shops: “We reserve the right to refuse sale to people who want to write songs about wearing glasses and being dumped by girls who didn’t know your name anyway.�?

It’s understandable, and certainly it doesn’t hurt for Manson to bolster the “outsider�? self-perception of his audience.

But it bugs me nonetheless. Is it a creative reaction, to answer “nothing’s happened�? with “nothing’s going to happen and you can’t do shit about it”? Is that doing anything more than prepping an alienated audience for a doomed life of dying your hair back to brown and getting a job in insurance? Is that where we’ve ended up? That all popular culture has to say is, “well, fuck it”? Even as a transient pose?

The lesson of the 1930s is that, in a time of encroaching conservatism and creeping repression, the correct response is not to flush your fucking spine down the toilet.

via Warrenellis.com

17:56 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Organisms Found In Challenger Deep

Japanese scientists have discovered microscopic, single-cell organisms living in the Pacific Ocean’s deepest trench, the Challenger Deep. An article published in Science magazine says soft-shelled forms of the plankton Foraminifera were found at a depth of almost 11,000 metres, where the atmospheric pressure is immense.Hard-shelled Foraminifera are commonly found at the ocean surface, but the scientists say almost nothing had been known about small, sediment-dwelling organisms living in such remote environments as the Challenger Deep.The scientists, from Shizuaka University, used a remote control vehicle to explore the trench, near the Mariana Islands and the American territory of Guam.
Hier

6. Februar 2005 18:15 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Things I hate about my flatmate

Ah, die schöne Welt der WG. Hier wird jeden Tag eine neue Haßorgie über die Mitbewohnerin zelebriert.
http://ihatemyflatmate.blogspot.com/via Liquid Generation

17:17 Uhr. Kategorie Online. Tag , . Keine Antwort.

John and John



http://www.johnandjohn.nl/
via relicious

17:01 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

Satan’s Laundromat




via satanslaundromat.com

16:10 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Katzenblog

Miau

via Relicious

5. Februar 2005 14:27 Uhr. Kategorie Online, Stuff. Tag , , . Keine Antwort.


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