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12-01-27

    Why Wedding Photographers’ Prices are “Wack” http://t.co/yjFFGniv (via dpreview) #
    Shelf Life – The Art of Lettering http://t.co/2vf8zcKW #
    I will pose my question again, this time above the din of the imaginary radiator. WHO. ARE. THE THOUGHT POLICE? – Downtown Owl, Klosterman #

27. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-26

26. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-26

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-25

25. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-24

24. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Reim dich oder ich fress dich

hd schellnack

Mnemotechnisch einfach viel besser als richtig geschrieben. Vor allem, wenn man es sich mit etwas Chico-Marx-Akzent gesprochen denkt.

12:56 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Billig

hd schellnack

Billiges Bier, billiger Gag – wahrscheinlich hat der Schildermaler bei dem Sonderpreis vorher selbst schon ordentlich zugelangt. Extrem gut finde ich aber das €ent. Und die Tatsache, dass der NRZ-Claim in seiner ganzen prachtvollen Austauschbarkeit eben auch perfekt zu Bier passt. Und zu fast jedem anderen denkbaren Artikel.

10:46 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 2 Antworten.

12-01-23

23. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-21

21. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mission: Impossible 4 – Ghost Protocol

hd schellnack

Man darf sich nichts vormachen – schon der letzte Teil der Serie hatte nichts mehr von der Eleganz und dem Hitchcock-on-Steroids-Thrill von Brian de Palmas ursprünglichem Kinofilm. Cruise als Ehemann, ein unaufgelöster McGuffin, fast beeindruckende Löcher im Plot, der sich weitgehend wie eine ungenutzte Alias-Folge von JJ Abrams anfühlte, das einzige, was wirklich noch Adrenalin versprach bei MI3 war eigentlich nur noch Schiffrins MI-Theme. Dennoch konnte Abrams noch mit einigen phantastische Stunts aufwarten und mit Philip Seymour Hoffman einen unverfroren fiesen Bösewicht gegen Cruises allzu aalglatten Ethan Hunt auffahren und dem mechanistischen Konzept der Serie zumindest im Detail noch etwas hinzufügen.

Sechs Jahre und einige öffentliche Cruise-Meltdowns später kehrt Ethan Hunt schon mit der Physis eines extrem durchtrainierten aber doch sichtbar älteren Herrns auf die Leinwand zurück, und man darf sich am Ende des Films fragen, wieso eigentlich. Während die letzten beiden Craig-Bond-Filme und selbst Nolans zweiter Batman zeigen, dass leichte und action-orientierte Blockbuster-Kost trotz allen Zugeständnissen an ein breites (und junges) Publikum handwerklich und inhaltlich gute Arbeit sein kann, ja stellenweise sogar unerwartet Tiefgang aufblitzen darf, hat MI 4 eine Art Handlung, die so linear, vorhersehbar und abgeschmackt ist, dass dagegen selbst 50er-Jahre-TV-Serien schlagartig hochkomplex wirken. Klar, man darf ja eigentlich dankbar sein, dass die in allzu vielen Filmen strapazierte Methode »Mein allerallerbester Freund aus Akt I entpuppt sich in Akt III als Verräter« hier nicht auch noch zum vierten Mal strapaziert wird, aber muss man deshalb auf jede Art von Wendung oder Mindfuck verzichten? Muss es wirklich noch ernsthaft Filme geben, die mit bösen Russen beginnen und mit Bomben, die auf Amerika fliegen, enden? Sehnt sich Amerika so sehr nach dem einfacheren Kalten Krieg zurück? MI 4 ist ein im Wortsinne mörderisch guter Werbespot für BMW, ansonsten aber ist der Film ein langes Selbstzitat ohne jeden Thrill. Ob Hunt nun von Hochhaus zu Hochhaus springt wie in MI 3 oder hier in Dubai eben ein anderes architektonisch sicher markantes Hochhaus hochklettert, ob die Autobahn-Verfolgungsjagd nun 10 oder 13 Minuten dauert, ob in den Kreml oder in den Vatikan eingebrochen wird – Regisseur Brad Bird scheint an der echten Welt zu scheitern und produziert einen Film, der sich künstlicher anfühlt als Birds durchaus sehenswerter Animationsfilm »The Incredibles«, er erreicht zu keinem Moment die visuelle Präzision von Abrams, von Woo oder de Palma ganz zu schweigen.

MI 4 zeigt nach sechsjähriger Pause eine Franchise, die nicht erfrischt zurück kehrt, sondern sogar müder und lustloser wirkt als 2006 und uns Agenten im Burn-Out zeigt, die genervt und hektisch wirken. Und warum auch nicht – immerhin scheint Hunt, dem Abrams gerade erst ein diffuses Privatleben verpasst hat, hier nur noch auf seine Funktion begrenzt zu sein, den Menschen dahinter erkennt man selbst am Ende des Films nicht wirklich. Hunt ist ein Workaholic, den gerade mal eben das Gefängnis kurzzeitig zu etwas Ruhe zwingen kann, so wie gehetzte Manager nur im Krankenhaus abschalten können. Und so gibt Produzent Cruise seinem Hauptdarsteller Cruise vielleicht nur die Aufgabe, Cruises eigenes Dasein zu reflektieren – das Leben eines Mannes, der ständig in teuren Anzügen, Autos und Privatjets durch die Welt gondelt, weitgehend bizarre Situationen erlebt, bewundert und/oder gehasst wird und am Ende doch irgendwie vor allem sehr einsam ist. Dazu passt, dass sein Umfeld austauschbar wirkt und außer Hunts hier seltsam farb- und humorlosen Fanboy Simon Pegg fast niemand von seiner vertrauten Crew mitwirkt. Bird begründet dies mit der offiziellen Auflösung des IMF (eben dem titelgebenden »Ghost Protocol«), von dem man im Verlauf des Films aber kaum etwas bemerkt, abgesehen von etwas dysfunktionaler Technik, die verlässlich im dramaturgisch besten Moment den Dienst versagt. Bird vergibt hier die Chance, die Franchise an ihre Grundlagen zurückzuführen. Weniger Hightech, mehr Spannung, weniger Fuhrpark, mehr Human Touch. Es wäre wahrscheinlich spannender gewesen, Cruise & Co dabei zuzusehen, wie sie mit einfachsten Mitteln einen vertrackteren Fall hätten lösen müssen, mit höherem Einsatz und mehr Improvisation, mit mehr Angst im Nacken und höherem Einsatz. So aber fällt vor lauter Gadgets, Sportwagen und Waffen eigentlich nie wirklich auf, dass Hunt und seine Kollegen auf sich allein gestellt sind, die Infrastruktur des Superagenten-Netzwerkes ist nie wirklich spürbar verschwunden. Und die Bedrohung am Ende des Films fühlt sich keine Sekunde echt an. Was bleibt ist ein seltsam unkomischer Slapstick, umspannende Spannung, ein Film der tatsächlich «no plan» zu haben scheint, sondern einfach im Dunkeln ziellos vorantapert, in dem selbst der Schurke Michael Nyqvist die Bedrohlichkeit eines Oberstudienrates ausstrahlt.

So wenig wie das Versprechen seiner eigenen Prämisse hält der Film sich an die essentiellen Basics der Serie (Masken, Identitätsverwirrung, atemberaubende Heists) – und vielleicht darf man vom vierten Teil einer Serie auch nicht mehr erwarten. Vielleicht ist spätestens ab dem dritten Teil pauschal die kreative Luft raus, ersetzt von kühler Marketingstrategie, die davon ausgehen darf, dass das Publikum einfach dem Gesetz der Trägheit folgend zu einem auskömmlichen Prozentsatz ins Kino kommen wird, unabhängig vom tatsächlichen Inhalt eines Films, der sich ja zudem mit jedem weiteren Teil etwas billiger produzieren lässt. Bond kam damit ja auch gut durch die 70-90er Jahre und das Gesetz der Serie dominiert die Kinos heute so derart, dass man sich schon glücklich schätzen darf, wenn es «nur» eine Trilogie gibt (prompt gefolgt von einem Relaunch, natürlich). MI 4 aber macht überdeutlich, dass diese Serien-Logik im Eventkino von heute schlecht funktioniert, primär weil Serien sich über Charaktere definieren und diese in MI 4 nicht einmal mehr skizzenhaft zu erkennen sind. Die Protagonisten sind nahezu konturenlos – der Held, die schöne Frau, der Comic-Relief-Typ (meist zugleich der Hacker-Nerd), der männliche Sidekick und so weiter – weil ihnen die rasante Handlung keine Zeit außerhalb dieser Funktionen zugesteht. Wie das Publikum aber empathisch mitleiden soll bei solchen Chiffren, die völlig austauschbar wirken, ist ein Rätsel – und Mission: Impossible zeigt, dass die pornographische Kumulation immer extremerer Stunts dieses Defizit nicht ausgleicht, zumal CGI schon seit über einer Dekade die Grenzen des Machbaren derart verschoben hat, dass die damit unterfütterte Action sich surreal, von der Realität entkoppelt und damit eben grundöde anschaut. Es ist eine Leistungsschau – und selbst in dieser doch denkbar stumpfen rein techno-ästhetischen Kategorie der Trickeffekt-Spezialisten kann MI nicht wirklich punkten. Das Flair des Films, der Look, wirkt seltsam nüchtern, hart am fast unbearbeitet wirkenden Bild, bewegt sich weder in der (seit The Matrix) in zig Filmen verwendeten stilistischen Verfälschung von Farben und Kontrasten, noch in dem cineastischen IMAX-70er-Neoretro-Realismus eines Christopher Nolan, sondern mehr in der wöchentlich abzuliefernden und insofern auf Tempo und Machbarkeit getrimmten Ästhetik einer TV-Serie. Nichts an diesem Film scheint mit Herzblut gemacht, alles ist Pragmatismus. Dein Puls beschleunigt vielleicht etwas bei den IMAX-Kletterstunts am Burj Khalifa Hotel, aber ansonsten ist es problemlos möglich, im letzten Drittel des Films sanft einzuschlummern.

Was umso verwunderlicher ist, als dass Brad Bird aus zuvor völlig unbekannten Zeichentrickfiguren in »The Incredibles« eine glaubhafte Familie von Charakteren schuf. Und auch erstaunlich unter dem Gesichtspunkt, dass Produzent Cruise an diesem Punkt seiner Karriere doch alles tun sollte, um sich als Charakterdarsteller zu beweisen, nicht als Oberkörper, als glaubhaften und sympathischen Mimen, nicht als gesichtszuckenden Neurotiker, den Ethan Hunt hier abgibt. Es ist verblüffend – MI 4 wirkt als habe man die gesamte Crew mit vorgehaltener Waffe gezwungen, diesen Film zu produzieren und jeder Beteiligte habe ergo nur Dienst nach Vorschrift (wenn überhaupt) abgeliefert. Keine Frage, Filme dieser Bauart haben kommerziellen Erfolg – Emmerich, Bruckheimer und Consorten leben gut von der Paradoxie, dass schlechtes Kino gutes Geld bringt -, aber schade ist es dennoch um Mission: Impossible als Idee. Wiesen doch zumindest die ersten beiden Teile dieser Serie ein Rezept für Blockbuster-Kino auf, das zwar ohne jedweden Tiefgang, aber handwerklich exzellent gemacht war: eine denkbar simple Klassiker-Idee und ein großes Budget gekoppelt mit routinierten Regisseuren, die ihre eigene Handschrift einbringen und mit den Spielsachen ihrer Kindheit merkbar begeistert wieder zu kleinen Jungs wurden. Davon ist in MI 3 schon kaum noch etwas zu spüren gewesen (trotz Abrams sehr erkennbarer Liebe zum Genre), in MI 4 ist nichts mehr davon übrig. Nur eben die Titelmelodie von Lalo Schiffrin, die offenbar so unkaputtbar ist wie Ethan Hunt gern wäre.

16:48 Uhr. Kategorie Film. Tag . Keine Antwort.

12-01-20

    Supreme Court Gives the Go Ahead for Re-Copyrighting Public Domain Works [Copyright] http://t.co/wgxkcf5N #

20. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-19

19. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Interfaces

hd schellnack

Eine der größten Revolutionen in der Kommunikation mit Computern ist neben der Rolle, die Computer im Alltag zunehmend fast beiläufig und wie selbstverständlich spielen, dass wir nicht mehr mit den gewohnten Interface-Schnittstellen arbeiten, die dem Menschen die Logik einer von der Schreibmaschine abgeleiteten Interaktion aufzwingen, sondern die digitalen Schnittstellen so rapide und grundlegend den menschlichen Sinnen und Werkzeugen entgegen kommen, dass eine Unterscheidung zwischen »analog« und »digital« zunehmend obsolet wirkt. Berührung, Stimme, handschriftliche Zeichen oder sogar Blicke – obwohl die meisten Technologien oft noch rudimentär wirken, hat sich bereits durch diese Ansätze der Umgang mit, vor allem aber das Denken über Software-Interaktionen grundlegend geändert.

Hand
Vor nicht einer Dekade noch komplett in den Kinderschuhen, ist die Steuerung von Software durch Berührung(en) heute längst zu einem Quasi-Standard geworden. Musste man bis vor einigen Jahren noch mit einem Stift auf einer Art Plastikbildschirm herumtippen, Soseins moderne kapazitative Glasdisplays in der Lage, Bewegungen und multiple Berührungspunkte zu deuten, durch Gyroskop und Accelorometer sogar eine Art Anschlagstärke zu ermitteln (etwa bei Garageband). Samsung hat diese Technolgie gerade erst auf der CES 2012 auf Fenstergröße übertragen. Obwohl erst wenige Jahre verfügbar, hat dieser Ansatz zusammen mit fast rahmenlosen, leichten, tragbaren Devices zu einem kompletten Umdenken über Interfaces geführt. Ein Programm ist nicht mehr ein über die Maus-Tastatur-Metapher gesteuerte abstrakte Lösung in einem Monitor, ein Programm simuliert heute das, was es als Lösung anbietet und wird so als Programm unsichtbar. Ein Taschenrechner sieht aus und bedient sich wie ein Taschenrechner, ein Notizbuch sieht aus wie ein echtes Büchlein, beim virtuellen eBook lassen sich die Seiten umblättern als wären sie fast echt, ein DJ-Mischpulte bietet Plattenteller und Mischpultregler und so weiter. Es gibt zwar noch Menüs, aber auch diese wirken eher wie eine Übergangslösung, ansonsten: keine Tastaturkürzel, keine rechten oder doppelten Mausklicks – sondern eine möglichst approximative Simulation, die optisch aber auch von der Bedienung her daran gemessen werden kann, wie »echt« sich die Bedienung anfühlt.

Apple wurde – auch von mir – für die etwas kitschigen Nutzer-Interfaces von iCal und Co. gescholten, aber tatsächlich ist diese Annäherung an das Echte nur konsequent bzw. der sinnvolle erste Schritt zu »Simulacra-Softwares«. Das iPad kann bereits jedes Kleinkind bedienen, weil das unmittelbare Bedienen durch Drücken, Ziehen und andere Gesten mit den dazugehörigen Effekten der Lernfähigkeit der menschlichen Natur entspricht, Cause-and-Effect kennen wir ja auch aus der realen Welt. Angeblich fangen ja die ersten an Tabletts gewöhnten Kleinkinder bereits an, enttäuscht zu reagieren, wen sich echte Bücher eben nicht auf einen Tap hin öffnen oder reale Gegenstände nicht wie virtuelle auf Berührung reagieren und eine Animation starten. Dabei ist das Herumtasten auf einer kalten Glasscheibe sicher nur ein erster Schritt zu berührungssensitiver Kontrolle von Software-Interfaces. So wie es über kurz oder lang unweigerlich 3D-Displays geben wird (und ansatzweise ja bereits gibt), werden wir auch Bildschirme haben, die auf Berührung mit einer Art von Widerstand Feedback geben können und die unterscheiden können zwischen verschiedenen Abständen zum Display (Hover) bzw. auch direkt auf die Stärke des Anschlags. Die jetzt sehr eindimensionale Touch-Fähigkeit wird sich also nach und nach erweitern, bis die Displays nicht nur visuell einen realen Gegenstand simulieren können (und dies mit hochauflösenden Displays zunehmend an der Grenze, an der das menschliche Auge zwischen »echt« und »unecht« nicht mehr unterscheiden kann, d.h. keine Pixelbausteine mehr sichtbar sind), sondern auch haptisch. Nutzen wir einen virtuellen Taschenrechner, wird er nicht nur aussehen und klingen wie »real«, sondern auch die dimensionale Tiefe (3D) haben und sich anfühlen als würden wir auf einem echten Gegenstand Zahlen eingeben, nicht auf der bloßen planen Display-Simulation des Gegenstandes. Die Tasten werden spürbar nachgeben und einen Druckpunkt haben, sie können eventuell durch virtuellen Schweiss und Dreck »rubbelig« werden, sie können sich nach Gummi oder Hartplastik anfühlen. Es wird ein längerer Weg über zahlreiche Zwischenstufen sein, bis man wirklich sensorisch überzeugende Simulationen erzeugen kann, aber es wird sehr wahrscheinlich kommen – wodurch automatisch Abnutzung zu einer Frage der Programmierung wird.

Schon jetzt ist es so, dass ein iPad, iPhone oder Android als »opportunistische« Devices an sich nahezu unsichtbar werden und in einer Art Camouflage alles tut, um sich selbst unsichtbar zu machen und uns zu überzeugen, dass wir einen Photoapparat, ein Buch, eine Klaviatur usw. vor uns haben. Es ist evolutionär nur logisch, dass die Geräte diese Camouflage perfektionieren werden, denn am Markt werden die Anbieter erfolgreich sein, die mit immer neuen Features noch »realistischer« werden. Sowohl Apple als auch Microsoft (mit Windows 8) bauen bereits jetzt auch bei klassischen Desktop-Geräten die Touch-Metapher aus, was bei diesen zunächst hölzern und befremdlich wirkt. Was auf dem Pad sinnfällig ist, wirkt über ein Touchpad nach wie vor zu umständlich – dieser Umstand ist ein Symptom für den Übergang vom »klassischen« Computerparadigma, an dessen spezifische Interface-Metahern wir uns gewöhnt haben, hin zu einem neuen Paradigma, dass die Vorstellung dessen, wie wir mit Computern interagieren, neu definieren wird.


Stimme
Apples »Siri«-Stimmerkennung und -kontrolle ist von Google nicht ohne Grund als revolutionäre Veränderung im Umgang mit Computern (und eben Suchmaschinen) beworben worden. Wo Kommunikation mit dem Computern in den Grenzen der Software (und abgesehen von Abstürzen) bisher weitestgehend sicher und eindeutig war – zieht mit Siri die Fallibilität, das Missverständnis, die Doppeldeutigkeit, eben eine Art »Fuzzyness« ein, die erstmals zu einer Art von Dialog führt, bei der der Computer sogar via verbaler Feedbackschleifen rückfragen kann (und muss!), was der Nutzer denn da eigentlich gemeint haben könnte. Siri ist deshalb natürlich noch – obwohl bereits verblüffend leistungsstark, vor allem in der englischsprachigen Version – eine Art Spielerei, die mehr zu Fehlschlägen und Umwegen als zu einer echten Effizienzsteigerung führt. Es ist nach wie vor ärgerlich, wenn beim Diktat Siri nicht reagiert und man ganze Sätze verliert oder wenn eine einfache SMS vier verschiedene Befehle und Anläufe braucht, bis sie stimmt.

Aber bereits heute gibt es Situationen und Kontexte, in denen Spracheingabe natürlicher und schneller wirkt als der Touchscreen, zumal Siri ohne den Start dezidierter Programme läuft, sondern sich an den User-Bedürfnissen orientiert und die Programme dann selbst auswählt und startet – im Vordergrund steht also was der User will, nicht welches Werkzeug dazu verwendet werden muss. Ich starte also nicht den Browser, um etwas zu suchen, sondern die Software »entscheidet« dies selbst. Diese Art von AI, konsequent zu Ende gedacht, dürfte die Art, wie wir mit Maschinen interagieren, umwälzen und sozusagen renaturalisieren. Nicht nur in dem Sinne, dass wir ganz im Stile von SF-Filmen demnächst Maschinen per Zuruf steuern, sondern weil diese Steuerung wieder analoger (oder zumindest doch simuliert-analoger) wird. Während in den letzten drei bis vier Dekaden wie nie zuvor die visuellen Sinne in den Vordergrund gestellt wurden und wir uns sozusagen evolutionär an diese Verknappung angepasst haben, also Seh-Wesen geworden sind, darf nun der auditive Kanal wieder zum Zuge kommen. Noch ist Siri in der Benutzung dabei eindimensional. Nutze ich die Sprach-Software, wird der visuelle Kanal förmlich abgeschaltet, ich kann nicht auf der visuellen Eingabeebene simultan andere Dinge tun, also etwa einen Text diktieren und gleichzeitig im Web surfen per Touch oder Software per Touch und Stimme kontrollieren, also etwa in Photoshop mit einem Pen oder auf dem Display direkt arbeiten und dabei per Stimmbefehl Werkzeuge auswählen oder Bildeffekte anwenden (»20% mehr Kontrast«). Es ist immer entweder Stummfilm oder Hörspiel. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein stimmbasiertes und dialogorientiertes Interface einen Paradigmenwechsel darstellt, den die Kids, die Siri mit dummen Fragen auszutricksen versuchen (und dabei der Anthropomorphisierung ihrer Hardware auf den Leim gehen, also bereits Interaktionen starten, die sie per Maus/Tastatur niemals so in Betracht ziehen würden), gar nicht verstehen bzw. hinterfragen und der genau deshalb so grandios unsichtbar und sanft stattfindet – ähnlich wie es ja klug war, uns das Cloning als Technologie in Form eines harmlosen Schafes zu präsentieren.

Wir werden erst in einigen Jahren wahrnehmen, wie zentral dieser Shift war. Mit der Stimmkontrolle fällt prinzipiell die Hardware als Interface-Element weg. Es muss nichts mehr »bedient« werden, es gibt keine Tasten zu drücken, keine Zeiger zu bewegen – die Interaktion mit Maschinen wird bei ausgereifter Spracherkennung möglich, ohne ein Werkzeug dafür bedienen und erlernen zu müssen. Der Mensch nähert sich nicht mehr dem Rechner an, sondern umgekehrt.


Schrift
Auf der gleichen Ebene liegt die Entwicklung der Schrifterkennung, die sogar technisch ähnlich gelagert ist, weil hier schnelle Webanbindung und OCR auf leistungsfähigen Servern die ehedem hohen Hardware-Anforderungen für lokale Rechner deutlich gesenkt haben. Ein mobiler Prozessor könnte keine vernünftige Stimm- oder Schriftdechiffrierung leisten, ein kraftvoller Server und ein schnelles Internet aber sehr wohl – die Rechenpower wird einfach ausgelagert. Seit Dekaden ist die eigentlich ja als technische Notlösung zu denkenden QWERTZ-Tastatur der Standard bei der Texteingabe. Ursprünglich entwickelt, um durch eine eben möglichst ungewohnte nicht-alphabetische Tastaturanordung das Schreiben so zu verlangsamen, dass die anfälligen frühen Mechaniken nicht blockieren konnten, haben wir uns so sehr an dieses Layout gewöhnt, dass wir damit aufgrund der Übung oft spürbar schneller und anstrengungsloser schreiben als mit der Hand, so sehr, dass die Handschrift langsam auszusterben droht.

Dennoch kommt die manuelle Eingabe von Schrift und Zeichnungen in den letzten Jahren in eine Art Renaissance – Techniken wie der Livescribe Echo Smartpen oder der Wacom Inkling machen es möglich, unterwegs zu schreiben oder skizzieren, ganz altmodisch auf Papier, und später mit digitalen Daten weiterzuarbeiten. Ob die audiovisuelle «Pencast»-Verknüpfung des Livescribe, der mit einer Kamera auf speziellem Papier die Handschrift aufnimmt und zugleich Ton aufnehmen kann und insofern z.B. für Notizen bei Meetings nahezu ideal ist oder die sich eher an Künstler wendende (und noch nicht ganz ausgereifte) Inkling-Idee eines «Funk»-Stiftes… beide Ansätze können noch nicht hundertprozentig überzeugen. Der Echo-Pen ist klobig und das Schreiben mit der Kugelschreibermine relativ unergonomisch anstrengend, der Inkling zwar kleiner, aber weniger leistungsstark und zudem (noch) relativ unzuverlässig. Dennoch ist es natürlich phantastisch, handschriftliche Notizen, plus einer Aufzeichnung des tatsächlich zeitgleich Gesagten einfach digitalisieren zu können und dabei die Handschrift noch mit einer soliden Trefferquote in MyScript in «getippte» Schrift umwandeln zu können.

Auch hier noch befindet sich die Technik in einer Art Gestationsphase, der man aber bereits anmerkt, welches Potential freigelegt werden kann, wenn ein normaler Schreibakt auf Papier (bzw. auf einem Display, das Papier emuliert) die Tastatur verdrängt. Ein Beispiel für dieses Potential ist die OCR-Engine des Online-Archivs Evernote, das nicht nur die verschiedensten Eingabemedien «schluckt», sondern vor allem auch in jeder Art von Bild, egal ob Photo oder PDF mit handschriftlichen Notizen, nach lesbarem Text sucht und diesen für die Volltextsuche bereitsstellt, also die Welt in Photos «ausliest». Diese serverseitige state-of-the-art-OCR erkennt in Sekunden selbst Worte zuverlässig, die ich selbst kaum noch entziffern kann. Zwar gibt Evernote (unverständlicherweise) bei Handschrift die Ergebnisse nicht als Text aus, sondern nutzt sie wirklich nur für eine Suchfunktion… aber wie gut auch die unlesbarste Schrift hier verlässlich gedeutet wird, zeigt, wie weit die Technik hier ist und wie sehr die Grenzen zwischen Spracheingabe, Tastatur und Stifteingabe hinfällig werden. Wie auch immer wir Informationen eingeben werden – die Devices werden lernen, uns zu verstehen.


Bio-Interfaces
Haptik, Stimme und Schrift sollten bereits genügen, um in den kommenden Jahren die Morphologie der Mensch-Maschine-Kommunikation völlig umzuwälzen. Die Möglichkeiten der kommenden Dekade dürften bereits halten, was SF-Filme noch vor 20 Jahren versprachen, von der Realität des Spielberg-Thrillers «Minority Report» sind wir nicht mehr weit entfernt, zumindest nicht in Sachen Interface-Technologie (Fliegende Autos und Jetpacks lassen nach wie vor auf sich warten.) Bereits jetzt deutet sich aber auch ein weiterer, tiefschürfender Umbruch an, der den gesamten menschlichen Körper zum Interface deklariert. Sanfte Vorläufer sind Waagen und Blutdruck- oder Glucosemessgeräte, die Biodaten an Software übermitteln, Kameras, die mit einem Lächeln ausgelöst werden oder die Gesichter von Freunden automatisch erkennen und für den Autofocus nutzen oder auch Gadgets wie das Jawbone Up, das (wenn auch noch unfassbar primitiv) Bewegungssignale ermitteln und an das iPhone übertragen kann. Auch DSLR-Kameras können ja heute bereits analysieren, wohin wir durch den Sucher blicken und auf das, was unser Auge ansieht, automatisch scharfstellen.

Unsere Vitalzeichen, wie lange wir schlafen, unsere Stimmungen und Ernährung werden über kurz oder lang zunächst nur im Sinne reiner Datensammlung, mittelfristig aber auch als Steuerparameter direkt von Softwares genutzt werden. Dies wahrscheinlich zunächst im spezialisierten Bereich – etwa von Pflegerobotik oder Überwachungssystemen in Krankenhäusern -, sehr bald aber auch im privaten Segment… schon jetzt verkaufen sich Apps und Gagdgets für das Self-Monitoring ausgezeichnet. Was man sich zunächst so einfach denken kann wie Kochbuch-Applikationen, die auf anderenorts gesetzte Diätwerte und -ziele reagieren oder ein iTunes, das auf Stimmungen oder beim Jogging auf das Pulstempo reagiert, öffnet zwei neue Perspektiven… die Nutzung des gesamten Körpers als Interface und die Nutzung des Gehirns im Speziellen. Das Body-Interface kann natürlich bedeuten, dass Software aktiv auf größere Bewegungen, Gesten, Vitalwerte, aber auch auf Geo-Daten und Zeitdaten reagiert (so wie jetzt ja schon Reminder-Softwares aktiv auf GPS-Daten anspringen und uns im Supermarkt die Einkaufsliste zeigen). Der physische Körper und sein Umfeld werden so zu Eingabe-Matritzen der Software. Was der Mensch wo und wann macht, wird zum kybernetischen Steuerimpuls.

Der andere Aspekt, die direkte Schnittstelle ins Gehirn, klingt aus heutiger Sicht nach SF, selbst wenn in der neuronalen Steuerung von Implantaten und Prothesen in den letzten Jahren ebenso sprunghafte Fortschritte gemacht werden wie in der «Geodäsie» der Gehirnfunktionen. Die Idee, direkt aus neuronalen Strömen heraus Software zu steuern bzw. von dieser auch unmittelbar, unter Umgehung anderer Sinnesorgane, Eindrücke vermittelt zu kriegen, mag heute noch abenteuerlich klingen. Aber das, was wir heute Smartphone nennen, war bis vor 50 Jahren auch noch auf Serien wie StarTrek begrenzt (»Navigator«) und dabei deutlich kruder und begrenzter als die heutige Realität, die jedermann frei zugänglich ist. Umgekehrt waren in den 60er Jahren Körpermoddings, die heute für jeden Teenager zum Alltag gehören, undenkbar. Wer hätte zu Zeiten von Truman oder selbst Kennedy geglaubt, in welchem Maße Piercings, Tattoos und anderen Selbstverstümmelungsstrategien reguläre, ja fast langweilige Modephänmene werden würden – wer hätte zu Zeiten von »Mad Men« voraussehen wollen, dass es heute einen Boom zur elektrische Zigarette geben würde? Will man da heute wirklich noch ernsthaft bezweifeln, dass Google Translation irgendwann so effektiv sein wird, dass wir uns in Echtzeit grob in fremden Sprachen werden unterhalten können – per Spracherkennung, serverbasierter Übersetzung und Sprachausgabe? Marshall McLuhans 1969er Vision einer telepathischen Welt, in der – über das hochraffinierte Werkzeug Computer, das alle anderen kruderen Werkzeuge überschreibt – ein «universales Verständnis» möglich wird, ist zum Greifen nahe.


Der siebte Sinn
Das Interessante an all diesen Entwicklungen ist, dass sie sich dem Menschen zuneigen. Anstatt uns seltsame krude Werkzeuge aufzuzwingen, nähert sich Maschine und Software immer mehr unseren ureigentlichen Kommunikationswerkzeugen an. Tastatur und Maus weichen Gestik, Handschrift, Stimme und Auge, die Lernkurve für die »Steuerung« von Software wird immer flacher, ähnelt immer mehr biologischen Prozessen. Die Maschinen werden biomorph. Man darf diese Entwicklung durchaus kritisch sehen, vor allem wenn sie primär gewinnorientiert und ohne ethische Kontrolle abläuft, wird sie aber kaum mehr zurückdrehen können. Der Computer – und noch viel mehr der Äther des Web – sind Büchsen der Pandora, die nur vielleicht ein verheerender Krieg oder eine andere Katastrophe kurzfristig wieder verschließen würde. Positiv gesehen aber fallen hierdurch technologische Krücken weg, die wir seit Gutenberg benutzen, um umständlich eine Brücke zwischen Massenkommunikation und individuellen Ausdruckspotentialen zu schlagen.

Phoneme, Alphabet, Druck, selbst Schallplatte und Video sind nur Faustkeile… und je fortschrittlicher die biomorphen Interfaces werden, um so einfacher und unkomplizierter wird unsere Kommunikation untereinander und mit Maschinen werden. Der Clou dabei ist, dass das Medium sich dabei auflöst. Der Rechner als große Konvergenzmaschine, der sämtliche medialen Ausdrucksformen binär zerhäckselt und völlig neu zusammenstückeln kann, dem es denkbar egal ist, ob er nun Musik oder Bilder, Schrift oder Töne in 0 und 1 auflöst, wird in den kommenden Jahren selbst unsichtbar werden. Bereits das iPad bricht mit der Metapher des »Computers«, ja des technischen Gerätes schlechthin. Abgesehen von einem in Zukunft wahrscheinlich zusätzlich verschwindenden Minimum an Knöpfen ist es als technisches Utensil nicht zu erkennen – die Eigenbedienung ist ein Minimum, das gerät verwandelt sich durch die Software in was immer auf dem Bildschirm an sich gezeigt wird… wobei das Wort «Bildschirm» schon fast in die Irre führt, wenn das ganze Gerät nur noch ein Screen ist.

Die Frage, inwieweit Computer und Web noch als solche wahrnehmbar sind, wenn es nicht einmal mehr den Bildschirm gibt, sondern osmotische oder sogar direkte neuronale Verbindungen für selbsttätige Steuerungsmechanismen sorgen, die intuitiv, instinktiv genutzt werden können, stellt sich kaum: Was heute noch «externe» Medien sind, würde tatsächlich zur symbiotischen Sinneserweiterung, zu einem siebten, achten, neunten Sinn. Wohin sich das entwickelt sieht man schon heute, wenn Leute bei Gesprächen Fakten kurz googlen, mitten in einem Film mit IMDB nach Trivia suchen oder oft zwar durchaus in der echten Welt anwesend, aber simultan auch in Facebook oder Twitter oder Instagram aktiv sind. Diese Form von Multitasking wird ein Standard werden, eine Art Layer, das sich über die normale Kommunikation legt und durch den Wegfall klassischer Interface-Hardware quasi unsichtbar wird, die Form eines internen Monologs annehmen kann.

Wir sind bereits heute permanent online – in Zukunft kann das aber ein Teil der tatsächlichen Wahrnehmung von Welt sein, was heute grobmotorisch als Augmented Reality vermarktet wird. Konsequent zu Ende gedacht, wäre ein derartige nahtlose Verbindung mit Hard- und Software eine Erweiterung unserer mentalen Möglichkeiten, für die wir Menschen sozusagen Anlauf und Training brauchen, weil unser Gehirn sich den Möglichkeiten wird anpassen müssen (so wie es ja bereits jetzt langsam notgedrungen neue Selegierungsstrategien gegen den Zerstreuungsmechanismus einer vernetzten Welt entwickelt, wobei uns wieder Software gegen die Gefahren anderer Software zur Seite springt…). Diese Sinneserweiterung wird auf eine Art begrenzte elektronische Telepathie hinauslaufen – du wirst ohne Bildschirm, ohne Tastatur, ohne »Gerät« in irgendeinem Sinne wissen, ob es Freunden eine halbe Welt entfernt gerade gut oder schlecht geht. Und es läuft auf eine sanfte Allwissenheit hinaus – weil der Wissensschatz des Webs nicht mehr per Suchmaschine erarbeitet werden muss, sondern ebenso neural einfach »da« ist wie andere Informationen und Erinnerungen ja auch. (Spannend und erschreckend wird die Frage, wie Werbung dann wohl funktioniert…)

Obwohl ich nicht sicher bin, inwieweit unsere Generation solche biotechnologischen Verschmelzungen noch miterleben wird, zeichnen sich solche Lösungen logisch ab. Zum einen werden Prozessoren, wenn sie weiter hohe Leistungssprünge bringen wollen, irgendwann biologisch funktionieren müssen, zum anderen stellen Interfaces wie Displays und Tastaturen die größte Hürde für den Verkleinerungstrend von Elektronik dar. Die Prozessoren und Speicher selbst sind längst winzig – nur der Mensch braucht eine gewissen Bildschirmgröße und seinem Körper entsprechend große Eingabewerkzeuge, um mit dem Rechner in Dialog treten zu können. Die Vorstellung, dass Hersteller früher oder später den gordischen Knoten durchschlagen und weitestgehend auf Hardware verzichten werden, ist also naheliegend. Die Vorstellung davon, wie diese Art von direkter Wahrnehmung von softwarebasierten Angeboten als «Sinn» sich anfühlen mag, wie es sein könnte, wenn Informationen, aber auch Spiele, Musik, Filme usw. direkt als «Schicht» über unserer normalen Wahrnehmung liegen oder mit dieser unzertrennbar verwoben sind, kann man sich bestenfalls als psychedelischen Trip vorstellen. Ich habe kaum Zweifel daran, dass wir uns als Menschen an diese induzierten zusätzlichen Sinne gewöhnen werden – wie wir uns an andere mediale Dinge auch gewöhnt haben, die zwei drei Generationen vorher die Menschen in den Wahnsinn getrieben hätte. Die physische Härte moderner Metal- oder Drum’n’Bass-Musik, die extrem schnellen Schnitte in Musikvideos, die surreale Unwirklichkeit von 3D-Filmen, die Absurdität der meisten Werbefilme, die generelle Schnelligkeit der Zivilisation heute – all das dürfte einen Besucher aus den 1920er Jahren zur Verzweiflung bringen, ist für uns aber Alltag. Wer weiß also, woran sich unsere Nachfahren anpassen werden können?

Unsere Generation wird den langen – und sicher spannenden – Weg machen weg von Computern als «externe» Arbeitsgeräte hin zu alltäglichen Begleitern. Aus schrankwandgroßen besseren Taschenrechnern sind in nicht einmal 50 Jahren taschenrechnergroße exzellente Multifunktionsgeräte geworden, die die meisten bisherigen Medienangebote nahtlos in sich vereinen. Geräte, deren Evolution und (Markt-)Überleben davon abhängt, sich für ihre Nutzer unersetzbar zu machen. Unsere Generation wird entscheidend miterleben, wie dieses Eindringen von Web und Software in den Alltag unser Verhalten und unseren Umgang miteinander entscheidend verändern muss. Unser Denken über Copyright, Verhaltenskodexe, wirtschaftliche Modelle, Beziehungsideale, Berufswege, Mode, Kunst, Freundschaft, Kommunikation, Wahrheit – nichts wird dieser so unscheinbar anfangenden Revolution gewachsen sein. Wir stecken mittendrin und haben die Möglichkeit (und wahrscheinlich die Pflicht), in irgendeiner Form diese Entwicklung mit zu formen… zwischen Hypermarken, die den Markt dominieren und einer Politik, die reflexartig solchen Großunternehmen zuzuarbeiten gewohnt ist, ohne die man allerdings auch die Annehmlichkeiten moderner Technik nicht hätte, so dass nie ganz klar ist, ob man Google, Apple und Co nun lieben oder verfluchen sollte. Der Weg zu den neuen Interfaces wird voller wunderbarer Paradoxien und Irrläufer sein.
Freuen wir uns drauf.

17:46 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , , , , , . Eine Antwort.

12-01-18

18. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-17

17. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-17

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-15

15. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-14

14. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-13

13. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-12

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12-01-11

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12-01-10

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12-01-08

8. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mint Julep: Save your Season

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Hinter einem absolut atemberaubenden Cover verbirgt sich das erste «volle» Album nach zwei EPs von Keith Kenniffs Familien-Projekt Mint Julep. So schwerelos und leicht wie das fast gemäldeartige Plattenmotiv ist auch die Musik, die eine an Tycho erinnernde sonnige Shoegaze-Electronica bietet, dieses vielleicht auch einen Hauch zu unaneckende, zu sanfte Musik, die an schaumgebremste New Order erinnert könnte, die in Synth-Pads ertrinken. Geprägt wird der Sound von der kühlen, oft aus der Distanz von Delay-Effekten zu uns herangespülten Stimme von Hollie Kenniff, die diese träge 80er-Jahre-Laszivität verströmt, gekonnt etwas neben dem Beat hängt und einen Hauch trippyness in die Klangwolken streut, die wohltuend straighter sind als Kenniffs ätherische Goldmund-Klänge. Die Fusion aus Ambient und Indie funktioniert überraschend gut, erinnert an eine verschlafene Version von Metric und ruft sicher auch andere Vorbilder in bester Manier ins Gedächtnis, steht aber auch auf eigenen Füßen in dem weiten Terrain zwischen Pop und Indie sehr selbstbewusst. Der Sound des Albums ist insgesamt ein wenig zu dünn, zu hallig, zu drucklos, was bei den etwas mehr in Richtung Uptempo gehenden Stücken etwas schade ist. Zugleich gibt gerade dieser suppige Sound den Tracks eine Endlosigkeit, eine Verlorenheit und damit eine quasi akustisch in die Aufnahme codierte Melancholie, die etwa einen Track wie «Aviary» sofort zum Klassiker adelt, weil der Song klingt, als würde er aus einer vergangenen Dekade aus einem entfernten Radio herangeweht. «Save your season» ist ein Stück Neo-Cocteau-Twins, ein Designer-Schmuckstück, das ein wenig retro, ein wenig hipster ist und trotzdem wunderbarerweise der allzu berechneten, allzusehr auf verinnerlichte Twens schielenden Reißbrett-Klangwelt entkommt, weil die Platte zu den seltenen Alben gehört, die auch bei schnelleren Tracks nie die Melancholie und Schönheit ablegt.

16:19 Uhr. Kategorie Musik. Tag , , . Keine Antwort.

Chuck Klosterman: The Visible Man

hd schellnack

Chuck Klosterman ist ein Ausnahmeautor und gehört als Kolumnist mit zum scharfsinnigsten, was die US-Presse in Sachen moderne Medien- und Kulturbetrachtung zu bieten hat. In seinem neuen Buch «The Visible Man» versucht er sich erneut als Novellist, mit einem schmalen Bändchen, das aus der Sicht der Psychologin Victoria Vick geschrieben ist, aus deren eMail-Notizen und Gesprachsmitschnitten sich nach und das Protokoll eines seltsamen Patienten mit dem Pseudonym Y_____ hervorschält. Stilistisch greift Klosterman den Sound eines Briefromans aus, nur dass die Briefe eMails sind, die Victoria sich selbst schickt, als kurze Memos, ebenso wie die Einleitung des Buches aus einem Brief an den Verleger besteht, der ein bisschen Foreshadowing betreibt und die grundsätzliche Exposition der Buchstruktur leistet. Schon nach nur 10% des Buches wird der Charme dieser Konstruktion klar, wenn Klosterman Y_____ einen phantastisch Clownwitz erzählen lässt, der in den Notizen der Psychologin völlig auf Grund läuft, weil Victoria den Gag absolut nicht versteht. Spätestens hier wird klar, dass die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten doppelbödig und spannend werden dürfte, die zwischen den eMails, Anmerkungen und Einträgen der fiktiven Autorin nur indirekt hervorblitzen kann. Klosterman vergeudet wenig Zeit und bringt effizient die technische und psychologische Basis für den Plot auf den Tisch: Y____ ist ein hochbegabter Wissenschaftler, der anfangs für das Militär und dann im Alleingang einen Tarnanzug entwickelt hat (inspiriert von Dicks «A Scanner Darkly»), den er nutzt, um ungestört das Leben anderer Menschen zu beobachten. Während wir als Leser dieser «Fermate»-artigen Konstruktion sofort folgen können, glaubt Victoria etwas beschränkt an Wahnvorstellungen, und das obwohl selbst in ihrer fiktiven Realität die Möglichkeit eines solchen «Stealth Suit» nicht zu absurd sei sollte. Victoria aber glaubt, ihr Patient habe sich in eine Comic-Phantasiewelt geflüchtet, in der er ein wissenschaftliches Genie und Superspanner ist. Aus der Meta-Perspektive des Lesers ist aber ad hoc sicher, das Y____ wahrscheinlich nicht lügt, sonst gäbe es das Buch ja gar nicht – weder das fiktive von Vick noch das reale von Klosterman… Mit dem Potential, genau mit dieser Gewissheit des Lesers spielen zu können. Dazu kommt, dass Y____ trotz aller Attitude, Wut und Arroganz sofort sympathisch ist. Er ist ein Nerd, vielleicht sogar der ultimative Nerd und seine smarten Beobachtungen, schärfer Humor, nicht zuletzt auch das Musik-Know-how bringen ihn sehr nahe an Klostermans eigenen «Sound». Er ist ein unsicherer, über-selbstreflektierter Stubenhocker, der zu viel über George Harrison nachgedacht hat und vor allem mindestens zehnmal smarter ist als seine Psychologin. Nachdem Vicky eindeutigen Beweis für die Wahrheit der Behauptungen von Y____ hat, stürzt sie entsprechend in eine Sinnkrise – ihr Weltbild als Psychologin lässt nicht zu, dass die Psychosen und Phantasmagorien ihrer Patienten wahr sind. Keine Traumwelten, keine Metaphern für tieferlegende Neurosen, kein Wahn – nur real. Schnell wird deutlich, das Y____ nicht zuletzt ein Vehikel für den Autor ist, um wunderbare Vignetten über die Einsamkeit zu präsentieren, denn der Nicht-unsichtbare-aber-auch-nicht-sichtbare-Mann schleicht sich mit Vorliebe in die Wohnung von Singles und spioniert deren Gewohnheiten wenn sie sich unbeobachtet fühlen aus. Y____ ganzes Dasein scheint in den Dienst dieses High-End-Voyeurismus gestellt, aus dem wir ab dem ersten Drittel Auszüge präsentiert bekommen, phantastische Vignetten, die Klostermans Short-Fiction-Qualitäten unterstreichen und die scheinbar mühelos zugleich berührend und hochkomisch sein können. Ebenso scheinbar beiläufig schmuggelt Klosterman nicht nur Geek-Nuggets ein (die letzte Lost-Staffel, Dick Grayson als Batman), sondern auch smarte kleine und größere Einsichten über die Art und Weise wie unsere Gesellschaft funktioniert, wie Durchschnittlichkeit und Langeweile unser Leben dominieren, wie wir uns öffentlich mit Lügen maskieren, und über allem die Frage, was eigentlich «normal» ist.

Was alles nicht bedeutet, dass es keine Handlung gibt – im Gegenteil. Nach dem mutigen eMail-Briefroman-Anfang wechselt Klosterman zunehmend in eine herkömmliche Erzählform und entwickelt vorsichtig so etwas wie einen Plot zwischen der Psychologin und ihrem Patienten (und ihrem Ehemann John)l komplett mit dem wahrscheinlich seltsamsten Date, das ich seit längerem in einem Buch gelesen habe. Und mit einer unterschwelligen, zunehmenden Bedrohlichkeit, die man vielleicht erwarten darf, wenn ein Mann, der sich unbemerkt in jedes nur beliebige Leben hineinschleichen kann, sich langsam in seine Psychologin verliebt und ihren Mann bedroht. Etwas abrupt wandelt sich das letzte Viertel des Buches in eine Art staubige Twilight-Zone-Episode, die in ihrer Herkömmlichkeit nicht wirklich um brillanten Anfang des Buches passt. Das zu klassische Dénouement unterstreicht ein wenig, wie sehr sich das Buch von dem sehr «anderem» Anfang der eMail-Erzählform nach und nach normalisiert und am Ende ziemlich erwartbar endet. Es wirkt, als habe Klosterman ab der Mitte des Buches Ansgar den Faden oder die Lust oder beides verloren und es einfach nach Strickmuster abgewickelt, was enorm schade ist. Denn der Anfang des Buches und vor allem der Mittelteil mit seinen Vignetten der von Y____ beobachteten Personen ist großartig.

So gut, dass man die ersten 100+ Seiten des Buches binnen kürzester Zeit wegliest, weil man wie Vicky von der Persönlichkeit, den Widersprüchen, den Anti-Charme und der Smartness von Y____ gebannt ist und mehr wissen will, bis Klosterman die Story vor die Mauer fährt und man eine 08/15-Horrorgeschichte geliefert bekommt, die abstruserweise gar nicht so weit weg ist von der Kevin-Bacon-Version von «Invisible Man», also die mit dem Cover versprochene Andersartigkeit zur Vorlage nicht einlöst. Das Ende liefe eben doch nur die Geschichte vom verrückten Wissenschaftler, der einer Frau nachstellt. Ähnlich wie auch Nicholson Bakers «Fermate», nur spürbarer, scheint es auch bei «Visible Man» schwierig. Sich am Ende den Schwung des Anfangs zu bewahren, wenn alles gesagt und getan ist, wenn das Mysterium um den Kern der Geschichte gelüftet ist. Auch die Doppelbödigkeit um die Tatsache, das Vick eine unzuverlässige, weil ihrem Patienten geistig unterlegene Berichterstatterin ist, schwindet spurlos und die Psychaterin wird eine glaubhafte Quelle, über die wir nicht mehr mit Y____ den Kopf schütteln wollen, sondern mit der wir plötzlich mitfühlen sollen. Erst ganz am Ende löst Klosterman das wieder auf, wenn er beschreibt das Vick ihre Beziehung mit ihrem älteren und Intellektuellen Mann viel besser findet, seitdem er im Rollstuhl sitzt, weil er sie jetzt braucht und sie gleichwertiger ist. Da blitzt ganz am Schluss noch eine Prise Boshaftigkeit auf, die das «Happy End» der Victoria Vick bei genauerem Lesen wunderbar vergiftet und die Figur wieder ambivalent für den Leser macht.

Insgesamt ist «The Visible Man» ein hochlesenswertes Buch mit einem furiosen Anfang, einem berauschenden Mittelteil, einem sehr schwachen Ende und einer Coda, die dem Leser noch breit grinsend den Mittelfinger entgegen reckt. Klosterman ist immer dann am besten, wenn er in der Camouflage des Romanciers trotzdem seine normalen Kolumneninhalte über Popkultur und Gesellschaft einflechtet und schwächelt, wenn er versucht, seinen inneren Stephen King von der Leine zu lassen. Hätte das Buch so mutig und anders geendet, wie es beginnt, wäre es herausragend… so ist es «lediglich» hoch lesenswert.

15:51 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

12-01-06

6. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Terry Pratchett: Snuff

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Der wievielte Discworld-Roman ist das jetzt noch einmal? Bin ich nicht eigentlich dumm, einen solchen Dauerbrenner-Serienautor wie Terry Pratchett zu folgen, der Jahr um Jahr wie eine Schreib-Maschine immer wieder Bücher nach gleicher Stanzform hervorbringt, anstatt neue Bücher und Schreiber zu entdecken? Sicher, einerseits, obwohl ja andererseits gerade solche Serien hohen Suchtfaktor haben – und Drogenkurier Sir Terry wider alle Wahrscheinlichkeit Jahr um Jahr soliden Stoff an seine Junkiegemeinschaft liefert. Einer der Aspekte des Suchtcharakters aller Serienpublikationen ist für Autor wie Leser die Chance, Wachstum und Wandel der Protagonisten zu erleben. Während es die meisten Serien bei einer Art Illusion of change belassen, einer erzählerischen Gaukelei, die die Figuren immer wieder zyklisch in einer Art dynamischer auf den Ursprungszstand zurücksetzt, lässt Pratchett in seinem Minikosmos tatsächliche Entwicklungen zu und schafft die für eine Serie nötige Einheit eher durch Schreibstil und wiederkehrende Figuren. Vielleicht da er über ein reichhaltiges Sortiment an »dramatis personae« verfügt, kann Pratchett sich diesen Luxus leisten, den Autoren nicht haben, die auf nur eine Figur setzen. Tatsächlich ist neben dem reinen Unterhaltungswert der leichten, aber nie seichten Bücher von Pratchett dieser evolutionäre Aspekt bei fast 40 Büchern zur gleichen Materie ein zweites wichtiges Merkmal der Bücher geworden – die Disworld mutiert zur Welt-Simulation, zum Sim-Planet eines einzelnen Autoren, der quasi im »God-Modus« nach und nach über drei Dekaden hinweg trotz des humorigen Gewandes seiner Werke ganze Religionen, Städte, Kriege, Monarchien, Spezies und mit Ankh Morpock ein politisch-evolutionäres Experiment entwickelt hat, eine Art Chemiebaukasten moralischer Fragestellungen, die er hier abstrakt und satirisch gewendet untersuchen kann, nicht zuletzt eine immer komplexer und damit realer werdende Spiegelversion unserer Welt, in die Pratchett immer mehr moderne Elemente webt – Geld, Steuern, Politik, Technologie. So ist es vielleicht kein Wunder, dass sowohl die Fantasy-Elemente als auch zunehmend der schiere Humor in den Hintergrund treten und die Discworld-Bücher mehr und mehr zu einer Struktur sui generis werden, und das aktuelle Buch unterstreicht diesen Trend.

In dem doppeldeutig betitelten »Snuff« dreht sich alles um eine der eingespieltesten Figuren Pratchetts, den über die Jahre und Bücher zum Adligen und Polizeichef aufgestiegenen Streifenpolizist aufgestiegenen Sam Vimes, der mit seiner Frau Lady Sybil, dem Sohn Young Sam und seinem Leibwächter/Butler Willikens einen Landurlaub in Crundelis macht. Wir erleben den Culture Shock des Stadtkindes Vimes und einige so idyllische wie langweilige Momente mit Young Sam und sind entsprechend nach rund 100 Seiten ebenso froh wie Vimes, als ihm ein sehr nach Verschwörung und Vertuschung riechender Mord an einem Kobold über den Weg läuft. Während auch in Ankh Morpock die Koboldfrage langsam hochkocht, mutiert Vimes zum Landdetektiv à la Agatha Christie, aber eben mit einem guten Schuss Clint Eastwood. Nach dem eher trägen Start schwingt sich Pratchett zu fast ungewohnten Actionsequenzen auf, etwa wenn sich Vimes mit dem Schmied Jethro prügelt oder vor allen in der langen und spannenden Verfolgungsjagd der Wonderful Fanny auf einem reißenden Fluss, immer nur einen Herzschlag vor der Flut. Dahinter entwickelt sich eine Handlung rund um Tabak, Drogen und Sklaverei, die eher einem Thriller als einem normalen Discworld-Roman entsprungen scheint und die nahezu völlig ohne die sonstigen Fantasy-Elemente auskommt… wenn man davon absehen will, dass die Sklaven in diesem Fall nicht Menschen, sondern Kobolde sind und natürlich rund um die Handlung Zwerge, Werwölfe, Igore und andere typische Discworld-Bewohner drapiert sind. Tatsächlich nimmt das Buch im letzten Drittel, bevor es eine Art Coda gibt, eine Fahrt auf, die ungewöhnlich für Pratchett ist und die Lektüre zur reinen Freude macht. »Snuff« ist ein Eastwood-Film, mit einem gereiften aber noch nicht alten Dirty Harry oder Hauptrolle, der nach einem müden Start fast atemlos wird und sich dann zu einem ruhigen, aber rundum zufriedenstellenden Ende arbeitet. Pratchett-Bücher sind ausnahmslos warme, positive »Feel-Good«-Bücher, und dieses ist keine Ausnahme, im Gegenteil, es bietet Eskapismus in einer so kristallklaren und freundlichen Form, wie man ihn nur selten findet. Die Kunst des Autors dabei ist, niemals selbst in der formelhaften Struktur des Discworld-Settings herablassend oder gelangweilt zu wirken, diese unbewusste Arroganz auszustrahlen, diese müde Routine, die so viele Serienschreiber erfasst. Der Clou bei Pratchett hingegen ist, dass er keine Serie um eine Figur gewoben hat, sondern methodisch ein Simulacrum konstruiert, eine Alternative Realität, in der Magie die Rolle innehat, die in der Entwicklung unserer Wirklichkeit die Technologie hatte. Aus dieser Prämisse, und mit viel Humor, entwickelt er seit den Achtzigern zunehmend gekonnt Momentaufnahmen aus dem Entstehen einer Zivilisation, eine literarische SimWorld, die unsere eigene Konstruktion der Wirklichkeit charmant-feinsinnig in Frage stellt. Denn Pratchetts Welt mag eine Scheibe sein, bei genauerem Hinsehen ist sie eigentlich aber kaum absurder als unsere Realität, wir haben uns nur achselzuckend daran gewöhnt. In der Surrealität einer Welt voller Sagenwesen und Fabelkonzepte gelingt es Terry Pratchett insofern, ganz klassisch à la Swift, die Absonderlichkeiten unseres Alltags prägnanter zu fassen als es manchem Sachbuch gelingen könnte – und zugleich unterhaltsamer. Man darf also hoffen, dass Sir Terence dem Alzheimer weiter lange den Kampf ansagen kann, damit wir im nächsten Discworld-Band erleben können, wie das Steuersystem der Scheibenwelt funktioniert.

19:28 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

12-01-05

5. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

12-01-04

4. Januar 2012 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

2011 revisited

1. Zugenommen oder abgenommen?
Zugenommen. Drei Monate Fast Food um Mitternacht tun dir das an.

2. Haare länger oder kürzer?
Ich weiß nicht mal, ob meine Haare noch wissen, was «länger» bedeutet.

3. Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Gleich.

4. Mehr Kohle oder weniger?
Mehr.

5. Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr.

6. Mehr bewegt oder weniger?
Mehr.

7. Der hirnrissigste Plan?
Hirnrissig war das ganze Jahr, einen Plan gab’s leider nicht dazu.

8. Die gefährlichste Unternehmung?
Arztbesuche – man weiß ja nie, was kommt, wenn man sich untersuchen lässt.

9. Die teuerste Anschaffung?
Da fällt mir nichts besonderes ein, vielleicht Steffs neuer Wagen.

10. Das leckerste Essen?
Kuchen in Xanten.

11. Das beeindruckendste Buch?
Magdas Diplom

12. Der ergreifendste Film?
Beginners von Mike Mills.

13. Die beste CD?
Krixi, Kraxi und die Kroxn: «Die Gegenwart hängt und schon lange zum Hals raus.»

14. Das schönste Konzert?
Gabs keins.

15. Die meiste und beste Zeit verbracht mit …?.
Steff, Ma, Hermann.

16. Vorherrschendes Gefühl 2011?
Frustration

17. 2011 zum ersten Mal getan?
Diesen ganzen Trauerprozess durchgemacht, den man sonst nur aus Büchern kennt. Ich habe ja schon eine ganze Menge Beerdigungen besucht, aber sozusagen selbst hinter der Kulisse zu sein und neben der eigenen Trauer noch Entscheidungen zu treffen, funktionieren zu müssen, das war eine seltsame und erstaunliche Erfahrung. Die tatsächlich dank viel Hilfe und Glück nicht so schlimm und absurd ist, wie man sich das eigentlich vorstellt.

18. 2011 nach langer Zeit wieder getan?
Gebetet. Wenn man das so nennen will.

19. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Da gibt es eigentlich nur eine einzige Sache, aber auf die hätte ich unbedingt verzichten wollen…

20. Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Nicht aufzugeben.

21. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Ein schwarzer Stein und eine Uhr.

22. Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
«Ich liebe dich auch…»

23. 2011 war mit einem Wort …?
Traurig

3. Januar 2012 18:46 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Eine Antwort.

hd schellnack

15. Dezember 2011 22:47 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

11-12-13

13. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-12-12

12. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-12-11

      ThinkGeek Drum Machine bangs out block-rockin’ beats wherever you go (video)

http://t.co/7slLiuyE#

11. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Wolfgang Büscher: Hartland

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Der Trip des Zeit- und Spiegel-ournalisten Wolfgang Büscher durch die Vereinigten Staaten von Amerika beginnt mit einer fast surrealen krypto-faschistischen Begegnung mit der amerkanischen Homeland-Security-Paranoia an einem kanadischen Grenzübergang, die aus einem Tarantino-Film stammen könnte in der Mischung aus absurder Komik und unterschwelliger Gefahr – und das Flair dieser Art stacheliger Feindseligkeit gegen alles Unbekannte, aber auch untereinander scheint zum übergreifenden Thema von Wolfgang Büschers Fußwanderung durch die USA zu werden. Der xenophobe Kampf gegen der europäischen Einwanderer die Indianer, die stets wiederholten Warnungen an Büscher, dieses oder jenes Bundesland oder eine bestimmte Stadt zu meiden, die religiöse Militia von Waco, die grundlegende Stimmung von Misstrauen gegen alles und jeden – all das zieht sich immer wieder durch «Hartland».

«Hartland» ist nach einer Stadt benannt, in der Büscher zu Beginn seiner Reise übernachtet, eine alte verlassene Goldgräberstadt, aber vom Anklang des Heartland bis zum Unterton von Schmerz und Härte, umfasst dieser Titel die amerikanische Entwicklung – «Die beiden Enden der amerikanischen Parabel», wie Bücher selbst schreibt. Und es ist ein hartes Land, durch das er reist. Melancholisch, oft fast poetisch begegnet der Reisende dem Niedergang der amerikanischen Eingeborenen, reist an Toten Vögeln an Reservatsstraßenrändern vorbei, besucht die «Fortunabunker», in denen Indianer eine hundertfache Schar alter weißer Glücksspieler beaufsichtigen, während rundherum das Land wie ausgestorben, leer, leergesaugt, wirkt.

Die grenzenlose Subjektivität
Büscher ist ein Glücksfall als Dokumentator seiner eigenen Reise, der mal emotional überwältigt und fast lyrisch wird, mal sparsam und nüchtern wirkt – ein schriftstellerisches Mixtape, das (auch wenn das Buch möglicherweise gar nicht live on the Road geschrieben sein mag) sehr glaubhaft die Lichtwechsel der Reise widerspiegelt, die Stimmungen des Autors, aber auch die Wechsel in Land und Leuten, denen er begegnet. Dabei bleibt Büscher oft abstrakt, fast skizzenhaft, lässt sich nie auf ein «nur» beschreibendes Niveau herab, ist immer weit von einem National-Geographic-Stil entfernt, betont unjournalistisch für einen Journalisten. Denn dieser touristische Sound wäre auch falsch – es geht ja vielmehr darum, nicht das Unbekannte neutral zu dokumentieren, sondern ganz im Gegenteil, das Bekannte (oder vermeintlich Bekannte) durch ein subjektives Eintauchen zu dekonstruieren und neu zu sehen. Immer wieder konfrontiert Büscher sich selbst und uns Leser mit medialen Vorbildern – die ja unverhinderbaren Eindrücke aus Filmen, Musikfetzen im Radio, aber auch den Schriften Maximilian Prinz zu Wieds aus dem 19. Jahrhundert über dessen Besuche im Indianergebiet oder aus historischen Fragmenten der Lebensgeschichte des Indianers Black Elk und anderen Büchern. Dieser Fremd- und Selbstbespiegelung des amerikanischen Mythos setzt Büscher eine oft fast naive, bewusste Neugier entgegen, gefasst in einer Sprache, die bildhaft, oft fast halluzinogen wirkt, die (ob man das nun mag oder nicht) einen Dreck auf Neutralität und Realität gibt und auf grenzenlose Subjektivität setzt.

Die Reise ins Ich
«Hartland» ist ein Reiseroman der nicht aus Goethes etwas pietistischer Schule des reisenden Wohlstandes entspringt, sondern in Buchform geronnener Geist einer neu-europäischen Backpacker-Kultur, die es mit aller Gewalt hinaus aus der Sicherheitszone des Kristallpalastes drängt, hin nach Asien und Russland, in das Direkte, gerade so, dass man sicher ist, aber eben auch einen Hauch Abenteuer haben kann, den es daheim im Land der Vollkaskoversicherungen so nicht mehr geben kann. Es ist ein bewundernswerter, aber eben doch dekadenter Mix aus Moderne-Ennui und globaler Neugier, der sich eben auch in diesem Trip niederschlägt, der die USA erfolgreich als ebenso unbekannt und wild wie Kambodscha oder Afrika erkennt, das Vorbild unserer westlichen Zivilisation im Prozess des zeitlupenartigen Zerbröselns, der Fragmentierung zeigt, die so langsam stattfindet, dass nur jemand, der aus dem europäischen Nachbau amerikanischer Kulturangebote bemerkt, wie weit sich das virtuelle Vorbild (seit hier ja immer noch nachempfunden leben) und die Realität in situ auseinandergelebt haben.

Büscher liefert so einen interessanten Bruch zu der eigenen Narration, die Amerika über den eigenen Mythos liefert, aber keinen wirklichen Gegenentwurf, bewundernswert unneutral hängt er eingefroren zwischen der mythischen Anziehungskraft der Legende und Historie des Landes, und der Wirklichkeit eines entsiegelten und überfüllten, zu armen und zu reichen Landes, das in der eigenen Zentrifugalkraft auseinander zu sprengen scheint, das trotz so vieler freundlicher Individuen kollektiv und anonym so seltsam bedrohlich wirkt.

Etwa in der Mitte des Buches überkommt mich eine Neugier, die ich beim Lesen sonst so gut wie nicht kenne – wer ist eigentlich dieser Autor? Was treibt einen Mann, der alles andere als ein junger Weltenbummler ist, Jahrgang 1951, der einen soliden Job hat, Kinder, was treibt den in Niemandsland in Russland oder Amerika? Welches spezielle Reporter-Gen muss es geben, welche Mischng aus Neuier, Thrillseeking, blindem Vertrauen, Mut und Selbstsuche, die dich in dem Alter dazu bringt, nicht einen netten Tag mit deiner Familie zu verbringen, sondern auf irgendeinem Highway in wildfremde Autos zu steigen, in leeren Häusern zu schlafen, diese seltsame Konfrontation zu suchen? Für einen Moment springt mich an, wie genial es wäre, wenn Büschers Buch ein kompletter Fake sei, eine Helge-Schneider-Farce, schliesslich weht ja ohnehin kurz der Geist von Karl May durch den Text… aber wahrscheinlich macht ein preisgekrönter Zeit-Reporter so etwas nicht. Auch nicht, weil das Buch immer wieder einen autobiographischen Touch bekommt, wenn sich Büscher etwa auf seine arme, aber eben nicht armselige Kindheit zurückbesinnt und Parallelen zwischen dem fast staatsfeindlichen Individualismus in den USA und jener Prä-Wohlfahrtsstaat-BRD zieht. Oder wenn er seine Kindheit herauf beschwört, wie er vom Attentat auf Kennedy hört und später Moon River im Radio läuft.

Der Flickenteppich
«Hartland» durchweht, je weiter das Buch voran schreitet, eine Melancholie und eine Art sanfter Trauer, die vielleicht aus der Konfrontation dieser Jugendträume der Sechziger mit der Realität von heute resultieren, vielleicht auch nur die einzig sinnvolle Reaktion auf ein müde den Niedergang erwartendes, wütendes und resigniertes Empire von Gestern, die Trauer, die du fühlst wenn du nach Jahren ein Photo eines früheren Hollywood-Stars siehst, an dem die Dekaden spurenreich vorbeizogen. Es ist ein Niedergang, den Büscher in fiebernden metaphorischen Szenen photographiert – eine Cowboyhochzeit im Orkan, der ungebrochene Verfolgungswahn von Waco, immer wieder kleine Begegnungen in Cafés und Autos, Streiflichter von Leben, die Stoff für Romane hergäben. Unterstrichen wird dies von dem Eindruck, dass «Hartland» keinerlei herkömmliche Handlung anbietet, die Reise Büschers kein Ziel hat, sogar mit ihrem Fortschritt immer zielloser wirkt, immer mehr von Pausen und Zögern durchrissen ist, erzählerisch stockt und mehr die Unsicherheit des Schreibenden/Reisenden aufzeigt als eine Entwicklung hin zu einem bündigen Eindruck der USA. Das macht die Lektüre gegen Ende des Buches mitunter etwas schwer, weil du dich als Leser in dem Pittoresken der Einzelszenen auch verlieren kannst und die Orientierungslosigkeit Büschers in der Linearform des Buches irritierend wirkt, aber es zeichnet die Narration auch aus, macht das Buch frei von der sonst so naheliegenden eurozentrischen Arroganz vieler Journalisten gegenüber den USA. Büscher ist nicht selbstsicher, nicht mit einem vorgefassten Ergebnis unterwegs – und diese Ambivalenz durchzieht auch den Text, sorgt in dem Rückblick des gealterten Cowboys Beto sogar für so etwas wie Wehmut, Sehnsucht nach der Zeit in der der Western-Mythos noch lebendig war, der selbst in Texas nur noch in der Erinnerung lebt.

Und so driftet Büscher von der kanadischen Grenze bis Down South zur mexikanischen Grenze und scheint am Ende selbst überrascht, wie wenig ihm zugestoßen ist, wie wenig sich die permanenten Warnungen unterwegs sich nicht bewahrheitet haben und wieviel Hilfsbereitschaft ihm in den verschiedensten Formen begegnet ist, dass unter der Schale des «harten Landes» also vielleicht doch ein weicher Kern steckt. In den Seiten von Hartland jedenfalls steckt eine große Erzählung in kleinen Episoden, eine bescheidene und ehrliche Auseinandersetzung mit einem Land, zu dem wir Deutschen kaum eine neutrale, offene Haltung entwickeln können, und zugleich ein Roman, der die gewitzte Naivität wie man sie etwa auch aus Texten von Klaus Fiehe kennt, zu einer makellosen Waffe geschliffen hat, der Wissen im Nichtwissen, Tiefe im Ungesagten, in den Pausen bietet. Am Ende ist es ein Reiseroman, der zunehmend wortkarg wird, immer weniger zu sagen versucht, immer mehr die vielleicht ursprünglichen Ziele aus den Augen verliert und gerade dadurch, im Treibenlassen, hoch lesenswert wird.

13:57 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

Maria

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00:54 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

11-12-10

    Your eyes tell me everything. Your eyes are like a search engine. (Chuck Klostermann, The visible man) #

10. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-12-09

    Oh, this sounds like fun – Kickstarter project Twine makes your stuff talk to the web http://t.co/rsxCT8LG #
    Dinge, die man sich wünscht: Kracauers Werk in 9 Bänden als App à la «On the Road», mit Video, Audio, Kommentaren usw. #
    WDR 3: Musik zum Download: Kostenlose Klassik http://t.co/ebQoEFFt #
    Aw – was Looking forward to my UP – http://t.co/crqKnywN #

9. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-12-08

8. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Bücher machen

hd schellnack

Besser spät als nie drauf hinweisen:
Morgen startet die 1. Tagung des Instituts für Buchgestaltung zum Thema «Bücher machen» an der FH Bielefeld einladen. Von 10 bis 19 Uhr geht es dann am Fachbereich Gestaltung in der Lampingstraße 3, 33615 Bielefeld um folgendes Programm:

10:00 Jenna Gesse Leerzeichen für Applaus
11:00 Achim Böhmer, Sara Hausmann Looking back to the future
12:00 Jost Hochuli Von A wie Anmerkung und B wie Blödsinn bis Z wie Zeiger

13:45 Jost Hochuli Systematische Buchgestaltung
14:45 Judith Schalansky Gebrochene Schriften, abgelegene Inseln […] oder wie ich Bücher mache
15:45 Peter Graf

17:00 Sven Ehmann Datenvisualisierung und Visual Storytelling
18:00 Prof. Ulrike Stoltz KREUZ & QUER/HIN & HER […] nicht-lineares Lesen im Buch.

Bei dem Programm – allein Hochuli wäre die Reise wert, Schalansky ist auf dem Weg zur Bestsellerautorin ersten Ranges und die anderen Sprecher sind kaum weniger prominent – ist verständlich, wenn Dirk Fütterer vom Institut um eine Anmeldung bittet: unter mail@institut-buchgestaltung.de.

Der Besuch der Tagung ist kostenlos. Zur Kostendämpfung bittet das Institut die Besucher um eine kleine Spende von 5€ oder mehr, was angesichts des Programms und der Preise anderer Konferenzen mehr als fair ist. Ich habe morgen Termine und kann nicht ins schöne Bielefeld, aber ich kann jeden Leser nur ermutigen, kurzentschlossen in den Zug zu springen und sich diese Tagung zu gönnen, es kann sich nur lohnen, zumal Dirk Fütterer an der FH und mit dem Institut wirklich ausgezeichnete Arbeiten produziert, die man gesehen haben sollte. Hin Hin…

19:08 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

11-12-07

7. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Gian Domenico Borasio: Über das Sterben

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Das kleine Buch des Münchener Palliativmediziners Borasio bildet einen seltsamen Kontrapunkt zu den Auszügen der Schallplattenserie »Distar – Die Stimme des Arztes« aus den fünziger bis siebziger Jahren, die ich frisch als Hörspiel des Bayrischen Rundfunks im Zusammenschnitt von Kalle Laar gehört habe. Wo bei Laars Zusammenschnitt die Ärzte sich noch wahlweise als reine Handwerker oder tatsächlich als Halbgötter in Weiß präsentieren, die oft hart an der Grenze zur Eugenik argumentieren, oft aber auch heute noch zutreffende, sehr übergreifende Analysen anbieten, präsentiert sich Borasio bescheidener, vielleicht weil sein Feld nicht viel Anlaß dazu gibt, sich selbst als Herr über Leben und Tod zu erleben, sondern dort beginnt, wo der normale medizinische Ansatz an seine Grenzen kommt.

Gleich vorweg nimmt der Arzt dem Leser die Hoffnung, so zu sterben wie er es sich vielleicht wünscht – während die meisten Leute statistisch bevorzug plötzlich und schnell sterben würden (etwa durch eine Herzattacke), ist die Realität so, dass nur 2% aller Todesfälle so verlaufen, die meisten Todesarten, etwa durch Krebs oder Demenz weisen einen Verlauf von einem bis zehn Jahren auf, mit zunehmender Pflegebedürftigkeit der Sterbenden und gerade im Falle der Demenzkranken mit steigender Tendenz.

Borasio plädiert – vor seinem Hintergrund selbstverständlich – für einen Ausbau einer stationären aber vor allem auch ambulanten palliativen Pflege, wobei vor allem letztere derzeit kaum gegeben ist, wie der Autor selbst an der Rolle des Hausarztes verdeutlicht, der hier eine zentrale Bedeutung haben könnte (und sollte), der aber in den meisten Fällen für 18 € pro Visite wenig Anreiz haben wird, sich auf dieses anstrengende und offenbar schlecht entlohnte Terrain zu begeben. Im Laufe seines Buches hakt Borasio die verschiedenen Bedürfnisse von und Möglichkeiten für Patienten und Angehörige ab, von simplen Dingen wie Atemnot bis zu der Frage, wie seelsorgerische und spirituelle Aspekte bis hin zur Nachberatung nach dem Tod für die Familie organisiert sind bzw. sein könnten. Ob Schmerzmittelgabe nach WHO-Schema, künstliche Flüssigkeits- und Nahrungsgabe oder induziertes Koma – allein, weil »Über das Sterben« Antworten auf die meisten offenen Fragen hat und Optionen abwägt, ist das Buch für Angehörige wie für jeden, der sich selbst mit der Frage nach der Gestaltung seines Lebensendes befasst, eine mehr als lesenswerte und sehr allgemeinverständliche Lektüre, kurz und prägnant, klar gegliedert und trotz der emotionalen Wucht des Themas weder zu pathetisch noch zu kalt, sondern durchaus, wenn man so will, gut lesbar, warmherzig, humorvoll und mit Hoffnung geschrieben.

Darüber hinaus zeichnet sich hier natürlich ein unverzichtbarer Wandel im medizinischen Denken ab, den einzelne Ärzte längst in ihrem Alltag leben, viele Ärzte laut Borasio aber nach eigenem Bekunden nicht beherrschen und sogar vermissen – die Entwicklung hin zu einem kommunikationsfähigen, für den Patienten offenen Mediziner, der sich nicht hinter einem Wall von Fachtermini versteckt und nicht unilateral «erläutert», sondern empathisch auf den kranken oder sogar sterbenden Menschen zugehen kann. Ich stelle mir das für Ärzte, egal ob im Studium oder mit jahrelanger Erfahrung als Ober- und Chefarzt, enorm schwer vor. Die kühle, von Codes, Chiffres und Wort-Camouflage geprägte Fassade, das Vertrauen auf Technologie, Chirurgie und Pharmazie, die klare Hierarchisierung von Spitälern und nicht zuletzt auch der in den letzten Dekaden exponentiell steigende Druck, wirtschaftlich «sinnvoll» (also gewinnorientiert) zu arbeiten, machen den Patienten vom Subjekt zum Objekt, zu einer nie wirklich endenden Flut von zu lösenden Problemen, schließlich auch zu einer Aktenlage, die Ärzte abarbeiten und verwalten wie Anwälte und Richter ihre Fälle, mit der gleichen Effizienz und Abstraktion. Es ist schwer – für Patienten wie für Ärzte – von diesem über Jahrzehnte erlernten Modus auf eine seelsorgerische, sozialarbeiterische gar psychologische Arbeit umzuschalten, die im Krankenhausalltag bestenfalls den Schwestern und Sozialteams mehr schlecht als recht überlassen wird. Es gibt dennoch gute Gründe, warum in einer alternden Gesellschaft ein neuer Typus von Arzt-Patient-Kommunikation entstehen müsste, und Borasio plädiert in diesem Sinne für eine Schulung von Ärzten im Sinne von palliativer Pflegekompetenz, die eine Voraussetzung für die einfachsten medizinischen Erfolge in der Behandlung, aber eben auch für ein souveränes Sterben sein kann.

Was keineswegs unausgesprochen hinter »Über das Sterben« steht, ist der gesellschaftliche Wandel. Borasio selbst nennt die aktuelle Re-Urbanisierung, die Demographie, den Unterschied zwischen größeren Familien auf dem Lande und Single-Haushalten in der Stadt, die bittere Wahrheit, dass familiäre Pflege meist bei den Töchtern hängen bleibt und kommt indirekt zu dem Fazit, dass, wer sich ein humanes Sterben im Kreise der Familie wünscht, idealerweise auf dem Land leben sollte, Kontakte zu Nachbarn pflegen und vor allem reichlich Kinder, idealerweise Töchter, in die Welt setzen sollte. Da dies aber genau nicht mehr der Fall ist und wir mit der geschlechterübergreifenden Straffung der Arbeitswelt, der dichteren Taktung von Arbeit (so man welche hat), dem Aufweichen der Grenze zwischen »Privat« und »Beruf« und der Anonymität in den wachsenden Großstädten uns eher von diesen Bedingungen weg-entwickeln, stellt das Buch zu Recht auch die Frage, wie wir gesellschaftlich und professionell ein »sanftes« Sterben organisieren wollen, wenn es sozusagen nicht mehr ganz normal-familiär gewährleistet sein kann. Borasio kratzt damit am Tabu des Sterbens und der Trauer in der Hyperdrive-Gesellschaft und nicht zuletzt auch an der Thematik der aktiven und passiven Sterbehilfe und des assistierten Suizids, wobei sich der Arzt recht deutlich gegen die in den Beneluxländern praktizierte Tötungslegalisierung ausspricht und für einen assistierten Suizid, womit er deutlich von der offiziellen Haltung der Ärztekammer abweicht, die gerade erst die letzten Interpretationslücken geschlossen hat und die Sterbehilfe nahezu verbietet. Was angesichts von Borasios Argumentation, das etwa in Oregon – wo die assistierte Sterbehilfe legal ist – nur 2% der Patienten, die Suizidmittel erhielten, diese auch nutzten, es also scheinbar vielmehr um das Gefühl geht, selbst als Patient kontrolliert entscheiden zu können, wann es Zeit ist, auszusteigen.

Gegen Ende des Buches, das in seiner leichten Sprunghaftigkeit manchmal wirkt, als sei es aus verschiedenen Vorträgen destilliert, widmet Borasio sich der seinem Gebiet als universitäre Einrichtung, die derzeit zum Spielball Interessen von Anästhesie und Onkologie dasteht und seiner Meinung nach um Eigenständigkeit kämpfen muss und der hausärztlichen Arbeit nähersteht als einer pharmazeutischen Vergabestelle. Was plausibel erscheint, da es in der »palliative care« sicher mehr um psychosoziale Momente geht als nur um die Verabreichung von Morphin und da – vor allem langfristig – nicht nur Krebspatienten bereut werden, sondern auch ALS- oder Demenzkranke, Kinder und viele andere Sterbende. Die Zeit, so traurig es ist, und die gesellschaftliche Entwicklung, spielt dieser professionalisierten Substitution einer post-industriell untergegangenen familiären Betreuung von Sterbenden in die Hände.

Und so ist »Über das Sterben« keineswegs nur ein Leitfaden oder ein Ratgeber, sondern natürlich eine Verteidigung von Gian Domenico Borasios eigenem Arbeits- und Forschungsgebiet und ein Plädoyer für mehr Beachtung (und Mittel) für den palliativen Pflegebereich. Borasio legt dabei sehr viel Wert auf die reflektive Bedeutung des Sterbens für das Leben der Kranken, aber auch für die Ärzte und Pfleger selbst, und induziert so, dass wir auch gesamtgesellschaftlich vielleicht den Tod nicht so sehr tabuisieren sollten, sondern als wichtigen und normalen Teil des Lebens begreifen, als Gegenstück und Vollendung der Geburt. Und obwohl Borasios Buch aufgrund der Kürze an vielen Themen nur kratzt, obwohl es vor allzu tiefen philosophischen und sozialen Betrachtungen an sich wohltuend zurückschreckt, schafft das dünne Buch einen hervorragenden Bogen zwischen pragmatischer Anleitung, mentaler Vorbereitung und einer Art aus der Praxis entwickelte spiritueller Grundhaltung, der nicht nur eine kurzweilige, weil oft rastlose Lektüre gewährt, sondern einen bewusst auch für Nicht-Mediziner gedachten Einstieg in ein komplexes und umstrittenes Thema leistet. Mag sein, dass Mediziner sich trefflich über den Inhalt des Buches streiten können – aber das einzige, was man also aus Sicht des Laien an »Über das Sterben« kritisieren kann, ist das entsetzliche Cover… der Inhalt ist für jeden lesenswert und zeigt zugleich auf, wie weit der Weg noch ist, den die Medizin vor sich hat von den wissenschaftlichen Halbgöttern in Weiß der Distar-Serie zu psychologisch und soziologisch geschulten Lebensbegleitern.

08:57 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . Keine Antwort.

11-12-06

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6. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dillon: This Silence Kills

hd schellnack

Schon das sepiagetränkte Cover läßt intuitiv an Björk denken – wer den Vergleich mit der Isländerin scheut, hätte wahrscheinlich eine andere Photostimmung gewählt. Die in Berlin wohnende und aus Brasilien stammende Dominique Dillon de Byington scheut ihn nicht – und hat auch keinen Grund dazu. Während Björks neues Album Biophilia zwar intellektuell-abstrakt vielleicht spannend ist und mit seinem düsteren Orgel-Clustern irgendwie sicher auch spannend ist, hat sich die Isländerin mehr und mehr von der Musik als solches verabschiedet und stilisiert sich, nicht immer auf festem Grund, als Gesamtkünstlerin. Dillon spürt man den Willen zur Kunst mit jedem Track sicher auch an, und auch das Phototage-Buch auf ihrer Website deutet in diese Richtung. Wie so viele andere digitale Musiker dieser Tage ist die Grenze zwischen Klangdesign und anderen künstlerischen Outputs fast unsichtbar geworden, etwas böse gesagt scheint es keinen Unterschied für die postadoleszenten Artists zu machen, ob sie Gedichte und Songs schreiben oder Photos und Videos machen, die Werkzeuge sind ja relativ identisch geworden. Es gibt eigentlich reichlich Gründe, Dillon inzwischen zahllosen vergleichbaren Girl-Music-Produkten nicht zu mögen, wäre da nicht die Tatsache, dass ihr Debut »This Silcence Kills« von vorn bis hinten Spaß macht. Die mal minimalistische, mal elektronisch-naiv angedickte Klanglandschaft, die zirpende, wispernde, trällernde, brüchige, rauchige, kindliche Stimme, das ist alles eigentlich gar nicht so sehr Björk, sondern (wenn man schon unbedingt Vergleiche braucht und klar braucht man die) eher Joanna Newsom auf etwas harmloseren Drogen. Anders als jene aber hat Dillon bei allem Hang zu verkopften Anklängen eine sehr solide Ader für Pop, eine Vielzahl von Einflüssen und Quellen und Interessen, die sich in den verschiedenen Tracks manifestieren und eine sehr junge Neugierde, die Prätentionen à la eben Björk verhindern, »TSK« bleibt immer und vorzüglichst eine Pop-Platte zwischen Kammermusik und etwas Dancefloor, zwischen unterkühlt-bohèmer Pose und urbanem Mainstream, umso überraschender, wenn man bedenkt, das der Kölner Tamer F. Özgönenc von MIT co-produziert hat, der aber vielleicht dafür sorgt, dass »TSK« zu keinem Moment süßlich oder anbiedernd bleibt, sondern immer bei sich ist und dich als Zuhörer eigentlich nicht braucht, etwas kratzbürstig sein kann. Das ist eine etwas prekäre, schwebende Position und ich bin gespannt, ob sich die so leicht und so gelungen auch in Zukunft halten lässt, aber für ein Debutalbum stimmt an «This Silence Kills» eigentlich alles. Produktion, Texte, Variation, Klarheit, Eingängigkeit, Uneingängigkeit – wunderbar austariert, nie glatt, nie nervig. Eigentlich ist dieses Album also im Kern irgendwie auch deprimierend – wenn deutsche Musik so gut, so nahezu makellos sein kann (und es ist ja nicht nur Dillon, die ausgezeichnete Musik liefert hierzulande), wie entschuldigt man dann die »Musik«, die im Radio als deutsche Produktionen per Heavy Rotation zum kleinsten gemeinsamen Nenner erklärt wird? Schade – denn gerade diesem Album hätte man mehrfaches Platin und Preise aller Art gern gegönnt.

19:34 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Faxart

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Das kam gestern tatsächlich so aus dem Fax hier und gefiel mir bestens… Instant Carson.

11:02 Uhr. Kategorie Arbeit, Stuff. Tag . 2 Antworten.

Dayshot

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5. Dezember 2011 22:24 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

11-12-05

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-12-04

4. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Niobe: The Cclose Calll

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Das sechste Album, das die Kölnerin Yvonne Cornelius (die man u.a. auch als Mouse-on-Mars Vokalistin kennt, etwa bei »Send me Shivers«) unter dem Pseudonym «Niobe» veröffentlicht hat, ist ein Geschenk. Mal abgesehen davon, dass nichts an diesem Album «deutsch» wirkt, nicht der Gesang, nicht die Produktion, nicht die Musik, nichts – mal abgesehen davon, ist dieser Produktion kein Stil unterzuschieben, keine Richtung, kein eindeutiges Flair, mit Ausnahme einer puren Kreativität, die einen erst vermuten lässt, man hätte einen Soundtrack oder eine Anthologie erstanden. Da knallen Chanson und Stockhausen aufeinander, Jazz und Radiohead, dekonstruktives Hörspiel und lupenreine Singer/Songwriter-Kompositionen, Akustikgitarren und Schlafzimmer-Sample-Loops, große Sounds und urplötzliche Intimität, da verstellt die Sängerin die Stimmen, wandelt sich in verschiedene Charaktere – ich habe selten ein Album gehört, das sich noch schlechter fassen lässt. Was anderen Leuten zum musikalischen Bauchladen, zur Krimskrams-Produktion missraten würde, ist hier aber in jeder Sekunde überzeugend, durchdacht, lupenrein und mit jedem Song atemberaubend. Man kann eigentlich keinen Song herauspicken, weil jeder so einzigartig und so anders als der jeweils nächste oder vorangegangene Track ist, jeder Song liebevoll geschliffen zu kleinen Miniaturen, zu akustischen Kurzfilmen, gesungenen Hörspielexperimenten. Auf einem Album so verschiedene Songs wie »The Stillness«, »As Long as I can fly«, »Does he Gallop O Walk» zu finden wäre schon ungewöhnlich – aber hier ist einfach jeder einzelne Beitrag so einzigartig, unverkennbar und absolut grundlegend anders, dass man nicht ganz weiß, ob man Yvonne Cornelius Heiratsanträge oder die Adresse eines charmanten Psychologen schicken sollte… Denn es kann nur entweder Genie oder Wahnsinn sein, was hier am Werk ist auf diesem ganz, ganz großartigen Stück Musik.

19:29 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

hd schellnack

18:59 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Gem Club: Breakers

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Das aus Somerville kommende Duo Christopher Barnes und Kristen Drymala präsentieren auf ihrem Debüt eine verinnerlichte, atmosphärische Musik, die die Grenzen zwischen Kammermusik und Indie auslotet. Zeitlupenhafte, gern durch Hall und Delay gejagte Klavierakkorde, überhaupt endlos weiter Raumhall, schleppender Gesang aus der Tiefe des Raums, ein Minimum an Percussion – in der Summe ergibt das eine sich aktuell anfühlende, unterm Strich aber zeitlose Musik zum Mitleiden und Selbstmitleid-Haben, die weniger durch instrumentale Virtuosität überzeugt (obwohl das Duo klassisch ausgebildet ist) , als vielmehr durch eine schleppende und zugleich schwerelose Unterwasser-Melancholie, eine phantastisch schillernde Trübheit, eine freudige Trauer, die an Mike Mills «Beginners» erinnert – und nicht ohne Grund als eine Art innerer Soundtrack durchgehen kann. Mysteriöse Texte, hypnotisch wiederholte Pianoriffs und Refrainzeilen, das Falsettnuscheln von Barnes… »Breakers« ist eine Platte die sich sehr, vielleicht auch zu sehr anstrengt, geheimnisvoll und nebelig zu sein, schleppend und winterlich. Das Ergebnis ist Musik wie ein Stein, der vom Wasser in runde, aber keineswegs makellose Form gewaschen wurde und dessen mattschwarz schimmernde Oberfläche dazu einlädt, ihn in die Hand zu nehmen, sein Gewicht zu spüren und ihn nicht wieder loszulassen. Wer spätestens bei »Lands« noch klar weiß, ob er weinen oder sein Gesicht breit lächelnd zum Himmel richten soll, wer nicht verwirrt eigentlich beides zugleich tun möchte, hat kein Herz. »Breakers« ist die Sorte Album, die es nur selten gibt und die selbst Gem Club nur dieses eine Mal so hinkriegen werden – es zu wiederholen wäre langweilig und redundant, etwas zu verändern wäre ein Rückschritt. Umso gespannter darf man darauf warten. Und hoffen, dass es bald schneit, weil dieses Album wie gemacht ist, um mit diesem Soundtrack durch Schneetreiben zu gehen.

18:51 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

11-12-02

2. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Grant Morrison: Supergods

hd schellnack

»Supergods« ist ein seltsames Experiment. Teils Exegese der Popkultur anhand ihrer Comic-Helden, teils Autobiographie, teils sehr individuelle Welttheorie, teils geschicktes Self-Marketing. Von Siegel und Schusters Superman über Stan Lee und Morrisons Nemesis Alan Moore bis hin zu Morrisons aktuellsten Arbeiten geht die Reise, die zum Teil bereits bestehende Interviews und Essays des Autors kohärent zusammenfasst und zu einer Metaidee verwebt. Das bestechende an »Supergods« ist zweifelsohne, wie Morrison Comics als Zeitsymptom deutet, in denen sich die Trends der jeweiligen Epochen des Mediums nicht nur widerspiegeln, sondern die nicht selten in der hypertrophen Kunstwelt der Superhelden Entwicklungen der »realen« Welt vorwegnehmen. Gerade an den oft meta-textuellen und psychedelischen Stories der Silver Age entdeckt Morrison Aspekte, die unwillkürlich an eine Art Light-Version von Zizeks Filmanalysen erinnern. Im Vordergrund stehen dabei die von Redakteur Julie Schwartz bei DC betreuten klassischen Helden der sechziger Jahre, darunter The Flash, Atom und Green Lantern, deren postmoderne und popkulturelle Anklänge heute in Morrisons eigenen Arbeiten oft widerhallen, aber auch die Marvel-Revolution Mitte der Sechziger und dr Brit-Boom der Achtziger, der Trend zu erwachseneren Graphic Novels und sogar der Image-Boom der 90er sind Morrison einer persönlichen Betrachtung wert. Je näher der Autor allerdings der Gegenwart kommt, umso weniger scharf und alert wirkt sein Blick, ganz im Gegenteil wirkt vieles beflissen und seinem gegenwärtigen Arbeitgeber DC gegenüber zu unkritisch. Dass Morrison dabei ein an Marketing grenzendes Namedropping veranstaltet und seinen Chef Dan Didio förmlich feiert ist eine Sache – dass er diese Perspektive aber auch in die Vergangenheit ausdehnt und die ungerechte Behandlung von Siegel und Schuster durch DC achselzuckend als Naivität der Superman-Schöpfer abtut, wirkt vermessen und zeigt, wie eng Morrisons Horizont zuweilen ist. Mag sein, dass er solche und andere »kontroverse« Positionen nur bezieht, um möglichst gegen den Mainstream zu argumentieren, aber es macht etwas traurig, wenn jemand, der mit Figuren wie Superman oder Batman Millionen verdient, es anscheinend völlig okay findet, wenn die Erfinder dieser Kreationen niemals ordentlich und fair entlohnt wurden. Dass es für Morrison eine enge Verbindung zwischen seinem persönlichen Leben und seiner Arbeit gibt, ist eigentlich seit seinen frühesten Tagen klar – immerhin hat er sich schon in einer seiner frühesten Arbeiten, Animal Man, dem Dialog mit seiner Figur gestellt, und mit The Invisibles einen fast zu nahtlosen Austausch zwischen Fiktion und Realität geschaffen, wobei Morrison das Comic nutzte, um sein eigenes Leben positiv zu beeinflussen. Auch die Faszination mit Comics als einer Art virtueller Welt, der der Leser sozusagen von der nächst höheren Dimension aus überlegen ist – er kann die Gedanken der Protagonisten lesen oder Zeit durch Vor-/Zurückblättern steuern usw. – ist für Morrison kein neues Thema, taucht immer und immer wieder in seinen Geschichten auf, zuletzt unter anderem in All Star Superman. Morrison widmet dieser Idee von Comics als zweidimensionaler Realität unterhalb unserer dreidimensionaler Wirklichkeit entsprechend einigen Raum und folgt der nachfliegenden These, dass es entsprechend über uns eine vierdimensionale Ebene geben könnte, deren Bewohner uns wiederum »lesen«. Die Comics-Unversen sieht er als lebende Entitäten, deren Fguren langlebiger sind als wir »normale« Menschen, die die Jahrzehnte überdauern ohne zu altern, getragen von der Phantasie immer neuer Autoren, die kommen und gehen und diesen Mythen kurzfristig dienen, Mythen die Jenseits ihrer Schöpfer einen Punkt an Komplexität erreicht haben, an dem eine Art von eigenem Leben emergiert. Diese Vorstellung dürfte den meisten Autoren vertraut klingen, die wissen, dass Figuren und Ideen irgendwann ein Eigenleben entwickeln.

Ob Jack Kirby oder Jim Lee, ob Batman oder Justice League, von billigem Pulp bis zu der komplexen Medienmaschine von heute, »Supergods« ist eine kurzweilige und hoch subjektive Reise in die Pophistorie der Comickultur mit einem Reiseführer, der es versteht, neue Verbindungen zu sehen zwischen denn grellbunten Abenteuern und der sie umgebenden Gesellschaft, den Autoren und ihren persönlichen Vorlieben und einer Art größerem eigenen Bewusstsein von Literatur an sich. Das Buch ist nicht nur ein spannender Schlüssel zu Morrisons eigenen Faszination und Arbeiten, sondern vor allem im Rückblick auf die Sechziger und Siebziger auch auf die Art und Weise wie eine Kultur ihre Ängste und Hoffnungen den gerade in Trashmedien wie Horrorfilmen, Science Fiction oder eben monatlichen Superhelden-Abenteuern reflektiert und ausprobiert, in modernen Moralfabeln, in denen oft das nahezu Ungesagte wichtiger ist als die eigentliche Handlung. Zugleich gibt der Autor einen zuweilen fast beiläufigen, oft aber auch fesselnden Einblick in seine eigene Biographie und Ideen »hinter« seinen Stories und damit in ein Phänomen, das bei «work-for-hire»-Autoren selten genug ist und Grant Morrison in seiner Zunft auszeichnet: Morrison nutzt das Genre, um seine eigenen Ideen zu kommunizieren. Während die meisten Autoren im Serienwesen der Comics damit zufrieden sind, komplexe Soap Operas mit Spandex-Kostümen zu erzählen, sich von Monat zu Monat, Cliffhanger zu Cliffhanger und Kampfszene zu Kampfszene zu hangeln, hat Morrison eine überschaubare Anzahl «magnetischer» Themen, die immer und immer wieder in veränderter Form in seinen Arbeiten aufkommen. Ob ultrakomplexe Indieserie oder Blockbuster, ob manifest oder fast subliminal versteckt, Morrisons Arbeiten sind voller literarischer Experimente, Spiegel eigener Faszination und zunehmend auch eine Art Metamedium, in dem es mehr und mehr um Morrisons Theorien hinter der Geschichten geht (die sich in einem mit anderen Autoren geteilten, fließenden Kontinuum natürlich immer nur begrenzt umsetzen lassen). Dieser Ansatz stellt Morrison auf eine Stufe mit Raymond Chandler oder Philip K. Dick, die jeweils auch Trashmedien erobert und zu Sprechrohren ihrer eigenen Ambitionen und Fragen gemacht haben. Ein entscheidender Unterschied zu diesen beiden und anderen genretranszendierenden Autoren besteht jedoch darin, dass sich Morrison sehr entscheidend von Comics selbst inspirieren lässt, aus dem System selbst heraus Inspiration schöpft, nicht sehr über den Tellerrand blickt. Trotz aller literarischer Quellen, Popzitae und Drogentrips scheint vor allem der spätere Morrison ein autopoeitisches System, einem Perpetuum Mobile, der seine eigenen Werke und die Gescichte der Comics geschickt zu einem postmodernen Zitatedschungel verwebt, und etwa seinen All Star Superman oder seine aktuellen Batman-Geschichten massiv aus frühen Silver-Age-Elementen konstruiert, etwa aus Otto Binders naiven Superman-Fabeln oder aus den psychedelischen Sixties-Batman-Stories, in denen der eigentlich eher auf normale Kriminelle geeichte Batman plötzlich auf Außerirdische und andere seltsame Gegner traf – was Morrison prompt auf Erfahrungen Baumanns mit psychedelischen Drogen zurückführt. Und damit wieder autobiographisch macht.

Solcher Spiegelkabinett-Referenzen ungeachtet, ist Morrison die große Ausnahme in einer Branche, die zu wenig solcher Talente aufweisen kann, vor allem im Mainstream. Obwohl die Qualität seiner Arbeit ungemein schwanken kann, obwohl Morrison tatsächlich große schriftstellerische Probleme hat, etwa damit, ein befriedigendes Ende einer Geschichte zu finden, ist all seinen Arbeiten ein kreativer Hunger anzumerken, der bei Ergebnissen wie We3 oder Flex Mentale beispielsweise das Comic-Genre an die Grenze des Machbaren auslotet und verschiebt. »Supergods« macht deutlich, dass hinter dieser Arbeit mit den Jahren eine Art Philosophie und Weltanschauung entstanden ist, die, vorsichtig gesagt, ähnlich verwirrend klingt wie die Überzeugungen, mit denen PK Dick sich am Ende seiner Laufbahn zunehmend befasste. Auch wenn an sich mit Morrisons Haltung vielleicht nicht anfreunden kann und einen pragmatischeren Blick auf das Universum hat als der Autor, ist es so oder so faszinierend, auf eine so komplexe und plausibel argumentierte Konstruktion hinter dem Oeuvre eines Mainstream-Autors zu blicken. Seine Art zu denken, sein persönlicher Background und seine Arbeit verschmelzen bei Morrison zu einer Art Gesamtkunstwerk, dem das Buch eigentlich in seiner fragmentierten, mitunter unfokussierten Herangehensweise nicht ganz gerecht wird. Im Grunde folgt Morrison auch hier seiner Technik, möglichst viel wilde Ideen an die Wand zu werfen, zu sehen, was kleben bleibt und sich nicht weiter darum zu kümmern, ob die Elemente unbedingt ein kohärentes Ganzes ergeben. Auf seiner Reise durch die Nerd-Kultur verblüfft Morrison mit einem schönen, liebevollen, sehr anderen Blick auf die frühen Jahre der Comic-Industrie, historisch nicht immer korrekt, aber frisch und innovativ, und bis zur Jetztzeit ist seine Darstellung der Branche als dialektisches System, in dem Utopien und Dystopien sich ebenso abwechseln wie die relative kreative Wertschätzung der von Autoren oder Zeichnern. Am Ende des Buchs aber verliert Morrison – vielleicht unter Zeitdruck einer Headline – zunehmend den Faden, entwickelt seine Theorie von Superman & Co als eine Art selbstgeschaffenes Pantheon aus Papier nur beiläufig und legt vor allem die durchaus kritische Betrachtung des Genres einfach ab, wohl aus Angst, die Hand zu beißen, die ihn füttert. Das macht »Supergods« nicht weniger zu einem lesenswerten Einblick in kreative Arbeit und die Art und Weise, wie ein Autor mit seiner Materie zunehmend biographisch eins wird – hinterlässt aber ausgerechnet am Ende einen Hunger nach mehr, den das Buch leider nicht befriedigt.

13:11 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

11-12-01

1. Dezember 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-30

30. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-29

29. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-28

28. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

How News are made…

hd schellnack

In den stets lesenswerten Blog von Newspaper-Designpapst Mario Garcia (den man hierzulande u.a. für seine seinerzeit umstrittenes Zeit-Redesign kennt) findet sich ein Link zu einem Text der (Online-) Journalistin und Designerin Lauren Rabaino von der Seattle Times. Der Text befasst sich mit Twitter als News-Quelle, der enormen Redundanz von timeline-artigen Berichten und versucht einige Antworten auf die Probleme zu geben, die diese Art von Nachrichtenerzeugung mit sich bringt, die am Ende in der Idee einer Art News-Wiki mündet und einem Crossover aus verschiedenen Formen von Online- und Offline-Berichterstattung.

Garcia bring es auf den Punkt: «We have said repeatedly that the printed newspaper has lost the time advantage to the digital media.» Wann immer ich in letzter Zeit lokale Tageszeitungen gesehen habe, war ich überrascht, wie «alt» mir die meisten überregionalen und globalen Nachrichten erschienen. Ich kannte sie meist schon aus Tweeds, RSS und Online-Nachrichtenportalen. Gegen diese Medien ist selbst das Fernsehen, der alte Gegner der Printmedien, träge. Die Stärke von Print liegt aber, wenig überraschend, nach wie vor in den regionalen Nachrichten, die online nicht richtig stattfinden und in der Reflektion – dem Essay, dem Interview, der Langzeitberichterstattung und so weiter. Also in Dingen, die die Wochenzeitungen vorleben und die der Echtzeitigkeit enthoben sind, eher allgemein bekanntes noch einmal aufarbeiten, einordnen, differenzieren. Was mir die Hoffnung gibt, dass mehr Zeitungen aus reinem Überlebenswillen wieder zu essayistischen, feuilletonistischen Formen zurückfinden und die Grenzen zwischen «Literatur» und «Journalismus» wieder aufweichen und sich dadurch tatsächlich entschleunigen als Reaktion auf die High-Speed-Online-Medien.

03:44 Uhr. Kategorie Design, Online. Tag , . 7 Antworten.

Visual Narration

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Auf der Suche nach Bildern von Lucien Clergue bin ich auf einem russischen Liveblog über dieses Photo gestoßen, dass wohl von Helmut Newton stammt. Obwohl ich Newton technisch und in seiner Faszination für seine eigenen Fetische hinreissend finde, bin ich oft irritiert von seinem Frauenbild (wiewohl er das ja auch oft genug ironisch bricht und man sich fragen muss, ob seine Models nun voyeuristische Objekte sind oder Prototypen eines neuen «starken» Frauentypus, den Newton weit vorweg genommen hat und früh mit den üblichen Frauenbildern brach) und der gar-nicht-so-subkutan-faschistoiden Tonalität seiner Bilde, ist dieses Photo ein makelloses Beispiel von photographischer Erzählung. Die Farben, das Licht – perfekt. Das fast monochrom-herbstgrünliche Umfeld, so trist und urban-isoliert, zugleich zu leer und zu voll. Der Dreck auf dem Balkongesims. Der umgekippte wunderbare Stuhl. Der Aschenbecher, die Eiswürfel. Das rote Handtuch, das dein Auge unweigerlich ins Bild zu saugen scheint. Die Körperlage, der Kopf, die wunderbaren Haare, der steif angewinkelte Arm, die Balance zwischen Anspannung und Schlaffheit – es ist nicht einfach, so perfekt Beiläufigkeit zu inszenieren. Aber hier gelingt es, uns so erzählt das Bild jedem Betrachter eine andere Story, von tragischen Unfällen oder von Suizid, es stellt unlösbare Fragen… warum bei diesem Wetter nackt auf den Balkon gehen? Warum mit so perfekt gemachten Haaren? Wie konnte sie so fallen, dass der Stuhl auch umkippt, hat sie sich festzuhalten versucht? Unweigerlich, wie immer bei Photographien, springt der Geschichtenerzählter im Kopf an, der aus wenigen Details und Hinweisen – je weniger, desto besser – eine plausible Geschichte zu erfinden versucht, weil das Gehirn anscheinend mit dem Rätselhaften von reinen Standbildern nicht koexistieren kann, das Vakuum füllen muss. Selten ist diese Eigenart so wunderbar ausgenutzt wie hier – ich muss dabei eigentlich auch sofort an Grace Coddington denken, die mit den verschiedensten Photographen ja auch immer wieder ähnliche Tableaux Vivants über die Jahre produziert hat.

00:24 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Zukunft, echt

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Aus dem stets wunderbaren Blog von Christoph Schmidtke und Anja Schöler (a.k.a. Die Zweibeiner), in dem es von echten und wunderbar schlecht gefälschten Fundstücken, Ideen und schönen Texten nur so wimmelt. Hin, hin…

27. November 2011 22:34 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Dakota Suite: The Hearts of Empty

hd schellnack

Chris Hooson und seine Dakota-Suite-Crew produzieren ihre Alben schneller, als man sie kaufen kann. «The Hearts of Empty» ist noch gar nicht so alt, da steht schon «the side of her inexhaustible heart» bereit, wenn auch noch nicht bei iTunes verfügbar. Auf «The Hearts of Empty» präsentieren die Zeitlupenmusiker von Dakota Suite ausgesprochen jazzig, die in nur wenigen Tagen eingespielte Platte weht durch den Raum wie eisiger Wind, verhallt, entfernt und doch schneidend. Die reduzierten, betont einfachen Kompositionen sind dabei allerdings alles andere als echter klassischer Jazz, sondern Jazz gefiltert durch Hoosons Ohren, melancholisch, verloren, eine Art Twin-Peaks-Soundtrack, der niemals verwendet wurde. Die Tracks sind so reduziert, dass sie fast Loops sein könnten, Darlings Cellofragmente etwa, über die fast nur noch die Drums Leben hauchen. Es ist ungemein mesmerisierende Musik, seidig und geschmeidig, wie dahin driftender Schnee oder gefrorene Flüsse, eine Klanglandschaft, die fast nicht vorhanden ist, in der immer wieder vertraute Motive aus dem Nebel ragen, in einer seitlosen, verlorenen Zugfahrt entlang der Küste und durch brachliegende Industrie-Innenstädte, durch Schnee und Regen. Ein Minimum an Elektronik und Ambientsounds reichert die 14 Tracks dieses Slowcore-Soundtracks an, der so ausgesprochen gut zum Wetter draußen passt. «The Hearts of Empty» ist eine wunderbare Platte, ein zu Musik geronnenes Stück Depression, eine Musterübung an Reduktion und Langsamkeit, die «meditativ» zu nennen freundlich untertrieben wäre. Es gibt sicher noch einige weiter verinnerlichte Alben, aber es sind sicher nicht sehr viele.

21:21 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Dayshot

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20:03 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

hd schellnack

19:31 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

11-11-26

26. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

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13:57 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

11-11-25

25. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Dayshot

hd schellnack

17:28 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 2 Antworten.

Kate Bush: 50 Words for Snow

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Prägnanter könnte der Gegensatz zu Stings Selbstinszenierung zum 25. Solo-Jahrestag kaum sein: Kate Bush, die auf immerhin rund 33 Jahre seit der Veröffentlichung von «The Kick Inside» zurückblickt, bringt nach rund sechs Jahren ein neues Studioalbum heraus – dicht nach dem «Director’s Cut» alter Tracks von «Red Shoes» und «Sensual World». Nicht ganz so alt wie ihr britischer Kollege, aber immerhin auch über 50, ist Bush eine Figur, ohne die heutige Singer/Songwriterinnen nicht denkbar scheinen. Ob die offensichtliche Epigonin Tori Amos oder auch Zola Jesus oder Florence Welch… die von Bush vorgelebte Fusion von künstlerischer Freiheit und kommerziellen Erfolg war (und ist) wegweisend für Art-Pop oder Pop-Art oder wasauchimmer. «50 Words for Snow» ist vor diesem Hintergrund ein bemerkenswert bescheidenes zehntes Album in einer langen und langsamen Karriere. Während Catherine Bush auf dem phantastischen Doppelalbum «Aerial» mitunter noch die Freuden des Hausfrauenalltags zu besingen schien, hat sie sich auf «Snow» offenbar der Stille und Introspektion verschrieben. Das Album wirkt kammermusikalisch, still. Phantastisches Piano, die unkaputtbare Stimme von Bush, ein Minimum an Percussion, Sounds, Electronic, Backgrounds – mehr braucht es nicht für ein Album, für das eben Tori Amos wahrscheinlich töten würde. Dem Thema angemessen, ist es ein kühles, distanziertes Album, das man sich erobern muss, so weit abseits von Pop, wie Bush vielleicht niemals zuvor war, so nah am Konzeptalbum wie selbst mit «Aerialist» nicht. Denn tatsächlich dreht sich nahezu jeder Song um Schnee und Kälte, um Yetis und verschneite Seen. Es ist das Album zur Jahreszeit und die vielleicht beste Weihnachtsplatte, die man sich wünschen kann. Wunderbar authentisch und makellos aufgenommen, weht ein seltsamer Wind von Brian Eno-artiger Reduktion durch das Album, eine kühle Traurigkeit, perfekte Kopfhörermusik. Mitunter kann das Schneethema auch etwas anstrengen, etwa wenn Elton John (ausgerechnet) als Gast-Vokalist auftritt oder der grandiose Stephen Fry tatsächlich durch 50 fiktive Worte, die Bush sich für Schnee ausgedacht hat, gezwungen wird, wofür die grandiose Instrumentierung aber mehr als entschädigt bei diesem einzigen etwas kräftigeren Titel des Albums, der ein klein wenig an die früheren Parallelen zwischen Peter Gabriel und Bush erinnert. «Snow» ist ein delikates, und mit Sicherheit hochexzentrisches Album, das du entweder haßt oder liebst. Ich liebe es – es ist ein mutiges, konzentriertes, seltsames, schillerndes kleines Meisterwerk völlig außerhalb des Mainstreams, eine Platte die atmet und pulsiert und die zu keinem Moment wirkt als hätte Bush noch Touren oder Charts nötig oder würde einen Dreck um Plattenlabel oder Erfolg geben – mit anderen Worten, es ist reinste, purste Musik ohne doppelten Boden. Was will man mehr?

24. November 2011 20:22 Uhr. Kategorie Musik. Tag , . Keine Antwort.

Slanted # 16 Bold-Light

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Mit diesem Heft hat die Slanted-Redaktion bei mir leicht gewonnen. Zum einen liebe ich helle und dunkle Schriften im Kontrast, das taucht immer und immer wieder bei mir auf, zum anderen ist Muhammad Ali via Bildern aus dem Corbis-Archiv photographisch heftigste in dem Heft präsentiert, der als Kindheitsidol durchgeht und bis heute vieles was an den 60ern gut und vieles, was verdammt schlecht war verkörpert und der zwar wie ein Schmetterling zu schweben verstand, aber stets eher schwer als «light» war und das in jeder Hinsicht. Davon abgesehen ist das Heft wieder Spielwiese für die Magma-Designer, die hier natürlich experimenteller abgehen können als im Alltagsgeschäft… auch wenn ich zugeben muss, dass ich genau diesen Look, so sehr ich den an sich mag, langsam aber sicher nicht mehr sehen kann, weil es zu viele Magazine und Bücher, zu viele Büros in einer bestimmten Sparte von Design und viel zu viele Studenten gibt, die mal besser mal schlechter diesen etwas hingenöhlten Design-Look fahren, so wie vor 15 Jahren alles nach Carson aussah. Wenn dieser Look aber langsam in den Theater-Spielzeitheften und Massenpublikationen ankommt (wo man sich fragen muss, ob er da überhaupt hingehört) kann und darf die Slanted eigentlich eine andere Richtung einschlagen, wie immer die auch aussehen mag. Den aktuellen Trend zu in-allen-vier-ecken-soll-typo-stecken… hey, vielleicht mag ich den einfach persönlich nicht, weil ich die 80er selbst live erlebt habe :-D.

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Dennoch ist dieses Heft bereits anders als die drei Vorgänger, wieder einen Hauch cleaner bei aller Liebe zum Chaos – und es steht so einem Heft, das keinen tighten roten Faden verfolgt, vielleicht ja auch ganz gut, wenn es etwas Notizblock-haftes hat, zusammengerockt wirkt, den Geruch von Überstunden, Koffein und Abreagieren hat, man den Seiten den Spaß und die therapeutische Wirkung briefingfreien Arbeitens ansehen kann. Schwerer zu lesen ist die Slanted dieses Mal, weil fast durchsichtig dünne Schriftschnitte oder sehr kompresse und fette Sachen wie die Ambrosia Françoise Bold schon auch auf die Augen gehen – andererseits, wer vor 15 Jahren durch dekonstruktiven Kram kam, überlebt das auch und ein bisschen soll es ja eben auch Abenteuerspielplatz für den Leser sein, denke ich. Wie auch die Produktion mit Papierwechseln, Verdelungen, Sonderfarben zeigt, wie weit das Magazin von seinen Kopierwerk-Anfängen gekommen ist. Bei all dem dürfen die Texte nicht zu kurz kommen – obwohl sie das in dem stream of conciousness der Slanted mitunter durchaus tun -, die Interviews (u.a. mit Jost Huchuli) oder die Essays (u.a. von Yves Porchez) – die die Slanted immer wieder zu einem wunderbar nerdigen Faszien für Schriftfreaks machen und ihr einen festen Platz sicher nicht nur in meinem Herzen sichern, weil kein anderes Magazin so unilateral auf Schrift als Medium festgenagelt ist in Deutschland und zugleich so grandios irrlichtern kann und das Thema so unlangweilig präsentiert – obwohl es ja durchaus langweilig sein könnte. Also, wenn ihr noch kein Weihnachtsgeschenk für den freundlichen Type-Geek in eurer Agentur oder in der Wohnung nebenan habt, wist ihr ja jetzt, wie man ihm oder ihr eine Freude machen kann: Mit einem Abo für die Slanted – für 40 € doch perfekt für den Weihnachtsbaum.

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19:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

11-11-23

    Jim Shooter: «…people still wouldn't buy un-entertaining, impenetrable, rehashed, derivative masturbatory crap» http://t.co/ZscGluMM

23. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Eine Antwort.

Feldarbeit

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18:44 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag , . 5 Antworten.

Soleil

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Typetogether stelt gerade die neue Schrift des Österreichers Wolfgang Homola vor, die Soleil, eine gut ausgebaute geometrische Schriftfamilie, die aber weniger steif und unterkühlt wirkt als viele andere Schriftfamilien aus dieser Ecke (obwohl, lieben wir Futura, Nobel & Co nicht gerade wegen ihrer seltsamen und wunderbaren Frackhaftigkeit?). Osteuropäischer Zeichensatz, Türkisch, Pfeile, zahlreiche Dingbats, OSFs, handgebaute Kursive und viele andere hochliebevolle Details zeichnen die Soleil aus, die durch die deutliche x-Höhe und klare, dennoch warme Formen eine Art Lücke zwischen Frutiger/Myriad und Futura/Neutra zu schließen scheint. Die humanistischen Einflüsse machen die Soleil zu einer Art freundlichen Variante der herkömmlichen Geometrischen und lassen sie vor allem auch für Fließtext einsetzbar erscheinen, ohne dass der Leser gleich ein Augenleiden bekommt, während die Versalien ganz wunderbar schlicht und zeitlos im Bahnhof-Look gehalten sind. Exzellenter erster (offizieller) Wurf für Homola und ein weiterer wunderschöner Release von Veronika Burian and José Scaglione.

14:28 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

11-11-22

22. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Sting 25

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CD, aufwendiges Boxset und kostenlose App, die sich Sting zum 25 Geburtstag seiner Solo-Karrire selbst oder seinem Publikum schenkt ist ein seltsamer Trip in die Vergangenheit. Sting ist seit mindestens einer Dekade ein Künstler geworden, dessen aktuelle Platten man sich kaum noch wirklich anhören kann, zu irrlichternd und oft zu aufgesetzt wirkt die Musik, abgesehen von wenigen Highlights, und es ist zumindest für mich immer schwer vereinbar mit der Energie und Subversion, die ich mit The Police in der ursprünglichen Version verbinde, als die Band New Wave, Punk, Jazz und Dub nahtlos zusammenbrachte und über alle Genres hinweg einen ganz eigenen, bis heute unkopierbaren Sound etablierte.

Gordon Sumner – inzwischen runde 60 Jahre alt – feiert sich natürlich auch selbst hier, das ist der Anlass, mit Boxset-Veröffentlichung, App und anderem gewinnversprechenden Gedöns, sicher gefolgt von einem neuen Album und einer neuen Tour, und das ist auch absolut okay. Und ich muss zugeben, ein wenig zeigt gerade die iPad-App auch kondensiert den musikalischen Weg des Briten, der sich vor allen in den letzten Jahren zunehmend aus dem Pop-Schlamassel und dem Niedergang der Musikbranche geflüchtet hat und mit Klassik-Projekten auftrat, oder mit Autobiographie und einem Lyrics-Band am eigenen Vermächtnis zimmerte, was in dem Alter und nach der Karriere wahrscheinlich verständlich ist, dieses Bauen am eigenen Monument. In den Interviews der App tritt der «Jetzt»-Sting ruhig und gereift auf, selbstironisch und humorvoll, immer noch gutaussehend, aber nicht mehr dieser stets einen hauch zu glatte Mix aus Straßenjunge und Aristokrat, der einem im «Damals»-Sting entgegenkommt, etwa bei den Interviews zu Beginn der Solokarriere.

Und es wird klar, wie bedeutsam «The Dream of the Blue Turtles» musikalisch und biographisch war, ein smartes, selbst für einen Riesenstar wie Sting es damals noch war mutiges Album, das aus heutiger Sicht zwar kaum noch wirklich endlos starke Songs hat (absurderweise primär das Selbst-Cover «Shadows in the Rain», das am wenigsten totproduziert wirkt) und mit «Russians» bereits einen Vorgeschmack gab auf das leicht süßliche Zeug, das Sumner später produzierte («Fields of Gold», «Shape of your heart», usw). Dennoch ist in der Retrospektive die Energie und die Freude, die die Befreiung aus der Triostruktur bedeutet, absolut greifbar und macht dieses Album absurderweise ungeachtet der wirklichen kompositorischen Arbeit zu dem vielleicht spannendsten Sting-Album und «Bring on the Night» zu dem besten Live-Album, einfach, weil die Qualität der Musiker so unfassbar ist und sie nicht nur Miet-Mucker für den großen weißen Helden sind, sondern sich entfalten können. Ich habe Sting auf der letzten Police-Tour und auf der Dream-Tour gesehen und es war live greifbar, wieviel intensiver die erste Solo-Tour für Sting war, selbst wenn er als Vollprofi natürlich in Dortmund die gleichen Publikums-Gags macht wie in Milan oder in London oder sonstwo. Die Spontaneität kam nicht von dem Frontmann, sondern aus den Musikern um ihn herum, Kenny Kirkland, Omar Hakim, die den schwächelnden Balladen Herz und Energie einhauchten.

Es gibt nur noch ein Album, dass diese Energie erreicht, aber introspektiver, leiser ist und das die vielleicht besten Kompositionen von Sumner leistet – »Soul Cages», für Stings Verhältnisse vielleicht am ehesten so etwas wie ein Konzeptalbum, nicht nur eine Ansammlung verschiedener Songs. Die Zusammenarbeit mit Miller und Katché und das vielleicht beste Songwriting seiner Karriere setzen sich selbst gegen die etwas zu glatte Produktion des Albums durch und beweisen, das Sting auch «ruhig» sein kann, ohne zu glatt und kalkuliert zu wirken. Folgealben wie «Twelve Summoners Tales» oder «Mercury Falling» wirken dagegen unfokussiert, und obwohl gerade «Summoners» teilweise wunderbare Rhythmusarbeit und Genrefusionen bietet und unter den kommerzielleren Alben das souveränste ist, hat Sting nie wieder die Authentizität als Songwriter erreicht, die «Soul Cages» verspricht, ist zurückgefallen auf die formellen Spielereien, die schon õthing like the sun» so auszeichneten. Er ist, unterm Strich – obwohl handwerklich sicher ein Könner -, einfach nicht sonderlich ehrlich oder glaubhaft. Es ist fast seltsam, dass ein Sänger mit dieser Stimme nicht mehr Seele in seine Produktionen zu legen vermag, nackter, ehrlicher sein kann. Da wirken neue Experimente wie «Symphonicities», «Winter Tales» und «Songs from the Labyrinth» fast wie der Versuch, durch Genreflucht oder den Bombast eines großen Orchesters von dieser Vakanz in der tatsächlichen Musik abzulenken. Was schade ist, denn die Suche nach Inhalt wie auch die schiere handwerkliche Freude am Komponieren und Singen, an der Live-Performance und der Zusammenarbeit mit anderen Musikern, ist Sting in der Rückschau anzumerken. Vor allen in den vielen dokumentarischen Videos, die deutlich mehr Spaß machen als die Promo-Photos. Weil sie etwa körpersprachlich offenlegen, wie unwohl Sting sich mit den Black Eyed Peas fühlt und wie wenig er – seinen Worten zum Trotz – den jungen Rappern abgewinnen kann. Oder wie wenig die umgekehrt mit seiner britischen Arroganz anfangen können. Und weil die Clips aber auch sichtbar machen, wie sehr Sting im gemeinsamen Spiel mit seiner eigenen musikalischen «Familie» verloren gehen kann, so dass ihn nicht einmal ein umfallender Kontrabass oder eine durch das Schloss, in dem die Proben zu Blue Turtles liefen, schlurfende Rentnergang aus dem Konzept bringen können.

Und so wird diese multimediale Show – obwohl sie dies sicher nicht will – nicht so sehr zum Abbild einer erfolgreichen Musikerlaufbahn, sondern auch zur Kurvendiskussion eines Lebens als Profimusiker, der mit Police klein anfing, sich kühl kalkulierend auf dem Höhepunkt des globalen Ruhms zur eigenen Marke ausbaut und auf Solopfade begibt, eine Weltkarriere hinlegt und irgendwann den Punkt hat, wo es ihn spürbar langweilt, als Produkt in der Post-MTV-Welt zu funktionieren und alljährlich eine mehr oder minder ähnliche Jukebox-Platte zu produzieren, um sein mit ihm alterndes Publikum zu bespielen und noch eine Welttournee zu rechtfertigen… der aber eben auch lange genug im Geschäft ist um zu wissen, dass die Branche brutal ist und es am Ende auch um Geld, Charts, volle oder eben leere Säle geht. Sting braucht sich nur zu Andy Summers und Steward Copeland umzusehen, um zu wissen, wie flüchtig Ruhm sein kann.

Letzten Endes darf man eben nie vergessen, das es bei Musikern nie allein um «heute» geht. Dass die Simple Minds heute nahezu unerträglich sind, macht «Cacophony», «Empires» und «Sons» nicht minder zu exzellenten Alben, dass Cure eine Art Selbstparodie geworden sind mit den Jahren, macht das Duo «Faith/Pornography» nicht weniger phantastisch und Robert Smith nicht minder zu einem wichtigen Musiker. Und erst vor kurzen habe ich angesichts der frisch veröffentlichten U2-Deluxe-Alben entdeckt, wie gut sich gerade die unfassbaren naiven, unfertigen Steve-Lillywhite-Stücke anhören, obwohl oder gerade weil sie so unfassbar mies produziert sind, wie phantastisch dieses Unfertige, Rohe bei Edges Gitarrenspiel ist. Bei Sting ist es ähnlich: Man möchte bei jedem neuen Album ein wenig fremdschämen (ist aber dennoch neugierig genug, um es sich zumindest anzuhören, guilty pleasure halt), aber man darf nicht vergessen – und diese Quarter-of-a-Century-Rückschau ruft das ins Gedächtnis -, dass der Mann hier und da und vor allem nun mal leider früher stellare, wichtige Songs geschrieben hat. Lieder, die große Klasse und große Klassiker sind, und wie schwer muss es sein, damit zu leben, dass man vor vielleicht 30 oder 20 Jahren den kreativen Apex hatte und seitdem öffentlich aber eben auch in den stillen Stunden damit leben muss, nurmehr das eigene Erbe zu verwalten. Dieses Spiel mitzuspielen, sich dabei nicht völlig zu verlieren, den Kopf über Wasser zu halten und vielleicht nicht mehr wirklich gut, aber eben auch nicht völlig mies zu werden oder ganz das Handtuch zu werfen, ist vielleicht allein schon eine bemerkenswerte Leistung angesichts der Haifisch-Branche, in der Sting arbeitet. Insofern Glückwunsch zum Geburtstag zum Jubiläum … und ich warte weiter auf ein großes Alterswerk, das nicht mehr in stilistische Spielereien und Grenemasups flieht, sondern tief und ehrlich ist und mich aufrichtig zum Weinen bringt. Auf die nächsten 25 Jahre, Mr. Sumner. Und darauf, dass die Queen endlich den «Sir»-Title rausrückt, verdammt.

19:40 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

Dimensions of Stadt

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Wer in der Vorweihnachtszeit sonst nichts vorhat und wer sich für die Schnittstelle von Design und Architektur interessiert, den kann es am 15.12. vielleicht nach Dessau ziehen, wo in der Bauhausaule der Fachbereich Design der Hochschule Anhalt die Konferenz «Dimensions of Stadt – Designer erobern den urbanen Raum» startet. Moderiert von Sandra Giegler geht es vor allem um die Verzahnung von verschiedenen Kreativdisziplinen – Design, Architektur,Stadt- und Landschaftsplanung und Stadtplanern, Kulturwissenschaft usw. – zu einem Gesamtkontext, der eben auch beruflich für den Designnachwuchs hochspannend sein kann, der mit seinem prozess- und lösungsorientieren Denken ideal für die Arbeit an urbanen Eingriffen und Planungsaufgaben qualifiziert ist. Davon ausgehend, wie sehr Designer inzwischen in Kultur und auch Innenarchitektur mitmischen, ist es tatsächlich nur logisch, unsere Art, gestalterisch und kommunikationspsychologisch zu Denken auch in den größeren stadtplanerischen Kontext einzuweben – außerdem ist wahrscheinlich alles gut, was die Flut von Designer, die nach wie vor auf den Arbeitsmarkt drängt, auch in neue Felder und Bereiche zu kanalisieren ;-).

Sprecher sind u.a. Jakob Wolf, Anja Wolf, Steffen Schuhmann, Susann Baldermann, Jan Weber-Ebnet, Cordelia Polinna, Detlef Weitz und Julian Petrin.

Um 9.30 geht es am 15.12. in Dessau los, weitere Infos gibt es hier.

18:31 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

11-11-21

http://t.co/phSBL1eq Architecture of Fear – a conversation with Trevor Paglen

Code Cards http://t.co/UkvbauOB#

Villa Ypenburg III: A Modern Waterfront Home by BBVH Architects http://t.co/kEcEbnYV

21. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mobile Mouse – iPhone zum Diktat

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Dieser Tip ist zu gut, um ihn nicht doch noch einmal zu teilen. Man kann vom iPhone 4S aus problemlos und in Echtzeit auf jeden beliebigen Mac diktieren. Der Trick ist denkbar einfach: Man installiert auf dem iPhone die «Fernbedienung» Mobile Mouse, die viele von euch wahrscheinlich schon haben, um vom iPhone aus einen Laptop bedienen zu können. MobileMouse bietet eine Art Touchpad, dessen Bewegungen durch eine kleine Software namens Mobile Mouse Server, die installiert sein muss und die es gratis im AppStore gibt, an das iPhone übertragen werden. Mobile Mouse kann jedoch nicht nur Mausbewegungen leisten, sondern auch diverse Steuerungsfunktionen übernehmen, etwa Apps starten oder als iTunes-Fernbedienung dienen… oder eben als vollwertige «Ferntatstatur» dienen. Zunächst auf den ersten Blick unspannend, aber wenn man das Mikrophon von Siri aktiviert und in das iPhone spricht, erscheint wie von Zauberhand der gesprochene Text geschrieben am Cursor im Text auf dem Desktop-Mac, im Grunde völlig verzögerungsfrei. Damit wird das iPhone zum Mikrophon für den Mac. Zumindest bis Dragon Express auch auf Deutsch erscheint, ist das eine ideale Zwischenlösung für DIY-Spracherkennung ohne Extrakosten.

(via TUAW)

20. November 2011 23:20 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

11-11-20

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Chuck Palahniuk: Damned

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Chuck Palahniuks zwölfter Roman, «Damned», dient laut einem Interview der Verarbeitung des Todes seiner Mutter. Nicht, dass man davon etwas merken würde. Ganz im Gegenteil: der im Stil an Fynns Hallo-Gott-hier-spricht-Anna und Judy Blumes «Are you there God, It’s me, Margaret» erinnernde Text wirkt ebenso zynisch und sperrig wie alle anderen Werke von Palahniuk auch. Wer hier Trauerarbeit sucht, wird nicht fündig.

Highway to Hell
Die 13-jährige Madison, Tochter eines Jet-Set-Ehepaar, das ein wenig an Pitt/Jolie erinnert, gerät in die Hölle, weil sie angeblich an einem Joint gestorben ist (wir finden erst später heraus, woran sie wirklich starb). Die Hölle ist ein Ort, der uns zu uns selbst zurückführt, scheint es, denn hauptsächlich erinnert und Palahniuk hier daran, wie ekelig der menschliche Körper ist – mit Spermaseen, und Fußnägelfeldern. Aufgrund der im Verlauf der Geschichte zunehmend abstrusen Gründe, in die Hölle verbannt zu werden, ist die Hölle gut gefüllt, vor allem auch mit mit zahlreichen Prominenten der Weltgeschichte. Während der Autor im Rückblick mit gewohnt schwarzem Humor entfaltet, wie tragisch das Leben als Kind reicher Eltern offenbar ist, erleben wir zugleich die Abenteuer von Madison in der Hölle, wo sie unter anderem als Callcenter-Mitarbeiterin arbeitet, oder mit einer offensichtlich direkt aus dem «Breakfast Club» entsprungenen Runde von Mitstreitern die Hölle erkundet.

Ding Dong The Witch is Dead
Wie schon in seinem letzten Roman schreibt Palahniuk hier vergleichsweise halbherzig und verlässt sich zu sehr auf die üblichen Gimmicks und Tricks die er in den letzten Jahren als Autor entwickelt hat. Die Phrasierungen und die rhythmische Wiederholung bestimmter Formulierungen, die Schockeffekte, Mindfucks und Wendungen, die in Rückblenden und Zeitsprüngen enthüllte eigentliche Wahrheit hinter dem, was seine Figuren vermuten oder berichten, das gekonnte Spiel mit postmodern-medialen Versatzstücken, die er dem Leser augenzwinkernd hinwirft… wo Palahniuk sich früher als Autor mit jedem neuen Buch neu zu erfinden schien, greift er mit den letzten zwei oder drei Büchern auf eher vertraute Muster zurück.
Auf diese Art wirkt «Damned» passagenweise ein wenig wie auf Autopilot geschrieben. Vielleicht ist aber auch eine verwöhnte Einstellung, von einem Autor immer wieder zu erwarten, dass er seinen Stil mit jedem Buch völlig neu erfindet. Nur weil Palahniuk genau dies bisher über Jahre hinweg sehr erfolgreich gelungen ist, gibt es keinen Grund für ihn, einem einmal gefundenem «Sound» eine Weile lang treu zu bleiben – andere Autoren schließlich ändern ihr Schreibpattern nie. Palahniuk ist – ähnlich wie ganz wenige andere Künstler, Musiker oder Regisseure – ein Autor, bei dem man sich daran gewöhnt hat, dass er sich mit jedem Buch verändert, weiterentwickelt, revolutioniert. Vielleicht ist diese Erwartungshaltung aber zu begraben. Denn es ist ja durchaus gut, wenn ein Künstler nach langer Suche zu «seinem» Stil findet. Das Problem ist nur: Sobald die stilistischen Gimmicks in den Hintergrund treten, wird der Inhalt, die eigentliche Geschichte wieder wichtiger. Und die schwächelt leider bei dem an sich sehr gut lesbaren, amüsant im Stil eines Jugendroman geschriebenen Buchs, ein wenig. Was aber wenig heißt – ein wie nebenbei geschriebener Palahniuk ist immer noch stärker als andere Autoren in ihren besten Werken.

Pretty in Pink
Insbesondere, da Palahniuk keinerlei Angst vor dem Absurden hat und sich umso wohler zu fühlen scheint, je bizarrer die Situationen im Buchverlauf werden. So lässt er Madison kurzerhand den offenbar in der Hölle gelandeten Hitler K.O. schlagen und den vielleicht berühmtesten Oberlippenbart der Welt als Mini-Skalp ergattern, bevor sie auch noch der französischen Königin Caterina de Medici, Vlad den Pfähler, Caliguladen, Blaubart und anderen historischen Übeltätern den Garaus macht. So entpuppt sich «Damned» als post-mortales coming-of-age-Cabaret, in dem die kleine dicke Maddy Spencer wie in einem Videogame Gegner nach Gegner demütigt, Totems sammelt, eine Armee von Hölleninsassen gewinnt und sich zum zwar immer noch nicht schönen aber glitzernd-gefährlichen Schwan mausert. Es ist ein schwarz schillerndes Gegenstück zum normalen Jugendbuch, wo die jungen Helden ja auch immer wieder kleine Aufgaben und Hürden zu meistern haben, um ihre Ziele zu erreichen und eine Crew um sich sammeln – nur hier ist es halt Mord und Totschlag und die Crew besteht aus toten Soldaten und Söldnern Wie ein frischgeborener Dämon vernichtet Madison die alte Garde und schmückt sich ritualistisch mit den Ikonen des alten, rein irdischen Bösen – metatextuell begleitet von ihrer Erkenntnis, dass sie keine Figur in einem Roman ist, keiner festgelegten Narration folgen muss, sondern aus den Ketten ihrer Charakterisierung springen und sich neu erfinden kann in der Hölle… und dabei stets begleitet von den Einflüsterungen des blauhaarige Punks Archer. Und so mutiert Maddy zu einer politischen Kraft in der Hölle, zu einem menschlichen Teufel, der die Horden von Dschingis Khan und Hitler ebenso kommandiert wie die Kranken, die sie nebenbei als Hotline-Telefonistin from Hell davon überzeugt, dass es in der Hölle doch viel spannender sei als im Himmel und dass sie Maddy besuchen sollten, wenn ihre versagenden Nieren oder Hirntumore sie dahinraffen. Und dabei bitte die Süßigkeiten nicht vergessen, die in der Hölle als Währung funktionieren.
Natürlich gibt es am Ende – in bester Palahniuk-Tradition – neben der Enthüllung das wichtige Annahmen des Buches eine Lüge waren, auch einen Wendemoment, der die gesamte Geschichte kippen lässt. Diesmal erinnert die Sache besonders stark an Palahniuks Debüt «Fight Club», und der Autor zieht der im Buch immer wieder von der Hauptfigur beteuerten Unabhängigkeit komplett den Boden unter den Füßen weg, gibt ihr aber auch zugleich eine neue Aufgabe. «Dammed» endet, fast vorhersehbar, damit, dass Madison in den Kampf gegen Satan persönlich zieht und mit den Worten «to be continued».

A Man of Wealth and Taste
Das dünne Buch kommt, wie schon «Tell-All» davor, fast skizzenhaft schnell daher, liest sich einerseits süffig weg, wirkt andererseits frei improvisiert, mit Entwicklungen, die im Nichts enden und Wendungen die genau da her zu kommen scheinen, während Palahniuk seine Melodien und Motive aus der Tastatur herausarbeitet. Eine Tour de Force galligsten Galgenhumors, lässt «Damned» eigentlich kein Thema ungeschoren davonkommen. Religion, die absurde pseudo-grüne Konsum-Weltverbesserei von Maddy Hollywood-Eltern, der Gesundheitsfimmel, Politik – jeder kriegt hier sein Fett weg. Eine zentrale Botschaft aber ist, die Madison mehrfach wiederholt, dass all unsere Bemühungen, zu leben und am Leben zu klammern, vergebens sind, wir enden ohnehin in der Hölle. Egal wie gesund wir uns ernähren, egal wie viel wir joggen und radfahren, egal, wie oft wir uns nach verdächtigen Knötchen abtasten – am Ende kriegt der Tod uns ja doch alle. Und so steckt «Damned» voller wunderbarer Zeilen, Absätze, Gags und spitzzüngiger Abrechnungen und ist ein Paradebeispiel von Palahniuks Technik der Eskalation ins Absurde durch Wiederholung, aber es wird auch sehr deutlich, dass der Autor sich wegentwickelt von herkömmlichen Handlungsstrukturen und «Geschichten» oder gar «Charakteren» (die bei ihm kaum noch mehr als eine Skizze sind) und sich mehr und mehr auf möglichst bizarre Ideen verlässt, über die er frei improvisieren kann. Es gibt keinen zweiten Autor wie Palahniuk, insofern müssen uns die in vieler schmalen Büchlein, die er derzeit herausbringt, reichen, aber ein klein wenig darf man sehnsüchtig nach älteren Werken schauen, die ebenfalls bizarre und wilde Achterbahnfahrten waren, die aber dadurch intensiver wirkten, dass wir noch tatsächlich mit seinen Figuren mitfühlen konnten, weil sie mehr als reine Chiffren waren, die durch eine eher stenographische Handlung stolpern. Es ist vielleicht ein Kompliment, vielleicht auch ein Fluch, wenn man einen genialischen Künstler immer wieder an früheren Werken misst, aber mal ehrlich: Wer denkt nicht bei jedem neuen Radiohead-Album zuerst an «OK Computer» oder «Kid A» im Vergleich, wer wünscht sich nicht, dass das aktuelle Björk-Album doch vielleicht einen Hauch mehr nach «Homogenic» klingt? Was nicht heißt, dass «Damned» nicht komisch, ekelig, fesselnd, ultrasatirisch und durchaus sehr, sehr gut ist – und vielleicht Palahniuks, wenn auch auf verstörende Art, optimistischstes Buch – bleibt also zu hoffen, wenn es auch unwahrscheinlich scheint, dass es wirklich eine Fortsetzung gibt.

10:55 Uhr. Kategorie Buch. Tag . Keine Antwort.

11-11-19

19. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Oben Unten

18:58 Uhr. Kategorie Photos. Tag . Keine Antwort.

Montserrat

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«The Montserrat Typeface» ist ein Kickstarter-Projekt von Julieta Ulanovsky, die mit einem Set von bis zu 9 Schriften die Alltagstypographie ihres Stadtteils Monserrat in Buenos Aires retten will, mit allen formalen Fehlern und trotzdem digital – und vor allem als Open Source Font. Was man bisher sehen kann, ist sehr vielversprechend und mehr als sympathisch ist die Idee ohnehin – kein Wunder also, dass Julieta längst deutlich über dem zu erzielenden Mindestbudget von 5000 $ ist. Was ja nicht heißt, dass ihr trotzdem nicht ein paar Euro beisteuern könnt ;-).

18. November 2011 22:02 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

The funny thing, though? It’s absolutely true!

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21:41 Uhr. Kategorie Design, Stuff. Tag , . Keine Antwort.

11-11-18

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

11-11-17

17. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Licht = gut

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Trotz der unschönen Anführungszeichen-Typographie natürlich ein absolut richtiges Statement von Axel Meise, Geschäftsführer von Occhio in der neuen Ausgabe des CI-Magazins.

18:13 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Would Frank Miller wear this shirt?

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12:16 Uhr. Kategorie Design, Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Andreas Fuhrimann

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Apropos Tycho; Aus Hansens ISO50-Blog kommt dieser Link zu einer atemberaubenden Sammlung von Photos alten 60er- und 70er-Jahre-Produktdesigns von Andreas Fuhrimann, einem hervorragendem Schweizer Architekten. Nicht neu, aber immer noch atemberaubend… Es ist nach wie vor spannend, wie sehr der ja doch sehr verlogene Werkstoff Plastik in seinen Jugendtagen mutiger und schöner war als heute, wo er fast die Welt an sich gerissen hat. In den frühen Plastik-Designs steckt der Geschmack von Aufbruch, von Auflehnung gegen eine Welt aus Holz, Glas, Leder und Metall (nach der wir uns heute zu Recht zurücksehnen) und ein Optimismus und Farbenfreude, die an die frühe Moog-Zeit erinnert und insofern bei aller Eleganz und allem Pop immer auch eine Spur Punkigkeit aufweist, ein Verbrennen alter Brücken und ein Aufbruchsgeist. Daraus kann unendlicher Kitsch werden, oder – in den richtigen Händen – Klassiker, die sich über ihren billigen Werkstoff erheben und auch in Jahrzehnten, jenseits aller Moden und Retrowellen, gut aussehen werden.

11:36 Uhr. Kategorie Design. Tag , , , . Keine Antwort.

Tycho: Dive

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Mit Five legt Scott Hansen alias ISO50 alias Tycho sein neues Album vor – ein atemberaubender, federleichter Longplayer, dessen vorab veröffentlichet Track «Adrift» ein Song für die Ewigkeit ist, mit seinen leiernden, schwingenden Melodien und der seltsamen Ambience, die den Song durchzieht wie arktischer Wind. Der aus San Francisco kommende, aber seltsam wortlos klingende Hansen mixt schwebende Flächen, hypnotische Beats, Gitarrenfragmente und Samples zu einem Sound, den man nicht wirklich post-dubstep nennen darf, der aber sicher einen ähnlichen Geschmack bedient. Nur ist seine Musik weniger fragil und dekonstruiert, weniger «nichts», dafür voller und reicher, aufgeladen mit winzigen, wie atomisierte Kristalle durch die Luft schwebenden Klangfetzen, die eine fast schon esoterische Soundcanvas erwecken. So farbenfroh und zugleich leicht wie Hansens graphische Arbeiten ist auch seine Musik. Wie bei Kim Hiorthøy (wenn auch viel glatter) gibt es eine nahtlose Verbindung zwischen Musik und Design, was die Kritik nahelegt, dass es eben auch Design-Musik ist, die beliebig und «schick» am Rechner zusammengebastelt wird, mit kulturellen Samples angereichert. Was aber in beiden Fällen unsinnig ist – Hansen setzt einfach seine Ideen mit dem gleichen digitalen Werkzeugen (die ja ohnehin immer ähnlicher werden) um, so wie ein Maler ja durchaus auch ein guter Photograph oder Schriftsteller sein kann, ein Regisseur vielleicht ein guter Musiker und so weiter. Wo beim Skandinavier Hiorthøy alles etwas wirsch-verspielt und zugleich verstörend wirkt, simpel und hyperkomplex in einem, liefert Tycho einen wunderbaren, aber nie einfachen und glatten Kopfhörer-Sound, der an Tage und Nächte an der Küste erinnert, durch den immer die Wellen rauschen und in dem der Verkehr gefroren in Zeitlupe endlos über die Highways loopt.

11:14 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

11-11-16

16. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Bear + Potato = Beartato

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Keine Frage, was so wie oben 2005 anfängt und so wie unten 2011 endet, muss eine gute Reise sein: Das Nedroid Bilder-Tagebuch von Anthony Clarke ist, wie so viele Webcomic-Projekte, mehr als einen Besuch wert und gehört eigentlich fest in euren RSS-Feed.

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15:49 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Motivationsmusik

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Läuft ab jetzt nonstop im Büro, wenn jemand gute Arbeit gemacht hat (also natürlich immer): Markus Reyhanis «Das hast du gut gemacht» aus Rubys Wintergarten. Gibt’s hier.

15:35 Uhr. Kategorie Musik, Stuff. Tag . 5 Antworten.

Altes Paar

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Im Wald vor mir geht dieses alte Paar. In diesen seltsamen, eigentlich wunderbaren, monochromen und formlosen Kleidern, die alte Leute noch tragen, zweckmäßig, gemütlich, geerdet. Sie schwanken und wackeln etwas beim Gehen, hin und her, immer zu einander, weil sie im gleichen Takt gehen, seine Schulter berührt kurz ihre dabei, wie ein Spieluhrenpaar, hin und her, in einem schon fast hypnotisch langsamen Rhythmus, der traurig ist und süß und rührend. Von hinten ist schwer zu raten, wie alt sie sind, vielleicht 70, vielleicht 90. Und sie halten Händchen, schunkeln hin und her, und halten Händchen und sind bald um die Ecke verschwunden. Genau so muss man alt werden, denke ich. Hin und her, aufeinander zu schwankend. Und Händchen haltend.

12:52 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 2 Antworten.

Dayshot

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15. November 2011 21:24 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . 2 Antworten.

11-11-15

21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

Mehr als 1000

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Die stets kluge Bildredaktion des Spiegel beweist erneut, dass Photos oft mehr sagen – oder andere Dinge sagen – als Worte und lässt zwei Bilder quasi gegen ein recht unverfängliches Interview mit Linke-Chef Gregor Gysi laufen, die allein durch ihre Körpersprache mehr sagen als der gesamte Text drumherum, über Beziehungen, über Führungskämpfe, über Kommunikationsprobleme. Von Gesine Lötzschs Mischung aus kampfbereiter Mimik und Schnute und Lafontaines fast gelangweilten «Komm-doch-wenn-du-was-willst»-Blick hin zu Klaus Ernst und Sarah Wagenknecht, die sich mit verschränkten Armen gegenüberstehen und aneinander vorbei sehen, zwei Photos zeigen eine Parteispitze im Clinch, im Stillstand, in der Eiszeit. Keine Frage – solche Photos können täuschen und sollen natürlich auch einen bestimmten Zustand suggerieren und gefrorene Momente geben nie wirklich kommunikative Zustände wieder – aber im Hinblick auf Text-Bild-Schere hat der Spiegel hier großartig mit den Bildern aus dem WAZ Pool und von Michael Gottschalk operiert.

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11:47 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , , . Keine Antwort.

11-11-14

14. November 2011 21:00 Uhr. Kategorie Tweets. Tag . Keine Antwort.

My dingbats is bigger than your dingbats

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Johannes Erler, frisch gekürt zum Art Director des Sterns (und damit aus meiner Sicht vielleicht die letzte Hoffnung eines etwas darbenden Blattes), zeigt sich großzügig und schenkt der globalen Designergemeinschaft ein flottes Remake der Zapf Dingbats, die er etwas selbstironisch Erler Dingbats nennt. Aufgeräumt und klar, deutlich angelehnt an die FF Dingbats, die auch aus dem Hause Factor Design stammte (als Erler noch dort war), und sicher auch ein kleines bisschen als Freemium-Maßnahme gedacht, um den Leuten Geschmack auf die (ja nun mal wirklich exzellente) FF-Dingbats 2.0 zu machen, ist der Font ein 1:1 Make-Over des Klassikers der Zapf Dingbats aus den Siebzigern mit einer Ästhetik, die – da an die FFDingbats angelehnt – zumindest in mir wiederum eine schöne cleane Spät80er/Früh90er-Assoziation erweckt. Wer die FF Dingbats schon hat, wird die Erler nicht unbedingt brauchen, aber die Idee, diesen etwas in die Jahre gekommenen Zeichensatz komplett zu ersetzen (zumal die Erler als Freefont ja eventuell auch webtauglich ist), ist mehr als sympathisch und zugleich eine sehr charmante und bescheidene Verbeugung vor einem der ganz großen Schriftenmacher, was man in der Musik wohl «A Tribute to…» nennen würde. Was die Frage aufwirft, wie wohl die ZapfDingbats aus den Händen anderer Schriftdesigner interpretiert aussähe? Vor allem ist es auch schön, nicht immer nur Revivals von Helvetica oder Futura zu sehen, sondern hier einmal einen ganz anderen Schriftklassiker neu aufgelegt und poliert zu bekommen.

Auch wenn ich zugeben muss: Der Charme der Zapf Dingbats ist ja nicht, dass man ein Herz oder einen Pfeil zur Hand hat (die baut man sich zur Not rasch selbst), sondern eben der bauchige, weiche Look von Hermann Zapfs Klassiker, der im entsprechenden Umfeld sofort «Vernacular» oder «Retro» wirkt und den man ja ohnehin meist nur ironisch gebrochen einsetzt, weil die Schrift aus heutiger Sicht einen vielleicht zu weichen und blumigen Duktus hat. Dieser Effekt geht natürlich mit der Erneuerung verloren, so wie der New Beetle eben auch kein Käfer ist (aber eben auch schneller fährt). Die sachliche Handschrift des Remakes überzeugt aber absolut und wer weiß, wieviel Arbeit in so einem Dingbats-Fontsatz steckt, wird zu schätzen wissen, dass Johannes Erler und Fontshop die Sache gratis verteilen. Dank an Johannes und Hennig Skibbe!

19:16 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Scan auf iPad und iPhone

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Für den Fujitsu Snapscan S1100 gibt es ein interessantes Update, das ein direktes Senden von Scans, die mit dem Gerät gemacht werden, auf die ScanSnap-App erlaubt. Ehrlich gesagt würde ich so etwas heute über Fotostream lösen, aber die Entwicklung zeigt, das Fujitsu es mit der Weiterentwicklung der ScanSnap-Umgebung bisher relativ ernst meint. Mehr gibt es hier und hier. Dank an Heidi Schall für den Tipp.

12:58 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Blickfang

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Etwas spät komme ich endlich einmal dazu, die Bücher, die sich seit Jahresmitte hier stapeln, durchzugehen.

Für uns Kreativ- und Artdirektoren, auch wenn es bei Photographie einen ungebrochenen Trend zur Inhouse-Produktion gibt, sind gute Illustratoren und Photographen das Salz in der Suppe. Selbst wenn man akut keinen Etat hat, für den man einen Photographen braucht, ist man doch ständig auf der Suche nach visuellen Trends und Trendsettern, mit denen man für den «richtigen Job» zusammenarbeiten könnte. Bei einem kleinen Büro wie nodesign, wo es keinen dedizierten Art Buyer gibt, gehört ein offenes Auge beim Magazin-Lesen, Portfolio-Surfen, Messen wie Bild.Sprachen und so weiter oft zum Alltag. Einen schönen Überblick bietet Blickfang – Deutschlands beste Photographen, quasi das Gegenstück zu den gewohnten Agentur-Annuals, und wie immer ist man etwas neidisch, wie einfach Photographen es haben, ihre Arbeit zu kommunizieren. Da ist ein Bild – und das Bild funktioniert, ob allein oder im Kontrastumfeld einer Serie, basta. Kein Konzept, keine auf einem Photo schwer kommunizierbare typographische Detailarbeit, keine Auftraggeberwünsche, die hier oder dort ein Logo oder einen Störer bedingen – einfach nur ein starkes Bild. Blickfang bietet 726 Seiten davon, komplett mit Interviews und Texten aus der Branche – von der anderen Seite des Marktes also auch ein schöner Blick in die Realität von Photographen. Auch wenn ich mehr und mehr dazu neige, solche Kompendien nicht mehr wirklich im Regal stehen zu haben – wo ich sie meist nicht mehr wiederfinde, sondern digital haben zu wollen, ist dieses edel aufgemachte Buch für 50 Euro allemal einen Kauf wert. Bestellen kann man es hier.

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11:21 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag . Keine Antwort.

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