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WELCOME BACK KOTTER


Der Trip nach Sulzburg war klasse. Der Trip zurück leider weniger. Fast zwei Stunden mehr Fahrt, da wegen Massivschnee auf der Autobahn so gar nichts ging. Landschaftlich toll, aber etwas anstrengend beim Fahren. Dazu war dann mein Scheibenwischwasser geforen (oder BMW läßt die Waschanlage unter 0° erst gar nicht laufen, die Klimaanlage schaltet sich ja auch unter 5°C ab…), so daß ich die vom Schneematsch dreckige Scheibe eben nicht reinigen konnte und nach und nach nichts mehr sehen konnte, wobei sich ein Scheibenwischergummi auch prompt beim Schaben auf dem eiskalten Dreck verabschiedet hat. Und der IceLink, der das Autoradio mit dem iPod verbindet (und bei dem ich ja schon gewohnt bin, ihn alle paar Tage via Sicherung-Ziehen zurücksetzen zu müssen, wiel er sich aufhängt) hat komplett den Geist aufgegeben, so daß ich die Hälfte der Fahrt mit übelstem Dudelradio fahren mußte.
Toller Samstag, aber etwas anstrengender Sonntag. Das mit dem Dension IceLink fängt wirklich an, mir auf die Nerven zu gehen.

27. Februar 2005 19:06 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

GRÜN

15:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WOCHENENDE

Am Samstag und Sonntag bin ich off in Sulzburg, hier passiert also in den nächsten zwei Tagen nicht viel.Kurz noch zwei gute News: Wir sind zum Pitch um das Theater Bielefeld eingeladen, woran mir sehr viel liegt, weil ich mit den Philharmonikern dort eine phantastische Zusammenarbeit habe und denke, die läßt sich auch auf Theater/Oper/Ballet übertragen (und weil es mich reizt, mich in auch Oper und Ballet einzuarbeiten, das wird eine spannende Reise). Und Ute Canaris, Ulrike Sommer von der Landesstelle und Christiane Fork vom Kamp-Verlag sind von Cover und Layout des Musik//Politik-Buches (siehe unten) angetan, da geht es in März und April also hoffentlich weiter so schön voran.

25. Februar 2005 22:37 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

ADOPT

Schönes Webdesign. Hier.

09:02 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

ROT 2

08:32 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

PETER FUNCH

Grandiose Photos. Exzellente Site. Hier.

24. Februar 2005 22:35 Uhr. Kategorie Design, Online. Keine Antwort.

COMPUTERGENERIERTE KUNST












Absolut grandiose Digitalkunst von Jared Tarbell, das untere Bild, Moonlight Soyuz, ein Rendering der Mondscheinsonate von Beethoven, ist in Flash MX generiert. Ich würde sofort Drucke bestellen, aber die sind mir zu klein, solche Sachen müßten gigantisch groß an die Wand.
Viel viel mehr hier

via Goldenfiddle

08:35 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

GLAS

08:18 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PARIS HILTON, OF COURSE

Die vergleichsweise harmlose Sache mit Paris Hilton hat einen durchaus ernsteren Background… nämlich, daß mobile Geräte wie PDA oder Handy zunehmend unser Privatleben organisieren. Bilder, Kontakte von Freunden, «Briefe»… alles in einer winzigen kleinen Kiste vereint. Und während bei Hilton ja tatsächlich alles zentral gespeichert war, sind bei den meisten Cellphones und PDAs die Daten eben oft nur lokal gesichert. Handy weg, Kontakte weg. Die Hälfte aller Befragten in einer Umfrage der BBC gab an, daß Sie kein anderes Addressbuch hätten als das in ihrem Handy. Über 50% sagten, daß Ihnen Ihr Mobiltelephon bereits mindestens einmal gestohlen wurde. Das Beziehungsmanagement mit Hilfe solcher Gadgets geht dabei oft so weit, daß es keine analogen Aufzeichnungen mehr gibt, daß somit der Informationsverlust bei Diebstahl größer ist als der tatsächlich gestohlene Sachwert.
The mobile phone plays such a key role in modern relationships; take the phone away and the way we manage these relationships falls apart.
Interessant…

23. Februar 2005 21:47 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

MUSIK UND POLITIK I

Wir sitzen derzeit u.a. an der Publikation Musik/Politik für die Landeszentrale für politische Bildung. Das von der phantastischen Ute Canaris herausgegebene Buch könnte hochspannend werden, aber wir wissen noch nicht wirklich, ob die von uns eingebrachten Ideen im durchaus knappen Budget (weswegen wir schon nicht vierfarbig, sondern eben nur 2c als Alternative zum ursprünglich einfarbigen Buchinneren vorgeschlagen haben und versuchen, die nötigen zusätzlichen Seiten dadurch preislich zu kompensieren, daß wir das Buch von etwa A5 auf 120×150mm reduziert haben und so eigentlich kostenneutral auf über 400 Seiten kommen könnten) realisierbar sind. Obwohl ich sonst selten Work in Progress zeige, lohnt es sich hier also insofern, als das der gesamte Look durch die Wünsche der Herausgeberin, der LZPB, des Verlags und eben primär durch die finanziellen Vorgaben noch recht unklar ist und sich stark ändern kann. Spannende Sache… und vielleicht mal als Erinnerung später schön zu sehen, wie alles begann. Hier also die ersten Scibbles, noch teilweise (vor allem im Materialteil) mit Blindtext.Cover, aufgeschlagen mit Rücken. Umlaufend 5 mm weißer Rand. Das Schaf-Photo ist von Marian.

(weiterlesen…)

18:18 Uhr. Kategorie Arbeit. Eine Antwort.

DIE 100 COOLSTEN GADGETS

Darf man solche Listen machen, wie diese hier, die getränkt von Nostalgie und individuellen Erinnerungen an technisches Spielzeug sind? Aber sicher darf man. Der Walkman ist vielleicht zu niedrig eingestuft mit Platz drei, da er an soziokultureller Bedeutung gar nicht als wichtig genug angesehen werden kann. Die virtuelle Schaffung eines individuellen Freiraums, die Möglichkeit zur Abschottung von der eigenen Umwelt durch ein tragbares Audiogerät, ist im urbanen Kontext ein Durchbruch gewesen, nicht nur für die Entertainmentbranche. Der MP3-Player ist da nur eine Verfeinerung des Prinzips, und den nächsten großen Sprung werden wir in diesem Bereich erst machen, wenn Video bzw. virtuelle Realität komplett «tragbar» wird. Das Powerbook auf Platz Eins kommt mir dagegen recht irrelevant vor, zumal ein Notebook als bloßes Gadget schon etwas weit gedehnt ist. Andere Gadgets, wie zum Beispiel das Sony Transistorradio von 1957, sind eindeutige Vorstufen, aber lange nicht so intensiv. Die Top-100-Liste versammelt ein wunderbares Sammelsurium obskurer Männerspielzeuge vom Schweizermesser bis zum Hightechgerät. Sachen, die eines Tages musealen Charakter besitzen werden und viel Aussagen darüber, wie wenig wir uns eigentlich vom Faustkeil entfernt haben. Zumindest als Versammlung wunderbarer technischer Modegags (The Clapper, Platz 29) eine schöne Sache. Wo bleibt die Liste der 100 wichtigsten Blobjects?
via Spiegel

12:23 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.

BLINK AND YOU’LL MISS IT

Ein leicht manisches Blog übers Blinzeln im Fernsehen





Example


09:50 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

FILMPLAKATE

Eine fast surreal große Auswahl französischer Filmplakate von A bis Z.

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via Coolios

08:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

HERBST

08:32 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

SHOOTING THE GATES

Es ist seit drei vier Jahren so ein Hintergedanke bei mir, mal ein Projekt mit Photos zu machen, bei denen man Menschen photographiert, die wiederum etwas oder jemanden photographieren, etwa als Touristen. Die Gesichtsausdrücke sind meist phantastisch, diese Konzentration, das Mise-en-scene bzw. das Dirigieren des photographischen Subjekts im Sucher. Digitalkameras haben dies umso spannender gemacht, da die neue Technik eine ganz neue Ergonomie des Photographierens bedingt, eine neue Körperhaltung des Photographen, der die Kamera auf Armeslänge Abstand hält, anstatt durch den Sucher die Welt zu erschließen. Das ist derzeit natürlich akuter denn je, da via HandyCam nahezu überall und immer mehr, immer privater photographiert wird. Zum Beispiel The Gates in New York. Und Mike von Satanslaundromat hatte anscheinend die gleiche Idee…

(weiterlesen…)

22. Februar 2005 20:13 Uhr. Kategorie Stuff, Technik. Keine Antwort.

KEINE LUST

Ich bin wirklich kein großer Fan von Rammstein, nie gewesen. Angefangen als inhaltliche Kopie des Laibach-Konzeptes, auf billige und durchschaubare Schock-Effekte à la Marilyn Manson setzend, hat mich die Band immer eher so geschienen, als würden sich hier Versicherungsangestellte auf hart trimmen, und dementsprechend hatte die Musik auch immer etwas von ‹Metal für Bankangestellte› an sich, im Kern doch affirmativ und brav. Die zusätzliche Ebene, daß die Band zwar in Interviews treuherzig betont, links zu sein, sich andererseits in Wort und Bild immer wieder mit dem Zeh sanft in den neofaschistischen Gedankenpools wagte (oder dreist bei Tarantino Ideen klaute), macht nicht sympathischer. Umso größer meine Überraschung mit Reise Reise. Die Band selbst sagt in Interviews, dies sei die erste Platte, in der sie sich von Rammstein-Klischees löst, und da ist was dran. Obwohl der Sound unverändert brachial ist, wirken die Kompositionen amerikanischer, durchdachter, die Texte sind immer noch auf der ‹Hihi, wie schockierend›-Ebene (Mein Teil), aber erstmals mag ich, was man so bei MTV hört, so deutlich, daß man sich fast die Platte zu kaufen gewillt wäre. Keine Lust ist in Sachen Song und Video grandios, Text und Produktion gehen nach vorne und der Video ist zwar einfach aber in seiner lasziven Dekadenz einer der besten Videos von Rammstein jemals, Tills angeekeltes Gesicht beim Liebesspiel der beiden Stewardessen in der Limousine ist wunderbar. Die Entwicklung auf dem letzten Album macht es möglich, das stets grandiose Artwork von Rammstein endlich mit etwas weniger gemischten Gefühlen zu genießen. Es ist immer noch recht braver Pop-Metall, immer noch oft unfreiwillig komisch, immer noch zu ironiefrei, zu pathetisch, zu dumpfdeutsch… aber nicht mehr ganz so vorhersehbar und emotionslos wie in all den Jahren zuvor.

PS: Kurz darauf lief Doves mit Black and White City… und dann wird Rammstein natürlich wieder in die richtige Perspektive gerückt, durch einen grandiosen Song und ein wunderbares Video.

08:51 Uhr. Kategorie Musik. 3 Antworten.

HOLZ

00:40 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

RIP HUNTER

Hunter S. Thompson, grandioser Journalist und Autor von Fear & Loathing in Las Vegas, einer der härstesten Motherfucker auf dem Planeten, hat sich selbst in der Nacht zum Sonntag mit einem Kopfschuß das Leben genommen. Traurig und irgendwie trotzdem sehr à propos.

21. Februar 2005 10:30 Uhr. Kategorie Leben, Stuff. Keine Antwort.

MAUER

08:19 Uhr. Kategorie Photos. Keine Antwort.

HANS LIBERG

TATATA heißt die seit 2002 laufende Show von Hans Liberg, und nachdem wir ihn in Essen verpennt haben (trotz gekaufter Karten) geht es also ins Konzerthaus Dortmund. Das architektonisch aus der 08/15-Kiste kommt und nahezu von jedem beliebigen deutschen Architekten stammen könnte, Stahl, Glas, Beton, helle Hölzer. Vieles davon wird in 10 Jahren altbacken wirken, die Bestuhlung des Saals selbst etwa mit ihrem robusten Kindergarten-Buche-Look. Die Akustik des Saals, austariert für symphonische Konzerte, ist leider für Liberg komplett falsch. Das gleiche Problem gab es auch schon in der Tonhalle bei Jazz-Konzerten, etwa bei Herbie Hancock… spätestens das Schlagzeug ruiniert den Sound. So auch hier. Liberg kommt mit einer Art Loussier-Besetzung, Piano, Bass und Drums, und schon beim Opener wird klar, daß der Saal jedesmal zur Marter werden wird, wenn der Drummer in die Snare schlägt. Das bleibt so, den gesamten Abend lang.
Überhaupt ist die Triobesetzung etwas ungewohnt für Liberg, der ja doch eher Kabarettist als ‹normaler› Musiker ist, und der in der Klassik-Light-Sektion nicht ganz so versiert spielt wie Loussier und andere Jazz/Klassik-Macher. Dafür verhaut er sich dann doch zu oft auf den Tasten. Die Band bringt trotzdem eine Bereicherung, mehr Druck, vor allen bei der E-Gitarren-Sequenz, in der Liberg dem Bildungsbürgerpublikum derbe auf die Ohren haut.
Überhaupt ist der Trick bei Hans Liberg ja der, das man keine Ahnung von Klassik haben muß, er also eine Zielgruppe bedient, deren Horizont bei Bach, Beethoven, Mozart endet. Viel mehr kommt da kaum. Moderne eMusik, wie etwa Philip Glass, wird eher veralbert, Zielgruppe sind also durchaus auch schon Leute, die sich ‹schöne› Klassik wünschen, den emotionalen, nicht intellektuellen Zugang. Halbwissen reicht da (Gott sei Dank für mich), das reine Erkennen von Melodien reicht aus, um Libergs zentrales Stilmittel, nämlich den nahtlosen Übergang von großen Stücken der klassischen Musik zum Pop, zu verstehen. Genauso wichtig wie Pjotr Iljitsch Tschaikowsky ist dann eben Göran Bror Benny Andersson, Elton John steht nahtlos neben Verdi, Schlappi als Dauerbrenner des Abends neben Beethoven.
Das ist nicht nur ein Kunstgriff, der Liberg ein weiteres Publikum öffnet als jenes, das originär Klassik hört, sondern auch Konzept: Klassik ist Pop, früher gab’s ja keine Klassik. Das kann ich als jemand, der Jazz und Klassik nahtlos neben Pop und Rock stehen sieht, nur unterstreichen, die Trennung von U und E ist so bleiern und langweilig… und diese gewisse postmoderne Beliebigkeit öffnet Liberg eben auch ein weites Areal an Gags, die er in fast hysterischem Tempo durchpeitscht, fast ungeduldig den Applaus des Publikums abwartet. Lustiges Klingelton-Raten, Schnappi bis der Arzt kommt, für jeden Zuspätkommer wird das Programm nochmal fix von vorne angefangen, MP3-Datenkompression wird anhand der Klassik neu erklärt, Lotti und Rieu, die anderen ‹Klassik Light›-Importe aus den Benelux-Ländern kriegen bösartigst ihr Fett weg (‹alles Neid› natürlich), routinierte Gags über Dortmund und das Rheingold (was schließlich in eine Art musikalische Flußfahrt mündet)… das Programm wirkt wie eine Mischung aus routinierten Versatzstücken (hier und da erkennt man auch eben alte Programm-Highlights wieder) und freier Improvisation. Wie eine Art Musiklehrer aus der Hölle nimmt Liberg sein Publikum in die Pflicht, läßt Stücke raten, läßt Melodien weiter singen, greift Wünsche aus dem Publikum auf und das so perfekt, daß man hinterher vermutet, er hat Stichwortgeber in der Halle verteilt… oder aber die Meute im Parkett wünscht sich in Dortmund die gleichen Sachen wie in Antwerpen wie in allen anderen Städten. Vielleicht kann man sich drauf verlassen, daß bei der Frage nach Verdi-Opern verläßlich Aida kommt und die Nummer damit weiterlaufen kann. Das Liberg all dies nie klugscheißerisch sondern immer schnell, selbstironisch und sympathisch herunterrasselt, hyperaktiv, ungeduldig, zappelig, mit vollem Körpereinsatz über die Bühne hüpfend, daß er sich einen feuchten Shit drum kümmert, ob seine Gags über die Köpfe einiger Leute hinwegsurren (dies bestenfalls noch ironisch kommentiert: ‹Das kann ein langer Abend werden heute hier›.), macht’s um so hysterischer.
Störend allein die Pause, die dem Publikum und auch Liberg selbst den Schwung nimmt und die grottenschlechte Akustik, die die Musik ruiniert und die Kommunikation zwischen Entertainer und Publikum erschwert. In einem kleinen Club mit mehr Alkohol im Blut wär’s besser…

08:16 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

DIRK RUDOLPH

Dirk Rudolph ist einer der letzten seiner Art – im besten Sinne. Es gibt iauf meinem Weg zum Design eiige wichtige Meilensteine, persönliche ‹Götter› – Thorgerson, Saville, Oliver, Carson, Spiekermann, McKean und eben Dirk, auch wenn ich heute vielleicht eher von dem schlichterne Stil von Meiré oder Bill Cahan inspiriert bin oder gleich in die Vergangenheit schau, bei Aicher oder Fleckhaus oder Brodovitch. Ich hab Dirks Platten schon gesammelt, bevor ich wußte, daß es ihn gibt. Die Cover für Phillip Boa und andere Bands, die er gemacht hat, springen dich im Laden so an, daß ich (als jemand, der Musik bevorzugt nach dem Cover kauft) nicht umhin kam, zig Alben aus seiner Feder zu haben, bevor ich überhaupt wußte, daß sie alle von einem Designer stammen. Bei Dirk, wenn auch nur zu kurz, zu arbeiten,ist bis heute der Moment, in dem ich endlich wußte, was ich machen will, kleines Büro, nette Leute, gute Arbeiten. Dirk ist nicht nur ein brillanter Photograph (was man leider inzwischen zu selten sieht), sondern vor allem eben auch kein Designer, sondern ein Künstler, dessen Werke, wie bei Dave Mc Kean, nur eben kommerziell angestoßen sind und Verwendung finden. Fast autistisch, hochintuitiv und mit einem atemberaubenden Auge für Dynamik, Proportion und Ästhetik, zaubert er Cover, die wenn man ihm über die Schulter sah immer recht normal wirkten, bis man kurz raus geht, einen Kaffee holen, zurückkommt, die ganze Sache frisch sieht und völlig weggeblasen ist.
Der letzte seiner Art ist Dirk leider, weil das Medium stirbt. Vinyl vorneweg (ahhh… Hair von Boa…) und jetzt die CD. Ich denke, dals Ausnahmekreativer wird er immer Jobs und Künstler finden, denn je weniger die CD gegenüber MP3 das Massenmedium ist, umso wichtiger wird die Package werden. Aber nach Rudolph und Sagmeister bin ich nicht sicher, ob genialistische CD-Plattenmacher noch nachkommen werden, ob die zet nicht einfach vorbei ist, ob nicht einerseits nur noch Bravo-Starschnitt-Band mit entsprechend bonbonfarbenen Covern kommen werden und andererseits mehr und mehr das Web als Medium wichtig sein wird.
Hier ein Interview mit Dirk für die Toten Hosen, deren Design er seit einiger Zeit betreut.
Hier eine kleine Diashow zur Entstehung des Covers.

20. Februar 2005 17:19 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

APFELSAFT

Sterling kann seine Theorien auch in die Praxis umsetzen, wie die Arbeiten seiner Design-Klasse am Art Center College of Design zum Thema Apfelsaft von Morgen zeigen……Go re-imagine that apple juice bottle, five years from now… What happens to everyday objects as time passes?… Let’s consider its history, exactly what it looks like now, and the determining cultural, governmental, infrastructural, and commercial forces that made it look that way. Which aspects change fast? Which aspects change slow? Which aspects are almost sure to change in five years? Which ones are practically guaranteed to still be there? A shrink-wrapped, crushable apple

Apple-based ultra-vitality drink

Apple-juice gelatin drops

Rethinking the product

15:53 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WONDER FICTION AND DESIGN

Bruce Sterling schreibt:
Why do I—a science fiction writer—spend more and more time with designers? What does science fiction have in common with industrial design? As it turns out, quite a lot.
In the science fiction genre, we have a signature product that we call the “sense of wonder.�? This is what we are supposed to supply eager consumers: works of wonderment. Amazing stories, fantastic stories, mind-blowing stories.
[...]
     I spend a lot of time thinking about imaginary industrial products, cyber products and post-industrial products. Design thinking has become a powerful means to my end.
[...]
     One of the things I like best about designers is that, unlike scientific historians or techno-sociologists, they tend to be user-centric.They’re not creating fine-art objects for their own sake, they are actually designing some thing for somebody—or at least for some demographic.
Design has regional or national character: There’s Italian design, German design, Japanese design.
But the roots are shifting. The world is globalizing— perhaps not culturally, but definitely technologically. There are 6.35 billion people in the world right now. Barring some plausible catastrophes such as sudden climate change or global plagues, we’re going to top out in about 2050 at roughly 9.1 billion people. Ninety-eight percent of the population boom will take place in the so-called developing world, especially Pakistan, India, Nigeria, Bangladesh and Indonesia.
That is the future design consensus. You’re designing for the demographic? That’s tomorrow’s market.
The trend is getting legs now. China is experiencing a construction boom of such colossal proportions that they are searching for scrap iron from all over the planet. People in the Ukraine are stealing entire trains to sell to the Chinese scrap iron market; people in Shanghai and Milwaukee and England are stealing manhole covers to meet the Chinese demand for steel.
I’m interested in this Asian population surge from a design perspective. I wonder what Chinese and Indian designers might want to make—what they would talk about at the IDSC or the IDSI. in what they want to buy. The consumer of the future isn’t some cornball Chinese stereotype in a bamboo hat or an Indian villager in a Gandhi loincloth. This guy is the mid-twenty-first century’s everyday native citizen. He’s not unlikely or strange or transgressive in 2050. He’s the average, the norm. So, who is this guy? That’s what I wonder—what I need to wonder—as a science fiction writer.

15:43 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WAZ KÜRT WM-PLAKAT

Maori schreibt mir nicht immer, aber diesmal sicher aus dem Herzen. Stefan Funke, 26, Grafiker bei CP-Compartner aus Essen hat den WAZ-Wettbewerb zum Ruhrgebiets-Wm-Plakat gewonnen. Ein Essener, ausgerechnet. Von der Agentur, die recht solide, wenn auch wirklich nicht sonderlich visionär (sondern eher mit der Bravheit, die die eigene Firmensite und ihre Wortspiele nahelegen), die Kampagne um Essen als Kulturhauptstadt betreut. Das ist so passend, vielleicht zu passend, daß es knirscht. Der Entwurf greift grobmotorisch den gottseidank schon längst wieder auslaufenden Trend zum Vektorlook aus, wirkt aber dabei irgendwie unbedarft, unkünstlerisch, hastig. Die WAZ lobt einironisches Spiel mit Klischees, ich zucke bei Rhrgebietsklischees wie Dem Fußball seine Heimat zusammen. Wollte man die nicht Abschütteln mit 2006, mit Kulturhauptstadt? Und bin ich der einzige, der bei der Zeche Zollverein als Klischee-Metapher für das neue Ruhrgebiet (eigentlich ja auch nur für das neue Essen) zusammenzuckt?
Plakate für die FIFA sind eine schwere Sache, ich habe im Zusammenhang mit der WM bisher noch nichts gesehen – vom Logo biszum offiziellen Plakat, von Dortmund bis Gelsenkirchen, was mir wirklich gefällt, die Differnzierungskriterien sind eher, wie wenig schlecht die jeweilige Arbeit aussieht. Das beste an der WM waren bisher die Arbeiten der 11 Designer für die WM, und selbst hier gibts hier und da wenig berauschendes zu blicken. Das Fußball aber ein durchaus designtaugliches Thema ost, zeigt die Zeitschrift 11 Freunde, deren Layout mir im Großen und Ganzen ja doch (irrlichternd zwischen Factor Design Anleihen und Brand Eins Simplicity) gut gefällt, auch wenn ich kein Fußball-Fan bin und deshalb das Mag nicht kaufe. Sport und Design geht. Warum zur hölle kann die Wm nicht ein bisserl mehr nach Nike aussehen, oder nach Puma oder nach Addidas, die alle drei als Sportmarkenzeigen, wie man den Puls der Zeit fühlt und trotzdem eine eigene Identität bewahrt? Warum muß das WM-Plakat des Ruhrgebietes so aussehen wie ein Corel-Draw-Dorfdisco-Grafikdesign? Warum müssen nicht nur alle Kicker-Klischees, bei denen einem selbst als Laie schon die Augen bluten, zitiert werden, sondern zusätzlich noch die abgegriffensten Ruhrgebiets/Essen-Ikonen präsentiert werden? Wo ist da der Charme, das Flair, das wirklich einzigartige an Ruhrstadt? Solche miesen Ergebnisse will ich nicht mal dem Sauerland zutrauen dürfen.
Ein ganz und gar ernstgemeinter Glückwunsch an Stefan Funke, also, der sicherlich Grund zur Freude hat. Ich kenne die anderen Motive nicht und unterstelle, daß der Sieger nun wirklich das beste aus den Einsendungen geliefert hat. Aber ob die Aufgabe Fußball und Ruhrgebiet interessant und elegant zusammenzubringen, hier wirklich ansprechend gelöst ist… I don’t think so, Watson.

14:10 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

KATZEN UND DAS INTERNET

Ich habe keine Ahnung, warum, aber (mal abgesehen von pornographischen Bildern) sind die meistvertretenen Motive online sicher Photos von Mädchen, die sich selbst mit ihrer Digitalkamera knipsen und eben Katzen. Das hat sicher eine Bedeutung, aber ich weiß beiom besten Willen nicht welche.
ein schönes Beispiel für den Online-Katzenwahn gibt es hier.

10:46 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

SUBWAYS


Mehr hier

10:24 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SKINNER



Education is what survives when what has been learned has been forgotten.
B. F. Skinner

Ich lese gerade Lauren Slaters Openening Skinners Box und bewundere diesen Maniac nach wie vor, war schon im Studium entsetzt und begeistert vom Behaviourism. Burham Skinner, mit seinen kruden Kisten, seiner Cold-War-Tierquälerei, seinem wunderbar mechanistischem Menschenbild, Skinner, dessen Antlitz so schön das von Big Brother in Orwells 1984 hätte sein können, so viel väterlicher und wärmer als Stalin, der tatsächlich gemeint war; Skinner, der das Zerr- und Spiegelbild zu Wilhelm Reich war, am poltisch anderem Ende der Telefonleitung sprach, aber kaum weniger ideologisch, kaum weniger durchgeknallt. Der ein Buch ohne schlechtes Gewissen Beyond Freedom and Dignity nennen konnte, um eine seltsame Vision einer besseren Gesellschaft zu entwickeln. Ein Mann , der sich selbst unwürdig fand, nie an Bestrafung glaubte, ein Mechanist, ein Humanist, ein Determinist, der trotzdem an den die Menschen glaubt… Ein Relikt aus einer Zeit, in der Psychologie zwar schon experimentell war und nicht mehr so gefühlig wie Jung, Adler und Freud, aber in der es noich nicht darum ging, zu messen, welche Synapsen sich wie erwärmen, wenn man eine nackte Frau sieht, in der die experimentelle Forschung noch nicht im mikroskopischen und damit auch recht unspektakulären angekommen war. Gegen die neurologischen Experimente von heute wirkt Skinner fast futorologisch, mit seinen seltsamen Hebeln und Schaltern, mit Pavlov im Kopf und Tauben für das US-Militär, wie ein Template fürall die Weird Scientists, die wir aus ungezählten SF-Filmen der fünfziger und sechziger Jahre kennen. Ein warmherziger kalter Krieger, ein Mad Scientist, der uns in jeder Tierdressur im Zoo ins Antlitz blickt, im Schulunterricht, im Straßenverkehr, auf dem Börsenparkett… Ein Prometheus, ein Visionär, ein kleiner verklemmter Mann, der die Tpopgraphie menschlichen Verhaltens erforschte, unbekannte Landschaften, in denen zynische und böse Regeln herrschten, die in Skinner den Wunsch nach einem totalitären, von wohlmeinenden technokraten regierten System weckten. Skinner, umgeben von Mythen und Legeden, gehasst und bewundert.
Gott, hätten wir heute noch solche Forscher…

Hier und hier und hier und natürlich hier und hier.

10:21 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

ZEBRAS

09:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

SPEAK UP

Hier…

09:47 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

PLAYMOBIL

Wenn es eine Marke gibt, die ganz dringend ein Rebranding braucht, dann Playmobil. Die einzelnen Spielwelten haben keinen Zusammenhang und schleimen sich eher lieblos an die Kinder heran, indem sie nach Lustige Taschenbücher auszusehen versuchen, das Package Design hat den originären Charme weitestgehend verloren, wirkt hausbacken und die Homepage ist ein Horror. Man mag gar nicht daran denken, was sich mit so einer intrinsisch starken und klaren Marke machen ließe, wie spielerisch und wundervoll allein die HP sein könnte, was für atemberaubende Spots und Printarbeiten denkbar sind. Zwar gibt es interaktive Spiele, aber die laden zu lange und die Grafik hat den Look von schlechten 80er-Jahre-TV-Zeichentrickfilmen. Playmobil ist Kult, vielleicht gehört der schlechte Auftritt ja auch dazu, dem Umsatz scheints nicht wirklich zu schaden (und ich glaube ja auch, daß die Jägermeister nicht sonderlich clever handelte, indem sie sich bewußt [und relativ gelungen] modernisierten, im Gegenteil, die ‹Ich trinke Jägermeister›-Kampagne mit ihrem hausbackenem Charme ist ja ein ursprünglicher Kultfaktor gewesen… insofern könnte das bei Playmobil auch so sein, aber das bezweifele ich fast, die Zielgruppen sind anders). Das Logo ist sicher weitestgehend unkaputtbar (müßte aber dringend überarbeitet werden), ebenso wie das knietschige wundervolle blau der Packages. Aber am Rest könnte und sollte Brandstätter schon ordentlich was tun, denke ich

09:41 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WELCOME TO THE FUTURE

Warren Ellis schreibt:
Welcome to the future. It’s the world you’re living in.
People are disappointed with the future they’re living in. Since 2001, the refrain has gone up, louder year by year: “This is the future. Where’s my flying car? Where’s my fucking jet pack?�? Pre-millennium, we were living in an unprecedented density of imagined futures, and we assumed it was all waiting for us around the corner. And here we are, around the corner, and none of it is standing here.
All that means, of course, is that 98% of our predictions have failed us. Which shouldn’t have come as much surprise. We treat science fiction as predictive fiction, which it isn’t and should never have been. William Gibson’s NEUROMANCER loses none of its fictive power for failing, as Gibson himself recently said, to predict mobile phones. Mobile telephony has proved a technology of massive change – not least of which has been in the field of fiction itself. Possession of a tri-band handset makes about a hundred years’ worth of thriller plotting irrelevant. My own GLOBAL FREQUENCY graphic novel has fallen foul of the future. It’s currently being adapted for American television, and we’ve run into an unexpected problem. When I developed the mobile phones that the members of the Global Frequency extreme rescue service carry, I was working at the hard edge of available technology – two years ago. Today, a Treo 600 smartphone from Palmspring does pretty much everything the GF Phone does. So I’m having to consult with a futurist at Nokia to ensure the TV version of the phone does more than something you can pick up at the supermarket.
It’s not the future we expected, being able to shoot video with a telephone and wirelessly beam it into someone’s hand on the other side of the world. I don’t know that anyone predicted that people could be driven to orgasm by images of a girl’s spinning eyes. Evan Bataille would have looked twice at the Ass Milkshake. Somewhere, there’s a mouse with a human ear growing out of its back, and a rat that produces monkey sperm. Mars is being explored by two motorised skateboards. Wernher Von Braun, who designed a Mars expedition for a crew of two hundred using available technology in the 1950s, would have shat blood in anger. Space, in his conception, was a heaven to be reached with power and glory. He would have sneered at the rocket sticks the rovers were launched on – where were his mighty chariots, to shake the ground in their passing? – and blanched to discover that his great machines and two hundred heroes had been dropped to make way for a couple of glorified rollerskates. He would have concluded that something evil had happened, and that this was not his future.
No nuclear space arks, no jetpacks. Robot skateboards and butterflies that glow green.
We all forgot that the future is yet to be written. No-one knows how it’s going to turn out. The best we can do is track the future as it happens, and use our fiction as a tool with which to understand where we are.
By the time you read this, everything in it will be history.
The future’s a moving target.

19. Februar 2005 21:32 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

CRACKS IN THE WALL

In Vorbereitung auf einen Job lese ich gerade weder Sachen von Tibor Kalman, das Chairman-Buch zum Beispiel und eben auch das von Peter Hall nach Kalmans Tod herausgegebene Perverse Optimist. Und dieser Text, der mich damals schon begeistert hat, paßt gerade zu gut in mein Leben, um nicht einmal abgetippt zu werden… ich hoffe, ich verletze hier nicht irgendwelche Copyrights, falls ja, let me know. Die Tippfehler sind meine.fuck committees ( i believe in lunatics)

It’s about the struggle between individuals with jagged passion in their work and today’s faceless corporate committees, which claim to understand the needs of the mass audience, and are removing the idiosyncrasies, polishing the jags, creating a thought-free, passion-free cultural mush that will not be hated or loved by anyone. By now, virtually all media, architecture, product and graphic design have been freed from ideas, individual passion, and have been relegated to a role of corporate servitude, carrying out corporate strategies and increasing stock prices. Creative people are now working for the bottom line.

Magazine editors have lost their editorial independence, and work for committees of publishers (who work for committees of advertisers), TV scripts are vetted by producers, advertisers, lawyers, research specialists, layers and layers of paid executives who determine whether the scripts are dumb enough to amuse what they call the ‹lowest common denominator.› Film studios put films in front of focus groups to determine whether an ending will please target audiences. All cars look the same. Architectual decisions are made by accountants. Ads are stupid. Theater is dead.

Corporations have become the sole arbiters of cultural ideas and taste in America. Our culture is corporate Culture.

Culture used to e the opposite of commerce, not a fast track to ‹content›-derived riches. Not so long ago captains of industry (no angels in the way they acquiered wealth) thought that part of their responsibility was to use their millions to support culture. Carnegie built libraries, Rockefeller built art museums, Ford created his global foundation. What do we now get from our billionairs? Gates? Or Eisner? Or Redstone? Sales pitches. Junk mail. Meanwhile, creative people have their work reduced to ‹content› or ‹intellectual property›. Magazines and films become ‹delivery systems› for product messages.

But to be fair, the above is only 99 percent true.

I offer a modest solution: Find the cracks in the wall. There are a very few lunatic entrepreneurs who will understand that culture and design are not about fatter wallets, but about creating a future. They will understand that wealth is a means, not an end. Under other circumstances they may have turned out to be like you, creative lunatics. Believe me, they’re there and you find them, treat them well and use their money to change the world.

Tibor Kalman
New York June 1998

09:23 Uhr. Kategorie Design, Stuff. Eine Antwort.

WERBUNG

08:53 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WAS IHR WOLLT

Die erste Lektion meines gestrigen Abends im Schauspielhaus Bochum, wo Shakespeares Was ihr wollt in der Version des schauspielhannover gegeben wurde: Niemals wieder eine Karte für 15 Euro. Ich saß mitten in einer Reihe von Schülern – und während ich sofort und absolut für jede Art von Disrespekt in einer Kulturstätte zu haben bin, war mir das dann streckenweise doch zu sehr Manta-Feeling. Irgendwie schon lustig und eigentlich die richtige Reaktion von Teens auf Theater, aber auf Dauer lenkt’s vom Stück ab und bringt deutlich auf den Punkt, was 20 Jahre Privatfernsehen in Deutschland angerichtet haben ;^).
Die zweite Lehre: Thomas Laue, Dramaturg des Stückes, dürfte als Chefdramaturg für Essen eine sehr spannende Wahl sein. Die dramaturgische Aufladung des Stückes und die Textwahl im Programmheft lassen hoffen. Nun weiß man bei einem Stück nicht immer, wer in einem Duo von Regie und Dramaturgie für die guten Sachen und wer für die schlechten verantwortlich sind, vielleicht stets beide ein bißchen, denn Was ihr wollt liefert von beiden… und in drei Stunden ist das vielleicht unvermeidbar. Ich bin recht unentschieden, was sich von dem Stück halten soll und vermute mehr und mehr, daß dies daran liegt, daß das Stück SELBST unentschieden ist.

Denn einerseits versucht die Bühnenversion von Laue und seinem Regisseur Sebastian Nübling, die Komödie Shakespeares in modernes Gewand zu bringen, Umgangssprache, derber Slapstick, elektronische Musik, aktuell-minimalistisches Bühnenbild… das alles ist der Versuch, einen Klassiker zu entstauben und up to date neu zu erfinden, leichterhand mit Reihenfolge und Textauthentizität umzugehen, O-Ton und Gossensprache zu mixen. Und das zumeist durchaus gelungen, dabei aber andererseits nah genug am Text des Originals, um nicht gleich von Dekonstruktion oder Demontage sprechen zu müssen.

Insofern irrlichtert das Stück etwas unentschieden, zwischen Respekt und Frechheit, ohne beides wirklich zu leisten. Es ist für Newcomer, wie ich an den Schülern vor mir eben merken konnte, nahezu unverständlich, die Geschichte an sich erschließt sich kaum, von einer hermeneutischen Auseinandersetzung der Elemente, die die Inszenierung anbietet, ganz zu schweigen, allein die Oberflächeneffekte kommen durch und bleiben haften, wie die Erotik persiflierende Olivia, wie der lesbische Kuß, wie die Slapstickeinlagen. Aber genau jene Effektmechanismen wirken nicht nur hier und da etwas deplaciert, sondern vor allem und schrecklicherweise zu brav. Wenn schon böse an den Stoff ran, dann sollte man dem Publikum auch die schreienden Eingeweide von Shakespeare präsentieren wollen. Und genau hier bleibt das Stück oberflächlich, die Frechheit ist reine Pose, der Respekt vor Stück und Autor bleibt spürbar, man macht nur Modernismen, weil man das halt heute so tut im Stadttheater. Dadurch entsteht wenig neues auf der Bühne, weder eine Art Schlingensiefscher Taumel, diese kindliche Lust, Scheiße an Wände zu schmieren und Pipikacka zu rufen, noch eine ernsthafte ruhige Auseinandersetzung mit dem Stück, die in der Dramaturgie ja angelegt ist und immer wieder schön durchblitzt. Entweder hätte man vielleicht mehr Effekttheater betreiben sollen oder eben weniger. So bleibt ein Gefühl von Wasch mich, aber mach mich nicht naß.

Das ist keine harsche Kritik, das ist einfach der Stand der Dinge auf den Bühnen. Reflektives Theater, das sich langweilt, Stücke einfach so zu zeigen, wie sie mal gedacht sind, aber nicht mehr wirklich bösartig und irre genug ist, den alten Meistern kraftvoll und mit Genuß in die Eier zu treten. Theater zwischen Feuilletonkritikern und einem doch eher bürgerlichen Publikum, das man in Zeiten knapper Kassen nicht mehr so schocken kann wie man es früher einmal konnte. Dieses Zwittertheater paßt zur Zeit und man findet genau das gleiche auch im Film, in der Musik, in der kommerziellen Werbung… peppig gemacht, wenig Entschlossenheit in der Sache. Vielleicht darf man das schon nicht mehr kritisieren, vielleicht sind die Zeiten einfach so. Ich selbst wäre sicherlich glücklicher gewesen, den totalen Hirnfick auf der Bühne zu sehen oder aber eine etwas stücknähere Auseinandersetzung mit 12th Night. Es wäre einfach so oder so mehr drin gewesen.

Was bleibt ist trotzdem gut. Ein handwerklich einwandfreier Stilmix aus Boulevardelementen, eine saubere Übersetzung der Shakespeareschen Derbheit von Sir Tony Belch und Konsorten in die Neuzeit, Muriel Gerstners schönes Bühnenbild in dem die Akteure fast hypnotisch herumklettern, Lars Wittershagens ähnlich suggestive triphopige Musik und jede Mengeschöne Details, wie die nur allzu echten Schloß-mit-Herz-Liebesgeschichten, die Malvolio liest, stets gefolgt von der frustrierten Erkenntnis aller Unglücklichen: ‹Das ist nur Glück. Alles Glück.› Der Narr, etwas zu nervig angelegt aber dafür um so überraschender, wenn er seine wunderbare Gesangsstimme enthüllt (überhaupt ist die erste Gesangseinlage ein traumhafter irritierender magischer Moment im Stück, der kurz die Zeit anhält) oder am Ende seinen Schlußsatz sagt und mehr Tiefe zeigt als alle anderen Figuren im Stück zusammen. Gute Lacher, eine Prise Bühnenerotik, eine mitunter bei aller Reduktion der Ausstattung gut durchschaubare Entschlüsselung der Irrungen und Wirrungen der Komödie. Tolle Darsteller, Katharina Lorenz, Wolfgang Michalek und Wolf Bachofner vorweg. Jede Kritik, die man hier bringen will, ist auf so hohem Niveau, daß sie vielleicht schon unfair ist. Hier nicht zu applaudieren, wäre eben einfach unfair. Es ist wohl eher mein Problem, daß ich Kultur derzeit zu nett und zu harmlos finde, zu affirmativ… oder aber gleich zu verquast und abgehoben und studiert. Ein bißchen wie die Deutsche Literatur, wie die deutsche Musik. Da können Laue und Nübling nun echt nichts für, man wird sogar die Vermutung nicht ganz los, daß sie’s ähnlich sehen würden, zu oft flackert die gleiche Sehnsucht nach diesem diffusen mehr in der Dramaturgie durch.

Insgesamt ist ‹Was ihr wollt› hier ein Remix, eine dreistündige mit modernen Samples und Cuts aufgepeppte Version eines alten Motown-Klassikers, die Snare und die Bassdrum aufpoliert, die Hook neu phrasiert und mit anderen Harmonien gekontert und mit viel Liebe zu den kleinen Details im Original, die vielleicht auf Vinyl ungehört blieben. Das kann man schon gut in den modernen Clubs spielen und die Alten mögen es trozdem, weil sie hier und da ein nostalgisches Sample wiedererkennen aus ihrer Jugendzeit. So funktionieren die Charts heute. Das der Song hier dennoch eigene Kraft, massiven Charme, Gefühl uns nicht zuletzt bei allem Boulevard auch Tiefe besitzt, ist umso mehr der Verdienst von den DJs Laue und Nübling und ihrem Team.

Bedenklich nur, daß die Teens in der Reihe vor mir den Dance-Club nach der Pause geschlossen verlassen haben, oder?

08:45 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

SCHMETTERLINGE

18. Februar 2005 19:36 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

KRÄNE

17. Februar 2005 18:10 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

THE SHAPE OF KAUPP TO COME

Im März beginnt das Auktionsjahr 05 beim Auktionshaus Kaupp. Zentraler Teil jeden Kataloges ist ein Imageteil, der einen anderen Aspekt des Lebens des Auktionshauses beleuchtet. Der Einzug ins Schloß, das Team und die architektonischen Details von Schloß Sulzburg waren bisher die Themen 2004, im neuen Jahr fangen wir wieder mit einer Überraschung an und zeigen statt der bisherigen atmosphärischen Photos von Oliver Edelbruch Illustrationen, die ganz simpel à la Sendung-mit-der-Maus erläutern sollen, was ein Auktionshaus eigentlich macht und wie eine Auktion von der Einlieferung bis zum Abholen der zugeschlagenen Waren funktioniert.Die Bilder dazu macht René ‹Rain› Siepmann, zwischen Retro und Comic, in einem Stil, der hoffentlich die klassische Auktionshaus-Klientel nicht verschreckt, Kaupp aber doch den passenden etwas jüngeren Effet verleiht, die etwas andere Handschrift. Ich bin seit jeher ein großer Fan von Rains Stil und ein einziger Blick auf die Vasen im Regal des oberen Bildes reicht eigentlich, um zu verstehen, warum. Ich hoffe, in ein paar Jahren sagen zu dürfen, daß ich den Mann mal kannte, als er noch kein Star war…

Kaupp ist ein Kunde, der einerseits hochanstrengend ist, die Kataloge sind Adrenalin-Wochen für Kaupp und für uns, der andererseits einen grandiosen Trip ausmacht. Die Leute sind auch in extremen und teilweise schlaflosen Streßphasen wahnsinnig nett und behalten den Humor und die Übersicht, und von Katalog zu Katalog macht die Team-Dynamik mehr Spaß, vermißt man nach dem Rush der letzten Korrektur-Tage fast die Stimmen von Ruth und Maja und Melanie am Telefon. Der Imageteil ist neben der Pflicht, einen gut aussehenden Auktionspart in Rekordzeit zu stemmen, die Kür für mich. Sich dreimal im Jahr einen roten Faden auszudenken, der Kaupp neu präsentiert und sich wie ein roter Faden durch den gesamten Katalog zieht, der eine eigene Handschrift trägt und den Einlieferern und Kunden einfach Lust auf genau dieses eine Auktionshaus macht, damn… das ists eben. Und ich denke, es funktioniert. Seit dem Umzug im Frühjahr 2004 greift die ambitionierte Arbeit des Teams in Sulzburg, die intensive PR-Arbeit on Kaupp, der reine Sympathiefaktor von Karl-Heinz Kaupp und Crew und eben vielleicht auch ein ganz kleines bißchen unsere dazu passende, für ein Auktionshaus ungewohnt warme und nahe Stimme im Katalog, gut zusammen – Einlieferungen und Umsätze steigen und damit auch die Chancen, Kaupp zu einem der wichtigsten jungen Auktionshäuser in Deutschland zu machen. Eines der besten sind sie jetzt schon.

16. Februar 2005 01:02 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

ROT

00:11 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

Le fabuleux destin d’Amélie Poulain

Es ist schon seltsam, daß ich den Film nun zum vierten Mal gesehen habe, zweimal im Kino direkt hintereinander weg, einmal auf DVD, jetzt als HDD-Aufzeichnung der Fernsehausstrahlung, die vor einiger Zeit im NDR lief. Obwohl der Verstand dir sagt, daß dieser Fim mit monströsem Aufwand eine Art lebensfremder zuckriger Kitsch zelebriert wird, eine heile Welt, ein Audrey-Hepburn-Märchen, kann man nicht umhin sich in diesen FIlm zu verlieben. Die Details, die kleinen Abschweifungen, der reine nackte Chame, der Film ist einfach wie frischverliebtsein. Das ist keine kleine Leistung, so emotional zu sein und es ist das Ergebnis von hunderten kleinster Bausteine und Skurrilitäten, die so nahtlos miteinander verwoben sind, daß sie eine Art lichtes Gegenstück zu Robert Altmanns düster-carvereskem Short Cuts bilden. Jeder mag Amélie und fast instinktiv möchte man so einen beliebten Film nicht mögen… aber damn, er hat es verdient, geliebt zu werden.

15. Februar 2005 23:59 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

SEALIFE


Obwohl mit 11,50 Euro nicht wirklich zu preiswert und obwohl die ökologisch sicher sinnvolle Beschränkung auf relativ kleine und relativ heimische Meerestiere die Erfahrung etwas arg einengt, ist das in Oberhausener Centro laufende Sealife eine Reise wert. Die bis ins Detail liebevolle Inszenierung, phantastisches Beckendesign, dramatisches Licht und Glasbauten, die an sich ohne Fische schon Spaß machen… das alles ergibt zusammen einen Event, der eigentlich zu schnell vorbei ist. Kindergerecht einerseits, andererseits als moderner Ausstellungs-Apparat aufgezogen, mit Greenpeace-gerechter Grund-Botschaft ist das Ganze runderherum professionell aufgezogen. Der Aquazoo in Düsseldorf sollte allerdings Kontrastprogramm sein, zum einen weil er so herrlich bräsig im Vergleich daherkommt, zum anderen weil die Bandbreite deutlich größer und insofern informativer ist.

(weiterlesen…)

20:31 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

The SHAPE OF THINGS TO COME: MARIA SCHNEIDER GEWINNT GRAMMY

Jazz composer Maria Schneider took home a Grammy on Sunday for her album “Concert in the Garden,” without selling a single copy in a record store. Schneider, 44, financed her Grammy-winning album through a Internet-based music delivery service called ArtistShare that opens the financing of production to dedicated fans. [...] “This record cost $87,000 to make. I already made my money back,” she said. “I’m not splitting the profits with the distributor, the record store and the record company. It’s working so well for me”
Mehr…

Niemand, aber niemand braucht mehr Plattenfirmen. Die C60-Revolution findet online ihre wahre Form. Mixtapes, Demos, komplette Produktionen… brauchen keinen Mittelsmann mehr. Oder zumindest nur noch Entrepreneurs, die wirklich mit Herzblut und Engagement und Glaubhaftigkeit dabeisind. Das ist nicht mehr Underground, das ist nicht mehr eine digitale Revolution, sondern mit Maria Schneiders Grammy anerkannte und preistragende Alltagskultur. Bowie braucht keine Plattenfirma, ebensowenig wie eine Garagenband aus Minnesota oder München oder Indien. Länder spielen keine Rolle mehr, Vertriebswege spielen keine Rolle mehr… das einzige was zählt ist der Online-Hype. Die Industrie wird einen Festungskrieg dagegen führen, hat ihn aber weitestgehend schon verloren. Peinliche Werbung (wann kommt Papi wieder), peinliche Ideen (Billig-CD ohne Cover), peinliche Produkte. Die glaubhaftere Bewegung ist derzeit (noch) die Music-Szene im Internet… bleibt abzuwarten, ob die Industrie es schafft (und nicht nur die Musikindustrie, sondern auch Film und andere große Oligpolstrukturen), das System mit HIlfe des Gesetzgebersund anderer Methoden zu kontrollieren oder ob sich das Web als so unsteuerbar und unberechenbar erweist, wie es das bisher fast immer getan hat.

Jesus, ich werde die CDs vermissen. Kein Cover-Artwork mehr. Kein Suchen in Stapeln mehr. Ich liebe MP3, aber man wird schon fast so nostalgisch für die CD wie einst fürs Vinyl.

14. Februar 2005 09:55 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

FENSTER

01:33 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN

Jesus, was ist dieser Film mit Vorschußlorbeeren überschüttet worden. Marc Forsters Film über Peter-Pan-Schöpfer James Barrie mit Kate Winslett und Johnny Depp in den Hauptrollen reiht sich nahtlos in den seltsamen Reigen ein von Filmen, die biographische oder fiktional-biographische Stücke haben. Hollywood sucht anscheinend Helden, Menschen mit Format, mit Werten, mit kreativer Schöpfungskraft, mit Visionen. Ob unbewußte Reaktion auf die eigene oft unkreative Arbeit der letzten Jahre, auf den gegenwärtigen Präsidenten, dessen Visionen mitunter eher an Orwell erinnern oder ob es einfach nur ein Me-too-Trend ist, wer weiß? Hier ist noch eine Bio auf Celluloid und sie ist schlecht. Schlecht, schlecht, schlecht. Gut genug für eine DVD und einen erregneten antriebarmen Sonntag, zu schlecht fürs Kino. Schlecht. Sentimental, kitschig, vorhersehbar. Schlecht gefilmt, schlecht gespielt, schlecht gedacht. Hatte ich das Wort schlecht im Zusammenhang mit diesem Film bereits erwähnt? Altkluge Kinder, verschnarchte Plotentwicklungen, Cookie Cutter Charaktere, und ein Johnny Depp, der nahezu im Halbschlaf durch diesen Film wankt und dabei fast seinen ganz eigenen Tiefpunkt aus Piraten der Karibik toppt, weil er hier obendrein auch noch völlig frei von jeder Ironie ans Werk geht. Die Botschaft: Nur wer ein Kind bleibt, ist in einer rigiden Gesellschaft wirklich frei, die Phantasie verleiht Flügel. Nicht Red Bull. Strenge Menschen sind blöde, weinen aber auchvor Rührung, wenn Sie wieder lernen mit den Augen von Kindern zu sehen. Kreative Genies sind kindisch und dafür muß man ihnen verzeihen und sie trotzdem ganz doll lieb haben. Wichtige Plot-Themen, wie Kindersex, Ehebruch usw werden en passant im Nebensatz abgehandelt, alles versinkt in Liebenswürdigkeiten, selbst die bösen Menschen sind hinterher doch iiiirgendwie ganz okay. Selbst Sterben ist am Ende iiiiiiiirgendwie ganz okay. Alles ist nett, schau, wie pastellig wir die Farben art directed haben. Iiiiirgendwie doch ganz okay, oder?Abgesehen von ein zwei Szenen, die gezielt auf einen ‹Club-der-toten-Dichter›-Moment getrimmt sind und in Pathos fast ertrinken, aber dennoch passabel funktionieren (wie die Kinder im Theater oder die Aufführung bei der armen kranken Kate… Tränendrüse olé), schleppt sich der Film lieblos und müde dahin und man fängt halt an, die Ehefrau im Kino mit Popcorn zu berieseln (‹Schau, es schneit›), weil das ja auch soooo dolle kreativ ist und so kindisch-schön wie eben Johnny Depp als Indianer-Piratenkapitän,nur, daß man dabei weniger Kajalstift um die Augen hat. Rührselig und schmalzig versucht sich der Film an Shakespeare in Love und anderen Zeitkolorit-Vorlagen, das alte Klischee bedienend, daß die viktorianisch geprägte Jahrhundertwende-Gesellschaft in den U.K. rigide und öde war, um uns vor dieser Folie dann den modernen (d.h. der heutigen liberalen Denke näherstehende, insofern für uns eher als Identifikationscharakter geeigneten) Menschen als ‹freien› Geist anzudienen, (und wie schön, daß man dabei permanent Depps Ohrring-Löcher sieht, Barrie ist seiner Zeit also um glatte 70 Jahre voraus, alle Achtung). Das hat Alan Moore in From Hell (dem Comic, bitte, nicht dem entsetzlich schlechten Film) aber bereits besser exemplifiziert, indem er ausgerechnet Jack the Ripper als wahren Freigeist inmitten der viktorianischen stiff upper lip-Gesellschaft präsentiert, als Geist des 20. Jahrhunderts, als metaphorischen Blutsturm eines neuen Zeitalters. So weit muß man nicht gehen, Schillers Don Carlos reicht ja schon. So, wie es aber hier ist, schläfert die Haus-am-Eaton-Place-Atmosphäre, die zuchtmeisterlich und steril wirken soll, eher ein und Depps Charakter ist nicht frei, sondern einfach nur langweilig. So aufgesetzt wie die schlechte deutsche Übersetzung des Originaltitels Finding Neverland.

Schade um einen Stoff, der einen besseren Film sicher hätte tragen können. Beeindruckend bleibt so allein der Hund, der Schauspieler im Hundekostüm, das Theatermeer und der bärtige, mieslaunige Dustin Hoffmann, der altersweise und lässig seinen Part gibt und toll aussieht, was ja schon genügen mag – außerdem mag man vermuten, daß es ein Insidergag ist, daß ausgerechnet Captain Hook hier eine Gastrolle bekommen hat. Entsetzlich bleiben die vier Kinder, jedes einzelne eine Zumutung.

Man darf gar nicht darüber nachdenken, wie dieser Film ausgesehen haben könnte, wenn er von Tim Burton gekommen wäre. Das wahre Verbrechen von Wenn Träume fliegen lernen ist, daß hier ein Film die Phantasie feiert, der an sich und in sich phantasielos ist und niemals vorgefertigte Filmklischees verläßt.

01:24 Uhr. Kategorie Film. Eine Antwort.

TODESVARIATIONEN II


Photo: Wolfgang Silveri

Es ist selten, daß Theater mich berührt. Was eigentlich verwundert, schließlich ist die Aura authentisch für ein Publikum gespielter Gefühle live auf der Bühne viel größer als im Film, wo die Darsteller schließlich für die Kamera und den Schneideraum, also abstrakter, unehrlicher agieren. Es liegt vielleicht daran, daß Filme unsere Emotionen mit Musik, Schnitt und anderen Effekten intensiver führen können, leichter manipulieren und insofern auch abstumpfen. Theater dagegen wirkt oft hölzern und zu brav, allein schon, weil die Darsteller oft nicht für sich, nicht intim spielen, sondern in der Akustik der Häuser oratorisch arbeiten müssen, mit einer Überemphase, die bei den meisten feineren Zwischentönen einfach destruktiv sein kann. Die wenigsten Darsteller können im Theater ‹underacten›, schon, weil es technisch schwierig ist, schon weil auch in der Entfernung zum Publik um Mimik und dezente Gestik anders funktionieren müssen, da reißt man schnell die Latte zur nonverbalen Parodie.

Jon Fosses Todesvariationen nun ist ein Stück, bei dem man sich sorgt, daß eben solche Theaterprobleme es fast uninszenierbar machen, daß die Intimität und der Kammerton, den er trifft, das fast Erstickte, gar nicht realisierbar ist, daß man als Regisseur an diesem Stück scheitern muß, zwangsläufig. Zumal Fosse endlos Raum läßt in seinem Stück und doch atmosphärisch, nahezu klaustrophobisch arbeitet, ergo wiederum also eigentlich keinen (Frei)Raum für Interpretationen bietet. Fosse ist der Wagner der Pausen, der hier zeitlose und vertraute Themen, die man bereits größer, epischer, lauter abgehandelt kennt, auf kleinsten Raum kondensiert, auf die Andeutung, den Hauch, die Assoziation. Will man ihm gerecht werden, muß man das Sombre, das Minimalistische, das Karge akzeptieren, darf nichts liefern, was die fast unahnbaren, nie ganz als real/eingebildet verortbaren Andeutungen (un)greifbarer machen könnte.

Matthias Hartmanns Inszenierung am Bochumer Schauspielhaus läßt sich minimalistischer kaum denken. Die Bühne ein weißer Kasten, mit nur einem Schemel als Requisit, die Kostüme von Grit Groß nahezu monochrom und zeitlos, mit einem wunderbar passenden Hauch vom Abgewetztem, vom Getragenen, keine Musik, und nur ein einziger Lichtgag am Schluß, der wirklich Hartmanns Handschrift als begnadeten Effektmechaniker trägt. Ansonsten nur ein Schweinwerfer, der sich langsam und grell von links nach rechts schleppt, der wie ein müder Autor langsam Worte in eine Schreibmaschine tippt, langsam, langsam, um dann schnell eine neue Zeile zu bringen, zurück nach links zu huschen, während im Zeilenumbruch das Stück gefriert und erst weitergeht, wenn der fiktive Autor wieder schreiben kann. Weniger kann man auf einer Bühne kaum machen, das ist die Sorte Bühnenbild, die durch Minimalismus hindurch geht und auf der anderen Seite wieder heraus kommt. Eine in der Reduktion fast bombastische visuelle Stille.

Das fordert natürlich um so mehr die Darsteller, die keine Farbe rettet, kein hektisches Bühnengewusel, kein Effekt, kein Türauftürzu, kein Sound. Die Rollen sind nackter kaum denkbar, der Text ist so reduziert, so trügerisch simpel, daß er wahrscheinlich um so schwerer präzise erlernbar und reproduzierbar ist. Figuren, die so opak sind, daß es schwer sein muß, sie so plan und blank zu spielen, so undurchschaubar, der Verlockung zu widerstehen, ihnen eine Note zu geben. Zum größten Teil wird de Besetzung, die Hartmanns immenses Talent, hochkarätige Darsteller richtig zu «casten» unterstreicht, dem gerecht. Heyn, Seifert und Haupt überspielen gelegentlich, bringen zu viel Gefühl ein, werden laut, lenken ab… und gerade am Ende hätte man sich von Cathérine Seifert etwas weniger Emotion gewünscht, etwas mehr Stumpfheit, etwas weniger Theater… obwohl sie insgesamt eine beachtenswerte Leistung hinlegt, die Wandlung vom Teenager zur Frau ist glaubhaft. Johannes Zirner als der geheimnisvolle verlockende Freund ist großartig und Hans-Michael Rehberg und Barbara Nüsse sind outstanding, abgeklärter, teilweise so hart an der Kälte, daß man fröstelt. Beide haben – vielleicht Premierenfieber– Momente, in denen Sie es übertreiben, in denen sie spürbar «spielen», aber für den größten Teil des Stückes gelingt eine Non-Performance, ein pures Sein, das berührt. Gerade Rehberg ist hier streckenweise unirdisch gut.

Der Autor Axel von Ernst, der an diesem Abend gerade eine 48-stündige Marathonanwesenheit im Schauspielhaus für das Abschlußbuch der Hartmann-Ära hinter sich hatte, erzählte mir nach dem Stück von Proben, bei denen Hartman die Schauspieler positioniert und dabei mit den Händen gestikuliert wie ein Marionettenspieler. So perfekt, so choreographiert, so inszeniert kommt einem das Stück in jeder Geste, in jeder Konstellation der Figuren tatsächlich oft vor. Als Nicht-Eingeweihter sieht man die Fehler nicht und verfällt dem Glauben einer makellosen, fast automatisch laufenden Aneinanderreihung von Figuren und Bildern, von Schatten, Perspektiven und minutiösen Sequenzen, makellos wie ein Ballett. So wie Fosse die Sprache der Figuren in seiner üblichen Art entzeitlicht, fraktioniert (und eben so zu fast universellen Samples alltägloicher Sprachlosigkeit in Beziehungen wandelt), haben Hartmann und Oberende ihre Akteure zu körpersprachlichen Wracks gemacht, insbesondere Rehberg/Nüsse brillieren aufs Schlechteste in der Wiedergabe verstümmelter Menschen, die das Leben durchgekaut hat. Lasziv einzig der Tod, der wie ein Skorpion über die Bühne schleicht und eben wie ein Skorpion bei aller Liebe nicht an sich selbst vorbeikommen kann.

Das Stück selbst ist in aller Simplizität, bei aller einfachen Sprache ein großer Wurf, in der Leere der Texte bleibt – wie bei Beckett – Raum für die eigene Projektion von Ideen. Im Schattenspiel an der Höhlenwand sehe ich in der Todessehnsucht der Tochter, im Anthropomorphismus des Todes, in dem Wunsch nach Alleinsein, nach Ruhe, nach »Schlaf» natürlich Shakespeare und Chandler, aber da ist auch die Idee eines Everything-is-Now, eines Zusammenfalls von Zeit, einer Nichtexistenz der Entropie von Erinnerung. Alles passiert im Hier und jetzt, Gegenwart und Vergangenheit fließen als Kontinuum ineinander, bedingen einander zwangsweise. Ursache und Wirkung sind aufgehoben. Zugleich schließt das Stück thematisch an Winter an, finden wir in der Figur von Heyn/Rehberg ein Mosaik des Mannes, der in Winter seine Frau verläßt, weil er sich neu verliebt… in Todesvariationen sieht man, möchte man meinen, die Konsequenzen dieser Entscheidung, die Sache weitergedacht. Den Preis, schließlich, den er zahlt. Am Ende scheitern hier alle Beziehungen, sind immer schon vergiftet, von Anfang an, verkrüppelt durch die emotionale Hemmung der Charaktere, durch das Ungesagte, im Kern sind sie autodestruktiv. Selbst die eine Beziehung, der man wünscht, sie möge halten (Die Tochter und der Tod/Freund) wird am Ende bereut.

Wie gesagt, es ist selten, daß Theater mich berührt. Vielleicht ist es generell selten, daß Theater noch emotional ist, daß man zwar lacht im Theater aber nur noch selten Wut oder Trauer fühlen kann, obwohl solche Emotionen ja grundsätzlich ab und an (vielleicht auch zu selten) in den Stücken immanent sind. Dies ist eine der seltenen Ausnahmen, wo man nach dem Stück noch unfähig ist, zu sprechen, weil es einen tatsächlich mitgenommen hat und dir das Ganze die Kehle zugedrückt hat. Solche emotionale Wirkung ist dem bürgerlichen, immer etwas reflektiv-intellektuellen deutschen Theater, in dem alles besprochen sein muß, abhanden gekommen. Um so schöner die Ausnahmen.

PS:
Die Kritik in der WAZ.

Die Kritik in der Zeit.
Die Kritik im DLR.
Die Kritik in der TAZ.

13. Februar 2005 14:32 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

MÄDCHEN

08:29 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

LISTEN

12. Februar 2005 18:23 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

TYPO 2005

CHANGE. Wie immer hat der Fontshop Gespür für Themen. Wandel wird gebraucht, und da wir in einer Welt immer schnellerer und eskalierender Wandel leben, war es nur eien Frage der Zeit, bis sich eine Konferenz anschaut, wie Design (immerhin auch ein Change-Management-Tool) und Typographie sich mit dem Wandel der Zeiten stellen. Auf den ersten Blick ist Typographie eine fast statische Kunst. Wir arbeiten immer noch mit Schriften aus der Renaissance-Periode, wenn wir ‹gute› Bücher setzen wollen, wir halten uns immer noch an die Regeln, die Jan Tschichold schon in den ersten Druckwerken nachwies. Nichts hat sich geändert, man braucht nur in die FAZ zu sehen.

Andererseits hat sich seit 1920 mit zunehmender Geschwindigkeit ein technologischer und ästhetischer Schnellzug in Bewegung gesetzt, der vom Art Nouveau über die Dadisten, Futurologen, Bauhaus, Faschismus, Nachkriegzeit, Nostalgie, Schweiz, 70s-Pomp, Punk, Frankie, Techno, Grunge bis hin zum postdigital unentschiedenen, fraktal flirrigen und etwas verloren wirkenden Anything Goes der Gegenwart vom permanenten Wechsel gelebt hat. Durch die Dekaden läßt sich nachweisen, wie Schriftentwicklung und angewandte Typographie die Zeit reflektieren, wie popkulturelle Emergenzen und Strömungen sich tief in die Arbeit der Schriftenmacher hineingegraben haben, daß Wechsel und Wandlung in der Schrift ebenso daheim ist wie in der Mode, der Architektur, der Musik, in Film und Literatur. Nur inzwischen digital entfesselt, hypercharged, und inzwischen – auch das ein Zeitzeichen – irrlichternd zwischen historischem Rückgriff und der Suche nach dem nächsten großen Ding. Das es vielleicht nicht gibt, weil die Zeit der Manifeste und der großen Würfe nicht nur in der Politik, sondern auch im Design vorbei ist, spätestens post-Carson sind wir alle anscheinend der großen Idee mißtrauisch gegenüber geworden, so daß auch hier Improvisation und gekonntes Durchwurschteln, Stilmix und Thinking on your feet dominieren… und ein Stilgewusel, das schon vermuten läßt, daß alle auf den nächsten großen Wechsel warten. Dabei ist Schrift längst eine technologische Spielwiese geworden, wie von Letterror und FUSE lang lang vorgemacht/vorgedacht und inzwischen in die Balance des Brauchbaren gezaubert. Die gedruckte Schrift löst sich aus dem Lesekontext, wird (wieder) Spielzeug, mehr denn je befreit aus der Zwangsjacke der Lesbarkeit, ebenso aber auch aus dem heute vielleicht aufgesetzt wirkenden Sturm & Drang-Neodadaismus von Typography Now, von frühen Emigre, von Carsons Vorläufern und Epigonen. Und wie im Theater, wie im Film, wie in der elektronischen Musik steht die Meute am Zaun und weiß, daß wir die Technik im Griff haben, beherrschen, daß das Problem nicht mehr ist, eine gute Typographie digital zu simulieren, denn das geht besser als jemals zuvor, perfekt wie die CGIs im Film, wie die Effektmaschinerie der Bühnen, wie die digitale Simulation natürlicher Elemente oder die Erzeugung nie gehörter synthetischer Sounds… aber die Meute, und das sind wir alle, will wissen, was wir nun mit diesen Möglichkeiten ANFANGEN werden. Was wir damit eigentlich sagen wollen. Wie wir diese Technik-Blase füllen.Vielleicht gibt es in Berlin am 19–21. Mai Antworten auf solche blöden Fragen, vielleicht auch mal gar nicht. Die Typo 2005 ist trotzdem sicher eine Reise wert, Sprecher wie Neville Brody und Chip Kidd sind allein die Reise wert, neben den üblichen Fontshop-Verdächtigen (Majoor, Pool, Erler, Unger) und überraschend zahlreichen internationalen Vortragenden. Ich selbst hätte mir vielleicht ein paar mehr Redner aus designfremden Bereich gewünscht, Genetiker, Futurologen, Soziologen, Leute, die eben wissen, was Change ausmacht: Poynor, Mau (mit Massive Change ja eigentlich the man für das Thema), Sterling, Rushkoff, Gibson, die Liga… aber andererseits heißt die Veranstaltung ja nicht umsonst Typo :^). Spannend wird es so oder so. Man sieht sich.

Info und Tickets hier

18:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

SAVILLE






Mehr… und hier (auch mit Fonts) und hier und hier und natürlich hier. Das Buch dazu hier.

14:33 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

PASSION FOR PROCESS

“OVER + OVER: PASSION FOR PROCESS,�? on view Jan. 29 through April 3, includes works by 13 artists from throughout the United States who share a compulsion for the time- and labor-intensive, craft-inspired processes required to re-envision mundane, everyday items as remarkably inventive and often provocative objects of art. [...] “These are artists who are all part of the digital age – who are of that generation,�? Harleman said. “What they’ve chosen to do in the midst of this hypertech era is to do time-consuming activities, in terms of their artmaking. Their work is almost dialectic.�? Harleman noted that artists aligned with the Arts and Crafts movement of the late 19th century responded similarly to the rapid rise of industrialization by producing well-crafted, handmade decorative and functional objects from natural materials. However, she said, the artists exhibiting in the Krannert show are perhaps more closely connected to practitioners of “Process Art,�? an approach emphasizing organic, tactile materials and themes, which emerged in the 1960s as a response to Minimalism’s austere, mass-produced aesthetic. The curators of “OVER + OVER�? refer to this new creative approach as HyperProcess Art.

Mehr…

via http://blog.wired.com/sterling/

11. Februar 2005 18:53 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

BIG BROTHER

Rund 26 000 Menschen wollen sich für immer im neuen Quartier der RTL-II-Reihe «Big Brother» einnisten. So groß ist die Zahl der Bewerber, die sich für die neue Staffel der Realityreihe beworben haben, teilte der Münchner Privatsender mit. Doch lediglich elf von ihnen werden zu Beginn am 1. März bei «Big Brother – das Dorf» einziehen.
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Leider nur elf, wie ich finde. Ansonsten könnte man einfach ein kleines BB-Dorf machen. Mit vielen installierten Kameras. Und schönen gruppendynamischen Spielen. Oder ganz nackt, ohne alles. Einfach leben lassen und durchfilmen. Back to the basics, back to Die Arbeitslosen von Marienthal. Fernsehen fühlt sich jeden Tag mehr und mehr an, als würde es aus den Köpfen von Psychologen der 50er und 60er Jahre entspringen. Zimbardo hätte seine reine Freude an Die Alm, Die Burg und all den namenlosen anderen Ghetto-Shows, die zwischen dem schönen deutschen unübersetzbaren Gefühl der Schadenfreude und einer kruden Mischung aus Pranger, KZ-Stimmung und Pfadfinderstreichen irrlichtern. Es ist viel drüber geschrieben, eigentlich alles gesagt worden, aber während ich etwa die Alm noch irgendwie morbide faszinierend und durchaus fesselnd fand – dito die ersten beiden Staffeln Big Brother -, so kann ich dem inszenierten Authentischen à la Die Burg so gar nichts mehr abgewinnen, es langweilt. Ist das Abstumpfung? Oder Rückbesinnung? Keine Ahnung. Ist ja auch eigentlich egal. Tatsächlich wäre aber eine ganze Stadt voll BB-Kandidaten die einzig logische sozialdarwinistische Konsequenz nach den diversen Dschungelcamps der letzten Monate. Und sicherlich machbar.. und mit The Truman Show ja eigentlich auch im Ansatz bereits gedacht; und was theoretisch gedacht ist, wird irgendwann zwangsläufig auch reale Emergenz. Da könnten dann in der Containerstadt die Kinder geboren werden für die nächste Staffel, Minikosmos, Kinder, die nur noch Big Brother kennen, so wie Jugendliche eine Zeitlang nur Helmut Kohl als fast dynastischen Kanzler kannten und wahrscheinlich zutiefst schockiert waren, als das 1998 plötzlich vorbeiwar, die Konditionierung platzte. Big Brother als Lebensparadigma. Da wird der Name der Show dann endlich Wahrhaftigkeit. Und… zu irgend etwas MUSS Hartz IV doch gut sein dürfen.

01:34 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

READING

Just finished: Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und Adolf Loos’ Ornament und Verbrechen. Während Benjamin vor allem im Haupttext des Suhrkamp-Büchleins so scharf und brillant ist, wie ich ihn aus Studienzeiten in Erinnerung habe, neben Cracauer eine lebende Erinnerung, wieviel brennender Essays in den 20ern oft waren, wieviel lebendiger technische Entwicklung als Ausdruck und Ergebnis sozialer Aktion verstanden wurde; ist Loos eher eine Enttäuschung. Ungeachtet des legendären Satzes, daß ein Architekt ein Maurer sei, der Lateinisch gelernt habe, wirkt das Buch wie eine Frühform von Blogging… etwas sinnfrei, kleinteilig, zergliedert, oft an Themen interessiert, die so zeitnah und lokal sind, daß man sie durch den Zeitkorridor nicht mehr wirklich spannend finden mag, wiewohl seine grundlegende Aussage wenig an Kraft verloren hat. Benjamin wirkt visionärer, druckvoller, weniger verbiestert… und seine Analyse des Verlustes bzw. der Wandlung der Aura durch technischen Fortschritt bleibt zeitlos und akut zugleich.

Apropos akut. gerade auf dem Nachttisch: Philipp K. Dicks A Scanner Darkly, das (wenn ich mich nicht irre) vorletzte Buch, dann habe ich Dicks Gesamtwerk durch. Eine Reise, die ich nur empfehlen kann, weil kaum ein Autor sich so sprunghaft und halluzinatorisch weiterentwickelt hat wie Dick, der von seinen schon visionären, aber noch recht der normalen SF verhaftetet Kurzgeschichten mitreißt, am Ende seiner Karriere aber das Genre der spekulativen Literatur verläßt wie kein anderer Autor vor ihm (danach aber durchaus einige, John Brunner und Roger Zelazny, auch einiges von Harlan Ellison käme in Frage, aber selbst die wirken mild und berechenbar gegen Dicks Papier gewordene Psychosen) und so nah an William Burroughs herankommt, wie es nur eben gerade menschenmöglich ist.

01:12 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.

TODESVARIATIONEN

Frisch Anfang dieser Woche fertig geworden ist das 272 Seiten starke Materialbuch zu Jon Fosses Deutschlandpremiere Todesvariationen am Freitag im Schauspielhaus Bochum. Als erweiterte und re-mixte Version von dem ursprünglichen und inzwischen vergriffenem Buch zu Winter von 2002 hat der Herausgeber, Chefdramaturg Thomas Oberender, bestehende Texte überarbeitet, ergänzt, ersetzt und das Buch um komplett neue Stückphotos von Wolfgang Silveri bereichert. Wir haben das Buch wie Kalt und Klar /1 in einer Tschichold-schen klassischen Typo gesetzt, beim Cover aber etwas schlichter, karger und moderner gearbeitet, entsprechend der Evolution in Fosses Text von Winter zu Todesvariationen, der noch karger, noch fragiler, noch sparsamer geworden, so reduziert, daß man es sich kaum noch als Inszenierung vorstellen mag, weil jeder Atemzug, jedes Bühnendetail, jede Geste, eben jede Hinzufügung, die Wucht dieser unglaublich reduzierten Meißelarbeit zerstören könnte. Die Versuchung muß für Regie und Darsteller groß sein, dieses scheinbar so simple, dumpfe Vakuum mit irgend etwas zu füllen, irgendwie zu formen, eigene Handschrift aufzuprägen. Ich bin gespannt, wie die Premiere am 12. 02. sein wird und denke, daß Hartmann und Oberender die Stille ähnlich poignant in Szene setzen können wie schon zumindest in den ersten drei Szenen von Winter.

Ein sparsames, inszeniertes Cover, das die im Buch auftauchenden Skulpturen von Duane Hanson vorwegnimmt, die gefrorene Pose, die Wiederholung. Bemerkenswert an Silveris Bild bleibt für mich weniger die vielleicht allzu inszenierte Verzweiflung, die leicht einem REM-Video entsprungen sein könnte, als vielmehr die nebensächliche Gestik der Hand von Darsteller Hans-Michael Rehberg, die in ihrer entspannten Gedankenlosigkeit das wahre Zentrum des Bildes für mich ist. Als Designer unterstreichst du diese Einfachheit nur noch. Das Cover ist schwarz-weiß gehalten, grobkörnig, fast billig, daß man eine zweite Farbe verwendet hat ist gerade minimal im Namen des Autors angedeutet, mehr Potential als Realisierung, Geld, das fast unsichtbar ausgegeben wurde. Bleibt zu hoffen, daß der im Kultursegment leider allgegenwärtige Sparkurs nicht auf die Druckqualität des Buches schlägt. das die von Thomas Oberender gewohnte Methode, sich dem Autor auf Umwegen zu nähern, bietet, wobei die Umwege in mancher Hinsicht oft spannender sind, als das Ziel selbst. Ich denke, auch der zweite Band dürfte in ein zwei Jahren vergriffen sein ;-D…

Der größte Spaß an dem Buch war natürlich, mal wieder mit Bochum und eben mit Thomas zusammenarbeiten zu können, nicht nur mitten im Sturm seiner potentiellen und insofern hochspannenden Intendanten-Kür fürs Deutsche Theater (für mich insofern spannend, als das ich Thomas wirklich seit ewig und drei Tagen in den Ohren lag, daß ich ihn unbedingt mal als Intendant erleben wollte… und immer noch will…), sondern vor allem auch, weil er als Partner in der Zusammenarbeit ein Traum ist. Und weil man ein paar Leute kuuurz wiedergesehen hat, die zwei Jahre lang fast täglich mal wichtig für mich waren, wie Anastasija, Viola, Axel und Willy… und weil man mit Petra und Janet wieder zwei neue Leute kennengelernt hat, die einen erinnern, daß man dem Theater einfach hemmungslos verfallen muß…

Wir sind ja in der glücklichen Lage, als kleines Büro sehr intensiv und persönlich mit Kunden zusammenzuarbeiten. Das bringt zusammen. Man ärgert sich übereinander, ist engagiert, freut sich, feiert zusammen und flucht zusammen und wir haben das Glück, das nahezu jeder, mit dem wir zusammenarbeiten auf seine Art etwas Besonderes ist… im Grunde ist jeder Job etwas wie eine Liebesbeziehung, mal einfacher, mal komplizierter, aber immer eine Herzensangelegenheit. Verliert man eine solche Beziehung, ist es dann aber meist auch schlimmer, weil man nicht nur einen Etat› verliert, sondern sehr viel mehr. Man heult wirklich jedem Klienten hinterher, mit dem man nicht mehr zusammenarbeitet, weil sie sich inspirieren, weiterbringen, weil du verliebt warst und weil es aus irgendwelchen Gründen plötzlich vorbei ist.

Umso genialer, wenn man dann, und sei es auch nur für einen Moment (und durch eine Kette von Synchronizitäten, die dem alten Jung gefallen hätten), die Chance hat, mit einer alten Liebe wieder auszugehen und feststellt, daß die seitdem vergangenen zwei Jahre scheinbar nicht existieren und man nahtlos da weitermachen kann, wo man aufgehört hat. Ich will kalt und klar sein /2 war eindeutig zuviel Arbeit für zuwenig Geld und ich hab jede Sekunde davon geliebt.

Jon Fosse: Todesvariationen, ab 12.2.05 im Schauspielhaus Bochum

00:52 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.

THE ROYAL

Und noch ein Online-Mag. Inflation, ich weiß. Aber immer wieder einen KLICK wert.

00:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

THE MANY FACES OF CHE

Revolution and Commerce – Ausstellung 29. Januar bis 28. Mai.

Che ist Branding. Iconography in so reiner Form, daß man an die katholische Kirche erinnert wird, an einen postmodernen, ballaststoffärmeren Jesus, in einer Hipness kontextfrei gefiltert, von der die Kirche heute nur noch, nach über 2000 Jahren Kunsthistorie, nur noch träumen kann. Guevara, das kopierte Gesicht, der Sohn Gottes re-imagined als Revolutionär. In Kordas Photo aus den sechzigern, das die Grundlage der endlosen Che-Ikonen ist, wird das Kreuz zum Pentagram, der Rosenkranz zur Baskenmütze, die Kreuzigung dementsprechend später ein Schuß in einem dreckigen Schulhaus irgendwann in 1967, die Leiche unbekannt beerdigt, ein moderner Mythos wie JFK und die Monroe, Elvis und Son of Sam. Eine Ikone für unsere Zeit, in der Streetstyle und Camouflage-Outfit nahtlos verschmelzen, Hipness und Krieg eine ganz neue Ehe eingehen, nicht zuletzt dank der beneidenswert gut funktionierenden PR-Maschine der US-Army. Branding ist das Gesicht eines Marxisten destilliert zu einem Stil, der Turnschuhe verkaufen kann. Schockgefrosteteter Moment der Revolution, in Bernstein gegossen und somt konsumierbar, Charisma ohne Konsequenz, Märtyrer ohne Message… ein Gegenentwurf, den man nur zitieren muß, nicht leben. Passend zum HipHop, in dem Streetcredibility auch noch funktionierne muß, wenn man längst in einer Villa wohnt und für jeden Tag ein anderes Auto hat, blingbling. Passend zum Rock, der Revolution predigt im Namen des Plattenkonsums.
In einer Zeit des leider inzwischen fast ironiefrei, fast unzynisch betriebenen Selbstzitats, in dem inzwischen fast zwei Dekaden nur noch mit dem zyklischen Recycling kultureller Restwerte beschäftigt sind, taugt Che zur modernen Ikone, zum Modestatement, zum Look. Passenderweise in den gleichen Rot-Schwarz-Weiß-Farben wie Coke. Vergessen wir Ballast wie die Tatsache, daß der Mann für eine politische Überzeugung ins Grab gegangen ist. Laßt uns RAF-T-Shirts machen, laßt uns Ghandi-Frühstücksteller und Lebensratgeber entwerfen. Milk your idols. Fill the emptyness, fill the emptyness.

10. Februar 2005 21:11 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

Ron Slattery






Photos von: Ron Slattery – P.O.Box 09139 Chicago Illinois 60609

20:53 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

IS YOUR CAT PRETTY ENOUGH?

The mayor of West Hollywood — a liberal, pet-embracing city adjacent to Los Angeles that two years ago brought America a ban on the declawing of cats — has proposed a new ordinance making “tail-docking” and “ear-cropping” illegal. The new law, which was scheduled for debate before the West Hollywood City Council on Monday, would also ban other nontherapeutic or cosmetic surgeries on animals.
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Schönheits-OPs für Tiere? Immer wenn Leute mich bei Kaffeegesprächen etwas mitleidig anschauen, wenn ich so richtig ‹futurologisch› loslege mit dem Schönheitswahn und dem Posthumanismus, dann brauche ich solche News. Es geht nicht mehr nur um die eigene Beautification, sondern auch die der lieben Tierchen. Krallenziehen ist ja sicher eine Sache (Tierquälerei,nebenbei gesagt)… aber die hier erwähnten Schönheits-OPs für Haustiere sind beileibe nicht so abstrus wie es auf Anhieb klingt, sondern eine recht wahrscheinliche Sache.
Ich bleibe dabei: Wenn es rein technisch möglich wird, sich genetisch Tierattribute zu verleihen, werden sich selbsternannte Avantgardisten drauf stürzen und fünf Jahre später ist es Mainstream, Katzenaugen, Schlangenzungen und Fell zu haben. Gleiches gilt für technologische Implantate, die Bodyenhancements bieten. Das ist, nebenbei, so was um die Ecke in der nahen Zukunft, daß die ersten Leute nicht mehr ganz so mitleidig gucken, wenn ich mit DEM Thema anfange…

9. Februar 2005 23:55 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

WE ARE INVISIBLE

Mein Ex-MaWi-Student Dom, inzwischen in San Francisco, trommelt in einer Band, die hörenswert ist und zwischen Throwing Muse und Hole vertrautes aber nicht sattgehörtes abliefert: We are Invisible

20:04 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

TYPOLEX

Man kann sich über den Sinn und vor allem den Unsinn der DIN-Klassifikationen von Schrift streiten, soviel man will, nie wurden sie so schön (wenn auch nicht wirklich tiefgreifend ;^))erklärt wie hier: Typolex
via typografie.info

20:00 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

WM OLÉ

Mit einer Imagekampagne zur Fußball-WM 2006 wollen Bundesregierung und BDI dem Standort Deutschland international Glanz verleihen. Doch die Werbeagenturen haben sich laut einem Zeitungsbericht in einen heillosen Kompetenzstreit verstrickt. Die ersten Sponsoren sind bereits verschreckt.

Grund für die Aufregung ist laut “FTD” ein Streit unter den drei mit der Kampagne beauftragten Werbeagenturen Scholz and Friends, Zum goldenen Hirschen und Lowe. Die Kreativen streiten dem bericht zufolge um Kompetenzen und Inhalte – ihre Ansätze seien so unterschiedlich, dass sie sich kaum unter einen Hut bringen lassen.

Scholz and Friends gewann den meisten Zuspruch mit der Kampagne “Land der Ideen”, die sich vor allem an Investoren im Ausland richtet. Auf Platz zwei kam die Agentur Zum goldenen Hirschen, die den “FC Deutschland 06″ ausruft und die Stimmung im Inland anheizen will. Scholz and Friends gewann den meisten Zuspruch mit der Kampagne “Land der Ideen”, die sich vor allem an Investoren im Ausland richtet. Auf Platz zwei kam die Agentur Zum goldenen Hirschen, die den “FC Deutschland 06″ ausruft und die Stimmung im Inland anheizen will.

Mehr…Von der 41-köpfigen Jury bis zum Parteienkompatiblen Agentur-Mix, riecht die WM-Kampagne bereits vor dem ersten Bild an einer Plakatwand nach einem Flop, nach Design by Comittee und der Intrigenstadl im Hintergrund dürfte spannender ausfallen als die Ideen, die wir zu sehen bekommen werden. Zum Goldenen Hirschen hat schon bei den Grünen bewiesen, daß Parteienwerbung nun wirklich nicht unbedingt gut sein muß und Scholz & Friends ist zwar eine grundsolide Agentur, aber die WM ist eben nicht Tchibo. Das da einige Millionen Steuergelder für Platitüden wie Land der Ideen Verbalattacken wie FC Deutschland 06 verbraten werden, ist schade, auch wenn man sich an maue Werbung im öffentlichen Bereich und im Sport insbesondere (FIFA) schon gewöhnt hat.
Warum man das Ganze nicht einfach gepflegt nach Amsterdam oder NY gibt und eine Nike-kompaptible Crew daran arbeiten läßt und auf Investoren und Parteien und Wahlen und Börsenkurse pfeift, sondern einfach nur eine verdammt gute Kampagne für eine Fußball-WM macht… die Frage darf man schon stellen, oder? Der Rest käme dann von ganz allein. So aber fängt das typisch deutsche Gekrampfe schon vor dem ersten Anstoß an… und das sagt vielleicht mehr über das wirkliche deutsche Ballgefühl aus, als allen Beteiligten lieb sein kann…

18:40 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

DOLLY-ZÜCHTER DARF MENSCHEN KLONEN


Professor Ian Wilmut and Kings College London scientists will clone early stage embryos to study motor neurone disease [...] Up until now, scientists have wanted to create cloned embryos to see if they can be grown into tissues to repair damaged body parts. But Professor Wilmut’s proposal is different as he does not plan to grow healthy replacement tissue. Instead he aims to deliberately clone embryos that have MND from patients who have the condition. Professor Wilmut, of the Roslin Institute in Edinburgh, says cells from the embryos can be used to study how the disease progresses in very close detail.
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Ich finde ja nach wie vor, es war ungemein clever, von allen denkbaren Wesen ausgerechnet ein Schaf zu züchten. Der erste (öffentliche) Klon war so kein Monsterwesen, kein moderner Prometheus, sondern einkleines Knuddeltierchen, das so liebenswert in die Kameras der Weltpresse blickte, daß man Klonen doch einfach irgendwie richtig finden mußte. Ein Kaninchen wäre kaum eine süßere Wahl gewesen.
Das mit dem Klonen ist eine prekäre Sache. Individuell und im Einzelfall ist es ausnahmslos richtig, wer will denn ‹Nein› sagen, wenn es um den Kampf gegen Krankheiten geht, um die Identifikation von Kriminellen oder auch nur gegen zuviel Chemie im Essen? In der Summe und in der alltäglichen Anwendung sieht die Sache ganz anders aus. Hier bricht ein neues Zeitalter an… und uns fehlt weitestgehend der moralische Kompass, um diese Reise erfolgreich antreten zu können.

8. Februar 2005 20:18 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

DORAEMON

Hier Kittykittykitty…

20:17 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

GOOGLE VIDEO

Die Google-Jungs machen das Beste aus dem Aktienkapital und bauen Google weiter zum Informations-Overkiller aus… jetzt lassen sich auch die Captions gerade gelaufener TV-Programme nach Suchbegriffen durchforsten. Spooooky. Hier.

Oh… PS

20:12 Uhr. Kategorie Online. Keine Antwort.

DER BLINDE MALER…

…The painter is Esref Armagan. And he is here in Boston to see if a peek inside his brain can explain how a man who has never seen can paint pictures that the sighted easily recognise – and even admire. He paints houses and mountains and lakes and faces and butterflies, but he’s never seen any of these things. He depicts colour, shadow and perspective, but it is not clear how he could have witnessed these things either. How does he do it?
Because if Armagan can represent images in the same way a sighted person can, it raises big questions not only about how our brains construct mental images, but also about the role those images play in seeing. Do we build up mental images using just our eyes or do other senses contribute too? How much can congenitally blind people really understand about space and the layout of objects within it? How much “seeing” does a blind person actually do?
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via Caterina.net

19:56 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.

AM ENDE DER DARWIN-GALAXIE

 …after some three billion years, the Darwinian era is over. The epoch of species competition came to an end about 10 thousand years ago when a single species, Homo sapiens, began to dominate and reorganize the biosphere. Since that time, cultural evolution has replaced biological evolution as the driving force of change. Cultural evolution is not Darwinian. Cultures spread by horizontal transfer of ideas more than by genetic inheritance. Cultural evolution is running a thousand times faster than Darwinian evolution, taking us into a new era of cultural interdependence that we call globalization.
   In the post-Darwinian era, biotechnology will be domesticated. There will be do-it-yourself kits for gardeners, who will use gene transfer to breed new varieties of roses and orchids. Also, biotech games for children, played with real eggs and seeds rather than with images on a screen. Genetic engineering, once it gets into the hands of the general public, will give us an explosion of biodiversity. Designing genomes will be a new art form, as creative as painting or sculpture. Few of the new creations will be masterpieces, but all will bring joy to their creators and diversity to our fauna and flora.

Mehr….
via Bruce Sterling

19:52 Uhr. Kategorie Stuff. Keine Antwort.

What happened…

Warren Ellis schreibt:
Nothing happened. The world didn’t end when we moved into the 21st Century, all the millennium tension went away, 2001 went from science fiction to historical artifact, and the majority of people looked around and saw that things were pretty much the same on this side of the line as they were on the other side. And that was that.

Today, I read an interview with Marilyn Manson where he explains his evocation of CABARET in his recent work as a reaction to present times, Thirties vaudeville as a haven from politics. Notably, however, Manson describes himself as broadly apolitical, which makes you wonder exactly who said haven was devised for. To me, it’s an interesting mess. CABARET’s paean to decadence only gains its enduring power from context – the knowledge that the Third Reich awaits it upstream, which lends it the authentic final doom of all true legends, Ragnarok and Robin Hood’s final arrow shot to mark his grave. Wearing the clothes of the period doesn’t reiterate the lessons of the time or the film – that you can’t hide from evil, that the machinery of conservative societies will always find a way to crush the Too Much Fun Club – but it does produce other, perhaps graver signifiers.

Popular artists generate two forms of address. They produce a sense of collusion with those who already agree with them – through this CD, this book, this graphic novel, I’m telling you that it’s you and me against the world, I am your friend/ally/leader in this, I understand you – and they also, unavoidably, tell the receptive mind what to think and what to identify with. Through this work, I am telling you that this is an apolitical time, that voting doesn’t matter, and we may as well go to the Kitty Kat Keller while we can.

Post-millennium relaxation. Nothing’s happened, nothing’s changed, and you and me, we can’t change anything.

Now, I have a lot of time for Marilyn Manson these days. Much of his music doesn’t do a lot for me, but I enjoy his persona, himself as art. He’s a clever man, and I suspect his apolitics are not all artifice. He’s thirty-four years old now, an experienced artist and an experienced media operator, and he must know his audience. And America, and Britain, currently exist in a political dead zone. George W Bush does not have credible opposition, and whoever’s put up against him in 2004 will likely be crippled by the nomination process in any case. In Britain, the same holds – the leader of the opposition, Michael Howard, is a leering, unelectable monster with criminal tendencies who was until recently shunned and vilified by his own party as a moral mutant.

In the face of all that, it’s an understandable message to broadcast: find a place away from politics, because this is a time in which voting genuinely doesn’t matter. We’re all fucked. Apathy is nothing to be ashamed of. Anger is pointless.

And certainly we’re in a time where anger in art has largely gone away. This isn’t the cool detachment of post-modernism, so much as just a turning inward. The kind of stuttery lurching rise of emo over the last couple of years is a case in point: a total defanging of pretty much any working definition of punk in service of whining about how you’ve got no fucking girlfriend. “Emotional punk�? = Crying Ugly Kid Music. There should be a sign in guitar shops: “We reserve the right to refuse sale to people who want to write songs about wearing glasses and being dumped by girls who didn’t know your name anyway.�?

It’s understandable, and certainly it doesn’t hurt for Manson to bolster the “outsider�? self-perception of his audience.

But it bugs me nonetheless. Is it a creative reaction, to answer “nothing’s happened�? with “nothing’s going to happen and you can’t do shit about it”? Is that doing anything more than prepping an alienated audience for a doomed life of dying your hair back to brown and getting a job in insurance? Is that where we’ve ended up? That all popular culture has to say is, “well, fuck it”? Even as a transient pose?

The lesson of the 1930s is that, in a time of encroaching conservatism and creeping repression, the correct response is not to flush your fucking spine down the toilet.

via Warrenellis.com

17:56 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Mini Mac Review

Der neue Mini-Mac unter der kritischen Lupe… mehr Schein als Sein.
Mac Mini: The Emperor’s New Computer

6. Februar 2005 18:20 Uhr. Kategorie Technik. Tag . Keine Antwort.

Organisms Found In Challenger Deep

Japanese scientists have discovered microscopic, single-cell organisms living in the Pacific Ocean’s deepest trench, the Challenger Deep. An article published in Science magazine says soft-shelled forms of the plankton Foraminifera were found at a depth of almost 11,000 metres, where the atmospheric pressure is immense.Hard-shelled Foraminifera are commonly found at the ocean surface, but the scientists say almost nothing had been known about small, sediment-dwelling organisms living in such remote environments as the Challenger Deep.The scientists, from Shizuaka University, used a remote control vehicle to explore the trench, near the Mariana Islands and the American territory of Guam.
Hier

18:15 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Things I hate about my flatmate

Ah, die schöne Welt der WG. Hier wird jeden Tag eine neue Haßorgie über die Mitbewohnerin zelebriert.
http://ihatemyflatmate.blogspot.com/via Liquid Generation

17:17 Uhr. Kategorie Online. Tag , . Keine Antwort.

John and John



http://www.johnandjohn.nl/
via relicious

17:01 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

Satan’s Laundromat




via satanslaundromat.com

16:10 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Katzenblog

Miauvia Relicious

5. Februar 2005 14:27 Uhr. Kategorie Online, Stuff. Tag , , . Keine Antwort.


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