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13 AND GOD / LALI PUNA / MS JOHN SODA

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Diese drei Projekte von The Notwist sind – im besten Sinne – ähnlich genug, um gemeinsam abgefrühstückt zu werden, denn obwohl sie alle eine deutliche Variation des Klangkonzeptes von Acher und Gretschmann darstellen, liegen sie doch in ähnlichen Quadranten. Bei Lali Puna kommt Markus Achers Lebensgefährtin Valerie Trebeljahr dazu, komplettiert von Drummer Christoph Brandner (der seinerseits mit Acher bei  Tied & Tickled spielt und mit Gretschmann bei Console)  und Keyboarder Florian Zimmer bzw Chritian Heiß. Der Sound ist der melancholische Elektropop, den man von den späten Notwist kennt, bis hin zu Harmoniefolgen und den Drumsounds. Angenehm weiche Klangwolken, die duftig durch den Äther gehen und eine momentane ungeheure Schönheit entfalten, aber unmöglich im Kopf zu behalten sind – Lieder, die bezaubern und sofort vergehen. Es ist ein Homerecording-Post-Trio-Hop, hypnotisch und oft träge mäandernd und ein klein bisschen astauschbar. Auf dem neueren Album Faking the Book wird der sanfte, sorgsam produzierte Klangmix etwas ent-weichspülert und druckvoller gemacht, mit knackigeren Gitarren angereichert, aber  von dem «Weilheim-Sound» entfernt sich hier wirklich nichts. Was keineswegs schlecht ist – dieser smoothe Indietronic-Sound, der auf dem dritten Longplayer weniger nach im Schlafzimmer produziert klingt, und internationaler sein will, ist ja nicht zuletzt gerade wegen seinem Mangel an Hooklines, Ecken und Kanten so immer-wieder-hörbar. Scary World Theory ist weniger straight gemacht, während Faking the Books schon eindeutiger mit Blick auf Livekonzerte und  Eingängigkeit getrimmt ist. Wie warmer Kakao, Kopfhörermusik für den Herbst, mit diesen unglaublichen, schwerelosen ineinandergepuzzelten Harmonien, die man an anything Notwist eben so liebt, Lieder ohne Anfang und Ende, und Trebeljahrs fast geflüsterte Gesangslines unterscheiden sich kaum von den wortkargen hingehauchten Texten von Markus Acher.

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Ms. John Soda ist das Projekt von Micha Acher mit Stefanie Böhm, die mit Notes and the Like 2006 ihr zweites Album nach dem Megaerfolg No P. oder D. produzierten. Die zweite Scheibe klingt tatsächlich paradoer mehr nach Weilheim als die erste Scheibe, indem es sich vom ursprünglichen Rezept entfernt, kammermusikalischer, kleiner wird – und damit eben The Devil You + Me vorwegnimmt. Der Gesang hat mehr Bandbreite, mehr Ausdrucksmöglichkeiten als bei Lali Puna, die Musik ist experimenteller, breiter angelegt, ohne sich ganz vom Stammbaum der Achers zu entfernen. Das Ergebnis ist perfekter Pop, der immer wieder mit seltsamen Störmomenten aufwartet, wenn etwa Flippergeräusche durch Scan The Ways rumpeln. tatsächlich nimmt die Evolution der Cover sehr gut vorweg, was musikalisch passiert: Auf No P. oder D. sind die beiden Protagonisten noch als Spielzeugroboter unterwegs – und so ist auch die Musik, verspielt, knarzend, mit sichtbaren Plastiknähten und knirschenden gelenken, etwas unbeholfen aber eben deshalb so liebenswert. Auf dem Cover von Notes and The Like wirken die Maschinen, in denen die beiden Macher sich präsentieren moderner, stylig-kugelige 70s-Klappkalender, das ganze nicht mehr so unschuldig wie vorher, eher rund und glatt und chromig, vielleicht sogar einen Hauch zu perfekt, zu designed, zu sehr für die Chill-Out-Lounge gemacht – aber deshalb nicht weniger wunderschön gelungen.

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13 & God ist ein seltsames Crossover von The Notwist und der US-HipHopper Themselves, und das vielleicht ambitionierteste Baby in dieser Runde, weil die Mellow-Track-Weichheit der Musik einen seltsamen, unpassenden Kontrast zu den nasalen Raps und kopfstimmigen Choräle von Adam Drucker und Jeff Logan, kontrapunktiert von Achers selbstvergessenen Einlagen. Vieles hier klingt weniger ausgefeilt produziert als bei den Notwistern sonst üblich, Men of Station etwa hat gerade von Drumgerüst her mehr den Charakter einer Skizze. Ghostwork ist eine herausragend abgedrehte Nummer, die daran erinnert, das The Notwist trotz der letzten drei Alben und einem sehr glatt gewordenen Grundsound die Lust am Experiment nicht verloren haben – das Ergebnis ist ein seltsamer softer, breakbeatjazziger Teppich für Sprechgesang von beiden Seiten des Globus. 13 & God ist insofern vielleicht spannender als The Devi, You+Me geworden ist, einfach weil die Band relaxter heranzugehen scheint, einfach auch mal das Scheitern noch für machbar zu halten scheint. Nicht jeder Track hier will ein Publikum überzeugen, die Songs dürfen such mal im Nichts versanden oder durchhängen und gerade durch diese Session-artige Coolness gewinnt das Album Dimension. Manche Tracks klingen als hätte Tricky den weichen, grundoptimistischen Sound der Weilheimer durch die Mangel gedreht, ohne ihn wirklich jemals düster zu kriegen – aber ein paar Flecken bleiben, seltsam gebrochene, unberechenbare Schatten auf der psychedelisch grünen Wiese der Notwist-Klangwelt. Von den hie vorgestellten Alben ist 13&God  sicher die am wenigsten zum einfachen Weghören und Kopfhörerträumen geeignete Platte und vielleicht am ehesten die, deren seltsam psychedelischen Untertönen dich langfristiger und auch öfter mal wieder zum Hinhören zwingen als der doch berechenbare Candy-Cream-Sound von Ms. John Soda oder Lali Puna.

3. November 2008 01:43 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

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